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Kasachstan: Fünf Verletzte bei Konflikt zwischen Kasachen und Uiguren

Am 16. Juni ist im Gebiet Almaty im Süden Kasachstans ein Streit zwischen jungen Kasachen und Uiguren eskaliert. Fünf Menschen wurden durch Messerstiche verletzt. Die Behörden betonen, dass die Gewalt keinen ethnischen Charakter hat, obwohl im vergangenen Februar bei einem Konflikt zwischen Kasachen und Dunganen zehn Menschen getötet wurden.

Am 16. Juni ist es im Uigurischen Bezirk im Gebiet Almaty zu einem Konflikt zwischen jungen Kasachen und Uiguren gekommen, bei dem fünf Menschen verletzt wurden. Laut der kasachstanischen Nachrichtenagentur KazTAG ereignete sich der Vorfall auf einer Straße in der Nähe des Dorfes Shonji, wo zwei Autos fast kollidierten. Die Situation eskalierte dann schnell, als die zehn Insassen der beiden Fahrzeuge begannen sich zu bekämpfen.

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„Verbale Auseinandersetzungen zwischen Kasachen und Uiguren aus zwei Autos eskalierten in einem Kampf. Infolgedessen wurden fünf Menschen mit Stichwunden ins Krankenhaus eingeliefert. Der Zustand der Opfer ist zufriedenstellend. Drei Personen bleiben weiterhin im Krankenhaus, zwei sind nach Hause zurückgekehrt.“, erklärte der Pressedienst der Gebietsverwaltung gegenüber KazTAG.

Interethnischer Konflikt oder einfacher Streit unter Jugendlichen?

Kurz nach dem Vorfall traf der Gouverneur der Region Almaty, Amandyq Batalov, zu einer Dringlichkeitssitzung in Uigurischen Bezirk ein. “[Am 17. Juni] hatten wir ein langes Treffen mit den Vertretern des Bezirks. Eine Reihe von Fragen wurden diskutiert. Die Aksakale (Dorfältesten, Anm. d. Ü.) haben gebeten, den Vorfall nicht als ethnischen Konflikt zu betrachten, sondern als einfachen Konflikt zwischen Jugendlichen“, sagte der Direktor des Pressedienstes gegenüber KazTAG.

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Die Polizei hat ihre Ermittlungen aufgenommen und scheint ebenfalls nicht von einem ethnischen Konflikt auszugehen. Der Vorfall wurde daher nach Artikel 293 des kasachstanischen Strafgesetzbuches als „Rowdytum“ bezeichnet. „Sie haben einfach die Straße nicht freigegeben. Auf einem nicht regulierten Abschnitt sind die zwei Autos fast kollidiert, was zu dem Konflikt führte“, erklärte Galymurat Jukel, der Pressesprecher der Gebietsverwaltung, gegenüber dem kasachstanischen Nachrichtenportal Informburo.

Wird das Dorf Shonji bald umbenannt?

Am 17. Juni, also am Tag nach dem Vorfall, gab Galymurat Jukel bekannt, dass BewohnerInnen des Dorfes Shonji, deren ethnische Zugehörigkeit nicht angegeben wurde, den Gouverneur gebeten hätten, den Bezirk und das Dorf umzubenennen. “In der Tat wurde diese Frage gestellt. [Einige EinwohnerInnen] haben vorgeschlagen, das Dorf Shonji und den Uigurischen Bezirk umzubenennen. […] Der Gouverneur der Region, Amandyq Batalov, sagte, dass die Entscheidung nach einer Prüfung der Vorschläge getroffen werde“, erklärte der Pressesprecher.

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Jukel fügte hinzu, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Konflikt vom 16. Juni und den Forderungen der EinwohnerInnen gebe. “Diese Anfrage kommt von Anwohnern, ich kann Ihnen also nicht sagen, womit es zusammenhängt. […] Nein, es hat nichts mit dem Konflikt zwischen den jungen Menschen zu tun, der sich am 16. Juni ereignete”, schloss er nach Angaben von KazTAG.

Angespannte Lage im Südosten Kasachstans

Nach den Daten der letzten offiziellen kasachstanischen Volkszählung von 2009 lebten 224.713 UigurInnen in Kasachstan, was 1,4 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes entspricht. Zu jenem Zeitpunkt bildeten die UigurInnen jedoch die Bevölkerungsmehrheit im Uigurischen Bezirk des Gebiets Almaty. Das Verhältnis zwischen den kasachstanischen Behörden und der uigurischen Minderheit ist seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1991 stark von der chinesischen Politik in der Autonomen Uigurischen Region Xinjiang beeinflusst. Unter chinesischem Druck verschärfte die kasachstanische Regierung ihre Politik gegenüber den UigurInnen, deren Nationalismus manchmal als Bedrohung der nationalen Sicherheit Kasachstans wahrgenommen wird.

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Im Südosten Kasachstans kam es zwar noch nie zu großer Gewalt unter Beteiligung der uigurischen Gemeinschaft, jedoch ist die Region nicht frei von interethnischen Spannungen. Zuletzt führte im Februar im Gebiet Jambyl ein Verkehrsunfall, an dem Kasachen und Dunganen beteiligt waren, zu einem interethnischen Konflikt. Die Gewalt forderte 10 Todesopfer, darunter 9 Dunganen, bevor die Polizei einschreiten konnte und Dutzende Menschen festnahm. Dieser angespannte Kontext könnte erklären, warum die Behörden sofort darauf bestanden haben, dass der Vorfall vom 16. Juni kein interethnischer Konflikt gewesen sei, obwohl die Untersuchung gerade erst begonnen hat.

Quentin Couvreur, Redakteur für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

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