zwei Schneeleoparden

Erstmals seit 30 Jahren: Schneeleoparden am Großen Almaty-See fotografiert

Zum ersten Mal seit 1986 wurden in der Nähe des Großen Almaty-Sees in Kasachstan ein weiblicher Schneeleopard und sein Junges fotografiert. Diese überraschende Entdeckung könnte durch die im Land geltenden Eindämmungsmaßnahmen gegen den Coronavirus begünstigt worden sein. Der durch Wilderei und die Vernichtung seines Lebensraums bedrohte Schneeleopard ist eine Art, die von der Internationalen Union für die Bewahrung der Natur (IUCN) als „gefährdet“ eingestuft wird.

Das Wappentier von Almaty kehrt zurück an den Stadtrand. Wie die das kasachstanische Onlinemedium Vlast.kz am 12. Mai berichtete, wurden ein weiblicher Schneeleopard und sein Junges in der Nähe des Großen Almaty-Sees aufgenommen. Auf einer Höhe von etwa 2500 Metern liegt dieser See nur etwa 15 Kilometer südlich von Kasachstans größter Stadt Almaty.

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Zarina Nazarbaeva, Koordinatorin der in Kasachstan ansässigen Snow Leopard Foundation, hatte offensichtlich nicht erwartet, dass die von ihrer Organisation gestellten Fotofallen ein solches Ergebnis liefern würden. Schneeleoparden waren zuletzt 1986 in der Gegend fotografiert worden. Nazarbaeva betont gegenüber Vlast.kz, dass ihre Organisation bereits wusste, dass der Große Almaty-See ein Lebensraum für Leoparden war. „Wir haben Spuren gefunden, es gibt Augenzeugenberichte, aber es gab bisher keine dokumentarischen Beweise. Der See und die umliegenden Berge sind das historische Territorium der Schneeleoparden“, erläutert die Spezialistin.

Auswirkungen der in Kasachstan verhängten Anti-Corona-Maßnahmen?

Die Snow Leopard Foundation hatte ihre Fotofallen zwischen März und Ende April aufgestellt. Aufgrund der seitdem in Kasachstan geltenden Quarantänemaßnahmen konnte sie diese jedoch erst Anfang Mai auswerten. Die Stiftung geht davon aus, dass die Entdeckung der Tiere in der Nähe des Großen Almaty-Sees „mit der Abnahme der menschlichen Präsenz verbunden ist, die wiederum auf die Einführung der Quarantänemaßnahmen zurückzuführen ist. Zweifellos hat die Quarantäne die Aktivitäten wilder Tiere beeinflusst. Sie wurden mutiger.“

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Neben den beiden Schneeleoparden filmten die Kameras mehrere andere Arten. Ein Video, das auf dem Instagram-Account der Snow Leopard Foundation hochgeladen wurde, zeigt einen Fuchs, einen Bären sowie mehrere Steinbock-Weibchen mit ihren Jungen. Die Geräte wurden im gesamten Nationalpark Ile-Alatau, dessen Fläche rund 200.000 Hektar umfasst, installiert. Obwohl Bären schon zuvor im Nationalpark gesichtet worden waren, gelang es ebenfalls zum ersten Mal seit dem 20. Jahrhundert diese in der Nähe des Großen Almaty-Sees zu fotografieren.

Opfer von Wilderei und der Zerstörung des Lebensraums

Die Snow Leopard Foundation wurde im Februar 2018 vom kasachischen Geschäftsmann Nurali Aliev gegründet. Aliev, Enkel des ehemaligen Präsidenten Nursultan Nazarbaev und mehr für seine Auseinandersetzungen mit der britischen Justiz als für sein Engagement für die Umwelt bekannt, wolle die Schneeleopardenpopulation in Kasachstan wiederherstellen heißt es auf der Webseite der Stiftung. Um dieses Ziel zu erreichen plane die Stiftung laut Zarina Nazarbaeva ein Rehabilitationszentrum für Schneeleoparden in der Nähe des Großen Almaty-Sees zu errichten.

Der Schneeleopard ist eine Art, die seit 1997 von der Internationalen Union für die Bewahrung der Natur (IUCN) als „gefährdet“ eingestuft wird. Die Art lebt nur in Asien auf einer Höhe von 500 bis 5000 Metern und in einem riesigen Gebirgsgebiet, das sich vom Himalaya im Süden bis zum Altai im Norden erstreckt. Die Organisation schätzt, dass die Gesamtzahl der Schneeleoparden derzeit zwischen 2.700 und 3.400 Exemplaren liegt. Von diesen würden 100 bis 200 in Kasachstan leben, hauptsächlich in den Bergen im Südosten des Landes.

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Der Schneeleopard, dessen Population schrumpft, ist Opfer von Wilderei und Veränderungen in seinem Lebensraum. Obwohl er geschützt ist, wird er weiterhin wegen seines Pelzes gejagt, der mehrere tausend Dollar auf dem Schwarzmarkt einbringt. Doch auch wegen seiner Knochen, die in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet werden, ist das Tier begehrt. Darüber hinaus schrumpft der Lebensraum des Schneeleoparden beständig, was vor allem auf den Klimawandel, aber auch auf zunehmende Tourismus zurückzuführen ist. Im März 2019 stellte Sherry Young, Mitglied der NGO Snow Leopard Trust, gegenüber Novastan fest, dass „der Anstieg der Durchschnittstemperatur den Bäumen ermöglicht, in immer höheren Lagen zu wachsen. Da der Schneeleopard in einer felsigen Umgebung lebt, reduziert die Anhebung der Baumgrenze seinen natürlichen Lebensraum.” Schließlich erinnert Zarina Nazarbaeva daran, dass die unkontrollierte Entwicklung des Tourismus „Schneeleoparden zur Migration zwingt“.

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Um die letzten Vertreter der Art zu schützen, wurde ein umfangreiches, zwischenstaatlich koordiniertes Programm unter Federführung des Snow Leopard Trust eingerichtet. In 23 Zonen in fünf Ländern haben sich die DorfbewohnerInnen verpflichtet, der Wilderei entgegenzuwirken und den Schutz der Schneeleoparden zu fördern. Kasachstan nimmt jedoch nicht an dem Programm teil. Somit bleibt die entscheidende Frage offen: Werden die Aufnahmen in der Nähe des Großen Almaty-Sees die kasachischen Behörden davon überzeugen, die Schutzmaßnahmen für diese majestätische Katze auszuweiten?

Quentin Couvreur, Redakteur für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

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