Startseite      Qairat Almaty in der Champions League: Was bleibt?

Qairat Almaty in der Champions League: Was bleibt?

Obwohl sieglos geblieben, profitiert der Fußballclub Qairat Almaty nachhaltig von seiner Teilnahme an der Champions League. Dank Finanzstrategie, internationaler Präsenz und Spielerentwicklung schreitet der Wandel im kasachstanischen Fußball weiter voran.

Erstmals in der Champions League dabei gewesen: Qairat Almaty, Photo: UEFA

Obwohl sieglos geblieben, profitiert der Fußballclub Qairat Almaty nachhaltig von seiner Teilnahme an der Champions League. Dank Finanzstrategie, internationaler Präsenz und Spielerentwicklung schreitet der Wandel im kasachstanischen Fußball weiter voran.

Am 29. Januar fand ein für den kasachstanischen Fußball prestigeträchtiges Spiel statt. Qairat Almaty traf in Großbritannien auf den legendären Londoner Club Arsenal. Die Gruppenphase des prestigeträchtigsten und umkämpftesten Turniers der Welt, an dem die besten Vereine Europas teilnehmen, endete mit einer knappen 2:3-Niederlage.

Auch wenn Qairat, die einzige kasachstanische Mannschaft im Wettbewerb, nicht mit sportlichen Ergebnissen glänzen konnte und den letzten Platz in der Tabelle belegte, eröffnet die erste Teilnahme des Clubs an der Champions League dennoch vielversprechende Entwicklungsperspektiven für Kasachstans Fußball.

Nachdem sich Qairat Almaty erst über die Playoffs gegen Celtic Glasgow qualifiziert hatte, galt das Team in der Ligaphase als Außenseiter. Diese Einschätzung spiegelt sich in der enttäuschenden Abschlussbilanz wider: kein Sieg, ein Unentschieden gegen den zypriotischen Verein Paphos FC und sieben Niederlagen. Insgesamt erhielt der Verein damit nur einen Punkt.

Seit der Reform von 2024 spielen alle Teams in einer einzigen Liga mit acht Spieltagen (vorher sechs). Qairat ist der erste Vertreter Kasachstans, der dieses neue Format erlebt. Wie schon das Spiel gegen Arsenal hinterließ auch die gesamte Europapokal-Saison einen bitteren Nachgeschmack, geprägt von mehreren knappen Niederlagen gegen Klubs wie Olympiakos Piräus, FC Kopenhagen und Inter Mailand.

Europa: eine bewusste Strategie

Qairats Qualifikation für die Champions League ist vor allem das Ergebnis einer langfristigen Entwicklungsstrategie für den kasachstanischen Fußball, die maßgeblich durch UEFA-Fördergelder unterstützt wurde. Auf den ersten Blick mag die Teilnahme überraschen: Mehr als 3.000 Kilometer vom Herzen Europas entfernt, ist der Verein aus Almaty das östlichste Team im Wettbewerb.

Auf Initiative des Geschäftsmanns Rahat Äliev, damals Präsident des nationalen Fußballverbandes, trat Kasachstan im April 2002 der UEFA bei und leitete gemeinsam mit der AFC (Asiatische Fußballkonferenz), der UEFA und der FIFA (Internationaler Fußballverband) den Prozess zur Orchestrierung des Übergangs ein.

Die Entscheidung wurde damals als strategisch kluge Wahl für die Entwicklung des nationalen Fußballs angesehen, da sie mehr Aufmerksamkeit und höhere Preisgelder versprach. Tatsächlich verdiente der FC Astana, der 2016 als letztes kasachstanisches Team die Gruppenphase der Champions League erreichte, satte 17,3 Millionen Euro.

Lest auch auf Novastan: Frauenfußball in Kasachstan: Fußballerinnen im Interview

Diese Summe wurde von der UEFA an den Verein ausgeschüttet, ohne dass er einen einzigen Sieg oder eine Qualifikation für die nächste Runde erzielte. Das zeigt, dass das Wirtschaftsmodell nicht von Ergebnissen abhängt, die mit denen anderer europäischer Mannschaften vergleichbar sind.

Laut Tengri Sport erhielt Qairat Almaty dieses Jahr allein für die Teilnahme 21,2 Millionen Euro. Das Medium hebt hervor, dass diese Einnahmen höher sind als der Gesamtwert des Kaders. Dies verdeutlicht die Diskrepanz zwischen den potenziellen Einnahmen aus europäischen Wettbewerben und dem aktuellen Leistungsniveau der Spieler. Gleichzeitig unterstreicht dies aber auch die Relevanz der kasachstanischen Strategie.

Allerdings geht die Europa-Strategie mit komplexeren Qualifikationswegen in internationalen Wettbewerben einher. So belegt Kasachstan im UEFA-Ranking 2026 lediglich Platz 37 unter den europäischen Ligen. Dies zwingt die Vereine, komplizierte Qualifikationsrunden zu durchlaufen, um an den größten kontinentalen Klubwettbewerben teilnehmen zu können.

Lest auch auf Novastan: Das Mädchen, das Fußball spielt – Über eine kirgisische Nationalspielerin

Dasselbe gilt für die Nationalmannschaft. Kasachstan befindet sich in kontinentalen und interkontinentalen Wettbewerben im Nachteil. Usbekistan beispielsweise nimmt diesen Sommer zum ersten Mal an einer Fußball-Weltmeisterschaft teil. Die Qualifikation scheint für Kasachstan unmöglich – angesichts der extremen Leistungsdichte in Europa im Vergleich zu Asien. Dennoch weisen beide Mannschaften ein ähnliches Niveau auf.

Katalysator der Begeisterung

Der jüngste Aufstieg des kasachstanischen Fußballs verdeutlicht eindrucksvoll die positiven Auswirkungen, die Spitzenleistungen und internationale Aufmerksamkeit haben können. Die Teilnahme an großen Wettbewerben und die Spiele gegen globale Fußballgiganten, wie beispielsweise die Partie in Almaty gegen Real Madrid, gehen weit über ein reines Sportereignis hinaus.

Diese Spiele stellen symbolische Siege dar und wirken als starke Katalysatoren für die Begeisterung der Bevölkerung, sowohl unter den Fans als auch unter den Sponsoren des Vereins. „Immer mehr Kinder werden in Fußballschulen geschickt. Im ganzen Land hat es einen regelrechten Boom gegeben. Heute haben wir rund zweitausend Kinder in unserer Akademie und den Zweigstellen des Vereins“, erklärt Vereinslegende Qūralbek Ordabaev gegenüber Radio Azattyq. Er erklärt, dass Qairats Spielstil dazu beiträgt, ein breites Interesse am Fußball zu wecken, was den Trainern Hoffnung auf die Ankunft junger Talente und die Entdeckung neuer Stars gibt.

Lest auch auf Novastan: Einbürgerung ausländischer Athlet:innen: Ein Beitrag zum kasachstanischen Sport?

Der Rekordtransfer von Dastan Satpaev zu Chelsea im Jahr 2025 verkörpert diese Entwicklung: Der Wechsel des bei Qairat ausgebildeten Talents zu einem Weltklasseklub sendet ein starkes Signal – sowohl an junge kasachstanische Spieler als auch an Investoren. Er beweist, dass Kasachstans Fußball mittlerweile als glaubwürdige Talentschmiede gilt und stärkt damit seine Attraktivität, Legitimität und kulturelle Bedeutung im Land.

Renaud Le Gall Rousset für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei Twitter, Facebook, Telegram, Linkedin oder Instagram. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem wöchentlichen Newsletter anmelden.

Kommentare

Your comment will be revised by the site if needed.