In den letzten Jahren hat sich das Stadtbild von Duschanbe rasant verändert: Neue Gebäude und öffentliche Räume werden mehr und mehr zu Anziehungspunkten für Stadtbewohnerinnen und Touristen. Die Hauptstadt Tadschikistans entwickelt sich mehr und mehr zu einem Zentrum ambitionierter Architekturprojekte. Heute vereinen die städtischen Ensembles alte Handwerkstraditionen mit groß angelegten ingenieurtechnischen Lösungen. Hier kommen fünf bedeutende architektonische Objekte, die zu Magneten für Reisende wie auch Lokale geworden sind.
Das Parlament von Tadschikistan
Das neue Parlamentsgebäude ist zum architektonischen „Highlight“ des Zentrums von Duschanbe geworden und hat die Gestaltung des Ensembles rund um den „Dusti“-Platz [Platz der Freundschaft, Anm. d. Red.] ergänzt. Das Projekt soll klassische Formen mit nationalen dekorativen Elementen verbinden.
Den Hauptbau krönt eine 70 Meter hohe, vergoldete Kuppel, die der regionalen traditionellen Architektur nachempfunden ist. Für die Verkleidung der Fassade wurden heller Marmor und Granit verwendet, wodurch das Gebäude besonders prunkvoll aussehen soll.

Von besonderer Bedeutung ist auch der Bereich rund um den Komplex. Hier befindet sich eine Allee mit Kaskadenbrunnen und einem durchdachten System architektonischer Beleuchtung (vgl. Titelbild). Dadurch soll nachts die Geometrie der Fassaden hervorgehoben werden und das massive Gebäude optisch leichter wirken. Die Gesamtfläche des Verwaltungskomplexes beträgt mehr als 40.000 Quadratmeter, was ihn zu einem der größten Regierungsgebäude der Region macht.
Das „Istiklol“-Monument
Das 121 Meter hohe „Istiklol“-Monument gilt nicht nur als Symbol für die Unabhängigkeit des Landes, sondern auch als einer der besten Aussichtspunkte der Hauptstadt. Die architektonische Gestaltung des Turms erinnert an eine Krone und an seinem Sockel befindet sich ein groß angelegter Museumskomplex. Für die Verkleidung des Denkmals wurden gestärkte Materialien verwendet, eigens auf die klimatischen Besonderheiten der Region ausgelegt, und der obere Teil ist mit einer Titanbeschichtung verziert, die einen sanften metallischen Schimmer erzeugt.

Im Inneren können Besuchende Ausstellungen besichtigen, die die jahrhundertelange Geschichte des Landes beleuchten. Hier sind seltene Artefakte ausgestellt. Darunter befinden sich originalgetreue Nachbildungen der Fundstücke des berühmten Amudarja- oder Oxos-Schatzes, eine Sammlung von goldenen und silbernen Fundstücken aus der Zeit des Achämenidenreiches.

Besonders interessant ist der Hochgeschwindigkeitsaufzug, der Besuchende auf eine Höhe von 94 Metern befördert. Durch die Panoramafenster der Aussichtsplattform bietet sich ein beeindruckender Blick auf die Prospekte von Duschanbe und das die Stadt umgebende Hisor-Gebirge. Auf dem Gelände rund um das Denkmal wurden schließlich Tausende von Bäumen und Sträuchern gepflanzt, die aus verschiedenen Teilen der Welt eigens hierhergebracht wurden.
Die Nationalbibliothek
Das Gebäude der Nationalbibliothek von Tadschikistan – die größte ihrer Art in Zentralasien – fällt sofort durch seine ungewöhnliche Fassade auf, die die Form eines aufgeschlagenen Buches darstellt. Dieser architektonische Kniff hat das Bauwerk zu einem der bekanntesten der Hauptstadt gemacht. Die Fassade ist mit 22 Reliefs bedeutender Persönlichkeiten der persisch-tadschikischen Literatur verziert, was symbolisch die Kontinuität der kulturellen Traditionen unterstreichen soll.

Der Innenbereich der Bibliothek ist so gestaltet, dass er nicht nur zum Arbeiten mit Büchern, sondern auch zur Erholung einlädt. Hier befinden sich 40 geräumige Lesesäle und gemütliche Innenhöfe mit Springbrunnen, in denen es selbst bei sommerlicher Hitze angenehm kühl bleibt.
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Die Bibliothek ist für die Aufbewahrung von 10 Millionen Bänden ausgelegt und ihre moderne technische Ausstattung macht sie zu einem für Tadschikistan bedeutenden Wissenszentrum mit automatisierten Suchsystemen und Restaurierungslabors, in denen alte Handschriften restauriert werden.
Kohi „Navruz“
Ursprünglich war dieser Komplex als größte Teestube der Welt konzipiert, doch im Laufe des Baus entwickelte er sich zu einem Objekt von staatlicher Bedeutung. Mehr als viertausend Handwerksmeister aus Chudschand, Istarawschan und Isfara arbeiteten mehrere Jahre lang an der Innenausstattung. Das Besondere an Kohi Navruz ist, dass jeder der 12 Säle in einer eigenen künstlerischen Technik gestaltet ist.

Im „Didor“-Saal kann man beispielsweise eine Deckenmalerei im Kundal-Stil bewundern – eine komplexe Technik der Farbschichtung, die ein dreidimensionales, goldfarbenes Ornament erzeugt. Der „Zarandud“-Saal ist mit einem Spiegelmosaik geschmückt, das von Hand aus Millionen von Fragmenten zusammengesetzt wurde, die eigens für dieses Projekt herbeigeschafft wurden.
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Ein Besuch lohnt sich auch, um zu verstehen, wozu die tadschikischen Holzschnitzer fähig sind, denn die 16 Säulen in den Sälen sind aus massiven Stämmen von Platanen und Zedern geschnitzt, und ihre Muster wiederholen sich scheinbar kein einziges Mal. Selbst die Fußböden sind hier Kunstwerke – sie sind mit Naturstein ausgelegt, darunter Jaspis und Lapislazuli.
Die Zentralmoschee
Die kürzlich eröffnete Zentralmoschee namens Abu Hanifa ist zu einer der größten in Zentralasien geworden. Ihre Architektur stellt eine Symbiose aus internationaler Erfahrung und lokalen architektonischen Traditionen dar. Der Komplex beeindruckt durch seine Größe: Seine Gesamtfläche beträgt etwa 12 Hektar und die Haupthalle bietet Platz für Zehntausende Menschen gleichzeitig.

Das äußere Erscheinungsbild der Moschee wird von vier 75 Meter hohen Minaretten geprägt, die mit schneeweißem Marmor verkleidet sind. Die Innenausstattung ist in einer zurückhaltenden Farbpalette gehalten, die die Klarheit der architektonischen Linien unterstreichen soll.
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Die Hauptakzente im Innenraum setzen riesige Kristallkronleuchter und filigrane Schnitzereien aus „Gantsch“, einer Mischung aus Gips und Lehm, die die Gewölbe der Kuppeln bedeckt. Die Handwerker haben kalligraphische Inschriften und komplexe pflanzliche „Islimi“-Ornamente von Hand geschnitzt und so die Wände in ein wahres Spitzengewebe verwandelt.

Duschanbe scheint sich nicht auf seinen Lorbeeren auszuruhen, sondern sich weiterhin aktiv weiterentwickeln zu wollen. In naher Zukunft steht die Fertigstellung zwei weiterer Großprojekte an, die das architektonische Bild der Hauptstadt deutlich verändern werden: ein neues, hochmodernes Stadion und das Gebäude des Nationaltheaters, das das größte in der Region werden soll.
Es sieht so aus, als würde die Liste der Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt in den kommenden Jahren um einige weitere neue Orte erweitert werden – ein Besuch Duschanbes lohnt sich also allemal.
Naima Radschabowa für Asia Plus
Aus dem Russischen (und angepasst) von Michèle Häfliger
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Architektonische Juwelen Duschanbes