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	<title>Uigurische Region Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Uigurische Region Archives</title>
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		<title>Die Tschagataiden: Brüder, die die Steppe zähmen wollten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 May 2026 16:45:09 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über Jahrhunderte wurde Zentralasien von mongolischen Khanen und deren nomadischer Kultur und Rechtsprechung geprägt. Eine eigenartige Symbiose mit lokalen Eliten bildete sich heraus und die verschiedenen Seiten prägen die Menschen und die Kultur in Zentralasien bis heute. Aus dem Reich der Tschagataiden wurde jedoch nie einen vollwertiger Mongolenstaat; auch vor dem islamischen Einfluss war es nicht gefeit und einige Herrscher und ihre Untertaninnen und Untertanen konvertierten teils berechnend zum Islam. Fergana geht der Frage nach, warum die Mongolenherrscher nie einen vollwertigen Nationalstaat in Zentralasien gegründet haben.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen Ende des 13. Jahrhunderts hatten sich drei mongolische Großmächte unter der Führung der Nachkommen Dschingis Khans zu eigenständigen und relativ zentralisierten Staaten entwickelt – das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yuan-Dynastie">Yuan-Reich</a> in China, das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilchane">Ilchanat</a> der Hulaguiden in Vorderasien und die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Horde">Goldene Horde</a> mit ihrem Zentrum im unteren Wolga-Gebiet. Nur auf den Gebieten des Tschagatai-Khanats, zu denen der größte Teil Zentralasiens gehörte, herrschte Chaos. Die Khane wurden nacheinander gestürzt und ermordet, die Städte wurden von Kaufleuten regiert, es gab keine einheitliche Währung und der nomadische Adel achtete eifersüchtig darauf, dass keiner der mongolischen Würdenträger es wagte, sich auf dem Land niederzulassen und einen Palast zu errichten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts versuchte <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kebek">Khan Kebek</a>, dieses System zu durchbrechen. Er verlegte die Hauptstadt nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transoxanien">Transoxanien</a>, teilte das Land in Bezirke auf und führte eine eigene Währung ein. Sein Bruder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tarmaschirin">Tarmaschirin</a> ging noch weiter: Er lehnte die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jassa">Jassa</a> [mongolisches Gesetzbuch des 13./14. Jahrhunderts, Anm. d. Übers.] von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschingis_Khan">Dschingis Khan</a> zugunsten des Islam ab. Beide bezahlten ihre Reformversuche mit dem Leben. Bald darauf zerfiel das Ulus [Reichsgebiet, Anm. d. Übers.], doch auf seinen Trümmern sollte später das Reich <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timur">Amir Temurs</a> entstehen – der letzte Staat, dem es gelang, die „Steppe“ mit Hochkultur und der administrativen Macht des islamischen Reiches zu vereinen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Ulus, der tatsächlich nie zu einem Staat wurde</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1224, kurz vor dem Tod Dschingis Khans, wurde das Mongolische Reich unter seinen Söhnen in Lehensgebiete (Ulus) aufgeteilt. Die Gebiete Zentralasiens – Transoxanien, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Jetisu">Jetisu</a> und die Karawanenstädte an den Handelswegen, die China, den Iran und Indien verbanden – fielen dem zweiten Sohn, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschagatai_Khan">Tschagatai</a>, zu. Nach mongolischem Brauch ging das Haupterbteil – die angestammten mongolischen Gebiete und der größte Teil der väterlichen Armee – an den jüngsten Sohn <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tolui_Khan">Tolui</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der Ankunft der Mongolen blühten Samarkand, Buchara und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Otrar">Otrar</a> dank Handwerk und Handel auf. Doch Tschagatais Hauptlager befand sich in der Steppe, im Tal des Flusses Ili  weit entfernt von den städtischen Zentren. Die unterworfene Bevölkerung lebte in den meisten Fällen nach ihren eigenen Gesetzen, hier und da blieben sogar lokale Dynastien erhalten. Diese Situation kam Tschagatai persönlich durchaus entgegen: Er blieb ein überzeugter Nomade und strebte keine sesshafte Stadtverwaltung an, sondern bevorzugte die traditionelle Steppenherrschaft.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="744" height="592" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts.png" alt="" class="wp-image-44720" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts.png 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts-300x239.png 300w" sizes="(max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Karte des Tschagataiischen Ulus zu Ende des 13. Jahrhunderts</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz Tschagatais Verachtung für das sesshafte Leben bildeten sich die wichtigsten Steuereinnahmen und Handelsströme gerade in den Städten und in den Dörfern auf dem Land. Um die sesshafte Bevölkerung zu verwalten, übertrugen die Mongolen die Steuererhebung und die Verwaltungsaufgaben an Vertreter der lokalen Wirtschaftselite. Es bildete sich jedoch kein einheitliches politisches Zentrum im Ulus heraus. Im Gegensatz zum Yuan-Reich, wo sich die Mongolen auf die chinesische Bürokratie stützten, oder zum Ilchanat, wo sich der nomadische Adel in die persischen Verwaltungspraktiken integrierte, entwickelte sich in Zentralasien ein besonderes Verwaltungsmodell. Indem sie die Städte an lokale Beamte verpachteten, konzentrierten sich die Mongolen auf die Verwaltung der Steppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/joo-yup-lee-the-turkic-peoples-in-world-history-routledge-2024/">Turkvölker in der Weltgeschichte</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Nomaden also nach dem Jassa Dschingis Khans lebten, folgte die sesshafte Bevölkerung der islamischen Scharia. Formal durften sich die Mongolen nicht in städtische Angelegenheiten einmischen, und die Statthalter nicht in die der Steppe. In der Praxis wurde diese Grenze jedoch ständig überschritten: Die Khane verlangten Geld, die Pächter suchten Einfluss am Hof, die Wesire intrigierten gegen die Noyanen [mongolischer Titel für zivile und militärische Führer, meist adliger Abstammung, Anm. d. Übers.]. Die beiden Ordnungen prallten regelmäßig aufeinander und verursachten Chaos, was zum Hauptleiden des Ulus wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kriege über Kriege</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die Gebiete der Tschagataiden in langwierige Bruderkriege verwickelt. Nach dem Tod von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6ngke_Khan">Möngke Khan</a> 1259, dem letzten Herrscher des vereinigten mongolischen Reiches, und dem Krieg um die Vorherrschaft von 1260 bis 1264 wurde das ehemalige Reich Dschingis Khans nicht mehr von einem einzigen Zentrum aus regiert, und das Kräfteverhältnis zwischen den Ulus veränderte sich drastisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Konfrontation zwischen Tschagataiden Tschingisiden verschärfte sich – vor allem mit dem Urenkel Dschingis Khans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaidu_Khan">Qaidu</a>, der einen bedeutenden Teil der Steppengebiete kontrollierte und einen langwierigen Kampf um den Einfluss in Zentralasien führte. Gleichzeitig verschärften sich an den westlichen und nördlichen Grenzen die Konflikte mit der Goldenen Horde um die Steppengebiete und Handelswege zum Wolga-Gebiet und nach Westsibirien sowie im Südwesten mit dem Ilchanat um die Kontrolle über Khorasan und die Grenzstädte sowie die Karawanenrouten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="744" height="727" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai.jpeg" alt="" class="wp-image-44723" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai-300x293.jpeg 300w" sizes="(max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Begräbnis von Tschagatai, persische Malerei, 14. Jahrhundert</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Krieg folgte dem anderen. Samarkand, Buchara, Herat und andere große Zentren wechselten wiederholt den Machthaber und die lokalen Emire waren gezwungen, ständig ihre Verbündeten zu wechseln. Innerhalb von fünfzig Jahren wechselten etwa ein Dutzend Khane an der Spitze des Ulus, doch keiner von ihnen konnte die Macht lange genug halten, um alle regionalen Gruppierungen unter seine Kontrolle zu bringen und eine stabile Herrschaft über die Städte und den Militäradel wiederherzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ibn Battuta, der Mitte des 14. Jahrhunderts Zentralasien bereiste, beschrieb ebenfalls den Verfall und Niedergang, in dem sich die Region nach einem Jahrhundert mongolischer Herrschaft befand: <em>„Moscheen, Medresen und Basare liegen in Trümmern, mit Ausnahme einiger weniger… Heute gibt es dort keinen einzigen Menschen, der sich in der Wissenschaft auskennt, und niemanden, der ihr Beachtung schenkt.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Zustand befand sich der Ulus zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch Kebek, der als erster Tschagatai-Khan versuchte, das Herrschaftsmodell im Ulus zu ändern.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="711" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-711x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-44724" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-711x1024.jpeg 711w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-208x300.jpeg 208w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta.jpeg 744w" sizes="(max-width: 711px) 100vw, 711px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ibn Battuta, französische Malerei, 19. Jahrhundert</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Kebek: Feldherr und Reformer</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek war der Urururenkel von Dschingis Khan und Sohn des <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Duwa">Khans Duwa</a>, der den Ulus von 1282 bis 1307 regierte. Er wurde aller Wahrscheinlichkeit nach in der Steppe in einem Nomadenlager geboren und gehörte einem heidnischen Glauben an, sprach jedoch im Gegensatz zu den meisten seiner Vorfahren bereits einen turksprachigen Dialekt. Vermutlich vermischte sich die herrschende Schicht des Tschagatai-Ulus zu Beginn des 14. Jahrhunderts zunehmend mit der einheimischen Bevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1309 wurde Kebek zum Khan ernannt. Doch fast unmittelbar darauf wurde auf Kebeks eigene Initiative hin ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurultai">Kurultai</a> einberufen, der beschloss, die Macht an seinen älteren Bruder Esen-Buke zu übertragen. Kebek fügte sich und befehligte in den folgenden neun Jahren die Armee der Tschagataiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Feldzug gegen das Ilchanat überquerte Kebek den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>, bezwang am Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murgab_(Bartang)">Murgab</a> die Armee des Statthalters von Khorasan und erreichte Herat. Dort sah er, wie das Reich der Hulaguiden organisiert war – mit einer einheitlichen Silbermünze, Verwaltungsbezirken und einer funktionierenden Bürokratie. Im Tschagatai-Ulus gab es nichts dergleichen. Möglicherweise zu diesem Zeitpunkt reifte bei Kebek die Erkenntnis, dass sich im Tschagatai-Ulus etwas ändern musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/quryltai-tradition-und-zukunft-der-kasachischen-volksversammlung/">Quryltaı – Tradition und Zukunft der kasachischen Volksversammlung</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er nach dem Tod seines Bruders Esen-Buka im Jahr 1318 erneut an die Macht kam, beschloss er als Erstes, eine vollwertige Hauptstadt zu schaffen. Kebeks Residenz wurde <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qarshi">Qarshi</a>, das damals den Namen Nasaf trug. Die Wahl des Ortes war bezeichnend: keine Steppe, sondern eine Stadt in Transoxanien, in der Nähe der Handelswege und der wichtigsten Steuerquellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier errichtete Kebek einen Palast – eines der wenigen bekannten Beispiele für eine feste Khan-Residenz in der Region. Der Palast wurde im Zentrum der örtlichen Festung errichtet und gab der Stadt möglicherweise ihren Namen: In der turksprachigen Tradition bedeutete „karshi“ nämlich „Palast“. Überreste dieses Komplexes wurden in Form von massive Mauern, Fußböden und Säulen gefunden. Die bloße Tatsache, dass ein solches Zentrum entstand, bedeutete einen Wandel der Prioritäten – die Macht war nicht mehr nomadisch. Rund um den Palast bildeten sich nach und nach neue Viertel des Adels und Handwerksmärkte, und das Leben des alten Nasaf begann sich in Richtung dieser Residenz zu verlagern. Nach Kebeks Tod verschwand das Gebäude nicht – unter Amir Temur wurde es umgebaut und in eine Moschee umgewandelt, die als Odina bekannt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kebeks nächster Schritt betraf die Verwaltung der Gebiete. Die Ländereien des Khans wurden in Bezirke mit fest zugewiesenen Beamten aufgeteilt, die für die Erhebung von Steuern und die Aufrechterhaltung der Ordnung zuständig waren. Dies ermöglichte es, die Willkür vor Ort einzudämmen und zumindest teilweise die Kontrolle über die Einnahmen zurückzugewinnen, die zuvor in den Taschen der Emire und Zwischenhändler gelandet waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die auffälligste Reform des Khans war jedoch die Währungsreform. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts waren im Tschagatai-Ulus Münzen unterschiedlichen Gewichts und Qualität im Umlauf, die an verschiedenen Orten geprägt worden waren. Dies erschwerte den Zahlungsverkehr und bot Raum für Missbrauch. Kebek führte einen einheitlichen Standard für Silbermünzen ein. Die Prägung erfolgte nach einem einheitlichen Muster, und die Münzen selbst erhielten den Namen „Kebeks“. Die Vereinheitlichung des Geldumlaufs vereinfachte den Handel und stärkte die Position der Zentralmacht: Die Kontrolle über die Münzprägung bedeutete die Kontrolle über einen erheblichen Teil der Wirtschaftsströme.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="369" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek.jpeg" alt="" class="wp-image-44725" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek-300x149.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Münzen von Khan Kebek, ausgegraben in Buchara</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel dazu wurden Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft des Ulus ergriffen. Quellen berichten von der Wiederherstellung der Bewässerungssysteme, der Förderung der Landwirtschaft und den Versuchen, Handwerkszentren wiederzubeleben. Für die Machthaber war dies eine Frage des Überlebens: Ohne stabile Einnahmen war es unmöglich, das Heer zu unterhalten und die Loyalität des Adels zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch genau hier stießen Kebeks Reformen auf Widerstand. Die verstärkte Kontrolle über Steuern und Münzwesen schränkte die Handlungsmöglichkeiten derer ein, die es gewohnt waren, eigenständig zu agieren. Die nomadische Elite verlor einen Teil ihrer Einkünfte und ihres Einflusses, während die städtische Oberschicht ihren Handlungsspielraum zwischen den verschiedenen Machtzentren einbüßte. Die Unterstützung des Khans blieb situationsabhängig, und jede Schwächung seiner Position wirkte sich unmittelbar auf die Regierbarkeit der Gebiete aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek behielt den Thron für einen Herrscher aus der Tschagatai-Dynastie relativ lange – ganze acht Jahre. Doch gelang es ihm nicht, das Kräfteverhältnis innerhalb des Ulus vollständig zu verändern. Nach seinem Tod blieben viele der eingeleiteten Maßnahmen in Kraft – vor allem das Währungssystem und die Praxis der Stützung auf die Städte. Ein stabiles Machtmodell bildete sich jedoch nie heraus. Die Kontrolle über die Gebiete hing weiterhin von Vereinbarungen zwischen einflussreichen Adelsgruppen ab und nicht von einer einheitlichen Ordnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Weg vom Jassa und hin zur Scharia</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek starb im Jahr 1326 – einigen Quellen zufolge eines natürlichen Todes, anderen zufolge fiel er einer Verschwörung mongolischer Würdenträger zum Opfer. Der Thron ging an seinen Bruder Iltschigidai über, der Buddhisten und Katholiken schützte, jedoch nur sehr kurz regierte und ebenfalls ermordet wurde. Nach der kurzen Regierungszeit eines weiteren Bruders, Durr-Timur, kam schließlich Tarmaschirin an die Macht, der Kebeks Reformen fortsetzte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="383" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins.jpeg" alt="" class="wp-image-44726" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins-300x154.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Münzen Tarmaschirins, 1331–1332</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Tarmashirin wurde das von Kebek eingeführte Währungssystem auf das gesamte Gebiet des Ulus ausgeweitet. Neue Münzprägeanstalten wurden in Schangi-Taraz, Otrar und Badachschan eröffnet. Die Münzen wurden mit dem Namen Tarmaschirins und seines Sohnes Sanschar geprägt. Der unter Kebek eingeführte einheitliche Standard funktionierte nun überall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Tarmaschirins wichtigste Entscheidung betraf nicht die Wirtschaft, sondern die Ideologie: Der Khan konvertierte zum Islam und nahm den muslimischen Namen Ala ad-Din Muhammad und den Titel Sultan al-Azam – „der Größte Sultan“ – an. Bereits vor der Thronbesteigung Tarmaschirins bekannte sich wohl ein Teil der nomadisch Lebenden zum Islam. Und als der neue Khan seine Untertanen aufrief, sich dem muslimischen Glauben anzuschließen, folgte die überwiegende Mehrheit allmählich diesem Aufruf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/religioese-koexistenz-im-10-jahrhundert-in-zentralasien/">Religiöse Koexistenz im 10. Jahrhundert in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Khan ordnete an, täglich fünf öffentliche Gebete zu verrichten, und verbreitete den Islam in allen seinen Herrschaftsgebieten. Vor allem aber ersetzte er die traditionelle Gesetzgebung des Jassa teilweise durch die Scharia. Tatsächlich war die Aufhebung des Jassa strategischer Natur: Ohne diese Gesetzesgrundlage konnte der Khan nicht mehr abgesetzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun lehnte sich der Nomadenadel im östlichen Teil des Ulus auf. Den Aufstand führte Tarmaschirins Neffe Buzan an, der von den Feldherren Ostturkestans unterstützt wurde. Tarmaschirin versuchte, nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ghazni">Ghazni</a> im heutigen Afghanistan zu fliehen, wurde 1334 jedoch gefangen genommen und getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tod Tarmaschirin markierte für den Tschagatai-Ulus den Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab. Sein westlicher Teil, Transoxanien, blieb unter der Herrschaft des islamisierten Adels. Im Osten, auf dem Gebiet des heutigen Jetisu und Ostturkestans entstand ein neuer Staat – Mogulistan („Land der Mogulen“). Zwar bildete es sich zunächst als Konföderation nomadischer Stämme, die nach dem Jassa lebten, doch schon bald siegten die zum Islam Konvertierten auch hier.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Erbe der Tschagataiden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Prozesse, die Kebek und Tarmaschirin in Gang gesetzt hatten, waren nicht mehr aufzuhalten. Der Islam fasste allmählich auch unter der nomadisch lebenden Bevölkerung Fuß und die Idee einer einheitlichen Währung und einer zentralisierten Verwaltung überdauerte ihre Schöpfer. Der Tschagatai-Ulus zerfiel, doch sein Erbe erwies sich als lebensfähiger als das anderer mongolischer Reiche. Gerade in der Zeit der Mongolen bildeten sich die Normen der tschagataischen Sprache heraus – der literarischen Turksprache, in dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mir_%CA%BFAli_Schir_Naw%C4%81%CA%BEi">Alisher Navoiy</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Babur">Babur</a> schrieben. Diese Sprache, die lokale Dialekte und persisches Vokabular in sich vereinte, wurde zum direkten Vorläufer des heutigen Usbekischen und Uigurischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/nawruz-und-der-islam-eine-koexistenz-mit-konflikten/">Nawruz und der Islam: Eine Koexistenz mit Konflikten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich entstand auf den Trümmern des Tschagatai-Ulus jene Regierungsform, die später von Amir Temur genutzt wurde: ein zentralistischer Staat, der den Islam und die städtische Kultur mit der militärischen Disziplin und der imperialen Ideologie der Steppeneroberer verband. Die Reformen Kebeks und Tarmaschirins konnten den Ulus nicht retten. Doch ohne ihre Versuche, die Freiheit der Nomaden zu zügeln, hätte es wohl weder Amir Temur noch die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schaibaniden">Schaibaniden</a> oder das Zentralasien gegeben, wie wir es heute kennen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.agency/articles/146657/">Russischen</a> (gekürzt) von Michèle Häfliger</strong></p>



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		<item>
		<title>US-Asyl für den chinesischen Filemacher Guan Heng, der die „Umerziehungslager“ für Uigur:innen gefilmt hat</title>
		<link>https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/us-asyl-fuer-den-chinesischen-filemacher-guan-heng-der-die-umerziehungslager-fuer-uigurinnen-gefilmt-hat/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Mar 2026 21:15:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Uigurische Region]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Asyl]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
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		<category><![CDATA[Xinjiang]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der chinesische Staatsb&#xFC;rger Guan Heng hat Anfang dieses Jahres in den Vereinigten Staaten Asyl erhalten. Im Jahr 2020 musste er schwere Repressalien von Peking &#xFC;ber sich ergehen lassen, nachdem er mehrere Internierungslager f&#xFC;r Uigur:innen in Xinjiang dokumentiert hatte. Guan Heng hatte 2020 sein Leben riskiert, als er einen Dokumentarfilm &#xFC;ber die Internierungslager f&#xFC;r Uiguren in [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der chinesische Staatsbürger Guan Heng hat Anfang dieses Jahres in den Vereinigten Staaten Asyl erhalten. Im Jahr 2020 musste er schwere Repressalien von Peking über sich ergehen lassen, nachdem er mehrere Internierungslager für Uigur:innen in Xinjiang dokumentiert hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://rsf.org/en/rsf-celebrates-asylum-chinese-national-who-documented-uyghur-detention-camps">Guan Heng</a> hatte 2020 sein Leben riskiert, als er einen Dokumentarfilm über die Internierungslager für Uiguren in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Provinz Xinjiang</a> drehte. Nachdem er in die USA geflohen war, um dort einen Asylantrag zu stellen, drohte Guang Heng im vergangenen August unter der Verantwortung von Beamten der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/United_States_Immigration_and_Customs_Enforcement">ICE</a>) die Abschiebung nach Uganda.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen 2017 und 2019 wurden schätzungsweise mehr als eine Million Uigur:innen ohne Anklage oder Gerichtsverfahren <a href="https://xjdp.aspi.org.au/explainers/exploring-xinjiangs-detention-facilities/">in über 380 Internierungslagern</a> – von denen sich die meisten in Xinjiang befinden – präventiv inhaftiert. Diese Lager werden als <em>„Zentren zur Transformation durch Bildung“</em> bezeichnet und sind Teil einer groß angelegten <em>„Anti-Terror“</em>-Kampagne. Diese hatte Peking nach terroristischen Anschlägen ins Leben gerufen, die uigurischen Islamist:innen zwischen 2013 und 2014 <a href="https://www.lemonde.fr/asie-pacifique/article/2014/05/20/attentats-ouigours-la-chine-confrontee-au-terrorisme-de-masse_4422114_3216.html">zugeschrieben wurden</a> und an denen die Islamische Bewegung Ostturkestans und die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Turkestan-Partei">Islamische Turkestan-Partei (TİP)</a> beteiligt waren. Der erste dieser Anschläge hatte am 28. Oktober 2013 auf dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tian%E2%80%99anmen-Platz">Tian&#8217;anmen-Platz</a> in Peking fünf Tote (darunter drei Angreifer) <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/2013_Tiananmen_Square_attack">gefordert</a>.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Uigur:innen bilden eine der 56 in China anerkannten ethnischen Gruppen, die neben der großen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Han_(Ethnie)">Han</a>-Mehrheit (etwa 92 Prozent der Bevölkerung) existieren. Sie sind <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turksprachen">turksprachig</a> und muslimischen Glaubens und ließen sich bereits im 9. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Xinjiang nieder. Dieses wurde 1759 unter der Qing-Dynastie an das Chinesische Reich angegliedert. Heute leben dort schätzungsweise 11 Millionen Uigur:innen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Whistleblower für die uigurische Sache</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2021 veröffentlichte Guan Heng ein zwanzigminütiges <a href="https://www.youtube.com/watch?v=yD0O0eHzc7M">Video auf YouTube</a>, das 18 Haftanstalten für Uigur:innen in der Provinz Xinjiang zeigt. Die Standorte stammten aus einer Karte, die Buzzfeed und das <a href="https://www.aspi.org.au/">Australian Strategic Policy Institute (ASPI)</a> gemeinsam anhand von Satellitenbildern erstellt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Aufnahmen wurden aus einem Auto heraus oder mit einer in einem Rucksack versteckten Kamera gemacht. Sie zeigen Lager am Straßenrand, die an ihren Wachtürmen und dem sie umgebenden Stacheldraht zu erkennen sind. Auf einem dieser Gebäude ist folgende Inschrift zu lesen: <em>„Reform durch Arbeit, Reform durch Kultur.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/uigurische-region-schriftsteller-perhat-tursun-veroeffentlicht-roman-aus-der-haft/">Uigurische Region: Schriftsteller Perhat Tursun veröffentlicht Roman aus der Haft</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als chinesischer Staatsbürger kann Guan Heng sich den Einrichtungen nähern, ohne Verdacht zu erregen, wie er selbst erklärt: <em>„Aufgrund der von den chinesischen Behörden auferlegten Beschränkungen haben ausländische Medienschaffende keinen Zugang zu Xinjiang.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Video erreichte so zahlreiche chinesische Internetnutzer, die VPNs nutzten. Guan Heng wurde jedoch schnell zur Zielscheibe einer Schikanekampagne, die durch die Online-Veröffentlichung seiner persönlichen Daten wie Identität, frühere Adresse und beruflicher Werdegang gekennzeichnet war. Mit Ausnahme seiner Mutter, die in Taiwan lebt, wurde seine Familie in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hainan">Provinz Hainan</a> von den Behörden verhört.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gefangen zwischen chinesischer „Demokratur“ und amerikanischem Autoritarismus</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2021 floh Guan Heng aus China und begab sich zunächst nach Hongkong, dann nach Ecuador, auf die Bahamas und schließlich nach Florida, wo er illegal in die USA einreiste. Dort stellt er einen Asylantrag, der ihm jedoch erst nach seiner Festnahme durch ICE-Beamte im vergangenen August in der Nähe von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Albany_(New_York)">Albany</a> im Bundesstaat New York, wo er wohnte, gewährt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Dezember gab ICE unter dem Druck der Zivilgesellschaft ihr Vorhaben auf, Guan Heng nach Uganda abzuschieben. Eine solche Abschiebung hätte ihn einem erhöhten Risiko transnationaler Repressionen ausgesetzt, die von Peking orchestriert werden. Diese stillschweigende Unterdrückung durch den chinesischen Staat wird weiterhin gegen Stimmen geführt, die sich für die uigurische Sache einsetzen, sowohl in China als auch im Ausland.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lager in Xinjiang als Symbol des Völkermords an den Uigur:innen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einem 2022 vom Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte veröffentlichten <a href="//www.ohchr.org/sites/default/files/documents/countries/2022-08-31/22-08-31-final-assesment.pdf">Bericht</a> sollen die meisten dieser Lager inzwischen aufgelöst worden sein. Human Rights Watch relativierte diese Aussage jedoch und schätzte, dass Mitte 2022 noch immer etwa 500.000 Menschen in Lagern inhaftiert waren und Folter oder Zwangssterilisationen ausgesetzt <a href="https://www.icij.org/investigations/china-cables/beijings-backtrack-on-xinjiang-detention-camps-spurred-by-icij-investigation-research-finds/?">waren</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/uigurische-region/dem-chinesischen-gulag-entflohen-die-geschichte-der-uigurin-gulbahar-haitiwaji/">Dem chinesischen ‚Gulag‘ entflohen: Die Geschichte der Uigurin Gulbahar Haitiwaji</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Repression erstreckt sich auch auf kulturelle und religiöse Veranstaltungen und zielt auf eine systematische Auslöschung der uigurischen Präsenz ab. Seit 2017 ließen die Behörden im Namen der Politik der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sinisierung">Sinisierung</a> der Religionen, die darauf abzielt, die Religionsausübung unter die Kontrolle der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Chinas">Kommunistischen Partei Chinas (KPCh)</a> zu stellen, fast ein Drittel der rund 15.500 Moscheen in der Region <a href="https://www.aspi.org.au/report/cultural-erasure/">zerstören</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Staaten, darunter seit 2021 auch die Vereinigten Staaten, bezeichnen diese Politik als Völkermord gemäß dem <a href="https://www.ohchr.org/fr/instruments-mechanisms/instruments/convention-prevention-and-punishment-crime-genocide">Übereinkommen zur Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948</a>. Peking weist diese Einstufung entschieden zurück und zensiert jegliche Berichterstattung zu diesem Thema in den Medien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Unterdrückung von Medienschaffenden durch die chinesische Regierung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit derzeit mindestens 121 inhaftierten Medienvertretenden ist China nach wie vor das Land, in dem weltweit die meisten Medienschaffenden inhaftiert sind. Im Weltpressefreiheitsindex 2025 von Reporter ohne Grenzen (RSF) <a href="https://rsf.org/fr/pays/chine">belegt</a> das Land Platz 178 von 180 Ländern und Gebieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar <a href="https://www.wipo.int/wipolex/fr/legislation/details/23128">garantiert</a> die Verfassung Chinas von 1982 grundsätzlich<em> „die Rede- (und) Pressefreiheit“</em>, doch werden diese Bestimmungen regelmäßig durch den Rückgriff auf das Strafprozessrecht umgangen. Peking beruft sich häufig auf Anklagepunkte wie<em> „Spionage“, „Subversion“</em> oder <em>„Anstiftung zu Streitigkeiten und Unruhen“</em>, um Dissidenten zum Schweigen zu bringen. Diese vage definierten Straftaten können zu bis zu sechs Monaten Isolationshaft als <em>„Hausarrest an einem designierten Ort“</em> führen, einer außergerichtlichen Maßnahme, bei der den Inhaftierten jeglicher Rechtsbeistand verwehrt wird und sie der Gefahr von Folter ausgesetzt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor diesem Hintergrund wird die uigurische Opposition im Exil, insbesondere der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Weltkongress_der_Uiguren">Weltkongress der Uiguren</a> unter Rebia Kadir, von den chinesischen Behörden als terroristisch bezeichnet. Auch gemäßigtere Stimmen bleiben davon nicht verschont, wie die Verurteilung des uigurischen Wissenschaftlers <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilham_Tohti">Ilham Tohti</a> zeigt, der im Jahr 2014 wegen „Staatsgefährdung“ zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Flora Le Lièvre für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/region-ouighoure/le-lanceur-dalerte-chinois-guan-heng-qui-a-filme-les-camps-de-reeduction-pour-les-ouighours-a-obtenu-lasile-aux-etats-unis/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>70 Jahre Xinjiang: Peking feiert und erlässt neue politische Doktrin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Oct 2025 01:11:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Uigurische Region]]></category>
		<category><![CDATA[Doktrin]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunistische Partei]]></category>
		<category><![CDATA[Ürümqi]]></category>
		<category><![CDATA[Xi Jinping]]></category>
		<category><![CDATA[Xinjiang]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der 70. Jahrestag der Gr&#xFC;ndung Xinjiangs ist in &#xDC;r&#xFC;mqi mit einer gro&#xDF;en Zeremonie in Anwesenheit von Xi Jinping gefeiert worden. Xi ist der erste chinesische Pr&#xE4;sident &#xFC;berhaupt, der an einer derartigen Veranstaltung teilnahm. Es war eine Gala mit hohem Besuch aus Peking: Vom 23. bis 25. September hat die Uigurische Autonome Region Xinjiang ihr 70-j&#xE4;hriges [&#x2026;]</p>
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]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der 70. Jahrestag der Gründung Xinjiangs ist in Ürümqi mit einer großen Zeremonie in Anwesenheit von Xi Jinping gefeiert worden. Xi ist der erste chinesische Präsident überhaupt, der an einer derartigen Veranstaltung teilnahm.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war eine Gala mit hohem Besuch aus Peking: Vom 23. bis 25. September hat die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Uigurische Autonome Region Xinjiang</a> ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert. Mit dabei waren unter anderem Chinas Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xi_Jinping">Xi Jinping</a> sowie die Mitglieder des Politbüros der Kommunistischen Partei Chinas <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wang_Huning">Wang Huning</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cai_Qi">Cai Qi</a>. In der 1955 offiziell gegründete Region, die für die Entwicklung von Chinas „Neuer Seidenstraße“ von zentraler Bedeutung ist, herrschen seit Jahrzehnten Spannungen zwischen Peking und der uigurischen Minderheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gala mit dem Titel „Schönes Xinjiang“ diente als Instrument der internen und externen Kommunikation, vermittelte politische Themen und ging somit über das rein Künstlerische hinaus. Xi Jinping hielt eine kurze Rede, in der er immer wieder auf die Themen Sicherheit und Stabilität in Xinjiang einging.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fokus auf Sicherheit und Kontrolle</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Xis Rede vor den lokalen Behörden konzentrierte sich neben Sicherheit auch auf soziale Kontrolle. Der Präsident betonte die umfassenden Bemühungen zur Wahrung der sozialen Stabilität in Xinjiang sowie zur Sensibilisierung der Bevölkerung für die Terrorismusbekämpfung. Es sei zwingend erforderlich, in Xinjiang ein starkes Bewusstsein für die chinesische Nation als Gemeinschaft zu fördern und den Aufbau dieser Gemeinschaft voranzutreiben, sagte Xi nach Angaben der offiziellen Presseagentur <a href="https://english.news.cn/20250925/fa152c8eacf34dc386f4fe16fcdeec21/c.html">Xinhua</a>.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Betonung der Sicherheit dient dazu, den Fortbestand eines dichten Sicherheitsapparats zu rechtfertigen. Sie geht einher mit der einer neuen Doktrin für die Zukunft der Region, den „Leitlinien der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) für die Regierung Xinjiangs im neuen Zeitalter: Praktiken und Erfolge“, die vom Informationsbüro des Staatsrats <a href="https://news.cgtn.com/news/files/Full-text-CPC-Guidelines-for-Governing-Xinjiang-in-the-New-Era-Practice-and-Achievements.pdf">veröffentlicht</a> wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem 42-seitigen Dokument verkündet Peking einen <em>„historischen Erfolg“</em> im Kampf gegen den Terrorismus und weist darauf hin, dass es seit mehreren Jahren keine gewalttätigen Anschläge mehr gegeben habe; der letzte datiere vom 22. Mai 2014. Um die Aufrechterhaltung des verstärkten Sicherheitsapparats zu rechtfertigen, prangert Peking <em>„Panturkismus“</em> und <em>„Panislamismus“</em> als existenzielle Bedrohung an und führt implizit die mit Al-Qaida verbundene „Islamische Partei Turkestans“ (IPT) an, die <a href="https://www.counterextremism.com/blog/foreign-fighters-new-syria-how-uyghur-tip-might-shape-future-terrorism">mit dem syrischen Verteidigungsministerium kooperiert</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/repressionen-in-xinjiang-stehen-unter-milder-kritik-in-zentralasien/"><strong>Repressionen in Xinjiang stehen unter milder Kritik in Zentralasien</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Text rechtfertigt außerdem Maßnahmen zur Überwachung, Umerziehung und religiösen Kontrolle, die präventiv angewendet werden sollen. Westliche Vorwürfe des Völkermords und der Zwangsarbeit weist die Doktrin zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kommunistische Partei Chinas begrüßt auch die wirtschaftliche Entwicklung der Region: Das regionale BIP soll von 750 Milliarden Yuan (90,8 Milliarden Euro) im Jahr 2012 auf über 2.000 Milliarden Yuan (242,1 Milliarden Euro) im Jahr 2024 <a href="https://english.news.cn/20250925/fa152c8eacf34dc386f4fe16fcdeec21/c.html">gestiegen sein</a>. Dabei hebt Peking insbesondere die Armutsbekämpfung, die schnelle Urbanisierung und die Schaffung der Pilot-Freihandelszone Xinjiang im Jahr 2023 als Teil der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Seidenstraße">Neuen Seidenstraße</a> hervor.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Auslöschung und Aneignung der uigurischen Kultur</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den Repressionen und <a href="https://novastan.org/de/uigurische-region/warum-die-umerziehungslager-in-xinjiang-nicht-nur-muslime-bedrohen/">Internierungslagern</a>, denen die uigurische Bevölkerung seit 2014 ausgesetzt ist und die vom Uyghur Human Rights Project (UHRP) regelmäßig angeprangert werden, gab es keine expliziten Kommentare. Einem <a href="https://uhrp.org/insights/uhrp-analysis-finds-1-in-26-uyghurs-imprisoned-in-region-with-worlds-highest-prison-rate/?utm_sourcecom">UHRP-Bericht</a> vom 25. April 2024 zufolge war im Jahr 2024 in Xinjiang jeder 26. Mensch – vorwiegend Uigur:innen oder andere Nicht-<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Han_(Ethnie)">Han</a> – inhaftiert. Das entspricht fast einem Drittel der gesamten Gefängnisinsass:innen Chinas. Die Uigur:innen machen jedoch nur ein Prozent der Bevölkerung Chinas aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl es keine umfassenden offiziellen Daten zu den Internierungslagern in Xinjiang gibt, schätzen NGOs wie die UHRP, dass zwischen 2017 und 2022 mindestens 578.500 Menschen inhaftiert waren. Die derzeit noch in den Lagern inhaftierten Personen sind dabei nicht mitgerechnet. Die uigurische Region weist mit 2.234 Inhaftierten pro 100.000 Einwohner:innen die höchste Inhaftierungsrate weltweit auf. Eine <a href="https://cdn.xjdp.aspi.org.au/wp-content/uploads/2020/09/25125443/documenting-xinjiangs-detention-system.cleaned.pdf?utm_source.com">Studie</a> des Thinktanks Australian Strategic Policy Institute (ASPI) identifizierte mithilfe von <a href="https://xjdp.aspi.org.au/explainers/exploring-xinjiangs-detention-facilities/?utm_source.com">Satellitenbildern</a> seit 2017 rund 380 aktive Internierungslager.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a><strong>Lest auch auf Novastan: </strong></a><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/flucht-aus-xinjiang-geschichten-von-jenen-die-den-lagern-entkamen/"><strong>Flucht aus Xinjiang – Geschichten von jenen, die den Lagern entkamen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die aktuelle chinesische Doktrin betont nun das Konzept der <em>„Gemeinschaft der chinesischen Nation“</em>. Dazu gehört die Förderung der kulturellen Verschmelzung und die verstärkte Kontrolle über religiöse Institutionen, damit der Islam und andere Religionen <em>„mit dem Sozialismus vereinbar“</em> sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus legt die Kommunistische Partei Wert auf eine selektive Bewahrung des lokalen Erbes, wie etwa in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turpan">Turpan</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaschgar_(Stadt)">Kaschgar</a>. Dieses Erbe wird dabei in eine chinesische Geschichtserzählung integriert. In Bildung und öffentlichem Leben wird eine Vorherrschaft der Han-Kultur propagiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Geschichte neu schreiben</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Dokument stellt die Politik Xinjiangs als Modell einer nationaler Regierungsführung dar, die Sicherheit, kulturelle Assimilation, wirtschaftliche Entwicklung und ideologische Kontrolle vereint. Es versucht, das Vorgehen der Kommunistischen Partei angesichts internationaler Kritik zu legitimieren, indem es diese Regierungsführung in die Logik einer <em>„Modernisierung chinesischer Prägung“</em> einordnet – ähnlich der Situation in Tibet, wo Peking seit 75 Jahren militärische Vorherrschaft ausübt und eine Politik der Assimilation der Bevölkerung verfolgt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen den zentralistischen Exzessen der Kommunistischen Partei und den anhaltenden dschihadistischen Bedrohungen bleibt Xinjiang ein Ort, an dem sich die Spannungen kristallisieren, gefangen zwischen Sicherheit und Unterdrückung.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lenny Cabrol Noto für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/non-classe/le-xinjiang-fete-ses-70-ans-sous-le-prisme-d-une-nouvelle-doctrine-politique-chinoise/"><strong>Französischen</strong></a><strong> (und überarbeitet) von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Ländlicher Raum Xinjiangs: Interview mit Anthropologe Rune Steenberg</title>
		<link>https://novastan.org/de/panorama/laendlicher-raum-xinjiangs-interview-mit-anthropologe-rune-steenberg/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Oct 2025 18:06:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Uigurische Region]]></category>
		<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Internierungslager]]></category>
		<category><![CDATA[Kaschgar]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den sozialen Netzwerken sind die Bilder von uigurischen Gefangenen k&#xFC;rzlich den malerischen Stra&#xDF;en von Kaschgar und gr&#xFC;nen Landschaften gewichen. Hinter diesen Bildern setzt Peking seinen Plan zur Wiederbelebung des l&#xE4;ndlichen Raums des uigurischen Autonomen Gebietes Xinjiang weiter um. Der d&#xE4;nische Anthropologe Rune Steenberg erkl&#xE4;rt Novastan, was dies f&#xFC;r die Bev&#xF6;lkerung der Region bedeutet. Bis [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">In den sozialen Netzwerken sind die Bilder von uigurischen Gefangenen kürzlich den malerischen Straßen von Kaschgar und grünen Landschaften gewichen. Hinter diesen Bildern setzt Peking seinen Plan zur Wiederbelebung des ländlichen Raums des uigurischen Autonomen Gebietes Xinjiang weiter um. Der dänische Anthropologe Rune Steenberg erklärt Novastan, was dies für die Bevölkerung der Region bedeutet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.undp.org/china/publications/rural-revitalization-china">Bis 2027</a> will China die Lebensqualität und die landwirtschaftliche Produktion in seinen ländlichen Gebieten verbessern, indem es sich auf fünf Säulen stützt: auf die industrielle, kulturelle, organisatorische, ökologische und menschliche Revitalisierung.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Um die Herausforderungen dieses 2018 gestarteten Plans zur Wiederbelebung des ländlichen Raums im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Gebiet Xinjiang</a> besser zu verstehen, hat Novastan Rune Steenberg, Anthropologe an der Palacký-Universität in Olomouc in Tschechien, interviewt. Auf Basis seiner Erfahrung vor Ort veröffentlichte er zahlreiche Arbeiten über das wirtschaftliche und soziale Leben der uigurischen Gemeinschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Seit 2017 konnte ich für meine Forschungen nicht mehr in die Region zurückkehren”</em>, gesteht Steenberg. Daher ist er nun Teil einer von der Europäischen Union unterstützten Initiative, die darauf abzielt, <a href="https://www.remote-xuar.com/">anthropologische Fernforschungsmethoden</a> zu entwickeln, um den zunehmend eingeschränkten Zugang von Forschenden zu bestimmten Gemeinschaften zu kompensieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein strategisches Gebiet für die Wiederbelebung des ländlichen Raums</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die einzigartige Geografie und die weitläufigen landwirtschaftlichen Flächen Xinjiangs machen die Region zu einem Schlüsselgebiet, um die von China angestrebte Ernährungssouveränität zu erreichen, aber auch um neue Technologien einzuführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/repressionen-in-xinjiang-stehen-unter-milder-kritik-in-zentralasien/">Repressionen in Xinjiang stehen unter milder Kritik in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen Bergen, Oasen und endlosen Feldern bietet die Region eine ideale ökologische Vielfalt, um technologische Innovationen zu testen. Im Juli 2025 beleuchtet beispielsweise eine <a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-07-08/china-builds-ai-dreams-with-giant-data-centers-in-the-desert">Untersuchung der amerikanischen Agentur Bloomberg</a> die Einrichtung von Datenspeicherzentren für künstliche Intelligenz in der Region.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rune Steenberg stellt eine <em>„verstärkte Mechanisierung im weitgehend staatlich verwalteten Agrarsektor“</em> fest. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua hebt insbesondere den <a href="https://english.news.cn/20250709/448c5de8fa5e4e0ca556a196f6bc2b8a/c.html">Einsatz von Drohnen</a> zum Ausbringen von Pestiziden auf Baumwollfeldern hervor. Trotz einer offensichtlichen Optimierung der landwirtschaftlichen Praktiken <em>„verlieren die Einheimischen jedoch nach und nach ihre Landbesitzrechte, die von staatlich finanzierten Genossenschaften übernommen werden, und ziehen es oft vor, in Fabriken zu arbeiten“</em>, erklärt der Anthropologe.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zwischen technologischer Entwicklung und Assimilation</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Industrialisierung und technologische Entwicklung der Region geht mit einer Migrationswelle von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Han_(Ethnie)">Han-Chines:innen</a> aus allen Teilen des Landes einher. Ein Prozess, der laut Rune Steenberg in den 1950er Jahren seinen Anfang nahm. Seiner Meinung nach hat die chinesische Regierung mehrere Ziele: die Migration nach Xinjiang zu fördern, um der uigurischen Mehrheit entgegenzuwirken, die Region <a href="https://www.arte.tv/fr/articles/les-influenceurs-de-la-colonisation-la-methode">in den sozialen Netzwerken zu bewerben</a> und ihr Image aufzupolieren. Schließlich geht es darum, einen Umzug nach Xinjiang als Ausweg, als Hoffnung auf ein neues Leben für chinesische Bauern aus anderen Regionen darzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/bahnprojekt-china-kirgistan-usbekistan-baubeginn-im-august/">Bahnprojekt China – Kirgistan – Usbekistan: Baubeginn im August</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den Forscher ist China kein Einzelfall. Er sieht in der „Assimilationspolitik” in Xinjiang ein Beispiel für <em>„unbewaffnete Kolonialisierung”</em>. <em>„Ein Prozess, der auch in Palästina oder in Algerien während der französischen Kolonialisierung zu beobachten war”</em>, so Steenberg. Die Einführung neuer Technologien erfolge ohne die Zustimmung der lokalen Bevölkerung, deren einzige Wahl darin bestehe, mitzumachen oder aufzugeben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine komplexe und kontrastreiche Realität</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Rune Steenberg betont, dass die Reaktionen innerhalb der uigurischen Gemeinschaft vielfältig sind. <em>„Die jüngeren Generationen sehen auch die Möglichkeit, sich aus ihrer Lage zu befreien, indem sie die Bedingungen der Regierung akzeptieren“</em>, die beispielsweise ein vorteilhaftes Gesundheitssystem und Subventionen anbietet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sich nur auf die <a href="https://novastan.org/de/uigurische-region/dem-chinesischen-gulag-entflohen-die-geschichte-der-uigurin-gulbahar-haitiwaji/?noredirect=de-DE">Internierungslager</a> zu konzentrieren, sei ebenso verkürzt wie zu behaupten, dass in der Region alles in Ordnung sei, erklärt der Forscher. Es sei wichtig zu verstehen, dass die Realität nicht nur schwarz oder weiß sei und dass innerhalb der uigurischen Bevölkerung je nach sozialer Schicht und Beruf unterschieden werden müsse.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Uigur:innen und die Han stehen nicht in einem direkten Gegensatz zueinander“</em>, betont Steenberg. Für ihn steht die Beziehung der Regierung zur Bevölkerung im Mittelpunkt des Problems.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer wichtiger Pfeiler des Plans zur Wiederbelebung des ländlichen Raums in Xinjiang ist die Entwicklung des Tourismus. <a href="https://www.globaltimes.cn/page/202505/1334961.shtml">Laut der Global Times</a> haben die chinesischen Behörden in diesem Jahr einen Plan entwickelt, der darauf abzielt, bis 2030 mehr als 400 Millionen Besucher:innen pro Jahr zu empfangen und Einnahmen in Höhe von 1 Billion Yuan (120 Milliarden Euro) zu erzielen, was laut Steenberg mit einer „Folklorisierung” der uigurischen Kultur einhergeht. Bestimmte Merkmale werden inszeniert oder sogar verfälscht. <em>„Hier geht es nicht um eine vollständige Auslöschung der uigurischen Kultur, sondern eher um eine Auswahl und Instrumentalisierung bestimmter Aspekte”</em>, erklärt der Anthropologe. Er verweist beispielsweise auf die kürzliche Eröffnung neuer Museen und Ausstellungen, die das uigurische Erbe ausschließlich mit der chinesischen Geschichte in Verbindung bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Realität hinter den Kameras und dem Lächeln bleibt schwer zu fassen, erinnert Steenberg. Die chinesische Bevölkerung, ob Uigurin oder Han, bewegt sich zwischen individuellen Bestrebungen und staatlicher Politik. Weit entfernt vom vorherrschenden dichotomischen Diskurs ist die Realität der ländlichen Wiederbelebung in Xinjiang komplex und manchmal widersprüchlich.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lisa Ducher für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/region-ouighoure/regard-sur-la-revitalisation-rurale-du-xinjiang-entretien-avec-lanthropologue-rune-steenberg/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



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		<title>Bahnprojekt China – Kirgistan – Usbekistan: Baubeginn im August</title>
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		<dc:creator><![CDATA[vlprzybylinski]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jul 2024 07:27:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Uigurische Region]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Bauarbeiten an der Eisenbahnstrecke zwischen China, Kirgistan und Usbekistan werden zeitnah beginnen. Das seit fast 20 Jahren diskutierte Projekt soll eine kontinentale Br&#xFC;cke von China in die T&#xFC;rkei schaffen. Zentralasien k&#xF6;nnte eine M&#xF6;glichkeit erhalten, aus seiner Isolation auszubrechen. Es ist &#xFC;ber 20 Jahre her, dass die Diskussionen zu diesem Projekt begannen. Und obwohl die [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Bauarbeiten an der Eisenbahnstrecke zwischen China, Kirgistan und Usbekistan werden zeitnah beginnen. Das seit fast 20 Jahren diskutierte Projekt soll eine kontinentale Brücke von China in die Türkei schaffen. Zentralasien könnte eine Möglichkeit erhalten, aus seiner Isolation auszubrechen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist über 20 Jahre her, dass die Diskussionen zu diesem Projekt begannen. Und obwohl die Verhandlungen langwierig waren, konnten sie nun letztendlich beendet werden. Am 6. Juni unterzeichneten China, Kirgistan und Usbekistan ein Kooperationsabkommen zum gemeinsamen Bau einer Eisenbahnverbindung zwischen den drei Staaten, berichtet <a href="https://www.azattyk.org/a/32982055.html">Radio Azattyk</a>, der kirgisische Dienst von Radio Free Europe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Strecke, die das im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Autonomen Uigurischen Gebiet Xinjiang</a> gelegene <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaxgar_(Stadt)">Kaschgar</a> mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Andijon">Andijon</a> in Usbekistan verbinden soll, wird 311 Kilometer durch Kirgistan verlaufen. Am 13. Juni gab <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Akylbek_Dschaparow">Akylbek Dschaparow</a>, Vorsitzender des Ministerkabinetts Kirgistans, offiziell bekannt, dass die Bauarbeiten am Eisenbahnprojekt voraussichtlich <a href="https://kloop.kg/blog/2024/06/13/glava-kabmina-zayavil-chto-stroitelstvo-zheleznoj-dorogi-kitaj-kyrgyzstan-uzbekistan-nachnetsya-v-avguste/">im August</a> beginnen werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wichtige Verbindung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der kirgisischen Behörden stellt das Projekt eine große Chance nicht nur für das Land, sondern für ganz Zentralasien dar. Die Region könne nun hoffen, eine Sackgasse im Transportwesen zu überwinden. Laut dem Portal <a href="https://www.tazabek.kg/news:2117346?from=portal&amp;place=last">Tazabek</a> ermögliche das Projekt darüber hinaus die Verbindung von vier Milliarden Menschen in verschiedenen Regionen der Welt, indem es die Zufahrtswege der drei Länder zum Nahen Osten und nach Südeuropa um fast 900 Kilometer verkürzt. Kirgistan könne so allein beim Warentransfer bis zu 200 Millionen US-Dollar (187 Millionen Euro) pro Jahr einzusparen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;<em>„Endlich wurde mit der Umsetzung des Projekts begonnen, das unser Land zu einem wichtigen Handels- und Produktionszentrum machen wird“, </em>so Akylbek Dschaparow weiter. Das Land schöpft Hoffnung auf neue kommerzielle Möglichkeiten und damit einhergehend auf den Erhalt weiterer ausländischer Direktinvestitionen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Obwohl sich allein der Warentransit für das Land und seine Finanzen bereits als äußerst vorteilhaft erweisen könnte, vertreten einige Persönlichkeiten auch die Ansicht, dass sich das Land damit nicht zufriedengeben dürfe. Schumkarbek Adilbek Uulu, ehemaliger Chef einer Investmentagentur, erklärte gegenüber <a href="https://www.azattyk.org/a/32982055.html">Radio Azattyk</a>: <em>„Wann wird die Eisenbahn nützlich sein? Wenn es um den Transport von Produkten geht, die wir selbst herstellen und verarbeiten. Wenn die Eisenbahn jetzt gebaut wird, wird dies eine neue Richtung und eine neue Chance für die chinesische Produktion bedeuten.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine Bahn mit Verspätung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der Begeisterung, die der Bau dieser Eisenbahnlinie hervorruft, bedauern einige Menschen dennoch, dass die Verwirklichung des Projekts so lange gedauert hat. Dies gilt unter anderem für Baxtiyor Ergashev, Direktor des Man’o Center for Research Initiatives in Usbekistan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut ihm <em>„dauert die Umsetzung dieses Projekts zu lange, obwohl es notwendig ist. […] Im Rahmen von Sanktions- und Gegensanktionssystemen sind wir gezwungen, nach neuen alternativen Verkehrskorridoren zu suchen. Wenn in einer solchen Situation der Eisenbahnkorridor China – Kirgistan – Usbekistan bereits existieren würde, hätte er sich gut entwickelt.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/transafghanische-eisenbahn-neuer-schwung-und-alte-problem/"><strong>Transafghanische Eisenbahn: Neuer Schwung und alte Probleme</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn tatsächlich ist Russland im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine und den Sanktionen des Westens nicht in der Lage, seine direkten Verkehrskorridore in Richtung Europa zu nutzen. Die neue Handelsroute im Süden kann daher den internationalen Warenverkehr nur stärken.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Vladimir Przybylinski für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/economie/chine-kirghizstan-ouzbekistan-construction-chemin-fer-doit-commencer/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



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		<title>Repressionen in Xinjiang stehen unter milder Kritik in Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Eva Montford]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Feb 2024 20:25:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Uigurische Region]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Repression]]></category>
		<category><![CDATA[Uiguren]]></category>
		<category><![CDATA[Xinjiang]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Angeh&#xF6;rige von Kasach:innen, die in Xinjiang inhaftiert sind, demonstrierten erneut vor dem chinesischen Konsulat in Almaty. Novastan sprach mit dem Sinologen Emmanuel Lincot, um die Position Kasachstans in dieser Frage besser zu verstehen. Am 8. Februar haben Angeh&#xF6;rige mehrerer ethnischer Kasach:innen, die in Xinjiang inhaftiert sind, vor dem chinesischen Konsulat in Almaty protestiert. Dies berichtet [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Angehörige von Kasach:innen, die in Xinjiang inhaftiert sind, demonstrierten erneut vor dem chinesischen Konsulat in Almaty. Novastan sprach mit dem Sinologen Emmanuel Lincot, um die Position Kasachstans in dieser Frage besser zu verstehen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 8. Februar haben Angehörige mehrerer ethnischer Kasach:innen, die in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Xinjiang</a> inhaftiert sind, vor dem chinesischen Konsulat in Almaty protestiert. Dies berichtet<a href="https://www.rferl.org/a/kazakhstan-xinjiang-chinese-consulate-protest-almaty/32810854.html"> Radio Free Europe</a>. Das Anliegen war klar: Die Freilassung ihrer inhaftierten Familienangehörigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar wurde keine Gewalt berichtet, doch die Polizei ließ die Demonstrierenden nicht in die Nähe des Konsulats und die chinesischen Behörden traten nicht in einen Dialog mit ihnen ein. Seit Februar 2021 fanden regelmäßig Proteste vor den chinesischen Vertretungen in Kasachstan statt, um die Inhaftierung von Familienangehörigen anzuprangern, die ihrer Meinung nach nur deshalb inhaftiert wurden, weil sie muslimischen Glaubens sind.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die chinesischen Behörden bestreiten diesen Vorwurf trotz der Aussagen von Kasach:innen und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Uiguren">Uigur:innen</a>, die von Massenverhaftungen in Xinjiang berichten. Gleichzeitig hält sich die kasachstanische Regierung mit Kritik an ihrem mächtigen Nachbarn zurück, mit dem sie durch zahlreiche internationale Partnerschaften verbunden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um zu verstehen, was die chinesische Repression in Xinjiang bedeuten, sprach Novastan mit <a href="https://fr.wikipedia.org/wiki/Emmanuel_Lincot">Emmanuel Lincot</a>, Professor am Institut Catholique de Paris, Sinologe und assoziierter Forscher am <a href="https://fr.wikipedia.org/wiki/Institut_de_relations_internationales_et_strat%C3%A9giques">Institut für internationale und strategische Beziehungen (IRIS)</a>. Er ist unter anderem Autor des Buches <em>Le très grand jeu: Pékin face à l‘Asie centrale</em> („Das sehr große Spiel: Peking im Angesicht Zentralasiens“).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Novastan: Kann man von einer Anpassung der kasachstanischen Regierung an die Politik Chinas sprechen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Emmanuel Lincot:</strong> Das versteht sich von selbst. Kasachstan spielt die chinesische Karte, insbesondere im Rahmen des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Seidenstra%C3%9Fe">Projekts der „Neuen Seidenstraße“</a>, und das seit der <a href="https://astanatimes.com/2013/09/xi-jinping-calls-for-regional-cooperation-via-new-silk-road/">Grundsatzrede</a> von Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xi_Jinping">Xi Jinping</a> 2013 in Astana. Die Regierung steht den chinesischen Positionen also offiziell eher nahe, weil China eine Chance ist. Sich von China zu entfremden, bedeutet, ein Risiko einzugehen, denn Kasachstan ist wie alle anderen zentralasiatischen Länder allein schon geografisch von China abhängig. Alle Waren aus Kasachstan können nur über Russland oder China transportiert werden. Gute Beziehungen zu China zu unterhalten ist daher wichtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus multilateraler Sicht ist Kasachstan Mitglied der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit">Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit</a>. Es ist wichtig, dies im Hinterkopf zu behalten, da diese Organisation über ein Büro zur Terrorismusbekämpfung mit Sitz in Taschkent verfügt. Außerdem haben viele der Länder Zentralasiens – im Rahmen der Shanghaier Organisation oder sonst wo – <a href="https://uhrp.org/report/no-space-left-to-run-chinas-transnational-repression-of-uyghurs/">Abkommen ratifiziert</a>, in denen die Auslieferung jeder uigurischen Person gefordert wird, die von den chinesischen Behörden wegen Terrorismus gesucht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies erklärt die Repressionen gegen uigurische Aktivistinnen wie <a href="https://www.amnesty.org/en/documents/eur57/0926/2019/en/">Serikdschan Bilasch</a>, die aufgrund ihres Engagements, chinesische Übergriffe anzuprangern, unter Druck gesetzt wurden. Es ist offensichtlich, dass die chinesische Regierung in Bezug auf die Uigur:innen-Frage die kasachstanische Regierung stark beeinflusst,, denn Kasachstan ist ein absolut notwendiges Land im diplomatischen Schachbrett Chinas. Das Land bietet Zugang zum gesamten übrigen Zentralasien, zur Europäischen Union – die nach wie vor Chinas wichtigster Handelspartner ist – und zum Nahen Osten. In dieser Hinsicht ist Kasachstan eine Drehachse der strategischen Interessen Chinas, ebenso wie die benachbarte uigurische Provinz Xinjiang.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/china-in-zentralasien-factchecking-um-mit-mythen-aufzuraeumen/"><strong>China in Zentralasien – Factchecking, um mit Mythen aufzuräumen</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">China braucht die Unterstützung Kasachstans und umgekehrt. Daher kann China keine pro-uigurischen Demonstrationen auf kasachstanischem Territorium dulden, auch wenn die dort lebenden turksprachigen Bevölkerungsgruppen sich mit der uigurischen Bevölkerung als „Brudervolk“ identifizieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Hinsicht sehe ich vielleicht ein Zeichen für eine vollzogene Scheidung zwischen der politischen Elite und der Gesellschaft in Kasachstan. Die gesellschaftlichen Unruhen der letzten Jahre sind alle von dieser Feindseligkeit gegenüber einer zunehmenden Einmischung Chinas in die Angelegenheiten Kasachstans geprägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich denke dabei insbesondere an die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schanga%C3%B6sen-Massaker">große Krise 2011</a> am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspisches_Meer">Kaspischen Meer</a>, wo die Öffentlichkeit eine zunehmende Einmischung Chinas in die Angelegenheiten Kasachstans erkennen konnte. Dies wurde umso deutlicher durch die Verhaftung lokaler Behörden, Aktionäre und Geschäftsleute, die mit in Xinjiang inhaftierten Uigur:innen verwechselt wurden. All dies führte zu einer großen Feindseligkeit gegenüber China.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie ist es dann zu erklären, dass die kasachstanische Regierung oder auch andere zentralasiatische Regierungen bereit waren, einigen Uigur:innen politisches Asyl zu gewähren?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gibt es zwischen allen Staaten in der Region einen doppelten Diskurs, der mit der Notwendigkeit zusammenhängt, der öffentlichen Meinung ein Zeichen zu setzen. Das ist wichtig. Aber angesichts der Abkommen, die die zentralasiatischen Staaten mit China verbinden, ist offensichtlich, dass sie parallel dazu die chinesische Karte spielen. Diese Tendenz hat sich in Kasachstan übrigens verstärkt, seit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qassym-Jomart Toqajev</a> an die Macht gekommen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man sucht also einen Kompromiss, um sich mit einem Teil der Bevölkerung zu versöhnen – auf die Gefahr hin, dass es langfristig zu einer sehr großen Scheidung zwischen den Behörden und der Öffentlichkeit kommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Inwieweit haben die Uigur:innen in der Zivilgesellschaft Gewicht? In Kasachstan kam es möglicherweise zu Übergriffen auf die uigurische Bevölkerung. Gibt es eine soziale Spaltung innerhalb der Gesellschaft?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, in der Gesellschaft verhält man sich in vielerlei Art schizophren. Man ist sehr glücklich, von der mit chinesischer Hilfe entwickelten Infrastruktur profitieren zu können. Und gleichzeitig kann man die Ankunft dieser uigurischen Bevölkerungsgruppen, die auf kasachischen Boden geflohen sind, mit Argwohn betrachten, weil man der Meinung ist, dass diese <em>„uns unsere Arbeit wegnehmen“</em> und so weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist also nicht alles schwarz oder weiß. Es gibt sehr wohl Teile der Bevölkerung, die sehr glücklich über die wirtschaftliche Entwicklung sind. Doch diese kommt nicht allen zugute, und Widerstand aus der Bevölkerung mobilisiert sich langsam, um die Unterdrückung anzuprangern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nebenbei bemerkt, geht die Kritik an China zum Teil über humanitäre Fragen hinaus. Es findet eine Anklage gegen die wirtschaftliche Einmischung Chinas statt, die manchmal offen zutage tritt, etwa während der Demonstrationen in Kasachstan seit 2021.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/sechs-gruende-fuer-die-antichinesische-stimmung-in-kasachstan/"><strong>Sechs Gründe für die antichinesische Stimmung in Kasachstan</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die soziale Landschaft ist immer noch sehr, sehr gespalten und die Feindseligkeit gegenüber China vermischt die Kritik an einer wirtschaftlichen Einmischung und die Repressionen gegen die Minderheiten in Xinjiang.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gibt es auf regionaler Ebene Unterschiede zwischen den zentralasiatischen Ländern in der Wahrnehmung Chinas? Führt die Kumpanei mit dem chinesischen Nachbarn zu Spannungen in Zentralasien?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Sicht der Regierungen bestehen keine Unklarheiten. Ganz im Gegenteil. Alle wollen von den wirtschaftlichen Auswirkungen der chinesischen Politik profitieren. Auch hier stellt sich die Frage eher auf der Ebene des Meinungskampfes. Der Unterschied zwischen den Entscheidungstragenden und den Meinungen in der Bevölkerung in diesen verschiedenen Ländern wird stets größer. Und doch sind die Meinungen in den ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens alles andere als radikal gegen China.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielmehr ist die Opposition in Ländern wie Pakistan – das geografisch gesehen ebenfalls zu Zentralasien gehört, was nicht vergessen werden darf – am stärksten. Man denke an <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Belutschistan">Belutschistan</a>, eine Bürgerkriegsregion, in der rund um den Hafen von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gwadar">Gwadar</a> besonders viele Chines:innen leben. Dort vergeht fast kein Tag, an dem nicht über Entführungen, Lösegeldforderungen oder Morde an chinesischen Arbeitenden, die dort eine besonders umstrittene Durchgangsstraße bauen, berichtet wird. Dies zeigt, dass es eine immer offenere Form der Sinophobie seitens der Bevölkerung gibt – doch sie ist alles andere als einheitlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mobilisiert sich die Kulturszene jenseits der gewalttätigen Proteste gegen eine Annäherung an China?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Grundsätzlich ja, Kulturschaffende versuchen, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. Diese bleibt jedoch auf ein westliches Publikum beschränkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/vertreter-aus-xinjiang-stattet-kasachstan-offiziellen-besuch-ab/"><strong>Vertreter aus Xinjiang stattet Kasachstan offiziellen Besuch ab</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ansonsten gibt es in Xinjiang natürlich keine derartigen Demonstrationen. Auch <a href="https://www.slate.fr/monde/kazakhstan-xinjiang-la-frontiere-des-larmes/repression-chinoise-culture-ouighoure-tente-survivre-chine-art-danse-musique-peinture">in Zentralasien</a> ist es wirklich schwierig, ganz einfach, weil es von den herrschenden Regimen nicht toleriert würde. Das scheint mir offensichtlich zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Glauben Sie, dass dieses Problem langfristig Auswirkungen auf die Stabilität der Regime in der Region haben könnte?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein, das glaube ich nicht. Ich denke, dass die Frage der chinesischen Repressionen gegen muslimische Minderheiten noch ein hauseigenes Phänomen ist. Es kann sicherlich eine Art „Palästinisierung“ der Übergriffe in der Region geben, die mit der uigurischen Bevölkerung zusammenhängt. Aber auch hier handelt es sich um Mückenstiche. Das Problem ist nicht so fundamental.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Peking hat das sehr wohl verstanden. Was die chinesische Regierung vielmehr beunruhigt, sind <a href="https://www.counterextremism.com/countries/china-extremism-and-terrorism">terroristische Gruppierungen</a>. Diese können uigurischer Herkunft sein und <a href="https://www.counterextremism.com/blog/afghanistan-terrorism-report-december-2022-january-2023">aus Afghanistan</a> <a href="https://www.counterextremism.com/countries/tajikistan-extremism-and-terrorism">oder Tadschikistan</a> gegen chinesische Infrastrukturen vorgehen. Aber es sind vor allem andere terroristische Gruppierungen wie der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamischer_Staat_(Terrororganisation)">IS</a> oder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Qaida">Al-Qaida</a>, die langfristig ein Sicherheitsproblem für die chinesischen Interessen darstellen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus der Sicht der demografischen Verhältnisse haben Sie auf der einen Seite 12 Millionen Uigur:innen, von denen fast eine halbe Million <a href="https://www.hrw.org/news/2023/08/31/china-unrelenting-crimes-against-humanity-targeting-uyghurs">festgenommen wurden</a>. Wenn man diejenigen mitzählt, die in der Diaspora leben, sind das 24 Millionen Menschen, also eine ganze Menge. Aber was wiegen 24 Millionen Menschen im Vergleich zu 1,4 Milliarden Chines:innen? Was wiegen sie im Vergleich zu den Milliarden, die China <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/china-profitiert-in-zentralasien-von-der-isolation-russlands/">in die Nachbarländer investiert</a>? Nicht das Geringste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wird zwangsläufig Bestrebungen geben, die uigurische Frage zu instrumentalisieren, wie es Amerika oder Europa getan haben, als sie zu Recht einen von den chinesischen Behörden praktizierten Völkermord anprangerten. Aber das wird die politische Realität Chinas und seines Regimes nicht verändern und auch nicht seine Annäherung an die zentralasiatischen Länder behindern.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Das Gespräch führte Eva Montford, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><strong><a href="https://novastan.org/fr/region-ouighoure/asie-centrale-critique-repression-xinjiang-peine-simposer/">Französischen</a></strong><strong> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Textilien, Teppiche und Geometrie: Stoffproduktion in Zentralasien</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Sep 2023 16:47:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zentralasien ist bekannt f&#xFC;r seine alte Tradition der exquisiten Textilherstellung. Bis heute sind Schals oder Chapans (knopfloser Mantel), die in der sogenannten Textiltechnik Ikat gewebt sind, von Mode-Fans aus aller Welt gefragt. Textilproduktion und Teppichqualit&#xE4;t entwickelten sich in enger kreativer Interaktion zwischen nomadischen und sesshaften V&#xF6;lkern. Im Interview mit dem Central Asian Analytical Network (CAAN) [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zentralasien ist bekannt für seine alte Tradition der exquisiten Textilherstellung. Bis heute sind Schals oder <em>Chapans</em> (knopfloser Mantel), die in der sogenannten Textiltechnik <em>Ikat</em> gewebt sind, von Mode-Fans aus aller Welt gefragt. Textilproduktion und Teppichqualität entwickelten sich in enger kreativer Interaktion zwischen nomadischen und sesshaften Völkern. Im Interview mit dem Central Asian Analytical Network (CAAN) erläutert Carol Beer die Ursprünge dieses Kunsthandwerks, seine Symbolik und die komplexen Herstellungsmethoden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Carol Beer ist eine Historikerin der islamischen Kunst. Sie ist die Autorin zahlreicher Werke über die kulturellen Aspekte der Geometrie in der islamischen Kunst, in denen sie die Schönheit von Form, Muster und Struktur beschreibt. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Islamische Studien an der <em>Graduate Theological Union</em> in Berkeley, Kalifornien. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in Teilzeit am Textilmuseum in Washington D.C., wo sie lange Zeit Kuratorin der Sammlungen der östlichen Hemisphäre war (1984-2001). Von 2006 bis 2008 war sie Präsidentin der <em>Textil Society of America</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie haben viele Artikel über die kulturellen Aspekte der Geometrie in der islamischen Kunst veröffentlicht und wir in Zentralasien sehen viele wiederkehrende geometrische Formen in unserer Kultur. Wie hat sich die Geometrie in der islamischen Kunst manifestiert?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mich intensiv mit der Geometrie in der islamischen Kunst und Architektur beschäftigt, ein Interesse, das sich aus früheren Studien über Textilien und Textilmuster entwickelte. Textilmuster sind sehr eng mit der Technik des Webens, Stickens oder Färbens verbunden &#8211; <em>Ikat</em> oder <em>Abrband</em> (von persisch <em>„abr“</em> &#8211; Wolke, <em>„Band“</em> &#8211; binden), wie es in Zentralasien, zumindest in Usbekistan, genannt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher ist mein Interesse an Geometrie, islamischer Architektur und Kunst sehr stark mit der Beziehung zwischen Handwerk und Technologie verbunden &#8211; im Falle der Architektur mit der Bautechnologie. Meine Forschung hat die Entstehung einer algorithmischen Ästhetik in der islamischen Welt aufgezeigt, so dass die Wiederholbarkeit selbst eine Bedeutung hat und diese Bedeutung ist meiner Meinung nach sehr eng mit der Geometrie, mit der Erscheinungsform der Geometrie verbunden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Aus der Geschichte der Geometrie wissen wir, dass in der frühen arabischen Welt Übersetzungen und Kommentare zu antiken griechischen Texten über Mathematik und Philosophie erschienen. Diese wurden dann in der persischen Welt und darüber hinaus (Zentralasien, Spanien, Nordafrika) verbreitet. Mein Verständnis und meine Interpretation gingen also in verschiedene Richtungen. Eine dieser Richtungen ist die Untersuchung von Koraninschriften auf Denkmälern mit geometrischen Mustern und ich würde sagen, dass die für diese Denkmäler ausgewählten Koraninschriften und Koranpassagen uns helfen können, die Bedeutung und den Sinn der Muster und der Gebäude selbst zu verstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Insbesondere das Wort <em>„Amtal“</em>, der Plural von <em>„Mital“</em>. Dieses Wort hat viele Bedeutungen in Bezug auf Allegorie und Gleichnis, aber für Mathematiker bezeichnet es ein geometrisches Problem. Und ich glaube, dass man die Koranstellen in Bezug auf geometrische Muster an Gebäuden interpretieren kann, so dass die Form der Geometrie genau die Geometrie widerspiegelt. Zu dieser Interpretation bin ich gekommen, als ich Geometrie, Kunst und Architektur in der islamischen Welt untersucht habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Textilkultur des Ostens, der auch die Region Zentralasien umfasst. Warum spielten Textilien im Leben dieser Menschen eine so große Rolle? Obwohl sie ein einfaches Leben führten, besaßen sie prächtige Teppiche und Seidengewänder. Haben diese Schmuckstücke und Textilien eine spirituelle Bedeutung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe die spirituellen Bedeutungen nicht eingehend untersucht. Sie konnten hauptsächlich durch das Studium der schriftlichen Überlieferung oder, wie heute, durch Interviews mit Praktizierenden untersucht werden, ich hingegen arbeitete hauptsächlich mit Primärquellen (den Materialien selbst), das heißt mit der materiellen Kultur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich jedoch sagen kann, ist, dass alle textilen Traditionen &#8211; von der Filzherstellung <em>(shyrdak) </em>in Kirgistan und der Stickerei <em>(suzane)</em> in Usbekistan bis hin zur Teppichherstellung <em>(kali)</em> &#8211; auf nachwachsenden Rohstoffen basieren, die in Zentralasien leicht verfügbar sind. So hat die Filz- und Textilherstellung eine sehr lange Geschichte, die bis in die prähistorische Zeit zurückreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Techniken der Textilherstellung in Zentralasien sind recht außergewöhnlich und viele davon werden auch heute noch praktiziert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/eine-kirgisische-firma-moechte-den-schyrdak-nach-europa-bringen/"><strong>Eine kirgisische Firma möchte den Schyrdak nach Europa bringen</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ikat-Produktion ist sehr vielfältig, zum Beispiel im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ferghanatal">Fergana-Tal</a>. Der Anbau von Baumwolle ist weit verbreitet. Für die Beschaffung und Aufbereitung der Färbematerialien haben sich Netzwerke gebildet. Die Technologie der Garnaufbereitung hat sich ebenso entwickelt wie die Färbe- und Webtechnologie. So ist zum Beispiel ein einfaches Produkt wie ein Schal mit hängenden Enden bereits das Produkt mehrerer Technologien. Beim Shyrdak wird der Filz in zwei Lagen geschnitten und übereinander gelegt. So entstehen zwei identische, aber farblich kontrastierende Muster. Es ist eine brillante Anwendung einer sehr einfachen Technologie, nämlich Wärme und Kompression, um aus Wollfäden Filz herzustellen und dabei mit Farben und Ornamenten zu experimentieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Zeichnungen finden sich aber auch Symbole wie die Hörner eines Schafes, der Bart einer Ziege oder Elemente, die für die lokale Gesellschaft von grundlegender Bedeutung sind. In Zentralasien gibt es einen starken Kontrast zwischen Hirten- und Ackerbaukulturen. Dieser Kontrast spiegelt die vielfältige Geographie der Region wider, die aus Wüstengebieten, Flusstälern und Oasenstädten besteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Ihrem Artikel „Traditional Weaving from Pre-Soviet Central Asia“ (1992-93) beschäftigen Sie sich mit Textilkunst aus </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro"><strong>Buchara</strong></a><strong> wie Stickerei (Suzaneh), Florteppichweberei, Ikatweberei etc. Können Sie unseren Leser:innen etwas darüber erzählen? Werden diese alten Techniken heute noch angewandt?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ikat bedeutet, wie gesagt, abrbandi (Wolkenbindung) und hat mit dem Färben der Hauptfäden vor dem Weben zu tun. Dies wird im modernen Fergana-Tal sehr häufig praktiziert, wo zahlreiche Ateliers, Werkstätten und Fabriken das herstellen, was wir im Englischen als Ikat bezeichnen. In der Umgebung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro">Buchara</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand">Samarkand</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shahrisabz">Shakhrisabz</a> gibt es auch eine starke Tradition der Seidenstickerei (Suzane). Soweit mir bekannt ist, lassen sich Ikat- und Suzane-Gewebe erst bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen, möglicherweise bis ins späte 18. Jahrhundert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber auch frühere Beispiele aus anderen Teilen der islamischen Welt. Ich weiß nicht genau, wie diese Techniken nach Usbekistan gekommen sind, aber sie waren definitiv im 19. Jahrhundert vorhanden und sind heute weit verbreitet. Madina Kasymbayeva aus Taschkent ist eine zeitgenössische Stickerin von Suzane. Ihre modernen Stickereien im historischen Idiom sind weltweit bekannt. In Usbekistan erhielt sie einen der Präsidentenpreise für Künstler; ihre Arbeiten sind auch im British Museum in London ausgestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Es ist bekannt, dass „kurak korpe“ vom türkischen <em>„kura“</em> abstammt. Aber auch die Kasachen haben solche Decken, die meist <em>„kurak korpe“ </em>oder <em>„oyu korpe“</em> genannt werden. Es gibt auch traditionelle Kopfkissen: Sie heißen auf Kasachisch <em>„zjastyq“</em> und auf Turkmenisch <em>„yassyk“</em>. Wie kommt es zu dieser terminologischen Ähnlichkeit? Gibt es noch andere Ähnlichkeiten zwischen den textilen Künsten, ihren Namen und Techniken in den zentralasiatischen Ländern?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Yastyk“ ist in der Türkei das Wort für Kissen, soweit ich weiß. Alle diese Wörter sind eng miteinander verwandt. Folglich führt die gemeinsame Nutzung des Wortschatzes in anderen Kontexten &#8211; vom Persischen ins Türkische, vom Türkischen ins Persische oder vom Tadschikischen ins Türkische &#8211; dazu, dass sich viele Wörter wiederfinden. So sind „jastyq“, „yassyk“, „zazdyk“ und „yastyk“ verwandt (mit einigen dialektalen Unterschieden). Auch in der Kunst gibt es Ähnlichkeiten. Diese kulturellen Gemeinsamkeiten zeigen sich nicht nur in den Techniken der Textilherstellung und der Architektur, sondern auch in der Küche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Art des Schmucks hängt jedoch von der Kultur ab, zu der diese Länder gehören. So sind einige zentralasiatische Ornamente eher städtischen Ursprungs, während andere nomadischen Ursprungs sind. Bei der sesshaften Stadtbevölkerung werden vielfältigere Muster gewählt und wiederholt als bei der nomadischen Bevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wichtigste Produkt der Nomadenkultur ist natürlich der Teppich. Er wird nicht nur, wie bei uns im Westen, als Bodenbelag verwendet, sondern auch als Tür- und Bettvorleger, als Abdeckung von Truhen oder als Einrichtungsgegenstand sowie als Bodenbelag in Zelten (Jurten). Florteppiche können einen Wollgrund, einen Wollschuß und einen Wollflor &#8211; den Teppichflor mit Mustern und Motiven &#8211; haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lassen Sie uns über die Traditionen von Patchwork und (Orient)teppichen sprechen. Was bedeutet Patchwork und wo liegen seine kulturellen Wurzeln?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Patchwork ist eine sehr wertvolle Handarbeitstechnik, die zu Hause und nicht in Fabriken hergestellt wird. Aus alten Stoffresten werden Decken, Bettüberwürfe, Pferdedecken oder Pferdekopfschmuck hergestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mich viel mehr mit Teppichen als mit Patchwork beschäftigt. Schon die Bezeichnung &#8222;Orientteppiche&#8220; deutet auf eine Außenperspektive hin. Etwas als orientalisch zu bezeichnen bedeutet, dass es aus dem Orient stammt, der im 19. Jahrhundert &#8211; und dazu gehört auch die Geschichte des europäischen Teppichsammelns &#8211; irgendwo östlich von Istanbul lag. Es war nicht der Ferne Osten, wie wir ihn uns heute vorstellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tatsache, dass es &#8222;Orientteppiche&#8220; gibt, weist darauf hin, dass diese Stoffe ihren kulturellen Ursprung in einem &#8222;Teppichgürtel&#8220; haben, der sich über Zentralasien einschließlich Afghanistan, Iran, Türkei, Teile Ägyptens, Nordafrikas und Spaniens erstreckt. Die Region ist trocken (mit geringen Niederschlägen), was die Landwirtschaft erschwert, so dass die Schaf- und Viehzucht die Haupteinnahmequelle der Menschen ist. Wolle ist natürlich eine erneuerbare Ressource: Die Schafe werden ein- oder zweimal im Jahr geschoren und die Wolle wächst nach. Im Gegensatz zu Schaschlik, das nicht erneuerbar ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/zentralasien-um-1910-die-fotografien-sergej-prokudin-gorskijs/"><strong>Zentralasien um 1910: Die Fotografien Sergej Prokudin-Gorskijs</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die in diesen Gebieten hergestellten Teppiche wurden zu einem beliebten Produkt, das an die europäischen Kolonialmächte verkauft oder ihnen (als Botschaftsgeschenk oder auf andere Weise) geschenkt wurde. So wurden Teppiche über die östliche Welt hinaus zu einem vertrauten Element der westlichen Welt, was zu der Bezeichnung &#8222;Orientteppiche&#8220; führte. Diese Kategorie existiert zum großen Teil immer noch, auch wenn es heute als politisch unkorrekt gilt, sie so zu nennen. Aber niemand hat jemals einen &#8222;orientalischen&#8220; Teppich gewebt. Eine Frau hat einfach einen Teppich geknüpft. Es gab keine Bezeichnung dafür in ihrer eigenen Kultur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Patchwork soll die Anordnung der kleinen Stoffquadrate das Böse fernhalten. Es hat also eine Schutzfunktion für denjenigen, der es benutzt oder trägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Historisch gesehen wurden diese Tätigkeiten hauptsächlich von Frauen ausgeübt. Ich denke, dass die Männer in der Regel für die Weidewirtschaft, die Herdenpflege und die Viehzucht zuständig waren. Die Frauen hingegen waren für das Melken der Tiere und die Herstellung von Milchprodukten, sowie für die handwerklichen Traditionen der Garnherstellung und des Webens zuständig. Ich sah Männer, die Filz herstellten &#8211; traditionell eine Männerdomäne, denn es ist viel Stanzen und Pressen nötig, um aus Wolle Filz zu machen. Filz wurde vor allem für Hirtenmäntel, Filzbodenbeläge oder Derwischhüte verwendet. Im häuslichen Bereich ist die Stickerei in erster Linie eine Tätigkeit, die von Frauen ausgeübt wird. Ich habe aber auch gesehen, dass in Nordindien, Westchina und Zentralasien Männer als Sticker in einem kommerziellen Kontext arbeiten. Nichtsdestotrotz gibt es geschlechtsspezifische Rollen und Differenzierungen innerhalb verschiedener textiler Technologien.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Teppichknüpfen ist harte Arbeit, aber die Menschen in Zentralasien scheinen darin eine Leinwand für ihre Kreativität zu sehen. Wie würden Sie diese starke Teppichtradition erklären?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Teppichweberei hat eine viel längere Geschichte als die islamische Welt, die in Zentralasien bis ins achte Jahrhundert n. Chr. zurückreicht. Der älteste bekannte Teppich stammt aus einem Grabhügel in Sibirien, Russland. Der Teppich wird Pazyryk-Teppich genannt und stammt aus dem Grabhügel Pazyryk. Er wurde 1949 im Permafrostboden Sibiriens gefunden. Nach seinem Stil zu urteilen, stammt er wahrscheinlich aus dem 5. oder 4. Jahrhundert v. Chr., also aus der Zeit vor Alexander dem Großen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Interessante daran ist, dass es meiner Meinung nach außergewöhnliche technische Merkmale aufweist. Er ist ein Beispiel für die fortschrittliche Webtechnik und doch wissen wir nichts darüber, wie diese Webtechnik entstanden ist. Dieser Teppich hat ein sehr dicht geknüpftes Garn mit schönen Knoten. Das Muster ist bereits wie bei vielen späteren Teppichen angelegt, mit einem quadratischen oder rechteckigen Feld, mit Musterwiederholungen und zahlreichen Bordüren, die das zentrale Feld umgeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Teppichweberei geht also mindestens auf das fünfte oder vierte Jahrhundert v. Chr. zurück. Wir haben Fragmente von Teppichen aus der Zeit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Seldschuken">Seldschuken</a> vor tausend Jahren, aber auch vollständige Teppiche aus dem 15. und späteren Jahrhundert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Sowjetzeit wurden im Zuge der Kollektivierung Teppichwebereien gegründet, so dass die Tradition fortgeführt wurde, allerdings eher in einem kommerziellen als in einem häuslichen oder nomadischen Umfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welchen Einfluss hatten Handel und kommerzieller Wert auf die Entwicklung dieser Stoffe?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt sowohl eine häusliche Tradition, in der Textilien für den häuslichen Gebrauch und für die lokale Bevölkerung hergestellt wurden, als auch eine kommerzielle Produktion. Stammesgegenstände wurden auch verkauft, wenn man Geld brauchte; sie wurden zu Tauschobjekten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die größten Sammlungsanstrengungen wurden in der Zeit des Russischen Reiches unternommen. So entstanden in St. Petersburg und in der Sowjetzeit in Moskau die größten Museumssammlungen der Welt. Die ethnographischen Museen dieser Städte besitzen einige der besten Sammlungen usbekischer Teppiche. Ihre leuchtenden Farben sind auch heute noch frisch, wenn sie nicht zu viel Licht ausgesetzt oder zu oft gewaschen wurden. Sie sind wirklich schön.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was ist für Sie das Interessanteste an diesem Thema: Symbole, Geist, Methodik, Farben?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Aspekt, mit dem ich mich persönlich gerne beschäftige, ist die Schönheit: Muster, Form, Zeichnung, Farbe&#8230; Und dann fasziniert mich, wie ich schon sagte, die Wechselwirkung zwischen Handwerk und Technologie, zwischen handwerklicher Produktion und der Herstellung von Gütern, sei es für den Hausgebrauch oder für den kommerziellen Gebrauch. Ich könnte noch weiter gehen und sagen, dass mich das Zusammenspiel von Design, Struktur, Technik und Funktion fasziniert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Interview habe ich einige dieser Zusammenhänge erwähnt, sei es das Reservefärben der Kette, das Weben und die Herstellung von Schals, die Tierhaltung, die Garnvorbereitung, das Färben, das Teppichweben und die verschiedenen Methoden der Musterherstellung. Durch das Reservefärben erhält das Ikat-Muster all diese Variationen in den Mustermotiven. Bei Teppichen entstehen die Muster jedoch durch das Aneinanderknüpfen von Garnstücken. Ein spannendes Thema also.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Das Interview führte Elvira Aydarhanova für CAAN</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://www.caa-network.org/archives/24900/tekstil-kovry-i-geometriya"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Usmon Rakhmonov</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Orientalismus neu aufgelegt &#8211; eine sehr holländische Einführung zu Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julian Postulart]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Aug 2023 17:42:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Uigurische Region]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Fr&#xFC;hling haben hunderttausende Zuschauer den holl&#xE4;ndischen &#xF6;ffentlichen Nachrichtensender VPRO eingeschaltet, um die neue Dokuserie &#x201E;Entlang der Neuen Seidenstra&#xDF;e&#x201C; anzuschauen. F&#xFC;r die meisten Menschen in den Niederlanden war diese Sendung ihre erste Einf&#xFC;hrung zu Zentralasien. Aber wie der Titel vermuten l&#xE4;sst, ist die Doku-Serie mit orientalistischen Stereotypen &#xFC;ber die Region gespickt. Ein kritischer R&#xFC;ckblick auf [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im Frühling haben hunderttausende Zuschauer den holländischen öffentlichen Nachrichtensender </strong><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/VPRO"><strong>VPRO</strong></a><strong> eingeschaltet, um die neue Dokuserie „Entlang der Neuen Seidenstraße&#8220; anzuschauen. Für die meisten Menschen in den Niederlanden war diese Sendung ihre erste Einführung zu Zentralasien. Aber wie der Titel vermuten lässt, ist die Doku-Serie mit orientalistischen Stereotypen über die Region gespickt. Ein kritischer Rückblick auf eine verpasste Chance.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die im Artikel ausgedrückten Meinungen sind die des Autors.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit seiner ersten Ausstrahlung im öffentlichen Fernsehen hat die niederländische Doku-Serie „<a href="https://www.vpro.nl/programmas/langs-de-nieuwe-zijderoute.html">Entlang der Neuen Seidenstraße</a>&#8220; die Aufmerksamkeit hunderttausender Zuschauer auf sich gezogen. Bis jetzt hat die sechsteilige Serie durchschnittlich über eine Million Zuschauer je Episode gehabt. Selbst für eine Show zur Hauptsendezeit sind diese Zahlen für die Niederlande eindrucksvoll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am bemerkenswertesten war jedoch, dass die dritte Episode der Serie am Sonntag, 19. März, mehr Zuschauer hatte als die Live-Übertragung von Ajax – Feyenoord – des wichtigsten Fußballspiels im Land.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Show wird von zwei bekannten niederländischen Dokumentarfilmemachern präsentiert, <a href="https://nl.wikipedia.org/wiki/Ruben_Terlou">Ruben Terlou</a> und <a href="https://nl.wikipedia.org/wiki/Jelle_Brandt_Corstius">Jelle Brandt Corstius</a>. Beide haben in der Vergangenheit erfolgreiche Dokuserien gemacht. Während Terlou bereits sein ganzes Leben lang mit Leidenschaft China im Foto festhält und fließend Mandarin spricht, ist Brandt Corstius ein ehemaliger Russland-Korrespondent für eine bekannte niederländische Zeitung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zentralasien als Terra incognita</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Interessanterweise sind weder Terlou noch Brandt Corstius Experten für Zentralasien. Brandt Corstius räumt dies mit der Aussage ein, dass er die Region insoweit kenne, als dass sie „<em>Teil der Sowjetunion war</em>&#8222;. Terlou erklärt. er habe „<em>immer davon geträumt, der magischen Seidenstraße zu folgen</em>&#8222;. Während seiner Zeit in China beobachtete er die wachsende Bedeutung von Chinas <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Seidenstraße">neuer Seidenstraßeninitiative</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/china-in-zentralasien-factchecking-um-mit-mythen-aufzuraeumen/?noredirect=de-DE">China in Zentralasien: Faktchecking, um mit Mythen aufzuräumen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor diesem Hintergrund ist es keine Überraschung, dass „Entlang der Neuen Seidenstraße&#8220; keine Dokumentation über Zentralasien ist. Stattdessen erzählt uns die Serie eine Geschichte über ausländischen Einfluss in der Region, konkurrierende Interessen und geopolitische Rivalität. Dieses <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Great_Game">Great-Game</a>-gleiche Narrativ reduziert die Region zu wenig mehr als zu einem Spielfeld der Supermächte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Indem Zentralasien als eine mysteriöse Terra incognita dargestellt wird, greift „Entlang der Neuen Seidenstraße&#8220; geschickt auf in den Niederlanden bestehende </em><a href="https://postcolonial.net/glossary/orientalism/"><em>orientalistische</em></a><em> Ideen über Zentralasien zurück. Oft basieren diese Darstellungen auf stereotypischen und kolonialistischen Perspektiven auf östliche Kulturen, welche diese als „extrem anders und unterlegen, und von daher westlicher Intervention oder der &#8218;Rettung&#8216; bedürftig&#8220; ansehen.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Orientalismus, Voyeurismus und weißes Rettertum</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In „Entlang der Neuen Seidenstraße&#8220; findet sich Orientalismus oft in Form von Voyeurismus. Als die Macher der Serie beispielsweise den <a href="https://www.economist.com/1843/2022/12/19/the-bride-snatchers-of-kyrgyzstan">Brautraub</a> in Kirgistan diskutieren, bleibt unklar, was sie damit beabsichtigen, außer die Rückständigkeit solcher Praktiken darzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schlimmer noch, durch die Darstellung kontroverser und komplexer Themen wie dieses ohne irgendeinen Hintergrund, nutzen die Macher die Trauer der Opfer aus, um ihre Zuschauer mit einem Gefühl des <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/White_savior">weißen Rettertums</a> zu erfüllen. Es ist nicht schwer zu sehen, wie solche Manifestationen des Orientalismus dabei helfen, (Neo-)Kolonialismus zu rechtfertigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Aber der offensichtlichste Bezug auf den Orientalismus ist ohne Zweifel der Titel der Sendung. Seine Clichéhaftigkeit beschwört Bilder herauf von exotischen Kamelkarawanen, welche menschenfeindliche Wüsten durchziehen und von hohen Gebirgszügen. Sich Zentralasien geographisch so vorzustellen, reduziert die Region zu einem simplen Handelskorridor, anstelle einer Region, welche für und aus sich selbst heraus interessant ist &#8211; eine Kritik, welche manche </em><a href="https://press.princeton.edu/books/hardcover/9780691161396/central-asia"><em>Experten</em></a><em> dazu bringt, das Konzept der „Seidenstraße&#8220; ganz und gar zu vermeiden.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Rolle niederländischer und westlicher Medien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Macher sind nicht alleine für diese orientalistische Miss-Repräsentation zu beschuldigen. Zum Teil bedient VPRO einfach nur das eingeschränkte Wissen über Zentralasien in Westeuropa im Allgemeinen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Menschen in den Niederlanden hätten wahrscheinlich Schwierigkeiten, Zentralasien auf einer Karte zu bestimmen, geschweige denn einzelne Länder. Und selbst für die, die es können, ist die Region selten mehr als eine ferne post-sowjetische Ödnis, regiert von despotischen Präsidenten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die niederländischen Medien haben wie die meisten anderen westlichen Nachrichtenagenturen dazu beigetragen, dieses Bild zu kreieren. Die aktuellen Geschehnisse in Zentralasien wurden lange von in Russland sitzenden Korrespondenten übermittelt, dem früheren Kolonisator der Region. Für die meisten Nachrichtenagenturen war das vor Putins Einmarsch in die Ukraine das Standardverfahren. Aber als der Krieg eskalierte, waren viele westliche Journalisten gezwungen, Moskau zu verlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstans-schrittweise-entfernung-von-russland/?noredirect=de-DE">Kasachstans schrittweise Entfernung von Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Diese Abwanderung setzte Ressourcen frei, um über die weitere Bedeutung von Russlands Krieg in der Ukraine zu reflektieren. Niederländische Medien haben der jüngsten geopolitischen Repositionierung früherer russischer Kolonien wie </em><a href="https://www.nrc.nl/nieuws/2023/03/19/of-de-president-nu-tokajev-of-nazarbajev-heet-het-is-een-pot-nat-en-ze-werken-allemaal-voor-poetin-a4159895"><em>Kasachstan</em></a><em> erhebliche Beachtung geschenkt. Und das Interesse an der Region ist nicht auf die sogenannte hohe Politik beschränkt.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kolonisierte gegen Kolonisatoren</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Entlang der Neuen Seidenstraße&#8220; schildert auch verschiedene menschlich interessante Geschichten. Brandt Corstius interviewt zum Beispiel eine kirgisische Frau über die abnehmende Beliebtheit der russischen Sprache in ihrem Land und die Wiederbelebung nomadischer Traditionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Pavlodar landet Brandt Corstius in einer Hipster-Bar, wo er mit progressiven kasachstanischen Jugendlichenüber die plötzliche Zuwanderung von russischen Wehrdienstflüchtlingen spricht. Diese Geschichten verdienen definitiv Lob, weil sie helfen, lokale Narrative auf der Suche nach (nationaler) Identität zu stärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allzu oft aber stellen die Dokumentarfilm-Macher diese Geschichten so dar, dass sie in ihr geopolitisches Konzept der Region passen. Ein klares Beispiel dafür ist Terlous ergreifendes Interview mit mehreren kasachischen Frauen, welche in <a href="https://www.cfr.org/backgrounder/china-xinjiang-uyghurs-muslims-repression-genocide-human-rights">Chinas Internierungslagern in Xinjiang</a> gefangen gewesen waren oder denen Familienmitglieder entrissen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/flucht-aus-xinjiang-geschichten-von-jenen-die-den-lagern-entkamen/">Flucht aus Xinjiang &#8211; Geschichten von jenen, die den Lagern entkamen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedes einzelne dieser Schicksale ist so entsetzlich, dass man unmöglich nicht berührt sein kann von den Geschichten über Folter und erzwungene Abtreibungen. Aber nachdem der Dialog zu einem emotionalen Höhepunkt gekommen ist, schwenkt die Kamera zu Terlou, welcher in einer Ecke der Küche leise vor sich hin schluchzt. Später wird Terlou in einem Telefonat mit Brandt beschreiben, wie sich das Anhören der Geschichten der kasachischen Frauen anfühlte, „<em>als ob man durch eine Trennung gehen würde</em>&#8220; von seinem geliebten China.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Dekolonisation einer Dokumentation</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist lobenswert, dass das niederländische Fernsehen bereit war, diese Dokumentation zu finanzieren. Immerhin hat die Sendung geholfen, hunderttausenden Menschen, von welchen viele noch nie von Zentralasien gehört hatten, die Region näherzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedoch scheint Zentralasien in „Entlang der Neuen Seidenstraße&#8220; wenig mehr als eine endlose Prozession postkolonialer Wehen und Miseren zu sein. Auch wenn Entscheidungen, welche in Moskau und Peking getroffen werden, immer noch Einfluss haben in Zentralasien, so hat doch die regionale politische Führung weit mehr Macht über den geopolitischen Kurs ihres jeweiligen Landes als die Dokumentation es darstellt. Und wichtiger noch, die Menschen dieser Region haben ihre eigene Geschichte, Kultur und Ideen über die Zukunft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur wenn westliche Medien diese eigenen Identitäten anerkennen, ist es möglich, von vorherrschenden orientalistischen Sichtweisen auf Zentralasien wegzukommen und &#8211; hoffentlich &#8211; endlich die Dokumentationen zu machen, welche der Region Respekt zollen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Julian Postulart für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/en/culture-sports/orientalism-revisited-a-very-dutch-introduction-to-central-asia/">Englischen</a> von Mafra Martens</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Vertreter aus Xinjiang stattet Kasachstan offiziellen Besuch ab</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Apr 2023 18:27:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Uigurische Region]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Ma Xingrui]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Seidenstraße]]></category>
		<category><![CDATA[One Belt One Road]]></category>
		<category><![CDATA[Xinjiang]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei Ma Xingruis j&#xFC;ngstem Besuch am 27. M&#xE4;rz in Kasachstan wurden zahlreiche Themen zwischen den Nachbarl&#xE4;ndern angesprochen, darunter Handelsfragen. Die Reise des Vertreters der Kommunistischen Partei in Xinjiang sollte auch dazu dienen, engere Kontakte zu zentralasiatischen Partnern zu kn&#xFC;pfen und dem Westen gleichzeitig zu zeigen, dass Xinjiang klar zu China geh&#xF6;rt. Im Zentrum des Besuchs [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bei Ma Xingruis jüngstem Besuch am 27. März in Kasachstan wurden zahlreiche Themen zwischen den Nachbarländern angesprochen, darunter Handelsfragen. Die Reise des Vertreters der Kommunistischen Partei in Xinjiang sollte auch dazu dienen, engere Kontakte zu zentralasiatischen Partnern zu knüpfen und dem Westen gleichzeitig zu zeigen, dass Xinjiang klar zu China gehört.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Zentrum des Besuchs stand die Förderung von Wirtschaftsprojekten. Kasachstan ist ein wichtiger Handelspartner für China: Dort wurde 2013 die Landroute der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Seidenstra%C3%9Fe">„Neuen Seidenstraße“</a> bzw. der „Belt and Road Initiative“ (BRI) angekündigt. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ma_Xingrui">Ma Xingrui</a> verkörpert als chinesischer Vertreter zugleich die Uigurische Autonome Region Xinjiang, wo er Sekretär der Kommunistischen Partei ist. Der Besuch ist vor dem Hintergrund der sich verschlechternden Beziehungen zwischen Peking und Washington zu betrachten, welche sich auch auf die Wirtschaft Xinjiangs auswirken.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Xinjiang von verschlechterten chinesisch-amerikanischen Beziehungen betroffen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund humanitärer Bedenken <a href="https://www.state.gov/the-signing-of-the-uyghur-forced-labor-prevention-act/">kündigte</a> US-Präsident Joe Biden im Dezember 2021 mit dem <a href="https://www.congress.gov/bill/117th-congress/house-bill/6256/text">Uygur Forced Labour Prevention Act</a> Sanktionen gegen uigurische Zwangsarbeit an. Die Auswirkungen sind bereits zu spüren, bevor das Gesetz im Juni dieses Jahres in die Praxis umgesetzt wird, da es schon einige Monate vorher zu einem Preisabfall bei Baumwolle kam, wie das chinesische Medium South China Morning Post <a href="https://www.scmp.com/economy/china-economy/article/3182177/how-us-xinjiang-labour-law-has-crippled-chinas-cotton">berichtet</a>.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ist insofern verständlich, als dass Xinjiang eine Schlüsselregion für die Baumwollproduktion in China darstellt, dem größten Baumwollproduzenten der Welt. Die Provinz ist <a href="http://french.peopledaily.com.cn/Economie/n3/2021/1216/c31355-9933638.html">laut dem chinesischen Medium People Daily</a> für rund 90 Prozent der nationalen Produktion verantwortlich. Folglich haben die Ankündigungen von amerikanischer Seite die chinesischen Geschäftsleute sogleich beunruhigt. Auch die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind nach wie vor <a href="https://www.scmp.com/economy/economic-indicators/article/3200999/china-cotton-production-set-grow-2022-xinjiang-offsets-drought-hit-yangtze-river-region">zu spüren</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Xinjiang setzt sich somit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Handelskonflikt_zwischen_den_Vereinigten_Staaten_und_der_Volksrepublik_China">Handelskrieg</a> fort, den US-Präsident Donald Trump 2018 eröffnet hatte. <a href="https://www.scmp.com/economy/economic-indicators/article/3214287/china-trade-xinjiangs-us-exports-down-90-cent-february-8-months-after-forced-labour-law-came-effect">Zahlen der South China Morning Post</a> zeugen von einem deutlichen Rückgang des US-Handels mit Xinjiang im Februar 2023 im Vergleich zum Vorjahr. Die <a href="https://www.scmp.com/author/ji-siqi">Journalistin Ji Siqi zeigt</a> hingegen, dass sich die Exporte aus Xinjiang in die zentralasiatischen Länder im selben Zeitraum im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt haben. Der Besuch von Ma Xingrui findet also vor dem Hintergrund einer florierenden regionalen Wirtschaft in Zentralasien und einer gleichzeitig schrumpfenden Wirtschaft mit den USA statt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ma Xingrui – die ideale Persönlichkeit, um der Region neuen Schwung zu verleihen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ma Xingrui ersetzte <a href="https://fr.wikipedia.org/wiki/Chen_Quanguo">Chen Quanguo</a> nach der Ankündigung der US-Sanktionen im Jahr 2021, was keinen Zweifel an der strategischen Wahl seines Profils aufkommen lässt. Die Aufgabe des neuen Sekretärs der Kommunistischen Partei in Xinjiang besteht <a href="https://www.scmp.com/news/china/politics/article/3161310/xinjiangs-new-party-chief-calls-efforts-boost-supply-chains-and?module=inline&amp;pgtype=article">laut dem Analysten Wu Qiang</a> darin, die Entwicklungskomponente gegenüber der Antiterrorpolitik in den Vordergrund zu rücken, um den Handel Xinjiangs mit dem Rest der Welt anzukurbeln. Der Personalwechsel ist also eine direkte Reaktion auf die Sanktionen. Dennoch handelt es sich eher um eine neue Haltung denn Veränderung, da Sicherheit und Wirtschaft weiterhin eng verknüpft sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entscheidung für Ma Xingrui passt auch zur aktuellen chinesischen Politik, die auf die innere Entwicklung Chinas, den Kern des BRI-Projekts, ausgerichtet ist. Ma Xingrui war bereits Parteisekretär in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shenzhen">Shenzhen</a> und Gouverneur von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Guangdong">Guangdong</a>, wie das <a href="https://thechinaproject.com/2021/12/29/what-can-we-expect-from-xinjiangs-new-party-boss-ma-xingrui/">US-Medium The China Project berichtet</a>. Dies sind Schlüsselräume der chinesischen Wirtschaft. Der einstige Wissenschaftler gilt als zukunftsorientiert und scheint die perfekte Besetzung zu sein, um Xinjiang zu wirtschaftlichem Aufschwung zu verhelfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-china-seinen-kulturellen-einfluss-in-zentralasien-verstaerkt/">Wie China seinen kulturellen Einfluss in Zentralasien verstärkt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während amerikanische, aber auch europäische Partner immer unzuverlässiger werden, ermöglicht der Besuch Ma Xingruis die Stärkung der Projekte mit Kasachstan, dessen Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> China als einen der <a href="https://vlast.kz/novosti/54451-tokaev-obsudil-mezregionalnoe-sotrudnicestvo-s-glavoj-sinczana.html">wichtigsten Handelspartner des Landes</a> schätzt. Dies steht in Kontrast zu den chinesisch-westlichen Beziehungen, denn auch einige nicht-amerikanische Marken haben sich dem <a href="https://www.scmp.com/economy/china-economy/article/3182177/how-us-xinjiang-labour-law-has-crippled-chinas-cotton">Boykott der USA angeschlossen</a>. Daher ist es für China von Vorteil, sich auf zuverlässigere Länder wie Kasachstan zu konzentrieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Undurchsichtiger Besuch mit ausgeprägtem Interesse an Kasachstan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Chen Quanguo hatte im Gegensatz zu seinem eigenen Vorgänger <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zhang_Chunxian">Zhang Chunxian</a>, der 2015 Tadschikistan und 2016 Kasachstan <a href="https://www.scmp.com/news/china/diplomacy/article/3215156/xinjiang-communist-party-boss-ventures-kazakhstan-trade-mission">besuchte</a>, keine Reisen ins Ausland unternommen. Ma Xingrui nimmt diese Praxis wieder auf, nachdem der chinesische Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xi_Jinping">Xi Jinping</a> Kasachstan bereits im September dieses Jahres einen Besuch abstattete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Xinjiang und Kasachstan sind durch Handel miteinander verbunden, der besonders für die chinesische Seite stark im Wachstum begriffen ist. So <a href="https://oec.world/en/profile/bilateral-country/chn/partner/kaz">stellt das Observatory of Economic Complexity fest</a>, dass Xinjiang im Februar dieses Jahres bei weitem die wichtigste chinesische Region für Exporte nach Kasachstan war. Kasachstan seinerseits ist das Land mit dem <a href="https://oec.world/en/profile/subnational_chn/xingjiang-uygur-autonomous-region?redirect=true">zweitgrößten Exportvolumen der uigurischen Region</a>. Der Besuch des Vertreters aus Xinjiang ist zwar selten, doch nicht zufällig gewählt.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Der Austausch zwischen Toqaev und Ma Xingrui wurde nicht öffentlich bekannt gegeben, wenn auch einige der besprochenen Themen. Das <a href="https://kapital.kz/gosudarstvo/114172/kasym-zhomart-tokayev-nazval-kitay-odnim-iz-klyuchevykh-torgovykh-partnerov-rk.html">kasachstanische Nachrichtenportal Kapital erwähnte</a> unter anderem Industrie, Logistik, Transport, Landwirtschaft und Tourismus – Bereiche, in denen die interregionale Zusammenarbeit gestärkt werden soll. Kurzum sollte der Besuch die Zusammenarbeit in Schlüsselbereichen der BRI stärken, wobei Xinjiang als wichtiger Gesprächs- und Wirtschaftspartner Kasachstans wahrgenommen werden soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">China ist zwar nicht in der Lage, seinen Handel in Xinjiang mit den USA oder dem Westen als solchen stabil zu halten, zeigt aber, dass es in der Lage ist, sich schnell anzupassen. Auch wenn die Frage des Baumwollhandels nicht gelöst ist, verstärkt Peking seine Annäherung an Zentralasien. Dies mit einem Land, das gerne weniger Rücksicht auf Menschenrechtsfragen in Xinjiang nimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lucas Morvan, Redakteur für Novastan</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/un-representant-du-xinjiang-en-visite-officielle-au-kazakhstan/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>


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		<title>China in Zentralasien – Factchecking, um mit Mythen aufzuräumen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Beril Ocaklı]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Jan 2023 15:34:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Uigurische Region]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit dem offiziellen Start der sogenannten Neuen Seidenstraße im Jahr 2013 wurde viel über Chinas wachsende Rolle auf der Weltbühne spekuliert. Novastan hat sich mit den führenden Forschern Agnieszka Joniak-Lüthi und Alessandro Rippa zusammengesetzt, um einige der verbreiteten Ideen und Befürchtungen im Zusammenhang mit Chinas Engagement im Ausland und speziell in Zentralasien zu erörtern.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die auf dem Campus der Nazarbaev-Universität in Astana, Kasachstan, vorgestellte <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-neue-seidenstrase-ein-stand-der-dinge/">Neue Seidenstraße</a> (Belt and Road Initiative, BRI) ist ein beispielloses Mega-Infrastrukturprojekt Chinas, das Orte und Menschen in Asien mit Europa und Afrika verbinden soll. In den letzten Jahren hat Chinas spürbare Expansion innerhalb und außerhalb des BRI-Labels – entlang von Straßen und Korridoren, an Minenstandorten, Logistikzentren und in freien Wirtschaftszonen – Befürchtungen ausgelöst, das Land würde souveräne Territorien an sich reißen und die kooperierenden Länder in eine Schuldenspirale hineinziehen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ist auch in Zentralasien der Fall, wo „antichinesische Proteste“ im Laufe der Zeit sogar zu einer eigenständigen Kategorie in <a href="https://oxussociety.org/viz/protest-tracker/">Protest-Trackern</a> geworden sind. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen der Forschungsprojekte <a href="https://roadworkasia.com/">ROADWORK</a> und <a href="http://www.environing.asia/">Environing Infrastructure</a> leiten <a href="https://www.unifr.ch/directory/en/people/227562/f2c8a">Agnieszka Joniak-Lüthi</a> und <a href="https://www.carsoncenter.uni-muenchen.de/staff_fellows/programs-and-projects/rippa_alessandro/index.html">Alessandro Rippa</a> ethnografische Forschungsarbeiten über die Wirkung von chinesischer Infrastruktur an bestimmten Orten. Die beiden Professoren für Anthropologie haben mit einem dritten Projekt – <a href="https://chinamadeproject.net/projects/">China Made</a> – kürzlich zwei Factsheets veröffentlicht, in denen sie die <a href="https://bri.roadworkasia.com/">BRI entmystifizieren</a> und <a href="https://chinadevelopmentmodel.roadworkasia.com/">Chinas globales Entwicklungsmodell</a> betrachten. In ihrem Gespräch mit Novastan räumen sie mit einigen der hartnäckigen Mythen über die BRI auf und erörtern die Leistung verschiedener Infrastrukturinitiativen, einschließlich derjenigen der EU und der G7-Staaten. Wir schließen unser Interview mit Worten der Vorsicht und des Mutes im Umgang mit China in Zentralasien ab. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Novastan: Mit welchen bleibenden Mythen räumen Sie in diesen Factsheets auf?</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Alessandro Rippa: Ein wichtiger Mythos ist die Vorstellung, dass das globale China weitgehend außerhalb des vorherrschenden globalen Entwicklungsrahmens agiert. China versucht zwar tatsächlich, eigene Institutionen aufzubauen und seine wachsende Wirtschaftsmacht in der Region und darüber hinaus zu nutzen, aber es arbeitet auch mit anderen, bereit bestehenden Entwicklungsmodellen zusammen. Projekte mit chinesischen Investitionen werden häufig von anderen internationalen Gebern und Entwicklungsbanken mitfinanziert. Der zweite Mythos ist die Vorstellung, dass Chinas internationales Engagement erst kürzlich, in den letzten 20-30 Jahren begonnen hat, wenn nicht sogar erst 2013 mit dem Start der BRI. In beiden Factsheets zeigen wir die historischen Wurzeln einiger der wichtigsten BRI-Projekte auf. So geht beispielsweise das Projekt des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakorum_Highway">Karakorum-Highway</a>, heute bekannt als Chinesisch-Pakistanischer Wirtschaftskorridor, auf die Freundschaft zwischen China und Pakistan in den 1960er Jahren zurück und liegt damit ein halbes Jahrhundert vor der BRI. </p>



<figure class="wp-block-image alignnone size-large wp-image-31061"><img loading="lazy" decoding="async" width="685" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/2011_team_pics_P14104101-scaled-1-685x1024.jpg" alt="Alessandro Rippa" class="wp-image-31061" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/2011_team_pics_P14104101-scaled-1-685x1024.jpg 685w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/2011_team_pics_P14104101-scaled-1-201x300.jpg 201w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/2011_team_pics_P14104101-scaled-1-768x1148.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/2011_team_pics_P14104101-scaled-1-1027x1536.jpg 1027w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/2011_team_pics_P14104101-scaled-1-1370x2048.jpg 1370w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/2011_team_pics_P14104101-scaled-1-1300x1944.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/2011_team_pics_P14104101-scaled-1.jpg 1712w" sizes="auto, (max-width: 685px) 100vw, 685px" /><figcaption class="wp-element-caption">Alessandro Rippa</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Agnieszka Joniak-Lüthi: Ich könnte noch zwei Aspekte hinzufügen. Der erste bezieht sich auf die Wartung. Bei vielen BRI-Projekten sehen wir, dass die Wartung völlig vernachlässigt wird. Das ist ein Aspekt, der oft vergessen wird. Man muss das gebaute auch instand halten können, was im Laufe der Jahre mehr kostet als der Bau selbst. Wenn wir also die Leistung der BRI bewerten, sollten wir bedenken, dass Infrastruktur zerfällt und gewartet werden muss, um zu funktionieren. Was werden die Entwicklungsergebnisse der Infrastruktur sein, die derzeit gebaut wird? Das ist schwer zu sagen, denn wir wissen nicht, ob sie instand gehalten wird und ob Mittel dafür zur Verfügung stehen werden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere Annahme, die unter politischen Entscheidungsträgern kursiert, besagt, dass Infrastruktur automatisch Entwicklung, Fortschritt, Wohlstand oder eine größere Gleichstellung der Geschlechter schafft. Unsere Forschung zeigt, dass Infrastruktur, insbesondere groß angelegte Megaprojekte, Ungleichheit auch verstärken kann. Projekte dieser Art können diskriminieren und ausgrenzen, wenn sie nicht durch andere Maßnahmen unterstützt werden. Infrastruktur ist kein magisches Objekt und muss auf spezifische Weise geplant und umgesetzt werden, um positive Veränderungen für diejenigen zu bewirken, die nicht zu den bereits Privilegierten gehören. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der BRI wird von politischen Entscheidungsträgern und von Wissenschaftlern viel Aufmerksamkeit geschenkt. Warum halten sich diese Mythen? </strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">AJL: Ich denke, das hat viel damit zu tun, dass es noch sehr wenig Forschung vor Ort gibt. Vor allem in den ersten fünf bis sieben Jahren der BRI wurden viele Analysen von politischen und geopolitischen Analysten durchgeführt. Diese betrachteten die Dinge aus einer groß angelegten Perspektive, ohne ethnografische oder detaillierte, langfristige Untersuchungen durchzuführen. In dieser Zeit sind viele Mythen entstanden, die sich bereits gut etabliert haben und schwer zu bekämpfen sind. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere beiden Projekte sind aus der Erkenntnis heraus entstanden, dass es wenig ethnografische Forschung zur BRI gibt. Wir hoffen, dass unsere Factsheets dazu beitragen, einige dieser Mythen zu entkräften. Ich denke, diese Mythen leben auch deshalb weiter, weil sie eingängig sind. Es ist einfacher, die Welt in polarisierenden, schwarz-weißen Begriffen zu sehen, als sich mit den komplexen Zusammenhängen des Alltags zu befassen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/infrastruktur-in-zentralasien-durch-das-prisma-der-anthropologie-ein-interview-mit-agnieszka-joniak-luethi/">Infrastruktur in Zentralasien durch das Prisma der Anthropologie – ein Interview mit Agnieszka Joniak-Lüthi</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">AR: Nuancen sind sehr schwer zu vermitteln, und in der westlichen Öffentlichkeit herrscht immer noch ein Mangel an allgemeinem Verständnis dafür, wie China „funktioniert“. In China gibt es, wie in jedem anderen Land auch, einen eklatanten Unterschied zwischen dem, was die Regierung behauptet, und dem, was das Land tatsächlich tut. Das gilt für die Innenpolitik, aber auch für die Außenpolitik und globale Investitionen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob aus Wissensmangel oder weil viele Diskursanalysen sich nicht wirklich damit befassen, wie die Praxis aussieht, jedenfalls stellen wir uns immer vor, die chinesische Führung denke in Jahrzehnten. Dabei ist auch in China die politische Gestaltung von ganz konkreten politischen Alltagsfragen abhängig. In der westlichen Presse und Öffentlichkeit herrscht das Gefühl vor, dass hinter der BRI eine große Strategie stehen muss. Wir können diese Strategie nicht sehen und nichts von ihr erfahren, müssen uns aber irgendwie vor ihr fürchten und uns von ihr inspirieren lassen. Offensichtlich liegt diesen Ideen ein starker Orientalismus zugrunde, bei dem China sowohl mystifiziert als auch bedrohlich gezeichnet wird. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fördert die Infrastruktur Ihrer Ansicht nach Entwicklung? Wo und wie kommen China und die BRI ins Spiel? Wie chinesisch sind „chinesische“ Infrastrukturprojekte?</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">AJL: Das hängt ganz davon ab, wie wir Entwicklung definieren. In meiner Forschungsregion, der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Uigurischen Autonomen Region Xinjiang</a>, sehe ich, dass sich viele Dinge ändern, wenn eine Straße gebaut oder modernisiert wird. Ob wir das als Entwicklung bezeichnen und damit positiv bewerten können, ist eine komplexe Frage. Die neue Straße bringt zum Beispiel Vorteile für Restaurantbesitzer am Straßenrand. Lkw-Fahrer sind sehr froh, dass sie auf einer asphaltierten Straße fahren können. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dadurch verkürzt sich die Reisezeit, so dass sie mehr Zeit mit ihren Familien verbringen können, und ihre Fahrten sind weniger beschwerlich. Es wird immer Akteure geben, die von einer Straße profitieren, seien es Einzelpersonen oder Gruppen, mächtigere Akteure wie Investoren oder die Menschen, die an und mit der neuen Infrastruktur leben. </p>



<figure class="wp-block-image alignnone size-large wp-image-31062"><img loading="lazy" decoding="async" width="943" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/20221004_03_Portrait_Anthropos_Fribourg_©ThomasDelley-943x1024.jpg" alt="Agnieszka Joniak-Lüthi" class="wp-image-31062" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/20221004_03_Portrait_Anthropos_Fribourg_©ThomasDelley-943x1024.jpg 943w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/20221004_03_Portrait_Anthropos_Fribourg_©ThomasDelley-276x300.jpg 276w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/20221004_03_Portrait_Anthropos_Fribourg_©ThomasDelley-768x834.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/20221004_03_Portrait_Anthropos_Fribourg_©ThomasDelley-1414x1536.jpg 1414w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/20221004_03_Portrait_Anthropos_Fribourg_©ThomasDelley-1885x2048.jpg 1885w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/20221004_03_Portrait_Anthropos_Fribourg_©ThomasDelley-1300x1412.jpg 1300w" sizes="auto, (max-width: 943px) 100vw, 943px" /><figcaption class="wp-element-caption">Agnieszka Joniak-Lüthi</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es gibt auch immer eine andere Seite der Medaille. Eine neue Autobahn wird diejenigen ausschließen, die sich kein Auto leisten können. Andere werden aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit ausgeschlossen, wie in Xinjiang. Als Uigure in Xinjiang ist das Reisen sehr schwierig: die vielen Polizeikontrollpunkte entlang der neuen, schön asphaltierten Schnellstraßen, Provinzstraßen und sogar Dorfstraßen machen das Reisen für sie fast unmöglich. Ihre ethnische Zugehörigkeit, Ihr Geschlecht und Ihr wirtschaftlicher Status haben Einfluss darauf, ob Sie von einer Straße oder einer anderen Infrastruktur profitieren können, oder ob Sie stattdessen mit den negativen Folgen wie Umweltverschmutzung, der Zerstückelung des Lebensraums, dem Lärm, Tiersterben oder sogar eingeschränktem Zugang zu Ihren Feldern auf der anderen Straßenseite leben müssen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/der-oekologische-fussabdruck-der-neuen-seidenstrasse-ignoriert-und-vergessen/">Der ökologische Fußabdruck der neuen Seidenstraße – ignoriert und vergessen?</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">AR: Das zweite Factsheet über Chinas globale Entwicklung geht ausführlich auf die Besonderheiten chinesischer Entwicklungsprojekte ein. In der Regel werden sie schneller abgeschlossen, sie sind billiger und sie sind an anderen Bedingungen geknüpft. Chinesische Entscheidungsträger sagen gerne, dass ihre Projekte an keine Bedingungen geknüpft sind, im Gegensatz zu nordamerikanischen und europäischen Gebern, die bestimmte Änderungen im Wirtschaftsmanagement oder demokratische Reformen verlangen können. Die Anerkennung der chinesischen Taiwan-Politik und territoriale Ansprüche in anderen Teilen des Südchinesischen Meeres sind aber einige effektive chinesische Bedingungen. Letztendlich bleibt die chinesische Infrastruktur in sehr ähnlichen Finanzierungsmechanismen und Entwicklungsherausforderungen gefangen wie westlich finanzierte Infrastrukturprojekte. Die Auswirkungen und Folgen für die Entwicklung hängen auch von den politisch-wirtschaftlichen Gegebenheiten in den Gastländern ab. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vereinfacht gesagt: Wenn Infrastruktur in einem Land gebaut wird, in dem die meisten Ressourcen in wenigen Händen konzentriert sind, wie z. B. in autoritären Ländern wie Tadschikistan oder Myanmar, dann wird der größte Teil der Einnahmen aus diesem Projekt ein bestimmtes System stärken und es nicht in Frage stellen &#8211; unabhängig davon, ob es sich um ein chinesisches oder ein von der Weltbank finanziertes Projekt handelt. Ein Beispiel: Der Karakorum-Highway oder die Straßen, die Westchina mit Kirgistan verbinden und in den frühen 2000er Jahren gebaut wurden, trugen maßgeblich zum Gedeihen der grenzüberschreitenden Wirtschaft bei. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die uigurischen Händler, vor allem in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaxgar_(Regierungsbezirk)">Region Kaschgar</a>, profitierten von den besseren Straßenverhältnissen. Alle waren sehr daran interessiert, neue und bessere Straßen zu bekommen. Aber sie profitierten nur so lange von neuen Straßen, wie die politische Situation dies zuließ. Als es für viele Uiguren erst komplizierter und dann unmöglich wurde, Pässe zu bekommen und ins Ausland zu reisen, waren die guten Straßen und der Asphalt für den Handelsaustausch nicht mehr förderlich. Wir können die Infrastruktur nicht losgelöst von dem breiteren politischen Umfeld betrachten, in das sie eingebettet ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie schneiden andere Infrastrukturinitiativen Ihrer Meinung nach ab – sind sie fairer und gerechter? Ich denke an die bestehenden, von der EU finanzierten Projekte, aber auch an die neuen globalen Initiativen wie das EU Global Gateway oder die G7-Infrastrukturinitiative.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">AJL: Es ist gut, dass wir jetzt ein paar große Infrastrukturinitiativen haben. Ich bin ziemlich überrascht, dass Europa und Nordamerika so lange gewartet haben, um eigene Initiativen zu starten. Vielfalt und Diversität sind immer besser als nur eine Initiative, vor allem eine, über die in den Medien so viel berichtet wird –&nbsp;in Wirklichkeit ist die BRI vielleicht gar nicht so groß, wie die Medien gerne glauben machen wollen. Es war höchste Zeit, dass Europa und Nordamerika mit eigenen infrastrukturellen Entwicklungsinitiativen reagierten, was auch für die Öffentlichkeitsarbeit wichtig ist. Aber diese Pläne sind noch nicht sehr konkret. Noch sind es nur Initiativen. Alternativen sind gut, aber warten wir ab, wie die Details aussehen werden. Ich hoffe, dass sie eine gute Alternative zur Finanzierung aus China bieten und sich nicht in bürokratischen Verfahren verzetteln. Die Geschwindigkeit der Projektfinanzierung und -realisierung wird der Schlüssel sein. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wohin-fuehrt-die-neue-seidenstrasse-ueber-die-chancen-und-risiken-von-one-belt-one-road/">Wohin führt die Neue Seidenstraße? Über die Chancen und Risiken von „One Belt, One Road“</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">AR: Es ist noch zu früh, um das zu sagen, aber ich hoffe insbesondere bei der G7-Initiative auf zwei Dinge. Erstens sollte es sich nicht nur um eine Anti-China- und Anti-BRI-Initiative handeln, um dem chinesischen Einfluss und der chinesischen Macht entgegenzuwirken. Wir müssen die globale Entwicklung neu überdenken, und diese Initiativen bieten eine Gelegenheit dazu, nicht nur zur Bekräftigung einer bestimmten globalen Anti-China-Allianz. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens hoffe ich, dass im Kontrast zur BRI der Schwerpunkt weniger auf groß angelegten Vorzeigeprojekten liegen wird. Wenn uns die Geschichte eines lehrt, dann ist es, dass groß angelegte Infrastrukturprojekte in der Regel mit Korruption und Umweltproblemen behaftet sind. Vielmehr hoffe ich, dass die Mittel für kleinere Projekte verwendet werden, die von lokalen Initiativen getragen werden und den tatsächlichen Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechen. Ich sehe kaum den Zweck eines Zuges, der von Kasachstan nach Spanien oder Portugal fährt, wenn er Länder durchquert, denen es an grundlegender Infrastruktur wie Strom, Heizung und Wasser fehlt. Ich hoffe, dass wir diese Art von Vorzeigeprojekten zum Thema Konnektivität hinter uns lassen und uns auf das konzentrieren können, was auf lokaler Ebene am wichtigsten ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was sollten die Novastan-Leser sonst noch über Chinas Präsenz in Zentralasien wissen und beachten, auch über das BRI-Label hinaus?</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">AJL: Ich möchte die Zivilgesellschaft in Zentralasien ermutigen, nicht aufzugeben und chinesische Unternehmen darin zu schulen, mehr Menschen vor Ort in die Entscheidungsfindung bei Infrastrukturprojekten einzubeziehen. In der Mongolei gibt es erfolgreiche Beispiele für solche Prozesse in der Bergbauindustrie. Auch wenn das Ausmaß Chinas und der chinesischen Aktivitäten riesig und einschüchternd ist, ist es wichtig, auf die Beteiligung der Zivilgesellschaft zu drängen. China ist zwar ein Riese jenseits der Grenze, aber die Projekte werden immer noch von einzelnen Unternehmen durchgeführt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In China haben diese Unternehmen keine Gelegenheit, den Dialog mit der Zivilgesellschaft zu erlernen. Das ist eine neue Fähigkeit, die sie sich im Ausland aneignen müssen. Die Rolle der Länder, in denen die BRI aktiv ist, besteht darin, die chinesischen Unternehmen darin zu schulen, mehr Dialog mit der Öffentlichkeit zu führen und sich stärker auf die lokalen Bedürfnisse und die Opposition einzulassen. Daher hoffe ich, dass die Zivilgesellschaft in Zentralasien stark bleibt und versucht, Druck auf chinesische – oder auch andere internationale – Unternehmen auszuüben. </p>


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<p class="wp-block-paragraph">AR: Wir sollten China als sehr vielfältig verstehen. Es gibt nicht nur einen einzigen Akteur, sondern eine Vielzahl von Akteuren, die oft unterschiedliche Pläne und Ziele verfolgen, von lokalen Regierungen bis hin zur Zentralregierung mit ihren unterschiedlichen außenpolitischen Ausrichtungen und von Privatunternehmen bis hin zu Staatsbetrieben. Diese können gegensätzliche Ziele verfolgen, und die Zivilgesellschaft in Zentralasien hat die Möglichkeit, diese Unterschiede zu ihrem Vorteil zu nutzen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem sollten Sie, liebe Leser von Novastan, immer daran denken: Woran denken wir, wenn wir an China denken? Denken wir an die Politik der Zentralregierung oder der lokalen Regierungen? Sicherlich besteht eine der Besonderheiten des chinesischen Entwicklungsmodells darin, dass sich private und staatliche Unternehmen stärker an den Zielen der Regierung orientieren als ihre europäischen oder nordamerikanischen Pendants. Das heißt aber nicht, dass sie immer vollständig gleichgerichtet sind. Oft gibt es einen Unterschied zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was getan wird. In China wie auch anderswo sollten wir das immer im Hinterkopf behalten. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Das Gespräch führte Dr. Beril Ocakli </strong><br>Forscherin am ZOiS Berlin, wo sie das Projekt “<a href="https://www.zois-berlin.de/en/research/externally-funded-projects/china-the-eu-and-economic-development-in-eastern-europe-and-eurasia">China, the EU, and Economic Development in Eastern Europe and Eurasia</a>” leitet</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong><a href="https://novastan.org/en/uyghur-region/china-in-central-asia-fact-checking-and-myth-busting/">Aus dem Englischen</a> von Florian Coppenrath</strong> </p>



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