Aralsee

Was ist Karakalpakistan? Ein seltener Einblick

(Dieser Artikel erschien ursprünglich bei viewfind. Wir übersetzen ihn mit der freundlichen Genehmigung der Redaktion.)

Usbekistan – ein Museum mit der zweitgrößten Sammlung russischer Avant-Garde-Gemälde, antike Siedlungen aus dem zoroastrischen Zeitalter und ein Hafen am ausgetrockneten Aralsee. Was haben diese Seltsamkeiten gemeinsam? Man findet sie alle in Karakalpakistan, einer autonomen Republik in Usbekistan.

Von den steinernen Plateaus im Westen bis zu den Salztonebenen im Norden erhebt sich Karakalpakistan aus der Wüste wie ein farbenfrohes, multikulturelles Juwel – mysteriös und trostlos.

Asrlar Sadosi Festival of Traditional Culture

Karakalpakistan veranstaltete 2012 die Asrlar Sadosi Festspiele Traditioneller Kultur. 50.000 Besucher fanden sich für das Fest für traditionelle Kunst, Musik, Handwerk und Kultur in die Wüste ein.

Karakalpakistan

Um diesen Zustrom an Besuchern in ein Verhältnis zu setzen: das oben erwähnte Igor Savitsky Kunstmuseum empfängt jährlich lediglich rund 1.000 Besucher. Das Museum befindet sich in der Hauptstadt Nukus, das einstmals ein Top-Secret-Gelände während des Kalten Kriegs beherbergte. Heute ist Nukus das kulturelle Zentrum von Karakalpakistan.

Nukus

Die Karakalpaken sind eine turkvolkische Ethnie, die das Land einst als nomadische Fischer, Viehzüchter und Bauern bewohnte. Die Bezeichnung „Karakalpak“ lässt sich grob als „schwarzer Hut“ übersetzen. Der Grund für diesen Spitznamen ist heute jedoch vergessen – ebenso wie ein Großteil des karakalpakischen Kulturerbes.

Karakalpakistan

Die Republik Karakalpakistan entstand 1925, als die Sowjetunion das eigene Territorium entlang ethnischer Grenzen einteilte. Trotzdem ist die Autonomie der Karakalpaken eher eine Fassade, da Kasachen und Usbeken die Mehrheit der Einwohner in der Region stellen.

Karakalpakistan

Unfruchtbares Land und eine schwache Wirtschaft führen dazu, dass nur wenige Menschen in dieser gnadenlosen Umwelt überleben können. Und diejenigen, die bleiben, haben sehr limitierte wirtschaftliche Möglichkeiten.

Karakalpakistan

Karakalpakistan umfasst ein Drittel des usbekischen Gebiets, allerdings leben nur 1,7 Millionen Menschen in der Region.

Karakalpakistan

Vor einem halben Jahrhundert war der Aralsee der viertgrößte See der Welt. Jetzt sind 90 Prozent seines Wassers verdunstet. Und mit diesem die traditionelle Einnahmequelle: die Fischerei. Die karakalpakische Wirtschaft hängt jetzt von der Reis-, Melonen- und Baumwollproduktion ab. Letztere bedarf starker Bewässerung und ist mitverantwortlich für die Vernichtung des Sees.

Aralsee

Die ausgestorbene Zivilisation von Khorezm bezeichnete die Wüsten von Karalpakistan einst als ihre Heimat. Die antike Gesellschaft wurde von der sogenannten Khorezmshah-Dynastie beherrscht, die durch den zoroastrischen Feuerkult zunächst fortbestand.
Karakalpakistan

Heute sind Ruinen die einzigen Überbleibsel dieser jetzt mythischen Gesellschaft. Nur 620.000 Karakalpaken leben heute weltweit. Und diese Ruinen fungieren als Mahnung, dass ein schnell vergehendes und enorm dynamisches kulturelles Erbe erhalten werden muss.

Fotos: Stanislav Magay

Text: Michelle Robertson

Übersetzung aus dem Englischen: Gregor Bauer
Chefredakteur

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