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Transkaspische Pipeline: Hilfe aus den USA?

Aufgrund der wachsenden Spannungen zwischen Russland, dem Iran und dem Westen, muss sich Turkmenistan nach Alternativen eines Ausbaus nichtmineralischer Exporte umsehen – vielleicht mit der Hilfe Washingtons. Der folgende Artikel erschien im Original bei Eurasia Expert. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Vom 27. bis 28. September fand in der Hauptstadt Tadschikistans ein Gipfel der GUS-Staaten statt. Der Präsident Turkmenistans, welcher im nächsten Jahr den Vorsitz dieser Organisation übernehmen wird, nahm jedoch nicht daran teil. Stattdessen fand er sich vom 29. September bis 2. Oktober in den USA ein, um dort an der 73. Sitzung der UN-Generalversammlung teilzunehmen. Vertreten wurde Gurbanguly Berdimuhamedow durch den turkmenischen Vizepräsidenten, welcher den Vorsitz der GUS-Konferenz einnahm.

Grundsätzlich stellt dieses Verhalten Turkmenistans nichts Ungewöhnliches dar: Aschgabat strebt einen allgemein neutralen Status an und zieht daher bilaterale Verhandlungen multilateralen Treffen, etwa der GUS, vor.

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Bezeichnenderweise ist der Ort, den Turkmenistans Präsident besuchte, die Hauptstadt der USA – ein Akteur, welcher eine aktive Rolle in den geopolitischen und ökonomischen Verstrickungen verschiedener Mächte in Zentralasien spielt. Unter den Umständen einer schwierigen finanzwirtschaftlichen Situation, in der sich Turkmenistan aufgrund eines gefallenen Gasexports derzeit befindet, halten es Experten für höchstwahrscheinlich, dass es bei dem Treffen um den Bau der transkaspischen Gaspipeline ging.

Durch das Kaspische Meer nach Europa

Mit der Unterzeichnung der Konvention am 12. August durch die fünf Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres eröffnen sich neue Möglichkeiten einer Verlegung einer Unterwasser-Gaspipeline. So könnte Diese Turkmenistan mit Aserbaidschan verbinden und über die Transanatolische Pipeline, die sich derzeit in Bau befindet, schließlich auch mit der Türkei und Europa.

Vor Abschluss der Konvention war dies aufgrund des ungeklärten rechtlichen Status nicht möglich – ein Aspekt, der nun direkt in Punkt 1 Artikel 14 der Konvention geklärt wird. Dabei finden sich jedoch einige Einschränkungen im weiteren Verlauf der Konvention. Etwa sollen umwelttechnische Aspekte bei einem Pipeline-Bau mitbetrachtet werden und eine Zustimmung aller relevanten Staaten, deren Sektoren durch die Pipeline berührt werden, soll eine wichtige Voraussetzung darstellen.

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Ein Weg mit Hindernissen

Doch die Erfüllung des letzten Punktes ist nicht ganz unproblematisch. Der nördliche Teil des Kaspischen Meeresbodens teilt sich auf zwischen Russland, Kasachstan und Aserbaidschan. Der südliche Teil, welcher von Turkmenistan, Iran und Aserbaidschan beansprucht wird, ist bisher noch nicht definitiv aufgeteilt, was jegliche Bauprojekte erschwert.

Trotz der Auseinandersetzungen braucht Aserbaidschan turkmenisches Gas, da ansonsten die Transanatolische Pipeline nicht voll ausgelastet ist. Doch erhebt der Iran auf Teile des Bodens Anspruch, der von der Pipeline berührt werden würde, und hat grundsätzlich kein Interesse, den Pipeline-Bau zu unterstützen.

Hilfe der USA?

Einigen Quellen zufolge war die Möglichkeit, die transkaspische Gaspipeline zu bauen, eines der Hauptthemen der Gespräche zwischen Berdimuhamedow und Wladimir Putin in Sotschi, die Mitte August dieses Jahres stattfanden. Auch wenn die Ergebnisse der Verhandlungen nicht bekannt sind, so könnten sie sich angesichts des Besuchs des turkmenischen Präsidenten in den USA als nicht besonders günstig für Turkmenistan erwiesen haben. Um seine Ziele der Verlegung einer Gaspipeline und dem Anschluss an den EU-Markt zu erreichen, benötigt Aschgabat die Hilfe Washingtons.

Einer anderen Version zufolge, hat Berdimuhamedow in den USA Fragen der Beteiligung an der Verlegung der TAPI-Gaspipeline (Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-Indien) diskutiert, deren problematischster Teil durch das Territorium Afghanistans geht.

Alternativen

In der Zwischenzeit versucht Aschgabat, “alternative” Projekte zu implementieren, die es ihm ermöglichen würden, nichtmineralische Exporte zu steigern. Dabei finden sich in Turkmenistan neue Akteure ein. Die japanische Firma „Mitsubishi Corporation“ und das türkische Unternehmen „Gap Inşaat“ eröffneten gerade im vergangenen Monat in der Stadt Garabogaz ein Werk zur Herstellung von 660.000 Tonnen Ammoniak, welches wichtiger Bestandteil der Produktion von Stickstoffdünger darstellt. Darüber hinaus wurde im September in der Stadt Mary durch die türkische Firma „Halik Holding“ und das amerikanische „General Electric“ der Wiederaufbau eines Elektrizitätswerks abgeschlossen. Dies wird es ermöglichen, Pakistan mit Strom zu versorgen, was jedoch auch den Bau einer neuen Stromleitung erfordert.

Eurasia Expert

Aus dem Russischen von Lydia Wachs

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