Tübetejkas Kopfbedeckung Tadschiken

Sterne, Tulpen und Kreuze: Was verraten die Ornamente tadschikischer Tübetejkas?

Ob rot, schwarz oder bunt – und oft mit symbolischen Ornamenten verziert: Die Tübetejka, der traditionelle Kopfschmuck der Tadschiken, unterscheidet sich je nach Region des Landes. Was bedeuten die Ornamente und was sind die regionalen Besonderheiten der Tübetejka? Folgender Artikel erschien am 21. April 2020 in der tadschikischen Onlinezeitung Asia Plus. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Hüte, Mützen und Co. sind in der Welt ein beliebtes Mittel der Selbstdarstellung so mancher Kulturen. Kaukasische Völker kann man zum Beispiel an der Papacha erkennen, wobei diese Kopfbedeckung aus Wolle auch für andere Turkvölker typisch sind. Turkmenen wiederum tragen beispielsweise „Tschember“.

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Auch in Tadschikistan tragen viele Menschen eine Kopfbedeckung – und zwar die Tübetejka. Sie hat keine einheitliche oder überregionale Form, gilt aber dennoch als Bestandteil der „nationalen“ tadschikischen Tracht.

Regionale Unterschiede

Tadschikische Tübetejkas besitzen regionale Merkmale und Ornamente. Form, Farbe sowie Stickmuster weisen somit auf eine bestimmte Gegenden hin.

Im Norden Tadschikistans tragen Männer beispielsweise eine viereckige Tübetejka, im Süden und im Osten eine runde. Das Viereck steht dabei für die vier Elemente oder Jahreszeiten. Der Kreis symbolisiert die Sonne. Das Muster einer Tübetejka ist nicht nur eine einfache Zeichnung, sondern gilt als Amulett.

Im Pamir, im Osten Tadschikistans, sind viele Muster aus den Zeiten des Zoroastrismus erhalten. Die Zeichnung auf dem oberen Teil der Tübetejka symbolisiert da die Sonne, die Muster an den Seiten, die sogenannten „Schirosi“, schützen vor dem “bösen Blick”. Die Muster erinnern an manche heidnische Symbole wie die Swastika, die ursprünglich ja die vier Elemente symbolisierte – lange bevor sie Hitler als Symbol seines faschistischen Staates missbrauchte.

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Früher wurden die Farben für Tübetejkas nach strengen Regeln ausgewählt. Die klassische pamirische Tübetejka war rot. Aber junge Leute wählen heute unterschiedliche Farben, je nach ihrem Geschmack.

In der Region Chatlon werden ebenfalls jene Symbole verwendet. Auf der Tübetejka der Einwohner von Kulob ist eine Lilie gestickt. Diese symbolisiert das Verhältnis zwischen Mensch und Natur sowie die enge Wechselbeziehung zwischen allen Lebewesen auf der Erde. Im Süden Tadschikistans trägt man sehr bunte Tübetejkas, die sich nach Farben und Ornamenten unterscheiden.

Tübetejkas, die man im Gebirge trägt, sind eher kegelförmig und flach. Sie werden vom Zentrum zu den Kanten strahlenförmig durchgenäht. Die am weitesten verbreiteten Ornamente auf Tübetejkas sind folgende: Rosen, Sterne, Tulpen, Kreuze, Zickzack oder rudimentäre Abbildungen von Tieren.

Kultur der Älteren

Laut dem Folklore-Experten Dilschod Rachimow trägt die Jugend heute jedoch kaum noch Tübetejkas. Und wenn, dann nur zu größeren Veranstaltungen und Festen. Deswegen hält er das Wiederaufleben dieses Brauchs unter Tadschiken nicht für zwingend notwendig. „Heute wurde die Tübetejka durch Kappen oder Hüte ersetzt“, so Rachimow.

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Andere Experten halten es dennoch für wichtig, solche Kulturgüter zu fördern. „Für Staaten mit ausreichend fortgeschrittener Wissenschaft und Technologie ist die Förderung kultureller Komponenten von untergeordneter Bedeutung“, sagen sie. „Denn neben einer entwickelten Wirtschaft sind diese Staaten auch für ihre Leistungen in Wissenschaft und Technologie bekannt. Für uns Tadschiken ist die Bewerbung von Kultur und Werten jedoch sehr wichtig, da dies die einzige Möglichkeit ist, unser Land zu repräsentieren“.

So hat jede Region Tadschikistans zwar eine eigene charakteristische Tübetejka, diese wird aber hauptsächlich von der älteren Generation getragen. Bis in die 1960er und 70er war es für tadschikische Männer noch eine Pflicht, Tübetejkas zu tragen. Sie betrachteten es als Sünde, ohne Kopfbedeckung bei Tisch zu sitzen.

Die Redaktion von Asia Plus

Aus dem Russischen von Aynaz Musaeva
Redaktion: Florian Coppenrath

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Asia Plus
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