Sandsturm in Tadschikistan

Staubstürme in Tadschikistan: Woher weht der Wind?

Die Akademie der Wissenschaften Tadschikistans berichtet: In den letzten 30 Jahren hat sich die Anzahl der Staubstürme im Land um mindestens zehn Mal erhöht. Anfang der 1990er erschienen sie nur zwei- oder dreimal jährlich, doch in den letzten Jahren werden bis zu 35 Stürme pro Jahr registriert. „ЛИВЕНЬ.Living Asia“ erzählt, wie und warum das passiert.

In den letzten fünf Jahren war Tadschikistan von mehr als 600 Naturkatastrophen betroffen, die 127 Menschen das Leben gekostet haben. Die Behörden bringen das mit dem globalen Klimawandel in Verbindung. Damit meint man meistens die Gletscherschmelze und geringe Niederschläge im Gebirge. Die häufiger auftretenden Staubstürme sind jedoch auch ein wichtiges, mit der Klimaänderung verbundenes Problem.

Diese Erscheinung ist besonders den Tadschikistanern, die im im dicht bevölkerten südlichen Teil des Landes leben, bekannt: Wenn die Kälte vorbei ist, kommen häufig die Staubstürme. Im Volksmund heißt das Phänomen der „Afghane“, denn die Leute glauben, dass die Stürme aus Afghanistan kommen.

Das stimmt nur teilweise. Eigentlich dringen die Stürme in Tadschikistan aus unterschiedlichen Regionen ein, manche kommen sogar aus Afrika.

Das Physikalisch-Technische Institut der Akademie der Wissenschaften Tadschikistans erforscht das Wesen der Staubstürme. Innerhalb des Institus beschäftigt sich das Laboratorium für atmosphärische Physik mit dem Monitoring und der Erforschung des Phänomens. Laut dem Institutsleiter Sabur Abdullajew werden die Staubstürme schon seit etwa 30 Jahren beobachtet.

Der alte Wissenschaftler erinnert sich an die Sowjetzeit, als zuerst eine Gruppe für Staubsturmforschung und später ein selbständiges Labor gegründet wurde. Aber während des Bürgerkriegs in den 1990ern wurde das Labor ausgeraubt und verwüstet. Es war keine günstige Zeit, um Stürme zu erforschen.

In den 2000ern ist es den Physikern dank internationaler Förderung gelungen, das Labor wiederaufzubauen. In Zusammenarbeit mit der NASA, dem Deutschen Institut für Troposphärenforschung und der Französischen Universität für Wissenschaft und Technologien in Lille wurden gemeinsame Projekte durchgeführt.

Dir Windrichtungen

Sabur Abdullaew erklärt, dass die Staubstürme an Orten entstehen, die Hunderte oder gar Tausende Kilometer von Tadschikistan entfernt sind. Die Wissenschaftler konnten einige Routen des Windes in das Land nachverfolgen. Dabei half ihnen die moderne Technik und der Zugang zu den Daten verschiedener Wetterstationen in der Region.

Der „Afghane“

Wind Afghanistan Tadschikistan

Tatsächlich kommen einige der Staubstürme in Tadschikistan aus Afghanistan. Die starken Winde heben Staub und Sand vom afghanischen Kandahar und derm iranischen Kerman auf und tragen sie fast 1000 Kilometer nordwärts. Der „Afghane“ schadet häufig den Einwohnern der südlichen Regionen Tadschikistans und der Hauptstadt – Duschanbe.

Salzige Winde vom Aralsee

Wind vom Aralsee nach Tadschikistan

Die Staubstürme vom Aralsee überfallen häufig die westlichen Regionen Usbekistans. Aber in den letzten Jahren erreichen sie immer öfter die Quellen des Flusses Serafschans, der dem gleichnamigen Berg in Tadschikistan entspringt.

Im Jahr 2013 registrierten die Forscher einen Staubsturm im Gebiet Gornaja Matscha. Diese Gegend liegt ungefähr 200 km im Nordosten von Duschanbe.

Staub aus Wüsten des Nahen Osten

Wind von der Sahara nach Tadschikistan

Weitere Staubstürme in Tadschikistan kommen aus der Wüste zwischen dem Irak, Jordanien und Syrien und aus den Wüsten der Arabischen Halbinsel. Die Wissenschaftler berichten, dass die Staubstürme sich bis zu fünf Kilometer über dem Boden erheben können. Bei einer solchen Höhe und starker Windstärke erreichen sie auch Tadschikistan.

Stürme aus der Sahara

Wind aus Syrien nach Tadschikistan

Es war schon lange bekannt, dass die Sandstürme aus der Sahara in Westafrika den amerikanischen Kontinent erreichen. Jetzt hat man auch herausgefunden, dass die Staubstürme von den libyschen und ägyptischen Küsten auch in das über 4000 Kilometer entfernte Zentralasien gelangen.

„Im Jahr 1989 haben wir einen starken Staubsturm beobachtet, der fünf Stunden gedauert hat. Nach dem Sturm regnete es ausgiebig. Das Gleiche geschah auch im Jahr 1990. Seitdem sind die staubigen Winde häufiger und länger. Heute dauern sie im Durchschnitt drei bis fünf Tage. Im Jahr 2001 hat ein Staubsturm sogar 29 Tage gedauert”, erzählt Abdullajew.

Laut ihm leidet vor allem Duschanbe an dem Staub. Das liegt vor allem an der Lage der Stadt, die im Norden und Nordosten von Bergen umgeben ist, die den Staub aufhalten und ihn nur langsam fallen lassen. Die Situation wird damit verschlimmert, dass die Staubstürme in den letzten 30 Jahren kaum von Regen begleitet sind.

Ein Wald, um den Wind aufzuhalten

Der Hauptgrund der häufigen Staubstürme schließt sich jedoch aus einem anderen ökologischen Problem in Tadschikistan: Die Desertifikation. In 25 Jahren wurden 70 Prozent der Wälder in Tadschikistan vernichtet, also 700 tausend Hektar. Wie die Wissenschaftler berichten, sind die Waldstreifen, die auf dem Weg der Staubstürme zwischen Ajwadj und Duschanbe liegen, fast ganz abgeholzt. Dabei dienen gerade diese Bäume als Luftfilter.

Die Desertifikation schreitet im Zusammenhang mit dem Klimawandel voran“, so Abdullaew. Je mehr Wüsten, desto mehr Staub kann durch die Welt geweht werden.

Eine der Maßnahmen gegen die Stürme ist der Wiederaufbau der alten Wälder und die Bepflanzung neuer Waldstreifen an den Stellen, wo die Winde am stärksten wehen. In China, wo fast ein Viertel der Landesfläche zur Wüste geworden ist, ist diese Methode schon verbreitet. Das Problem der Staubstürme wird dort mithilfe eines 4,5 Tausend Kilometer langen Waldstreifens gelöst, der die „Grüne Chinesische Wand“ genannt wird. Die Bäume wurden 1970 gepflanzt und heute ist die Waldfläche so groß wie Großbritannien.

Die Hauptstadt Chinas und andere Städte im Nordwesten Chinas schützen sich auch durch Wälder vor der Desertifikation. Die Bäume, die um die Städte gepflanzt wurden, halten jährlich ca. 200 Millionen Tonnen Sand und Staub auf.

Akram Abdukachorow
LivingAsia

Aus dem Russischen übersetzt von Roman Gushchin

 

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