‘Digital CASA’ in Tadschikistan: Wann wird ein besseres Internet verfügbar sein?

Für diejenigen, die zu faul sind den ganzen Text zu lesen, sagen wir es vorab: Nicht bald. Tadschikistan zählt zu den Ländern mit dem teuersten und langsamsten Internet der Welt. Experten wittern eine Lösung des Problems in der raschen Umsetzung des Projektes ‚Digital CASA‘. Dieser Artikel erschien am 6. August 2020 im russischsprachigen Original bei Asia-Plus. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

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Nach aktuellen Angaben der Weltbank haben 3,18 Millionen Tadschiken einen permanenten Zugang zum Internet. Doch die Kosten eines Basistarifs gehören zu den weltweit höchsten. Die Netzbetreiber haben kürzlich bekannt gegeben, dass die Senkung der Preise für das Internet nicht möglich sei, da diese von den Transitkosten abhängen. „Solange wir von diesem Faktor abhängig sind, ist können wir die Preise nicht senken und niedriger als die Selbsterhaltungskosten setzen. Eine Kostensenkung ist erst dann realisierbar, wenn wir ‚Digital CASA‘ durchführen“, so Projektleiter Ilhomdschon Atojew. 

Wann wird Zentralasien ans Glasfasernetz angeschlossen?

Im Jahr 2016 wurde den zentral- und südasiatischen Ländern ein einzigartiges Projekt mit dem Namen ‚Digital CASA‘ vorgestellt, welches in Zukunft die Schlüsselrolle in der digitalen Vernetzung der Länder spielen wird. ‚Digital CASA‘ ist das Pendant zum Energieprojekt ‚CASA-1000‘ und genauso ambitioniert. Das Projekt ‚CASA-1000‘, ein Infrastrukturprojekt aus dem Jahre 2013, beschäftigte sich mit dem Bau einer Hochspannungsleitung zwischen den Staaten Zentral- und Südasiens. Das von der Weltbank initiierte Programm ‚Digital CASA‘ hat nun zum Ziel, die selben zwei Regionen mit einer Glasfaserleitung zu verbinden. Angestrebt wird, den Bewohnern des ehemaligen sowjetischen Südens Zugang zu günstigem Internet und alternativen Netzen zu ermöglichen.

Tadschikistan als Vorreiter des regionalen Projekts ‚Digital CASA‘ 

Für die Umsetzung stellte die Weltbank 92 Millionen US-Dollar (ca. 207 Mio. Euro) zur Verfügung. Zu Beginn unterstützen nur Kirgistan und Afghanistan das Projekt aktiv. Experten waren besorgt, dass der Einbezug Tadschikistans auch Partnerschaften mit anderen Nachbarländern erfordern und die Sache verkomplizieren würde. In einem solchen Fall könnte Tadschikistan ernsthafte wirtschaftliche Dividenden versäumen.

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Die ersten Alarmglocken schellten in Dushanbe Ende Mai 2017. Bei einem internationalen Treffen zum Projekt ‚Digital CASA‘ gaben Vertreter des afghanischen Ministeriums für Informationstechnologie und Kommunikation bekannt, dass sie ein Memorandum mit China über die Verlegung eines Glasfaserkanals durch den Wachan-Korridorunterzeichnet haben. Kabul verlangte daraufhin eine Stellungnahme von den tadschikischen Behörden über die Teilnahme an dem Projekt. Im Juni 2017 erfolgte dann eine offizielle Vorstellung des Projektes ‚Digital CASA‘. Im März 2018 genehmigte die Direktion der Weltbank die Projektumsetzung in Afghanistan und Kirgistan. Schon kurze Zeit später bekundeten auch Usbekistan und Kasachstan ihr Interesse an einer Teilnahme.

Tadschikische Behörden unterstützen ‚Digital CASA‘

Im Oktober 2019 trafen sich der Leiter der Weltbank, Jan-Peter Olters mit Dschamoliddin Nuralijew, dem ersten stellvertretenden Gouverneur der tadschikischen Nationalbank in Duschanbe. Der Anlass dieses Treffens war die Besprechung des Projekts und die Bereitschaft Tadschikistans, es zu fördern. Bei einem weiteren Treff im Februar 2020 brachte Nuralijew erneut seine Bereitschaft und sein Interesse an einer Zusammenarbeit zum Ausdruck. Aufgrund der weltweiten Coronavirus-Pandemie steht das Projekt jedoch bis auf weiteres auf Eis.

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Nach Angaben von Experten wird die erste Etappe der Projektrealisierung 2 bis 3 Jahre in Anspruch nehmen. Für die Verlegung der Glasfaserleitungen werden wird 5 bis 6 Jahre geschätzt. Erste Ergebnisse sind wohl erst in frühestens 5 Jahren zu erwarten. Obwohl die Wartezeit keine kurze ist, sind die Experten sich sicher, dass die Erwartungen erfüllt werden. Das Projekt wird eine hochwertige Glasfaserkommunikation, günstiges Internet und schnelles wirtschaftliches Wachstum in der Region ermöglichen. Die Hauptsache ist, dass die zentralasiatischen Länder nicht mehr abhängig von Ihren Nachbarstaaten sein werden. Dies führt wiederum dazu, dass sie in der Lage sein werden, den IT-Sektor aktiv selbst zu gestalten.

…wenn die Nebenerscheinungen beseitigt sind

Laut Expertenangaben gab es eine Mehrzahl von Gründen, die zur Stagnation des Internetausbaus geführt haben. „Erstens fehlt es in diesem Bereich an Konkurrenz“, so der IT-Fachmann Firdarws Muhiddinow. „Die Unternehmen kaufen ihren Traffic seit fünf Jahren zum Festpreis bei einem staatlichen Provider. Ein weiterer Grund sind die hohen Steuern, die den Mobilfunkbetreibern auferlegt werden, sowie die Telekommunikationssteuer, Mehrwertsteuer, Verbrauchssteuer, Lizenzgebühren und Umsatzsteuer. Unter einer solchen Belastung können die Unternehmen sich nicht entwickeln“, fügt er hinzu.

Muhiddinow zufolge haben die Stagnation des Marktes und die hohen Breitbandpreise bereits die Entwicklung des gesamten Landes beeinträchtigt. Die digitale Wirtschaft entwickelt sich nicht mehr weiter, die Mehrheit der Menschen haben keinen freien Zugang zum Internet und somit keine Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung.

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„Werfen Sie einen Blick auf das Verhältnis des Einkaufspreises zum Verkaufspreis für einen Gigabyte Traffic. Diese Strukturen können es sich einfach nicht leisten, ihre Einnahmen zu reduzieren und ich denke, die Arbeit an diesem Projekt wird sich noch lange verzögern“, meint der Experte. „Vielleicht wird die Umsetzung des Projekts ‚Digital CASA‘ die Situation zum Besseren verändern, aber die oben genannten Probleme lösen, kann es auch nicht.“

Haidar Schodijew für Asia-Plus

Aus dem Russischen von Vlada Brelenko

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