Bilaterale Partnerschaft zwischen Turkmenistan und dem Iran

Im Rahmen eines offiziellen Besuchs in Teheran hat sich Turkmenistans Präsident Berdimuhamedow mit seinem iranischen Amtskollegen Raisi getroffen. Der Besuch bot beiden Staatschefs die Gelegenheit, wirtschaftliche, diplomatische und kulturelle Themen zu besprechen. Die Verhandlungen führten zur Unterzeichnung einer bilateralen Partnerschaft für die nächsten 20 Jahre.

Turkmenistans Präsident  Serdar Berdimuhamedow hat dem Iran am 14. und 15. Juni einen offiziellen Besuch abgestattet. Wie das turkmenische Medium Turkmenistan.ru berichtete waren der Abschluss bilateraler Abkommen, die Stärkung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern sowie die Vorbereitung des 6. Kaspischen Gipfels Zweck der Reise. Der Gipfel hat am 29. Juni in Turkmenistans Hauptstadt Aschgabat stattgefunden.

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Eines der zentralen Themen des bilateralen Treffens war Gas. Tatsächlich vefügt Turkmenistan über das viertgrößte Gasvorkommen der Welt, hat aber gemäß der Nachrichtenagentur Fergana Schwierigkeiten, dieses Gas zu verkaufen. Der Besuch Berdimuhamedows brachte laut dem unabhängigen turkmenischen Nachrichtenportal Chronicles of Turkmenistan Fortschritte bei zwei Projekten: dem Verkauf von Gas an den Iran sowie einem Abkommen zwischen beiden Ländern und Aserbaidschan.

Radio Azatlyk, der turkmenische Dienst von Radio Free Europe, enthüllte in der Tat zweierlei: dass sich der Iran in einem Gasdefizit befindet, aber auch, dass Aserbaidschan versucht, Gas zu importieren, um seine Bestellungen bei den europäischen Ländern zu erfüllen. Der Iran bot dementsprechend an, das Gas über sein Staatsgebiet weiter nach Aserbaidschan zu leiten.

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In den unterzeichneten Verträgen finden sich zahlreiche Projekte wie die Einrichtung einer Industriezone, eine verstärkte wissenschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit sowie der Bau eines gemeinsamen Kaufhauses zwischen Turkmenistan und dem Iran, erklärt die turkmenische Nachrichtenagentur Orient.tm. Die beiden Länder wurden sich auch der Bedeutung des Wirtschaftskorridors Usbekistan –Turkmenistan – Iran – Oman – Katar sowie der Eisenbahnlinie Kasachstan –Turkmenistan – Iran bewusst. Beide Staatschefs waren der Ansicht, dass die Umsetzung dieser Projekte beschleunigt werden müsse, berichtet dieselbe Agentur in einem weiteren Artikel.

Diplomatische Herausforderungen

Für Turkmenistan brachte dieser Besuch auch Herausforderungen diplomatischer Art mit sich. Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Kaspischen Gipfel, einem Gipfeltreffen aller Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres, diskutierten die beiden Länder weiter Themen wie Ökologie, Sicherheit und Stabilität, so Chronicles of Turkmenistan.

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Turkmenistan ist der Gastgeber des Gipfels im Jahr 2022 [der Gipfel hat zwischenzeitlich stattgefunden, Anm. d. Red.]. Auch Ebrahim Raisi ist als Präsident des Anrainerstaats Iran dazu eingeladen. „Der iranische Präsident bezeichnete die partnerschaftlichen Beziehungen zu den Staaten der kaspischen Region als einen der wichtigsten Bereiche außenpolitischer Zusammenarbeit“, berichtete das turkmenische Medium Arzuw News.

Im Zuge der diplomatischen Herausforderungen wurde laut Chronicles of Turkmenistan auch das Thema Afghanistan angesprochen. Der iranische Präsident befürwortete die Bildung einer inklusiven Regierung für das Land, welche alle politischen Parteien repräsentieren würde. Berdimuhamedow merkte seinerseits an, dass Turkmenistan und der Iran wünschen, dass Afghanistan zu einem wohlhabenden Staat werde und eine aktive Rolle bei der Behandlung wichtiger nationaler und regionaler Fragen übernehme. Orient.tm fügte hinzu, dass der turkmenische Präsident sich bereit erklärt habe, Beratungen zu Afghanistan durch turkmenische und iranische Vertreter in Aschgabat auszurichten.

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Radio Azatlyk zufolge ist dies ein echter Wechsel in der Wirtschafts- und Außenpolitik: „Dieser Besuch kommt zum richtigen Zeitpunkt: Die meisten Probleme zwischen Turkmenistan, Russland und dem Iran entstanden in den Jahren, in denen Serdar Berdimuhamedows Vater Gurbanguly Berdimuhamedow das Land regierte. Ohne die Politik seines Vaters zu kritisieren, könnte Serdar Berdimuhamedow die Richtung der bisherigen turkmenischen Politik ändern, zumindest die der letzten zehn Jahre, und ein neues Turkmenistan, eine neue Regierung präsentieren, welche versucht, die Beziehungen zu seinen Nachbarn sowie die Handelsbeziehungen zu verbessern.“

Claire du Verdier, Redakteurin für Novastan

Aus dem Französischen von Michèle Häfliger

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