Kirgistan Bischkek unterzeichnet Finanzierung zur Verbesserung der Gesundheit Zharkynbek Kasymbekov Olivier Bangerter

Schweiz stellt 5 Millionen Franken für die Verbesserung des kirgisischen Gesundheitssystems bereit

Im Rahmen eines Projekts zur Entwicklung des Gesundheitssystems stellt die Schweiz Kirgistan über fünf Millionen Schweizer Franken (in Euro fast die gleiche Summe) zur Verfügung. Kirgistan hat mit erheblichen Mängeln im Gesundheitssektor zu kämpfen, was vor allem zu einer hohen Rate an nicht übertragbaren Krankheiten führt.

Das aktuelle Projekt zielt auf die Prävention nicht übertragbarer Krankheiten ab. Für die Schweizerische Eidgenossenschaft besteht das übergeordnete Ziel des Projekts darin, dass „der Gesundheitszustand und das Wohlbefinden der kirgisischen Bevölkerung in den Zielgebieten durch eine bessere Kontrolle und ein besseres Management von nicht übertragbaren Krankheiten auf der Ebene der primären Gesundheitsversorgung verbessert werden.“

Die Finanzierungsvereinbarung wurde vom amtierenden Gesundheitsminister Dscharkynbek Kasymbekow und Olivier Bangerter, dem Schweizer Botschafter in der Kirgisischen Republik, am 19. Juli 2022 unterzeichnet.

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Dank dieser Finanzierung kann die Arbeit nicht nur im Raum Bischkek, sondern  auch im Süden des Landes fortgesetzt werden. Diese Herausforderung ist umso größer, als dass in dieser Region über zwei Drittel der kirgisischen Bevölkerung leben.

Das Programm und die damit verbundene Arbeit werden von einer Reihe von Organisationen beaufsichtigt, darunter Healthy Future NGO, GFA Consulting Group GmbH und Euro Health Group.

Übermäßig hohe Rate an nicht übertragbaren Krankheiten

Gemäß der Pressestelle des Projekts sind nicht übertragbare Krankheiten Hauptursache für Invalidität, Krankheiten und vorzeitige Todesfälle (davon 83 Prozent durch nicht übertragbare Krankheiten).

Im Jahr 2020 waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache und machten 52 Prozent aller Todesfälle im Land aus, gefolgt von Krebs (10,8 Prozent) und Atemwegserkrankungen (6,9 Prozent), wie das kirgisische Gesundheitsministerium berichtet.

Prävention zur besseren Kontrolle dringend erforderlich

Die hohe Verbreitung nicht übertragbarer Krankheiten wird durch zahlreiche Risikofaktoren wie Unterernährung, Rauchen, Alkoholmissbrauch sowie Bewegungsmangel verschärft, wie das Projekt gezeigt hat. Der weit verbreitete, ungesunde Lebensstil ist ein Hinweis auf die ungenügende Aufklärung der kirgisischen Bevölkerung in Bezug auf nicht übertragbare Krankheiten.

Zudem macht sich das Versagen im Präventionsprozess auf einer anderen Ebene bemerkbar: Das kirgisische Gesundheitssystem ist nicht in der Lage, Frühdiagnosen für nicht übertragbare Krankheiten zu stellen oder eine stationäre Behandlung bereits frühzeitig einzuleiten. Darüber hinaus besteht ein Mangel an qualifiziertem Gesundheitspersonal.

Erste Projektphase sehr erfolgreich

Angesichts der Dringlichkeit der Lage ist sich das Gesundheitsministerium des Handlungsbedarfs bewusst. Seit 2017 in Kraft, hat die erste Projektphase bis 30. Juni 2022 die meisten ihrer Ziele erreicht. Die medizinische Grundversorgung wurde in den vier nördlichen Regionen Tschüi, Naryn, Talas und Yssyk-Köl erheblich ausgebaut.

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Im Rahmen des Projekts wurden Ärzte und Pflegepersonal zunächst mit nötiger Computerausrüstung ausgestattet. „Das ist ein sehr großer Beitrag zur Digitalisierung des Gesundheitssektors. Sämtliche Aktivitäten sind gut in das System integriert und es besteht keine Gefahr, dass sie nach Projektende eingestellt werden. Im Süden des Landes werden dieselben Ergebnisse wie in dieser ersten Projektphase erwartet“, verkündete Gesundheitsminister Kasymbekow.

Außerdem wurde viel Arbeit in die Patientenüberweisung zu Spezialist:innen investiert und neu wird das Protokoll der WHO zu „wesentlichen nicht übertragbaren Krankheiten für die primäre Gesundheitsversorgung“ angewandt.

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Ein ähnliches Vorgehen fand auch in den Bereichen Prävention und Förderung eines gesunden Lebensstils statt. Dazu wurden Informationsveranstaltungen und Gesundheitserziehung eingeführt, 70 Prozent der ländlichen Bevölkerung in den nördlichen Regionen nahmen an solchen Aufklärungsveranstaltungen teil. Als Folge davon stellt die Schweizerische Eidgenossenschaft einen Anstieg der ärztlichen Konsultationen bei Männern um 13 Prozent fest.

Ähnliche Ergebnisse in den südlichen Provinzen angestrebt, allerdings mit größeren Herausforderungen

Die deutlichen Verbesserungen im Norden des Landes geben dem Gesundheitsministerium Anlass zur Hoffnung. Tatsächlich werden für die südlichen Provinzen Osch, Dschalal-Abad und Batken die gleichen Ziele angestrebt.

Am Ende des Aktionsplans im Jahr 2026 ist ein besserer Umgang mit nicht übertragbaren Krankheiten durch die Einführung entsprechender Protokolle und Sensibilisierungskampagnen vorgesehen, wodurch ein effektives und erschwingliches primäres Gesundheitssystem gewährleistet werden soll. Darüber hinaus soll eine gerechte Gesundheitsversorgung, insbesondere auf dem Land, sichergestellt werden. Lassen sich Hausärzte und -ärztinnen in ländlichen Gebieten nieder, entlasten sie die städtischen Krankenhäuser. Diese sind aufgrund des Mangels an Fachleuten für Allgemeinmedizin bereits überlastet.

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Dennoch wird es in den südlichen Gebieten schwieriger, ähnlich gute Ergebnisse zu erzielen: 70 Prozent (2,6 Millionen) der kirgisischen Bevölkerung konzentrieren sich auf diese drei südlichen Provinzen. Es ist also eine große Herausforderung, im gleichen Zeitraum dieselben Effekte wie in den nördlichen Regionen zu erzielen.

Geografische Gebiete und Zielgruppen

Um die Zahl nicht übertragbarer Krankheiten im Land deutlich zu senken, möchte die schweizerische Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) auch das System der primären Gesundheitsversorgung in den Städten Osch und Bischkek stärken.

Darüber hinaus konzentrieren sich die Bemühungen auf die Bevölkerung ländlicher Gebiete, die als die wichtigsten Endbegünstigten gelten, sowie auf die Beschäftigten in der primären Gesundheitsversorgung. De facto können 1.560 Hausärzte und -ärztinnen sowie 4.180 Pflegende von den Maßnahmen des Projekts profitieren. Auf nationaler Ebene schließlich erhalten das Gesundheitsministerium und die staatliche Krankenkasse die entsprechenden Zuschüsse. Somit soll das System der primären Gesundheitsversorgung in der Lage sein, eine qualitativ hochwertige Versorgung auf dem Land zu gewährleisten und das Leben der noch isolierten Landbevölkerung zu verbessern.

Weitere finanzielle Unterstützung ebenfalls Teil des Programms

Neben der technischen Unterstützung zur Stärkung des Gesundheitsmanagements leistet das Projekt auch finanzielle Hilfeleistung, da die Verbesserung des primären Gesundheitssystems zu einem großen Teil von finanziellen Ressourcen abhängt. Laut WHO sind Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen besonders stark von nicht übertragbaren Krankheiten betroffen, so auch Kirgistan. Aufgrund der dringend benötigten finanziellen Unterstützung des primären Gesundheitssystems hat die Schweiz Unterstützung angeboten.

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In Kirgistan hatte der Bund für die erste Phase von 2017 bis 2022 bereits rund 4,9 Milliarden Schweizer Franken bereitgestellt. Für das Ende des Aktionsplans im Jahr 2026 plant die Schweiz, weitere zwölf Millionen Franken zu vergeben, einschließlich der von den Partnerorganisationen investierten Beträge.

Zukunftsaussichten: Schweiz weiterhin zur Unterstützung bereit

Die Situation im Gesundheitsbereich hat sich bereits enorm verbessert – wenn auch erst in jüngster Zeit. So ist etwa die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren drastisch gesunken. Darüber hinaus bestehen weiterhin schwerwiegende Probleme: Der Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung ist noch nicht überall im Land gewährleistet und es gibt immer noch viel zu wenig Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin, wie das kirgisische Medium kaktus.media berichtet.

Um das Gesundheitssystem zu stärken und zu erhalten, hat die kirgisische Regierung eine neue Gesundheitsstrategie verabschiedet, die bis 2030 umgesetzt werden soll. Die Schweiz will ihre Entwicklungszusammenarbeit fortsetzen, um Kirgistan bei der erfolgreichen Umsetzung der geplanten Reformen zu unterstützen.

Chloé Renard
Redakteurin für Novastan
Aus dem Französischen von Michèle Häfliger (gekürzte Fassung)

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