Tschubak Dschalilow

Polygamie in Kirgistan: ehemaliger Mufti löst Polemik aus

Das Strafgesetzbuch Kirgistans sieht eine Strafe von bis zu zwei Jahren Freiheitsentzug im Fall von Polygamie vor. Doch trotz ihrer Illegalität ist Polygamie weit verbreitet und wird kaum verfolgt. Die jüngste Erklärung zu diesem Thema des ehemaligen Mufti des Landes, Tschubak Dschalilow hat zu einer breiten Diskussion in der kirgisischen Gesellschaft geführt.

Nach etwas mehr als einer Woche war die Stimmung in der kirgisischen Gesellschaft kurz vor dem Siedepunkt. Am 26. November hatte Tschubak adschy Dschalilow, seit einigen Jahren bekannt für Skandale aufgrund seiner Positionen zu verschiedenen Themen, auf seinem Youtube-Kanal verkündet, dass er sich eine zweite Ehefrau genommen habe. In dem Video rief der Ex-Mufti von Kirgistan andere Männer auf seinem Beispiel zu folgen.

Eine auf Youtube ausgelöste Polemik

Als Ex-Mufti stellt Tschubak Dschalilow eine religiöse Autorität dar: Seine ehemalige Funktion als Islamgelehrter beinhaltete unter anderen die Interpretation der Gesetze des Islams sowie religiöse Rechtsauskünfte – besser bekannt unter dem Namen Fatwa – zu erteilen. Da er aufgrund seiner Meinung bekannt ist und respektiert wird, zählt Dschalilows Youtube-Kanal mehr als 158 000 AbonnentInnen.

„Ja, ich habe erneut geheiratet und ich bin nicht geschieden. Die ältere meiner Frauen schien damit nicht einverstanden zu sein, aber alles ist gut gelaufen. Ich hatte keinerlei Verlangen noch einmal zu heiraten. Ich wollte nur den Menschen ein Beispiel geben. Wer sollte es mir nachtun? All diejenigen, die die nötigen Mittel dazu haben. Ihren Frauen rate ich zu weinen, aber keinen Skandal zu machen. Das ist unsere Tradition. Ich habe eine gute Sache getan, indem ich noch einmal geheiratet habe“,  verteidigte sich Dschalilow.

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„Ich kann auch Beamte und Abgeordnete aufzählen [, die ebenfalls mehrere Frauen haben], denn daran ist nichts schlimmes. Das sind Leute, die unsere Traditionen stützen. Wir sollten ihnen dankbar sein. Jeder von ihnen sollte eine Medaille erhalten“, fügte der ehemalige Mufti hinzu.

Seine Mitteilung provozierte einen Aufschrei der Empörung. In einer späteren Erklärung kommentierte der amtierende Mufti Maksat Toktomuschew, Dschalilow treffe „keine Schuld vor dem Allmächtigen“ und dass die entsprechenden Behörden die Lage untersuchen.

Gespaltene Meinungen

Verschiedene Personen haben die Initiative des Ex-Muftis unterstützt. „Wir müssen verstehen, dass Allah uns solche Gesetze gegeben hat, da er unsere Natur kennt. All diese Gesetze entsprechen unserer Entwicklung. Also hat er alles eingeteilt, in das was gemäß der Religion erlaubt und das was verboten ist. Er hat dem Mann erlaubt mit mehreren Frauen gleichzeitig zu leben. Weil sein Körper das ermöglicht“, erklärte Dschamila Dschapaschewa, eine Vertreterin der Organisation muslimischer Frauen in Kirgistan „Mutkalim“.

Die Zivilgesellschaft hingegen kritisiert den Ehemaligen Mufti stark. Das Menschenrechtszentrum „Kylym Shymy“ forderte die Staatsanwaltschaft auf gegen Dschalilow zu ermitteln. Kylym Shamy wirft dem religiösen Würdenträger vor, andere Männer zum Gesetzesbruch zu ermutigen.

Der Polizei sagte Dschalilow am 4. Dezember, seine zweite Frau sei eine Geliebte, mit der keine offizielle Hochzeit bestünde. Von Seiten der Partei des Präsidenten sprach sich die Abgeordnete Elwira Surabaldijewa in einer Parlamentssitzung gegen Polygamie aus. Sie appellierte auch an die Regierung die Familie Dschalilows aufgrund des Verdachts häuslicher Gewalt zu überwachen.

Der Appell des ehemaligen Muftis Polygamie zu praktizieren wurde aber auch von einer anderen Vertreterin der Organisation „Mutkalim“, Dschamal Frontbek kyzy, kritisiert. Sie erinnerte daran, dass allein das Gesetz gelte.

Bereits im Jahr 2016 hatte der Abgeordnete der Partei Onuguu-Progress Kamtschybek Dscholdoschbajew die Initiative ergriffen, um durch das Parlament Polygamie legalisieren zu lassen  war damit aber gescheitert. Aktuell wird die Legalisierung der Polygamie von 21,7 Prozent der BürgerInnen Kirgistans unterstützt.

Jamil Orozov
Novastan.org, Bischkek

Aus dem Französischen von Robin Roth

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Hat Politologie und Slavistik in Göttingen und Torun studiert. Von 2015 bis 2017 war er Sprachassistent des Goethe-Instituts Kasachstan mit dem Einsatzort Qaragandy und hat während dieser Zeit Zentralasien kennen und lieben gelernt.

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