„Kyrgyzstan – the Crossroads”: eine poetische Dokumentation über die Straßen Ostkirgistans

Am 9. Juni hat Romain Arazm seinen neuesten Dokumentarfilm mit dem Titel „Kyrgyzstan – the Crossroads“ veröffentlicht. Aus diesem Anlass sprach Novastan mit dem französischen Regisseur.

Es ist ein ungewöhnlicher Film. Am 9. Juni hat der französische Regisseur Romain Arazm den Dokumentarfilm „Kyrgyzstan – the Crossroads“ auf YouTube veröffentlicht. Mazart Production beschreibt das Werk als mittellangen Film „zwischen Reisen und Kultur, Kunst und Geschichte“.

Die 2018 gegründete Produktionsfirma versucht in ihren Dokumentarfilmen “die Leidenschaft für Kunst und Reisen” zusammenzuführen, erklärt ihr Gründer Romain Arazm gegenüber Novastan. Mit diesem Ziel machte sich Arazm nach seinen Dokumentationen über Collioure und den Nil nun auf in den Osten Kirgistans.

Kirgistan, „ein natürliches Reiseziel“

Auf die Frage, warum er Kirgistan gewählt habe, antwortet Romain Arazm, als ob es offensichtlich wäre. „Seit meiner Geburt war ich fasziniert von den Geschichten von Reisenden, die in Zentralasien waren. Ich interessiere mich auch für die Berge und die Geschichte und in geringerem Maße für die UdSSR. Bei all dem schien Kirgistan ein natürliches Reiseziel zu sein“, erklärt der französische Regisseur.

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Diese unterschiedlichen Elemente finden sich im Erzählstrang des Films wieder, der Arazm beim Trampen über 1.500 Kilometer entlang dieser Seidenstraßen folgt. Das Trampen als Transportmittel wählte der Regisseur, weil es in Zentralasien einfach ist und aufgrund der damit verbundenen Begegnungen. Doch auch persönlich sieht Arazm darin „ein Lebensgefühl, fast eine Philosophie”.

Ein Road Movie

Auf seiner Reise machte Arazm unter anderem einen Zwischenstopp im Skigebiet Karakol am Nordhang einer Kette des Tian Shan. Ein bergiger Ort an der Seidenstraße zwischen dem Uigurischen Gebiet Xinjiang und den kirgisischen Steppen, aber auch ein ehemaliges Trainingszentrum für das sowjetische Skiteam.

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So entsteht eine Mischung aus Dokumentation und Road Movie, die das Gefühl vermittelt, Reisende:r auf der Seidenstraße zu sein. Diese Form ermöglicht es auch, wichtige Orte Kirgistans wie die Hauptstadt Bischkek oder den See Yssykköl zu besuchen.

Die Reisemomente erlauben es, „die Landschaften, die Fahrer sowie das oft mit stimmungsvollen Objekten gefüllte Fahrzeuginnere in Szene zu setzen”, erklärt Romain Arazm. Eingespielte Radiobeiträge vermitteln allgemeine Informationen über das Land.

Ein vager Erzählstrang

Der Regisseur präsentiert den Film als Mittel, um „journalistische Objektivität und alle Vollständigkeit für einen freien und kontemplativen Blick abzustreifen”. Das Thema erscheint jedoch manchmal vage oder ohne eine genaue Erzähllinie. Historische oder kulturelle Informationen werden gemischt, ohne dass das Publikum andere Themen als die Straße und die verschiedenen Orte wahrnimmt, an denen sich der Dokumentarfilmer befindet.

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Diese Wahl des Erzählstils wird vom Regisseur mit dem Wunsch begründet, einen Ästhetizismus zu schaffen. Im Vordergrund stehen dabei „die Kontemplation, die bildästhetische Wortwahl und ein träumerischer Soundtrack”, erklärt Arazm.

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So wirkt der Film eher wie eine poetische Ballade um historische Themen, Reisen, Kunst oder Elemente, wie Schnee oder Feuer. Es ist ein Werk, das mehr eine Vision von Kirgistan darstellt als eine präzise und detaillierte Dokumentation über das Land. Es kann daher als Reisetagebuch verwendet werden und ist durch die Schönheit der gezeigten Bilder und Landschaften ein starker Anreiz, das Land zu besuchen.

„Kyrgyzstan – the Crossroads” ist im französischen Original mit englischen Untertiteln auf Youtube zu sehen:

Côme Brunel, Redakteur für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

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