Kirgistan, Film, Aktan Arym Kubat

Gespräch mit dem Regisseur von „Die Flügel der Menschen“

In seinem aktuellen Film zeigt Aktan Arym Kubat die Freiheit in seinem Heimatland Kirgistan. Gleichzeitig weist er auf etwas hin, das er als Identitätsproblem identifiziert. Novastan hat den Regisseur in Paris getroffen.

Eine kleine Geschichte zeigen um den großen Kontext zu kritisieren. Diesen Weg hat Aktan Arym Kubat, der Regisseur des Films „Die Flügel der Menschen“ gewählt. Für seinen vierten Film hat er ihn und seine Kindheit verlassen. Der Film wurde schon 2016 gedreht kam aber erst Ende Dezember 2017 in die deutschen Kinos. „Die Flügel der Menschen“ handelt von einem Mann in einem kirgisischen Dorf.

Dieser Mann, ein ewiger Dichter, ist ein einfacher Bauarbeiter. Sein Makel: Er ist ein unzeitgemäßer Pferdedieb, der nachts wild durch die Nacht reitet bevor er die Pferde in der Natur freilässt. Eingeschlossen in nationale Mythen der nomadischen Kultur Kirgistans, wird dieser Mann mit der Dorfgemeinschaft konfrontiert. Mit einem einfachen aber effektiven Szenario zollt „Die Flügel der Menschen“ der Tradition Tribut und kritisiert einen Kapitalismus, der menschliche Beziehungen pervertiert hat.

Eine „folkloristisch“ gewordene Kultur
Gedreht wurde mit genauso vielen professionellen Schauspielern wie Laien. „Die Flügel der Menschen“ möchte ein ehrliches Bild der kirgisischen Provinz vermitteln, die mit viel Enthaltsamkeit gefilmt wurde. Im Herzen des Films findet sich eine tiefsinnige Reflexion der nomadischen Identität in den zentralasiatischen Ländern. „Dieser Film ist mit einer Identität verbunden, die gerade verloren geht„, bestätigt Aktan Arym Kubat. Symbolisch hat der Mann, der im Film gezeigt wird, keinen Namen. „Wie meine Figur sind wir dabei unseren Vornamen zu verlieren„, fügt er hinzu.

Indirekt kritisiert Aktan Arym Kubat den fortschreitenden Verlust der nomadischen Identität in dem kleinen Gebirgsland. Obwohl er hofft, das Kirgistan ein „modernes Land“ wird, kritisiert eine Identität die „folkloristisch“ geworden ist. „Ich versuche über Dinge zu sprechen, die nichts mit Folklore zu tun haben, sondern mit Werten, wie denen der Familie„, sagt er.

Kultur ist auch Lebensweise, Denken, Bildung, Ökologie usw. In den Beziehungen zu unseren Nächsten haben Traditionen keinen Platz mehr„, stellt er fest. Fast 61 Jahre alt, bedauert der Regisseur eine Kommerzialisierung der kirgisischen Kultur. „Wir sind kälter geworden, trockener. Es gibt weniger Empathie„, fügt er hinzu.

Ein schöner und subtiler Film
Diese Themen liegen Aktan Arym Kubat am Herzen. Schon in seinem Film „Der Dieb des Lichts“ von 2011 hat er, der als Maler anfing, bevor er erst Bühnenbildner und dann Regisseur wurde, diesen Orientierungsverlust geschildert.

In seiner Realisierung bleibt „Die Flügel der Menschen“ subtil und lässt den Zuschauer allmählich in dieses Universum zurückkehren. Einige Einstellungen erinnern mit einer deutlichen Distanz zur Handlung an die Vergangenheit des Regisseurs als Maler. „Als wir geprobt haben wurde mir klar, dass man die ganze Handlung in einem großen Bogen versteht, ohne sie erklären zu müssen„, sagt er schmunzelnd.

Kirgistan, Film, Kino, Regisseur, Aktan Arym Kubat

Aktan Arym Kubat hat im kirgisischen Kino eine ungewöhnliche Karriere gemacht. [legend]
Etienne Combier

Musikalisch wird der Film von kurzen, oft traditionellen Melodien unterbrochen. Während manche aktuellen Filme, vor allem amerikanische, praktisch still sind, steht Aktan Arym Kubat voll und ganz hinter seiner Entscheidung. „Als ich meine ersten Filme gedreht habe, habe ich keine Musik eingefügt. Ich fand damals, dass wäre die einfachste Methode, eine Szene emotional zu machen„, erklärt her. „Wenn man Musik auch außerhalb des Films hören kann, dann ist es keine Filmmusik.

„Sie müssen ihren eigenen Weg suchen“
Mit einem gepflegten Bild und einer präzisen Darstellung bleibt Aktan Arym Kubat einer der am meisten ins Ausland exportierten kirgisischen Filmemacher. Trotzdem sieht er der Hauptfigur aus seinem Film unheimlich ähnlich. Hat er einen Rat für die junge Generation? „Jeder geht seinen eigenen Weg, sie müssen ihren eigenen suchen“, sagt er leicht beunruhigt.

Dann hat er doch noch einen Rat. „Sie müssen auf sich selbst achten, sie müssen die Vermittlung ihrer Seele spüren. Vielleicht werden sie dann ihren Weg finden“, sagt er mystisch.

Etienne Combier
Mitbegründer von Novastan.org

Aus dem Französischen von Folke Eikmeier

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Novastan.org : formation et information ! Co-fondateur de Novastan, je suis actuellement chargé d'enseignements numériques à l'Ecole supérieure de journalisme de Lille (ESJ Lille) en temps partiel. Le reste du temps, je suis responsable éditorial de Novastan et président de l'association française du projet. Après un Bachelor à Sciences Po Paris, j'ai été pendant 6 mois (août 2012-février 2013) directeur et rédacteur en chef du journal. Diplômé de l'ESJ Lille en 2015, j'ai travaillé pendant 3 ans comme journaliste sur le site Web des Echos, sans pour autant m'arrêter de travailler pour Novastan en parallèle afin de faire vivre le seul site d'informations en français et en allemand sur l'Asie centrale. Passionné par l'information dans toutes ses formes, curieux de tout, je veux protéger ce regard original sur l'Asie centrale. Notre ambition : vous intéresser toujours plus sur ce sujet si peu traité dans la presse généraliste. Il s'agit également de pérenniser le projet, en l'inscrivant dans une démarche de justesse et d'une forme irréprochable. Une demande, une envie ? Contactez moi : [email protected] A bientôt !

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