Sooronbai Dscheenbekow Premierminister Kirgistan

Dscheenbekow und seine Familie: Das ist über den zukünftigen Präsidenten bekannt

Am 24. November 2017 übergibt Almasbek Atambajew das Präsidentenamt an Sooronbaj Dscheenbekow. Der ging bereits 1996 in die Politik und war schon Premierminister. Das folgende Portrait erschien im Original auf kaktus.media, die Übersetzung erfolgte mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Großer Gewinner der Präsidentschaftswahl vom 15. Oktober: Sooronbai Dscheenbekow. Er ist der neue starke Mann in Kirgistan. Offiziell als „Erbe“ des derzeitigen Präsidenten Almasbek Atambajew bezeichnet, ist Dscheenbekov seit mehr als 20 Jahren auf der kirgisischen politischen Bühne präsent.

Der 58-jährige Sooronbaj Dscheenbekow stammt aus dem Bezirk Kara-Kuldscha in der Region Osch im Süden des Landes. 1976 wurde er Lehrer für Russisch und betrieb dann gegen Ende der UdSSR, bis in die ersten Jahren der Unabhängigkeit eine Sowchose bei Ösgön. Ab 1996 begann er seine Karriere in der Politik: Dreimal wurde er als Abgeordneter im Dschogorku Kengesch, dem kirgisischen Parlament, gewählt und wurde 2007 Landwirtschaftsminister.

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Von 2010 bis 2015 leitet er das Gebiet Osch. Für kurze Zeit war er Stabschef des jetzigen Präsidenten von Kirgistan. Im März 2016 wurde Dscheenbekow Premierminister. Nach seinem Rücktritt im letzten Sommer kandidierte er in diesem Jahr unter dem Schutz des Staatsoberhaupts bei der Präsidenschaftswahl.

Wie Dscheenbekow zum Internet-Hit wurde

Der denkwürdigste öffentliche Auftritt von Dscheenbekow war am 20. Juni bei einem Treffen nach den schweren Erdbeben in den Regionen Tchong-Alaj und Kadamdschaj im Süden des Landes. Hier sagte er sein berühmtes „Tchyk echikke!“, auf deutsch: Verschwinde hier. Almasbek Abdykarow, Leiter der staatlichen Organisation für öffentliche Angelegenheiten, war nicht in der Lage, eine Frage von Dscheenbekow zu beantworten, woraufhin ihn dieser aufforderte, den Raum umgehend zu verlassen.

Der Ausdruck „Tchyk echikke“ wurde zum „Meme“ (Internetphänomen, Anm. d. Redaktion) in Kirgistan, wie das Video unten zeigt: Hier wurde Almasbek Abdykarow durch Omurbek Babanow ersetzt, dem schärfsten Rivalen Dscheenbekows im Kampf um die Präsidentschaft.

Über die Familie ist wenig bekannt

Dscheenbekows Frau, Aigul Dscheenbekowa, ist wahrscheinlich Hausfrau. Das Paar hat zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter, mit dem Namen Baktigul. Diese studierte an der russisch-kirgisisch-slawischen Universität in Bischkek und wurde im letzten Jahr mit dem Sohn des Abgeordneten Aliarbek Abdschalijew verheiratet. Der kirgisische Präsident in spe hat auch einen Enkel, Aliaskar, aber er zieht es vor, seine Familie aus der Öffentlichkeit herauszuhalten.

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Dscheenbekow war eines von zehn Geschwistern. Sein ältester Bruder, Kantoro Toktomamatow, starb kürzlich im Alter von 69 Jahren. Er war Doktor der Wirtschaftswissenschaften und Rektor der Staatlichen Universität in Dschalalabat.

Auch sein Bruder ist einflussreicher Politiker

Sein jüngerer Bruder, Asylbek Dscheenbekow, 53, war Sprecher der 5. Legislative des kirgisischen Parlaments und ist immer noch Mitglied der Präsidentenpartei SDPK. Nach der Ernennung seines älteren Bruders zum Premierminister musste er seine Position aufgeben. Politisch machte Asylbek Dscheenbekow von sich reden, als er die Schaffung von Gebetsräumen im kirgisischen Parlament erlaubte. Obwohl er das jüngste Mitglied des Dscheenbekow-Clans ist, galt er bisher als der einflussreichste der Brüder.

Sein dritter Bruder, Dschusulbek, trägt den Namen Scharipow. Er ist 62 und arbeitet als Botschafter der Kirgisischen Republik in Kuwait, Marokko, Jordanien und Bahrain. Außerdem sind zwei Brüder bekannt: Iskender, der vor kurzem verstarb, und Dschyrgalbek, der im Osch-Gebiet lebt. Die Schwestern von Dscheenkebov bleiben jedoch – trotz des gestiegenen Medieninteresses der kirgisischen Medien – unbekannt. 

Ein bescheidenes Vermögen

Nach seiner Steuererklärung stünden Dscheenbekow angeblich 870.000 Som zu, etwas weniger als 11.000 Euro. Zudem besitzt er nach eigenen Angaben ein Haus von 160 m², eine Datscha von 60 m² und eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 48,04 ha. Dort gibt es 1700 Apfelbäume, 2000 Pappeln, einen “Wagen-Domik” (eine fahrbahre Mini-Unterkunft) und einen Traktor MT3-80. Es ist nicht bekannt, ob den Ertrag von seinem Grundstück sich zum Eigentum summiert oder er es spendet.

Seine Familie hat weit mehr verdient: fast 2,4 Millionen Som, das sind fast 30.000 Euro. Sie haben eine Wohnung von 64 m² und eine landwirtschaftliche Fläche von 10 Hektar. Letztes Jahr hatten sie außerdem noch 66,6 Hektar Weideland. Die Prüfung der Steuererklärung ergab, dass diese Weiden seit 2015 gemietet wurden.

Aus dem Russischen von Rémi Constant

Redaktion: Janina Lackmann

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