Portrait Künstlerin Tasheva Dilnoza Kirgistan Bischkek

Dilnoza Tasheva: Portrait einer kirgisischen Künstlerin von morgen

Zerbrechlich und stark zugleich wirkt die 21-Jährige Dilnoza. Sie hat dieses Jahr an der Universität in Bischkek ihren Bachelor in Internationale Beziehungen abgeschlossen. Trotz ihres jungen Alters und der Tatsache, dass sie nie eine Kunstschule besucht hat, malt Dilnoza großartige Bilder. Ihre Porträts sind voller Energie und vermitteln die verborgenen Charaktereigenschaften der abgebildeten Person, machen deren Stimmung sichtbar.

Schon seit Jahrhunderten versuchten Menschen mit großem Geist und viel Talent, etwas Schönes, Majestätisch und Unwiederholbares zu erschaffen. So auch Dilnoza Tasheva aus Bischkek. Die Kunst hat schon immer einen besonderen Platz in ihrem Leben eingenommen.

„Meine Mutter war hauptberuflich Künstlerin, wahrscheinlich habe ich von ihr dieses wunderbare Talent geerbt. Ich kann aber nicht sagen, dass ich seit meiner Kindheit intensiv gemalt habe oder davon träumte, auch eine Künstlerin zu werden. Meine Zeichnungen waren gewöhnliche Kindergemälde, knorrig und nicht immer schön. Doch ich liebte ich den Prozess des Zeichnens, das Ergebnis war dabei egal.“

In der Schule bemerkten die Lehrer ihr Talent und glaubten, dass sie eine gute Künstlerin, Architekt oder Designer werden könnte. Dadurch begann Dilnoza über eine Karriere als Künstlerin nachzudenken. Sie nahm an verschiedenen Wettbewerben teil – und gewann.

Meine Familie hielt mich für eine durchschnittliche Malerin

„Mein erstes Gefühl, als ich gewonnen hatte, war keine Freude, sondern Überraschung! Denn in meiner Familie wurde mir immer gesagt, dass ich eine durchschnittliche Malerin sei.“

Im Laufe der Jahre wuchs ihre Liebe zur Kunst, mit der Pubertät begann sie, ihre Motive zu reflektieren. Als ich älter wurde, änderte sich der Stil meiner Bilder. Wie alle Jugendlichen im Alter von 14-15 Jahren litt ich an Herzschmerz und und zeigte das in meinen Zeichnungen. Meine Kreationen waren rebellisch und zeigten, dass ich meinen Platz in der Welt zu finden versuchte: Einsamkeit, Angst, das Gefühl von Erwachsenen nicht verstanden zu werden. Das Zeichnen wurde für mich zum Ausdruck meiner Einstellung zur Welt und insbesondere den Menschen gegenüber.“

Sie begann, sich mit den Leuten auseinanderzusetzen, die sie zeichnete und schrieb ihre Eindrücke dazu auf Papier.

Portraits Tusche Tasheva Dilnoza

„Nach der Pubertät erkannte ich, wie schön die Menschen sind. In zunehmendem Maße bemerkte ich kleine Details in ihren Gesichtern, die sie selbst nicht sehen, aber die ihnen einen einzigartigen Charme verleihen. Ich mag es, die Bewegungen und Strukturen zu studieren und das alles nach Möglichkeit in meinen Bildern auszudrücken.“

Ein wahrer Künstler taucht vollständig in die Kunst ein und offenbart seine Erfahrungen: Angst, Freude, Traurigkeit, Glück, Gelassenheit, Zufriedenheit auf Papier. Nach diesem Prinzip arbeitet Dilnoza. Sie vermittelt all ihre Eindrücke durch ihre künstlerisches Schaffen. Für sie spielt es keine Rolle, ob die Gesellschaft ihre Kunst akzeptiert oder nicht. Und es gefällt ihr, dass es trotz aller Probleme in Kirgistan viele junge Talente gibt, die ebenfalls bereit sind, sich der Kunst zu widmen.

Kirgistans junge Künstlerszene hat viel Potential

„Ich bin froh, dass Menschen in unserem Land positiv über Kunst denken. Unter den jungen Künstlern gibt es viele Talente, die die Traditionen älterer Maler fortsetzen, aber auch genausoviele, die moderne Kunst entwickeln.“

Wie Dilnoza selbst bemerkt, sind Künstler freier, fallen jedoch aus dem sozialen Rahmen, weil sie keine Grenzen akzeptieren. Dilnoza malt, wann immer sie kann: Zeichnen ist ein Teil meines Lebens. In schwierigen Zeiten, Momente in denen ich Angst habe, male ich gewöhnlich, Wenn ich mit einem Porträt bin, habe ich meine Sorgen vergessen und fühle Frieden in mir.

Im Herbst ging Dilnoza nach Belgien, um dort Urbanistik zu studieren und ihr Studium mit der Kunst zu verbinden. Als Architektin möchte sie später ihre Heimatstadt verändern. „Ich möchte etwas zur Ästhetik von Bischkek beitragen.“

Noch bezeichnet sie sich selbst nicht als Künstlerin, aber wer weiß: Ich werde ohne Zweifel weiter malen und vielleicht bekomme ich eines Tages die Chance, eine zweite Hochschulbildung als Künstlerin zu absolvieren.“

 

Sezim Arynova, Autorin für Novastan

Redaktion: Janina Lackmann

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