Wodkaflaschen im Geschäft

Alkoholvernichtung im Namen Allahs

Über Kirgistan schwappt gerade eine Welle von Protesten gegen Alkohol. Im Dorf Emgektschil in Naryn kauften die lokalen Jugendorganisationen und Mullahs von den lokalen Geschäften Alkohol im Gesamtwert von 2500 Som (ca. 31,- Euro) auf  und vernichteten sie demonstrativ mit dem Bulldozer. Nun herrscht im Dorf Alkoholverbot, viele der Einwohner sind dafür. Folgender Artikel wurde von Novastan übersetzt und erschien im Original auf kloop.kg.

Dieses „Prohibitionsgesetz” kam erst vor kurzem in Kirgistan auf. Immer mehr Dörfer und Siedlungen sprechen sich dafür aus. Die Initiativen mit dem Slogan „gegen Alkohol“ werden in der Regel von gläubigen Aktivisten angeführt. Zuerst besuchen sie die Geschäfte und versuchen die Verkäufer zu überzeugen, keinen Alkohol mehr zu verkaufen, weil das den Regeln des Islam widerspreche. Aber nicht alle Geschäftsmänner wollen dem religiösen Verbot folgen.

Die Anti-Alkohol-Kämpfer werden immer radikaler  

Im Juli 2017 vernichteten Alkoholgegner rund hundert Flaschen Wodka und Bier im Dorf Djapalak im Süden Kirgistans. Die Dorfeinwohner kauften zunächst den ganzen Alkoholbestand in der Umgebung auf. Dann brachten sie die Flaschen in Bussen zum Müllhaufen und rollten mit einem Bulldozer drüber. Diese Aktion zur Einführung des „Prohibitionsgesetzes” kostete insgesamt 300.000 Som, das sind gut 3700 Euro. Seither ist es im Dorf Djapalak verboten, Alkohol zu verkaufen. Verkäufer, die das Gesetz brechen, erwartet eine Geldstrafe bis zu 10 000 Som, knapp 125 Euro.

Naryn Kirgistan Fluss Wasser

Die Aktivisten organisierten in der gleichen Woche mehre solcher Aktionen im Naryngebiet, ein an sich nicht sehr religiöser Teil Kirgistans. Das Geld, um die Alkoholbestände aufzukaufen, sammelten sie von den Bewohnern ein. Zusammen kamen 165.000 Som, etwa 2000 Euro.

„Wir begannen schon vor drei Monaten, das Geld einzusammeln. Jugendliche, die alten Leute, jeder gab so viel er konnte, der eine 200 Som, der andere 100 Som“,  erzählt Djanybek Sopiev, der Leiter der Jugendorganisation des Dorfes Emgektschil. „Wir möchten, dass das Alkoholtrinken im Land aufhört.“

Als ausreichend Geld da war, verabredeten sich die Bewohner, um am frühen Morgen allen Alkohol aus den Geschäften aufzukaufen.

Verkäufer machen unterstützen die Aktion

Die meisten Verkäufer wussten schon vorher Bescheid und gaben den Alkohol freiwillig her. Der Besitzer des größten Geschäfts in der Gegend „spendete“ Wodka für umgerechnet 425 Euro.

„Ich sagte, dass ich ihre Idee unterstütze, den Alkohol zu vernichten. Jetzt werden wir, Gott sei Dank, versuchen, keinen Alkohol mehr zu verkaufen.“, verspricht Bolotbek Adjybaev.

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Mehrere Tonnen wogen die Flaschen, die die Aktivisten nun innerhalb von einer Stunde auf Lastwagen luden. Von den Schaulustigen entschieden sich spontan einige, dabei mitzuhelfen.

„Wodka ist das Böse!“, meint die Einwohnerin des Emgektschils, Nasyi Asankunova. „Er hat nicht nur meinem Sohn, sondern auch anderen geschadet. Dank sei unseren Mullahs, Dank unserer Jugend für diese Initiative!“

Aktionen senden falsches Signal

Doch unter den Dorfbewohnern werden auch kritische Stimmen laut: „Diese Aktion ist sehr zweifelhaft“, bemerkt Rudbek Abdraev, Einwohner des Naryn Gebiets. „Kirgistan ist nicht so reich, dass die Leute sich eine solche Verschwendung erlauben könnten. Es wäre besser, wenn sie das Geld Waisenkindern oder Hilfsbedürftigen spendeten.“ Man müsse das Bewusstsein der Menschen ändern, damit diese keinen Alkohol kaufen, so Abdraev weiter.

Was bleibt, ist ein Haufen Müll, zerdrückte Flaschen und Papier auf der Wiese, wo die Aktivisten den Wodka „beerdigt“ haben. Die Organisatoren haben versprochen, den Müll bald zu entsorgen…

 

Nastojashee Wremja
kloop.kg

 Aus dem Russischen übersetzt von Kunduz Zhyrgalbekova

 

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