Kasachstan will Kryptowährungen besteuern, um den Kampf gegen das Coronavirus zu finanzieren

Der kasachstanische Wirtschaftsminister möchte das Mining von Kryptowährungen mit bis zu 15 Prozent besteuern. Die von der Regierung erzielten Einnahmen würden insbesondere ermöglichen, den Kampf gegen das Coronavirus zu finanzieren. Vor allem aber eröffnet diese beispiellose Initiative den Weg zu einer strengeren Überwachung der Kryptowährungen.

Das kasachstanische Wirtschaftsministerium unter der Leitung von Ruslan Dalenov hat vorgeschlagen, einen festen Steuersatz von 15 Prozent für das Produzieren von Kryptowährungen, auch Mining genannt, einzuführen. Wie das russische Fachmedium Crypto Pro am 5. August berichtete, würden die Eigentümer der in Kasachstan ansässigen ‚Mining-Farmen‘ dazu verpflichtet, die durch ihre Tätigkeit erzielten Einnahmen in ihren Buchführungen einzutragen.

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Diesem Regierungsvorhaben zufolge werden die erwarteten Einnahmen vorrangig für die Bekämpfung des Coronavirus und für die Abschwächung der erwarteten Auswirkungen der Wirtschaftskrise verwendet. Nach offiziellen Angaben fielen bis zum 7. September bei über 100.000 Infektionen bereits 1.588 Menschen der Pandemie zum Opfer.

Krypto-Mining: Ein boomendes Geschäft

Die neue Besteuerung folgt dem jüngsten Anstieg an Krypto-Mining in Kasachstan. Dank der extrem niedrigen Strompreise können Investoren auf der ganzen Welt erhebliche Gewinne erzielen, indem sie die Rechenleistung von Hunderten von Computern für die Generierung von Kryptowährungen nutzen. Im Juni letzten Jahres listete der Minister für digitale Entwicklung, Innovation und Luft- und Raumfahrtindustrie Asqar Zhumagaliev landesweit 14 solcher Farmen auf. Wie das Hongkonger Medienunternehmen Asia Times berichtete, befindet sich Kasachstan nach China, den USA und Russland weltweit auf Platz 4 der wichtigsten Produzenten der Kryptowährung Bitcoin.

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Wurde der Sektor Kryptowährungen bisher nur zaghaft reguliert, stoßen Krypto-Mining-Farmen bei den kasachstanischen Behörden nun auf wachsendes Interesse: Insgesamt haben sie bereits 82 Milliarden Tenge (170 Millionen Euro) produziert, was an den Produktionsstandorten des Landes zu einer neuen Dynamik in der Wirtschaft führte, so das kasachischen Medium Astana Times. Nach Angaben des chinesischen Wirtschaftsministeriums und des Fachmediums CoinTelegraph vom 1. Juli, werden sich die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Krypto-Mining-Aktivitäten bis Ende 2020 verdoppeln und in den nächsten drei Jahren einen Umsatz von 600 Millionen Euro ermöglichen.

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Das Vorhaben, Mining-Aktivitäten zu besteuern, würde einen Wendepunkt in der bisher freizügigen Kryptowährungspolitik der kasachstanischen Regierung darstellen, die noch im Dezember 2019 bekannt gab, dass sie keine Regulierungsmaßnahmen in der Branche einführen werde. So berichtet Crypto Pro, dass Kasachstans Regierung plant, neue Vorschriften zur Regulierung der Branche einzuführen, einschließlich der Einführung spezifischer Tarife für den Stromverbrauch im Krypto-Mining-Sektor.

Bevorstehende Reformen und erwartete Vorteile

Die bevorstehende Besteuerung des Krypto-Minings scheint vor allem durch das Bewusstsein über die zeitnah eintretende Rezession motiviert zu sein. Die Pandemie des Coronavirus wird das Wachstum der kasachstanischen Wirtschaft voraussichtlich stark beeinträchtigen und Tribut in der sozialen Umverteilung und in der Gesundheitsversorgung zollen.

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Kasachstan ist nicht das erste Land, das die Regulierungen für Kryptowährungen in der Region verschärft: Kirgistan hat aus ähnlichen Motiven im August einen Vorschlag unterbreitet, das Mining mit bis zu 15% zu besteuern. Nach Angaben des kirgisischen Wirtschaftsministeriums würde diese Maßnahme jährlich fast 4 Millionen Euro generieren. In jedem Fall würden die bevorstehenden Besteuerungen in Zentralasien weit unter den in Europa geltenden Sätzen bleiben, wo das Mining direkt mit bis zu 50 Prozent besteuert wird und vereinzelt sogar der Mehrwertsteuer unterliegt.

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Zwar wurden die neuen Steuersätze vom kasachstanischen Parlament noch nicht beschlossen, doch es ist weiterhin unersichtlich, wie genau sich die generierten Gelder auf welche konkreten Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus und seiner wirtschaftlichen Folgen verteilen sollen.

Vadim AlinovRedakteur für Novastan France

Aus dem Französischen von Robin Shakibaie

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