Bucharahirsche

Kasachstan: Der Bucharahirsch kehrt an den Balchaschsee zurück

Vor circa 100 Jahren verschwanden die letzten Bucharahirsche von den Ufern des Balchaschsees. Nun sind fünf Exemplare der bedrohten Art wieder vom WWF ausgewildert worden. Die internationale Umweltschutzorganisation hofft, das Gebiet wieder neu mit Hirschen zu besiedeln, um in Zukunft ein noch ehrgeizigeres Projekt zur Ansiedlung von Sibirischen Tigern umzusetzen.

Fünf Bucharahirsche sind Ende September am Balchaschsee im Süden Kasachstans ausgewildert worden. Wie der World Wildlife Fond (WWF) zum Start des Projekts berichtete, war die Art vor circa 100 Jahren aus der Balchasch-Region verschwunden. Die einst in ganz Zentralasien verbreiteten Bucharahirsche befinden sich auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten, die von der International  Union for Conservation of Nature (IUCN) erstellt wird.

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Die Hirsche werden im Naturschutzgebiet Ili-Balchasch leben, welches im Juni 2018 von der kasachstanischen Regierung eingerichtet wurde. Um sicherzustellen, dass die Wiedereinführung ordnungsgemäß verläuft, wurde jeder Hirsch mit einem GPS-Halsband ausgestattet. Kameras wurden in der Nähe der Auswilderungsorts installiert und auch Fütterungsstation wurden eingerichtet. Die drei Weibchen und zwei Männchen wurden zuvor in einem Gehege im Regionalpark Syrdarja-Turkestan – ebenfalls im Süden Kasachstans gelegen – gehalten. Es waren acht Monate Vorbereitung erforderlich, um diese Operation abzuschließen.

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„In den nächsten fünf bis sechs Jahren planen wir, mehrere hundert Hirsche auszuwildern, deswegen ist die erste Gruppe von besonderer Bedeutung“, teilt Grigorij Mazmanyants, beim WWF Russland für Zentralasien verantwortlich, in einer Pressemitteilung mit. „Wir müssen sehen, wie sehr die Hirsche Futterstationen brauchen und wie wohl sie sich in der Region fühlen, denn in 100 Jahren hat sich vieles verändert“, fügt er hinzu.

Seit dem 19. Jahrhundert gejagt

Laut Angaben der IUCN beläuft sich die Population der Bucharahirsche in Zentralasien auf 2000 bis 2500 Exemplare. Die Art war einst in dem gesamten Gebiet zwischen den Flüssen Syrdarja und Amudarja, welche beide in den Aralsee mündeten, verbreitet. Im 19 Jahrhundert ging die Population zurück und verschwand um 1900 vollständig vom Syrdarja.

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Zu Sowjetzeiten wurden dann Maßnahmen zur Erhaltung der Art ergriffen und in den 60er Jahren lebten zwischen 300 und 350 Exemplare in Reservaten. Nach dem Zerfall der UdSSR fiel ging die Population aufgrund von Wilderei auf 350 Exemplare zurück. Seit Anfang der 2000er Jahre wurden in Zentralasien, insbesondere in Tadschikistan, Usbekistan und Kasachstan, aber auch in China, Auswilderungen vorgenommen.

Im Blickpunkt: die Ansiedlung des Amur-Tigers

Generell hat das Projekt der Wiederansiedlung ein noch ehrgeizigeres langfristiges Ziel. Die ExpertInnen des WWF und die Regierung Kasachstans hoffen, dass die Hirschpopulationen groß genug werden wird, um dann Sibirische Tiger anzusiedeln. Diese Tigerart steht dem Kaspischen Tiger genetisch nahe, der mittlerweile komplett ausgestorben ist und ursprünglich in Zentralasien beheimatet war.

Das im Jahr 2018 gestartete Programm „Return of Turan Tiger“ zielte auf eine Ansiedlung von Tigern im Jahr 2023 ab. Der Leiter des WWF Russland Igor Chestin ist der Auffassung, dass eine Rückkehr im Jahr 2025 mehr als wahrscheinlich ist. Damit die Tiger zurückkehren können, müssen andere Projekte erfolgreich sein. An erster Stelle steht hierbei der Kampf gegen die Wilderei.

Etienne Combier, Chefredakteur von Novastan France

Aus dem Französischen von Robin Roth

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Comments
  • Sehr interessant – der WWF Russland will den Amurtiger in den Staaten Zentralasiens ansiedeln – warum nicht in der Taiga des europäischen Russlands?
    Der Lebensraum des Amurtigers ist ein ganz anderer als die Umwelt Zentralasiens. Hier hätte man alle Hände voll zu tun, den Lebensraum des Schneeleoparden zu erhalten als fremde Arten auszusetzen.

    20 November 2019
    • Ihre Ausführungen sind nicht korrekt. Hier wird keine fremde Art ausgesetzt sondern eine ehemals ausgerottete Art wieder nach Hause gebracht. Die Bezeichnung Amur- oder „sibirischer“ Tiger ist irreführend, da eigentlich das Siedlungsgebiet weiter südlich liegt, urspünglich war die Heimat die Manschurei und Korea, von wo er vertrieben wurde und wo es definitiv wärmer ist als in der Taiga.
      Ich vermute mal es war sarkastisch zu verstehen, aber der Amurtiger war nie in der europäischen Taiga heimisch, unabhängig davon wie kalt er es nun mag oder nicht. Er lebt im Osten Russlands im Amurgebiet, konkret in der Region Primorje in einem kläglichen Rest seines einstigen Lebensraums, das Altai bis zum Japanischen und Ochotskischen Meer reichte, einem Raum mit Ostseitenklima, also: kalte kontinental geprägte Winter und monsunal geprägte warme Sommer. Das Klima in der europäischen Taiga ist ganz anders und hier hat es zumindest die letzten Jahhunderte keine Tiger gegeben.
      Der Tiger wird am Balchaschsee im Ilidelta WIEDER angesiedelt, weil dort bis vor einigen Jahrzehnten eine letzte Heimat des Kaspischen Tigers war, einer Unterart des Amurtigers oder zumindest sein genetisch nächster Verwandter. 1948 wurde hier das letzte Exemplar gesichtet. Das Siedlungsgebiet des Kaspischen Tigers umfasste einst den schmalen Streifen vom Kaukasus, über den Süden Zentralasiens und Westchinas bis zum Gebiet, das vom Amurtiger bewohnt wurde, vermutlich hatten sie ein gemeinsames Verbreitungsgebiet und waren auch dieselbe Tierart, die erst vor wenigen Jahrhunderten durch den Menschen in 2 Territorien geteilt wurde und somit die Entwicklung von 2 (Unter-)Arten gefördert wurde.
      So gesehen ist er keine fremde Art. Ich gebe Ihnen Recht, man sollte die Lebensräume noch lebender Arten erhalten, aber trotzdem soll das nicht heißen, dass vergangenes Unrecht nicht rückgängig gemacht werden kann und darf. Die Wiederansiedlung von Bucharahirschen und Tigern ist ein guter Anfang wie ich finde. Und nebenbei, der Schneeleopard hat im sumpfigen Ilidelta kaum einen geeigneten Lebensraum, deshalb ist ihre Ausführung nicht ganz nachvollziehbar. Ferner gibt es noch über 5000 Schneeleopraden auf der Welt aber nur ein kläglicher Rest von wenigen hundert Amurtigern. Deshalb hat doch wohl die Rettung der letztgenannten die höhere Priorität.
      Ich finde, es ist ein anständiges Projekt der kasachischen Regierung.

      19 Februar 2022

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