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Wie in Kasachstan Comics auf der Grundlage von Legenden entstehen

Die Comic-Industrie in Kasachstan steht erst am Anfang ihrer Entwicklung. Sie wird jedoch Teil der Popkultur des Landes und weckt sogar das Interesse an nationalen Mythen und Märchen. Einer dieser Comics ist „Mergen“. The Steppe sprach mit den Autor:innen über den Entstehungsprozess ihrer Werke und die Bedeutung von Comics für die Kreativindustrie Kasachstans.

Geschrieben von: Robin Roth

Übersetzt von: Robin Roth

Originalartikel (22. Februar 2023)

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Die Comic-Industrie in Kasachstan steht erst am Anfang ihrer Entwicklung. Sie wird jedoch Teil der Popkultur des Landes und weckt sogar das Interesse an nationalen Mythen und Märchen. Einer dieser Comics ist „Mergen“. The Steppe sprach mit den Autor:innen über den Entstehungsprozess ihrer Werke und die Bedeutung von Comics für die Kreativindustrie Kasachstans.

Der Comic „Mergen“ basiert auf den Legenden über den Batyr Esekmergen. Das Werk beginnt mit dessen Rückkehr aus dem Krieg und der Beerdigung eines Freundes. Müde von Schlachten und Kämpfen will der Protagonist anfangen, in Frieden zu leben, aber in seinem Heimatdorf tauchen mystische Kreaturen auf, denen er sich entgegenstellen wird. Im ersten Band des Comics wird Jeztyrnaq („Kupfernagel“, eine bekannte Figur der kasachischen Mythologie, Anm. d. Ü.) zur Hauptschurkin. Die Autor:innen planen, vier Bände des Comics zu erstellen. In den ersten beiden wird die Handlung um den Kampf gegen die Antagonist:innen herum aufgebaut. Im dritten und vierten Band werden dann die inneren Konflikte des Helden beleuchtet.

„Wir haben uns die Freiheit genommen, die Biographie des Batyr ein wenig umzuschreiben und etwas eigenes hinzuzufügen. Aber wir haben es mit Respekt vor den Legenden und Mythen getan. Daher gibt es in den ersten Teilen nicht so viele Ergänzungen“, erklärt Bek-Ata, Autor von „Mergen“. Bei der Erstellung des Mergen-Comics fungiert Bek-Ata als Autor der Geschichten. Die Künstlerin Magira Tleuberdina wird den Comic zeichnen.

Der Stil des Comics

Für eine zuverlässige Beschreibung von Esekmergen sammelten die Autor:innen Informationen über ihn aus Büchern über kasachische Batyrs und sprachen auch mit Lehrer:innen der kasachischen Literatur. „Wenn man den Comic „Qaısar – Sohn des Tengri“ einigermaßen mit Rick Riordans„Percy Jackson“ vergleichen könnte, dann ähnelt die Handlung von „Mergen“ eher der von „The Mandalorian“: Sie richtet sich an ein erwachseneres Publikum, und der Weg des Helden ist hier schwieriger“, erklärt Bek-Ata.

Bemerkenswert ist der Unterschied zwischen den Stilen von Bek-Ata und Magira Tleuberdina. Magiras Kunst ist hell und farbenfroh, während Bek-Atas Comics dunkler sind. Bek-Ata entschied sich für eine Zusammenarbeit mit Magira als Künstlerin, nachdem er ein Interview mit ihr auf The Steppe gelesen hatte. „Ich mochte ihre frische Herangehensweise an das Zeichnen, und sie hat auch einen sehr angenehmen Stil, perfekt für ein Heldenepos“, sagt Bek-Ata.

Magira gibt an, seit dem Erscheinen ihres Comics über Qabanbaı Batyr viel gelernt zu haben. Zum Beispiel ist ihr Zeichenstil dynamischer geworden. Daher ist er nun perfekt für einen Comic über Esekmergen: Seine Geschichte ist düster, aber Magiras Zeichnung verleiht ihm Charme und Leichtigkeit. Laut der Künstlerin war sie zu Beginn sehr besorgt über den Unterschied zwischen ihrem Stil und der Vision von Bek-Ata. Bevor Magira dem Projekt zustimmte, erstellte sie mehrere „Test“-Charaktere.

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„Mein erster Comic war sehr ‚ungeschickt‘ und spontan. Ich habe die Handlung nicht geplant, ich konnte eine Skizze erstellen säumen und während des Malens überarbeiten. Nun schickte mir Bek-Ata das Drehbuch, nach dem ich erstmal ein grobes Storyboard gemacht habe. Es dauerte ungefähr eine Woche, dann begann ich, sorgfältig über die Charaktere selbst und ihr Aussehen nachzudenken, die Neben-Charaktere und die Antagonist:innen auszuarbeiten“, erklärt die Künstlerin.

„All das musste schnell gehen, denn Bek-Ata schickte mir gleich zwei Teile des Comics und ich musste ihm Konzeptzeichnungen liefern. Nach seiner Zustimmung begannen wir, die Details auszuarbeiten: Posen, Kleidung und Waffen. Esekmergen ist ein Bogenschütze, und es war mir wichtig, seine Waffen sorgfältig auszuarbeiten“, so Magira weiter.

Das Schwierigste für Magira war das Zeichnen der Kampfszenen. Es dauerte 15 Tage, um 32 Seiten des Comics zu erstellen. Jetzt malt sie die Szenen aus. Danach geht „Mergen“ an den Redakteur, der den Comic fertigstellt und alle Materialien für den Druck vorbereitet. Bei der Gestaltung der Antagonistin Jeztyrnaq ließ sich die Künstlerin von den Heldinnen aus Quentin Tarantinos„Kill Bill“ inspirieren. In Bek-Atas Drehbuch wurden nur Jeztyrnaqs Handlungen beschrieben, also verbesserte Magira die Heldin und entschied, dass es eine starke weibliche Figur sein würde.

Das Herausgeben von Comics

Die Autor:innen planen, den Comic sowohl in elektronischer als auch in gedruckter Form zu veröffentlichen. „Wir haben dem Verlag nur die Entwürfe des Comics gezeigt und er hat zugestimmt, mit uns zusammenzuarbeiten. Das Hauptziel des Verlags ist es, den Leser:innen Informationen darüber zu vermitteln, dass es einen solchen Comic gibt“, teilt Bek-Ata mit. Magira war zuvor angeboten worden, in einem Verlag den Comic über Qabanbaı Batyr zu veröffentlichen.

Doch sie merkte schnell, dass ihr das nicht passte. „Ich denke, es ist besser, es so zu machen, wie du es selbst siehst. Und wenn etwas schief geht, weißt du, dass nur du daran schuld bist. Verlage haben ihre eigenen Regeln und Einschränkungen. Und die Entscheidung, ein Comicbuch zu veröffentlichen, trifft der Verlag. Ich habe den Weg eines Rebellen gewählt, der alles selbst macht, und das passt zu mir“, erklärt sie.

Die Entwicklung von Kasachstans Comic-Industrie

Man kann nicht sagen, dass sich Comics in Kasachstan überhaupt nicht auszahlen. Laut Bek-Ata führten die Macher von QazaqMAN beispielsweise eine gute Marketingkampagne durch, und die Auflage des Comics belief sich auf 15.000 Exemplare. Aber es ist immer noch ziemlich schwierig, die Einstellung der Kasachstaner:innen zu Comics zu ändern. Laut Bek-Ata und Magira werden sie nicht als Kunst wahrgenommen. Deshalb wollen die Autor:innen zeigen, dass Comics ernste Themen behandeln können. Die geplante Alterskategorie von Mergen ist 16+.

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Laut Bek-Ata ist staatliche Unterstützung für die Entwicklung der Comic-Industrie in Kasachstan erforderlich. In Südkorea wurde beispielsweise begonnen, in Webtoons und Manhwa zu investieren, Themenfestivals zu organisieren und Bibliotheken mit Comics aufzubauen. Man kann sagen, dass Comics zu einem nationalen Schatz geworden sind. „Unserer Meinung nach können kasachische Batyrs interessanter sein als japanische Samurai. Und bei richtiger Präsentation können sie auf der ganzen Welt populär werden. Es gibt eine Nachfrage nach Comics in Kasachstan, man muss nur diese Kultur einzuführen, und wir glauben, dass dies bereits geschieht. Es scheint uns, dass die Menschen bald erkennen werden, dass dies genauso Kunstwerke sind wie Gemälde. Außerdem sind Comics der Ursprung der Animation. Wir können sagen, dass wir den Weg für die Erstellung einheimischer Cartoons ebnen“, meinen die Autor:innen.

Aıana Seıthan für The Steppe

Aus dem Russischen von Robin Roth

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