Kinotheater Batan

Das Kinotheater „Heimat“: Filme haben wir, nur Zuschauer nicht

Wie sich eines der ältesten Kinos Tadschikistans über Wasser hält. Dieser Artikel erschien im Original am 28.09.2022 in der Online-Zeitung ASIA-Plus. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Die Hauptstädter lieben Filmproduktionen aus dem Ausland und vergessen dabei das Kino „Heimat“, das ausschließlich tadschikische Produktionen zeigt. Wir haben eines der ältesten Gebäude in der Hauptstadt Duschanbe besucht, um einen tadschikischen Film zu sehen und gleichzeitig das Gebäude besichtigen.

Ein Hauch von Sowjetunion

Das Kino wirkt auf den ersten Blick kühl. Es ist ein einheitlicher Bau im Stile des sozialistischen Klassizismus und wir kommen nicht umhin, das Baujahr 1947 mit der Hungersnot infolge des Zweiten Weltkrieges zu assoziieren.

Die Pläne für das Gebäude zeichneten der Architekt Jakubow und der Bauzeichner Barsukow innerhalb eines staatlich geführten Architekturwettbewerbs. Mit seinen 500 Plätzen wurde es zum Kino der Festlichkeiten getauft.

Von außen wirkt es beinah unverändert. Das Innere wurde in all diesen Jahren nur ein einziges Mal renoviert: Im Jahre 2021, anlässlich der 30-jährigen Unabhängigkeit.

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Von zwei Kinosälen ist nur einer einsatzfähig. Er zählt 204 Plätze und im Flur, gleich neben dem Saal, befindet sich eine Garderobe für die bevorstehende nasse Jahreszeit.

Im zweiten Stock gibt es noch ein kleines Restaurant, den Rest der Etage hat ein Konzern gemietet.

Die Filmauswahl

In der Auswahl finden sich hauptsächlich Werke des ältesten tadschikischen Filmstudios Tadschikfilm. Zudem kann der Saal gemietet werden und ausländische Produktionen aus einer kleinen Bibliothek ausleihen. Auf Empfehlung der Inhaber sahen wir uns die tadschikische Produktion „Sajeds letzte Beute“ an.

Der Film ist verhältnismäßig neu. Er erschien im Jahre 2021 unter Regie von Muchammadrab Ismoilow und beruht auf einem Roman von Abrori Sochir.

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Obwohl wir die einzigen Zuschauer waren, blieb es bis zum Ende spannend. „Sajeds letzte Beute“ hat eine mitreißende Storyline und einen packenden Schluss. Zudem hat der Film mit seinen Aufnahmen aus dem Tigrowaja-Balka-Naturreservat im Süden des Landes und mit seinem Dörfchen Veshab in der Ajni-Region stellenweise malerische Züge.

Die Geschichte dreht sich um Jäger Sajed, der auf der Suche nach seiner besseren zweiten Hälfte ist. Zur gleichen Zeit vermählt ein Vater auf der anderen Seite des Flusses, in Afghanistan, seine junge Tochter, um sich so von seinen Pflichten zu befreien. Das Schicksal Sajeds und das der jungen Frau sind eng ineinander verflochten. Sowohl in diesem Thriller als auch im Roman und im Drama.

Und wo bleiben die Zuschauer?

Laut einem der Kinoangestellten ist die Zahl der Interessierten weiterhin klein.

„Pro Jahr laufen etwa 5-6 Filme an. Wir zeigen sie alle und können im Monat mit etwa 90-100 Besuchern rechnen. Eigentlich wäre das unser Tagesziel“, sagt er.

Er fragt sich, warum das Heimatkino so unpopulär ist: „Vielleicht denken die Leute, dass wir nach wie vor belanglose Filme aus indischen Produktionen zeigen, wie es vor einigen Jahren war. Doch das hat sich längst geändert.“

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Der Eintritt kostet hier 13 Somoni, etwa 1,30 Euro. Bei einer Kino-Premiere – 50 Somoni, 5 Euro. Die Tickets sind an diesen Tagen teurer, weil die Regisseure, die das Kino mieten, den Preis selbst festlegen.

Bleibt zu hoffen, dass das historische Gebäude weiterhin unversehrt bleibt und die Besucherzahlen endlich steigen.

ASIA Plus

Aus dem Russischen von Arthur Siavash Klischat

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