Usbekistan Wasserkraftwerk GES

Usbekistan: Wie Zulfija Mamadaliew ihre Stadt mit Energie versorgt

Während der Staat noch damit beschäftigt ist alte Wasserkraftwerke zu renovieren und neue zu bauen, versuchen einfache Bewohner Usbekistans eigenständig Energie zu produzieren. Dabei helfen ihnen sogenannte Mikro-Wasserkraftwerke, die durch die kinetische Energie des Wassers bis zu 100 Kilowattstunden Energie produzieren können.

Der Korrespondent unseres Partners „The Open Asia“ hat mit Zulfija Mamadaliewa gesprochen. Die Wissenschaftlerin am Namanganskaer Institut für Ingenieurwesen und Technologie installiert heute ein solches Mikro-Wasserkraftwerk probeweise an einem kleinen Wasserlauf in der Stadt Kosonsoy in der Provinz  Namangan.

Sie, diese zierliche, kleine Frau, hat als erste darüber nachgedacht, wie sie ihre Heimatstadt mit kostenloser Elektrizität versorgen kann.

Provinz Namangan in Usbekistan

Die Provinz Namangan [legend]
The Open Asia

Wie sind Sie auf die Idee genommen sich mit einem so schlecht erforschtem und in Usbekistan praktisch nicht entwickeltem Thema zu beschäftigen? 

Im Laufe meiner wissenschaftlichen Arbeit und durch die Zusammenarbeit mit Unternehmern und Landwirten in der Provinz Namangan wurde ich häufig darauf gestoßen, wie schlecht die Bevölkerung über erneuerbare Energie informiert ist. Die meisten denken allein an Solarenergie. Es existieren aber viel weiter interessante und umsetzbare Möglichkeiten. So habe ich angefangen Mikro-Wasserkraftwerke zu erforschen. Ich fing damit an unsere Region zu erforschen. Mein Ziel war es, den aussichtsreichsten Standort für den Bau eines Mikro-Wasserkraftwerks auszumachen, um die Bedürfnisse der Landwirtschaftsbetriebe zu kompensieren und darüber hinaus einen Teil der Energieversorgung zu ersetzen.

Was sind die Vorteile von Mikro-Wasserkraftwerken?

Erstens, und das ist der wichtigste Vorteil für alle Unternehmer, sind sie sehr günstig. Der Bau eines solchen Kraftwerks ist nicht besonders teuer. Die Konstruktion sieht vielleicht nicht sehr elegant aus, aber sie ist sehr leicht aufzubauen und ist mobil. Wenn sich also der Wasserstrom verändert kann man sie einfach an einem anderen Ort wieder aufbauen. So entstehen weder große Kosten, noch erfordert das Kraftwerk viel Arbeitskraft.

Der zweite Vorbei unseres Kraftwerkes liegt darin, dass es auf kleine Wasserströme ausgelegt ist, so wie sie sowohl in unserer Region wie auch in vielen anderen Gegenden Usbekistans zu finden sind. Im Gegensatz zu großen Wasserkraftwerken, kann man unsere Konstruktion an jedem normalen Bach installieren.

Mikro-Wasserkraftwerk Usbekistan

Das Mikro-Wasserkraftwerk in Aktion [legend]
The Open Asia

Schaden die Mikro-Wasserkraftwerke der Umwelt? 

Wasserkraft ist saubere Energie. Es entstehende keine Umweltschäden. Im Gegensatz zur Energiegewinnung durch Treibstoffe, ist diese Energiequelle erneuerbar.

Nach welchem Prinzip funktioniert Ihre Konstruktion?

Unser Mikro-Wasserkraftwerk ist ein Kraftwerk leichten Typs. Man kann auch sagen, dass es eine modernere Form der traditionellen Sakia (auch Tschigir auf Russisch und Tscharchpalak auf Usbekisch), einem von Zugtieren angetriebenem Wasserschöpfrad, das in Zentralasien weit verbreitet war für die Bewässerung von Gärten und Wein.

Die Sakia war aufgrund dessen, dass sie günstig, praktisch und robust war außerordentlich beliebt unter Landwirten. Heute ist sie unter Forschern beliebt, die sich verschiedene Konstruktionen ausprobieren um Wasserkraft zu produzieren.

Sakia Wasserkraft Zentralasien

Die traditionelle Sakia in Zentralasien [legend]
Staatliches Archiv Kirgistan

Wie wird ein Mikro-Wasserkraftwerk aufgebaut?

Zuerst muss ein passender Standort gefunden werden. Wichtig ist dabei, dass ein kleiner Abhang vorhanden ist, sodass ein kleinerer Wasserfall entsteht. Weitere Arbeiten sind allerdings eigentlich nicht mehr nötig, die Vorrichtung kann einfach aufgebaut werden. Die Konstruktion mit den Schaufeln muss zur Hälfte im Wasser stehen, im geraden Winkel zur Wasseroberfläche. So drückt das Wasser auf die Schaufeln und das Rad fängt an sich zu drehen. Das System ist wirklich sehr einfach.

Was für eine Arbeitsleistung besitzt ein solches Kraftwerk?

Unser Kraftwerk ist auf zehn bis 15 Kilowatt pro Stunde ausgelegt, das heißt es kann problemlos zwei bis drei Landwirtschaftsbetriebe mit Wasser versorgen. Für die Konstruktion und die Installierung müssen 20 bis 25 Millionen Sum (entspricht 2500 bis 3125 US Dollar) gerechnet werden. Wenn drei Familien das Mikro-Kraftwerk benutzen, hat es sich bereits nach zwei bis zweieinhalb Jahren rentiert.

Lest auch auf Novastan: Die Rolle Erneuerbarer Energien in Zentralasien

Außerdem gibt es in Usbekistan viele alte stillgelegte kleinere Wasserkraftwerke. Man könnte unsere Konstruktion auf die vorhandene Infrastruktur bauen, das wäre noch günstiger.

Wieviele solcher Kraftwerke würde ihrer Meinung nach gebraucht um die Bevölkerung unseres Landes mit Energie zu versorgen? 

Das hängt stark von den Bedürfnissen der Bevölkerung, von der Bevölkerungsdichte und vielen anderen Faktoren ab. Die Bevölkerungsdichte in der Provinz Namangan zum Beispiel ist sehr hoch, hier reicht ein Kraftwerk Natürlich nicht aus. Aber die Mikro-Wasserkraftwerke haben noch einen weiteren Vorteil: man kann mehrere selbst in einem Dorf benutzen, denn sie stören sich gegenseitig nicht.

Vermutlich gibt es aber auch Nachteile neben den ganzen Vorteilen?

Der größte Nachteil ist die Tatsache, dass Usbekistan keine Generatoren produziert, diese müssen alle im Ausland gekauft werden. Und das teuerste an dieser Konstruktion ist somit der Generator. Könnten wir Generatoren selber produzieren, wären die Kraftwerke zwei Mal günstiger. Daher hoffen wir, dass sich dieser Sektor in Usbekistan noch entwickeln wird.

 

Im russischen Original erschienen auf The Open Asia

Aus dem Russischen übersetzt von Charlotte Dietrich

 

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Im Sommer 2016 war ich das erste Mal in Zentralasien im Rahmen eines Praktikums in Astana. Begeistert von dieser Region, ihrer je nach Land sehr unterschiedlichen Kultur und der Offenheit und Gastfreundlichkeit der Menschen, habe ich nach Abschluss meines Bachelors an der Sciences Po Paris Praktika in Moskau, Bishkek und Dushanbe gemacht. Zu Novastan bin ich im Januar 2017 gestoßen und bin Teil der deutschen Redaktionsleitung.

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