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Der Kampf um Bäume in Usbekistan

Das Fällen von Bäumen ist in Usbekistan eine große Streitquelle. Viele Bürger melden sich nun zu Wort, um die Situation zu klären.   

Dem Vorsitzenden des Staatlichen Komitees für Naturschutz der Republik Usbekistan wurde eine Petition zur Rettung der Bäume vorgelegt. Sie umfasst insgesamt fast 4000 Unterstützungserklärungen, von denen alleine 3500 in nur einer Woche gesammelt wurden.

Den Kommentaren in den sozialen Netzwerken zufolge widerspricht diese Petition jedoch dem Gesetz über Anträge von natürlichen und juristischen Personen. Artikel 6 sieht vor, dass „im Falle eines Antrags einer natürlichen Person der volle Name sowie Informationen über den Wohnort“ angegeben werden müssen. Wenn es sich um eine Online-Petition handelt, ist eine elektronische Signaturprüfung erforderlich.

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Die Petition wurde ins Leben gerufen, weil sich die Fällungen zu vermehren scheinen. Außerdem schrieb die Website Olam.uz – jetzt geschlossen – schon 2012, dass die Experten der ökologischen Bewegung Usbekistans, einer vom Staat abhängigen Organisation, die Akkurgan Straße in Taschkent besucht hätten, nachdem sie über die Fällung von vier Bäumen erfahren hatten. Laut Meinung der Experten war das Holz der Bäume gesund und weder von Schädlingen noch von Parasiten beschädigt. Die Experten informierten daraufhin das Komitee für Naturschutz. Die Institution antwortete, dass die Erlaubnis für die Fällung der Bäume nie ausgestellt wurde.

Bäume fällen – warum eigentlich?

Die Journalistin Natalia Shoulepina, die sich auf Umweltfragen spezialisiert, schrieb in einem ihrer Artikel: „Im März 2012 besichtigten wir, gemeinsam mit einigen Entomologen und einer Mitarbeiterin des Komitees für Umweltschutz, ein paar Straßen in Taschkent. Die Mitarbeiterin des Komitees behauptete, dass alle Bäume gefällt werden sollten, weil sie angeblich beschädigt seien. Die Entomologen waren aber anderer Meinung: man sollte die Bäume untersuchen, erforschen und danach behandeln. Nur vier oder fünf Personen arbeiteten in der Abteilung zum Schutz der Biodiversität – ein Grund, der angegeben wurde, um der Hauptstadt Angst zu machen.“ Im Fall der Bäume in der Akkurgan Straße war es unmöglich herauszufinden, wer beteiligt war. Manchmal sind solche Fällungen illegal. 2014 zum Beispiel veröffentlichte die Website uzreport.uz Fotos von Bäumen, die in der Region Taschkent gefällt worden waren. Die Verantwortlichen dieser Fällungen wurden mit einem Bußgeld bestraft.

Warum sind manche dazu bereit, das Gesetz zu brechen, um Bäume zu fällen? Die Hypothese der usbekischen Zeitung „Noviy Vek“ ist, dass es möglich sei, gewissen Reichtum durch den Verkauf von gesundem Holz zu erlangen. Das Holz wird meist zum Möbelbau verwendet.

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Fällung in Massen?

Laut Anhor.uz könnte die Anzahl der gefällten Bäume beachtlich sein. Die Informations-Websiten listen die Fällungen an verschiedenen Orten. Im November 2014 berichtete Uz24.uz zum Beispiel die Fällung von Platanen an der Nukus Straße, rund um die Schule Nr.7 in Taschkent. Die Behörden beteuerten hierzu, dass alles ordnungsgemäß durchgeführt worden sei.

In jüngerer Zeit, am 27. Januar 2016, gaben mehrere Medien und soziale Netzwerke an, dass es weitere Fällungen am Boulevard Moustakillik geben sollte. Im Dezember 2015 waren es die Gassen neben der Kosmonavty Metrostation sowie jene nahe des Kinos Alisher Navoi. In allen drei Fällen bestätigte das Komitee für Naturschutz, dass sich alles im legalen Bereich abspielte – nur beschädigte Bäume seien gefällt worden. „Es sind nicht die Wilderer, die Bäume fällen. Es sind die Instandhaltungsabteilung des Distrikts, die Bewässerungsverwaltung und andere Organisationen, die hier am Werk sind“, sagte ein Vertreter des Komitees für Naturschutz. „Wir fällen keine gesunden Bäume, sondern nur jene, die Unfälle provozieren könnten oder von xylophagen Insekten infiziert sind.“

Mittlerweile fielen auch einige Bäume aufgrund des Schnees. Natalia Shoulepine schlägt den Anwohnern Taschkents eine Petition, adressiert an die Regierung des Landes, vor – nicht online, sondern dieses Mal auf Papier. Dieser Aufruf, der bis jetzt von ungefähr 50 Personen unterzeichnet wurde, ist nicht der einzige seiner Art. Sreda.uz zum Beispiel berichtete von einer Anwohnerin in Taschkent, die sich direkt an das Komitee für Naturschutz richtete, um eine Erklärung der Fällungen zu erhalten. Als Reaktion darauf wurde ihr gesagt, dass nur die Bäume, die eine Gefahr für die Bewohner oder Gebäude darstellen, gefällt würden. Laut der Webiste Gazeta.uz wird das Komitee für Umweltschutz demnächst beginnen, neue Bäume zu pflanzen.

Dana Oparina, Journalistin für Novastan.org in Taschkent

Aus dem Französischen übersetzt von Vanessa Graf

[legend]
Dana Oparina
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