Pipelines

Turkmenistan von Iran, Russland und Aserbaidschan isoliert

Die Staatschefs von Russland, dem Iran und Aserbaidschan sind am 8. August in Baku zu Beratungen zusammengekommen. Das bedeutet ein neues trilaterales Format. Das angestrebte Abkommen ist für Turkmenistan eine Katastrophe.

Die drei Staaten wollten eine Kooperation im Energie- und Transportsektor diskutieren. Dabei sind sie auch und vor allem Konkurrenten beim Gasexport in den europäischen Markt. Laut der russischen Zeitung Pravda versucht das neue Dreieck jetzt allerdings eine Art Gas-Kartell zu formen. Damit würden sie vor allem Turkmenistan isolieren, das versucht, den europäischen Markt mit einer transkaspischen Fernleitung zu erreichen.

Die Europäische Union (EU) hat ihr Interesse am turkmenischen Gas in den letzten Jahren nicht versteckt. Damit könnten die Europäer die gefürchtete Macht Russlands und Irans in diesem Sektor reduzieren. Doch scheinen diese Bemühungen zu scheitern. Ruslan Tankayew, Mitglied des russischen Komitees für Strategie und Entwicklung des Gassektors und der russischen Handelskammer, sagte der Pravda, dass die EU ihren potenziellen Partner nicht genügend verstand, um rasch einen Deal zu erreichen.

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„Das gesamte Geld, welches Turkmenistan durch Gasexporte verdient, geht an den turkmenischen Präsidenten. Erst danach verteilt dieser die Einnahmen in das Staatsbudget. Der Westen sieht das wie ein Korruptionsschema, aber wenn man das als Problem in historischer Perspektive betrachtet, wird man einsehen, dass es ein normales Schema in einer Monarchie ist.“

Das Unverständnis über diesen Prozess ließ die EU zögern. So blieb genügend Zeit, dass sich die Trias aus Russland, Iran und Aserbaidschan verständigte. Aserbaidschan oder Iran als Transitländer zwischen Turkmenistan und der EU stehen nach der Einigung mit Russland nicht mehr zur Verfügung. Für Turkmenistan scheint die Chance, in den Westen zu exportieren, damit verloren. Russland hingegen schaltet einen ernsthaften Konkurrenten aus.

Zusätzlich scheinen auch die Bemühungen um das Projekt TAPI (eine Gasleitung zwischen Turkmenistan, Afghanistan, Pakistan und Indien) an einen toten Punkt angelangt. Die Instabilität in Afghanistan und die neuen Bemühungen Irans, sein Gas durch Pakistan nach Indien ohne den gefährlichen Weg durch Kabul zu exportieren, belasten das Projekt um die geplante Pipeline massiv.

Damit bleibt die Abhängigkeit gegenüber China erhalten, das sein gesamtes Gas zu einem Schleuderpreis kauft und der einzige größere Abnehmer des turkmenischen Gases bleibt.

Während der turkmenische Präsident Gourbangouly Berdimouhammedov einen Yacht-Club im Badeort Awaza an der kaspischen Küste einweiht, scheinen sich die turkmenischen Perspektiven für einen diversifizierten Gasexport deutlich eingetrübt zu haben.

Die Redaktion

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