Präsidentenpalast Aschgabat

Turkmenistan: Massenentlassungen von arbeitenden Rentnern

Im Krisengeschüttelten Turkmenistan greift der Staat zu radikalen Maßnahmen, um die Staatskasse aufzubessern. Wie die Oppositionszeitung Alternative Turkmenistan News (ANT) berichtet, verordnet ein Beschluss des Präsidenten die systematische Entlassung von Arbeitern im Rentenalter. Wir übersetzen den Artikel mit der freundlichen Genehmigung der Redaktion.

Dokument Tourismusministerium Turkmenistan

Zahlreiche Mitarbeiter im Rentenalter wurden aus den turkmenischen Ministerien, Behörden, staatlichen Konzernen, und Lokalbehörden entlassen. Dies ordnete der Präsident Gurbanguly Berdimuchammedow am 4. November 2016 bei einer Kabinettssitzung an.

Dies lässt sich aus einem aus dem Tourismuskomitee geleakten Dokument schließen. Es ist auf Turkmenisch verfasst, vom 23.11.2016 datiert und vom Leiter der Tourismusbehörde Serdar Tschokulow unterschrieben.

Im ersten Absatz wendet sich Tscholukow an die Leiter aller untergeordnete Behörden und Unternehmen mit der Bitte, nur noch Mitarbeiter einzustellen, die eine Ausbildung in der Tourismusbranche haben und Fremdsprachen beherrschen. Auch die Anforderungen an Mitarbeiter der unteren Hierarchiestufen sollen erhöht werden.

Tscholukow bezieht sich dabei auf den Präsidentenbeschluss. Dessen Ziel ist es, die Finanzlage der Ministerien und Behörden zu stabilisieren, um die Löhne im laufenden Jahr erhöhen zu können. So soll der rentablere internationale Tourismus gefördert werden.

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Mitarbeiter im Rentenalter entlassen

Im zweiten Teil des Dokumentes verpflichtet Tscholukow seine Untergeordneten alle notwendige Maßnahmen zu ergreifen, um die Mitarbeiter im Rentenalter in den Ruhestand zu versetzen.

Die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter wird nicht genannt, laut Informationen von ANT verliert die Tourismusbranche dadurch „in jeder Region und in der Hauptstadt […] zwischen 12 und 30 erfahrene Spezialisten“.

Andere Quellen von ANT berichtet von ähnlichen Maßnahmen in allen Ministerien und Behörden. An manchen Orten ist der Prozess schon beendet, an anderen werden weiterhin Arbeiter entlassen. Die Finanzkrise zwingt die Behörden zu radikalen Maßnahmen, entgegen der Interessen von hunderten bis tausenden Menschen.

Besonders im Erdöl- und Gassektor sind die Entlassungen älterer Mitarbeiter Teil einer starken Reduzierung der Arbeiterzahlen, was zur Auflösung ganzer Abteilungen führt. Das ist zum Beispiel in den Staatskonzernen „Turkmengas“ sowie „Turkmenneft“ zu beobachten.

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Bei „Turkmenneftgasstroj“ werden die Mitarbeiter aufgrund fehlender Bauaufträge und der schwierigen Finanzlage in den unbefristeten unbezahlten Urlaub geschickt.

Die staatlichen Medien in Turkmenistan berichten indes nicht von den Problemen, der Menschen, die ihre Arbeit verloren haben. Zeitungen und Fernsehkanäle versichern, dass Turkmenistan wie der Blitz nach vorne strebt, in ein Zeitalter von Glück und Macht.

Die Redaktion von Alternative Turkmenistan News

Aus dem Russischen übersetzt von Ajnas Musajewa

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ANT
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