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	<title>Aktivismus Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Aktivismus Archives</title>
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		<title>US-Asyl für den chinesischen Filemacher Guan Heng, der die „Umerziehungslager“ für Uigur:innen gefilmt hat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Mar 2026 21:15:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Uigurische Region]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der chinesische Staatsb&#xFC;rger Guan Heng hat Anfang dieses Jahres in den Vereinigten Staaten Asyl erhalten. Im Jahr 2020 musste er schwere Repressalien von Peking &#xFC;ber sich ergehen lassen, nachdem er mehrere Internierungslager f&#xFC;r Uigur:innen in Xinjiang dokumentiert hatte. Guan Heng hatte 2020 sein Leben riskiert, als er einen Dokumentarfilm &#xFC;ber die Internierungslager f&#xFC;r Uiguren in [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Der chinesische Staatsbürger Guan Heng hat Anfang dieses Jahres in den Vereinigten Staaten Asyl erhalten. Im Jahr 2020 musste er schwere Repressalien von Peking über sich ergehen lassen, nachdem er mehrere Internierungslager für Uigur:innen in Xinjiang dokumentiert hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://rsf.org/en/rsf-celebrates-asylum-chinese-national-who-documented-uyghur-detention-camps">Guan Heng</a> hatte 2020 sein Leben riskiert, als er einen Dokumentarfilm über die Internierungslager für Uiguren in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Provinz Xinjiang</a> drehte. Nachdem er in die USA geflohen war, um dort einen Asylantrag zu stellen, drohte Guang Heng im vergangenen August unter der Verantwortung von Beamten der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/United_States_Immigration_and_Customs_Enforcement">ICE</a>) die Abschiebung nach Uganda.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen 2017 und 2019 wurden schätzungsweise mehr als eine Million Uigur:innen ohne Anklage oder Gerichtsverfahren <a href="https://xjdp.aspi.org.au/explainers/exploring-xinjiangs-detention-facilities/">in über 380 Internierungslagern</a> – von denen sich die meisten in Xinjiang befinden – präventiv inhaftiert. Diese Lager werden als <em>„Zentren zur Transformation durch Bildung“</em> bezeichnet und sind Teil einer groß angelegten <em>„Anti-Terror“</em>-Kampagne. Diese hatte Peking nach terroristischen Anschlägen ins Leben gerufen, die uigurischen Islamist:innen zwischen 2013 und 2014 <a href="https://www.lemonde.fr/asie-pacifique/article/2014/05/20/attentats-ouigours-la-chine-confrontee-au-terrorisme-de-masse_4422114_3216.html">zugeschrieben wurden</a> und an denen die Islamische Bewegung Ostturkestans und die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Turkestan-Partei">Islamische Turkestan-Partei (TİP)</a> beteiligt waren. Der erste dieser Anschläge hatte am 28. Oktober 2013 auf dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tian%E2%80%99anmen-Platz">Tian&#8217;anmen-Platz</a> in Peking fünf Tote (darunter drei Angreifer) <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/2013_Tiananmen_Square_attack">gefordert</a>.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Uigur:innen bilden eine der 56 in China anerkannten ethnischen Gruppen, die neben der großen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Han_(Ethnie)">Han</a>-Mehrheit (etwa 92 Prozent der Bevölkerung) existieren. Sie sind <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turksprachen">turksprachig</a> und muslimischen Glaubens und ließen sich bereits im 9. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Xinjiang nieder. Dieses wurde 1759 unter der Qing-Dynastie an das Chinesische Reich angegliedert. Heute leben dort schätzungsweise 11 Millionen Uigur:innen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Whistleblower für die uigurische Sache</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2021 veröffentlichte Guan Heng ein zwanzigminütiges <a href="https://www.youtube.com/watch?v=yD0O0eHzc7M">Video auf YouTube</a>, das 18 Haftanstalten für Uigur:innen in der Provinz Xinjiang zeigt. Die Standorte stammten aus einer Karte, die Buzzfeed und das <a href="https://www.aspi.org.au/">Australian Strategic Policy Institute (ASPI)</a> gemeinsam anhand von Satellitenbildern erstellt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Aufnahmen wurden aus einem Auto heraus oder mit einer in einem Rucksack versteckten Kamera gemacht. Sie zeigen Lager am Straßenrand, die an ihren Wachtürmen und dem sie umgebenden Stacheldraht zu erkennen sind. Auf einem dieser Gebäude ist folgende Inschrift zu lesen: <em>„Reform durch Arbeit, Reform durch Kultur.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/uigurische-region-schriftsteller-perhat-tursun-veroeffentlicht-roman-aus-der-haft/">Uigurische Region: Schriftsteller Perhat Tursun veröffentlicht Roman aus der Haft</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als chinesischer Staatsbürger kann Guan Heng sich den Einrichtungen nähern, ohne Verdacht zu erregen, wie er selbst erklärt: <em>„Aufgrund der von den chinesischen Behörden auferlegten Beschränkungen haben ausländische Medienschaffende keinen Zugang zu Xinjiang.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Video erreichte so zahlreiche chinesische Internetnutzer, die VPNs nutzten. Guan Heng wurde jedoch schnell zur Zielscheibe einer Schikanekampagne, die durch die Online-Veröffentlichung seiner persönlichen Daten wie Identität, frühere Adresse und beruflicher Werdegang gekennzeichnet war. Mit Ausnahme seiner Mutter, die in Taiwan lebt, wurde seine Familie in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hainan">Provinz Hainan</a> von den Behörden verhört.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gefangen zwischen chinesischer „Demokratur“ und amerikanischem Autoritarismus</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2021 floh Guan Heng aus China und begab sich zunächst nach Hongkong, dann nach Ecuador, auf die Bahamas und schließlich nach Florida, wo er illegal in die USA einreiste. Dort stellt er einen Asylantrag, der ihm jedoch erst nach seiner Festnahme durch ICE-Beamte im vergangenen August in der Nähe von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Albany_(New_York)">Albany</a> im Bundesstaat New York, wo er wohnte, gewährt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Dezember gab ICE unter dem Druck der Zivilgesellschaft ihr Vorhaben auf, Guan Heng nach Uganda abzuschieben. Eine solche Abschiebung hätte ihn einem erhöhten Risiko transnationaler Repressionen ausgesetzt, die von Peking orchestriert werden. Diese stillschweigende Unterdrückung durch den chinesischen Staat wird weiterhin gegen Stimmen geführt, die sich für die uigurische Sache einsetzen, sowohl in China als auch im Ausland.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lager in Xinjiang als Symbol des Völkermords an den Uigur:innen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einem 2022 vom Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte veröffentlichten <a href="//www.ohchr.org/sites/default/files/documents/countries/2022-08-31/22-08-31-final-assesment.pdf">Bericht</a> sollen die meisten dieser Lager inzwischen aufgelöst worden sein. Human Rights Watch relativierte diese Aussage jedoch und schätzte, dass Mitte 2022 noch immer etwa 500.000 Menschen in Lagern inhaftiert waren und Folter oder Zwangssterilisationen ausgesetzt <a href="https://www.icij.org/investigations/china-cables/beijings-backtrack-on-xinjiang-detention-camps-spurred-by-icij-investigation-research-finds/?">waren</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/uigurische-region/dem-chinesischen-gulag-entflohen-die-geschichte-der-uigurin-gulbahar-haitiwaji/">Dem chinesischen ‚Gulag‘ entflohen: Die Geschichte der Uigurin Gulbahar Haitiwaji</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Repression erstreckt sich auch auf kulturelle und religiöse Veranstaltungen und zielt auf eine systematische Auslöschung der uigurischen Präsenz ab. Seit 2017 ließen die Behörden im Namen der Politik der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sinisierung">Sinisierung</a> der Religionen, die darauf abzielt, die Religionsausübung unter die Kontrolle der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Chinas">Kommunistischen Partei Chinas (KPCh)</a> zu stellen, fast ein Drittel der rund 15.500 Moscheen in der Region <a href="https://www.aspi.org.au/report/cultural-erasure/">zerstören</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Staaten, darunter seit 2021 auch die Vereinigten Staaten, bezeichnen diese Politik als Völkermord gemäß dem <a href="https://www.ohchr.org/fr/instruments-mechanisms/instruments/convention-prevention-and-punishment-crime-genocide">Übereinkommen zur Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948</a>. Peking weist diese Einstufung entschieden zurück und zensiert jegliche Berichterstattung zu diesem Thema in den Medien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Unterdrückung von Medienschaffenden durch die chinesische Regierung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit derzeit mindestens 121 inhaftierten Medienvertretenden ist China nach wie vor das Land, in dem weltweit die meisten Medienschaffenden inhaftiert sind. Im Weltpressefreiheitsindex 2025 von Reporter ohne Grenzen (RSF) <a href="https://rsf.org/fr/pays/chine">belegt</a> das Land Platz 178 von 180 Ländern und Gebieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar <a href="https://www.wipo.int/wipolex/fr/legislation/details/23128">garantiert</a> die Verfassung Chinas von 1982 grundsätzlich<em> „die Rede- (und) Pressefreiheit“</em>, doch werden diese Bestimmungen regelmäßig durch den Rückgriff auf das Strafprozessrecht umgangen. Peking beruft sich häufig auf Anklagepunkte wie<em> „Spionage“, „Subversion“</em> oder <em>„Anstiftung zu Streitigkeiten und Unruhen“</em>, um Dissidenten zum Schweigen zu bringen. Diese vage definierten Straftaten können zu bis zu sechs Monaten Isolationshaft als <em>„Hausarrest an einem designierten Ort“</em> führen, einer außergerichtlichen Maßnahme, bei der den Inhaftierten jeglicher Rechtsbeistand verwehrt wird und sie der Gefahr von Folter ausgesetzt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor diesem Hintergrund wird die uigurische Opposition im Exil, insbesondere der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Weltkongress_der_Uiguren">Weltkongress der Uiguren</a> unter Rebia Kadir, von den chinesischen Behörden als terroristisch bezeichnet. Auch gemäßigtere Stimmen bleiben davon nicht verschont, wie die Verurteilung des uigurischen Wissenschaftlers <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilham_Tohti">Ilham Tohti</a> zeigt, der im Jahr 2014 wegen „Staatsgefährdung“ zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Flora Le Lièvre für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/region-ouighoure/le-lanceur-dalerte-chinois-guan-heng-qui-a-filme-les-camps-de-reeduction-pour-les-ouighours-a-obtenu-lasile-aux-etats-unis/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Darmarka“: Wie Umweltaktivist:innen in Almaty alte Dinge recyclen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cabarasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Sep 2024 10:07:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[Darmarka]]></category>
		<category><![CDATA[Recycling]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Almaty, der gr&#xF6;&#xDF;ten Stadt Kasachstans, werden seit vielen Jahren regelm&#xE4;&#xDF;ig verschiedene Umweltinitiativen umgesetzt. &#x201E;Darmarka&#x201C; &#x2013; eine dieser Initiativen &#x2013; ist bereits zu einem wichtigen Bestandteil von Almatys &#xD6;kokultur der Stadt geworden. &#x201E;Darmarka&#x201C; [ein Wortspiel aus Russisch &#x201E;darit&#x201C; (geben) und &#x201E;jarmarka&#x201C; (Jahrmarkt)] ist eine Plattform zum Spenden und Tauschen gebrauchter Dinge. Auf dem &#x201E;Darmarka&#x201C; kann [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Almaty, der größten Stadt Kasachstans, werden seit vielen Jahren regelmäßig verschiedene Umweltinitiativen umgesetzt. „Darmarka“ – eine dieser Initiativen – ist bereits zu einem wichtigen Bestandteil von Almatys Ökokultur der Stadt geworden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Darmarka“ [ein Wortspiel aus Russisch „darit“ (geben) und „jarmarka“ (Jahrmarkt)] ist eine Plattform zum Spenden und Tauschen gebrauchter Dinge. Auf dem „Darmarka“ kann man auch „entrümpeln“ – man verschenkt, was man nicht braucht, und findet, was man braucht. Und das kostenlos. Alle Seiten profitieren. Darüber hinaus erhält der Gegenstand selbst ein zweites Leben, anstatt im Müll zu landen. „Darmarka“ gibt es in <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/warum-almaty-und-nicht-alma-ata/">Almaty</a> seit 2017 und wird mittlerweile monatlich durchgeführt. Bis Mitte August fanden bereits 39 „Darmarkas“ statt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der erste „Darmarka“ unter meiner Leitung fand 2019 statt. Damals kamen etwa 20 Besucher, heute sind es jedes Mal etwa 2.000“</em>, sagt Kamila Akimbekova, Öko-Influencerin und Organisatorin der „Darmarkas“. <em>„Unser Projekt ist sozial und gemeinnützig, weil wir zwei Ziele verfolgen: Umweltbildung und Hilfe für Bedürftige.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verbrauch weniger!</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Kamila Akimbekova wollen die Umweltaktivist:innen mit Hilfe von „Darmarka“ die Menschen auf das Problem des Überkonsums aufmerksam machen. Ihrer Meinung nach ist der Konsum nahezu unkontrollierbar geworden. Menschen kaufen Dinge, auch wenn sie von schlechter Qualität sind. Die Lebensdauer solcher Dinge ist kurz, darüber hinaus werden viele dieser gekauften Artikel gar nicht verwendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Kaum jemand weiß, dass die Textilindustrie eine bedeutende Rolle bei der Umweltverschmutzung spielt“</em>, fährt Kamila fort. <em>„Wir sprechen nicht nur davon, dass Dinge auf Mülldeponien landen und Müllberge bilden, was sich negativ auf die Umwelt auswirkt. Sondern wir reden auch über den Produktionsprozess selbst, wenn Farben verwendet werden, wenn Fabriken Schadstoffe in die Atmosphäre abgeben und viel Strom verbrauchen. Wir müssen auch die schlecht bezahlte Arbeit in Ländern der Dritten Welt erwähnen.“</em></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Initiative „Darmarka“ versucht den Menschen zu vermitteln, dass es besser ist, nur hochwertige Dinge zu kaufen, die sie auch tatsächlich nutzen. Wenn etwas nicht gebraucht wird, kann es an andere Menschen weitergegeben werden, wodurch weniger natürliche Ressourcen für die Herstellung unnötiger Dinge verbraucht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und was findet man auf dem „Darmarka“? Fast alles: Spielzeug, Kinderbedarf, Accessoires, Taschen, Bettwäsche, Vorhänge, Sportgeräte, Geschirr, Elektrogeräte, Bücher und mehr. Die größte Nachfrage besteht laut den Organisator:innen nach Kinderspielzeug, Kinderwagen, Hochstühlen etc. Das alles ist sofort vergriffen. Auch Schuhe sind sehr gefragt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wilde-muellkippen-in-kasachstan-warum-gibt-es-sie-und-wie-kann-man-sie-bekaempfen/"><strong>Wilde Müllkippen in Kasachstan: Warum gibt es sie und wie kann man sie bekämpfen?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die von den Besucher:innen mitgebrachten Dinge werden vorsortiert und dann zur Schau gestellt. Nicht alle Dinge finden gleich beim ersten Mal neue Besitzer:innen – nach einem „Darmarka“ bleibt immer etwas übrig. Kamila erinnert sich, dass es nach den ersten „Darmarkas“ mehrere Pakete gab, die sie selbst an gemeinnützige Stiftungen spendete. Jetzt sind noch 2-3 Tonnen an Dingen übrig, für deren Transport ein LKW benötigt wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das zweite Leben der Rohstoffe</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Aliıa Salmenova, Direktorin und Mitbegründerin der öffentlichen Stiftung Greenup.kz und der Umweltbewegung <a href="https://recyclebirge.kz/">Recycle Birge</a>, beteiligt sich ständig an der Organisation von „Darmarkas“. Die gesamte Wertstoffsammlung liegt auf ihren Schultern. Im Laufe der Jahre wurde im Rahmen von Öko-Aktionen mehr als 23 Tonnen wiederverwertbare Materialien und mehr als 10 Tonnen Kleidung für gemeinnützige Stiftungen gesammelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir haben die größte Liste recycelbarer Materialien, die in Almaty akzeptiert werden. Wir nehmen 17 verschiedene Arten an: Kunststoff mit der Markierung 1, 2, 4, 5 (die Zahlen geben die Art des Kunststoffs an – Anm. CABAR) in harter und weicher Form, Altpapier, Pappe, Aluminium, Glas, auch farbiges Glas, Dosen, Schaumstoff, Plastik, abgelaufene Medikamente, Elektroschrott, quecksilberhaltiger Abfall, gebrauchtes Pflanzenöl“</em>, listet Salmenova auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Leute in Almaty bringen vor allem Plastik, Altpapier und farbiges Glas mit. <em>„Weil niemand außer uns das akzeptiert“</em>, erklärt Aliıa Salmenova.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/tazar-recycling-initiatives-ein-interview-mit-ainura-sagyn/"><strong>Tazar Recycling Initiatives – ein Interview mit Ainura Sagyn</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Arten von wiederverwertbaren Materialien werden sofort an Verarbeiter:innen oder Handwerker:innen weitergegeben (Darmarka unterstützt 18 kreative soziale Projekte). Handwerker:innen verwenden Stoffreste, alte Knöpfe, kaputte Uhren, Geräte, kaputte Mechanismen von Regenschirmen usw. <em>„Aus kaputten Uhren wird Spielzeug für Neujahr, Schmuck und Dekorationsgegenstände hergestellt“</em>, nennt Salmenova als Beispiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus gibt es bei „Darmarka“ immer einen separaten Container zum Sammeln von Ersatzteilen aus defekten Computern. Der Freiwillige Ravil Nasifullin baut aus diesen Komponenten funktionierende Computer zusammen. Er spendet sie kostenlos an Kinder in Not. Insgesamt unterstützt „Darmarka“ vier Wohltätigkeitsorganisationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Kasachen werfen alte Bettwäsche normalerweise nicht weg, sie liegt also in Stapeln und sammelt sich jahrelang an&#8230; Bringt sie zu uns!“</em> – appelliert Aliıa. Diese Wäsche würden Tierheime gerne entgegennehmen. Sie stellen daraus Verbandmaterial und Betten für ihre Schützlinge her. Die Liste dessen, was die Aktivist:innen sammeln, wird ständig erweitert.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Langsam, aber sicher</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Organisator:innen von „Darmarka“ wollen ökologische Gewohnheiten und verantwortungsvollen Konsum in den Alltag der Bürger:innen bringen. Um dies zu erreichen, hält die Organisation Vorträge in Schulen, Universitäten, Privatunternehmen und bei städtischen Veranstaltungen. <em>„Alle Umweltschützer haben das gleiche Ziel – dass unsere Aktivitäten überflüssig werden, dass die Menschen umweltfreundlicher werden, achtsamer mit ihrem Konsum umgehen und verantwortungsvoller in ihren Entscheidungen sind. Neulich beschwerte sich einer der Besucher der „Darmarka“: Man sortiert die Sachen, bringt sie und dann sind es wieder viele. Was bedeutet das? Wir müssen den Verbrauch reduzieren und Ressourcen sinnvoll nutzen“</em>, sagt Aliıa Salmenova.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ist zuversichtlich, dass den Kasachstaner:innen bereits im Kindergarten beigebracht werden sollte, Müll zu trennen, den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern und verantwortungsvoller zu konsumieren. Kinder sind dabei die besten Motivator:innen für ihre Eltern, die sich auch an diesem Prozess beteiligen sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/entwicklung-erneuerbarer-energien-in-kasachstan-ein-interview-mit-ainur-sospanova/"><strong>Entwicklung erneuerbarer Energien in Kasachstan – ein Interview mit Ainur Sospanova</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Umweltaktivist:innen haben bereits festgestellt, dass ökologisches Denken für immer mehr Menschen zur Leitlinie wird. <em>„Bei den ersten Öko-</em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Subbotnik"><em>Subbotniks</em></a><em> (sie werden seit 2017 von Recycle Birge veranstaltet – Anm. CABAR) reagierten die Leute um mich herum so: „Die Stadtverwaltung hat dich bezahlt, komm zu mir nach Hause und räume auf.“ Die Leute haben nicht verstanden, warum wir aus eigener Initiative an Subbotniks teilnahmen. Jetzt sind wir bekannt, unsere Aktivitäten haben die Zustimmung und Unterstützung der Bürger gefunden – sie kommen selbst zu unseren Veranstaltungen. Dies ist einer der Indikatoren dafür, dass unsere Gesellschaft für die umfassende Umsetzung von Öko-Prinzipien bereit ist. Wir müssen uns nur ein wenig anstrengen“,</em> sagt Aliıa Salmenova.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Behörden haben ihre Einstellung verändert: Staatliche Organe begannen sich für das Projekt „Darmarka“ zu interessieren. Sie helfen bei der Verbreitung von Informationen, der Suche nach Veranstaltungsorten etc.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere Errungenschaft der Aktivist:innen aus Almaty besteht darin, dass das Format „Darmarka“ auch in anderen Städten übernommen wurde. <em>„Ich habe Mädels aus </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Astana"><em>Astana</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau"><em>Atyrau</em></a><em> und </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqtau"><em>Aqtau</em></a><em> beraten, die die Idee ebenfalls unterstützten und begannen, in ihren Städten „Darmarkas“ abzuhalten. Auch in </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaraghandy"><em>Qarağandy</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqtöbe"><em>Aqtöbe</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Petropawl"><em>Petropavl</em></a><em> und </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schymkent"><em>Shymkent</em></a><em> finden Aktionen statt. Letztes Jahr haben wir einen landesweiten Chat für diejenigen erstellt, die in ihren Städten „Darmarkas“ organisieren möchten. Wir sind immer offen und bereit, anderen zu helfen“,</em> versichert Kamila Akimbekova.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Marina Hegaı für CABAR</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://cabar.asia/ru/zachem-kazahstanskie-ekologi-sobirayut-starye-veshhi-gorozhan"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Kirgistan schiebt einen weiteren russischen Aktivisten nach Moskau ab</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Dec 2023 17:36:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Abschiebung]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Flucht]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg in der Ukraine]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die L&#xE4;nder Zentralasiens helfen Russland bei der Verfolgung Oppositioneller. Immer wieder werden Antikriegsaktivist:innen nach Russland abgeschoben. Nachdem Lew Skorjakin in der Nacht vom 16. auf den 17. Oktober in Kirgistan verschwand, tauchte er am 3. November in einem Gef&#xE4;ngnis in Moskau wieder auf. Das berichtet Memorial. Zwei Wagen waren an seinem Wohnsitz in Bischkek vorgefahren. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Länder Zentralasiens helfen Russland bei der Verfolgung Oppositioneller. Immer wieder werden Antikriegsaktivist:innen nach Russland abgeschoben.</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem Lew Skorjakin in der Nacht vom 16. auf den 17. Oktober in Kirgistan verschwand, tauchte er am 3. November in einem Gefängnis in Moskau wieder auf. Das berichtet <a href="https://memopzk.org/news/pohishhennogo-v-kyrgyzstane-aktivista-lva-skoryakina-vyvezli-v-moskvu-i-pytali-v-sizo-2/">Memorial</a>. Zwei Wagen waren an seinem Wohnsitz in Bischkek vorgefahren. Die Personen, die sich als Beamte der Abteilung für strafrechtliche Ermittlungen der kirgisischen Polizei ausgaben, brachten ihn an einen unbekannten Ort, von wo er am nächsten Tag mit dem Flugzeug nach Moskau ausgeflogen wurde. Dort wurde Skorjakin dann, laut Memorial, gefoltert und zwei Wochen lang in Untersuchungshaft festgehalten, ohne dass ein Verfahren gegen ihn eröffnet wurde.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Skorjakin war als Aktivist der Bewegung „<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Left_Bloc_(Russia)">Linksblock</a>“ ins Visier der russischen Behörden geraten. Die Gruppe engagiert sich unter anderem gegen den Krieg, den Russland in der Ukraine begonnen hat. Laut <a href="https://www.svoboda.org/a/rossiyskiy-aktivist-pohischennyy-v-bishkeke-zayavil-ob-izbienii-fsb/32678289.html">Radio Svoboda</a>, dem russischen Dienst von Radio Free Europe, wird Skorjakin die Beteiligung an einer Demonstration im Dezember 2021 vor dem Büro des russischen Geheimdiensts FSB vorgeworfen, während der er ein Transparent mit der Aufschrift „<em>Frohen Tscheka Tag</em>“ getragen haben soll (die 1917 gegründete und 1922 aufgelöste Tscheka war die erste mit der brutalen Verfolgung politischer Oppositioneller betraute Organisation der Bolschewiki). Bereits im März 2020 war er bei einer <a href="https://ovd.info/express-news/2020/06/03/v-moskve-u-posolstva-ssha-zaderzhali-uchastnikov-levogo-bloka">Protestaktion</a> vor der amerikanischen Botschaft festgenommen worden, weil er ein „Justice for George Floyd“-Spruchband aufgehangen hatte. Im Januar 2021 kam es im Zuge einer <a href="https://ovd.info/news/2021/01/31/spisok-zaderzhannyh-na-akcii-v-podderzhku-alekseya-navalnogo-31-yanvarya-2021-goda">Solidaritätsveranstaltung</a> für Aleksej Nawalny zu einer erneuten Inhaftierung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verhaftungen russischer Oppositioneller nehmen zu</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verhaftung von Lew Skorjakin ist kein Einzelfall: Die russische Staatsmacht geht immer härter gegen Oppositionelle vor, auch außerhalb Russlands. Bereits im Juni lieferte Kirgistan den Antikriegsaktivisten <a href="https://rus.azattyk.org/a/32448088.html">Alexej Rojkow</a> nach Russland aus. Ebenfalls im Juni wurde <a href="https://t.me/sotaproject/60655">Aljona Krylowa</a>, die ehemalige Pressesprecherin der russischen Gruppe „Für die Menschenrechte“, in Bischkek festgenommen. Aufgrund ihrer Beteiligung an der Bewegung „Linker Widerstand“ wird ihr von Russland Extremismus vorgeworfen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/geflohene-russische-aktivistinnen-in-kirgistan-festgenommen/"><strong>Geflohene russische Aktivist:innen in Kirgistan festgenommen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im Zuge der russischen Emigration entstandene Organisationen sind in Kirgistan Repressionen ausgesetzt: <a href="https://www.instagram.com/p/Cy2N8UsoeSb/?img_index=1">Rubezh</a>, ein 2022 gegründetes Künstler:innenkollektiv, dem viele Geflüchtete angehören, hat wegen der intensivierten Zusammenarbeit zwischen Russland und Kirgistan bei der Verfolgung Oppositioneller und Kriegsdienstverweigerer seinen Sitz nach Georgien verlegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleiches gilt für Red Roof. Das Kollektiv bot Unterkünfte für Bedürftige an, insbesondere für Russen, die vor der Mobilisierung geflohen sind. Die kirgisischen Behörden überwachten die Mitglieder der Gruppe und drohten ihnen mit der Ausweisung.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Krieg in der Ukraine als Katalysator</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 haben die Verhaftungen und Auslieferungen russischer Aktivist:innen in Kirgistan erhöhte Aufmerksamkeit erhalten. Im Gespräch mit Novastan sagte uns ein Experte, der anonym bleiben möchte, dass „<em>Russland einige Zeit gebraucht hat, um zu reagieren und Druck auf die kirgisischen Behörden auszuüben</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zahlreiche Vereinigungen in und außerhalb Russlands haben sich gegen den Krieg positioniert. Russischen Aktivist:innen und denjenigen, die vor der Mobilisierung flohen, wurde Unterstützung entgegengebracht. Doch erst seit Ende 2022 (nach Ankündigung der Teilmobilmachung in Russland) kam es, dem erwähnten Experten zufolge, zu Repressionen, um potentielle Deserteure abzuschrecken und die Bildung regierungskritischer Gruppen in der russischen Einflusssphäre zu verhindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das erklärt sowohl die Verhaftungen linker Oppositioneller wie Aljona Krylowa oder Lew Skorjakin als auch die Schwierigkeiten, mit denen die Organisationen zu kämpfen haben, die sich gegen den Krieg positionieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vertiefte Zusammenarbeit zwischen Kasachstan, Kirgistan und Russland</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zahl der Verhaftungen in Kirgistan erklärt sich, laut dem Experten, auch dadurch, dass Kirgistan und Kasachstan mehr fliehende Russ:innen anziehen als die anderen Länder in der Region, die als autoritärer und repressiver wahrgenommen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-ziel-fuer-russinnen-auf-der-flucht/"><strong>Kirgistan: Ziel für Russ:innen auf der Flucht</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Beide Staaten bedienen sich verschiedener Instrumente, um die Fluchtbewegungen unter ihre Kontrolle zu bringen. Dazu gehört die Anwendung von Überwachungstechnologien: Mit dem euphemistisch „<a href="https://cabar.asia/en/how-road-conditions-in-bishkek-have-changed-after-the-implementation-of-safe-city-project#:~:text=In%20February%202019%2C%20the%20Ministry,and%20ensure%20safety%20of%20citizens.">Safe City</a>“ genannten Projekt hat Kirgistan ein umfassendes, von russischen und chinesischen Unternehmen entwickeltes Überwachungssystem im öffentlichen Raum implementiert. Wie die russische Nachrichtenagentur <a href="https://tass.ru/proisshestviya/17992237">TASS</a> berichtet, werden dabei neuerdings auch Gesichtserkennungsverfahren genutzt. <a href="https://www.rferl.org/a/china-kazakhstan-technology/30223745.html">Radio Free Europe</a> weist auf die Ausweitung der Gesichtserkennung im öffentlichen Raum auch in Kasachstan hin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer dieses Jahres hat Kirgistan zudem beschlossen, einem multilateralen Abkommen mit Russland und Kasachstan über den Austausch personenbezogener Daten der sich innerhalb ihrer Staatsgrenzen aufhaltenden Menschen beizutreten, schreibt <a href="https://www.themoscowtimes.com/2023/06/22/kazakhstan-and-kyrgyzstan-to-share-data-with-moscow-on-anti-war-russians-conscripts-a81594">The Moscow Times</a>. Das Abkommen ermöglicht den Geheimdiensten der drei Länder den Zugang zu persönlichen Adressen, Informationen über Zweitwohnsitze, die berufliche Tätigkeit oder das Strafregister der Bürger:innen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das französische, auf geheimdienstliche Aktivitäten spezialisierte Nachrichtenportal <a href="https://www.intelligenceonline.com/government-intelligence/2022/02/15/guided-by-the-fsb-nur-sultan-and-moscow-forge-closer-links,109734233-art">Intelligence Online</a> erinnert daran, dass der FSB immer noch einen gewissen Einfluss in Kasachstan und Kirgistan hat. Das neue Abkommen wird diesen Einfluss wohl eher noch vergrößern.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Kiana Meghdadi, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/kirghizstan/kirghizstan-continue-dexpulser-militants-russes-vers-moscou/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Lucas Kühne</strong></p>


<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>
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		<title>&#8222;Mir wurde gesagt, ich sei eine Schande für Kasachstan&#8220;: LGBTQ+-Menschen über den Druck der kasachstanischen Gesetzeshüter </title>
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		<dc:creator><![CDATA[masamedia]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Sep 2023 05:39:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTQ]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Repression]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Verfassung der Republik Kasachstan gilt als demokratisch. Ehre, W&#xFC;rde, Rechte und Freiheiten aller B&#xFC;rger stehen unter staatlichem Schutz. Das Leben lesbischer, schwuler, bisexueller, transgender und queerer (LGBTQ+) Menschen in Kasachstan gestaltet sich jedoch nach wie vor schwierig. In der Praxis sind LGBTQ+-Personen in Kasachstan nicht nur mit rechtlichen Einschr&#xE4;nkungen konfrontiert, sondern auch mit F&#xE4;llen [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Verfassung der Republik Kasachstan gilt als demokratisch. Ehre, Würde, Rechte und Freiheiten aller Bürger stehen unter staatlichem Schutz. Das Leben lesbischer, schwuler, bisexueller, transgender und queerer (LGBTQ+) Menschen in Kasachstan gestaltet sich jedoch nach wie vor schwierig. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Praxis sind LGBTQ+-Personen in Kasachstan nicht nur mit rechtlichen Einschränkungen konfrontiert, sondern auch mit Fällen von Gewalt und Diskriminierung durch Strafverfolgungs- und andere Sicherheitsbehörden. Obwohl Aktivisten und Menschenrechtsverteidiger solche Fälle dokumentieren, bleibt es schwierig, die Rechte derer zu schützen, die von den Behörden verfolgt werden. Ausgerechnet von denen, von denen die Bürger normalerweise Schutz erwarten. Nach einem kurzen Abriss über die gesetzliche Lage zur Sicherheit der queeren Community in Kasachstan werden in diesem Artikel die Geschichten von drei queeren Personen beleuchtet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie die Regierung LGBTQ+-Menschen in Kasachstan behandelt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">2022 verabschiedete Russland ein <a href="https://www.morgenpost.de/politik/article237103949/russland-putin-gesetz-lgtbq-propaganda-homophobie.html">Gesetz</a><strong>,</strong> das &#8222;LGBTQ+-Propaganda&#8220; für Menschen aller Altersklassen verbietet. Auf diese Weise wurde der Zugang zu Informationen über von der Norm abweichende sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität abermals eingeschränkt. Ähnliche Vorschläge wurden auch von der Regierung Kasachstans gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der kasachstanische Abgeordnete Ardak Nasarow sagte im April dieses Jahres, die LGBTQ+-Ideologie ziele darauf ab, <em>„jahrhundertealte Traditionen und nationale Werte des kasachischen Volkes zu zerstören&#8220;</em>. Der Abgeordnete schlug vor, nach dem Vorbild der Russischen Föderation Informationen zu verbieten, die gleichgeschlechtliche Ehen und Geschlechtsumwandlungen propagieren.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">2018 hatte Kasachstan bereits versucht, ein Verbot von &#8222;LGBTQ+-Propaganda&#8220; mithilfe eines Gesetzes des Informationsministeriums der Republik Kasachstan einzuführen. Dank kasachstanischer Aktivisten und Menschenrechtsverteidiger wurde dies unterbunden. In Kasachstan gibt es aktuell keine spezifischen Gesetze zum Schutz von LGBTQ+-Personen. Behörden wie die Polizei oder andere Sicherheitsbeamte versäumen es oft, Angriffe auf LGBTQ+-Menschen und diejenigen, die ihre Rechte verteidigen, zu verhindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So organisierte die kasachstanische feministische Initiative <a href="https://www.instagram.com/feminita_kz/">Feminita </a>im Jahr 2021 eine Veranstaltung über die Rechte von lesbischen, bisexuellen, queeren und transsexuellen Frauen in Shymkent im Südwesten Kasachstans. Die Veranstaltung musste in ein benachbartes Café verlegt werden. Laut Janar Sekerbajewa, Mitbegründerin der Initiative, befanden sich in diesem bereits sowohl Polizisten als auch aggressive uniformierte Männer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine unbekannte Gruppe von Männern begann, die Aktivistinnen zu beleidigen. Schlussendlich war es jedoch Sekerbajewa<strong>,</strong> die von der Polizei festgenommen wurde. Die aggressiven Männer halfen den Ordnungskräften und schlugen dabei auf die Mitbegründerin von Feminita ein. Das Versäumnis von Regierungsvertretern, Bürger bei Angriffen zu schützen, bestärkt nicht nur aggressive Menschen in ihrem Gefühl, dass ihr Verhalten keine Sanktionen nach sich zieht.&nbsp; Es verhindert auch Fortschritte auf dem Weg zur Gleichberechtigung aller Bürger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://www.devex.com/organizations/eurasian-coalition-on-health-rights-gender-and-sexual-diversity-ecom-151937">Eurasian Coalition on Health, Rights, Gender and Sexual Diversity (ECOM)</a> registrierte im Jahr 2022 in Kasachstan 31 Fälle von Verletzungen der Rechte von LGBTQ+-Personen. Diese standen oft in Zusammenhang mit extremer Gewalt. Dies liegt dem Bericht der Organisation zufolge an der Diskriminierung durch die Strafverfolgungsbehörden. Hierbei handelt es sich, genauer gesagt, um Erpressung, darunter auch durch &#8222;gefälschte Daten&#8220;.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte von Sabine (geänderter Name)</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die junge Transgender-Frau Sabine veröffentlichte letztes Jahr einen Beitrag über einen jungen Mann, der ihr einen Heiratsantrag machte. Sie willigte ein und postete bald darauf ein Video einer kasachischen Hochzeitszeremonie. In den Kommentaren wurde Sabine daraufhin beleidigt und bedroht. Im Sommer 2022 war die junge Frau Zeugin von Belästigung geworden. Als sie mit einem Freund in einem Restaurant zu Abend aß, versuchten Unbekannte ihn in ein Auto zu zerren. Sabine versuchte ihn zu verteidigen. Die Szene wurde aufgenommen und zum Anlass für öffentliche Beleidigungen und Erniedrigungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Männer, die uns angegriffen hatten, meinten, wir dürften die nationale Kleidung nicht tragen und keine Hochzeitsfeier organisieren. Einer von ihnen beleidigte mich heftig mit </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Russischer_Mat">Mat-<em>Wörtern</em></a> (russ. Fluchsprache, Anm. des Übersetzers)<em> vor allen anderen.</em>“ Später kam heraus, dass er in den sozialen Netzwerken verbreitet hatte, was zu tun wäre, um sie und ihren Freund für ihr Verhalten zu bestrafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/der-schwierige-kampf-der-lgbt-aktivistinnen-in-kasachstan-und-kirgistan/">Der schwierige Kampf der LGBT+-Aktivist:innen in Kasachstan und Kirgistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sabine rief die Polizei. Diese traf zehn Minuten später ein und nahm die Konfliktparteien nach kurzer Anhörung mit aufs Revier. <em>„Wir kamen um 21:00 Uhr an. Es wurden keine Protokolle erstellt, uns wurde nur gesagt, dass wir im Hof warten sollten. Dort waren aber die, die uns verprügeln wollten, also sind wir wieder zurück in das Gebäude gegangen. Meinen Wunsch, eine Aussage zu machen, haben sie einfach ignoriert&#8220;</em>, sagte die junge Frau. Als Sabine einige Stunden später auf die Straße ging, begegnete sie den Angreifern erneut. Sie verlangten von ihr, das Hochzeitsvideo aus den sozialen Medien zu entfernen. <em>&#8222;Sie hat Schande über die kasachische Kultur gebracht&#8220;</em>, hieß es.</p>



<p class="wp-block-paragraph"> <em>„Auch die Polizeibeamten, die mit uns auf der Straße waren, waren gleicher Ansicht und stiegen mit ein. Sie demütigten mich, stellten mir persönliche, beleidigende Fragen, fragten mich, „was ich unter meinem Kleid trage“, &#8222;wer von uns Mann und wer Frau ist&#8220;. Sie forderten auch, ich solle „ein Mann werden und Kasachstan keine Schande bereiten&#8220;</em>, so Sabine. Die Täter drohten Sabine und ihre Freundinnen in Anwesenheit der Polizisten mit härterer Gewalt. Aus Angst um ihre eigene Sicherheit willigte sie schließlich ein, das Video zu löschen. <em>„Die Polizei hörte nicht auf, uns gradeheraus zu beleidigen. Wir sollten uns öffentlich vor der Kamera dafür entschuldigen, dass wir die Traditionen Kasachstans angeblich beleidigt hätten. Die Täter drohten mir vor den Augen der Polizei ganz offen, dass sie mir die Kehle aufschlitzen würden, sobald ich das Tor verlasse, wenn ich dieser Forderung nicht nachkäme. Die Polizei zeigte darauf keinerlei Reaktion&#8220;</em>, so die junge Frau.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Sie riefen zu Mord, brutaler Gewalt und Vergewaltigung auf. Sie zwangen mich, meine Passdaten, mein Geburtsjahr und meine Geschlechtsidentität offen zu nennen. Das alles unter dem demütigenden Geschrei der Menge. Ich musste darauf eingehen, weil ich Angst um mein Leben und das Leben meiner Freunde hatte. Die Polizei hat mit ihrem Verhalten deutlich gemacht, dass wir von ihr nicht geschützt werden&#8220;</em>, so Sabine. Einer der Täter rief in den sozialen Medien dazu auf, zur Polizeiwache zu kommen, um &#8222;Sabine zu bestrafen&#8220;. Nach Angaben der Frau führten die Polizeibeamten sie zu einer wütenden Menge von etwa 50 Männern. Fast jeder von ihnen filmte Sabine mit seinem Handy und schrie dabei beleidigende und erniedrigende Worte in die Kamera.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-2030-lgbt-in-zentralasien/">Zentralasien 2030: LGBT in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dieser Belästigung wurde die junge Frau auf die Polizeiwache gebracht, um &#8222;eine Erklärung zu verfassen&#8220;. Dem Opfer wurde verweigert, Anzeige gegen die Täter zu erstatten. Sabine und ihre Freunde wurden in der Nacht freigelassen, als sich die Menge auflöste. <em>&nbsp;„Ich musste aus der Stadt verschwinden. Es ging mir furchtbar. Ich erhielt ständig Anrufe mit Gewalt- und Morddrohungen. Der Haupttäter verlangte, dass ich alle meine Social-Media-Seiten lösche&#8220;</em>, erzählt Sabine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sabine speicherte Beweise in Form von Audio- und Videoaufnahmen sowie Screenshots der Chats mit dem Täter auf. Damit wandte sie sich an die Menschenrechtsinitiative TransDocha, die Transgender-Personen in Kasachstan unterstützt. Diese half ihr, eine Beschwerde beim Leiter der Bezirkspolizei einzureichen, deren Beamte sich an der Belästigung beteiligt hatten. Kurze Zeit später beschloss Sabine, den Antrag aus Angst zurückzuziehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Geschichte von Mila</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mila ist eine transsexuelle Frau und als Sexarbeiterin tätig. Im Januar dieses Jahres betraten Polizisten ihre Wohnung. Um Zugang zu ihrer Wohnung zu erhalten und diese im Anschluss zu beschädigen, gaben sie sich laut Mila als Kunden aus. <em>„Sie drohten mir mit Geldstrafen in Höhe von 1.035.000 Tenge </em>(etwa 2000 Euro; Anm. des Übersetzers) <em>und sagten: &#8222;Wir werden alles finden, was wir von Ihnen wollen&#8220;. Einer der Polizisten schnappte sich mein Telefon und fotografierte die Nummer der Vermieterin meiner Wohnung ab. Ich hatte Angst, rausgeschmissen zu werden&#8220;</em>, sagte die Frau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Polizist, so Mila, habe auch seine Anrufe gelöscht, weshalb sie sich nicht mehr an seine Nummer erinnern konnte. Das Pfefferspray, das sie zur Sicherheit bei sich trug, nahm er ihr ab.<em> „Die Polizisten standen im Gang und verlangten Geld von mir. Ich wartete bis zum nächsten Morgen in der Angst, rausgeworfen zu werden. Sie wollten nicht gehen, sprachen in ihre unangenehm lauten Funkgeräte und hielten die Tür auf, während sie mir Drohungen entgegenschrien. Schließlich musste ich ihnen 200 Dollar zahlen&#8220;,</em> erzählte Mila.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die junge Frau teilte mit, dass Polizeibeamte regelmäßig zu ihr kämen und oft erst verschwänden, wenn sie von ihr Geld erhalten haben. Mila vermutet, dass die Drohungen mit der Sexarbeit zusammenhängen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Einmal fand die Polizei auf rätselhafte Weise 5 Gramm weißer Substanz in einer Tasche in meinem Auto. Die war vorher nicht dort gewesen. Die Ergebnisse des anschließenden Drogentests wiesen auf geringe Mengen von </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cannabidiol">Cannabidiol</a><em> in meinem Blut hin. Ich weiß, dass es nichts mit weißen und losen Substanzen zu tun hat, aber das Gegenteil konnte ich auch nicht beweisen.“</em> Milas Geschichte wurde auf Instagram von <a href="https://www.instagram.com/transdocha/"><em>TransDocha</em></a> veröffentlicht, einer Initiative, die transsexuelle Sexarbeiterinnen in Kasachstan unterstützt. <em>„Ich habe beschlossen, alles zu erzählen, um wenigstens eine Schwester zu retten&#8220;, </em>so Mila.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte von Alexander (Name geändert)</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Leiter einer NRO, die LGBTQ+-Menschen in einer Region Kasachstans unterstützt, berichtet von kasachstanischen Sicherheitskräften, die seine Organisation während Veranstaltungen überwachten. „<em>Das erste, was uns auffiel waren ausländische Autos vor dem Büro. Sie waren jedes Mal da, wenn wir Mitgliederversammlungen abhielten. Die Lichter im Auto waren aus. Hinten waren die Scheiben getönt und vorne saß ein Typ mit einer Mütze. Sie hatten gleich neben dem Eingang zu unserem Büro geparkt, damit sie sehen konnten, wer hereinkam&#8220;,</em> sagt Alexander.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast täglich standen diese Autos vor dem Büro. Grund dafür war eine angeblich “mündlich überbrachte Beschwerde“.<em> „Das ist ein sehr kluger Schachzug der Polizei. Mir wurde gesagt, dass der Verdacht bestehe, dass sich bei uns religiöse </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wahhabiten">Wahhabiten</a><em> befänden. Ich stimmte einer Überprüfung der Räumlichkeiten zu. Als sie mir noch mehr Fragen stellen wollten, bat ich sie, zu gehen&#8220;</em>, so Alexander weiter. Ein anderer Fall verlief weniger ruhig. Eines Tages stürmten zwei Polizisten in das Gebäude, in dem sich das Büro der NRO befindet. Alexander war zu diesem Zeitpunkt nicht vor Ort. Nach Angaben seiner Mitarbeiter durchsuchten die Polizisten die Räumlichkeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/berge-mit-schmerzhafter-geschichte/">Berge mit schmerzhafter Geschichte</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Damals haben wir Menschen aus Russland, die nach der </em><a href="https://www.zdf.de/nachrichten/politik/mobilmachung-reservisten-ukraine-krieg-russland-100.html"><em>Teilmobilisierung</em></a><em> kamen, eine befristete Aufenthaltsgenehmigung erteilt. Unter ihnen waren sowohl LGBTQ+-Personen als auch Heterosexuelle. Die Polizeibeamten, die in das Gebäude einbrachen, verlangten von allen Anwesenden Dokumente. Sie schrien:</em> <em>&#8222;Wir sind hier die Behörden, ihr habt uns zu gehorchen&#8220;“</em>, erzählte Alexander. Kurze Zeit später meldete sich der Bezirksinspektor über WhatsApp beim Leiter der NRO. Er verlangte, dass Alexander die Daten aller Personen mitteilt, denen er Unterkunft gewährt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der junge Mann beschloss, nach einem Gespräch mit dem Polizeibeamten über den <a href="https://eotinish.kz/kk">e-Otinish-Dienst</a> eine Beschwerde bei seinen Vorgesetzten einzureichen. Zunächst unternahm die Polizei nichts, außer den üblichen &#8222;Antworten&#8220;. Nach Alexanders dritter Beschwerde kontaktierte ihn ein Polizeichef und entschuldigte sich. <em>„Ich wandte mich an andere Menschenrechtler, um ihnen von dem Vorfall zu berichten. Sie waren überrascht, dass die Polizei ihren Fehler zugegeben und sich entschuldigt hatte. Daraufhin beantragten wir einen Zuschuss bei einer Organisation, die sich für den Schutz von Menschenrechtlern und Aktivisten einsetzt. Die von ihnen erhaltenen Gelder steckten wir in die Anbringung von Kameras und einer Magnettür. Danach hörte die Überwachung auf&#8220;,</em> so Alexander.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><em>Diese Reportage wurde mit Unterstützung von <a href="https://unit.n-ost.org/">Unit</a>, einem Netzwerk von LGBTIQ+-Journalisten und Aktivisten, erstellt.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aidar Elkeev </strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><br></p>
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		<title>Bürgerrechtlerin Tatyana Chernobil: &#8222;Friedliche Demonstrierende von der marodierenden Menge trennen&#8220;</title>
		<link>https://novastan.org/de/kasachstan/buergerrechtlerin-tatyana-chernobil-wir-muessen-die-friedlichen-demonstrantinnen-klar-von-dieser-raeuberischen-marodierenden-menge-trennen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[akozhakhmetova]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Jan 2022 19:19:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Protest]]></category>
		<category><![CDATA[Stimmen aus Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>STIMMEN AUS KASACHSTAN. Nachdem die schweren Unruhen in Almaty Kasachstan ersch&#xFC;ttert haben, versuchen die Medien des Landes, die Situation nach und nach zu analysieren. Vlast sprach mit der Aktivistin Tatyana Chernobil &#xFC;ber ihre rechtliche Einsch&#xE4;tzung der Vorkommnisse. Das kasachstanische Nachrichtenportal Vlast hat eine Artikelserie gestartet, in der verschiedene Spezialist:innen die Januar-Ereignisse reflektieren, deren Folgen prognostizieren [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/buergerrechtlerin-tatyana-chernobil-wir-muessen-die-friedlichen-demonstrantinnen-klar-von-dieser-raeuberischen-marodierenden-menge-trennen/">Bürgerrechtlerin Tatyana Chernobil: &#8222;Friedliche Demonstrierende von der marodierenden Menge trennen&#8220;</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>STIMMEN AUS KASACHSTAN. Nachdem die schweren Unruhen in Almaty Kasachstan erschüttert haben, versuchen die Medien des Landes, die Situation nach und nach zu analysieren. <a href="https://vlast.kz/obsshestvo/48102-tatana-cernobil-pravozasitnica-nuzno-cetko-otdelit-mirnyh-protestuusih-ot-vot-etoj-banditstvuusej-maroderstvuusej-tolpy.html">Vlast </a>sprach mit der Aktivistin Tatyana Chernobil über ihre rechtliche Einschätzung der Vorkommnisse.</strong><em> </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das kasachstanische Nachrichtenportal Vlast hat eine Artikelserie gestartet, in der verschiedene Spezialist:innen die <a href="https://novastan.org/de/tag/proteste-in-kasachstan-2022/">Januar-Ereignisse</a> reflektieren, deren Folgen prognostizieren und Lösungen formulieren, um aus der politischen Krise herauszukommen. Weitere dieser STIMMEN AUS KASACHSTAN findet ihr <a href="https://novastan.org/de/tag/stimmen-aus-kasachstan/">hier</a></em>. Nazerke Kurmangazinova sprach mit der Menschenrechtsaktivistin Tatyana Chernobil.<em> </em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Können Sie die Aktionen der Demonstrierenden in Kasachstan und den Widerstand gegen staatliche Stabilisierungsmaßnahmen rechtlich bewerten?</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Während am 3. und 4. Januar sowie am Morgen des 5. Januar die Aktionen der Demonstrierenden friedlich verliefen, kam es am Abend des 5., 6. und 7. Januar zu Plünderungen und Raubüberfällen. Aber hier müssen wir die friedlichen Demonstrierenden klar von diesem räuberischen, marodierenden Mob trennen. Das ist die Aufgabe, vor der der Staat jetzt steht. Es ist notwendig, die Aktionen der friedlichen Demonstrierenden klar von den Aktionen derjenigen zu trennen, die kriminelle Handlungen begangen haben.

</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Wir werden sehen, wie dies geschehen wird. Ich möchte sicherstellen, dass der Staat aus rechtlicher und menschenrechtlicher Sicht weiß, wie wichtig es ist, diese Unterscheidungen zu treffen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich das Vorgehen des Staates nicht rechtlich bewerten &#8211; es gibt nur sehr wenige Informationen. So wissen wir beispielsweise nicht, ob die Inhaftierten Zugang zu einem Rechtsbeistand haben.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Wie sehr hat sich die Menschenrechtslage während der Proteste verändert?</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Auch hier gibt es nicht genügend zuverlässige Informationen. Wir wissen, dass die Menschen am 5. Januar den Platz der Republik erreichten, dort auf Absperrungen der Sicherheitskräfte trafen und es zu Konfrontationen kam. Ob sie von den Demonstrierenden provoziert oder von den Sicherheitskräften ausgelöst wurden, wissen wir noch nicht genau.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Das Wichtigste ist, dass die Aktionen der Demonstrierenden friedlich waren. Es geht vor allem darum, sicherzustellen, dass die Demonstrierenden friedlich handelten und, falls sie darüber hinausgingen, inwieweit dies zu einer Reaktion der Sicherheitskräfte geführt haben könnte. Die Reaktion musste absolut verhältnismäßig und den stattfindenden Aktionen angemessen sein, auch wenn diese nicht friedlich waren. Die Antwort musste angemessen sein und dem entsprechen, was aus der Menge kam.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Wie wird sich Kasachstan nach der Krise im Januar im Hinblick auf die Menschenrechte verändern?</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Hier können wir nur raten und hoffen, dass Kasachstan seinen internationalen Menschenrechtsverpflichtungen und dem, was in unserer eigenen Verfassung und Gesetzgebung steht, treu bleiben wird. Natürlich war es sehr beunruhigend, heute [der Originalartikel erschien am 11. Januar, Anm . d. Red.] den Präsidenten <a href="https://akorda.kz/ru/vystuplenie-glavy-gosudarstva-kk-tokaeva-na-zasedanii-mazhilisa-parlamenta-respubliki-kazahstan-1104414">sagen</a> zu hören, dass Demokratie nichts mit Freizügigkeit zu tun hat und dass die Redefreiheit mit Bedacht ausgeübt werden sollte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es bleibt nur noch abzuwarten, wie sich dies auf die Redefreiheit, die freie Meinungsäußerung mit friedlichen Mitteln und andere Menschenrechte auswirken wird. Aus diesem Grund kann ich derzeit keine Vorhersagen machen &#8211; wir beobachten die Ereignisse noch und sammeln und dokumentieren weiterhin Informationen. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Mit Tatyana Chernobil sprach Nazerke Kurmangazinova, Vlast</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://vlast.kz/obsshestvo/48102-tatana-cernobil-pravozasitnica-nuzno-cetko-otdelit-mirnyh-protestuusih-ot-vot-etoj-banditstvuusej-maroderstvuusej-tolpy.html">Russischen </a>übersetzt von Aigerim Kozhakhmetova </strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<item>
		<title>AktivistInnen in Bischkek für die Wiederbelebung des Planetariums</title>
		<link>https://novastan.org/de/kirgistan/aktivistinnen-in-bischkek-fuer-die-wiederbelebung-des-planetariums/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Rapp]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Jan 2021 15:40:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Urbanität]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein leerstehendes Planetarium im Zentrum Bischkeks wird zu einem Ort eines zivilgesellschaftlichen Kampfes um Bildung, Wissenschaft und Gemeinschaft. B&#xFC;rgerInnen der kirgisischen Hauptstadt verklagen den Staat f&#xFC;r die Privatisierung der Einrichtung und widersetzen sich so der zunehmenden Kommerzialisierung des urbanen Raumes. Inmitten von Bischkek schreibt ein verlassenes rundes Geb&#xE4;ude mit einer Kuppel ein St&#xFC;ck der Naturwissenschaftsgeschichte [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein leerstehendes Planetarium im Zentrum Bischkeks wird zu einem Ort eines zivilgesellschaftlichen Kampfes um Bildung, Wissenschaft und Gemeinschaft. BürgerInnen der kirgisischen Hauptstadt verklagen den Staat für die Privatisierung der Einrichtung und widersetzen sich so der zunehmenden Kommerzialisierung des urbanen Raumes.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inmitten von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bischkek">Bischkek </a>schreibt ein verlassenes rundes Gebäude mit einer Kuppel ein Stück der Naturwissenschaftsgeschichte Zentralasiens. Dieses Bauwerk war bis in die 1980er-Jahre hinein das <a rel="noreferrer noopener" href="http://library.fes.de/pdf-files/bueros/bischkek/11554.pdf" target="_blank">einzige Planetarium der Region</a>. Mit dem Zerfall der Sowjetunion und der darauffolgenden Welle von Privatisierungen wurde auch das einstige Planetarium verkauft und steht seither weitgehend leer.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="640" height="359" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Mittel.png" alt="" class="wp-image-25123" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Mittel.png 640w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Mittel-300x168.png 300w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption>Das Planetarium in seinem heutigen Zustand Quelle: <a href="https://www.facebook.com/bishkekplanetarium/?ref=page_internal" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook / Bishkek Planetarium</a></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Doch rund 25 Jahre später fasst eine Gruppe BischkekerInnen den Entschluss, das Planetarium wieder zu beleben. Sie organisierten sich, gründeten eine Initiative, suchten sich Unterstützung und gehen nun juristisch gegen die Privatisierung vor. Im September des vorherigen Jahres schienen sie mit ihrem Anliegen Erfolg zu haben. Die finale Entscheidung über die Zukunft des Bischkeker Planetariums trifft am 25. Januar der Oberste Gerichtshof Kirgistans.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die AktivistInnen Ataj Samyjbek, Nargisa Taschiewa und Dschyldysaj Turdubekowa erzählen von den Anfängen: „<em>Unsere Initiative hat sich 2018 gegründet. Bei einem Treffen unter Freunden unterhielten wir uns über den Mangel an öffentlichen Freizeitangeboten und im Zuge dessen kam auch das Bischkeker Planetarium zur Sprache.</em>“ Die drei erzählen davon, dass sie selbst schon Planetarien in anderen Ländern besucht haben. Diese Erfahrungen weckten in ihnen die Idee, das Planetarium in ihrer Heimatstadt wiederaufzubauen. Um ihr ambitioniertes Vorhaben erfolgreich umzusetzen, waren die unterschiedlichen Berufe der AktivistInnen ausschlaggebend: „<em>Dschyldysaj Turdubekowa hat als Juristin offizielle Anfragen an das Staatsarchiv oder das Rathaus gerichtet. Der Städteplaner Ataj Samyjbek studierte die städtebauliche Planung und Dokumentation Bischkeks</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine beliebte Bildungsstätte</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf diese Weise begaben sie sich auf die geschichtlichen Spuren des Planetariums. „<em>Das Frunsenskij Planetarium </em>(bis 1991 hieß Bischhkek Frunse, Anm. d. Red.)<em> wurde 1974 eröffnet. Aus der Deutschen Demokratischen Republik wurden dazu hochmoderne Geräte hergebracht. Unseren Recherchen zufolge haben zwischen 1974 und 1982 ungefähr 600 000 Menschen das Planetarium besucht.</em>“, berichten die GründerInnen der Initiative. Die Hauptattraktion stellte dabei das Auditorium dar. Hier konnte der Sternenhimmel in die Kuppel des Gebäudes projiziert werden. Zudem verfügte die Einrichtung über einen Kinosaal, in dem Filme und Dokumentationen gezeigt wurden.  </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/eine-reise-durch-die-architekturgeschichte-der-kirgisischen-hauptstadt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Eine Reise durch die Architekturgeschichte der kirgisischen Hauptstadt</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Besuch des Planetariums war ebenso Teil des Physik- und Astronomieunterrichtes: „<em>Die Schulkinder hatten die Möglichkeit, mit den Teleskopen zu arbeiten, um so etwas über die Sternenbilder und Planeten zu erfahren</em>.“ Auch außerhalb der schulischen Curricula verschlug es Kinder und Jugendliche in die Einrichtung, um sich Vorträge anzuhören und an Arbeitsgemeinschaften teilzunehmen. Somit erfüllte das Planetarium in Frunse einen wichtigen Bildungsauftrag.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="724" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/4.1-1024x724.jpg" alt="" class="wp-image-25103" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/4.1-1024x724.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/4.1-300x212.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/4.1-768x543.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/4.1-1536x1086.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/4.1-2048x1448.jpg 2048w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/4.1-1300x919.jpg 1300w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Quelle: <a href="https://www.facebook.com/bishkekplanetarium/?ref=page_internal" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook / Bishkek Planetarium</a></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig verwirklichte sich im Planetarium die sowjetische Utopie des wissenschaftlichen Aufklärungsideals, wie es die AutorInnen des Buches <a rel="noreferrer noopener" href="http://library.fes.de/pdf-files/bueros/bischkek/11554.pdf" target="_blank">»Bischkeker Utopien«</a> erklären. So herrschte ein ideologisch aufgeladenes Streben nach wissenschaftlichem und technischem Fortschritt, woraus der „neue Mensch“ als eine umfassende, entwickelte Persönlichkeit hervorgehen sollte. Die Eroberung des Weltraumes spielte dabei eine tragende Rolle und sollte der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Gleichwohl ist es weder das Anliegen der AutorInnen der Bischkeker Utopien noch der AktivstInnen, gesellschaftliche Utopien in der Vergangenheit zu suchen. Es geht um das zukünftige Potenzial dieses historischen Ortes.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verkauf des Planetariums nach 1995</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem Kirgistan die Unabhängigkeit erlangte, wurde das Gebäude 1995 privatisiert und mehrere Male weiterverkauft. In dieser Zeit erfüllte das Planetarium längst nicht mehr seinen ursprünglichen Zweck, sondern erlebte eine Kommerzialisierung. Es wurden Filme gezeigt und zeitweise befand sich dort ein Nachtclub und eine Bar. Aktuell befindet sich das Gebäude und das angrenzende Grundstück in Besitz der Familie des im Juli 2020 verstorbenen Abgeordneten <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Chynyba%C4%AD_Tursunbekov" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tschynybaj Tursunbekow</a>. Dieser ließ das damalige Planetarium auf seinen heutigen Zustand herunterkommen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1000" height="702" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/6.2.jpg" alt="" class="wp-image-25104" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/6.2.jpg 1000w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/6.2-300x211.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/6.2-768x539.jpg 768w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Quelle:<a href="https://www.facebook.com/bishkekplanetarium/?ref=page_internal" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> Facebook / Bishkek Planetarium</a></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juni 2018 hat die Initiative zusammen mit der Stiftung »<a href="https://www.facebook.com/PFOurRight/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nasche-Prawo</a>« (dt. Unser Recht) den Staatlichen Immobilienverwaltungsfond eben wegen jener unrechtmäßigen Privatisierung verklagt. Denn juristisch gesehen hätte ein Schulungs- und Ausbildungszentrum nicht privatisiert werden dürfen. Doch das Gericht wies die AktivistInnen ab: „<em>Gerichtsprozesse wurden aus verschiedenen Gründen immer wieder verschoben. Letztlich erkannte uns das Gericht als Kläger nicht an. Angeblich habe niemand unsere Rechte verletzt</em>.“ Doch die Initiative verlor nicht den Mut und zog weiter vor das Bischkeker Amtsgericht. „<em>Wir sind der Überzeugung, dass alle Bürger ihr Recht auf eine lebenswerte Stadt geltend machen können</em>“, stellen die drei AktivistInnen entschlossen fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/die-zukunft-der-vergangenheit-urbanitaet-in-zentralasien-taschkent-bischkek/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Zukunft der Vergangenheit – Urbanität in Zentralasien: Taschkent, Bischkek</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie behielten Recht mit ihrer Aussage. Denn im September 2020 erklärte das Bischkeker Amtsgericht die Privatisierung des Planetariums für ungültig. Dies war ein großer Erfolg für die AktivistInnen. Auch viele BischkekerInnen freuten sich mit ihnen: „<em>Wir haben viel Unterstützung und positives Feedback von den Bürgern bekommen. Dafür und für ihre wertvollen Hinweise wollen wir uns bei ihnen bedanken.“</em>  Allerdings legte die Staatsanwaltschaft wenig später Revision ein. Aufgrund dessen entscheidet der Oberste Gerichtshof am 25. Januar, ob die Entscheidung des Amtsgerichts zulässig ist. Mit diesem letzten Urteil wird die Zukunft des Planetariums bestimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die AktivstInnen sehen in dem Planetarium großes Potenzial als kulturell-wissenschaftliche Einrichtung. Und das nicht nur auf Bildungsebene, sondern auch in politisch-gesellschaftlicher Hinsicht: „<em>Die Restaurierung und Erhaltung öffentlicher Räume wie des Planetariums kann das Vertrauen zwischen der Bevölkerung und dem Staat stärken</em>.“ Die GründerInnen der Initiative betonen: „<em>Wir sind überzeugt davon, dass die Entwicklung und der Wohlstand einer Nation vom Niveau der Bildung und Wissenschaft abhängen</em>.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kultur und Wissenschaft auf dem Grundstück des Planetariums</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Vision haben die AktivistInnen parallel zu den juristischen Verhandlungen angefangen umzusetzen. Auf dem Gelände des Planetariums haben sie Fotoausstellungen und Filmvorführungen veranstaltet. So zeigten sie das historische und kulturelle Erbe des Planetariums auf. Zugleich lautet ihre <a href="https://fb.watch/3aMz4-NLHz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Botschaft</a> an die BischkekerInnen: „<em>Das Planetarium steht für Fortschritt, das Neue, die Träume.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Planetarium ist in Bischkek nicht das einzige aus der Sowjetzeit stammende Gebäude, das mangels Interesses und Pflege zerfällt. So wurde auch das einstige <a href="https://kloop.kg/blog/2016/02/01/video-360-zabroshennyj-restoran-naryn/">Restaurant »Naryn«</a> im Jahr 2017 abgerissen. Das Restaurant gehörte mit seiner besonderen Architektur zu den meistbesuchten Gebäuden Bischkeks in den 1980er Jahren. An dessen Stelle soll ein moderner Hotelkomplex errichtet werden. Ausländische InvestorInnen hatten ähnliche Pläne für das Grundstück des Planetariums.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Privatisierung des öffentlichen Raums als globaler Trend</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Somit ist die urbane Entwicklung Bischkeks auch eine Geschichte der Kommerzialisierung und Umwandlung von öffentlichen Stadtraum in Privateigentum. Diese Prozesse sind auch anderswo zu beobachten, erläutert <a href="https://www.zmo.de/personen/david-leupold" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dr. David Leupold</a>, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz Zentrum Moderner Orient zum Nachleben der sozialistischen Stadt forscht: „<em>Die Erhaltung öffentlicher Einrichtungen in Zeiten eines global vorherrschenden Wirtschaftsparadigmas der radikalen Privatisierung stellt eine Herausforderung dar, nicht nur in Bischkek sondern auf globaler Ebene.</em>“ Beispielhaft führt er etwa die Bauruine eines Freibades im tschechischen Kurort <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karlsbad" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Karlovy Vary</a> auf.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="458" height="960" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/5.2.jpg" alt="" class="wp-image-25105" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/5.2.jpg 458w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/5.2-143x300.jpg 143w" sizes="auto, (max-width: 458px) 100vw, 458px" /><figcaption>Quelle: <a href="https://www.facebook.com/bishkekplanetarium/?ref=page_internal" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook / Bishkek Planetarium</a></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Leupold schließt aus diesen Beispielen: <em>„Einrichtungen wie Planetarien oder Schwimmbäder sind kaum gewinnbringend – daher muss ihr Wert an dem gesellschaftlichen und nicht dem rein marktwirtschaftlichen Nutzen gemessen werden.“</em> Das Vertrauen in die marktwirtschaftliche Regulierung sei in diesem Kontext ein Irrglaube.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Urbanität und Aktivismus in Bischkek</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kampf um das Planetarium und das Urteil des Amtsgerichtes schätzt der Sozialwissenschaftler als einen möglichen Wendepunkt ein: „<em>Es könnte in der Tat signalisieren, dass das global vorherrschende Paradigma der Privatisierung des städtischen Raums im lokalen Kontext Bischkeks nun auch auf staatlicher Ebene in Zukunft stärker hinterfragt werden wird.</em>“ Gleichwohl sei die Initiative rund um das Planetarium nicht der Anfang des urbanen Aktivismus in Bischkek.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leupold verweist etwa auf die Arbeit des Schtab Kollektivs, die die Bischkeker Utopien veröffentlichten, oder den Projektentwurf der zivilgesellschaftlichen Initiative »<a href="http://peshcom.org/about">Peschkom</a>« (dt. zu Fuß) zur Neugestaltung eines sowjetischen Wohnbezirks. Dabei hebt er im Hinblick auf die Peschkom-Initiative hervor: „<em>Letzterer ist im Besonderen von Relevanz, da die Zielsetzung nicht nur eine rein negative ist – also auf die Verhinderung von etwaigen Baumaßnahmen abzielt – sondern versucht, selbst einen Gegenversuch zu entwerfen, wie mit dem sowjetischen Bauerbe integrativ umgegangen werden kann.</em><strong>“</strong></p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der urbane Raum Bischkeks wird demnach immer mehr zum Gegenstand zivilgesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Vielleicht bringt das Planetarium weitere Steine ins Rollen. Wie der Oberste Gerichtshof urteilen wird, bleibt ungewiss. Doch die AktivstInnen sind sich sicher: „<em>Das Planetarium wird leben!</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die neuesten Entwicklungen und die Geschichte des Planetariums können über <a href="https://www.facebook.com/bishkekplanetarium?eid=ARD7o7NxjX1LdRbt-0nuBZPSh9eavV6lTj3t0Fz0he38WIu-9xqyb2pGa1YdODo5t8yAEaM6eXGV8yXx" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> und <a href="https://www.instagram.com/bishkekplanetarium/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a> der Initiative verfolgt werden.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Jana Rapp<br>Journalistin für Novastan</strong></p>


<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>
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		<title>Monatsrückblick: Der Februar in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[othmaraglas]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Mar 2020 09:20:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
		<category><![CDATA[Demonstration]]></category>
		<category><![CDATA[ethnischer Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Monatsrückblick von Othmara Glas]]></category>
		<category><![CDATA[Rückblick]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ab Februar wird Novastan mit freundlicher Genehmigung die Monatsr&#xFC;ckblicke von Othmara Glas ver&#xF6;ffentlichen. Die Zentralasienjournalistin arbeitete zwei Jahre f&#xFC;r die Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ) in Kasachstan und ist nun als freie Journalistin t&#xE4;tig. Jeden Monat wirft sie einen Blick zur&#xFC;ck auf die Ereignisse, die Kasachstans Gesellschaft besch&#xE4;ftigt haben. Die Rubrik beginnt mit einem turbulenten Februar, [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Ab Februar wird Novastan mit freundlicher Genehmigung die <a href="https://othmaraglas.de/monatsrueblick-der-februar-in-kasachstan/">Monatsrückblicke von Othmara Glas</a> veröffentlichen. Die Zentralasienjournalistin arbeitete zwei Jahre für die Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ) in Kasachstan und ist nun als freie Journalistin tätig. Jeden Monat wirft sie einen Blick zurück auf die Ereignisse, die Kasachstans Gesellschaft beschäftigt haben. </strong><strong>Die Rubrik beginnt mit einem turbulenten Februar, geprägt von ethnischen Ausschreitungen, verhafteten Demonstranten, einem Aktivisten, der in U-Haft stirbt und dem Coronavirus.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ethnische Ausschreitungen in Südkasachstan</strong></p>
<p style="text-align: justify">Elf Tote, fast zweihundert Verletzte und tausende Menschen auf der Flucht: Das ist die Bilanz der Nacht vom 7. auf den 8. Februar. Etliche Häuser wurden zerstört. Die Bilder aus <a href="https://othmaraglas.de/zorn-auf-das-boese-volk/">Masantschi </a>erinnern an ein Kriegsgebiet. Für die kasachische Regierung ist der Zusammenstoß das Resultat eines „alltäglichen Konflikts“. Dass sich Angreifer vor allem Kasachen und die Opfer mehrheitlich Dunganen waren, wurde von offizieller Seite zunächst bewusst verschwiegen.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Auslöser der Ausschreitungen sollen zwei Zwischenfälle am Vortag gewesen sein. Demnach sollen Dunganen eine Straße blockiert haben. Eine kasachische Familie, die auf dem Weg zu einem Arzt war, kam nicht durch. Bei einer anschließenden Auseinandersetzung wurde ein 78-jähriger Kasache verletzt. Aus Sicht der Kasachen haben ihn die Dunganen krankenhausreif geprügelt. Die Dunganen behaupten hingegen, dass der Kasache nur unglücklich hingefallen sei. Die später hinzugerufenen Polizisten sollen dann ebenfalls von Dunganen angegriffen worden sein. Eine weitere Version der Dunganen ist lautet, dass es ein betrunkener Kasache eine junge Duganin sexuell belästigt haben soll.</p>
<p style="text-align: justify">Am Abend des 7. Februar soll dann ein Mob aus fast tausend Kasachen nach Masantschi gekommen sein und angefangen haben Menschen zu verprügeln, Autos und Häuser anzuzünden. Die Unruhen weiteten sich auf die Nachbardörfer aus. Erst am Morgen des 8. Februar konnte ein Großeinsatz der Polizei die Ausschreitungen stoppen. Derweil flohen vor allem Frauen und Kinder in das benachbarte Kirgisistan. Offizielle Stellen sprechen von knapp 24.000 Flüchtlingen. Mittlerweile sollen jedoch 21.000 von ihnen zurückgekehrt sein. In der gesamten Region wurde der Notstand ausgerufen.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/sinnlos-und-ruecksichtslos-kasachstans-hausgemachter-nationalismus/">Sinnlos und rücksichtslos- Kasachstans hausgemachter Nationalismus</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Dunganen sind Muslime, die im 19. Jahrhundert aus China nach Zentralasien flohen. Sie leben mehrheitlich im Südosten Kasachstans und im Norden Kirgisistans entlang des Grenzflusses Tschui. In Masantschi sowie den Nachbarorten Sortobe und Auchatty machen sie etwa 90 Prozent der Einwohner aus. Insgesamt leben in Kasachstan mehr als 62.000 Dunganen.</p>
<p style="text-align: justify">Konsequenzen gab es bisher kaum: Auf kommunaler und Gebietsebene wurden Gouverneure und Polizeichefs ausgetauscht; mehr als 90 strafrechtliche Untersuchungen begonnen. Derweil reifte in der Hauptstadt Nur-Sultan nur langsam die Einsicht, dass man den ethnischen Charakter der Ausschreitungen nicht unter den Teppich kehren kann. Mehrere Menschen wurden festgenommen; erste Strafverfahren eingeleitet. Am 14. Februar sagte der Minister für Information, dass „die Behörden die Schuldigen nicht in Kasachen und Dunganen einteilen – alle sind Bürger Kasachstans und gegenüber dem Gesetz gleichermaßen verantwortlich“.</p>
<p><strong>Eine neue Partei entsteht (nicht)</strong></p>
<p style="text-align: justify">Am 22. Februar wollte die Demokratische Partei eigentlich ihren Gründungsparteitag abhalten. Doch es kam es anders. Dutzende Menschen, die der Partei nahestehen, waren in der Woche zuvor landesweit festgenommen worden. Das kasachische Gesetz verlangt, dass auf einem Gründungsparteitag mindestens 1000 Personen anwesend sind. Parteigründer Schanbolat Mamai sagte den Parteitag ab und rief stattdessen zu einem Protest in Almaty auf. Am Freitagabend wurde er allerdings ebenfalls verhaftet.</p>
<p style="text-align: justify">Mamai ist nicht unumstritten. 2017 wurde er wegen Geldwäsche zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Seine Unterstützer meinen, es sein ein politisch motivierter Prozess gewesen. Im vergangenen Jahr hatte er mit einem Film über die Hungersnot in Kasachstan Aufsehen erregt. Der Film ist stark nationalistisch und ordnet den Holodomor als Genozid ein.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify">Der Protestzug am Vormittag des 22. Februar wurde von Mamais Ehefrau Inga Imanbai angeführt. Die etwa 20 Teilnehmer wurden von ebenso vielen Journalisten und einem Großaufgebot der Polizei begleitet. Die Versammlung blieb zunächst friedlich. Die Protestanten forderten die Freiheit Mamais und kritisierten lautstark die Regierung Kasachstans. Nach einer guten halben Stunde begannen die Polizisten mit Verhaftungen sämtlicher Protestanten, inklusive der schwangeren Imanbai.</p>
<p style="text-align: justify">Am Nachmittag desselben Tages hielt auch die verbotene Demokratische Wahl Kasachstan (DVK) eine Demonstration in Almaty ab. Auch sie endete mit Verhaftungen.</p>
<p><strong>Ein mysteriöser Tod</strong></p>
<p style="text-align: justify">Dulat Aghadil ist tot. Der Bürgerrechtsaktivist <a href="https://www.rferl.org/a/kazakh-activist-aghadil-dies-after-day-in-detention/30453052.html">starb</a> in der vergangenen Woche in Astana (Nur-Sultan), während er in Untersuchungshaft saß. Er war verhaftet worden, weil er einer gerichtlichen Anordnung sich bei der Polizei zu melden, nicht nachkam. Laut Polizei sei der 43-Jährige bei seiner Festnahme berauscht gewesen und wenig später an Herzversagen gestorben.</p>
<p style="text-align: justify">Freunde und Verwandte von Aghadil bezweifeln die offizielle Darstellung. Er habe weder Alkohol getrunken noch Drogen genommen und sich nie über Herzprobleme beschwert. Ein Video, auf dem dem der Leichnam zu sehen ist, zeigt zudem mehrere Verletzungen an Agdhils Körper.</p>
<p style="text-align: justify">Zu Aghadils Beisetzung am 27. Februar reisten mehr als 1000 Menschen in seine Heimatstadt, in der Nähe von Astana. Einige Aktivisten, die ebenfalls kommen wollten, wurden im Vorfeld festgenommen. Kasachstans Präsident Toqajew hat sich bisher nicht zu dem Vorfall geäußert.</p>
<p style="text-align: justify">Bei landesweiten Protesten am 1. März, die aufgrund des Todes von Aghadil stattfanden, wurden laut kasachischem Innenministerium 80 Menschen festgenommen.</p>
<h3 style="text-align: justify"><strong> </strong><strong>Gallische Dörfer</strong></h3>
<p style="text-align: justify">Europa und Asien leiden unter der rasanten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus. Ganz Eurasien? Nein, ein gallisches Dorf namens Zentralasien leistet vehement Widerstand. Offiziell hat sich in keinem der fünf Staaten bisher jemand von dem Virus infiziert. In Turkmenistan hat Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow einfach die Ausbreitung untersagt.</p>
<p style="text-align: justify">Doch obwohl es noch keine gemeldeten Fälle gibt, beschäftig Corona auch hier die Behörden. Grenzen werden geschlossen, Großveranstaltungen abgesagt. In Kasachstan hat der Präsident sämtliche Feiern zum Frauentag am 8. März abgeblasen. Bereits Ende Januar wurden alle  Grenzübergänge zu China zeitweilig geschlossen. Aus der Freihandelszone Khorgos gibt es allerdings Berichte, dass der Handel jenseits und diesseits der Grenze trotzdem weitergeht.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/coronavirus-wie-ist-die-situation-in-zentralasien/">Coronavirus- Wie ist die Situation in Zentralasien?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Am 18. Februar hat Kasachstan die präventiven Maßnahmen gegen einen Ausbruch des Coronavirus verschärft. Personen, die nach Kasachstan einreisen, müssen mit zusätzlichen Quarantänemaßnahmen rechnen. Reisende aus Ländern, in denen nur eine geringe Zahl an Infektionsfällen aufgetreten ist, z.B. in Deutschland, sollen bis zu 24 Tage lang durch ein Fernmonitoring überwacht werden. Im Flugzeug werden Passagiere schon bei der Ankunft in Almaty auf erhöhte Temperatur untersucht. Einige Tage später meldet sich dann ein Beamter der Gesundheitsbehörde per Telefon, um nach dem Befinden zu fragen.</p>
<p style="text-align: right"><strong><a href="https://othmaraglas.de/monatsrueblick-der-februar-in-kasachstan/">Othmara Glas</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>freie Journalistin in Kasachstan</strong></p>
<p style="text-align: left"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Kirgistan – Solidaritätsmarsch zum Frauentag durch Nationalisten und die Polizei verhindert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Mar 2020 12:06:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Demonstration]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kyrk Tschoro]]></category>
		<category><![CDATA[Weltfrauentag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 8. M&#xE4;rz sollte zum Weltfrauentag ein friedlicher Marsch in Bischkek stattfinden. Dieser wurde jedoch von maskierten Angreifern und vom Eingreifen der Polizei unterbunden. In Osch wurde ein analoger Marsch nach Drohungen ganz abgesagt. Um die Mittagszeit des 8. M&#xE4;rz versammelten sich erst einmal ca. 100 Personen in Bischkek auf dem Platz des Sieges zu [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Am 8. März sollte zum Weltfrauentag ein friedlicher Marsch in Bischkek stattfinden. Dieser wurde jedoch von maskierten Angreifern und vom Eingreifen der Polizei unterbunden. In Osch wurde ein analoger Marsch nach Drohungen ganz abgesagt. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Um die Mittagszeit des 8. März versammelten sich erst einmal ca. 100 Personen in Bischkek auf dem Platz des Sieges zu einem friedlichen Marsch aus Anlass des Weltfrauentags. In den letzten Monaten haben vermehrt Fälle von durch ihre Ehemänner verletzten oder ermordeten Frauen in Kirgistan Schlagzeilen gemacht. Demnach war auch das Hauptanliegen der DemonstrantInnen ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-feministische-bewegung-in-kirgistan/">Die feministische Bewegung in Kirgistan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Ehe der Marsch beginnen konnte griff jedoch eine Gruppe maskierter Männer gewaltsam ein, viele davon mit der traditionellen Kopfbedeckung „Ak-Kalpak“, und zerrissen die Transparente der DemonstrantInnen.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Der Angriff geschah sehr schnell, als die Männer in den Kalpaks begannen alles um sie herum zu zerstören. Die Polizei beobachtete das erst und nahm dann nicht die Angreifer fest, sondern die Leute, die zu dem friedlichen Marsch gekommen waren</em>“, erzählt Begimai Bekbolotowa, die zu dem Zeitpunkt gerade ankam. „<em>Ich rannte herüber, um zu helfen, rief Juristen an und wurde dann selbst durch drei Polizisten festgenommen, und mein antipatriarchales Plakat wurde vor meinen Augen zerrissen</em>“.</p>
<p style="text-align: justify">Neben Begimai wurden noch etwa 70 weitere DemonstrantInnen festgenommen und in die zuständige Polizeistelle gefahren, so die <a href="https://kloop.kg/blog/2020/03/08/live-bishkekskij-marsh-za-prava-zhenshhin/">Berichterstattung</a> des Online Mediums Kloop.kg, das die Geschehnisse live verfolgte. Die Angreifer blieben unbehelligt, während eine Gruppe älterer Frauen die Ordnungskräfte auf TeilnehmerInnen des Marsches verwies.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Polizeistelle als Demonstrationsort</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es folgten teils triste, teils skurrile Szenen aus der Polizeistelle, die prompt zum neuen Demonstrationsort wurde. DemonstrantInnen skandierten laut „Schande“ und „<em>Lektionen in Sachen Patriarchat, Gewalt und Rechte der Polizisten</em>“, so <a href="https://kloop.kg/blog/2020/03/08/live-bishkekskij-marsh-za-prava-zhenshhin/">Kloop.kg</a>. Als die Festgenommenen im Versammlungsraum gemeinsam die Nationalhymne einstimmten, standen auch die Anwesenden Ordnungskräfte auf.</p>
<p style="text-align: justify">Andererseits litten einige TeilnehmerInnen aus <a href="https://eurasianet.org/kyrgyzstan-womens-march-against-male-violence-attacked-by-masked-men">Wassermangel oder psychischem Druck</a> an Schwächeanfällen. Bei der Aufnahme der Personalien wurde einer Teilnehmerin vermeintlich der Pass zerrissen.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Die Polizisten verhielten sich aggressiv, nahmen die Plakate und Lauten weg, drängelten und beschimpften uns, manche von uns haben Prelllungen davongetragen</em>“, so Begimai. Klare Beschuldigungen gab es nicht, aber die Polizeibeamten nahmen die persönlichen Daten aller Anwesenden auf.</p>
<p style="text-align: justify">Nach etwa drei Stunden wurden alle wieder freigelassen. Zehn von ihnen wurden 3000 Som (38 Euro) <a href="https://24.kg/obschestvo/145831_uchastnikov_jenskogo_marsha_solidarnosti_otpustili_neskolko_chelovek_oshtrafuyut/">Strafgeld für zivilen Ungehorsam verhängt</a>.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Uneinigkeiten zum Versammlungsrecht  </strong></p>
<p style="text-align: justify">Den Polizeieinsatz erklärte die Pressestelle des Ministerpräsidenten dadurch, dass die Demonstration nicht dem Bürgermeisteramt gemeldet war. Laut <a href="http://cbd.minjust.gov.kg/act/view/ru-ru/202913?cl=ru-ru">kirgisischer Verfassung</a> ist eine ausbleibende Anmeldung jedoch keine geltende Grundlage, um das Recht auf friedliche Versammlungen einzuschränken.</p>
<p style="text-align: justify">Ein paar Tage vor dem Marsch hatte ein Bischkeker Gericht auf Antrag des Bürgermeisteramtes jegliche öffentlichen Versammlungen in der Stadt bis zum 1. Juli verboten &#8211; offiziell eine Vorsichtsmaßnahme im Kontext der <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/coronavirus-wie-ist-die-situation-in-zentralasien/">Coronavirus Covid-19 Epidemie</a>. Am 6. März nahm die Stadtverwaltung <a href="https://kloop.kg/blog/2020/03/07/vlasti-bishkeka-zapretili-mitingi-cherez-sud-a-potom-reshili-otozvat-zaprety-mozhno-li-vyhodit-na-mirnye-aktsii-spojler-vsegda-da/">den Antrag wieder zurück</a>, offiziell wurde das Verbot vor dem Wochenende jedoch nur in einem der vier Stadtteile aufgehoben. Der Marsch am 8. März wurde daraufhin in diesem Stadtteil geplant.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/16-frauenportraets-aus-osch-kirgistan/">16 Frauenporträts aus Osch, Kirgistan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">In Osch, der zweitgrößten Stadt Kirgistans, wurde der öffentliche Marsch zum Weltfrauentag abgesagt, nachdem die OrganisatorInnen kaum verdeckte Drohungen von Polizeibeamten <a href="https://kloop.kg/blog/2020/03/08/ne-pugayu-ofitsialno-preduprezhdayu-aktivistki-osha-rasskazali-ob-ugrozah-so-storony-militsii/">erhalten hatten</a>.  Die Pressestelle der Oscher Polizei gab auf Anfragen von Journalisten an, sie sei nicht über solche Drohungen informiert und würde intern dazu ermitteln.</p>
<p style="text-align: justify">Auch in Almaty, im benachbarten Kasachstan, wurde der Solidaritätsmarsch von den Behörden nicht erlaubt. Er fand dennoch, ohne weitere Zwischenfälle, <a href="https://vlast.kz/novosti/37587-v-almaty-prosel-mars-za-prava-zensin.html">friedlich statt</a>.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Nationalistischer Einfluss auf die Politik</strong></p>
<p style="text-align: justify">Manche der maskierten Angreifer, die den Marsch in Bischkek mitverhinderten, stellten sich als Mitglieder der nationalistischen Bewegung „<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-organisation-kyrk-tschoro-speerspitze-der-antichinesischen-stimmung-in-kirgistan/">Kyrk Tschoro</a>“ (Vierzig Ritter) heraus. Diese 2010 gegründete Bewegung setzt sich offiziell für den Erhalt der kirgisischen Kultur und des nationalen Zusammenhalts ein. Sie machte erstmals 2013 und 2015 mit Razzien gegen illegale ausländische Arbeiter und gegen Prostitution auf sich aufmerksam.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-organisation-kyrk-tschoro-speerspitze-der-antichinesischen-stimmung-in-kirgistan/">Die Organisation &#8222;Kyrk-Tschoro&#8220;, Speerspitze der antichinesischen Stimmung in Kirgistan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">In letzter Zeit richtet sich „Kyrk Tschoro“ besonders stark gegen LGBTI- und feministisches Engagement und zeigt dabei einen gewissen politischen Einfluss. <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/bischkek-die-direktorin-des-museums-der-schoenen-kuenste-reicht-wegen-feministischer-ausstellung-kuendigung-ein/">Erst im Dezember letzten Jahres</a> trat die Direktorin des Kunstmuseums in Bischkek zurück, nachdem Nationalisten lautstark den Inhalt einer „Feminnale“-Ausstellung beanstandet hatten.</p>
<p><figure id="attachment_20220" aria-describedby="caption-attachment-20220" style="width: 1600px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-20220" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/ESk7TS4XkAAa-BC.jpeg.jpeg" alt="Comic Marsch Weltfrauentag" width="1600" height="1600" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/ESk7TS4XkAAa-BC.jpeg.jpeg 1600w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/ESk7TS4XkAAa-BC.jpeg-150x150.jpeg 150w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/ESk7TS4XkAAa-BC.jpeg-300x300.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/ESk7TS4XkAAa-BC.jpeg-768x768.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/ESk7TS4XkAAa-BC.jpeg-1024x1024.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/ESk7TS4XkAAa-BC.jpeg-550x550.jpeg 550w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/ESk7TS4XkAAa-BC.jpeg-1300x1300.jpeg 1300w" sizes="auto, (max-width: 1600px) 100vw, 1600px" /><figcaption id="caption-attachment-20220" class="wp-caption-text">&#8222;-Schucher! Da hat uns ein Bulle gesehen, rennen wir!&#8220;<br />-Nur die Ruhe! Solange wir einen Ak-Kalpak und Masken tragen wird er uns nicht anrühren. Mach, was Du willst.&#8220;<br />Ein Comic ironisiert die wählerischen Festnahmen der Polizei am 8. März.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Der letztjährige Marsch zum Frauentag brachte aufgrund der Anwesenheit von LGBTI-Symbolen Anlass für eine <a href="https://www.rferl.org/a/rainbow-rage-kyrgyz-rail-against-lgbt-after-central-asia-s-first-gay-pride-march/29825158.html">landesweite Polemik</a>. Vor dem geplanten Marsch in diesem Jahr hatte ein Vertreter der Bischkeker Stadtverwaltung <a href="https://fergana.agency/news/115703/">erklärt</a>, die Behörden würden dieses Jahr solche Symbole nicht tolerieren.</p>
<p style="text-align: justify">Auch bei anderen politischen Ereignissen wird das Thema als Schreckgespenst der Nationalisten instrumentalisiert, um ganz andere politische Forderungen zu diskreditieren. So verbreiteten zum Beispiel <a href="https://eurasianet.org/kyrgyzstan-womens-march-against-male-violence-attacked-by-masked-men">Online-Trolls</a> im Kontext von Antikorruptionsdemonstrationen im Dezember 2019 Gerüchte, die DemonstrantInnen würden sich insgeheim für LGBTI-Rechte einsetzen. Auf anderen Ereignissen treten gar Provokateure mit Regenbogenflaggen auf.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Folgedemo am 10. März</strong></p>
<p style="text-align: justify">Für die am Wochenende festgenommenen DemonstrantInnen ist der Zwischenfall ein weiterer Beweis dafür, dass solche Aktionen notwendig sind. „<em>Das war eine im Voraus geplante Störung des Marsches gegen Gewalt an Frauen und es tut mir leid zu verstehen, dass die Polizei und die maskierten Angreifer auf einer Seite waren. Sie sollten mit der ganzen Härte des Gesetzes bestraft werden</em>“, kommentiert Begimai, immer noch unter Schock.</p>
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<p style="text-align: justify">Aktuell hat die Polizei <a href="https://kaktus.media/doc/407515_miliciia_zaiavila_chto_razyskivaet_provokatorov_s_mirnogo_marsha_za_prava_jenshin.html">laut eigenen Angaben</a> bereits fünf der am Vortag noch ignorierten Angreifer festgenommen. Weitere Ermittlungen seien im Gange. Für den <a href="https://24.kg/obschestvo/145837_pod_heshtegom_netnasiliyu_vnbspbishkeke_proydet_mirnaya_aktsiya_zanbspprava_jenschin/">10. März ist nun ein weiterer Marsch</a> zum Motto „#NetNasiliju“ („Gegen Gewalt“) geplant. Zusätzlich zu den ursprünglichen Losungen fordern die OrganisatorInnen Strafen für die Angreifer, eine ausführliche Ermittlung rund um die Geschehnisse und eine ausgewogene Berichterstattung durch öffentlich-rechtliche Medien.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Florian Coppenrath<br />
Novastan.org</strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Neue Portrait-Serie: kleine Taten, große Wirkung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Zarina Zinnatova]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jul 2019 08:10:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Damir Karimov]]></category>
		<category><![CDATA[NGO]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#x201E;Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat&#x2019;s gemacht&#x201D;. Mit diesem Leitspruch startet Novastan eine Reihe von Interviews mit Menschen aus Zentralasien, die durch kleine Taten gro&#xDF;e Wirkung schaffen. Wir m&#xF6;chten Euch junge Aktivisten und Aktivistinnen aus Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan vorstellen und von ihren Projekten erz&#xE4;hlen. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>„Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht”. Mit diesem Leitspruch startet Novastan eine Reihe von Interviews mit Menschen aus Zentralasien, die durch kleine Taten große Wirkung schaffen. Wir möchten Euch junge Aktivisten und Aktivistinnen aus Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan vorstellen und von ihren Projekten erzählen. Wer sind diese Menschen? Was machen sie? Und welche Veränderungen bringen sie in Gang?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das erste Interview führte Zarina Zinnatova mit dem kasachstanischen Aktivisten <strong>Damir Karimov</strong></p>
<p style="text-align: justify">Damir Karimov ist ein leidenschaftlicher Abenteurer, ein Musiker und Hobby- Astronom. Er gehört zur Generation, die zur Zeit der Perestroika in der Sowjetunion geboren ist, noch sowjetische Bücher in der Schule las, aber gleichzeitig Jeans trug und Coca-Cola trank. Diese Mischung aus sowjetischen und liberalen Werten hat auch Damir geprägt. Als überzeugter Idealist mit aktiver Lebensposition, unterstützt er freies Denken, und sucht nach Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung. Diese Ideen verbreitet er auf Vorlesungen und realisiert sie in verschiedenen Projekten.</p>
<p><figure id="attachment_17714" aria-describedby="caption-attachment-17714" style="width: 1080px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-17714" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Seminar.jpg" alt="" width="1080" height="720" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Seminar.jpg 1080w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Seminar-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Seminar-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Seminar-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Seminar-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1080px) 100vw, 1080px" /><figcaption id="caption-attachment-17714" class="wp-caption-text">Der kasachstanische Aktivist Damir Karimov setzt sich trotz Sehbehinderung für Umweltprojekte ein, gibt Seminare für Musikimprovisation und zeigt mit seinem Teleskop Sterne. Somit inspiriert er Menschen dazu, vor schweren Wegen nicht zurückzuschrecken</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Damir wurde in Nordrussland geboren, lebt seit seiner Kindheit aber in Karaganda (Kasachstan). Hier hat er Psychologie an der Staatlichen Buketow-Universität studiert. Schon als Kind hatte Damir einen besonderen Lebensweg. Mit einer angeborenen Sehbehinderung sieht Damir die Welt anders. Das hinderte ihn aber nicht daran, eine Musikschule zu absolvieren. „Ich habe keine Angst vor Schwierigkeiten und suche keine leichten Wege“, sagt er oft.</p>
<p style="text-align: justify">Damir spielt dutzende Musikinstrumente und bringt Interessenten Musikimprovisation bei.  Auf seinen öffentlichen Seminaren und Vorlesungen motiviert er Menschen dazu, trotz Behinderung ein aktives Leben zu führen. Er erzählt gerne über seine Fahrradtour von Karaganda nach Almaty (ca. 1000 Kilometer), die er alleine vor zwei Jahren geschafft hat.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Einsatz für Umweltschutz</strong></p>
<p style="text-align: justify">In Karaganda setzt sich Damir für Umweltschutz ein und beteiligt sich an zahlreichen Projekten. So war er in der Nicht-Regierung-Organisation (NGO) <em><a href="http://posadiderevo.kz/">PosadiDerevo.kz</a></em> tätig, wo er zusammen mit engagierten Menschen Bäume in der Stadt und in der Umgebung gepflanzt und gewässert hat. Außerdem propagiert der junge Aktivist Umweltbewusstsein. In Kasachstan wird das Konzept von Hausmülltrennung vom Staat nicht unterstützt. Ein Großteil der Abfälle landet immer noch <a href="https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-recycling-und-entsorgungswirtschaft,t=branche-kompakt-modernisierung-der-abfallwirtschaft-kommt-in-kasachstan-nur-langsam-voran,did=1914376.html">unsortiert auf Deponien</a>.</p>
<p><figure id="attachment_17713" aria-describedby="caption-attachment-17713" style="width: 1280px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-17713" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Subbotnik.jpg" alt="" width="1280" height="854" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Subbotnik.jpg 1280w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Subbotnik-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Subbotnik-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Subbotnik-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Subbotnik-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /><figcaption id="caption-attachment-17713" class="wp-caption-text">Um das Umweltbewusstsein der Bevölkerung zu erhöhen, haben Damir und sein Team in Schulen und Nachbarschaften angefangen, Aufklärungskampagnen über die Bedeutung von Mülltrennung durchzuführen. Bisher wurden 300 Mülltonnen für unterschiedlichen Abfall in der ganzen Stadt bereitgestellt</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Um das Umweltbewusstsein der Bevölkerung zu erhöhen, haben Damir und sein Team  in Schulen und Nachbarschaften angefangen, Aufklärungskampagnen über die Bedeutung von Mülltrennung durchzuführen. Dabei wurden mehr als 50.000 Einwohner und Schüler in der Stadt informiert. “Viele fanden die Idee von Mülltrennung toll”, sagt Damir. “Die Menschen verstehen schon die Notwendigkeit und Sinn des Konzeptes”.</p>
<p style="text-align: justify">Mit Hilfe eines privaten Recycling-Unternehmens wurden insgesamt 300 Mülltonnen für unterschiedlichen Abfall in der ganzen Stadt bereitgestellt. Viele Schulen und Universitäten haben das Konzept unterstützt. So hat die Staatliche Wirtschaftsuniversität Karaganda das eigene Abfallmanagement umgestellt, und ein Mülltrennungssystem eingeführt. Das war ein Erfolg.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Kooperation mit der Stadt</strong></p>
<p style="text-align: justify">Als die Projektgelder zu Ende waren, musste Damir bei der Stadt um weitere Finanzierung bitten. Leider hatte niemand Interesse daran und das Projekt musste gestoppt werden. Zum ersten Mal in seinem Leben stieß Damir auf das Hindernis von Geld und Einfluss. „Jemand hat jemanden nicht genug bezahlt”, vermutet der Aktivist. Das Konzept für Mülltrennung unterstützen leider nicht alle Müllentsorgungsunternehmen in Karaganda, deswegen dürfen die Mülltonnen aus anderen Unternehmen gar nicht auf dem gleichen Territorium stehen. „Es bringt wahrscheinlich mehr Geld, wenn der ganze Müll auf eine Deponie geliefert wird. So kann man illegal die Sekundärrohstoffe rausnehmen und verkaufen”, erklärt Damir.</p>
<p style="text-align: justify">“Es ist generell schwer mit der Stadt zu kooperieren”, sagt Karimov. Es ist ihm schon häufig passiert, dass die Stadt die Kritik nicht akzeptierte. “Alle Änderungswünsche werden sofort negativ wahrgenommen, weil es für sie zusätzliche Arbeit bedeutet” erzählt der Aktivist. Für Damir ist es aber keine Überraschung. “Ich kann schon verstehen, warum Mitarbeiter der Stadtverwaltung voll unmotiviert sind. Sie verdienen da fast gar nichts. Kein Wunder, dass sie keine Lust haben, etwas zu verändern”</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wo bleibt die Finanzierung?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Schwierigkeiten bei der staatlichen Finanzierung sind ein bekanntes Thema. Die gemeinnützigen Organisationen sind häufig auf der Suche nach passenden Geldgebern. Der Aktivist hatte schon mehrere Erfahrungen mit unterschiedlichen Förderern gehabt. Am besten fand es Damit Karimov, mit internationalen Geldgebern zu arbeiten, denn es sind zahlreiche internationale Stiftungen und Organisationen in der Region tätig. Im Vergleich zu nationalen Geldgebern, hätten sie eine klare Struktur im Projektmanagement, der Prozess der Projektbeantragung und des Controlling sei deutlich einfacher, und die Fördergelder seien meistens höher.  Laut Damir unterscheiden sich auch die Ansätze bei der Budgetplanung. Die nationalen Geldgeber seien eher nach Außen gerichtet und förderten mehr Werbung als Qualität. “Wenn das ganze Geld nur in die Werbung fließt, dann bleibt für das Projekt selbst nicht viel übrig,” beschwert sich der Aktivist.</p>
<p style="text-align: justify">Die Projekte werden auch häufig von dem Privatsektor finanziert. Aber auch hier sieht Damir gewisse Schwierigkeiten. Er erzählt, dass die privaten Geldgeber meistens eigene Interessen verfolgen. Sie brechen die Finanzierung sofort ab, sobald sie ihr Ziel erreicht haben. “Die Privatunternehmen wollen nur Werbung und PR für sich machen. Sie bringen mehr Schaden als Unterstützung”, teilt Damir mir. So mischen sie sich auch in die Projektdurchführungsprozesse ein und fordern eigene Bedingungen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Haben wir eine Zukunft?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Neben den Finanzierungsschwierigkeiten sieht Damir Karimov ein grundsätzliches Problem im Mangel an Kenntnissen im Projekt- und Zeitmanagement. Die NGOs planen häufig das Budget mit falschen Angaben ein, um primär eine Förderung zu gewinnen. Solche Planung ist dann realitätsfern. Erst nach der Projektbewilligung wird überlegt, was sie mit dem Geld im Projekt erreichen können.</p>
<p style="text-align: justify">Damir bleibt aber positiv. Obwohl einige Projekte nicht reibungslos laufen, merkt er, dass Menschen in Kasachstan für gesellschaftliche Veränderungen bereit sind. Aus eigener Erfahrung berichtet Damir das zunehmende Interesse für soziales Engagement. Es melden sich häufig junge Leute bei ihm und nehmen an seinen Aktivitäten teil. Damir organisiert jeden Monat ein “Subbotnik” (Aufräumeaktion) am Stausee Fedorow in Karaganda, wo viele junge Leute teilnehmen.</p>
<p><figure id="attachment_17715" aria-describedby="caption-attachment-17715" style="width: 1280px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-17715" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Telesop2.jpg" alt="" width="1280" height="960" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Telesop2.jpg 1280w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Telesop2-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Telesop2-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Telesop2-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Damir_Telesop2-800x600.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /><figcaption id="caption-attachment-17715" class="wp-caption-text">der kasachstanische Aktivist Damir Karimov ist Hobby-Astronom und zeigt nach seinen Vorträgen den Leuten die Sterne durch sein Teleskop</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Das Interesse und Engagement von anderen Menschen motivieren Damir, weitere Projekte zu organisieren. Er hat viele Ideen und sieht den Bedarf in vielen Bereichen. So plant er eine Reihe von Workshops zum Thema Projekt- und Zeitmanagement für NGOs und kommunale Behörden zu organisieren. Die Entwicklung von Ökotourismus in Kasachstan steht auch auf seinem Plan.</p>
<p style="text-align: justify">Momentan reist Damir durch das Land und hält Vorträge zum Thema Umweltbewusstsein. Dabei hat er ein Teleskop mit dabei, um am Abend bei wolkenfreiem Himmel Sterne zu beobachten und anderen zu zeigen. Wer Lust hat, den Hobby-Astronomen und Aktivisten Damir  zu unterstützen, kann gerne unsere Redaktion kontaktieren.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Zarina Zinnatova</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redekteurin bei Novastan</strong></p>
<p style="text-align: justify"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>AktivistInnen in Kasachstan: „Bei uns ist es schlimmer eine Feministin zu sein, als ein Dieb oder ein Gewalttäter“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[juliaschulz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jun 2019 12:37:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[LGBT]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Schande]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Ph&#xE4;nomen des &#x4B1;&#x44F;&#x442; (ujat= dt. Schande) ist in Kasachstan weit verbreitet. Das Onlinemagazin The Village Kasachstan setzt sich in einer speziellen Reihe (&#x4B0;&#x44F;&#x442; &#x435;&#x43C;&#x435;&#x441; &#x2013; keine Schande) intensiv mit diesem Thema auseinander. Den russischsprachigen Artikel &#xFC;bersetzen wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. In folgendem Artikel kommen Feministinnen und LGBT-Aktivisten zu Wort und sprechen &#xFC;ber [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Das Phänomen des ұят (ujat= dt. Schande) ist in Kasachstan weit verbreitet. Das Onlinemagazin <a href="https://www.the-village.kz/village/people/people/1259-uyat-emes-3?fbclid=IwAR1pvQ28nrP2iLl1dqTj4jSDx_qb9qVWf3vicY-OK3VS2S_-lVfb5KdkEPI">The Village </a>Kasachstan setzt sich in einer speziellen Reihe (Ұят емес – keine Schande) intensiv mit diesem Thema auseinander. Den russischsprachigen Artikel übersetzen wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify">In folgendem Artikel kommen Feministinnen und LGBT-Aktivisten zu Wort und sprechen über Themen wie Freiheit, Sexualität und das beschämt werden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gulsana Serschan</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>Mitbegründerin der kasachstanischen, feministischen Initiative „Feminita“, Menschenrechtlerin</em></p>
<p style="text-align: justify">Ich bin Feministin, Menschenrechtlerin und eine kasachische Frau. Ich war schon immer eine Feministin, aber ich habe erst angefangen mich auch so zu nennen, als ich Gleichgesinnte kennenlernte, die mir wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Feminismus empfahlen. Ich habe auch einen Kurs mit dem Titel „Die neue Generation von Menschenrechtlern in Kasachstan“ besucht. Mein Lebensstil und meine Weltanschauung unterscheiden sich nicht von den allgemeingültigen, weil ich der Meinung bin, dass meine Weltanschauung auch die allgemeingültige ist.</p>
<p style="text-align: justify">Ich denke, niemand hat das Recht, das anders zu sehen. Ich kann nicht sagen, dass ich jemals Druck erlebt habe, der mit dem Begriff „Schande“ zusammenhing. Ich hatte schon immer ein starkes Selbstwertgefühl, dank meiner Eltern, die mich geliebt und unterstützt haben.</p>
<p style="text-align: justify">Ich bin lesbisch und habe meine sexuelle Orientierung früher verheimlicht – aus Gründen der Sicherheit. Aber Wissen ist Macht! Als ich mir meiner Sexualität endgültig sicher war, die Menschenrechte studiert hatte und LGBTQI-Aktivistin (Lesben, Schwule, Transgender, Transsexuelle, Queere und Bisexuelle, Anm. d. Red.) wurde, konnte ich mich outen. Manche Menschen mögen mich dafür verurteilen, dass ich meine Orientierung nicht verheimliche. Aber das ändert nichts an meinem Inneren. Mich zu verurteilen ist sinnlos.</p>
<p><figure id="attachment_17404" aria-describedby="caption-attachment-17404" style="width: 959px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-17404" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/06/6c9qmBQW64sKk-ajeUaVhQ-wide.jpg" alt="" width="959" height="960" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/06/6c9qmBQW64sKk-ajeUaVhQ-wide.jpg 959w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/06/6c9qmBQW64sKk-ajeUaVhQ-wide-150x150.jpg 150w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/06/6c9qmBQW64sKk-ajeUaVhQ-wide-300x300.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/06/6c9qmBQW64sKk-ajeUaVhQ-wide-768x769.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/06/6c9qmBQW64sKk-ajeUaVhQ-wide-550x550.jpg 550w" sizes="auto, (max-width: 959px) 100vw, 959px" /><figcaption id="caption-attachment-17404" class="wp-caption-text">Aktivisten versuchen, die Gesellschaft für &#8222;nicht-traditionelle&#8220; sexuelle Orientierungen zu sensibilisieren und toleranter zu machen</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Am meisten verblüffen mich die Anfeindungen einiger Männer gegenüber kasachischen Frauen, mit dem Ziel diese zu belehren. Diese Männer haben bei den <a href="https://www.bbc.com/news/world-asia-36163103">Demonstrationen gegen die Landreform</a> nicht nur feige geschwiegen, sondern die Anstrengungen der Demonstrationen auch für Misogynie missbraucht. Zumindest lassen sich die Erklärung im wichtigsten staatlichen Fernsehkanal kaum anders verstehen: „Wir werden die Erde nicht den Ausländern und mit Ausländern verheirateten Kasachinnen überlassen.“, oder: „Die Forderungen der Männer (!) in der Landfrage, wurden auf der Sitzung der Regierung geprüft.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/proteste-in-kasachstan-ueber-80-festnahmen-in-almaty-und-nur-sultan/">Proteste in Kasachstan- 80 Festnahmen in Almaty und Nur Sultan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Wenn man dem Glauben schenken soll, machen sich bei uns nur die Männer Sorgen um das Land, währen die Frauen es allesamt den Ausländern überlassen. Sind diese Männer zu den Demonstrationen gegangen? Ich – eine lesbische, kasachische Frau – bin zu den nicht genehmigten Demonstrationen am 21.Mai 2017 gegangen, gemeinsam mit anderen lesbischen kasachischen Frauen, deren Existenz von diesen „belehrenden“ Männern verleugnet wird.</p>
<p style="text-align: justify">„Schande“ ist ein persönliches Gefühl, das man nicht auf andere Menschen übertragen kann. Außerdem hat „Schande“ auch keine Nationalität. Dieses Gefühl bringt mich dazu, bestimmte Dinge zu tun, oder nicht zu tun: nicht lügen, nicht fluchen, gerecht sein. Aber eine Frau der „Schande“ anzuklagen, nur weil sie eine Kasachin ist, das ist Unfug! Man sollte kein märchenhaft verklärtes Bild der kasachischen Frau entwerfen, das vollgestopft ist mit der sogenannten „Schande“ einiger Männer. Wenn ich sage, dass auch ich eine kasachische Frau bin, dann müsst ihr das akzeptieren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Alina Newidimko<br />
</strong><em>Feministin, Designerin</em></p>
<p style="text-align: justify">Leider herrscht in Kasachstan die Meinung vor, dass sich Frauen auf eine bestimmte Art und Weise zu benehmen haben. Dieses Benehmen ist vor allem für die Männer angenehm. Aber es verdirbt die weibliche Individualität: Kunst, Hobbys, die eigene Meinung – all die positiven Eigenschaften, die Frauen besitzen könnten und besitzen, die sie aber davon abhalten gehorsame Schäfchen zu sein. Denn so betrachten die Kasachen traditionell die Frauen und Mädchen, als charakterlos und schwach. Sie sollen den Blick senken, den Tee einschenken, nicht widersprechen, die Wohnung in Ordnung halten und um sechs Uhr morgens aufstehen. Zu mir passt das nicht. Und ich versuche, auch anderen Frauen zu erklären, dass sie das Recht haben, sich zwischen Familie und Karriere zu entscheiden.</p>
<p style="text-align: justify">Mein Aussehen passt nicht zu den Standards, die in unserer Gesellschaft als annehmbar gelten. So wie ich rede, dass ich es wage mit Männern zu diskutieren, meine Meinung zu vertreten und Beweise anzuführen passt ebenso wenig. Sie denken trotz der von mir aufgeführten Beweise, dass sie Recht haben und sagen, dass ich vom Westen manipuliert sei, dass ich irgendwelche Milliarden von Obama bekäme oder sonstiger derartiger Quatsch.</p>
<p style="text-align: justify">Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass die Leute, anstatt ihre eigenen Probleme zu lösen, lieber Andere belehren. Ich sehe das an den Kommentaren (Anmerkung: im Internet): die Leute haben absolut keine Ahnung vom Thema, aber sie glauben, dass sie ihren Standpunkt unter die Leute bringen müssen und Andere verändern könnten.</p>
<p style="text-align: justify">Nach der ersten Veranstaltung der feministischen Initiative, bei der ich damals aktiv war, kam ich mit „Shaming“ (Beschämung, Anm. d. Red.) in Berührung. Die Reaktionen in den Medien waren eigenartig: es hieß, dass die Frau irgendeine bestimmte, natürliche Bestimmung hätte und dass es ein Kampf gegen die Natur sei, sich dieser zu widersetzen. Damals verstand ich, dass wir uns zwar im 21.Jahrhundert befinden, einige Menschen aber weiterhin erfolgreich im Mittelalter leben.</p>
<p><figure id="attachment_9025" aria-describedby="caption-attachment-9025" style="width: 500px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-9025" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/artworks-000222526562-yijf7c-t500x500.jpg" alt="Feminismus Marsch Almaty Kasachstan" width="500" height="500" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/artworks-000222526562-yijf7c-t500x500.jpg 500w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/artworks-000222526562-yijf7c-t500x500-150x150.jpg 150w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/artworks-000222526562-yijf7c-t500x500-300x300.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/artworks-000222526562-yijf7c-t500x500-32x32.jpg 32w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/artworks-000222526562-yijf7c-t500x500-50x50.jpg 50w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/artworks-000222526562-yijf7c-t500x500-64x64.jpg 64w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/artworks-000222526562-yijf7c-t500x500-96x96.jpg 96w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/artworks-000222526562-yijf7c-t500x500-128x128.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><figcaption id="caption-attachment-9025" class="wp-caption-text">Feministischer Marsch in Almaty am 8. März 2017</figcaption></figure></p>
<p>Es ist traurig, wenn man begreift, dass alles was wir getan haben, über was wir Vorlesungen gehalten haben und all die Fakten, die wir aufgeführt haben – dass das niemanden interessiert. Die Leute wollen einfach behaupten, dass der Feminismus Unsinn ist, aufgezwungen von der westlichen Propaganda, damit die Frauen keine Kinder kriegen und die Kasachen aussterben.</p>
<p style="text-align: justify">Jeden Tag werden meine Bekannten damit konfrontiert, dass ihr Verhalten als nicht ausreichend züchtig bewertet wird. Und das nur, weil sie es wagen, anders auszusehen. Eine Bekannte von mir wurde geschlagen, weil sie nicht heteronormativ genug aussieht, mit kurzen Haaren und lockerer Kleidung, die nicht die Figur betont. Ich kenne die Geschichte eine Frau, die geschlagen und der mit Vergewaltigung gedroht wurde, die davon aber ihrer Familie nichts erzählen konnte und ihre Anzeige zurückzog, weil sie glaubte, dass niemand sie akzeptieren oder verstehen würde. Eine andere Frau wurde nach dem Sex zu einer Abtreibung gezwungen und auch sie konnte niemandem davon erzählen, weil es eben eine „Schande“ war.</p>
<p style="text-align: justify">Der Grund für dieses Gefühl der Schande in Kasachstan ist Angst; die Möglichkeit den Menschen mit einer vermeintlichen, mystischen Vergeltung Angst einzujagen, um sie zu manipulieren. Die Religion ist der Politik dabei behilflich, da Schande direkt mit Sünde verbunden ist. Dieses Konzept erlaubt es den Leuten zu bestimmen, was richtig und was falsch ist.</p>
<p style="text-align: justify">Schande – das ist die Fortsetzung der Prinzipien des Tabus bis hin zur Todsünde. Es werden Verbote für bestimmte Handlungen aufgestellt. Früher hatte das sogar einen Sinn. Heutzutage aber nicht. Einen kurzen Rock zu tragen, ist keine Sünde. Genau so wenig wie sich die Haare kurz zu schneiden, eine eigene Meinung zu haben, keine Kinder zu bekommen oder die Möglichkeit zu haben in dem Beruf zu arbeiten, in dem man arbeiten möchte und gutes Geld zu verdienen. Das alles ist keine Schande! In allen progressiven Staaten der Welt sind Frauen ein gleichberechtigter Teil der Gesellschaft und können selbst über ihr Leben und ihren Körper bestimmen.</p>
<p style="text-align: justify">Meine gesellschaftliche Position ist Feministin. Ich habe erst 2015 begonnen mich ganz und gar als Feministin zu bezeichnen. Davor dachte ich einfach, dass ich die Freiheit habe auf niemanden zu hören und mich so zu benehmen, wie ich es für richtig halte. Diese ganzen dämlichen Traditionen, dass man die Alten respektieren muss und ihnen nicht widersprechen darf, weil sie angeblich immer weise sind, habe ich noch nie verstanden. Mir gefällt das Zitat von <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Artemy_Lebedev">Artemi Lebedev</a>: „Wenn man so darüber nachdenkt: irgendein alter Sack lebt länger auf dieser Welt als ich. Warum sollte er deshalb weiser sein als ich?“ Niemand kann besser wissen als du, was du brauchst. Auch wenn er &#8211; nach gängigen Maßstäben &#8211; als weise gilt.</p>
<p style="text-align: justify">Der Feminismus wird in den Medien sehr negativ dargestellt, der Begriff selbst wird als Schimpfwort empfunden. Aber Feminismus bedeutet nicht nur unrasierte Achseln. Je mehr ich gelesen habe, desto mehr habe ich das Wesentliche und die Wichtigkeit dieser Bewegung verstanden. In Kasachstan stoßen Frauen auf sehr viele Probleme und der Feminismus kann helfen, sie zu lösen.</p>
<p style="text-align: justify">Sollen sie ruhig sagen, dass Feministinnen schlecht sind, hässlich, fett und ungefickt. Okay, das ist nicht schlimm. Und ja, ich bin eine Feministin. Ich benutze die Feminitiva (weibliche Wortformen, Anm. d. Red.) auch wenn manche das dumm oder lächerlich finden, weil es in gewisser Weise dazu beiträgt, dass Frauen eine bessere Bezahlung bekommen. Wenn ein Arbeitgeber versteht, dass es unter den Spezialisten auch Spezialistinnen gibt, dann muss er diese auch genauso gut bezahlen. Deshalb bin ich DesignerIN.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/heldinnen-zentralasiens-von-den-wichtigsten-frauen-der-region/">Heldinnen Zentralasiens: Von den wichtigsten Frauen der Region</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Frauen müssen sich für nichts schämen oder sich davor fürchten, dass sie verurteilt oder verachtet werden. Sie müssen nicht versuchen, sich den Normen der Gesellschaft anzupassen, um der „Schande“ zu entkommen. Denn wir werden immer „unbequem“ sein, wir werden immer falsch sein, wir werden immer schuldig sein. Egal wie wir aussehen, egal was wir machen und egal über was wir reden – die Frau ist immer falsch.</p>
<p style="text-align: justify">Selbst wenn du von Kopf bis Fuß in einem Hidschāb oder Schleier steckst, du wirst trotzdem misshandelt, wie Beispiele aus muslimischen Ländern zeigen. Und auch wenn du die Hochschule beendet hast, sehr belesen bist und viele Erfahrungen hast, wirst du 20 bis 30 Prozent weniger verdienen als ein Mann. Selbst wenn du – aus Sicht der Gesellschaft – eine ordentliche Ehefrau bist, deine Kinder gut erziehst und deinen Mann bedienst, wird dir dennoch auf die Finger geklopft. Egal was du auch tust, du wirst immer schlecht sein, es wird sich immer ein Grund fürs „Shaming“ finden. Du wirst immer dreckig, falsch und unrein sein.</p>
<p style="text-align: justify">Man kann dir während deiner Periode sogar den Eintritt in die Moschee verbieten. Auch wenn du jeden Tag das Namaz (Gebet im Islam, Anm. d. Red.) liest, die Kleiderordnung einhältst und dich an alle Regeln des Korans hältst. Ganz unabhängig davon, was du tust, du bist immer schlecht. Deshalb sollte man keine Angst davor haben, schlecht zu sein.</p>
<p style="text-align: justify">Du musst die Traditionen nicht ehren, nach denen du nicht einmal ein halber Mensch bist, nach denen du gerade mal ein bisschen mehr Rechte hast als ein Tier.  Stattdessen solltest du versuchen, so zu leben, wie du es willst und dich so zu benehmen, wie du es willst: einen Hochschulabschluss machen, eine interessante Arbeit ausüben. Verbring nicht dein ganzes Leben damit, Kinder großzuziehen und deine Familie zu bedienen, sondern tu das, was du für wichtig hältst und beschäftige dich mit dem, was dich interessiert!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Amir Schaikeshanov<br />
</strong><em>LGBT Aktivist</em></p>
<p style="text-align: justify">Mein Lebensstil und meine Weltanschauung sind nicht gerade kanonisch. Ich bin Liberaler und davon überzeugt, dass jeder Mensch die Freiheit über seine Identität und die Wahl seiner Weltanschauung haben sollte und zwar bis zu dem Punkt, bis zu dem er nicht die Rechte eines Anderen verletzt.</p>
<p style="text-align: justify">Ich bin ein Unterstützer der Ideen der Aufklärung und der freien Wahl und nicht der Verbote und des Weglaufens vor unangenehmen Themen. Alle Menschen haben Sex, deshalb ist es notwendig, dass man Sexualkundeunterricht durchführt, sowohl für Jugendliche, als auch für Erwachsene. Durch häusliche Gewalt sterben in Kasachstan dutzende Frauen pro Jahr, deshalb müssen wir Themen wie Gerechtigkeit und den Schutz der Frauen und Kinder besprechen.</p>
<p style="text-align: justify">„Schande“ ist ein Konstrukt, das die Kasachen schon in ihrer Kindheit verfolgt. Ich bin das erste Mal in jungen Jahren damit in Berührung gekommen. Damals habe ich verstanden, dass es bei uns nicht richtig ist, man selbst zu sein. Es ist sicherer so zu tun, als sei man anständig und bequem.</p>
<p style="text-align: justify">Für meine eigene Meinung wurde ich im Laufe der Zeit auch beschämt. Es hieß, ich sei arrogant, meine Selbstständigkeit sei eine Frechheit und meine Offenheit albernes Geschwätz. Ich komme immer noch oft mit „Schande“ in Berührung. Ich kämpfe wie folgt damit: Als Schwuler schweige ich nicht über die Probleme der LGBT-Community. Ich spreche mich für das Recht der Frauen aus, in Sicherheit zu leben und die gleichen Rechte zu haben wie Männer.<strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/15-millionen-kasachstaner-nicht-traditioneller-orientierung/">1,5 Millionen Kasach „nicht-traditioneller“ Orientierung</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich bin außerdem für den Schutz der Individualität der Kinder, gegen Gewalt und Abschirmung von wichtigen Informationen, eingeschlossen Sexualkunde. Ich lehne es ab, die eigene Meinung zu verstecken und bin sexpositiv. Ich kämpfe gegen das System der Autoritäten, die uns – ohne etwas vorweisen zu können –   aufgezwungen werden, nur auf Grundlage ihres Alters, ihrer sozialen oder ihrer politischen Position.</p>
<p style="text-align: justify">In Kasachstan stört mich am meisten die mangelnde Wertschätzung für das Leben: Erwachsene und scheinbar kluge Leute sind bereit ihre Angehörigen und Kinder zu töten oder ihre Gesundheit in Gefahr zu bringen, nur aufgrund der Erwartungen von fremden Menschen. Junge Frauen und Männer werden aus dem Haus gejagt, geschlagen und abgelehnt, sie werden gezüchtigt oder sogar getötet und das nur wegen einer unerwarteten Schwangerschaft, Sexualität an sich oder der Liebe zu einer Person mit einer anderen Nationalität.</p>
<p><figure id="attachment_8987" aria-describedby="caption-attachment-8987" style="width: 1023px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-8987" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/c106d35072cea465a6219a2c473b46c6.jpg" alt="" width="1023" height="558" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/c106d35072cea465a6219a2c473b46c6.jpg 1023w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/c106d35072cea465a6219a2c473b46c6-300x164.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/c106d35072cea465a6219a2c473b46c6-768x419.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1023px) 100vw, 1023px" /><figcaption id="caption-attachment-8987" class="wp-caption-text">LGBT*IQ Aktivisten nach einer Aktion in Zentralasien</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Mir scheint, das sind die Reste des Tribalismus (Stammestum, Anm. d. Red): die Notwendigkeit in einer Gemeinschaft zu leben und mit deren Werten übereinzustimmen. Im Rahmen der Globalisierung, der Urbanisierung und dem wachsenden Einfluss der Popkultur entfernt sich die junge Generation allerdings immer weiter von den Kategorien „Schande“ und „Wir“ und nähert sich stattdessen den Kategorien „Freiheit des Individuums“ und „Ich“. Natürlich mit einem örtlichen Flair, aber mit der Hoffnung auf eine offenere und tolerantere Gesellschaft.</p>
<p style="text-align: justify"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Polina Pollinium</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>polyamorös, pansexuell, Feministin</em></p>
<p style="text-align: justify">Meine Weltanschauung und mein Lebensstil unterscheiden sich in großem Maße von den in Kasachstan gängigen. Zuerst einmal bin ich pansexuell, d.h. meine Zuneigung zu einem Menschen hängt nicht von dessen Gender(-Identität) ab. Anders gesagt: die Genitalien sind mir egal, ich liebe den Menschen selbst, für seinen Charakter und seine Äußerungen. Zweitens bin ich <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Polyamorie">polyamorös</a>. Mir erscheint es natürlich für mehrere Menschen gleichzeitig romantische und sexuelle Zuneigung zu empfinden. Außerdem trete ich für die Polygamie ein – eine Ehe mit mehr als zwei Partnern.</p>
<p style="text-align: justify">Ich glaube, dass diese Form der Beziehung eine Reihe von Vorteilen gegenüber einer traditionellen Beziehung hat. Zum Beispiel die Aufteilung alltäglicher Pflichten, das Teilen von Rechnungen, sowie die Kindererziehung. Vor allem den letzten Punkt möchte ich hervorheben. Viele Kinder leiden darunter, zu wenig Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber man kann auch die Eltern verstehen: Sie arbeiten den ganzen Tag und zuhause warten dann auch noch eine Menge Aufgaben. Da reicht die Zeit für die Kinder einfach nicht. In einer Ehe mit mehr als zwei Partnern kann man sich mit den elterlichen Pflichten abwechseln und es wird viel einfacher.</p>
<p style="text-align: justify">Darüber hinaus bin ich Feministin. In Kasachstan wird diese Weltanschauung nicht unterstützt. Vor einer Weile gab es einen Hype um ein Video, in dem ein Typ auf einem Parkplatz dazu auffordert, die kasachischen Frauen zu erziehen. Schlimmer als das Video selbst waren die vielen Unterstützer. Aber unsere Frauen waren nicht verlegen, sie haben geantwortet, sie schrieben zum Beispiel: „Ich bin eine kasachische Frau und ich bin lesbisch.“ Sie wollten daran erinnern, dass kasachische Frauen kein höriges Vieh sind, sondern Persönlichkeiten mit Meinungen und Ansichten. Aber die Reaktionen waren schrecklich: es wurde persönlich, es wurde beleidigt. Es schien so, als ob bei uns Feministinnen als schlimmer erachtet werden als Gewalttäter, Diebe und Korrupte.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-2030-gleichberechtigung-auch-im-beruf/">Zentralasien 2030: Gleichberechtigung auch im Beruf?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Als ich noch zur Schule ging, war eine meiner Mitschülerinnen auch „Slutshaming“ ausgesetzt. In der siebten Klasse wussten alle über ihr Privatleben (und ihr angebliches Sexleben) Bescheid. Die Kinder haben angefangen, sie als Schlampe zu bezeichnen. Ich erinnere mich daran, was das für ein Mädchen war. Sie war hübsch, selbstsicher und mutig, denn sie ist den Provokationen nicht erlegen. Persönlich bin ich noch nicht mit „Shaming“ in Berührung gekommen, weil ich bisher auch nie über meine Ansichten gesprochen habe, ich hatte kein öffentliches Coming-Out.</p>
<p style="text-align: justify">Bei uns gibt es ein Verständnisproblem. Wir sagen: „Schluss mit der Gewalt“ und die „Shamer“ und andere Verteidiger der Traditionen verstehen: „Wir drängen euch die westlichen Werte auf.“ Als ob die westlichen Werte ständige LGBT-Paraden, Feministinnen-Märsche mit unverhüllten Brüsten und die Ablehnung von vaginalem Sex wären. Dort, in diesem geheimnisvollen Westen, gehen Menschen ganz normale Ehen ein, bringen Kinder zu Welt und treten sogar Enthaltsamkeits-Gruppen bei. Aber dort strebt die Gesellschaft nach Bewusstheit und Toleranz.</p>
<p style="text-align: justify">Es ist schon klar, warum unsere Gesellschaft den Feminismus ablehnt. Kein Sklavenhalter möchte, dass sein Eigentum sich auflehnt. Den Frauen wird eingeredet das Patriarchat sei das reinste Vergnügen: Geschenke hier, Aufmerksamkeit da. Über die Schattenseiten wird hingegen geschwiegen. Das Patriarchat wird zudem als normale Gesellschaftsform wahrgenommen und die „Shamer“ sind das Ordnungskommando. Eine Frau, die sich auflehnt, wird beschämt. Ein Mann, der sie in Schutz nimmt, wird ebenfalls beschämt. Es werden alle beschämt, die sich vom „Normalen“ unterscheiden.</p>
<p style="text-align: justify">Für den Anfang wäre es nicht schlecht, den Leuten Toleranz und Respekt für den Einzelnen beizubringen. Und damit die Begriffe „gut“ und „schlecht“ zu ersetzen. Aber vor allem muss man erklären, dass Gewalt das schlimmste Übel ist und eine Bremse für unseren Fortschritt. Wenn wir eine Gesellschaft aufbauen wollen, in der sich jeder und jede sicher fühlt, dann sollte das Ausmerzen der Anreize zur Gewalt das Ziel Nummer eins sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify"><strong><u>Arina Ossinovskaja</u></strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>Aktivistin von „Kasfem“</em></p>
<p style="text-align: justify">Vor sieben Jahren bin ich Vegetarierin geworden und das hat mich dazu bewogen auch über andere Dinge nachzudenken, die ich früher für normal hielt. Heute bin ich Veganerin, bezeichne mich als Feministin und vertrete links-anarchistische politische Ansichten. Bei fast jedem gibt es diesen kleinen Moment, der einen dazu bringt, zurück zu blicken und sich zu fragen, ob man bisher richtig gelebt hat. Die Frage, die man sich öfter stellen sollte, lautet aber: Verhalte ich mich jetzt richtig? Sind mein Essen und meine Kleidung es wert, dass Tiere sterben und andere Menschen dafür ausgebeutet werden? Habe ich das Recht, und vor allem den Wunsch, Teil dieser riesigen Kette ununterbrochenen Konsums zu sein?</p>
<p style="text-align: justify">Ich habe mit vielen Dingen in unserer Gesellschaft Probleme. Zum Beispiel damit, dass man sich bei uns daran gewöhnt hat, das Aussehen der Frauen kritisch zu bewerten. Oder dass schon allein mein Recht, mich ohne Begleitung eines Mannes irgendwohin zu bewegen, Erstaunen hervorruft. Und auch mit den herrlich selbstsicheren „Shamern“ die nicht bereit sind ihr Recht abzulegen, über andere zu urteilen und alles und für alle zu entscheiden, vor allem für die kasachischen Frauen. Oder die beleidigenden und drohenden Kommentare unter den Artikeln über die Aktionen von „Kasfem“.</p>
<p style="text-align: justify">Die Frage nach dem Lebensstil und der Weltanschauung ist ziemlich schwierig, weil man sie verschieden verstehen kann. Was ist Allgemeingültigkeit? Ich schlitze nicht einmal pro Jahr ein Schaf auf, will nicht heiraten, reise gerne alleine, trampe, ich möchte keine Kinder und hasse das Wort „Schande“. Ich halte den Mann nicht für das Familienoberhaupt, ich kämpfe für die Gleichberechtigung der Geschlechter und glaube an das Glück aller lebendigen Wesen.</p>
<p style="text-align: justify">Man kann in unserer eklektischen kasachischen Gesellschaft von Dörfern und Städten keine allgemeinen Werte erkennen, außer der Angewohnheit zuzustimmen und zu ertragen. Zustimmen, wenn man gezwungen wird, ein Kopftuch zu tragen. Ertragen, jemanden zu heiraten, den man nicht liebt und manchmal auch dessen Hand zu spüren. Zustimmen, zur Entscheidung der Eltern über die eigene Zukunft, und danach die ausgewählte Universität und die erkaufte Arbeit ertragen. Der ausgewählten Braut zuzustimmen und akzeptieren, dass man sein ganzes Leben mit seinen Eltern leben wird, weil man der jüngste Sohn ist.</p>
<p><figure id="attachment_16561" aria-describedby="caption-attachment-16561" style="width: 1280px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-16561" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/fem_02.jpg" alt="" width="1280" height="853" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/fem_02.jpg 1280w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/fem_02-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/fem_02-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/fem_02-1024x682.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/fem_02-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /><figcaption id="caption-attachment-16561" class="wp-caption-text">&#8222;Uyti nelzia terpet&#8220; &#8211; Die Interpretation lässt offen: Verlassen oder Aushalten? Jede Frau sollte selbst entscheiden</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Ich glaube nicht an die Märchen der Liberalen von der Freiheit der Wahl. Wir wissen doch, wie so ein Prozess in unserem Land aussieht. Aber ich glaube an das Recht des Menschen auf die Freiheit seines Verhaltens, an das Glück und daran, dass niemand das Leiden und die Ausbeutung anderer Menschen verursachen sollte. Homophobie, Sexismus, Nazismus und die vollkommen vorsätzliche apolitische Haltung großer Teile der Bevölkerung beginnen uns in einen Zustand der Hoffnungslosigkeit zu ziehen.</p>
<p style="text-align: justify">Es ist gut, dass damit begonnen wurde über Gewalt gegen Frauen zu sprechen, aber besser wäre es doch, wenn es keinen Anlass gäbe, darüber zu sprechen. Es gab in der Vergangenheit vor Gericht einige Fälle, in denen es um häusliche Gewalt und Vergewaltigung ging. Diese Fälle wurden gewonnen, was sehr wichtig ist, weil sie gezeigt haben, dass die Justiz arbeiten kann und sollte, wenn öffentlich über „Schande“ geredet wird. Fälle wie diese beginnen nicht mit einer Anzeige, sondern mit der Bereitwilligkeit und dem Glauben, dass die Justiz Gewalttäter und Tyrannen innerhalb der Familie bestraft. Und das kann den Frauen helfen, ihr Leben zu retten, sie anstoßen, eine Anzeige zu machen und Gerechtigkeit zu erlangen.</p>
<p style="text-align: justify">Ich habe die Ausweglosigkeit in den Augen einer Frau gesehen, zu der wir mit der Polizei gefahren sind, um sicherzustellen, dass sie noch lebt und sie davon zu überzeugen, eine Anzeige gegen ihren schlagenden Ehemann zu machen. Sie hat es abgelehnt. Da haben weder unsere Überzeugungsversuche noch die Nachfragen der Polizei geholfen. Und in dem Moment habe ich die ganze Kraft der „Schande“ gespürt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="Interview%20mit%20der%20kasachischen%20Frauenrechtlerin%20Ayman%20Umarowa">Gewalt kann nicht toleriert werden: Interview mit der kasachischen Frauenrechtlerin Ayman Umarowa</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich bin mit meinen Freundinnen im Polizeiauto nach Hause gefahren und habe vor Machtlosigkeit geweint. Und dort in diesem kleinen Dorf außerhalb des Almatiner Ringes weinte meine Altersgenossin über die schweren körperlichen Verletzungen, die sie sich nicht anzuzeigen traute. Solange alle schweigen, befangen durch das falsche Gefühl der Scham, ihre blauen Flecken unter Kosmetik verstecken, und den Kopf unter einem Kopftuch – sieht es so als würde in diesem Land nichts passieren. Alles in bester Ordnung.</p>
<p style="text-align: justify">Die Ursachen für die „Schande“ sehe ich in der Beziehung des Staates zur Familie, als wäre sie das letzte, worauf man sich noch stützen kann. Wenn es keine Stabilität in der Wirtschaft gibt und man den sozialen Bereich einschließlich des Gesundheitswesens schon lange aufgegeben hat, was bleibt den Kasachen da noch zu wünschen? Nur eine starke Familie!</p>
<p style="text-align: justify">Außerdem ist die „Schande“ verwurzelt in der Vorstellung der Frau als schweigsame und demütige Vertreterin des schwachen Geschlechts, die eine Nebensache ist und Eigentum des Mannes. Deshalb besteht mein persönlicher Kampf mit der „Schande“ aus weniger familiären Werten, mehr Polyamorie und mehr persönlichen Äußerungen über das Eigene, das Weibliche.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Ulpan Ramasowa,  <a href="https://www.the-village.kz/village/people/people/1259-uyat-emes-3?fbclid=IwAR1pvQ28nrP2iLl1dqTj4jSDx_qb9qVWf3vicY-OK3VS2S_-lVfb5KdkEPI">The Village KZ</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem russischen von Julia Schulz</strong></p>
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