Aus dem Dokufilm "Mardikor" von Makhpora Kirimova über Handwerkerfrauen in Tadschikistan

Weibliches Kino aus Zentralasien

Diese Filme aus Zentralasien lohnt es sich zu schauen. Allein schon deshalb, weil sie von Regisseurinnen gemacht wurden. Der Artikel erschien bei Asia-Plus am 26. September, anlässlich des feministischen Online-Festivals FemAgora. Wir übersetzen den Text zusammengefasst mit freundlicher Genehmigung.

Vom 21.-26. September stellten die Organisatoren des feministischen Festivals FemAgora Filme weiblicher Regisseurinnen aus Zentralasien und Deutschland auf ihre Webseite. Zu erschwinglichen Preisen konnte man sich 23 Spiel- und Dokumentarfilme anschauen. Anschließend fanden Diskussionen mit den Regisseurinnen auf Facebook und Youtube statt.

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Gezeigt wurden frische und interessante Werke. Doch nicht weniger interessant und offen waren die Diskussionen über weibliches Kino. Der Kurator der Filmsektionen Moldiıar Ergebekov etwa sprach mit den Regisseurinnen über die Rolle der Frauen im zentralasiatischen Kino.  „Ich zitiere Debra Zimmerman, Vorsitzende der amerikanischen Non-profit Organisation Women makes movie“, beginnt Katerina Zuvorova, unabhängige Filmemacherin und Vorsitzende eines Studios für Dokumentarfilme aus Kasachstan, „Zimmermann sagt, dass Männer aufgrund ihrer privilegierten Posten in vielen Situationen Geschichten über Männer gut erzählen können. Frauen aber, die nicht solche Privilegien besitzen, kennen beides gut. Weibliche Autorinnen besitzen eine größere Objektivität und Mitgefühl gegenüber bestimmten Helden oder Themen“.

An der Diskussion nahm auch die Regisseurin des Dokumentarfilms „Entfremdung“ Begim Dscholudbaj Kysy aus Kirgistan teil. In ihrem Film erzählt sie über die rein männliche Welt im Leben von Schäfern. „Mir ist diese Welt wohl bekannt, ich kenne den Helden des Films seit meiner Kindheit und kann daher seine wahre Geschichte erzählen“, sagt Dscholudbaj Kysy.

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Bei der Diskussion erklärten die Regisseurinnen außerdem ihren Blick auf die Dokumentationen: „Mir war es wichtig das zu dokumentieren, was jetzt passiert“, erklärt Zuvorova. und weiter: „Kann sein, dass es im Moment nicht modern oder populär ist. Aber mir gefallen mehr jene Leute, die nicht im Rampenlicht stehen. Das können Alte sein, die Bücher sammeln: Solange wir nicht ihre Geschichte erzählen, kennt sie niemand. Als wir den Film „Morgen das Meer“ drehten, war ein 86-jähriger dabei, ich war damals noch jung und hatte andere Prioritäten. Aber Fakt ist, dass wir mit dem Film sein Leben eingeprägt, und somit das Bild dieses Menschen bewahrt haben, der mal gelebt hat. Heute ist mir das sehr wichtig. Die Leben von Menschen in Dokumentarfilmen einzufangen, das wertschätze ich heute sehr“.

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Makhpora Kirimova aus Tadschikistan, Journalistin und Autorin des aufsehenerregenden Dokumentarfilms „Mardikor“ [auf tadschikisch Handwerker; Anm. d. Red.], findet, das Wichtigste an Dokumentarfilmen sei ihre soziale Komponente: „Ich fühle mich nicht als Regisseurin, denn Dokumentationen sind für mich die Fortsetzung journalistischer Arbeit, nur in größerem und komplexerem Format. In meinem Empfinden als Journalistin, gehört es nicht zu den primären Aufgaben, Ereignisse und Fakten zu beschreiben. Für mich muss eine Dokumentation auch ein sozial sinnvolles Produkt sein, dazu gehört nicht nur, eine Situation zu beschreiben, sondern auch, sie zu beeinflussen“. Makhpora erzählt wie nach ihrem ersten Dokumentarfilm über die weibliche Handwerkerin, hunderte von TadschikInnen begannen, der Hauptfigur ihres Films zu helfen. Mit dem Geld konnte die Frau nicht nur Nahrungsmittel und Kleider besorgen; die Hilfen ermöglichten es ihr, einen Beruf zu erlernen.

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Diese Frauen haben keine Ausbildung. Wenn sie ohne Mann bleiben, müssen sie daher auf den Handwerker-Märkten arbeiten. Dort übernehmen sie jegliche Aufgabe- Graben, Putzen, und arbeiten für eine Kopeke [ca. einen Cent, Anm.d.Red.]. Ab Oktober wird nicht nur die Heldin meines Films, sondern viele andere Frauen des Handwerkermarktes lernen, einen Beruf auszuüben und ihr eigene Business aufzumachen, damit sie für sich und ihre Kinder sorgen können- darum kümmert sich eine soziale Organisation, und eine weitere stellt ihnen Stipendien zur Verfügung, damit sie die Ausbildung machen könne, ohne sich darüber sorgen zu müssen, wie sie in der Zwischenzeit ihre Kinder ernähren“, erzählt Makhpora weiter.

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Zuvorova fügt hinzu, dass beim Festival Gelder gesammelt wurden, die für soziale Projekte eingesetzt werden können: „Wir arbeiten hier alle ehrenamtlich, und das ist richtig. Die Arbeit hier braucht genauso viel Kraft, wie die Arbeit am Film selbst. Unseren Autorinnen ist es daher wichtig zu wissen, dass Gelder für soziale Kampagnen gesammelt, und dem Land bereitstellt werden können. Bereits während der Arbeit am Film kann man sich mit den sozialen Organisationen verbinden, sodass diese nach Veröffentlichung des Films weiter fortbestehen können“, empfiehlt Zurova.

Ich war nicht wirklich vorbereitet auf das, was folgte“, sagt Makhpora. „Ich dachte, ich würde den Film beenden und mich dann daran machen, eine andere Geschichte zu erzählen. Aber am Ende verbrachte ich noch einen Monat damit, mit den Heldinnen meines Films zu arbeiten, auch nachdem die Doku schon in den Kinos erschienen war.

Lilya Gaizina
Asia-Plus

Aus dem Russischen von Julia Tappeiner

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