Über 2 Millionen Jahre alte Knochen in Tadschikistan gefunden

Russische und tadschikische Forscher sind im Norden von Tadschikistan auf 2,2 bis 2,5 Millionen Jahre alte Wirbeltierknochen gestoßen. Diese Entdeckungen werden die Kenntnisse der Forscher über die Fauna die historischen und zivilisatorischen Entwicklungen der Vorfahren der jetzigen Bewohner Zentralasiens, die Wiege einer großen Anzahl von Kulturen und Gesellschaften, weiter präzisieren und vervollständigen.

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Es war eine völlig unerwartete Entdeckung. Am 10. Dezember letzten Jahres verkündete die Uralische Föderale Universität, dass ein Team von russischen und tadschikischen Forschern Knochen von Wirbeltieren im Alter von mehr als 2 Millionen Jahren identifiziert habe. Die Fundstätte befindet sich in den Distrikten Lachuti und Kuruksai, im Flussbecken des Kysylsuu im Norden Tadschikistans. Auch an vier weiteren Grabungsstätten, ehemals bewohnt von alten Zivilisationen, deren Funde als etwas jünger datiert werden, wurden die Archäologen fündig.

Die Forschungsstelle für naturwissenschaftliche Methoden in der humanwissenschaftlichen Forschung der Föderalen Uraluniversität erklärt, dass es sich bei den Knochen um eine Vielzahl an Wirbeltierknochen aus dem Pleistozän handele. Diese geologische Epoche geht auf 2,6 Millionen Jahre zurück und endete 11.700 Jahre vor unserer Zeit. Die damalige Tierwelt bestand aus großen Säugetieren wie etwa Mammuts, Rhinozerossen, Pferden, Hyänen und Geparden. Eine sehr vielfältige Fauna, die sich allerdings, aufgrund der besonders eifrigen Jagd des Menschen auf jene Zeitgenossen, im Niedergang befand.

Unter den bei den Ausgrabungen gefundenen Proben sind unter anderem auch Skelette des ‚Pliocrocutas‚, einer heute ausgestorbenen Hyänenart, Einhufer der Art ‚Equus stenonis‚, Schötensack-Bisons, sehr ähnlich den europäischen Bisons, sowie einige Artverwandte der Hirsche und Rhinozerosse. All diese Tierarten haben vor 2,5 bis 2,2 Millionen Jahren vor unserer Zeit gelebt.

Eine sehr aufschlussreiche Region für die archäologische ForschungGe

Dimitri Gimranov, Forscher an der Uralischen Föderalen Universität, erklärt, dass die Grabungen in den Jahren 1960 und 1980 begonnen haben, allerdings nach einiger Zeit unterbrochen wurden. „Wir befürchteten, dass im Laufe der letzten dreißig Jahre die Sedimente dieser Gebirgsregion Tadschikistans aufgrund der geologischen Prozesse, der Schlammlawinen und Wasserläufe, zerstört wurden. Glücklicherweise blieb die sedimentäre Schicht zugänglich für die Untersuchungen und reich an Wirbeltierknochenresten“, beschreibt der Archäologe.

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„Das ist gut, denn die Orte sind irrsinnig interessant für die Forschung. Dort finden wir die Fauna des Pleistozän vor 2,5 bis 2,2 Millionen Jahren vor. Sie entsprechen fast genau den Sedimentperioden der Taurida-Höhle (Halbinsel Krim), in der derzeit Grabungen stattfinden“, fügt er hinzu. Die große Mehrheit der Grabungsfunde wurde in das Regionalhistorische Museum der Stadt Baldschuwon gebracht. Es ist vorgesehen, dass die bei den Grabungen gefundenen Objekte im Winter 2022 analysiert und restauriert werden. Eine gewisse Anzahl von Pferdezähnen wird im Laufe des Jahres 2022 von Wissenschaftlern der Föderalen Uraluniversität in Jekaterinburg erforscht. Des weiteren haben die Archäologen vor, die Grabungen in den Regionen Lokhouti und Kourouksai fortzuführen.

Weitere Funde aus der Frühgeschichte

Zusätzlich zu den großen Säugetieren entdeckten die Archäologen vier weitere Grabungsorte, die damals von Menschen bewohnt wurden, fügt die Föderale Uraluniversität hinzu. An erster Stelle steht hierbei die Kolonie von Sarasm, eine proto-urbane bronzezeitliche Siedlung, die vor 5.500 Jahren gegründet wurde und seit 2010 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen ist. Ebenfalls wurde der Friedhof von Farkhor, der auf die frühe Bronze-Zeit, also zirka 2000 Jahre vor unserer Zeit datiert werden kann, besucht. Die hellenistische Festung Soli-Sard, die im dritten Jahrhundert vor Christus, zur Zeit der gräko-baktrischen Königreiche, erbaut wurde, gehörte ebenso zu den Besichtigungsstätten wie die mittelalterliche Kolonie Mustafotepe.

Durch die Vielfalt der historischen Epochen, die diese Stätten präsentieren, schenken diese vier Orte den Forschern ein aufschlussreiches Panorama der Zivilisationen, die diese Regionen in früheren Zeiten bewohnten. Sie erlauben es, die Verbindungen zwischen nomadischen und sesshaften Kulturen und die Beziehungen dieser Völker an Kreuzungspunkten unterschiedlichster Einflüsse zu verstehen: Die zentralasiatischen Kulturen waren in Kontakt mit jenen, der sibirischen Steppen, kannten das Joch der griechischen Königreiche und wurden auch von Einflüssen aus dem Iran, der syro-mesopotamischen Reiche und sogar von Belutschistan geprägt.

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Unter den gefundenen Objekten, befinden sich Skelette von Tieropfern. Anton Kochnev, Forscher des naturwissenschaftlichen Laboratoriums in der Forschungsstelle für Humanwissenschaften der föderalen Uraluniversität, erklärt dass „alle Knochenreste von Nutztieren stammen“. Die Bestandsaufnahme der ausgegrabenen Objekte wird wichtige Aufschlüsse in Bezug auf die Sesshaftwerdung und die Viehhaltung vergangener Völker in diesem Teil Zentralasiens leisten.

Annah Tiprez
Redakteurin von Novastan France

Aus dem Französischen von Andrea Baldauf

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