Attacke IS Tadschikistan Ischkobod Grenze

Tadschikistan: 13 Kinder sollen an Anschlag auf Grenzposten beteiligt gewesen sein

Laut Angaben der tadschikischen Sicherheitsbehörden waren 13 Minderjährige im Alter von 4 bis 15 Jahren an dem Terroranschlag vor drei Wochen beteiligt. Der Islamische Staat hatte sich zu dem Angriff auf den Posten Ischkobod an der Grenze zu Usbekistan bekannt.

Der Angriff auf den Grenzposten Ischkobod an der tadschikisch-usbekischen Grenze, der sich am 6. November ereignete, wurde von 13 Kindern im Alter von 4 bis 15 Jahren, 9 Männern und 11 Frauen begangen. Dies ist zumindest die offizielle Version, die Muhammad Saidow, ein Vertreter des Staatlichen Komitees für nationale Sicherheit (GKNB) am 26. November vorstellte. In der bisherigen offiziellen Version war von 20 AngreiferInnen die Rede, ohne die Kinder zu erwähnen. Laut Radio Ozodi, dem tadschikischen Zweig von Radio Free Europe, stellte Saidow die neuen Details auf einer Pressekonferenz vor, erklärte aber nicht, welche Rolle die Kinder bei dem Angriff gespielt haben sollen.

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Anderen von Radio Ozodi zitierten Quellen zufolge, war einer der Angreifer 15 Jahre alt. Kurz vor dem Angriff hatte der junge Mann beim Direktor seiner Schule um eine Freistellung gebeten, damit er seine in einer anderen Region lebenden Eltern treffen könne. Es wurde festgestellt, dass er niemals zuvor außer Landes gereist war.

Ein Anschlag, der von wohlhabenden Menschen vorbereitet wurde

Muhammad Saidow bestätigte darüber hinaus, dass die Gruppe in der Region Sughd, im Norden des Landes, gegründet worden sei. Vor dem Angriff lebten jedoch die Mitglieder des Kommandos etwa einen Monat lang im Bezirk Ismoili Somoni in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe. „Der Präsident der Mahalla (Stadtviertel, Anm. d. Red.) und der örtliche Polizist haben Fremde gesehen, aber niemand hat dem Bedeutung beigemessen”, betonte Muhammad Saidow.

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Seinen Worten zufolge stammen nicht alle Mitglieder der Gruppe aus armen Familien. „Eine Untersuchung ergab, dass das Vermögen des Anführers der Gruppe, Schuchrat Gafurow, auf eine Million Somoni (103.000 US-Dollar, Anm. d. Red.) geschätzt wird“, erklärte der Vertreter des GKNB.

Unstimmigkeiten mit der ersten offiziellen Version

Die Daten von Muhammad Saidow weichen vom bisher einzigen offiziellen Bericht des GKNB ab, welcher unmittelbar nach dem Angriff vom 6.November veröffentlicht wurde. Seitdem haben die tadschikischen Behörden praktisch keine weiteren Einzelheiten über die Geschehnisse vorgelegt.

Laut der ersten Version hatte eine Gruppe von 20 bewaffneten und maskierten Personen den Grenzposten in Ischkobod angegriffen und fünf Kalaschnikows erbeutet. Allerdings gelang es den tadschikischen Sicherheitskräften die AngreiferInnen zu neutralisieren. 15 von ihnen wurden getötet und fünf weitere verhaftet. Unter den AngreiferInnen sollen sich mehrere Frauen befunden haben, von denen zwei ums Leben kamen, während drei weitere verhaftet wurden.

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Die Behörden berichteten darüber hinaus über den Tod von zwei Mitgliedern der Sicherheitskräfte – dem des Grenzschutzbeamten Isatullo Latifow und eines Angestellten des Innenministeriums, Bahrom Kosimsoda. Später erfuhren die JournalistInnen von Radio Ozodi vom Tod dreier weiterer Grenzsoldaten, darunter der stellvertretenden Leiter des Grenzposten Ischkobod, Dilowar Tolibow. Die Behörden haben diese Information jedoch nicht bestätigt.

Unmittelbar nach dem Angriff beschuldigten die tadschikischen Behörden den so genannten Islamischen Staat (IS), den Angriff aus Afghanistan heraus begangen zu haben. Zwei Tage später übernahm der IS die Verantwortung für den Anschlag, während die afghanischen Sicherheitskräfte abstritten, dass sich die TerroristInnen von ihrem Hoheitsgebiet aus nach Tadschikistan begeben hätten.

Erhebliche Zweifel

Bereits an der ersten Version der Sicherheitsbehörden hatten tadschikische Medien Zweifel geäußert. Die nun aufgetretenen Widersprüche und die Tatsache, dass zu der angeblichen Beteiligung der Minderjährigen keine weiteren Angaben gemacht wurden, dürfen kaum dazu beitragen, diese Zweifel zu zerstreuen.

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Das Nachrichtenportal Asia-Plus hat unter anderem offene Fragen zusammengestellt, die im Zusammenhang mit dem Angriff stehen. Dazu zählt unter anderem, warum Kinder beteiligt gewesen sein sollen und wieso eine der Angreiferinnen Hausschuhe trug. Ebenfalls unklar ist nach wie vor, warum auf einem der von den Behörden veröffentlichten Fotos eine Leiche an den Händen gefesselt ist und warum das Foto wieder verschwand, nachdem JournalistInnen diesbezüglich Nachfragen stellten.

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