Jaya Akkara

Ein zeitgenössisches Multi-Genre-Album: Akkara von Jaya

Der Bischkeker DJ und Musikproduzent Jaya hat mit “Akkara” am 16. Oktober sein sechstes Studioalbum veröffentlicht. Es ist ein Produzentenalbum, das viel Raum für Gäste lässt, und letztendlich ein Showcase von Jayas musikalischen Fertigkeiten. Unsere Rezension.

Bereits der Titel des am 16. Oktober erschienenen sechsten Studioalbums des Bischkeker DJs und Musikproduzenten Jaya deutet auf unterschiedliche Einflüsse. „Akkara“, das kann auf Kirgisisch „Weiß-Schwarz“ bedeuten, ist aber auch ein japanischer Vorname und eine Anspielung an die Anime-Kultur. Auf der Tracklist findet man weitere Titel auf Spanisch, Englisch, Portugiesisch und Russisch.

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Auch musikalisch ist „Akkara“ wie eine Anreihung unterschiedlicher Melodien und Stimmungen, verziert mit vielen Klangdetails, die es auch nach dem zehnten zuhören nicht langweilig machen. Darin, wie auch in den vor allem in der zweiten Albumhälfte prägnanten traditionellen Folkklängen, zeichnet sich Jayas Handschrift ab.   

Von DJ XTZ zu Jaya

Jaya, bürgerlich Erlan Arstanow, Jahrgang 1992, ist einer der prägendsten Bischkeker Musiker des vergangenen Jahrzehnts. Zunächst war er als DJ XTZ einer der ersten, der elektronische Tanzmusik (EDM) und Moombahton im russischsprachigen Raum einführte. Auf seinem ersten Album „Xtazy Love“ (2012) waren noch fast alle Texte auf Englisch. Auf dem 2014 erschienenen „Xtazy Music“ experimentierte er auch mit EDM auf Kirgisisch, wie zum Beispiel in den futuristischen Stücken „Men Kimmin“ (Wer bin ich?) und „Temir Kyz“ (Eisenmädchen), vorgetragen von der Sängerin Indira.

Die außergewöhnliche Melodiösität der kirgisischen Sprache ist längst bekannt, aber eine frischere und mehr oder weniger angemessene Umsetzung dieser Qualität hat es in der Bischkeker Pop-Musikszene lange nicht gegeben“, kommentierte damals die Onlinezeitung Kloop.kg in ihrer insgesamt eher lauwarmen Rezension von Xtazy Music.     

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In der Mitte des Jahrzehnts komponierte Jaya im Duett mit dem Rapper Enot MC seine bislang bekanntesten Hits. Dazu zählen insbesondere die Partystücke „Manit“ (Es lockt) und „Iskra“ (Funke), wie auch „Bazara net“ (Kein Ding) – ein russischsprachiges Remix des israelischen Tracks „Potahat Tik“ – das die zwei schließlich an das russische Label Black Star verkauften. Jaya und Enot MC gründeten auch das Musikprojekt „Jaya Miyazaki“, das bislang die drei Alben „Utopia“ (2017), „Molly“ (2017) und „Hayayo“ (2018) herausbrachte.

Nachdem sich die künstlerischen Wege des Duos getrennt haben, führt Jaya das Projekt in neuer Besetzung weiter. Unter seinem eigenen Künstlernamen bringt er seine eigene Musik „nur zum Spaß“ heraus, wie er sagt. Jaya Miyazaki steht hingegen für mehr künstlerischen Anspruch: „Die Musik ist die Grundlage, nicht der Künstler, nicht der Name. Hier wird ja (dem japanischen Regisseur, Anm. d. Red.) Miyazaki die Ehre erwiesen… Hayayo Miyazaki, das ist die Inspirationsquelle dieser Gruppe. Die ganze Philosophie, Idee, wird einfach auf Musik übertragen“, erklärte Jaya im März bei einem Gespräch in seinem Musikstudio.

Eklektische Einflüsse

An der Wand des Studios hängen Bilder und Zitate unterschiedlicher Musiker, deren Arbeit eine Inspirationsquelle für Jaya darstellt. Neben Portraits von Michael Jackson, Wiktor Zoi und Daft Punk, findet man dort auch einflussreiche Musikproduzenten wie Quincy Jones, Pharrell Williams und Timbaland. „Jeder möchte mit dem neuen großen Produzenten oder dem heißen neuen Sänger arbeiten. Der Schlüssel ist, sie zu finden, bevor sie heiß sind“, wird letzterer zitiert.  

In deren Tradition ist auch „Akkara“ vor allem ein Produzentenalbum, auf dem Jaya mit seinen Musikproduktionen anderen Bischkeker Musikern eine Plattform bietet. Dazu zählt zum Beispiel der aufstrebende Rapper Ulukmanapo auf dem Track „Maria“, der mit dem vergangenes Jahr erschienenen Musikvideo eine tragische Liebesgeschichte vor italienisch angehauchter Mafiakulisse schildert. Okean Tihii, der bereits einen Teil von Jayas Album „Molly“ (2017) mitgeschrieben hatte, leiht hier gleich in vier Stücken seine elegante Feder und seinen Flow.  

Akkara ist ein sehr zeitgenössisches Multi-Genre-Album in zwei Teilen, in dem es eine große Anzahl an unterschiedlichen Klängen und Motiven gibt und jeder Track hier kann seinen Hörer finden“, fasst der Journalist Ulugbek Akischew in seiner kurzen Albumkritik auf Telegram zusammen. Der erste Teil des Albums ist dabei etwas poppiger und eklektischer als der Zweite, in dem sich Jayas musikalische Identität durchgängiger erkennen lässt.    

Einerseits klingt Akkara wie ein bunter, überwiegend russischsprachiger, Mix aus südamerikanischen und südeuropäischen Melodien, bis hin zu Anspielungen an die deutsche Soul-Sängerin Sarah Connor. Das Stück „From Sara with love“ spielt auf deren gleichnamigen Hit an, wie auch an „I wanna love you“ von Akon und Snoop Dogg.  

Andererseits erinnert der in vielen Stücken genutzte, für Reggaeton typische Dembow-Rhythmus aber auch an zentralasiatische Volksmusik. „Ich habe ihn [den Rhythmus] übernommen. Ich mag ihn sehr, denn ich bin drüben im Süden aufgewachsen und dort gibt es den Rhythmus auch. Die Usbeken haben ihn, das ist so etwas wie ihr nationaler Rhythmus”, erklärt Jaya, der einen großen Teil seiner Kindheit in Dschalal-Abad, in Südkirgistan verbracht hat.

Klassische Themen zu frischer Musik  

Jedes Lied ist eine separate Geschichte über Leute, mit denen ich in den letzten zwei Jahren eng zu tun hatte“, beschreibt Jaya das Album auf Twitter. Die erste Hälfte des Albums dreht sich ganz um Romantik und Zuneigung, um idealisierte und dadurch unerreichbare Frauen, mal in der dritten und mal in der zweiten Person beschrieben.

Klassische Themen zu frischer Musik: „Du wirst mein Coração, Coração… aufessen“ heißt es im Stück Coração (Portugiesisch: Herz). Der Erzähler ist in diesen Tracks der Unterlegene, ein stiller Träumer. „Sie dreht sich und tanzt barfuß“, beschreibt er seine Muse im Stück Rolling Stones. „Aber sie kann nichts mit mir anfangen“. Oder auch, „ich werde in der Nähe sein, aber nicht mit dir“ (From Sara with Love).  

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Der zweite Teil des Albums ist musikalisch origineller, bedient sich mehr bei „ethnisch“ angehauchter Folkmusik und auch der Erzähler findet sich plötzlich in einer anderen Position. „Den ganzen Tag im Schatten, um nachts zu scheinen/ Ich durchblicke euch in ein paar Sekunden“, heißt es bei Teni (Schatten), einer der reichsten Kompositionen des Albums.

Unter dem Deckmantel von Tanzrhythmen und Drops werden teils auch gesellschaftliche Themen angesprochen. Zum Beispiel im Stück Wojna (Krieg): „Unter einem Himmel, unter einer Sonne, ein Krieg für alle“. In der nachdenklichen Komposition Phoenix, die das Album schließt, geht es „um all den Scheiß, der während der Pandemie geschehen ist, alles Tiefe und Hohe über die Wiedergeburt“, so der Autor auf Twitter: „Wir heben ab, um zu fallen, erneut den ersten Schritt zu tun“.      

Zukunftspläne

So ist Akkara für Jaya ein Album zum Austoben, eine Art Showcase der Fähigkeiten des Produzenten. Bei aller Diversität wirkt es aber auch wie ein schlüssiges Ganzes, eine Führung zwischen unterschiedlichen Klängen. Der Autor selbst bezeichnet es als „kommerzielles“ Werk, im Kontrast zu der konzeptuelleren Musik des Projektes „Jaya Miyazaki“. Ziel des über das russische Label „Zhara Music“ vertriebenen Musikers ist es letztendlich, Musik aus Kirgistan im russischsprachigen Raum zu verbreiten.

In den vergangenen 15-20 Jahren hat sich die Haltung gegenüber Kirgisen im russischsprachigen Raum verschlechtert. […] Wir wollen die Situation ausgleichen“, erklärt Jaya bezüglich der Pläne, zusammen mit seinem künstlerischen Verbund On-S-Tream eine musikalische Plattform in Moskau zu gründen. „Ich kenne viele Leute die mit Hochschulabschluss als Lader oder Lieferpersonal arbeiten. Manche von ihnen sind talentierter als ich. Ich hatte nur Glück, dass es meiner Familie wirtschaftlich eher gut ging“.   

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Wenn es die ersten Kulturschaffenden aus Kirgistan „herüber“ ins weitere Rampenlicht schaffen, könnte dies auch der lokalen Szene einen Anstoß geben. So ist es auch Kasachstan ergangen, das nach dem Erfolg von Musikern wie Skriptonit und Jah Khalib oder Stand-Up Comedians wie Nurlan Saburow heute einen bedeutenden Teil der russischsprachigen Unterhaltungsbranche besetzt.  

Jaya ist durch und durch Musiker, die Kunst ist für ihn aber kein Selbstzweck.  “Musik ist eine Tätigkeit fürs Leben, aber man muss es irgendwie mit einem bedeutenderen Ziel verbinden. Wenn Du kein Ziel hast, wird das alles nur zu einem ‚ich, ich, ich“ für dich. Was bringt das schon?“, kommentiert er in seinem Studio. „Ich möchte eher [andere] Fördern, neue [Musiker] finden, diesen Weg ebnen“.

„Akkara“ kann auf den meisten Streaming-Plattformen gehört werden.

Florian Coppenrath
Novastan.org

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Jaya/ VK
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