WLAN Busse Astana Kasachstan

Kasachstan : WLAN in den Bussen der Hauptstadt

Bald werden manche Buslinien in Astana mit WLAN ausgestattet. Eine Maßnahme, die manche Nutzer freut, aber auch Mängel des kasachischen Transportsystems deckt.

Ab Juli 2015 werden etwa fünfzig Busse in Astana, der Hauptstadt Kasachstans mit kostenlosem WLAN ausgestattet. Ein vergleichbarer Dienst wird im südlichen Wirtschaftszentrum Almaty schon seit Februar angeboten.

Hinter der Entscheidung stehen Nurali Aliyev, der stellvertretende Bürgermeister Astanas, und der exekutive Generaldirektor der Telefongesellschaft « Beeline Kazakhstan», Tarass Parkhomenko. Beeline ist eine russische Telefongesellschaft, die 1992 als Tochter der Vimpelcom-Gruppe gegründet wurde. Sie ist seit über fünfzehn Jahren in Kasachstan aktiv und hat dort einen guten Ruf: Sie gilt als zuverlässiger Anbieter. Laut den letzten Konzernergebnissen war Beeline 2014 mit 9,6 Millionen Abonnenten, die Hälfte der Bevölkerung Kasachstans, der größte Anbieter der Landes.

Das Pilotprojekt „WI-FI BUS“ wurde im Juni 2014 durchgeführt. Damals haben Astana Innovations und die spezialisierte Firma Gorelli Systems 12 Busse mit speziellen 4G/LTE Modems ausgestattet. Das Projekt war von Anfang an sehr erfolgreich. Smart Astana, dem offiziellen Statistikamt der Hauptstadt, zufolge ist in nur einer Woche die Zahl der Nutzer des Dienstes von 442 auf 600 gestiegen. Daraufhin hat die Regierung entschieden, nicht nur alle Buslinien mit WLAN auszustatten, sondern es auch an Bushaltestellen für die Nutzer zugänglich zu machen.

In Zeiten weltweiten technologischen Fortschritts erscheint ein solcher Zugang zu kostenfreiem WLAN überaus notwendig: „Die Stadtbewohner empfinden ein immer stärker werdendes Bedürfnis nach schnellem WLAN. Sie brauchen es immer und überall. Einer der Vorteile unseres Projektes besteht darin, dass alle Reisenden unabhängig von ihrem Abonnement einen Internetzugang bekommen“, betont Aliyev. Zudem könne mehr Komfort in öffentlichen Verkehrsmitteln umweltfreundliche Verhaltensweisen fördern. Zwei Jahre vor der Organisation der Universalaustellung 2017 ist dieser neue Dienst auch ein Trumpf für das internationale Image Kasachstans.

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Die Meinungen teilen sich zu dieser neuen Dienstleistung. Ohne Überraschung bewertet die Jugend diese Neuheit eher positiv. Mit ihren 18 Jahren sieht Diana diese Innovation als eine Möglichkeit, immer auf dem Laufenden zu bleiben: „Neue Technologien sind ein Teil unseres Lebens. Informationen sind so schnell im Umlauf und man muss immer informiert bleiben, um nichts zu verpassen.“ Für andere Fördert die Maßnahme den Nationalstolz: „Ich freue mich sehr, dass die Regierung Kasachstans der Mode folgt,“ meint Anna, 14. „Ich bin stolz auf mein Land.“

Andere, wie Ajm, 24, sind der Innovation überdrüssig: “Busse waren einer der wenigen Orte, wo man sich ein wenig erholen, die Leute um sich herum beobachten und darauf achten konnte, was auf der Straße passiert.“ Vladimir, 70, erinnert sich an die Zeit, wo „wir alle in der realen, und nicht in der virtuellen Welt lebten“ und wo „man sich auf das Wesentliche konzentrierte, das uns auch Früchte brachte.“ Weniger nostalgisch bemerkt Juri zutreffend, dass die meisten Leute auch so schon mobilen Internetzugang haben: „Die Preise der Mobilverträge sind relativ niedrig. Ich denke nicht, dass sich durch WLAN in den Bussen viel ändern wird. Es haben sowieso schon alle mobiles Internet in ihrer Tasche.“

Ein kostenloser Dienst?

Eine Frage bleibt: Kann man bei ständig ansteigenden Ticketpreisen wirklich von kostenlosem Internet sprechen? Während der letzten sechs Jahre kostete ein Busticket 60 Tenge (etwa 0,30€) für Erwachsene und 20 (0,10€) für Kinder. Seit dem 31. August 2014 sind die Preise an den Benzinpreisen indiziert und um bis zu 50% gestiegen (90 Tenge [0,43€] für Erwachsene, 40 Tenge [0,20€] für Kinder). Im Februar 2013 erklärte Imangali Tasmagambetov, der ehemalige Bürgermeister Astanas, dass der Ticketpreis eines Tages auf 107 Tenge (0,52€) steigen würde.

Die Bürger Kasachstans freut die stetige Preiserhöhung natürlich wenig, zumal das Preisleistungsverhältnis zu wünschen übrig lässt: Die Anzahl der Busse bleibt mangelhaft, die existierenden Busse sind alt, oft überfüllt, und halten den vorgesehenen Fahrplan nur selten ein. Da die Bushaltestellen keine Zeitpläne anzeigen, bleibt die Fahrzeit der Busse bis heute ein Geheimnis.

Entgegen dieser Schwierigkeiten plant die Munizipalität Astanas den Kauf von 350 neuen Bussen aus Frankreich, wie auch den Bau von zwei weiteren Busdepots, um das Etat von bereits 890 existierenden Bussen zu vergrößern. Aktuell arbeiten acht Transportgesellschaften in der Stadt. Es wird ebenfalls erwogen, den Lohn der Busfahrer (aktuell 145000 Tenge [707€] im Monat) zu erhöhen, um den Beruf attraktiver zu machen. Die Zeit wird zeigen, ob diese Änderungen in der Lage sein werden, den Betriebsverkehr auszugleichen und die existierenden Probleme zu beseitigen.

Kamila Shepeleva

Aus dem französischen übersetzt von
Florian Coppenrath

 

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