Almaty erstickt im Smog

Von Mitte Januar 2020 fotografierte ein Journalist, der im Zentrum von Almaty lebt, zu immer der gleichen Zeit den Blick auf die Stadt. Tag für Tag, Monat für Monat. In einem Zeitraffer sind so fast 300 Fotos entstanden, die Aufschluss über die Luftqualität der Stadt geben. Nach einer genaueren Auswertung der Daten von Messgeräten lässt sich feststellen: Almaty erstickt im Smog. Novastan übersetzt den Artikel, der am 22. Januar 2021 im russischsprachigen Original auf Vlast erschien, mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

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Das Jahr 2020 begann in Almaty mit dem Kampf von AktivistInnen für saubere Luft und endete damit, dass BeamtInnen Pläne konkretisierten, wie man dieses Ziel erreichen kann. Anfang Februar, als eine plötzliche Verschlechterung der Luftqualität eintrat, veröffentlichten die AktivistInnen von AUA (Almaty Urban Air) eine Petition mit der Forderung, zügig Maßnahmen zur Verbesserung der Luftsituation zu treffen. Während des gesamten Frühlings gaben BeamtInnen weiterhin an, Studien über die Notwendigkeit der Umstellung des Wärmekraftwerkes 2 der Stadt auf Gas durchzuführen und Veränderungen in der Luft zu untersuchen.

Die WissenschaftlerInnen, die diese Untersuchungen durchführten, stellten bereits im Sommer ihre Ergebnisse vor und unterstützten die Forderung der AktivistInnen, schnelle Maßnahmen einzuleiten. Das Umweltministerium bestätigte zu dieser Zeit, dass das Wärmekraftwerk 2 erheblich zur Verschlechterung der Luftqualität in Almaty beiträgt, denn es macht ein Drittel der Emissionen aus. Außerdem wurde erstmalig der Grad der Verschmutzung durch das Wärmekraftwerk 3 untersucht, welches sich außerhalb der Stadt befindet, aber ebenfalls die Luftqualität Almatys beeinflusst.

Der Luftqualitätsindex für Almaty im Jahresverlauf: Der Wert 77 gilt als akzeptabel.

Es hat sich herausgestellt, dass 2019 nicht weniger als 12.000 Tonnen Emissionen auf das Wärmekraftwerk 3 zurückzuführen sind. Das ist etwas weniger als 10% der gesamten Luftverschmutzung der Stadt, die sich in diesem Jahr auf 144.000 Tonnen Abgase belief. Wie sich herausstellte, wurde das gesamte Rajon Turksib sowie das Gebiet des Flughafens durch das Wärmekraftwerk 3 beschmutzt. Die Verschmutzung durch das Wärmekraftwerk 2 (37.000 Tonnen im Jahr) erstreckte sich auf das Gebiet unterhalb der Tole Bi-Straße.

Anzahl der Tage nach durchschnittlicher Luftqualität. Absteigend: gut, mäßig, ungesund für Risikogruppen, schlecht, gefährlich.

Weiterhin wurden Analysen zur Veränderung der Windgeschwindigkeit durchgeführt, da sie sich ebenfalls auf die Streuung der Schadstoffe in der Luft auswirkt. Im Jahr 1980 lag die Windgeschwindigkeit in der Stadt bei 11m/s, 2019 bei 2m/s. Grund dafür war die Bebauung, die in den letzten Jahren die Windrichtungen nicht berücksichtigte. 

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Der durchschnittliche Wert des Luftqualitätsindexes des untersuchten Jahres lag bei 77, was als akzeptabel für die Gesundheit gilt. Es stellte sich heraus, dass die Luft im Mai, Juni, und Juli am saubersten, jedoch von November bis Januar am meisten verschmutzt und am gefährlichsten war. Die Luftqualität in Almaty für das Jahr 2020 war in 24% der Fälle schädlich. Von Herbst bis Frühling gab es fast keine saubere Luft in der Stadt.

Kalenderübersicht der Luftqualität von Almaty. Die Tiefe des Farbtons im Hintergrund der Graphiken bildet die Schwere der Emissionen ab.

Ende 2020 erklärte das Umweltministerium und die Stadtverwaltung von Almaty, dass ein Projekt zur Modernisierung des Wärmekraftwerks 2 in Almaty aufgenommen wurde, welches die Emissionen um 83% senken soll. Die vorläufigen Kosten des Projektes liegen bei 98 Milliarden Tenge (ca. 194,5 Mio. Euro, Anm. d. R.). Dazu kommt eine Erhöhung der Gebühren für Wärme und Elektrizität um 34%. 

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Die Umstellung des Wärmekraftwerks 2 auf Gas wird fünf Jahre dauern. Das bedeutet, dass es wahrscheinlich in dieser Zeit keine merklichen Veränderungen an der ökologischen Situation der Stadt geben wird. Wie stark sie sich erneut im Herbst verschlechtert hat, kann man an den Fotos und den Daten der Messegräte sehen. Nach einer kurzen Pause im späten Frühling und Sommer kam der Smog zurück und zog sich über ganz Almaty.

Marija Lewina, Ewgenija Michailidi und Danijar Musirow für Vlast

Aus dem Russischen von Katharina Nordhaus

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Vlast.kz
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