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	<title>Aziz Rustamov, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Aziz Rustamov, Author at Novastan Deutsch</title>
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		<title>Die Krise in Russland mit verstärktem Echo in Tadschikistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Aziz Rustamov]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 May 2022 17:52:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigration]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg in der Ukraine]]></category>
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		<category><![CDATA[Sanktionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Infolge des Einmarschs in die Ukraine unterliegt Russland zahlreichen Sanktionen, die die wirtschaftliche Aktivit&#xE4;t beeintr&#xE4;chtigen. Das hat auch direkte Konsequenzen f&#xFC;r Zentralasien, insbesondere f&#xFC;r das von den R&#xFC;ck&#xFC;berweisungen seiner Arbeitsmigranten abh&#xE4;ngige Tadschikistan. Die sogenannte &#x201E;milit&#xE4;rische Sonderoperation&#x201C; der Russischen F&#xF6;deration in der Ukraine, die darauffolgenden Sanktionen und der R&#xFC;ckzug internationaler Firmen haben negative Auswirkungen in Russland. [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Infolge des Einmarschs in die Ukraine unterliegt Russland zahlreichen Sanktionen, die die wirtschaftliche Aktivität beeinträchtigen. Das hat auch direkte Konsequenzen für Zentralasien, insbesondere für das von den Rücküberweisungen seiner Arbeitsmigranten abhängige Tadschikistan. </strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die sogenannte „militärische Sonderoperation“ der Russischen Föderation in der Ukraine, die darauffolgenden Sanktionen und der Rückzug internationaler Firmen haben negative Auswirkungen in Russland. Das Land befindet sich in einer Wirtschafts- und Finanzkrise, die mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit einhergeht. Wie die russische Zeitung <a href="https://www.kommersant.ru/doc/5281886">Kommersant</a> berichtet, könnte die Zahl der Arbeitsplätze in der russischen Wirtschaft bis Ende 2022 um 2 Millionen zurückgehen und die Arbeitslosenquote von derzeit 4,4 Prozent auf über sechs Prozent – laut manchen Prognosen sogar auf bis zu 7,8 Prozent steigen. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Dies hätte auch unmittelbare Konsequenzen für die zahlreichen Arbeitsmigranten aus Tadschikistan, die in Russland arbeiten. Dies erklärt der tadschikische Wirtschaftswissenschaftler Chodschimuchammad Umarow in einem Interview mit der Nachrichtenplattform <a href="https://cabar.asia/ru/sanktsii-protiv-rossii-nelegkie-vremena-dlya-tadzhikskoj-ekonomiki">Cabar.Asia</a>. Er merkt an, dass „<em>die russische Führung einige Maßnahmen ergreifen wird, um sicherzustellen, dass sich der Stellenabbau nicht wesentlich auf die Beschäftigung der eigenen Bürger auswirkt</em>“.
</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Restriktionen auf dem russischen Arbeitsmarkt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Arbeitsmigranten hingegen werden unter anderem durch Restriktionen von lokalen Behörden um ihre Stellen gebracht. Wie <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20220218/bolshaya-chistka-v-kakih-regionah-strani-bolshe-nelzya-rabotat-tadzhikskim-migrantam">Asia Plus</a> berichtet, haben die Verwaltungen der Regionen Kaluga, Tjumen, Kaliningrad und des Autonomen Kreises der Chanten und Mansen im Februar Migranten die Arbeit in einer Reihe von Bereichen untersagt. Dazu zählen das Fahren von Taxis und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln, der Verkauf von Alkohol, Tabak und Lebensmitteln und die Arbeit im Gesundheitswesen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In manchen anderen Regionen des Landes, wie etwa <a href="https://www.business-class.su/news/2022/04/02/v-permskom-krae-zapretyat-inostrancam-rabotat-po-patentu-v-ryade-sfer">in Perm</a>, dürfen Migranten nicht in den Bereichen Bergbau und Holzhandel arbeiten. Es ist wichtig anzumerken, dass solche Beschränkungen nur für Arbeitnehmer gelten, die spezielle Arbeitsgenehmigungen – sogenannte „Patente“ – beantragen müssen. Bürger von Staaten der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eurasische_Wirtschaftsunion">Eurasischen Wirtschaftsunion</a>, also insbesondere Kirgistan und Kasachstan, sind davon nicht betroffen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-eurasische-wirtschaftsunion-steht-russland-sanktionen-hilflos-gegenueber/">Die Eurasische Wirtschaftsunion steht Russland-Sanktionen hilflos gegenüber</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit Anfang der 1990er Jahre wandern <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zahl-tadschikischer-migrantinnen-in-russland-erreicht-neuen-rekord/">zahlreiche Tadschiken</a> zum Arbeiten in die Russische Föderation ein. Ihre Not und die Probleme, ihre Familien zu ernähren, zwingen sie zu diesem Schritt.  Bei einem Treffen mit dem tadschikischen Präsidenten Emomali Rahmon in St. Petersburg am 27. Dezember 2021 <a href="https://tj.sputniknews.ru/20211227/putin-tajikistan-migrant-russia-1044443378.html">bemerkte</a> der russische Präsident Wladimir Putin: „<em>Ich weiss um ihre Aufmerksamkeit und Ihr Interesse für die Entwicklung der russischen Sprache&#8230; Es gibt viele, die sie lernen wollen. Das ist verständlich, denn es gibt etwa eine Million Menschen aus Tadschikistan, die vorübergehend in Russland leben und arbeiten</em>“. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den Arbeitsmigranten aus Tadschikistan handelt es sich meist um junge, männliche Staatsbürger im Alter zwischen 18 und 50 Jahren. Ungefähr 20 Prozent sind Frauen. Im Jahr 2021 <a href="https://avesta.tj/2022/04/05/denezhnye-perevody-migrantov-iz-rossii-v-tadzhikistan-v-2021-godu-sostavili-23-vvp/">schickten</a> die Arbeitsmigranten aus Russland rund 1,8 Milliarden US-Dollar (1,7 Milliarde Euro) in ihre Heimat, also ca. 23 Prozent des tadschikischen Bruttoinlandsproduktes. Für das Jahr 2020, das aufgrund der Covid-19-Pandemie ein Krisenjahr war, <a href="https://rus.ozodi.org/a/31155253.html">belief sich</a> dieser Betrag auf 1,74 Milliarde US-Dollar (1,67 Milliarde Euro), also 759 Millionen (729 Millionen Euro) weniger als 2019. Die Asiatische Entwicklungsbank prognostiziert, dass sich die <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/auswirkungen-der-sanktionen-gegen-russland-in-duschanbe-deutlich-spuerbar/">Überweisungen von Arbeitsmigranten</a> aus Russland nach Tadschikistan, in US-Dollar berechnet, im Jahr 2022 <a href="https://www.currenttime.tv/a/denezhnye-perevody-trudovyh-migrantov-iz-rossii-v-tadzhikistan-sokratyatsya-vdvoe-eto-posledstviya-voyny-v-ukraine-/31816514.html">halbieren werden</a>. Infolgedessen wird Duschanbe bereits im laufenden Jahr den Einkauf von Importgütern, insbesondere von Lebensmitteln und Treibstoff, um ein Drittel reduzieren müssen, und im Jahr 2023 wird ein weiterer Rückgang der Importe um 20 Prozent vorausgesagt. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Strategisches“ Ziel für Arbeitsmigration</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Die derzeitige soziale, politische und wirtschaftliche Lage in Russland, insbesondere nach der am 24. Februar 2022 begonnenen „Sonderoperation“ in der Ukraine, hat eine gewisse Anzahl tadschikischer Migranten zur Rückkehr in ihre Heimat veranlasst, so <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20220408/skolko-migrantov-vernulos-iz-rossii-za-pervie-tri-mesyatsa-2022-goda">Asia Plus</a>. Im ersten Quartal 2022 kehrten 60.337 tadschikische Migranten aus Russland nach Tadschikistan zurück, ein Anstieg um das 2,6-fache im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2021. Gleichzeitig steigt auch die Zahl der Arbeitsmigranten, die ihr Heimatland verlassen. In den drei Monaten dieses Jahres verließen 106.132 Menschen Tadschikistan in Richtung Russland. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bevölkerung Tadschikistans stetig wächst. Im Jahr 2021 <a href="https://avesta.tj/2022/01/10/chislennost-naseleniya-tadzhikistana-za-god-uvelichilas-na-1-8/#:~:text=Avesta.Tj%20%7C%2010.01.2022,%D1%81%D0%BE%D0%BE%D0%B1%D1%89%D0%B0%D0%B5%D1%82%20%D0%90%D0%B3%D0%B5%D0%BD">stieg sie</a> um 1,8 Prozent auf 9,8 Millionen Menschen an. Im Jahr 2023 wird die Gesamtbevölkerung Tadschikistans nach Prognosen der Demografen die zehn Millionen Marke erreichen. Allerdings bleibt die Rate der neu geschaffenen Arbeitsplätze weit hinter dem Bevölkerungswachstum zurück. Daher wird Tadschikistan auch in den kommenden Jahren auf Arbeitsmigration angewiesen sein. Dabei ist Russland nicht das einzige Zielland. Manche suchen ihre Nische auch in Kasachstan oder Südkorea suchen, und die Reise zur Saisonarbeit nach Großbritannien, Polen und in die Türkei nimmt ebenfalls zu. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/auswirkungen-der-sanktionen-gegen-russland-in-duschanbe-deutlich-spuerbar/">Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland in Duschanbe deutlich spürbar</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Russland gilt für Arbeitssuchende hingegen als ein mehr oder weniger vertrautes Land. In Tadschikistan wird die russische Sprache von der zweiten Klasse an in allgemeinbildenden Schulen unterrichtet. Russland und Tadschikistan sind laut <a href="https://mfa.tj/en/main/view/142/relations-of-tajikistan-with-russia">tadschikischem Außenministerium</a> „strategische Partner“.  Sie gilt als zweite Heimat der Tadschiken. Darüber hinaus gibt es ein Abkommen zwischen Russland und Tadschikistan über die doppelte Staatsbürgerschaft, welches die Bedingungen für den gegenseitigen Aufenthalt von Bürgern beider Länder vereinfacht. Mahdi Sabir*, ein ehemaliger Mitarbeiter des Zentrums für Strategische Studien in Duschanbe, der heute im sibirischen Surgut lebt, erklärt, der Krieg Russlands gegen die Ukraine sei das Werk der Feinde Russlands, um die russische Wirtschaft zu schwächen und zu zerstören. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Seiner Meinung nach sollen dadurch auch zentralasiatische Länder dazu ermutigt werden, sich von Russland abzuwenden. „<em>Trotz des Produktionsrückgangs und der erwarteten Inflation wird Russland ein attraktives Land für tadschikische Migranten bleiben. Schließlich ist der Lebensstandard der tadschikischen Bürger in diesem Land zum großen Teil viel besser als in Tadschikistan. Das Verfahren zur Erlangung der russischen Staatsbürgerschaft wird daher fortgesetzt</em>“, sagte Mahdi Sobir. Einige junge tadschikische Bürger gehen auf Vertragsbasis in die russische Armee. Das Ziel ist meist das gleiche: die russische Staatsbürgerschaft zu Vorzugsbedingungen zu erhalten und Geld zu verdienen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit Beginn der Kampfhandlungen in der Ukraine wurden zwischen dem 24. Februar und dem 28. April mindestens sieben tadschikische Staatsangehörige, die im Rahmen von Verträgen in der russischen Armee dienen, getötet. Dies berichtet <a href="https://www.ozodi.org/a/31826590.html">Radio Ozodi</a>, der tadschikische Dienst von Radio Free Europe. Die Leichen der meisten von ihnen wurden nach Tadschikistan überführt. Die Wirtschaftskrise in Russland betrifft in erster Linie Arbeitsmigranten im Niedriglohnsektor, die zum Beispiel im Handel und in öffentlichen Versorgungsbetrieben arbeiten. Fachkräfte, die auf den russischen Arbeitsmärkten gefragt sind, sind weniger betroffen. Dazu gehören Ärzte, Ingenieure, Lehrer, IT-Spezialisten, usw. Generell werden Arbeitsmigranten aus Zentralasien, insbesondere aus Tadschikistan, von den relativ hohen russischen Gehältern Föderation angezogen. Diese entsprechen oft einem vielfachen von dem, was sie in ihrem Heimatland verdienen könnten. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-schwierige-situation-tadschikischer-arbeitsmigranten-in-russland/">Die schwierige Situation tadschikischer Arbeitsmigranten in Russland</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der 48-jährige Sharif Karimow* stammt aus Tadschikistan und arbeitet als Arzt in Nischnewartowsk, im Norden Russlands. Er sagt, dass der Stellenabbau infolge der westlichen Sanktionen gegen Russland die Situation vieler zentralasiatischer Migranten nicht beeinträchtigt habe. Schließlich seien viele von ihnen vor allem in sogenannten „Schwarzarbeitsberufen“ mit niedrigen Löhnen beschäftigt. Einheimische würden diese Stellen nicht annehmen, selbst wenn sie doppelt so viel verdienen würden. „<em>Ich bin viel in den Regionen unterwegs und sehe mit eigenen Augen, wie sich Migranten und ihre Familien in Randgebieten und abgelegenen, verlassenen Dörfern niederlassen und diese Orte aufwerten, indem sie Sümpfe in fruchtbares Land verwandeln.  Es ist unwahrscheinlich, dass sie wegen irgendwelcher Sanktionen alles verlassen und in ihre historische Heimat zurückkehren</em>“, betont Karimow. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>In Erwartung der Krise</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Russland bleibt also ein gefragtes Ziel für Arbeitsmigration aus Tadschikistan. Dies gilt umsomehr, da die Preise von Grundnahrungsmitteln – vor allem derer, die aus Russland und der Ukraine importiert wurden &#8211; in Tadschikistan spürbar steigen. Derzeit wird ein 50 kg-Sack Mehl in Tadschikistan für 325-350 Somoni (24-27 Euro) verkauft. Dies entspricht in etwa einer <a href="https://tj.sputniknews.ru/20211223/tajikistan-razmer-pensiya-1044345938.html">durchschnittlichen Monatsrente</a>. Nach Angaben der Zollbehörde gab Tadschikistan im Jahr 2021 rund eine Milliarde US-Dollar (960 Millionen Euro) für den Kauf von Lebensmitteln aus anderen Ländern aus. Wie <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/economic/20220428/vb-tseni-na-prodovolstvie-i-gsm-mogut-proderzhatsya-na-visokom-urovne-do-kontsa-2024-goda">Asia Plus</a> berichtet, prognostizieren die Weltbank und die Asiatische Entwicklungsbank für Tadschikistan in diesem Jahr eine noch nie dagewesene Inflationsrate von 15 Prozent. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Wirtschaftszweige werden von der Krise betroffen sein. Die tadschikischen Behörden planen, die Inflation bis Ende 2022 bei sechs Prozent zu halten. Für das Jahr 2021 wurde ein gleichbleibender Anstieg der Preise und Tarife prognostiziert, aber am Ende des Jahres lag die Inflation bei acht Prozent. Infolge der zunehmenden sozioökonomischen Anspannung hat die Regierung Tadschikistans einen <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/economic/20220422/tseni-sderzhat-bednih-podderzhat">Anti-Krisen-Plan</a> ausgearbeitet und verabschiedet, der unter anderem die Verwendung des russischen Rubels und des chinesischen Yuan als Hauptwährungen für die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen Tadschikistan, Russland und China vorsieht. Der Plan sieht auch vor, Preiserhöhungen für Strom, Wasser und andere Versorgungsleistungen aufzuschieben und Preiserhöhungen im Bildungs- und Gesundheitswesen zu verhindern. Die Regierung plant, sich auf die Förderung von der inländischen Produktion zur Reduktion der Importabhängigkeit. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zeit wird zeigen, wie wirksam diese Maßnahmen sein werden und wie die einfachen Menschen ein schwieriges Jahr überstehen werden. Denn oft werden Pläne geschmiedet, und viele von ihnen bleiben unausgeführt.  In den meisten Fällen wird die Meinung von Wissenschaftlern, Ökonomen, Financiers, Soziologen und normalen Bürgern bei der Ausarbeitung von Strategieplänen nicht berücksichtigt. Die <a href="https://novastan.org/de/tag/coronavirus/">COVID-19-Pandemie</a> und die Sanktionen gegen Russland hatten negative Auswirkungen auf die Wirtschaft Tadschikistans, sagte Guzel Maitdinowa, stellvertretende Vorsitzende des Zentralasiatischen Expertenclubs (CAEC Eurasian Development) und Professorin für Geschichte an der Russisch-Tadschikischen Slawischen Universität. Ein schrumpfender Arbeitsmarkt in Russland, auf dem mehr als 90 Prozent der tadschikischen Arbeitsmigranten beschäftigt waren, hat zu einem Rückgang der Geldüberweisungen geführt. </p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Dies habe auch die Familieneinkommen beeinträchtigt, was sich auch in einer zunehmenden sozialen Ungleichheiten in der tadschikischen Gesellschaft niederschlägt. Derzeit sind die Haushaltseinnahmen gesunken, ebenso wie die Einkommen eines großen Teils der tadschikischen Familien, die von Überweisungen leben. „<em>Politisch und wirtschaftlich sind die Staaten Zentralasiens, einschließlich Tadschikistans, miteinander verbunden. Eine weitere Verschärfung der Sanktionen gegen Russland schränkt die Rechte der neuen zentralasiatischen Staaten auf Entwicklung ein</em>“, erklärt Maitdinowa.

Zum Zeitpunkt des russischen Einmarsches in die Ukraine befanden sich dort mehr als viertausend tadschikische Staatsbürger, wie <a href="https://rus.ozodi.org/a/31738511.html">Radio Ozodi</a> berichtet. Manche von ihnen sind Studierende und Diplomaten, und die große Mehrheit hatte sich für die Ukraine als Arbeitsland entschieden. Nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten verließen viele von ihnen das Land zusammen mit einheimischen Bürgern &#8211; die meisten von ihnen nach Polen.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aziz Rustamov
Journalist für Novastan.org</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">* Name geändert </p>



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		<title>Klagen über Umweltschäden durch Goldgewinnung in Tadschikistan</title>
		<link>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/klagen-ueber-umweltschaeden-durch-goldgewinnung-in-tadschikistan/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Aziz Rustamov]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Mar 2022 16:29:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Gold]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Zaravshon]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Joint Venture &#x201A;Zaravshon&#x2018; ist das gr&#xF6;&#xDF;te Goldbergbauunternehmen in Tadschikistan, steht aber zunehmend f&#xFC;r vermutete umweltsch&#xE4;dliche Aktivit&#xE4;ten in der Kritik. Zu Beginn des Jahres haben sich &#xFC;ber 100 Einwohner aus der Umgebung mit einem &#xF6;ffentlichen Brief an die Beh&#xF6;rden gewandt. Seit bald f&#xFC;nf Jahren beschweren sich die Bewohner der D&#xF6;rfer Sching und Kosatarosch im Bezirk [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Joint Venture &#8218;Zaravshon&#8216; ist das größte Goldbergbauunternehmen in Tadschikistan, steht aber zunehmend für vermutete umweltschädliche Aktivitäten in der Kritik. Zu Beginn des Jahres haben sich über 100 Einwohner aus der Umgebung mit einem öffentlichen Brief an die Behörden gewandt. </strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit bald fünf Jahren beschweren sich die Bewohner der Dörfer Sching und Kosatarosch im Bezirk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pandschakent">Pandschakent</a>, im Westen Tadschikistans, über die Aktivitäten des tadschikisch-chinesischen Goldbergbauunternehmens Zarafshon. Sie beklagen, das Unternehmen habe in der Region große ökologische und soziale Probleme verursacht, die nicht nur die menschliche Gesundheit, sondern auch die Tier- und Pflanzenwelt bedrohen. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Mit<em> „Das Unternehmen Zarafshon gibt anderen Gold und uns Gift“</em>, ist ein <a href="https://pressa.tj/slider_tj/korhonai-zarafshon-ba-digaron-zar-ba-mo-za%d2%b3r-medi%d2%b3ad/">offener Brief</a> betitelt, der Mitte Januar dieses Jahres auf der Seite der der Nachrichtenagentur Pressa.tj veröffentlicht wurde. Der Brief wurde von 147 Einwohnern naheliegender Dörfer unterschrieben und an den Präsidenten des Landes, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon,</a> gerichtet.
</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gefährliche Kläranlagen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Das tadschikisch-chinesische Gemeinschaftsunternehmen Zarafschon fördert seit 1997 Gold in Pandschakent. Wie der Brief erläutert, hat das Unternehmen seine Kläranlage nur 300-400 Meter von einem Wohngebiet gebaut und in einem Zeitraum von 24 Jahren wurden dort drei Klärbehälter mit giftigen Chemikalien gefüllt. Der Standort dieser Anlagen in so unmittelbarer Nähe schadet der Atmosphäre, dem Boden, den Weiden und vor allem der Gesundheit der Dorfbewohner. Letztere, insbesondere ältere Menschen und Kinder, beklagen häufige Krankheiten. „<em>In jungen Familien nehmen die Fälle von Unfruchtbarkeit zu. Außerdem gibt es immer mehr Todesfälle bei Frühgeburten</em>“, so die Einwohner. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2007 wurden 53 Hektar Land von Bürgern der Gemeinde an das Gemeinschaftsunternehmen Zarafshon für den Bau einer Kläranlage übergeben. Die Leitung des Unternehmens versprach den Bürgern, anteilig Grundstücke in anderen Gebieten des Bezirks Pandschakent zuzuweisen. Dieses Versprechen wurde jedoch nicht eingelöst. 2019 begann das Gemeinschaftsunternehmen Zarafshon mit dem Bau einer neuen Kläranlage auf dem Gebiet des Dorfes Chumgaron, neben der Wasserquelle des Dorfes, die für Trinkwasser und für die Bewässerung von 100 Hektar Land genutzt wird. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/das-erbe-von-taboschar-ueber-den-uranabbau-in-tadschikistan-und-seine-folgen/">Das Erbe von Taboschar – Über den Uranabbau in Tadschikistan und seine Folgen</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Um den Bau zu verhindern, wandten sich die Dorfbewohner wiederholt mündlich und schriftlich an die Leitung des Unternehmens, die lokale Gemeindeverwaltung und das Exekutivorgan der Provinz <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sughd">Sughd</a>. Laut den Aussagen der Dorfbewohner schenkte ihnen jedoch niemand Beachtung. „<em>Wenn der Bau dieser Einrichtung notwendig ist, fordern wir, dass das Zarafshon Gemeinschaftsunternehmen den Bewohnern Wohnraum in einer anderen Region zur Verfügung stellt. Leider beschloss das Unternehmen, nur 47 von 147 Haushalten umzusiedeln</em>“, schrieben die Dorfbewohner der oben in dem offenen Brief. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bisherige Gespräche über den Stopp des Baus einer neuen Kläranlage hätten keine ausreichenden Ergebnisse erbracht. Die Leitung von Zarafshon setze den Bau der Kläranlage trotz der Beschwerden und Einwände der Anwohner von Chumgaron willkürlich fort. Sie beabsichtigen, die Bauarbeiten abzuschließen und eine &#8211; laut Einschätzung der lokalen Einwohner &#8211; <em>„dermaßen gefährliche Anlage“</em> bis zum Ende des laufenden Halbjahres in Betrieb zu nehmen. Jede Äußerung von öffentlichem Protest, der vor allem von Frauen getragen wird, findet bei den Behörden und dem Goldbergbauunternehmen Zarafshon kein Gehör. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fischsterben in der Nähe einer Kalkfabrik</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Die Kläranlage ist nicht die einzige Klage von Bewohnern des Bezirks Pandschakent über die Aktivitäten von Zarafshon. Im Juli 2019 wurde am Ufer des Sching-Flusses ein massives Fischsterben festgestellt. Der lokale Einwohner, Journalist und Dichter Ismoil Zarifi war einer der ersten, die dagegen protestierten. Zarifi vermutete, das Fischsterben sei durch die Abwässer der Kalkfabrik Zarafshon verursacht, die in den Fluss geleitet werden. Dabei entspringt der Sching-Fluss aus dem Gebiet der Sieben Seen (Haftkul) und gilt als eine der umweltfreundlichsten Wasserquellen im Zarafshon-Tal. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zarifi <a href="https://fergana.media/news/109487">forderte</a> die tadschikische Führung, einschließlich des Gouverneurs der Region Sughd auf, unverzüglich auf die durch das tadschikisch-chinesische Joint Venture verursachte Umweltkatastrophe zu reagieren. Es kam tatsächlich eine Reaktion von Seiten des Umweltschutzkomitees der tadschikischen Regierung: Eine Gruppe von Mitarbeitern der Behörde leitete eine Untersuchung der Ursachen des massiven Fischsterbens ein. Auf einer Pressekonferenz Ende Juli 2019 erklärte der stellvertretende Leiter der Umweltschutzabteilung der Region Sughd, Bunyod Abdumaliksoda, die Experten des Komitees haben 50 Meter vom Ufer des Flusses Sching entfernt eine Deponie mit Kalkabfällen gefunden, die zum Goldbergbauunternehmen Zarafshon gehört: „<em>Der Schaden belief sich auf etwa 200 Tausend Somoni</em> (knapp 19.000 Euro), <em>und es wurde eine Geldstrafe von 11 Tausend Somoni</em> (gut 1000 Euro) <em>verhängt</em>“, so Abdumaliksoda gegenüber Journalisten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der stellvertretende Chefökologe des Gebiets Sughd ignorierte jedoch die Frage nach den Abwässern. Seiner Meinung nach führte das heiße Sommerklima und Schäden am Flussufer dazu, dass Teil der Kalkabfälle in den Fluss gelangte: „<em>Ein großer Wasserstrom zerstörte den Damm des Sees, das Wasser trat aus, und die Fische blieben ohne Wasser zurück und starben in einer Schlammlawine</em>“, betonte Abdumaliksoda, „<em>außerdem haben die Ergebnisse von drei Expertenuntersuchungen das Vorhandensein von giftigen Substanzen in den Körpern der toten Fische nicht bestätigt</em>“. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/die-luft-die-tadschikistan-atmet/">Die Luft, die Tadschikistan atmet</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2010 wurde im Dorf Sching, in der Nähe des gleichnamigen Flusses, die Kalkproduktionsanlage &#8218;SP Zarafshon LLC&#8216; errichtet. Dort stehen zwei Öfen zum Brennen von Kalk, der für die Goldbearbeitung verwendet wird. Das Unternehmen beschäftigt 16 Mitarbeiter und produzierte im Jahr 2021 7200 Tonnen Kalk. Eine Inspektion durch die Umweltbehörde im Juli 2019 stellte keine starken Abweichungen von den geltenden Normen: „<em>Die Kalkproduktionsanlage wurde im Rahmen des Baus der Goldmine errichtet. Die sozioökonomischen Bedingungen und die Gesundheit der Anwohner sowie die Auswirkungen auf die Umwelt wurden beim Bau dieses Unternehmens berücksichtigt</em>“, erklärte der stellvertretende Leiter des Umweltschutzausschusses. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kalk für Gold und Gift für das Volk</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Im Jahr 2017 hatten hingegen Journalisten des Zentrums für investigativen Journalismus in Tadschikistan die Umweltverschmutzung in Zarafshon untersucht. Sie deckten viele unterschwellige Probleme auf, die den einfachen Menschen in der Region unbekannt waren. Das Ergebnis der Untersuchung wurde um Juli 2017 unter dem Titel „<a href="https://sugdnews.com/2017/07/12/izvest-dlya-zolota-a-yad-dlya-naroda-foto-video/">Kalk für Gold und Gift für das Volk</a>“ von der lokalen Nachrichtenagentur Sughdnews veröffentlicht. In dem Artikel wird hervorgehoben, dass die tägliche Emission von dickem, stinkendem und giftigem Rauch aus der Kalkfabrik die Einwohner naheliegender Dörfer verschiedenen Krankheiten aussetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"> Sie berichten, die Anlage habe seit ihrer Inbetriebnahme Menschen, Pflanzen, Tieren und Ernten großen Schaden zugefügt. Außerdem haben sie mehrfach an die Leitung des Goldbergbauunternehmens Zarafshon, die lokalen Behörden und andere Entscheidungsträger appelliert, aber bislang ohne Ergebnis. Dabei war bereits zum Zeitpunkt des Baus der Kalkfabrik im Jahr 2010 ein Gutachten der Umweltkommission zu folgendem Schluss gekommen: „<em>Es ist zu beachten, dass die vorgeschlagene Tätigkeit die Umwelt auf verschiedene Weise beeinträchtigen kann, zum Beispiel durch Auswirkungen auf die Atmosphäre, auf die Wasserressourcen, auf Flora und Fauna und auf Veränderungen in der Landschaft des ausgewählten Gebiets. Daher müssen bei der Erstellung einer Umweltverträglichkeitsprüfung für eine geplante Anlage die Wahrscheinlichkeit ihrer Auswirkungen auf die Umwelt und Möglichkeiten zu ihrer Abschwächung aufgezeigt werden</em>.“ </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben von Branchenexperten wird bei der Aufbereitung von Kalk aus den Öfen organischer Staub &#8211; Kohlenmonoxid, Stickstoffdioxid und Schwefeldioxid &#8211; in die Luft abgegeben. Bei der Abfallfiltration werden 80 Prozent des Staubes herausgefiltert. Die Menge der Emissionen in die Luft hängt von der Produktionskapazität der Anlage ab. Aber auch weitere Aspekte der Produktion, wie etwa Maschinenlärm und Bodendegradation, können sich negativ auf die Umwelt auswirken. Die Journalisten stellen fest, dass die Stellungnahme der Umweltkommission zwar angenommen wurde, die absolute Mehrheit der darin enthaltenen Punkte jedoch nicht erfüllt wurde. Kamil (Name auf Wunsch geändert), ein Einwohner des Dorfes Raschna im Bezirk Pandschakent, stellt fest, dass er seit etwa zehn Jahren auf seinem Gartengrundstück nichts mehr anbauen kann. Die Bäume tragen keine Früchte. „<em>Die Quelle der Umweltverschmutzung sind Rauch und Emissionen aus der Zarafshon-Goldmine</em>&#8222;, betont Kamil. Bei einer Untersuchung durch zwei führende Journalisten in Tadschikistan erklärten einige Manager, die Kalkfabrik sei ein eigenständiges Unternehmen sei, das nicht dem Joint Venture Zarafshon unterstellt sei. Tatsächlich aber sei laut vorliegenden Firmendokumenten das Gegenteil der Fall. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein &#8218;geheimes&#8216; Joint Venture</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Die Firma Zarafshon selbst ist ein Joint Venture zwischen Tadschikistan und China. Die Gründer des Unternehmens sind das Ministerium für Industrie und neue Technologien Tadschikistans und das chinesische Unternehmen &#8218;Zidschin&#8216;. Derzeit befinden sich 30 Prozent des Aktienkapitals im Besitz der tadschikischen Regierung und die restlichen 70 Prozent im Besitz des chinesischen Partnerunternehmens. Laut Angaben der tadschikischen Nachrichtenseite <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/economic/20190828/pyat-uspeshnih-gorno-rudnih-predpriyatii-tadzhikistana">Asia Plus</a> besteht das Unternehmen seit 1994 und fördert 70 Prozent der Goldproduktion von Tadschikistan. Gemäß den Bestimmungen der Vereinbarung zwischen den Gründern von Zarafshon sind Informationen über Produktion, technologische Innovationen, Management, Finanzplanung und andere Aktivitäten des Unternehmens vertraulich. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Unternehmen ist ein Geheimunternehmen, und es erfordert große Anstrengungen, um an Informationen zu seinen Arbeitsabläufen zu gelangen. Dazu muss man die Erlaubnis der Unternehmensgründer einholen, die journalistische Anfragen meist ignorieren. Die Zeit wird zeigen, ob die öffentlichen Appelle der 147 Einwohner des Dorfes Chumgaron zu positiven Ergebnissen führen werden und, ob die Umwelt- und Sozialprobleme der Region, die sich seit Jahren angesammelt haben, gelöst werden. Bislang scheint der politische Wille dazu gering, zumal die Firma Zarafshon einen wichtigen Platz in der tadschikischen Wirtschaft einnimmt. </p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Im Jahr 2017 wurde das Gemeinschaftsunternehmen Zarafshon zusammen mit der Mining Company of Tajikistan und China im Rahmen des von den tadschikischen Behörden ausgeschriebenen Wettbewerbs um den Titel des besten Steuerzahlers des Landes ausgezeichnet. Nach Angaben des <a href="https://rus.ozodi.org/a/31682587.html">tadschikischen Finanzministeriums</a> belief sich die gesamte Auslandsverschuldung des Landes am 1. Januar 2022 auf 3,3 Milliarden US-Dollar (ca. 3 Milliarden Euro) bzw. 37,6 Prozent des BIP. Auf China entfallen 1,39 Milliarden US-Dollar (1,27 Milliarden Euro) &#8211; fast 34 Prozent der Auslandsschulden Tadschikistans.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aziz Rustamov
Journalist für Novastan.org</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong> </p>



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			</item>
		<item>
		<title>Das Erbe von Taboschar – Über den Uranabbau in Tadschikistan und seine Folgen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Aziz Rustamov]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Feb 2022 15:16:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Atombombe]]></category>
		<category><![CDATA[Atomenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Dehmoj]]></category>
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		<category><![CDATA[Radioaktivität]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[Sughd]]></category>
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		<category><![CDATA[UdSSR]]></category>
		<category><![CDATA[Uran]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Tadschikistan hat die Rekultivierung offener Uranr&#xFC;ckst&#xE4;nde aus Sowjetzeiten begonnen. F&#xFC;r den vollst&#xE4;ndigen R&#xFC;ckbau aller Abf&#xE4;lle werden nach inoffiziellen Angaben etwa 55 Millionen US-Dollar ben&#xF6;tigt werden. Die russische Atomenergiegesellschaft &#x201E;Rosatom&#x201C; m&#xF6;chte im ersten Quartal 2022 mit der Rekultivierung von offenen Uran-Abraumhalden sowie dem Industriegel&#xE4;nde der ehemaligen Uranaufarbeitungsanlage in Istiqlol (bis 2012 Taboschar) im Norden Tadschikistans [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Tadschikistan hat die Rekultivierung offener Uranrückstände aus Sowjetzeiten begonnen. Für den vollständigen Rückbau aller Abfälle werden nach inoffiziellen Angaben etwa 55 Millionen US-Dollar benötigt werden.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die russische Atomenergiegesellschaft „Rosatom“ möchte im ersten Quartal 2022 mit der Rekultivierung von offenen Uran-Abraumhalden sowie dem Industriegelände der ehemaligen Uranaufarbeitungsanlage in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Istiqlol">Istiqlol</a> (bis 2012 Taboschar) im Norden Tadschikistans beginnen. Dies erklärte Nikolaj Spasskij, Rostatoms stellvertretender Generaldirektor für internationale Angelegenheiten, laut Angaben der russischen Nachrichtenagentur <a href="https://tass.ru/ekonomika/12907807?utm_source=yxnews&amp;utm_medium=desktop&amp;utm_referrer=https%3A%2F%2Fyandex.ru%2Fnews%2Fsearch%3Ftext%3D">TASS</a> am 11. November 2021 in einer Rede vor dem Rat der Regierungschefs der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft_Unabh%C3%A4ngiger_Staaten">GUS</a>-Staaten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Sanierung radioaktiver Absetzbecken und Abraumhalden hatte die GUS-Kommission für die friedliche Nutzung der Atomenergie das zwischenstaatliche Zielprogramm „Rekultivierung der vom Uranbergbau betroffenen Gebiete 2013-2023“ <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/centralasia/20210920/kazahstan-i-uzbekistan-nahodyatsya-v-pyaterke-mirovih-liderov-po-proizvodstvu-urana">verabschiedet</a>. Die finanzielle Hauptlast des circa 13 Millionen Euro schweren Programms trägt Russland mit 75 Prozent. Den verbliebenen Anteil tragen Kasachstan (15 Prozent), Tadschikistan (5 Prozent) und Kirgistan (5 Prozent). </p>


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<p class="wp-block-paragraph">In Bezug auf den Fortschritt dieses Programms stellte Spasskij fest, dass <em>„das geplante Fertigstellungsdatum gemäß dem genehmigten Programm sowohl für Kirgistan als auch für Tadschikistan Ende 2023 ist“</em>. Mit Bezug auf Tadschikistan betonte er, dass <em>„hier die Aufgabe darin besteht, die Abraumhalden und das Industriegelände der ehemaligen Uranaufarbeitungsanlage in der Nähe der Stadt Istiqlol zurekultivieren. Die technischen Lösungen sind vollständig ausgearbeitet, jetzt schließen wir die Wettbewerbsverfahren ab. Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten ein bis zwei Monaten einen Vertrag unterzeichnen werden und wir im ersten Quartal 2022 mit der Arbeit beginnen können.&#8220;</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Eine teure Sanierung</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Die Entsorgung aller radioaktiven Abfälle in Tadschikistan wird große finanzielle Ressourcen erfordern, über die der Staatshaushalt nicht verfügt. Das Land hofft auf finanzielle Hilfe von internationalen Organisationen und Geberländern und bewegt sich daher Schritt für Schritt auf die vollständige Neutralisierung der Uranrückstände zu. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die OSZE, die Europäische Union, die Internationale Atomenergiebehörde, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Bank_f%C3%BCr_Wiederaufbau_und_Entwicklung">EBWE</a>) und andere Organisationen haben sich zusammengeschlossen, um entsprechende Projekte zu finanzieren. Laut der Website des wissenschaftlichen Journals <a href="https://www.atomic-energy.ru/news/2019/12/11/99939">Atomic Energy 2.0</a> ratifizierte die Maschlisi Namojandagon, das Unterhaus des tadschikischen Parlaments, im Dezember 2019 eine Vereinbarung mit der EBWE über die Gewährung eines unentgeltlichen Zuschusses in Höhe von 33 Millionen Euro. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Diese Mittel werden verwendet, um die Uranrückstände in Dehmoj und Taboschar im Norden Tadschikistans – in der </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sughd"><em>Provinz Sughd</em></a><em> – zu neutralisieren“</em>, erklärte der damalige Minister für Industrie und neue Technologien, Sarobiddin Faisullosoda, vor den Abgeordneten. Der Rückbau der Uranhalden erfolgt im Rahmen des <a href="http://sng-atom.com/sites/default/files/NK%20505.pdf">Nationalen Konzepts der Republik Tadschikistan für die Sanierung von Rückständen aus Uranerzverarbeitungsabfällen für 2014-2024</a>, das Anfang August 2014 von der tadschikischen Regierung beschlossen wurde. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Wie alles begann</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Istiqlol (bis 2012 Taboschar) liegt 45 Kilometer von der Provinzhauptstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a> entfernt. Zu Sowjetzeit lebten in der geschlossenen Stadt mehr als 25.000 Menschen. Heute sind es 12.000. Die Uranlagerstätte Taboschar wurde 1926 <a href="http://sng-atom.com/sites/default/files/NK%20505.pdf">entdeckt</a>. Zwischen 1944 und 1965 wurde hier aktiv Erz abgebaut.

Noch während des Zweiten Weltkriegs stellte sich die oberste Führung der UdSSR die Aufgabe, eine eigene Atombombe zu entwickeln und herzustellen. Mitte Mai 1945 wurde durch einen Erlass des Staatsverteidigungskomitees der UdSSR in Leninabad (heute Chudschand) das „Bergbau- und Chemiekombinat Nr. 6“ zur Gewinnung und Verarbeitung von Uranerzen gegründet.

</p>



<figure class="wp-block-image alignnone wp-image-29036 size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="806" height="403" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Остатки-неотработанной-руды-г.-Истиклола.jpg" alt="Istiqlol Uranerz" class="wp-image-29036" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Остатки-неотработанной-руды-г.-Истиклола.jpg 806w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Остатки-неотработанной-руды-г.-Истиклола-300x150.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Остатки-неотработанной-руды-г.-Истиклола-768x384.jpg 768w" sizes="(max-width: 806px) 100vw, 806px" /><figcaption class="wp-element-caption">Reste von Uranerz in Istiqlol. Foto: Aziz Rustamov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"> Laut dem Physiker Hotam Murtasajew wurden in jenen Jahren bis zu 90 Prozent aller Abbau-, Transport- und Verarbeitungsvorgänge manuell durchgeführt. <em>„Für den schnellsten Transport von Erz zum Beispiel in der Lagerstätte </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mailuusuu"><em>Mailuusuu</em></a><em> wurde mangels mechanischer Methode ein origineller Weg gefunden &#8211; das Erz wurde auf Eseln transportiert. […] Als der Akademiker Dmitrij Schtscherbakow einmal diese &#8222;Shuttle&#8220;-Reisen der in der Atomindustrie arbeitenden Esel beobachtete, sagte er: Es liegt nicht in meiner Hand, aber ich würde den Eseln ein Denkmal errichten&#8220;</em>, <a href="https://ia-centr.ru/publications/smert-v-nasledstvo-pochemu-v-tadzhikistane-ne-mogut-zakhoronit-sovetskie-uranovye-otkhody/">berichtet</a> der Physiker. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Bis Ende 1947 verarbeitete das Kombinat Nr. 6 in Nordtadschikistan 176.600 Tonnen Uranerz und produzierte 66 Tonnen Uran. 1953 erreichte das Verarbeitungsvolumen eine Million Tonnen Erz pro Jahr, aus denen mehr als 400 Tonnen Uran produziert wurden. Am 29. August 1949 wurde auf dem </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffentestgel%C3%A4nde_Semipalatinsk"><em>Atomwaffentestgelände Semipalatinsk</em></a><em> die erste sowjetische Atombombe mit einer Kapazität von 22 Kilotonnen getestet. Bei seiner Herstellung wurde Uran verwendet, das im Norden Tadschikistans abgebaut wurde“</em>, so Murtasajew weiter. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/semipalatinsker-testgelaende-das-atomare-erbe-der-sowjetunion-in-kasachstan/"><strong>Semipalatinsker Testgelände: Das atomare Erbe der Sowjetunion in Kasachstan </strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die lokale Ressourcen reichten nicht aus, also wurde das Erz auch aus anderen Ländern Zentralasiens, Europas und sogar Afrikas gebracht. Im Wettrüsten stellte sich die Führung der UdSSR die Aufgabe, mit den Vereinigten Staaten Schritt zu halten. Die sich schnell entwickelnde sowjetische Nuklearindustrie verlangte immer mehr Uran. Ende der 1980er Jahre ging die Uranproduktion in Tadschikistan zurück und wurde nach dem Zusammenbruch der Union vollständig eingestellt.“, </em>schließt der Professor. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Umstrukturierung</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Die Produktion von Urankonzentrat <a href="http://sng-atom.com/sites/default/files/NK%20505.pdf">begann</a> in Tadschikistan bereits 1944 in einer Pilotanlage in der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ghafurow">Gafurow</a>. Anschließend wurden auf dem Gebiet von Sughd sechs weitere Anlagen zur Gewinnung von Uranoxid gebaut. Von diesen Anlagen blieb Ende der 60er Jahre eine große Fabrik in der Stadt Tschkalowsk (heute <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buston_(Ghafurow)">Buston</a>) übrig, die nach einem Umbau in den 80er Jahren Pro Jahr bis zu 1 Million Tonnen Erz verarbeitete und etwa 2.000 Tonnen Uranoxid produzierte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">So wurden in fast 50 Jahren etwa 100.000 Tonnen Urankonzentrat produziert, wodurch sich auf dem Territorium von 6 Bezirken der Povinz Sughd mehr als 55 Millionen Tonnen Abfall mit einer Gesamtaktivität von mehr als 6,5 Tausend <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Curie_(Einheit)">Curie</a> ansammelten. Diese Abfälle werden in 10 Abraumhalden beziehungsweise Absatzbecken mit einer Gesamtfläche von 180 Hektar konzentriert, die sich in dicht besiedelten Gebieten sowie im Oberlauf von Nebenflüssen des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Syrdarja">Syrdarja</a> befinden. </p>



<figure class="wp-block-image alignnone wp-image-29035 size-full"><img decoding="async" width="806" height="403" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Оставшийся-штольни-урановых-шахт.-Здесь-добывали-уран-руным-способом..jpg" alt="Uranminen Tadschikistan" class="wp-image-29035" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Оставшийся-штольни-урановых-шахт.-Здесь-добывали-уран-руным-способом..jpg 806w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Оставшийся-штольни-урановых-шахт.-Здесь-добывали-уран-руным-способом.-300x150.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Оставшийся-штольни-урановых-шахт.-Здесь-добывали-уран-руным-способом.-768x384.jpg 768w" sizes="(max-width: 806px) 100vw, 806px" /><figcaption class="wp-element-caption">Verbleibende Stollen von Uranminen in Tadschikistan. Hier wurde Uran manuell abgebaut. Foto: Aziz Rustamov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"> Wie aus der <a href="http://www.adlia.tj/show_doc.fwx?Rgn=122290">Präambel</a> des nationalen Konzepts für die Sanierung von Uranrückständen hervorgeht, wurde 1991 nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Lieferung von Uranerz aus dem Ausland eingestellt. In der Folge mussten mehrere Einheiten des Staatsunternehmens „Seltene Metalle Tadschikistans&#8220;, welche sich mit der Verarbeitung von Uran beschäftigten, praktisch Ihre Arbeit einstellen. Mittlerweile ist die gesamte Infrastruktur des Unternehmens auf die Produktion von Konsumgütern umgestellt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis heute befinden sich die Uranrückstände [sogenannte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tailings">Tailings</a>, Anm. d. Red.] und das Abraumgestein in Istiqlol in einer Entfernung von 500 Metern bis 4 Kilometer zur Stadt. Der Komplex besteht aus einem Tagebau, demontierten Industriegebäuden und drei Halden, die nach der Säureextraktion mehr als 15 Millionen Tonnen Uranerz-Abfälle enthalten. Etwa 7,6 Millionen Tonnen Uranabfälle aus vier hydrometallurgischen Anlagen wurden hier auf einer Fläche von 54 Hektar verteilt. Angesehen von den Minen befindet sich in der Nähe von Istiqlol ein überfluteter Steinbruch, dessen bis zu 50 Meter tiefes Wasser durch die Abfälle aus der Aufbereitungsanlage verseucht ist. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Das Absatzbecken Dehmoj</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Eine der gefährlichsten Deponien für radioaktive Abfälle ist das Absatzbecken Dehmoj. Das Objekt mit einer Fläche von 90 Hektar wurde in den Jahren 1963-1993 durchgehend befüllt. Es befindet sich im <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ghafurov_District">Bezirk Gafurow</a> auf einer Höhe von 485 Metern über dem Meeresspiegel und ist 1,5 Kilometer vom Dorf Gosion und 10 Kilometer von Chudschand entfernt. 36 Millionen Tonnen Tailings aus der Uranproduktion, 500.000 außerbilanzielles Uranerz und 5,7 Millionen Tonnen Abfall aus der Verarbeitung vanadiumhaltiger Rohstoffe wurden hier angesammelt. Die chemische Zusammensetzung besteht aus Sulfaten, Carbonaten, Nitraten.

</p>



<figure class="wp-block-image alignnone wp-image-29034 size-full"><img decoding="async" width="800" height="561" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/nuclear2.jpg" alt="Im Absetzbecken von Dehmoj" class="wp-image-29034" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/nuclear2.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/nuclear2-300x210.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/nuclear2-768x539.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Im Absetzbecken von Dehmoj. Von den Wasserrohren und der Pantonen-Brücke für diese Rohre bleibt nur noch Altmetall. Foto: Aziz Rustamov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"> In den Jahren 2015-2017 wurde aus den Budgets der Provinz Sughd, der Städte Chudschand und Buston sowie des Bezirks Gafurow ein Betrag von 113.600 US-Dollar für die Sanierung von Dehmoj zur Verfügung gestellt. Mit diesen Mitteln wurden etwa 16 Hektar der Anlage mit einer 50 bis 100 Zentimeter dicken Erdschicht bedeckt, wodurch die Ausbreitung von radioaktivem Staub um ein Vielfaches reduziert werden konnte. Dann wurde aufgrund der Finanzkrise die Zuweisung von Geldern ausgesetzt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der für Wissenschaft und Ökologie zuständige stellvertretende Direktor des Unternehmens „Seltene Metalle Tadschikistans“, Mirsoschokir Hodschijon, erklärt das Sachverständige verschiedene Gefährdungsfaktoren identifizieren konnten, die vom Absatzbecken Dehmoj ausgehen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Dies sind radioaktive Stoffe, die Bestandteil von Staub und Aerosolen sind, aber auch Radongas und radioaktive Strahlung. Die schädliche Wirkung auf den menschlichen Körper ergibt sich aus der Luftverschmutzung mit Radon, der Verwendung von mit Lebensmitteln kontaminierten Produkten sowie daraus, dass Menschen der Strahlung ausgesetzt sind, wenn sie sich in Zonen und Gebieten mit radioaktiver Wirkung befinden“</em>, erklärte Hodschijon im Jahr 2019 auf Anfrage des Autors. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Gesundheitliche Folgen</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Im Jahr 2004 wurden in Istiqlol gleich drei Kinder <a href="http://www.caresd.net/site.html?text_search">mit Missbildungen geboren</a> – ein beispielloser Fall in der Geschichte der Stadt und des ganzen Landes. Bei zwei von ihnen diagnostizierten die Ärzt:innen eine Rückenmarkshernie und beim dritten eine ösophagotrachealen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fistel">Fistel</a> [zwischen Luft- und Speiseröhre, Anm. d. Red.]. Alle drei starben am Tag ihrer Geburt. Eltern und Ärzt:innen waren fassungslos. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Verschlechterung des Gesundheitszustands ist auch bei den Einwohner:innen von Gosion in der Nähe des Absatzbeckens Dehmoj zu beobachten. Laut Mirkamol Domullojew, Arzt am Gesundheitszentrum von Gosion, werden jährlich dreißig oder mehr Menschen mit onkologischen Erkrankungen unter den Anwohner:innen registriert. Darüber hinaus lasse sich eine Zunahme von Patienten mit Leukämie beobachten. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Meiner Meinung nach sind die zunehmenden Fälle dieser Krankheiten mit der Urandeponie verbunden, von der sich ständig Staub ausbreitet, der eine erhöhte Strahlung trägt. Derzeit ist diese Halde teilweise mit Sand bedeckt. Die Bedrohung durch sie bleibt jedoch bestehen“</em>, stellt der Arzt fest. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/unter-verschluss-gehalten-atomverseucht-die-stadt-istiklol-unter-dem-deckmantel-der-galoschen/"><strong>Unter Verschluss gehalten, atomverseucht: Die Stadt Istiklol „unter dem Deckmantel“ der Galoschen</strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Muhabbat, eine Einwohnerin des Dorfes, stellt fest, dass hier nicht nur Menschen oft krank werden, sondern auch Flora und Fauna. <em>„Die Früchte vieler Bäume, wie Aprikosen, Granatäpfel, Trauben, fallen ab, bevor sie reif sind. Die Blätter der Bäume sind ständig mit Staub und Schmutz bedeckt. Dies sind sicher die &#8222;Früchte&#8220; der herrenlosen Urandeponie, die wenige Kilometer vom Dorf entfernt liegt“</em>, klagt Muhabbat. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ingenieurswissenschaftler Safar Rasykow schreibt in seinem Buch „Uranlagerstätten in Tadschikistan“ („Урановые месторождения Таджикистана“), dass die chemische Toxizität von Uran, insbesondere in seinen hochlöslichen Verbindungen, für lebende Organismen schädlich ist. Bei Aufnahme über die Atemwege und den Magen-Darm-Trakt lagern sich Uranverbindungen in Knochen, Nieren, Leber, Lunge und Lymphknoten ab und verursachen akute und chronische Erkrankungen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ausscheiden von Uran aus dem Körper verläuft extrem langsam. Über einen Zeitraum von 70 bis 140 Tagen werden nicht mehr als 50 Prozent der in den Körper gelangten Menge ausgeschieden. Nicht weniger gefährlich für alle Lebewesen ist die Eigenschaft der Radioaktivität, die Uran und seinen Verbindungen innewohnt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Direkte und indirekte Strahlungseinwirkungen bewirken verschiedenartige Störungen der Vitalaktivität von Zellen, Geweben, Organen und dem lebenden Organismus insgesamt. Ionisierende Strahlung hingegen kann eine Veränderung jener Zellen bewirken, die den Code der Erbinformation tragen. Dies wiederum führt zu Anomalien und Mutationen bei den Nachkommen. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Berge an nutzlosem Abfall</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Laut dem Direktor der Agentur für Nuklear- und Strahlensicherheit der tadschikischen Akademie der Wissenschaften, Ulmas Mirsaidow, enthält der radioaktive Abfall, der sich in den Halden und Absatzbecken Nordtadschikistans ansammelt, einen geringen Gehalt an Uran und Radium. Er ist praktisch nutzlos.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die an der Gewinnung und Verarbeitung von Uran beteiligten Unternehmen unterlagen der Geheimhaltung und Informationen über Bergbau- und Verarbeitungstechnologien wurden nicht erhalten. Oft wurden die Anforderungen der Strahlenschutznormen ausgeblendet oder nicht erfüllt, da die Produktionssteigerung von vorrangiger Bedeutung war. Zu Lasten der Sicherheit“</em>, zitiert <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/opinion/20111007/uranovoe-nasledstvo">Asia-Plus</a> die Worte des Wissenschaftlers. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das Land braucht etwa 55 Millionen US-Dollar, um die Halden in einen angemesseneren Zustand zu bringen. Wir müssen den Müll vergraben und dann anfangen, diese riesigen Gebiete für wirtschaftliche Zwecke zu nutzen. In den verlassenen Minen gibt es praktisch kein Uran mehr, und die Strahlung kommt allein vom Radium&#8220;</em>, erklärte Mirsaidow gegenüber der <a href="https://www.bbc.com/russian/international/2012/12/121218_tajikistan_uranium">BBC</a>. <em>Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version dieses Artikels stand, dass Leninabad der ehemalige Name Duschanbes sei. Tatsächlich handelt es sich aber um Chudschand. Wir haben diesen Fehler korrigiert und bitten ihn zu entschuldigen.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aziz Rustamov für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<item>
		<title>30 Jahre Hand in Hand – Über das Unternehmen „Dschawoni“ in Tadschikistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Aziz Rustamov]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Dec 2021 11:55:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anfang der 90er Jahren, als in Tadschikistan der B&#xFC;rgerkrieg tobte, nahm ein italienischer Investor Geld in die Hand, um ein gemeinsames tadschikisch-italienisches Unternehmen zu gr&#xFC;nden. Wir erz&#xE4;hlen die Geschichte dieser ungew&#xF6;hnlichen Kooperation. Am 9. Oktober 1992, als in den s&#xFC;dlichen Regionen Tadschikistans ein heftiger B&#xFC;rgerkrieg tobte und fast alle Industriebetriebe des Landes lahmgelegt wurden, wurde [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anfang der 90er Jahren, als in Tadschikistan der Bürgerkrieg tobte, nahm ein italienischer Investor Geld in die Hand, um ein gemeinsames tadschikisch-italienisches Unternehmen zu gründen. Wir erzählen die Geschichte dieser ungewöhnlichen Kooperation.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 9. Oktober 1992, als in den südlichen Regionen Tadschikistans ein heftiger Bürgerkrieg tobte und fast alle Industriebetriebe des Landes lahmgelegt wurden, wurde in der im Norden des Landes gelegenen Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a> ein Unternehmen gegründet und beim Finanzministerium registriert. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dschawoni (tadschikisch für „Jugend“) – so der Name des Unternehmens – entstand auf der Grundlage der der vom italienischen Jeans-Hersteller <a href="https://www.carrerajeans.com/en/">Carrera</a> finanzierten Aktiengesellschaft „Abreschim&#8220; und war dabei das erste tadschikisch-italienische Gemeinschaftsunternehmen in der Geschichte der Republik. Die lokalen Behörden teilten dem Unternehmen etwa sechs Hektar Land für den Bau einer Fabrik zu. Und auch die Gründer wussten sicherlich, dass sie die gewünschten Ergebnisse erzielen werden, wenn sie die Produktion und Organisation nach neuen Regeln und Methoden sowie mit kreativem Denken gestalten würden. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Hersteller mit Tradition</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Bereits 1965 hatten die drei Brüder Imerio, Tito und Domenico Tacchella <a href="https://www.carrerajeans.com/en/about-us/history">ihr Unternehmen</a> in der italienischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Verona">Provinz Verona</a> gegründet. Sie nannten es „Carrera“, was auf Spanisch „Streben nach Erfolg“ bedeutet. Von den ersten Tagen an stellten sich die Gründer die Aufgabe, Waren in bester Qualität herzustellen, welche den Anforderungen der Zeit entsprechen. Das italienische Unternehmen entschied sich nicht zufällig für Abreschim. Schließlich ist Tadschikistan einer der führenden Produzenten von Rohbaumwolle in Zentralasien. Insbesondere die in Tadschikistan gefertigte feinstapelige Baumwolle ist auf dem Weltmarkt sehr <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/economic/20140124/minselkhoz-tadzhikistan-gotov-vyrashchivat-khlopok-dlya-mirovoi-oboronnoi-promyshlennosti">gefragt</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus war Abreschim bereits vor dem Einstieg der Italiener eines der ältesten namhaften Industrieunternehmen in Tadschikistan und ganz Zentralasien. Hier arbeiteten in den 70er Jahren mehr als 6000 Arbeiter:innen und ihre Produkte, insbesondere Garne und Strickwaren, wurden in alle Sowjetrepubliken sowie ins Ausland exportiert. Das Unternehmen beschäftigte Ingenieur:innen und Technolog:innen mit Abschlüssen aus Moskau, Taschkent, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Iwanowo">Iwanowo</a>, Kiew und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Charkiw">Charkiw</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/erstes-wirtschaftsforum-eu-zentralasien-in-bischkek/">Erstes “Wirtschaftsforum EU – Zentralasien” in Bischkek </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Seidenkombinat (so der frühere Name von Abreschim) gehörte zu Sowjetzeiten eine Berufsschule, die das Personal unterhalb der Führungsebene ausbildete. Entsprechend hatte auch das neue Unternehmen praktisch keine Personalprobleme. Darüber hinaus ermöglichten die relativ günstigen Arbeitskräfte, Waren zu niedrigen Preisen zu produzieren. So wurde die neue Fabrik an der Dschawoni-Straße in Chudschand errichtet. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Hauptaktionär ist das Unternehmen selbst (mit 93 Prozent), 7 Prozent der Anteile werden von der Weltbank gehalten. 1995 brachte das Unternehmen seine ersten Produkte unter der Marke „Carrera SPA“ auf den Markt. Um die Vollständigkeit der hergestellten Waren zu verbessern und ihre hohe Qualität zu gewährleisten, ist Dschawoni außerdem eine Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen wie Ponte Melini oder Diadora <a href="http://www.globecsi.ru/Articles/2010/Boboev.pdf">eingegangen</a>. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Von Tadschikistan in die Welt </strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Heute ist Dschawoni ein beständig in Tadschikistan tätiges Unternehmen, das sich mit der Verarbeitung von Baumwollfasern sowie der Herstellung und dem Verkauf von Baumwollgarnen, Stoffen und Kleidungsstücken befasst. Die hergestellten Produkte sind von hoher Qualität und die Vielfalt des Sortiments ermöglicht es, auf dem Markt mit bekannten Marken zu konkurrieren. <em>„Aber die Hauptlinie sind Jeans – Denim und Color Jeans, die in Tadschikistan produziert werden“</em>, erklärte Firus Jusupow, Außenhandelsleiter des Unternehmens, im Dezember 2018 gegenüber dem tadschikischen Nachrichtenportal <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/economic/20181214/kak-prodvigaetsya-biznes-u-chastnih-tadzhikskih-brendov">Asia-Plus</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Jusupow werden die in Tadschikistan hergestellte Waren über offizielle CARRERA Stores sowie über Multibrand Stores in Europa und Amerika verkauft. In Tadschikistan gibt es hingegen nur einen einzigen Laden in der Hauptstadt Duschanbe. <em>„Hauptabnehmer von Carrera sind Menschen, die das ökologische Naturprodukt aus Baumwolle und seine natürlichen Behandlungen schätzen. Daher verkaufen sich die Produkte gut in europäischen Ländern“</em>, so der Außenhandelsleiter weiter. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-zum-hub-fuer-kuenstliche-intelligenz-machen/">“Tadschikistan zum Hub für künstliche Intelligenz machen” </a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Unsere Fabrik exportiert jährlich Jeans im Wert von mehr als 20 Millionen Euro nach Europa“</em>, merkt Jusupow an. <em>„Uns, Herstellern und Unternehmern, fehlen der Esprit und Optimismus. Unsere Produzenten […] könnten von speziellen Programmen zum Schutz einheimischer Produzenten profitieren. Natürlich braucht es Steuer- und Zollvergünstigungen, die wir in unserem Land haben. Aber aus Effizienzgründen müssen wir auch spezielle Zölle für die Einfuhr ausländischer Waren einführen.“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Neue Managementmethoden</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Einer der Schlüsselfaktoren für das erfolgreiche Funktionieren des Unternehmens ist <a href="http://www.globecsi.ru/Articles/2010/Boboev.pdf">nach Ansicht von Expert:innen</a> die Anwendung neuer Managementmethoden. Dschawoni gab von Anfang an alte stereotype Managementmethoden auf. Führungskräfte begannen, eine linear-funktionale Managementstruktur zu verwenden, nach der es keine Vermittler:innen zwischen ihnen und Untergebenen gibt. Der Direktor wird vom Stiftungsrat in seine Position berufen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Charakteristisch für das Unternehmen ist, dass sich der Generaldirektor sowohl mit Fragen der Finanzverwaltung als auch der Produktion befasst, da er ein Spezialist auf diesem Gebiet ist. Der Generaldirektor hat Assistent:innen, die für die Qualität der Produkte verantwortlich sind. Jeder Produktionsstandort hat seine eigenen Vorgesetzten, die gegenüber dem Generaldirektor oder durch deren Assistent:innen rechenschaftspflichtig sind. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/vom-buergerkrieg-zum-touristenziel-imagewechsel-von-tadschikistan/">Vom Bürgerkrieg zum Touristenziel: Imagewechsel von Tadschikistan </a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dschawoni verfügt über <a href="http://www.globecsi.ru/Articles/2010/Boboev.pdf">sechs Werkstätten</a>: eine Spinnerei, eine Weberei, eine Näherei, eine Färbrei, die Nasswärmebehandlung sowie eine technische Abteilung. In jeder Werkstatt fällt im technologischen Prozess Abfall (Fehlproduktion) an, der aber auf ein Minimum reduziert und teilweise auf dem heimischen Markt verkauft wird. Das Unternehmen investiert in mehrere Baumwollfarmen in den Bezirken <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Spitamen_District">Spitamen</a>, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Zafarobod_District,_Tajikistan">Safarobod</a> und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mastchoh_District">Mastchoh</a>. Nach der Ernte transportieren sie die Baumwolle mit ihren eigenen Fahrzeugen nach Chudschand, sodass Transportkosten gespart werden. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Internationale Förderung</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Im Jahr 2003 wurde Dschawoni von der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Finanz-Corporation">Internationalen Finanz-Corporation (IFC)</a>&nbsp; ein Vorzugsdarlehen zur Unterstützung des Privatsektors in Schwellenländern in Höhe von 3 Millionen US-Dollar <a href="https://www.ozodi.org/a/1123042.html">zugesagt</a>. Mit dem Geld sollte die technologische Ausrüstung modernisiert werden, was – infolge der Einführung neuer Produktionslinien – nach Schätzungen der IFC zu einem Anstieg der Beschäftigtenzahl um 3500 Personen hätte führen können. Darüber hinaus könnte das Unternehmen bei rationeller Verwendung der zugewiesenen Mittel jährlich 15 Millionen US-Dollar erwirtschaften.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das Unternehmen Dschawoni arbeitet nach europäischen Standards, und das ist großartig in Tadschikistan – ein Land, das noch nicht lange unabhängig ist und dessen Wirtschaft von Anfang an mit zahlreichen Schwierigkeiten konfrontiert ist“</em>, stellte der stellvertretende IFC-Direktor Assad Jabr damals gegenüber <a href="https://www.ozodi.org/a/1123042.html">Radio Ozodi</a> fest.

Ob Dschawoni das zugesagte Geld letztendlich auch erhalten hat und wie es verwendet wurde, mochten uns aber weder der Pressedienste des Unternehmens selbst noch die Stadt Chudschand oder die Verwaltung der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sughd">Provinz Sughd</a> beantworten.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Stabiler Absatzmarkt</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Wie das tadschikische Ministerium für Industrie und neue Technologien auf Anfrage von Novastan mitteilte, beschäftigte Dschawoni zum 1. Oktober 2021 756 Personen. Dabei habe das Unternehmen in den ersten neun Monate dieses Jahres 313,4 Tonnen Baumwollgarn produziert. Das seien 18 Tonnen mehr als im Vorjahresvergleich. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus sei Baumwollgewebe im Umfang von 1,35 Millionen Metern hergestellt worden, welches für den Bedarf des Unternehmens verwendet werde. Im genannten Zeitraum seien Textilien und Kleidungsstücke im Wert von 29,58 Millionen Somoni (ca. 3 Millionen US-Dollar) hergestellt worden. Die jährliche Produktionskapazität der Spinnerei von Dschawoni liege bei bis zu 2000 Tonnen Rohbaumwolle. Im Jahr 2020 habe diese Werkstatt 770 Tonnen Baumwollgarn produziert. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/baumwollernte-in-usbekistan-freiwillige-zwangsarbeit/">Baumwollernte in Usbekistan: Freiwillige Zwangsarbeit? </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie das russische Auslandsmedium <a href="https://tj.sputniknews.ru/20210402/Tajikistan-sokratit-eksport-khlopk-prichiny-1033118613.html">Sputnik</a> berichtet, seien nach offiziellen Angaben über 100 derartige Fabriken in Tadschikistan tätig, die mehr als 100.000 Tonnen Baumwollfasern produzieren. Davon würden aber nur etwa 20.000 Tonnen pro Jahr in Tadschikistan weiterverarbeitet werden. Zu diesen verarbeitenden Unternehmen gehört unter anderem SATN – ein weiteres Unternehmen, das „CARRERA SPA&#8220; 2001 in Chudschand eröffnet hatte. Dessen Hauptprofil liegt in der Herstellung von Textilien wie Hosen, Shorts, Hemden und Jacken aus Denim. Zum 1. Oktober 2021 beschäftigte SATN nach Angaben des Industrieministeriums 600 Personen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Akmalschon Scharipow, einem leitenden Angestellten der Abteilung für Leichtindustrie und Seide des Industrieministeriums, ist einer der Faktoren für das erfolgreiche Funktionieren des Unternehmens das Vorhandensein eines stabilen Absatzmarktes. <em>„Wenn wir die Aktivitäten von Unternehmen und Firmen aus wirtschaftlicher Sicht betrachten, dann hängt dies von der Marktlage, der Wirtschaftskrise und anderen Faktoren ab, die den Produktionsprozess beeinflussen. Trotz der Schwierigkeiten während der COVID-19-Pandemie konnte das Unternehmen Dschawoni 2,7 Millionen medizinische Masken herstellen und nach Italien liefern“</em>, erklärte der Beamte gegenüber Novastan. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Eine Erfolgsgeschichte</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des Wirtschaftsbeobachters Negmatullo Mirsaidow wurden Anfang der 90er Jahre in Tadschikistan mehrere moderne Industrieunternehmen aufgebaut, die mit moderner Technologie arbeiteten. Dschawoni sei eines davon. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Sie hatten eine klare Strategie. Der ausländische Partner wusste genau, in was er investieren, was er produzieren und wo er verkaufen sollte. Das Geheimnis der Langlebigkeit und des Erfolgs von Dschawoni ist, dass das Unternehmen von Anfang an exportorientiert war. Der Hauptinvestor, das italienische Unternehmen Carrera, garantierte den Verkauf der Produkte. Dschawoni ist seit drei Jahrzehnten erfolgreich tätig, auch weil seine Produkte dank der Verwendung der Marke des Partners, die im Fachhandel ein hohes Ansehen genießt, dem harten Wettbewerb standhalten“</em>, erklärt der Experte gegenüber Novastan. </p>



<figure class="wp-block-image alignnone wp-image-28364 size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="591" height="443" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/11/Неъматулло_Мирсаидов-2.jpg" alt="" class="wp-image-28364" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/11/Неъматулло_Мирсаидов-2.jpg 591w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/11/Неъматулло_Мирсаидов-2-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 591px) 100vw, 591px" /><figcaption class="wp-element-caption">Negmatullo Mirsaidow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">

Das Joint Venture Dschawoni ist ein anschauliches Beispiel für die Praxis der fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Wirtschaftsunternehmen verschiedener Länder. Es könnte zum Aufstieg Tadschikistans zu einem Land mit günstigem Investitionsumfeld beitragen. Da Dschawoni profitabel ist, der Staatskasse hohe Steuern einbringt und somit dringend notwendiges ausländische Kapital in die Republik gelangt, versuchen die Behörden, das Unternehmen zu unterstützen. So wird das Unternehmen beispielsweise trotz ständig <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/wie-tadschikistan-seit-15-jahren-strom-spart-die-geschichte-der-landesweiten-stromausfaelle/">wiederkehrender Energieknappheit</a> kontinuierlich mit Strom versorgt. Die Produkte des Unternehmens gelten als Aushängeschild des Landes und werden in Ausstellungen auf verschiedenen Ebenen präsentiert.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aziz Rustamov für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong> </p>



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		<title>Warum in Tadschikistan immer mehr bedrohte Tier- und Pflanzenarten verschwinden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Aziz Rustamov]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Oct 2021 17:54:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Bedrohte Arten]]></category>
		<category><![CDATA[Pflanzen]]></category>
		<category><![CDATA[Rote Liste]]></category>
		<category><![CDATA[Tiere]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mehr als 500 Tier- und Pflanzenarten sind in Tadschikistan bedroht. Ihr Verschwinden schreitet unaufh&#xF6;rlich voran. Die Ursachen sind vielf&#xE4;ltig, aber vor allem menschlichen Ursprungs. Als 1988 die erste Ausgabe der Roten Liste der bedrohten Arten in Tadschikistan erschien, umfasste sie 162 Tier- und 226 Pflanzenarten. In der 2015 ver&#xF6;ffentlichten, aktualisierten Fassung waren es schon 222 [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mehr als 500 Tier- und Pflanzenarten sind in Tadschikistan bedroht. Ihr Verschwinden schreitet unaufhörlich voran. Die Ursachen sind vielfältig, aber vor allem menschlichen Ursprungs.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Als 1988 die erste Ausgabe der <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9A%D1%80%D0%B0%D1%81%D0%BD%D0%B0%D1%8F_%D0%BA%D0%BD%D0%B8%D0%B3%D0%B0_%D0%A2%D0%B0%D0%B4%D0%B6%D0%B8%D0%BA%D0%B8%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%B0">Roten Liste der bedrohten Arten in Tadschikistan</a> erschien, umfasste sie 162 Tier- und 226 Pflanzenarten. In der 2015 veröffentlichten, aktualisierten Fassung waren es schon 222 Tier- und 267 Pflanzenarten. Um diese bedrohten Arten zu erhalten und zu vermehren, ergreifen die Behörden verschiedene Maßnahmen. So werden zum Beispiel <a href="http://www.adlia.tj/show_doc.fwx?Rgn=8413">Verordnungen</a> zu ihrem Schutz verabschiedet und auch praktische Maßnahmen unternommen, indem Wilderei und illegale Beweidung bekämpft und Lebensräume von bedrohten Tieren und Pflanzen erhalten werden. Dennoch scheint der Prozess des Verschwindens von Arten unumkehrbar. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"> Das Staatsgebiet Tadschikistans umfasst eine Gesamtfläche von <a href="https://odkb-csto.org/countries/tadzhikistan/">142.970 km²</a>, von denen 93 Prozent aus Gebirge bestehen. Laut Angaben des russischen Auslandsmediums <a href="https://tj.sputniknews.ru/20190123/selskoe-khozyaystvo-tajikistan-zemlya-1028009288.html">Sputnik</a> betrug 1991, im Jahr der Unabhängigkeit, die für die Landwirtschaft zugeteilte Fläche 4,2 Millionen Hektar. Davon waren 0,8 Millionen Hektar Ackerland, die restlichen 3,2 Millionen Hektar Weideland. Seitdem ist die Ackerfläche um ein Viertel zurückgegangen, weite Teile wurden Bauland für Wohngebäude und Industrieanlagen. In etlichen Regionen kommt hinzu, dass übermäßiger Einsatz von chemischen Mineraldüngern und Pestiziden den Boden nachhaltig geschädigt hat. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/unwirksame-pestizide-bereiten-tadschikischen-bauern-kopfzerbrechen/"><strong>Unwirksame Pestizide bereiten tadschikischen Bauern Kopfzerbrechen </strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"> Obwohl das verbliebene Ackerland noch nicht einmal für die einheimische Landwirtschaft reicht, wurden im Süden des Landes, insbesondere in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chatlon">Provinz Chatlon</a>, auf Beschluss der Behörden mehr als 18.000 Hektar Land für einen Zeitraum von 49 Jahren an chinesische Agrarbetriebe verpachtet. Parallel dazu <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20210329/rozhdaemost-vsyo-vishe-zemli-vsyo-menshe">wächst die Bevölkerung</a> des Landes: Während es 1989 noch 5,15 Millionen Tadschik:innen gab, so waren es am 1. Januar 2021 bereits 9,5 Millionen. Infolgedessen wachsen Städte und Gemeinden auf Kosten von unberührtem Bergland und Wüsten &#8211; dem Lebensraum seltener Tiere und Pflanzen. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Der Mensch schädigt das Ökosystem</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Trotz der fast ein Jahrhundert währenden unzureichenden Beachtung des Ökosystems sind die Flora und Fauna Tadschikistans reich und vielfältig. Gemäß den <a href="https://livingasia.online/2017/08/29/red_data_list_tajikistan/">neuesten Daten</a> leben in Tadschikistan mehr als 13.000 Tierarten. Hinzu kommen etwa 5.000 Pflanzenarten. Dies ist der natürliche Reichtum des Landes. Der Lebensraum von 80 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten befindet sich in Bergregionen, doch auch mehr als 70 Prozent der menschlichen Bevölkerung leben in ländlichen und bergigen Gebieten. Da das ökologische Bewusstsein bei der Mehrheit der Bevölkerung gering ist, begann sie die Ressourcen der Berggebiete zunehmend zu erschließen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-rund-500-tier-und-pflanzenarten-bedroht/"><strong>Tadschikistan: Rund 500 Tier- und Pflanzenarten bedroht </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch den Einfluss des Menschen degradiert das Ökosystem in Tadschikistan. Seltene Tier- und Pflanzenarten werden Opfer mutwilliger Zerstörung. Zum Beispiel wird jedes Jahr im Frühling und Sommer entlang der Fernstraßen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Duschanbe">Duschanbe</a> – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wahdat">Wachdat</a> – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorugh">Chorugh</a> wilder Rhabarber zum Verkauf angeboten –  eine seltene Pflanze, die in die Rote Liste Tadschikistans aufgenommen wurde. Obwohl 2017 verordnet wurde, dass das Pflücken wilden Rhabarbers eine <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/life/food/20190330/kislyachka-po-litsenzii-pochemu-v-tadzhikistane-takoi-dorogoi-rozovii-reven">besondere Lizenz erfordert</a>, gehen dennoch ganze Familien in die Berge, um diese Pflanze zu pflücken und dann entlang der Straßen oder auf Wochenmärkten zu verkaufen. Das Gleiche geschieht mit anderen bedrohten Kräutern. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Weidewirtschaft als Problem</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Sadriddin Abdurachimow, Mineraloge an der Staatlichen Universität Chudschand, ist überzeugt, dass das unregulierte Weiden von Rindern erheblichen Schaden in der Pflanzenwelt anrichtet. So werden alle Arten von Pflanzen niedergetrampelt, ohne dass sie Zeit hätten, zu reifen und zu samen. Die Beweidung beeinträchtigt auch den Lebensraum von Bären, Schneeleoparden oder Rebhühnern. Das Rebhuhn legt beispielsweise Eier in am Boden liegende Nester, die vom Vieh zertrampelt werden. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Anfang der 70er Jahren wurden Angoraziegen aus dem fernen Australien nach Tadschikistan gebracht, um gute Wolle zu bekommen. Sie fressen gnadenlos alle Gräser und Pflanzen mit ihren Wurzeln. Daher zerstörten sie in kurzer Zeit Dutzende seltene Pflanzenarten. Wissenschaftler haben vorgeschlagen, spezielle Weiden für sie zu schaffen und sie von anderem Vieh getrennt zu halten. Es ist notwendig, die Weideflächen zu erweitern“</em>, erklärt Abdurachimow. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/nicht-genug-gras-fuer-alle-in-tadschikistan-soll-der-viehbestand-reduziert-werden/"><strong>Nicht genug Gras für alle – In Tadschikistan soll der Viehbestand reduziert werden </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Komildschon Ibrohimow, Leiter des der Weiderückgewinnungs-Trust in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sughd">Provinz Sughd</a>, gab es zum 1. Januar 2021 in der Region 784.110 Hektar Weideland, auf dem etwa 1,5 Millionen Tiere gehalten werden. Das sind 100.487 Hektar weniger als im Jahr 2018. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Nach den anerkannten Regeln dürfen 4 bis 6 Nutztiere auf einem Quadratkilometer Weideland grasen. Diese Regel wird aber nicht befolgt. Folglich fressen Tiere alles samt Wurzeln ab. Im nächsten Jahr wachsen an diesen Orten keine Pflanzen mehr, darunter seltene Arten, die in der Roten Liste aufgeführt sind. Um sie vor dem Aussterben zu schützen, muss ihr Lebensraum geschützt werden. Schließlich frisst das Vieh alles. Vor allem die Tulpe, die sehr lecker ist. Außerdem wissen die Hirten selbst nicht, wo seltene Pflanzen wachsen“</em>, meint Ibrohimow. </p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="591" height="443" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/10/herde.jpg" alt="" class="wp-image-28007" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/10/herde.jpg 591w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/10/herde-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 591px) 100vw, 591px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">

In Tadschikistan werden <a href="http://avesta.tj/2018/09/20/bolee-8-mln-golov-krupnogo-i-melkogo-skota-podschitali-v-tadzhikistane/">laut inoffiziellen Angaben</a> etwa 8 Millionen Nutztiere gehalten, davon mehr als 2,3 Millionen Rinder und 5,7 Millionen Schafe und Ziegen. Laut der <a href="https://www.fao.org/europe/news/detail-news/ru/c/882118/">Ernährungs- und Landwirtschaftsorgaisation der Vereinten Nationen (FAO)</a> beträgt die Gesamtfläche der Weiden im Land 3,8 Millionen Hektar Land.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Legale und illegale Jagd</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Das Verschwinden bestimmter Tierarten setzte bereits in den frühen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts ein, als die Entwicklung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wachsch">Wachsch</a>-Tals vorangetrieben wurde. Vor etwa 70 Jahren zog sich der mittlerweile ausgestorbene <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspischer_Tiger">Kaspische Tiger</a> aus dem Naturreservat <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tigrowaja-Balka-Naturreservat">Tigrowaja Balka</a> ins nahe Afghanistan zurück. Den Höhepunkt erreichte die Ausrottung von Wildtieren in den südlichen Regionen des Landes mit dem <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-unvergessliche-horror-des-burgerkriegs/">Bürgerkrieg 1992-1997</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„In Tadschikistan begann der Bürgerkrieg und die Situation im Naturreservat Tigrowaja Balka geriet praktisch außer Kontrolle. Die Ausrottung seltener Tierarten war an der Tagesordnung. Bis Mitte der 1990er Jahre ging beispielsweise die Zahl der Hirsche und Gazellen im Reservat um das Sieben- bis Achtfache zurück“</em>, sagt der Umweltexperte Dschamsched Kadyrow. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/rueckkehr-tiger-am-balqash-see/"><strong>Wie am Balqash-See die Rückkehr des Tigers vorbereitet wird </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der Gründe für das Verschwinden seltener Tierarten ist Wilderei, aber auch legale Jagd gehört dazu. So weist das Umweltschutzkomitee der tadschikischen Regierung jährlich eine <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/bedrohte-tiere-retten-tadschikischen-staatshaushalt/">bestimmte Quote</a> für die Jagd auf gefährdete Arten wie das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Argali">Riesenwildschaf</a>, die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schraubenziege">Schraubenziege</a>, das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Urial">Steppenschaf</a> und den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Braunb%C3%A4r">Braunbären</a> zu. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kosten der Lizenzen hängen von der Tierart ab. So kostet der Abschuss eines Riesenwildschafs 5.000 US-Dollar und einer Schraubenziege 3.000 US-Dollar. Für ein Steppenschaf müssen 2.800 US-Dollar entrichtet werden und für einen Braunbären 1.000 US-Dollar. Obwohl auf diesen Weg jedes Jahr ein beträchtlicher Betrag in die Staatskasse gespült wird, lehnen insbesondere Naturfreund:innen diese „legale&#8220; Bezahljagd ab. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-die-heimat-zehn-aussergewoehnlicher-tiere/"><strong>Tadschikistan – Die Heimat zehn außergewöhnlicher Tiere </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Grund für das Verschwinden bedrohter Tiere ist die traditionelle Medizin. Zum Beispiel werden Blindschlangen von Volksheiler:innen als Mittel gegen Krebs verwendet und in einigen Ritualen eingesetzt. Oft wird aus ihnen eine Abkochung zubereitet. Sie werden illegal gejagt und anschließend entlang der Fernstraße Chudschand – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Istarawschan">Istarawschan</a> oder auf dem Zentralmarkt von Chudschand verkauft. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Levanteotter">Levanteotter</a>, die ebenfalls auf der Roten Liste des Landes steht, wird im <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tursunzoda_District">Bezirk Tursunsoda</a> im Westen Tadschikistans wegen ihrer Zähne gnadenlos gejagt. Das Fett von Murmeltieren ist als Heilmittel gegen Tuberkulose beliebt, das Fleisch von Stachelschweinen wird zur Gewichtsreduktion eingesetzt. Ein Geierkadaver kann als Heilmittel gegen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osteochondrose">Osteochondrose</a> verwendet werden. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Bedingungen für die Wiederansiedlung</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Sanginboj Kurbonow ist ehemaliger Abteilungsleiter für Umweltschutz in der Provinz Sughd. Er berichtet, dass es&nbsp; dem agroindustriellen Verband „Temurmalik“ im Jahre 1991 gestattet wurde, den Flachwasserteil des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kairakkum-Stausee">Kairakkum-Stausees</a> am Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Syrdarja">Syrdarja</a> auf einer Fläche von 2400 Hektar zu bewirtschaften. Um die Flora und Fauna der Auen und die Bedingungen für das Laichen von Fischen zu erhalten, wurde jedoch festgelegt, eine weitere Erschließung des verbleibenden Flachwasserteils im Stausee nicht ohne Abstimmung mit dem Ausschuss für Naturschutz zuzulassen.

</p>



<figure class="wp-block-image alignnone wp-image-28008 size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="900" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/10/Kairakkum-Stausee.jpg" alt="" class="wp-image-28008" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/10/Kairakkum-Stausee.jpg 1200w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/10/Kairakkum-Stausee-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/10/Kairakkum-Stausee-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/10/Kairakkum-Stausee-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/10/Kairakkum-Stausee-800x600.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Kairakkum-Stausee in Ferganatal</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"> Um den Verlust der Fischbestände im Stausee zu verhindern, wurde „Temurmalik“ beauftragt, Teiche zur Zucht von Jungfischen anzulegen, die dann im See ausgesetzt werden sollten. Außerdem musste „Temurmalik&#8220; Umweltmaßnahmen ergreifen, um die Schäden an Flora und Fauna im ausgewiesenen Gebiet zu kompensieren. Keine dieser Anforderungen wurde jemals erfüllt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen sind im Kairakkum-Stausee die natürlichen Laichgründe der Fische deutlich zurückgegangen. Die Fische zogen sich in den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Naryn_(Fluss)">Naryn</a>, einen der Quellflüsse des Syrdarja, sowie in den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Toktogul-Talsperre">Toktogul-Stausee</a> zurück. Heute sind von 15 Fischarten, die zuvor im Kairakkum-Stausee lebten, nur noch fünf oder sechs erhalten. <em>„Sie werden nicht zurückkehren, da für sie natürliche Lebensräume geschaffen wurden“</em>, schließt Kurbonow. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/leben-mit-dem-fluss-der-naryn-in-kirgistan/"><strong>Leben mit dem Fluss: Der Naryn in Kirgistan </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut dem Umweltjournalisten Kamar Ahror (Name geändert) sind viele der ausgestorbenen oder vom Aussterben bedrohten Pflanzen- und Tierarten endemisch, sie kommen also nur in einem relativ begrenzten Gebiet vor. Um ihre Populationen wiederherzustellen, müssen daher die notwendigen Bedingungen für ihre Wiederansiedlung und Vermehrung geschaffen werden. </p>


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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Um gefährdete Tier- und Pflanzenarten zu retten, ist es notwendig, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, die Anzahl der Schutzgebiete zu erhöhen, die Verschmutzung der Natur zu verhindern und das ökologische Bewusstsein der Bevölkerung zu erweitern. Nur in einem solchen integrierten Ansatz ist es möglich, bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu retten. Der Erhalt der biologischen Vielfalt sichert die Harmonie des Menschen mit allen Arten von Lebewesen. Die Verletzung dieser Harmonie, das Ungleichgewicht des Ökosystems, hat katastrophale Folgen sowohl für den Menschen als auch für die Pflanzen- und Tierwelt“</em>, fasst der Umweltjournalist zusammen.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aziz Rustamov für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong> </p>



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		<title>Der Sohn eines Schmieds – der tadschikische Bildhauer Amri Aminow im Porträt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Aziz Rustamov]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Aug 2021 07:54:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Amri Aminow]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 22. Oktober wird in Saint-Germain-en-Laye bei Paris der tadschikische Bildhauer und UNESCO-Botschafter des guten Willens Amri Aminow im Kreis seiner Familie seinen 55. Geburtstag feiern. Ein Portr&#xE4;t. Am 22. Oktober 1966 wurde in der Familie des Schmieds Kuschmurod Amin im Bergdorf Gusar im Bezirk Pendschikent in Tadschikistan ein Sohn geboren. Die Gro&#xDF;mutter m&#xFC;tterlicherseits, Bibi [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am 22. Oktober wird in Saint-Germain-en-Laye bei Paris der tadschikische Bildhauer und UNESCO-Botschafter des guten Willens Amri Aminow im Kreis seiner Familie seinen 55. Geburtstag feiern. Ein Porträt. </strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 22. Oktober 1966 wurde in der Familie des Schmieds Kuschmurod Amin im Bergdorf Gusar im Bezirk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pandschakent">Pendschikent</a> in Tadschikistan ein Sohn geboren. Die Großmutter mütterlicherseits, Bibi Salomat, gab ihm dem Namen Amri. Es war das fünfte von sechs Kindern der Familie. Die Eltern gaben viel Kraft und Energie, damit ihre Kinder satt sowie gut beschuht und angezogen waren. Alle Kinder lernten fleißig in der Schule. Als Kind wachte Amri jeden Morgen durch den Hammerschlag seines Vaters auf. Als er fünf Jahre alt war, begann er zusammen mit seinen Brüdern und Schwestern, seinem Vater in der Werkstatt zu helfen. Jeden Tag vollbrachte der Vater aus Eisen Wunder: Sichel, Hufeisen, Axt, Hacke. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Soweit ich mich erinnere, waren Vater und Mutter immer mit etwas Nützlichem beschäftigt. Es wurde gekocht, gelesen, gemacht, kreiert. Freitags reiste mein Vater ins nahe gelegene </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand"><em>Samarkand</em></a><em>, um das gemeinsame Freitagsgebet zu verrichten. Nachdem er das Gebet verrichtet hatte, führte er mich zu den historischen Orten der Stadt: zum <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Registan_(Samarqand)">Registon</a>, dem Mausoleum </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gur-Emir-Mausoleum"><em>Gur Emir</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shohizinda"><em>Shohizinda</em></a><em>, zur </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bibi-Chanum-Moschee"><em>Bibi-Hanum-Moschee</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ulug_Begs_Observatorium"><em>Ulugbeks Observatorium</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Afrasiab_(Stadt)"><em>Afrosiyob</em></a><em>. Diese Reisen haben einen großen Eindruck bei mir hinterlassen. Ich habe mich ein für alle Mal in Literatur, Kunst, Architektur verliebt. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Als ich meinem Vater half, verliebte ich mich in die Kunst des Schmiedens. Diese Liebe brachte mich nach dem Ende der achten Klasse an die Mirsorachmat-Olimow-Kunstschule in Duschanbe. Das war 1982. Seit meinem sechzehnten Lebensjahr arbeite ich mit Granit, Marmor, Bronze. Viele meiner Arbeiten sind in Bronze ausgeführt. Es besteht kein Zweifel, dass die Liebe zu Bronze &#8211; zu Metall &#8211; mir zweifellos von meinem Vater gegeben wurde “</em>, erinnert sich Amri Aminow. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Lehrjahre</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> In Duschanbe landete Amri im Atelier des berühmten Bildhauers Igor Gurjewitsch Iwanow, Autor des einzigartigen Brunnens gegenüber dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ismail-Somoni-Denkmal">Ismail-Somoni-Denkmal</a> im Zentrum der tadschikischen Hauptstadt. Der Unterricht erfolgte auf Russisch. Amri musste nach der Arbeit extra Geld verdienen, um interessante Bücher auf Russisch zu kaufen. Mit diesen Büchern versuchte er, die Sprache Puschkins und Dostojewskijs lesen und sprechen zu lernen. Die Eltern schickten Geld, damit er eine Wohnung mieten, Kleidung und Schuhe sowie Werkzeug und Materialien für das Studium kaufen konnte. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Neben Russisch begann ich die usbekische Sprache zu lernen. Dabei halfen mir meine Kommilitonen, die aus Usbekistan kamen. Im Gegenzug baten sie mich, ihnen Tadschikisch beizubringen. Ich habe die usbekische Sprache gelernt, aber meine Freunde konnten unsere Sprache nicht beherrschen“</em>, lacht Aminow. <em>„Die Kenntnis der russischen und usbekischen Sprache hat mir aber für den Rest meines Lebens geholfen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/anisa-sabiri-tadschikische-poetin-kunstlerin-staatsburgerin/">Anisa Sabiri: tadschikische Poetin, Künstlerin, Staatsbürgerin </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Werke des Bildhauers weckten schon in seiner Studienzeit das Interesse von Kunstliebhaber:innen. Seine Werkskizzen wurden oft auf verschiedenen Ausstellungen präsentiert. Der junge Künstler träumte von einer höheren Ausbildung, nämlich an der Russischen Akademie der Künste in Leningrad und dort Schüler eines der berühmtesten sowjetischen Bildhauer, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Michail_Konstantinowitsch_Anikuschin">Michail Konstantinowitsch Anikuschin</a>, zu werden. Er wurde aber nicht angenommen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Michail Konstantinowitsch selbst bot ihm an, ihm bei der Zulassung an einer anderen Hochschule zu helfen, was Amri aber kompromisslos ablehnte. Nachdem er die Entschlossenheit des jungen Bildhauers erlebt hatte, erlaubte ihm Anikuschin, als freier Hörer an seinen Vorlesungen und praktischen Kursen teilzunehmen. Ein Jahr später wurde Amris Traum wahr. Er wurde ein vollwertiger Student der renommierten Hochschule. </p>



<figure class="wp-block-image alignnone wp-image-27471 size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/2c289396-46f7-41f6-8ae6-8a86f0ab48a1.jpg" alt="Amri Aminow" class="wp-image-27471" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/2c289396-46f7-41f6-8ae6-8a86f0ab48a1.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/2c289396-46f7-41f6-8ae6-8a86f0ab48a1-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/2c289396-46f7-41f6-8ae6-8a86f0ab48a1-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/2c289396-46f7-41f6-8ae6-8a86f0ab48a1-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Amri Aminow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">

Im zweiten Studienjahr wurde Amri zur Armee eingezogen. Er diente im Hauptquartier des Leningrader Militärbezirks und wurde Militärkünstler. Man brauchte Spezialisten auf dem Gebiet der bildenden Kunst und der monumentalen Propaganda und so wurde Amri während des Dienstes in andere Militäreinheiten in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Archangelsk">Archangelsk</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murmansk">Murmansk</a> abgeordnet. Nach der Entlassung aus dem Militärdienst kehrte Amri an die Akademie zurück.

Im Jahr 1992 flog Amri Aminow auf Einladung Muhammad Osimis, dem damaligen Präsidenten der Akademie der Wissenschaften von Tadschikistan, von St. Petersburg nach Duschanbe und nahm am ersten Forum der Tadschiken der Welt teil. Amri nutzte die Gelegenheit und organisierte eine erfolgreiche Einzelausstellung in der tadschikischen Hauptstadt.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Per Zufall nach Frankreich</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Im Anschluss an das Forum wollte Amri ein Praktikum in Italien absolvieren. Er beschloss, über Berlin und Paris nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Reggio_Calabria">Reggio Calabria</a> zu reisen, um unterwegs die Museen der beiden europäischen Hauptstädte zu besuchen. In Frankreich lernte er die Besitzer einer Pariser Kunstgalerie kennen, die ihm die Zusammenarbeit und einen lukrativen Vertrag anboten. Amri begann ernsthaft und gründlich die französische Sprache, die europäische Kultur sowie die Lebensweise, Bräuche und Traditionen der Französ:innen zu studieren. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/der-akt-als-spiegel-der-gesellschaft/">Der Akt als Spiegel der Gesellschaft </a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Und so landete ich als Student in Frankreich und lebe und arbeite seit etwa dreißig Jahren in Paris. Diese Stadt ist neben meinem Heimatdorf Gusar, Duschanbe und St. Petersburg für mich zu einem Heimatort geworden, an dem sich meine zweite Werkstatt befindet. Meine Familie lebt hier in Paris, mein Sohn Kova ist hier aufgewachsen“</em>, erzählt der Künstler. Seine Werke werden hauptsächlich von privaten Sammler:innen und den Rathäusern französischer Städte erworben. Gleichzeitig ist er Mitglied des St. Petersburger Künstlerverbandes. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„In Europa wurden meine Arbeiten erstmals 1992 in Berlin ausgestellt. Dann wurden sie regelmäßig auf Ausstellungen in Berlin, Prag, Paris gezeigt. Das erste monumentale Denkmal habe ich 2005 in Frankreich in </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chambourcy"><em>Chambourcy</em></a><em> bei Paris errichtet. Meine Werke werden im Museum der Russischen Akademie der Künste in St. Petersburg, im Museum von </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Florida_City"><em>Florida City</em></a><em> und vielen anderen Museen auf der ganzen Welt gezeigt“,</em> merkt Amri Aminow an. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>14 Dichter und Denker der tadschikisch-persischen Literatur</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Kunst und Kultur, insbesondere die Bildhauerei, waren laut Amri Aminow zu allen Zeiten mächtige ideologische Waffen, Symbole der Größe und Macht von Staaten. Zu diesem Zweck wurden seinerzeit die ägyptischen Pyramiden, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Persepolis">Persepolis</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Naqsch-e_Rostam">Naqsch-e Rostam</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pasargadae">Pasargadae</a> mit dem Grabmal des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kyros_II.#Grabmal">Kyros</a> im Iran, die Siedlungen Afrosiyob und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Varakhsha">Varaxsha</a> [in Usbekistan, Anm. d. Ü.], das antike Pendschikent, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tacht-i_Sangin">Tachti Sangin</a> und Dilwarsin-teppa in Tadschikistan geschaffen. Diese antiken Denkmäler sind lebendige Zeugen der einstigen Macht der Staaten der Region. Derzeit errichten Staaten Denkmäler für ihre Helden und Denker nicht nur im Inland, sondern auch auf dem Territorium anderer Staaten. Zum Beispiel errichteten Kasach:innen in Lyon, St. Petersburg und sogar im fernen Australien Denkmäler für <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Abai_Qunanbajuly">Abaı</a>, den Begründer der kasachischen Literatur. Die Usbek:innen errichteten in London ein Denkmal für <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Avicenna">Avicenna</a>, der in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro">Buchara</a>, im heutigen Usbekistan, geboren wurden. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-will-neun-weitere-unesco-welterbestaetten-anerkennen-lassen/">Tadschikistan will neun weitere UNESCO-Welterbestätten anerkennen lassen </a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Anfrage von Michail Piotrowskij, dem Dekan der Fakultät für orientalische Sprachen der Universität St. Petersburg, schuf Amri Aminow im Laufe mehrerer Jahre Denkmalskizzen für 14 prominente Denker der Region, unter anderem für <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rudaki">Rudaki</a>, Avicenna, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Omar_Chayy%C4%81m">Omar Chayyam</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Firdausi">Firdausi</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saadi">Saadi</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hafis">Hafis</a>. Es besteht die Hoffnung, dass diese Denkmäler den Garten des UNESCO-Hauptquartiers in Paris schmücken werden. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es wäre gut, wenn Tadschikistans Regierung die Kosten für die Errichtung dieser Denkmäler übernehmen würde. Schließlich sollten wir uns für ihre Entstehung in anderen Staaten interessieren. Diese Denkmäler verdeutlichen der Rolle der Tadschiken in der Entwicklung der Weltzivilisation. Schließlich sind diese Menschen Repräsentanten unserer Nation und der gesamten Menschheit. Ich möchte unbedingt, dass eine Kopie in den Städten Tadschikistans ausgestellt wird“</em>, erklärt Amri Aminow. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Botschafter des guten Willens</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> 2008 bekam Amri Aminow als erste Vertreter Zentralasiens überhaupt den Titel „Künstler der Welt&#8220; verliehen. Dieser Titel wird von der UNESCO an Künstler:innen in Anerkennung ihres Beitrags zur Verbreitung von Frieden und Toleranz verliehen. Die Urkunde wurde vom damaligen Generaldirektor der UNESCO <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/K%C5%8Dichir%C5%8D_Matsuura">Koichiro Matsuura</a> überreicht. Die Zeremonie fand im UNESCO-Hauptquartier in Paris statt. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><img loading="lazy" decoding="async" width="531" height="800" class="alignnone size-full wp-image-27470" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/80246814.jpg" alt="" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/80246814.jpg 531w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/08/80246814-199x300.jpg 199w" sizes="auto, (max-width: 531px) 100vw, 531px" /></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Meine Hauptaufgabe bestand darin, an den Aktivitäten der UNESCO zum Schutz und zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das immaterielle Kulturerbe sowie das traditionelle Handwerk Zentralasiens teilzunehmen. Im Rahmen dieses Programms hatte ich das Glück, in viele Länder der Welt zu reisen und an verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen“</em>, sagt Amri Aminow stolz. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Die Rolle der Heimat</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Amri Aminow ist sich sicher, dass man die Geschichte und Kultur der eigenen Nation und der ganzen Welt gut kennen muss, um ein professioneller Bildhauer zu werden. Man muss die Muttersprache gut beherrschen, über Fremdsprachenkenntnisse verfügen. Außerdem braucht man ein gottgegebenes Talent. Der Beruf eines Bildhauers ist akribische, fleißige und unaufhörliche Arbeit und eine überbordende Liebe zur eigenen Arbeit.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Um eine Skulptur zu schaffen, muss man sich maximal anstrengen. Mit Leidenschaft, Geduld und Inspiration arbeiten. Mein Mentor Michail Anikuschin hat zum Beispiel 10 Jahre lang an einem Puschkin-Denkmal in St. Petersburg gearbeitet. Bildhauerei ist wie Poesie, sie sollte klar und präzise sein. Im Moment sehen wir leider sowohl in Tadschikistan als auch in anderen Ländern Denkmäler, bei denen es peinlich ist, sie als solche zu bezeichnen. Sie sind innerlich und geistig leer, es gibt keine Harmonie in ihnen. […] Ich kann nur mit Bedauern feststellen, dass in vielen Ländern der Welt &#8211; auch in meiner Heimat &#8211; die Kunst degradiert, einschließlich der Bildhauerei“</em>, betont Amri Aminow. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In seiner Heimat Tadschikistan gibt es keine großen Denkmäler, die von Aminow geschaffen wurden, sondern nur einzelne Werke, die in privaten Sammlungen aufbewahrt werden. Er hat keine hohen staatlichen Auszeichnungen erhalten. Amri ist darüber nicht verärgert. Noch immer liebt er von ganzem Herzen seine Heimat und das Dorf, in dem er geboren wurde. Er hält engen Kontakt zu Familie und Freund:innen. Um die Muttersprache nicht zu vergessen, kauft er jedes Mal, wenn er nach Tadschikistan kommt, Dutzende Bücher in tadschikischer Sprache, hört traditionelle Musik. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Amri Aminow hat keine großen Villen im In- oder Ausland. In St. Petersburg mietet er vorübergehend eine Wohnung oder wohnt in einem Hotel. Aber er hat mehr als hundert vorgefertigte Skizzen, die für ihn Reichtum und Stolz sind. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-fuenf-gefragtesten-kuenstler-tadschikistans/">Die fünf gefragtesten Künstler Tadschikistans </a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich möchte, dass die Plätze und Parks unserer Städte mit Spiritualität gefüllt sind, nicht mit chinesischem Nippes. Dass auf den Podesten die Weisen sich zur Schau stellen und unsere Bürger und Gäste inspiriert und stolz sind auf das Erbe, das sie der Menschheit hinterlassen haben. Und dass die jüngere Generation sich ein Beispiel nimmt und das großartige Werk unserer großen Vorfahren fortsetzt. Und wir würden uns vor der zukünftigen Generation unseres vergangenen Jahrhunderts nicht schämen“</em>, schließt Amri Aminow. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aziz Rustamov</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Unwirksame Pestizide bereiten tadschikischen Bauern Kopfzerbrechen</title>
		<link>https://novastan.org/de/tadschikistan/unwirksame-pestizide-bereiten-tadschikischen-bauern-kopfzerbrechen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Aziz Rustamov]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Jun 2021 11:12:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Pestizide]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tadschikistan importiert jedes Jahr mehrere tausend Kilogramm Chemikalien f&#xFC;r die Landwirtschaft. In kleinen Dosen haben sie jedoch nicht die gew&#xFC;nschte Wirkung. Bauern sind gezwungen, sie in gro&#xDF;en Dosen zu verwenden, was die Bodenzusammensetzung zerst&#xF6;rt und gro&#xDF;en Schaden f&#xFC;r die Umwelt verursacht. Jedes Jahr werden in Tadschikistan Dutzende von Tonnen chemischer Pr&#xE4;parate importiert, bestimmt zur Bek&#xE4;mpfung [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Tadschikistan importiert jedes Jahr mehrere tausend Kilogramm Chemikalien für die Landwirtschaft. In kleinen Dosen haben sie jedoch nicht die gewünschte Wirkung. Bauern sind gezwungen, sie in großen Dosen zu verwenden, was die Bodenzusammensetzung zerstört und großen Schaden für die Umwelt verursacht.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedes Jahr werden in Tadschikistan Dutzende von Tonnen chemischer Präparate importiert, bestimmt zur Bekämpfung von landwirtschaftlichen Schädlingen, Insekten und verschiedenen Arten von Pflanzenkrankheiten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 1995 importieren nur noch Geschäftsleute unterschiedlichen Ranges Pestizide nach Tadschikistan. Auch besonders umweltschädliche Chemikalien, die gesetzlich verboten sind, werden oft ins Land geschmuggelt. Es ist also unmöglich nachzuvollziehen, wie viele Pestizide genau eingeführt werden. Bei Anfragen verweist das Landwirtschaftsministerium auf den Zoll, da der Staat selbst keine Pestizide importiert. Doch wie oft gibt der Zollausschuss realitätsferne Zahlen an.&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Landwirte beklagen, der Einsatz von Pestiziden in den in der Gebrauchsanweisung angegebenen Dosierungen habe wenig Wirkung. Daher sehen sie sich gezwungen, die zulässigen Dosen um ein Vielfaches zu überschreiten, was wiederum zur Zerstörung der Bodenzusammensetzung, zu Qualitätseinbußen bei den angebauten Produkten und zur Verschlechterung der Umwelt führt.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Wirtschaftliche Schwierigkeiten für Bauern</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Amir Scharifow, 53, ist der Leiter der „Amir“-Farm des Bauernverbands namens Firdousi im <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mastchoh_District">Bezirk Masttschoh</a> in Tadschikistan. Er hat mehr als dreißig Jahre seines Lebens der Landwirtschaft gewidmet. Auf einer Fläche von zwei Hektar baut er Erdnüsse an, dazu Mais und Weizen. Er erzählt wie früher auf dem Land Baumwolle angebaut wurde, ab den frühen 1960er Jahren, als es noch Kolchosen gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Tadschikistans Unabhängigkeit im Jahre 1991, wurden mehrere landwirtschaftliche Reformen durchgeführt. Von diesem Moment an begann die Zeit der wirtschaftlichen Reformen. Vor allem wurden ab 1992 weite Ländereien, die zuvor dem Staat und öffentlichen Kolchosen gehörten, privatisiert. Zuletzt wurde 2012 das &#8222;Programm für die Agrarreform der Republik Tadschikistan für 2012-2020&#8220; <a href="http://base.mmk.tj/view_sanadhoview.php?showdetail=&amp;sanadID=451&amp;language=ru">per Erlass verabschiedet</a>, in dessen Rahmen mehr als hundert kleine Einzel- und Familienbauernbetriebe gegründet wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusammen mit anderen Bauern aus der ehemaligen Kolchose erhielt die Familie von Scharifow drei Hektar Land. In den Anfangsjahren säten sie Baumwolle aus. Die Böden erwiesen sich als ausgelaugt. Außerdem war nicht genügend Wasser zur Bewässerung vorhanden. Daher erhielt die Familie Scharifow nicht einmal einen minimalen Ertrag aus der Aussaat von Baumwolle. In den folgenden Jahren beschlossen sie, andere Feldfrüchte anzubauen, darunter auch Erdnüsse.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/steppen-versalzung-und-chromosomen-aktuelle-forschungen-in-zentralasien/">Steppen, Versalzung und Chromosomen: Aktuelle Forschungen in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrer Erdnussplantage erreichten die Keimlinge jedoch nicht einmal eine Handspanne und wurden welk. Verschiedene Arten von Schädlingen legten in den Wurzeln, Stämmen und Blättern ihre Nester an. Um sie zu zerstören, mussten die Landwirte teure importierte Chemikalien verwenden. Sie bereiteten eine Lösung nach den vorgegebenen Anweisungen vor. Das vorbereitete Präparat brachte ihnen jedoch nicht die gewünschte Wirkung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Wir sind gezwungen, der Lösung eine zusätzliche Dosis hinzuzufügen. Auch eine Überdosierung in großen Mengen hat keine ausreichende Wirkung. Wir verlangten von den Verkäufern unser Geld zurück, diese beschuldigten uns aber der Inkompetenz und sagten, wir haben die Lösung nicht richtig eingesetzt. Als Folge dieser Verwirrungen entstanden uns große wirtschaftliche und finanzielle Verluste. Schließlich deckt die Ernte nicht einmal unsere Ausgaben für die Aussaat, ganz zu schweigen von Einnahmen</em>“, beklagt Amir Scharifow.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Pestizide werden oft falsch angewandt</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Laut dem Agragwissenschaftler und außerordentlichen Professor am Polytechnischen Institut der Technischen Universität in Duschanbe Todschiboi Bojmatow, wählen die Bauern oft die falschen Pestizide. Zum Beispiel werden Fungizide zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten verwendet. Die Landwirte behandeln die Pflanzen nicht rechtzeitig. Sie kennen weder die erlaubte Dosierung noch die Applikationsrate. Daher passen sich die Schädlinge an die Pestizide an und erwerben eine Immunität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits gebe es aber auch Mangel bei der Qualität der Pestizide. Landwirte kaufen Präparate oft aus den Händen von Privatpersonen und Zwischenhändlern, die auf den lokalen Märkten des Landes verkaufen, da es in ländlichen Gebieten immer noch keine auf den Verkauf von Pestiziden spezialisierten Geschäfte gibt. Beim Kauf von Pestiziden achten Landwirte meist nicht auf das Verfallsdatum, wobei abgelaufene Pflanzenschutzmittel keine richtige Wirkung entfalten. Oft schauen Landwirte auf den Preis und die vorgesehene zubereitete Lösung, achten aber nicht auf die zulässige Dosierung für ein bestimmtes Gebiet, erklärt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/pistazien-markt-tadschikistan-beliebt-warum-teuer/">Woher die Pistazien auf Tadschikistans Märkten kommen – und warum selbst einheimische so teuer sind</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Maksut Otabekow, Agronom bei der öffentlichen Organisation <a href="http://neksigol.tj/companies/oo-neksigol-mushovir/">Nexigol-Muschowir</a>, ist überzeugt, dass es auf dem Markt für den Verkauf von Pestiziden verschiedene Arten von Unternehmern gibt, die rein finanzielle Interessen verfolgen. Viele von ihnen sind keine Spezialisten und können den Käufern keinen professionellen Rat bieten. Ihm zufolge sei es an der Zeit, Kurse für Verkäufer anzubieten, die auf die Lieferung und den Verkauf von Pflanzenschutzmitteln spezialisiert sind und beim Import eine strenge Qualitätskontrolle durchzuführen. &nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ein Käufer sollte beim Kauf von Waren deren Qualitätszertifikat und Garantiekarte anfordern. Es gibt auch Schmuggelwaren auf dem Markt, die zu relativ niedrigen Preisen verkauft werden. Die meisten von ihnen verfügen nicht über die entsprechenden Zertifikate. Deshalb sollte man von ihnen keine reiche Ernte erwarten</em>“, erklärt Otabekow. „<em>Ich arbeite zum Beispiel mit einer Firma zusammen, die Chemikalien für die Landwirtschaft liefert. Ich gebe dem Kunden ein Maximum an Informationen, und er ist mit den angebauten und geernteten Pflanzen zufrieden</em>&#8222;.&nbsp;</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Ein Problem mit Geschichte</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Sowjetzeiten war Tadschikistan einer der führenden Produzenten des sogenannten „weißen Goldes“.&nbsp; Mehr als 90 Prozent der bewässerten Flächen des Landes wurden für die Aussaat und den Anbau der Monokultur Baumwolle genutzt. Trotz der ausgelaugten Böden gab es keine Fruchtfolge, denn der Plan sollte unbedingt erfüllt werden. Deshalb wurden Jahr für Jahr die bestehenden Normen für den Einsatz von Pestiziden und Mineraldüngern erhöht. Im Jahr 1980 meldete Tadschikistan nach Moskau, es produziere und liefere mehr als eine Million Tonnen Rohbaumwolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis Anfang der 1990er Jahre wurden die Pestizide zentral über das Netz der Bezirks- und Provinzbüros des republikanischen Unternehmens „Tadschikselchoschimija“ geliefert. Die Palette der eingesetzten Pestizide umfasste chemische Präparate, die später als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Persistente_organische_Schadstoffe">Persistente organische Schadstoffe</a> bezeichnet wurden: Aldrin, Dieldrin, Heptachlor, Endrin, HCB, Toxaphen und DDT.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einem Bericht der Stiftung zur Unterstützung bürgerlicher Initiativen wurden zwischen 1965 und 1990 jährlich zwischen sieben und 14 Tonnen dieser Chemikalien nach Tadschikistan geliefert. In den 1960ern waren noch bis zu 95 Prozent davon <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dichlordiphenyltrichlorethan">DDT</a>. Obwohl der Einsatz von DDT in der Landwirtschaft 1970 durch das Gesundheitsministerium der UdSSR verboten wurde, wurde diese Entscheidung in der Praxis ignoriert. Es wurde bis in die frühen 2000er Jahre des einundzwanzigsten Jahrhunderts verwendet. Laut Berichten der tadschikischen Onlinezeitung <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/node/235617">Asia Plus</a> gab es noch 2017 knapp 100 Deponien für chemische Abfälle aus der Landwirtschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/baumwolle-in-usbekistan-vom-sezessionskrieg-bis-heute/">Baumwolle in Usbekistan vom Sezessionskrieg bis heute</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Derzeit gibt es in Tadschikistan keine Industriebetriebe für die Produktion von Mineraldüngern und Pestiziden. Alle Pflanzenschutzmittel werden importiert. Der Import und die Qualität von Pestiziden werden formell von Überwachungs- und Kontrollorganisationen im Land kontrolliert.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Negmatdschon Tadschibajew widmete mehr als vierzig Jahre seines Lebens dem Agrarsektor. Er arbeitete viele Jahre als leitender Mitarbeiter der staatlichen Abteilung für Pflanzenschutz und chemischen Schutz der Landwirtschaft im Gebiet <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sughd">Sughd</a>. Im Gespräch erklärt er, dass sich diese staatliche Einrichtung hauptsächlich nur mit der Schädlingsbekämpfung in Baumwollfeldern beschäftigt. In großen Baumwollplantagen breiten sich häufig Schädlinge wie die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Reblaus">Reblaus</a> aus. Alle ihre Bemühungen sind auf ihre vollständige Ausrottung gerichtet. Jedoch ohne Erfolg: Die Insekten wandern oft auf andere Plantagen, auf denen andere Arten von Nutzpflanzen wie Erdnüsse, Mais, Kartoffeln usw. angebaut werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Alle Landwirte müssen diese Schädlinge parallel, gemeinsam und koordiniert bekämpfen. Auf diese Weise werden alle Maßnahmen zusammen einen positiven Effekt haben. Außerdem spielen rechtzeitiges Pflügen, Winter- und Frühjahrsbewässerung eine wichtige Rolle bei der Vernichtung oder Verhinderung der Verbreitung von Insekten</em>&#8222;, so Tadschibajew.&nbsp;</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Auf natürliche Mittel setzen</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Der erfahrene Agrarwissenschaftler Suchriddin Scharobiddinow sagte, dass der Einsatz von Chemikalien zur Erzeugung großer Ernten zulässig ist, wenn die Erde gesund ist. Jeder weiß, dass zu Sowjetzeiten das bewässerte Land stark mit Pestiziden vergiftet und die natürliche Mikroflora des Bodens zerstört wurde. Mineralstoffe wurden als Doping für ihre Aktivität verwendet. Die Bodenmikroflora hat dabei eine große Immunität gegen chemische Substanzen entwickelt. Folglich haben diese Chemikalien in kleinen Dosen keine richtige Wirkung mehr. Der weitere Einsatz von Pestiziden hat nicht nur schädliche Auswirkungen auf die Bodenzusammensetzung, sondern auch auf alle Lebewesen, einschließlich des Menschen.&nbsp; Daher müssen die Landwirte des Landes auf andere Methoden setzen.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">„<em>Die Landwirte müssen die Verwendung von Mineraldüngern auslaufen lassen und auf eine Reihe von mikrobiologischen Düngemitteln umsteigen.&nbsp; Es gibt keine andere Alternative! Dann erledigt sich die Frage nach der Qualität von Pestiziden von selbst!</em>“, beteuert Scharobiddinow. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut dem Agrarwissenschaftler Todschiboi Bojmatow sind natürliche Mittel zur Schädlingsbekämpfung auch im Hinblick der Kosten eine gute Lösung: „<em>Bauern in Tadschikistan haben nur sehr begrenzte finanzielle und wirtschaftliche Möglichkeiten. Deshalb sollten sie günstigere Lösungen aus natürlichen Kräutern und Pflanzen wie Tomatengras, Zwiebel, Meerrettich, Durian und Asche verwenden</em>“. &nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tadschikistan ist Mitglied der Welthandelsorganisation, deren Charta vorschreibt, dass alle Produkte den Weltstandards entsprechen und Qualitätszertifikate besitzen müssen. Im Falle der Entdeckung von übermäßigen Chemikalien in Produkten, sollte ihr Verkauf verboten und ihre Verbreitung unterbunden werden. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht zuletzt ist der übermäßige Einsatz von Pestiziden auch gefährlich für die Gesundheit der Bürger, in erster Linie derer, die in der Landwirtschaft arbeiten. Dies wird allmählich von Landwirten, die landwirtschaftliche Produkte anbauen, erkannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bisher werden Pestizide oft auf der Straße und in schönen Verpackungen und Behältern angeboten. Ihre Namen sind amüsant und attraktiv: Alatar, BioKill, Purbio-Insektizid, Fitoverm, Fufaron, Nova, Green Belt, Kinmix, Dust Absolute.&nbsp; Auf den Packungen steht „Made in Holland“, „Schweiz“, „Österreich“, „Kanada“. Aber so richtig glaubt kaum jemand daran. Viele verweisen auf ihre geringe Qualität und meinen, die Präparate kämen tatsächlich aus den Nachbarländern oder aus China.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aziz Rustamow<br>für Novastan.org </strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong></p>


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