Zeremonie WNG

World Nomad Games 2018: “Wir haben es im Blut”

Am 02. September 2018 wurden die heuer zum dritten Mal stattfindenden World Nomad Games in Cholpon-Ata, Kirgistan feierlich eröffnet. In einer spektakulär inszenierten Show, der über 1500 ArtistInnen beiwohnten, wurden die ZuschauerInnen mit auf eine Reise durch die nomadische Vergangenheit und Gegenwart der zentralasiatischen Republik genommen. Das Hippodrom mit Blick auf den Issikkölsee war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Anwesenheit zahlreicher Staatsoberhäupter erforderte umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen.

Militär überwacht Zeremonie in Kyrchyn.

Neben dem kirgisischen Präsidenten Sooronbai Dscheenbekow wohnten der Eröffnung unter anderem auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der ungarische Premierminister Viktor Orban bei. Es wurde außerdem verlautbart, dass die nächsten Spiele in der Türkei stattfinden sollen. Im Vorfeld der World Nomad Games 2018 wurde Kritik an der Finanzierbarkeit der Veranstaltung geäußert, die den Staatshaushalt der Republik Kirgistan belaste. Die Spiele finden noch bis 08. September 2018 statt, 2307 AthletInnen aus 79 Nationen nehmen an den Wettkämpfen teil.

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Neben traditionellen Sportarten wie Kök-Börü, Alysh (Wrestling nach kirgisischen Regeln) oder Dzhigitovka werden im “Ethnovillage” in der Kyrchyn-Schlucht auch in Salbuurun (Adlerjagd), Jirit (Speerwurf) und vielen weiteren Disziplinen Medaillen vergeben.

Die Stimmung ist sowohl bei den Sportstätten, als auch im Ethnovillage ausgelassen, jung und alt erschien aus nah und fern um gemeinsam zu feiern und die Entscheidungen anzusehen. Uns interessierte besonders, was die Menschen welche wir bei dem Event trafen dazu bewog, den Weg zum Issikköl anzutreten. Daher haben wir Teilnehmerinnen interviewt, die im gängigen Diskurs nicht allzu oft zu Wort kommen, für das Funktionieren dieser Veranstaltung jedoch unersetzlich sind:

Novastan: Was war Ihre Motivation, an den World Nomad Games teilzunehmen?

Tumar: Wir arbeiten für einen Elektrizitätskonzern, der in der Region ansässig ist. Deshalb heißt dieser Teil des Ethno-Dorfes, wo auch diese Jurte steht, “Issyk-Kul Ordo”. Das Essen ist dazu da, um Gäste zu begrüßen. Es ist ein Geschenk des Issyk-Kul East Electric Network. Während der Nomad Games leben wir in der Jurte, um zu zeigen, wie Menschen in Kirgistan früher gelebt haben. Normalerweise leben wir aber in einem Haus.

Wie sind Sie mit dem Organisationsteam der Veranstaltung in Kontakt gekommen?

Es ist ein großes Event für Kirgistan. Es gibt sieben Orte hier, die die sieben Oblaste Kirgistans repräsentieren. Die Direktoren der staatlichen Unternehmen kontaktierten MitarbeiterInnen und fragten, ob sie teilnehmen möchten. Die Zeit, die wir hier verbringen, wird als Arbeitszeit angerechnet.

Was denken Sie, ist der wichtigste Effekt einer solchen Veranstaltung für Kirgistan?

Der wichtigste Beitrag ist es, die Traditionen und Kulturen der Vergangenheit zu verbreiten und diese den BesucherInnen näherzubringen. Außerdem ist es wichtig, Aufmerksamkeit für die Natur, das Essen und die traditionellen Sportarten zu schaffen. Es geht dabei aber nicht nur um Kirgistan, sondern um nomadische Kultur allgemein.

Die nächsten Nomad Games werden in der Türkei stattfinden. Wie stehen Sie dazu? Haben Sie vor, auch an diesen teilzunehmen?

Es ist ein bisschen traurig, dass sie nicht mehr in Kirgistan stattfinden werden. Nicht alle Leute werden die Möglichkeit haben, in die Türkei zu reisen.

Wie wichtig ist das kulturelle Erbe der Nomaden für Sie und Ihren Alltag?

Es ist wichtig, Traditionen in modernen Zeiten nicht zu vergessen. Diese Veranstaltung ist wichtig, um daran zu erinnern und das Erbe zu erhalten. Es ist sehr wichtig und notwendig, das in Zeiten der Globalisierung zu tun. Wir haben es im Blut.

Volunteers WNG 2018

Wie seid ihr beide dazu gekommen, bei den World Nomad Games als Volunteers zu arbeiten?

Aigerim: Ich habe auf Social Media davon erfahren, das Sportministerium hat eine Werbung geschalten – dann habe ich mich beworben. Nach zwei Monaten haben sie uns eingeladen und unsere Sprachfähigkeiten in einem Interview überprüft.

Altynai: Ich habe auch auf Social Media Kanälen davon erfahren. Ich habe auch schon einige Projekte für AIESEC in Europa mitgemacht und wollte in meinem Land etwas bewegen. Ich habe nach Projekten gesucht und gesehen, dass die Nomad Games stattfinden. Dann habe ich mich auch beworben.

Wie habt ihr euch für die Veranstaltung vorbereitet?

Aigerim: Wir hatten insgesamt fünf Pflicht-Seminare über Erste Hilfe, die Geschichte Kirgistans, die vertretenen Sportarten und auch über Führungsqualität und Zeitmanagement.

Altynai: Ich weiß nicht wirklich, ich habe die Vorbereitung verpasst, weil ich in Tschechien war.

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Was denkt ihr, hat so eine Veranstaltung für Effekte für Kirgistan?

Aigerim: Ich denke, es ist wichtig, Leute einzuladen und Kontakte mit verschiedenen Ländern zu knüpfen.

Altynai: Um BesucherInnen zu zeigen, wie Menschen vor 1000 Jahren gelebt haben und ihnen die Schönheit der Natur zu zeigen. Wir benutzen die Jurten heute noch, aber nicht mehr so häufig.

Aigerim: Ja, heute benutzen wir sie hauptsächlich um Urlaub zu machen – oder für Beerdigungen. Jede Familie hat ihr Dorf in den Bergen und wenn es eine Beerdigung gibt, dann gehen alle zu ihren Häusern dort.

Die nächsten Nomad Games werden in der Türkei stattfinden. Was denkt ihr darüber? Könnt ihr euch vorstellen, auch daran teilzunehmen?

Aigerim: Ich habe darüber mit meinen Freunden und meiner Familie gesprochen – ich habe gemischte Gefühle, da sie viel Geld kosten. Geld, das auch anders angebracht werden könnte.

Altynai: Ich habe auch eher gemischte Gefühle, weil wir auch anderen Ländern mit nomadischer Tradition die Chance geben sollten. Allerdings entwickelt sich in Kirgistan gerade eine Art Marke.

Arnaud Enderlin
Chefredakteur von Novastan in Bischkek

Maximilian Kathan
Redakteur für Novastan in Bischkek

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