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AUCA die dritte: Das Leben der Hinterbliebenen in Datscha Suu

Es ist der Morgen des 16. Januar 2017: ein Frachtflugzeug des Typs Boeing 747 der türkischen Airline AST verfehlt bei dichtem Nebel die Landebahn des Bischkeker Flughafen und stürzt in die Dörfer Manas und Datscha Suu. Insgesamt 39 Personen, darunter alle vier Besatzungsmitglieder und 35 Personen, die sich zu der Zeit am Absturzort aufhalten, werden bei dem Crash getötet, 23 Häuser zerstört. Viele Bewohner der Dörfer Manas und Datscha Suu wurden am Morgen des 16. Januars ihrer Lebensgrundlage beraubt. Wie aber wird ihnen geholfen? 

Laut Sputnik.ru wurden zwölf Familien, die ihre Häuser verloren haben, bereits von einem Vertreter der Region Chui (Anm. d. Red.: die Hauptstadtregion um Bischkek) in Mietwohnungen verlegt. Die Wohnungsgröße sei an die Anzahl der Familienmitglieder angepasst. Es wird darauf hingewiesen, dass alle Bedingungen für ein komfortables Wohnen in den Wohnungen zur Verfügung gestellt werden: die Heizungsanlage funktioniert, es gibt Haushaltsgeräte, Möbel und andere notwendige Dinge. Für die Beerdigungen wurden die Familien mit Essen versorgt.

Doch längst nicht alle Opfer des Unglücks haben Hilfe erhalten. „Unser Leben ist wirklich schwierig. Meine zwei Töchter Aisuluu Dschumabai kyzy und Madina Ysak kyzy waren verletzt, und blieben mehr als einen Monat im Krankenhaus“, sagt der 57 Jährige Ysak Anarbajew, aus dem Dorf Datscha-Suu. „Die Regierung hat uns noch nicht geholfen, nur die Menschen haben mit Spenden geholfen, wie sie konnten. Ich bin nicht die einzige Person, für die das Leben jetzt schwierig ist – es gibt viele. Ich hoffe die Regierung wird den Menschen helfen, die in der gleichen Situation wie ich sind. Ich bin den Leuten, die uns geholfen haben, sehr dankbar.“

Die Traumata im Dorf

Der Unfall riss viele junge Menschen mitten aus ihrem Leben. Das Ehepaar Kunduz und Sandscharbek Osmonow erwarteten ihr viertes Kind – Kunduz ganze Familie starb in ihrem Haus. Zanoza.kz schreibt, dass zum Zeitpunkt der Katastrophe alle schliefen. Normalerweise arbeitete Kunduz Ehemann früh am Morgen, an diesem Tag aber blieb er zu Hause.

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„In einer Familie wurden 6 Menschen getötet. Unser Nachbar Sandscharbek Osmonov arbeitete auf dem Markt “Dyikan”. Er hatte drei Kinder und seine Frau Kunduz Schokojewa war schwanger. Würde sie noch leben, hätten sie ein viertes Kind. Er war sehr fleißig, gesellig und zuverlässig“, erinnert sich der Nachbar Nurkyjaz Maschajew.

Der siebenjährige Dschakschylyk verlor seine Eltern und zwei Schwestern: die vierjährige Sabina und die zweijährige Aidai. Seine Eltern die 26-jährigen Ularbek Scherali uulu und Akmaral Dschumaali Kyzy kamen aus der Batken Region. Der Junge überlebte, weil er in der Nähe der Hausmauer schlief. Seine Großeltern werden ihn nun großziehen und die Dokumente sammeln.

“Dschakschylyk konnte an einem Rehabilitationskurs teilnehmen. Außerdem wird er bis heute psychologisch betreut und geht inzwischen wieder zur Schule. Die Regierung von Kirgisistan verspricht, dass sie meinem Enkel eine Wohnung geben werden”, – so Dschakschylyks Großvater.

Unterstützung durch die Online-Community „Wir sind Tadschiken“

Die Aktivistin Parwin Ergaschewa bat die kirgisische Botschaft in Tadschikistan, den Hinterbliebenen Briefe, gespendete Bücher und Zeichnungen zu geben. Sie vertritt die Internet-Community “Wir sind Tadschiken”, die etwa 14.000 Mitglieder zählt. In Tadschikistan, gebe es viele, die ihr ausdrückliches Beileid an kirgisische Familien richten wollen, die ihre geliebten wegen des Flugzeugabsturzes verloren haben, so Ergaschewa. Darüber hinaus hätten viele Menschen in Tadschikistan den Wunsch, diese Familien zu unterstützen. Es gäbe aber keine Möglichkeit ihnen Sach- und Geldspenden zukommen zu lassen.

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Trotzdem sammelten junge Helfer in Dushanbe 250 Dollar, 3 Bücher, sowie Spielsachen und Postkarten von Kindern. Wie das Auswärtige Amt schreibt, schreiben die Kinder aus Tadschikistan in ihren Briefen an Dschakschylyk, damit er nicht traurig ist.”Sei nicht traurig, Gott liebt dich, du weißt, wir sind bei dir, mach dir keine Sorgen, du wirst auf jeden Fall viele Freunde haben. Es wäre sehr nett, mit dir zu sprechen und dich in der Zukunft zu sehen“, wird der Text eines Briefes vom Ministerium zitiert.

Die Unterstützer von Dschakschylyk wollen mit ihm Freundschaften schließen und ihre Haus- und E-Mail-Adressen für die Korrespondenz haben, so einer der Helfer. Am Montag veranstaltete das Außenministerium ein Treffen zwischen dem ersten stellvertretenden Außenminister Dinara Kemelowa und dem Jungen, seinem Großvater und dessen Cousin. Sie erhielten Geld, Geschenke und Briefe von Kindern aus Tadschikistan, sagte der Pressedienst des Außenministeriums. Die Familie Dschakschylyks zeigte sich tief gerührt von der Unterstützung aus Tadschikistan.

Spendenbereitschaft in der ganzen Region

Das Ministerium für Notsituationen von Kirgisistan hat ein besonderes Konto für die Opfer des Absturzes der Flugzeuge in Datscha Suu eingerichtet, wie der Pressedienst des Ministeriums mitteilt. Auf Wunsch von Organisationen und Einzelpersonen eröffnet das Ministerium für Notsituationen vorübergehend ein besonderes Konto. Bisher erhielt es weitere 3,8 Millionen Som (ca. 46.000 Euro). Der Gesamtbetrag auf dem Sonderkonto beträgt mittlerweile etwas mehr als 100 Millionen Som (1,2 Millionen Euro).

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Die Unterstützung bei der Bestattung der Verstorbenen wird durch Helfer des Ministeriums für Notsituationen und den Kommunalbehörden zur Verfügung gestellt. Sie werden auch die materielle Unterstützung verteilen, die den Familien der Opfer vom Präsidenten und der Regierung versprochen wurden.

Muhamedkiy Abulgazijew, stellvertretender Ministerpräsident Kirgistans: „Noch einmal bestätige ich, gestern wurde eine Entschädigung angekündigt. Es handelt sich dabei um keine Entschädigung, sondern eine finanzielle Unterstützung. Kompensation und materielle Unterstützung, es gibt verschiedene Programme. Wenn man es beziffern will: Insgesamt sind pro Familie 170.000 Som (ca. 2000 Euro) vorgesehen.“

Protest gegen fehlende Auszahlung der Spenden

Etwa 100 Menschen versammelten sich am Picket Platz. Die Demonstranten wurden von mehreren Beamten angehört: dem Bevollmächtigten Vertreter der Regierung in der Region Chui, Baktybek Kudaibergenow, den Leitern der Verwaltung des Bezirks Sokuluk, Bolot Satykejew und Ulan Sadaljew, sowie dem Bürgermeister des Dorfes Novopavlovka, der auch verantwortlich für den Ort Datscha Suu ist.

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Neben der Entschädigung baten die Bewohner die Regierung, ihnen beim Umzug aus dem Dorf zu helfen. Nach dem Vorfall sind die meisten Familien bereit, ihren Wohnort für einen sichereren Ort aufzugeben.

“Viele Leute arbeiten in Bischkek oder am Flughafen Manas. Unsere Kinder werden an einer örtlichen Schule unterrichtet. Wir sind es gewohnt, hier zu leben, aber wir sind bereit zu gehen, wenn wir die nötige Unterstützung erhalten”, sagt eine der Bewohnerinnen, Malika Usenowa.

In dieser kleinen, dreiteiligen Reihe schreiben Sprachstudenten der Amerikanischen Universität in Bischkek über von ihnen ausgewählte Themen. Entstanden sind sie im Rahmen eines von der Novastan-Redaktion geleiteten Seminars.

Von Zhanyl Bolotbekova

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