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	<title>Gesellschaft &amp; Kultur Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Gesellschaft &amp; Kultur Archives</title>
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		<title>Ein kleiner Überblick zur kasachischen Sprache</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jun 2026 18:33:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachisch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die kasachische Sprache gilt als eine der wichtigsten Turksprachen Zentralasiens. Doch was macht diese Sprache eigentlich besonders? Der Linguist, Turkologe und Autor des popul&#xE4;rwissenschaftlichen Projekts &#x201E;Qazaq Bubble&#x201C; Bibarys Se&#x131;tak erkl&#xE4;rt, warum viele verbreitete Vorstellungen &#xFC;ber Sprachen wissenschaftlich nicht haltbar sind, welche Besonderheiten die kasachische Sprache ausmachen und weshalb sprachliche Vielfalt ein kultureller Reichtum ist. Viele [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die kasachische Sprache gilt als eine der wichtigsten Turksprachen Zentralasiens. Doch was macht diese Sprache eigentlich besonders? Der Linguist, Turkologe und Autor des populärwissenschaftlichen Projekts „Qazaq Bubble“ Bibarys Seıtak erklärt, warum viele verbreitete Vorstellungen über Sprachen wissenschaftlich nicht haltbar sind, welche Besonderheiten die kasachische Sprache ausmachen und weshalb sprachliche Vielfalt ein kultureller Reichtum ist.</strong> <strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Menschen teilen Sprachen in „harte“ und „weiche“ ein. Laut Seıtak, handelt es sich dabei jedoch um reine individuelle Wahrnehmung, die von Geschichte und Kultur geprägt wird. Französisch gilt oft als weich und melodisch, weil es lange Zeit die Sprache der Diplomatie und der Eliten war. Die deutsche Sprache hingegen klingt rau – nicht wegen ihrer Laute, sondern wegen historischer Assoziationen mit Kriegen und dem Bild des Feindes in der Populärkultur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnliche Mythen gibt es auch rund um die Turksprachen. Kasachisch wird manchmal wegen des Lautes [sch] als hart bezeichnet, im Gegensatz zu Usbekisch mit [j]. Doch dies entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Solche Laute kommen in vielen Sprachen vor, und ihre Härte ist eine Frage der Wahrnehmung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ist Kasachisch wirklich schwer zu lernen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorstellung, dass manche Sprachen grundsätzlich schwieriger seien als andere, weist Seıtak zurück. Jede Sprache hat ihre eigenen Schwierigkeiten. Englisch gilt für viele als einfach und Chinesisch hingegen wird als schwierige Sprache beschrieben. Natürlich ist die Schrift des Chinesischen ziemlich eigenartig, aber Milliarden von Menschen kommen mit der chinesischen Schrift zurecht, und sie unterscheiden sich in nichts vom Rest der Menschheit. Daher hängt die Schwierigkeit einer Sprache vor allem von den Vorkenntnissen, dem Umfeld und der Gewöhnung ab.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über „kiyu“ und „tağu“ in der kasachischen Sprache</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Besonderheit des Kasachischen ist die Verwendung unterschiedlicher Verben für Kleidung und Accessoires. Für Kleidungsstücke wird das Verb&nbsp;„<em>kiıu</em><em>“</em>&nbsp;verwendet, für Accessoires wie Uhren, Schals oder Schmuck dagegen&nbsp;„<em>tağu</em><em>“</em>. Auch im Türkischen, Persischen oder Ukrainischen werden unterschiedliche Verben für Kleidung und Accessoires verwendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Kleidungsstücke wie Kleider, Jacken, traditionelle Mäntel (şapan), Pelzmäntel, Mäntel oder Hosen wird das Verb „kiıu“ verwendet. Wenn es sich hingegen um Accessoires wie Uhren, Krawatten, Tücher, Schals, Armbänder oder Ringe handelt, wird „tağu“ verwendet. Besonders sichtbar wurde dies während der Corona-Pandemie. Damals diskutierten viele Kasachstaner darüber, welches Verb für das Tragen einer Maske verwendet werden sollte. Nach Ansicht von Linguisten sind jedoch beide Varianten sprachlich nachvollziehbar. Die Debatte verdeutlicht, wie präzise das Kasachische bestimmte Handlungen beschreibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sprache-als-mittel-zur-identitaetsfindung-und-abkehr-von-kolonialen-strukturen/">Sprache als Mittel zur Identitätsfindung und Abkehr von kolonialen Strukturen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessanterweise unterscheiden sich Kasachisch und Türkisch in einem kleinen, aber aufschlussreichen Detail. Beide Sprachen verwenden unterschiedliche Verben für Kleidung und Accessoires. Bei Kopfbedeckungen jedoch gibt es Unterschiede: Während Kasachen Mützen, Pelzkappen oder traditionelle Kopfbedeckungen als Teil der Kleidung betrachten, werden sie im Türkischen eher wie Accessoires behandelt. Linguisten vermuten, dass möglicherweise dies mit dem Klima zusammenhängt: Für die Nomaden der Steppe war die Kopfbedeckung nicht nur ein Accessoire, sondern eine lebensnotwendige Notwendigkeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Dialekte in der kasachischen Sprache</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der großen geografischen Verbreitung gilt Kasachisch als vergleichsweise einheitliche Sprache, was bereits von den Sprachforschern im 19. Jahrhundert festgestellt wurde. Eine Erklärung allein durch die nomadische Lebensweise ist nicht stichhaltig; denn bei anderen Nomadenvölkern Zentralasiens, etwa den Turkmenen, haben sich deutlich stärkere Dialekte entwickelt.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Als möglicher Grund gilt die traditionelle Exogamie der Kasachen, also die Heirat außerhalb der eigenen Sippe. Dieser regelmäßige Austausch zwischen verschiedenen Gruppen könnte dazu beigetragen haben, sprachliche Unterschiede zu verringern. Dennoch existieren regionale Besonderheiten, vor allem im Westen Kasachstans, wo benachbarte Sprachen und historische Kontakte den Wortschatz beeinflusst haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über „Täte“ und „Köke“ </strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Regionale Unterschiede im Kasachischen zeigen sich vor allem im Wortschatz. So haben Kasachen in China chinesische Lehnwörter übernommen, während bei den Kasachen in der Mongolei mongolische Einflüsse erkennbar sind. Besonders interessant sind Wörter, deren Bedeutung je nach Region variiert. Das Wort „Täte“ bezeichnet im Norden Kasachstans eine Frau, im Westen dagegen einen Mann. Ähnlich verhält es sich mit „Köke“: Während viele darunter einen Onkel verstehen, wird der Begriff in manchen Regionen auch für Frauen verwendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachisch-als-fremdsprache-lernen/">Kasachisch als Fremdsprache lernen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Verschiebungen sind für türkische Sprachen recht typisch. Auch die Geschichte des Wortes „äje“ (әже) zeigt, wie sich Sprache über Jahrhunderte verändert. In der alten türkischen Sprache bezeichnete es ursprünglich einen Vater oder älteren Bruder. Erst später erhielt das Wort eine weibliche Bedeutung und entwickelte sich schließlich zu seiner heutigen Bedeutung als Großmutter oder ältere Frau.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über den „richtigsten“ Dialekt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn von einem „richtigen“ oder „reinsten“ kasachischen Dialekt die Rede ist, wird meist die Sprachvariante der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kasachensteppe">Kasachensteppe</a> im Nordosten Kasachstans genannt. Tatsächlich bildet sie die Grundlage der modernen kasachischen Schriftsprache. Dies hängt eng mit der Geschichte Kasachstans zusammen. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Region zwischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Semei">Semeı</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qostanai">Qostanaı</a> zu einem wichtigen Zentrum der kasachischen Intelligenz. In dieser Zeit entstanden die Grundlagen der modernen kasachischen Literatur und Standardsprache – ähnlich wie in vielen anderen Ländern, die damals nationale Identitäten und einheitliche Schriftsysteme entwickelten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über die Bedeutung von Dialekten in der Sprache</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Bibarys Seıtak sind Dialekte kein Problem, sondern ein Ausdruck sprachlicher Vielfalt. Sie gehören zum kulturellen Erbe und bereichern die Sprache um regionale Besonderheiten und Nuancen. Zwar seien Rechtschreibung und Aussprache für die Standardsprache wichtig, doch die Abwertung regionaler Sprachvarianten könne er nicht nachvollziehen. Letztlich handele es sich um dieselbe Sprache mit unterschiedlichen Wörtern und Ausdrucksweisen. Gerade diese Vielfalt mache das Kasachische lebendig und interessant.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über die Globalisierung und die kasachische Sprache</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Globalisierung beeinflusst die kasachische Sprache nicht nur durch die Übernahme englischer Begriffe. Umgekehrt verbreitet sich auch das Kasachische zunehmend über kulturelle Produkte wie Musik, Filme, Serien und soziale Medien.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ne-kyltan-wie-digitalisierung-die-kirgisische-sprache-veraendert/">“Ne kyltan?” – Wie Digitalisierung die kirgisische Sprache verändert</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dadurch gewinnt die Sprache auch außerhalb Kasachstans an Sichtbarkeit und ist vielen Nachbarvölkern – etwa Karakalpaken, Kirgisen, Usbeken oder Tataren – vertraut. Nach Ansicht von Seıtak wird bei Diskussionen über die internationale Verbreitung der kasachischen Kultur oft vor allem an den Westen gedacht. Dabei werde häufig übersehen, dass bereits die Nachbarländer ein großes und wichtiges Publikum darstellen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über die überraschendste Erkenntnis</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der überraschendsten Erkenntnisse aus Seıtaks Projekt „Qazaq Bubble“ ist das große Interesse an populärwissenschaftlichen Inhalten in Kasachstan. Nach seiner Erfahrung spielt dabei die Sprache eine geringere Rolle als oft angenommen: Wissenschaftliche Themen können sowohl auf Kasachisch als auch auf Russisch ein breites Publikum erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entscheidend sei vielmehr die Art der Vermittlung. Werden wissenschaftliche Inhalte verständlich, kreativ und ansprechend präsentiert, stoßen sie auf großes Interesse. Das Projekt zeige, dass sich die kasachische Sprache hervorragend eignet, um komplexe Themen lebendig, spannend und sogar unterhaltsam zu erklären.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zu den Besonderheiten der kasachischen Sprache </strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch aus sprachwissenschaftlicher Sicht weist das Kasachische einige Besonderheiten auf. Bestimmte Laute haben sich im Laufe der Zeit anders entwickelt als in vielen anderen Turksprachen. Dadurch können verwandte Wörter im Kasachischen anders klingen als etwa im Kirgisischen, Usbekischen oder Tatarischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/gemeinsames-lateinisches-alphabet-fuer-alle-turksprachen/">Gemeinsames lateinisches Alphabet für alle Turksprachen?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Lautveränderungen führen dazu, dass im Kasachischen vergleichsweise viele Homonyme vorkommen – also Wörter, die gleich klingen, aber unterschiedliche Bedeutungen haben. Zudem verfügt die Sprache über einen eigenen Wortschatz mit Begriffen, die in anderen Turksprachen nicht vorkommen. Ein Beispiel ist das Wort „sausaq“ für „Finger“, das als typisch kasachisch gilt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über vergessene Wörter und Ausdrücke </strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie jede lebendige Sprache verändert sich auch das Kasachische ständig. Neue Wörter entstehen, andere geraten in Vergessenheit. Seıtak beobachtet jedoch mit Bedauern, dass manche traditionelle Begriffe von jüngeren Generationen kaum noch verstanden werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Beispiel nennt er Wörter für Körperhaltungen oder Naturphänomene, die zunehmend durch modernere oder aus anderen Sprachen übernommene Ausdrücke ersetzt werden. Für den Linguisten ist das ein natürlicher Sprachwandel. Als Muttersprachler bedauert er jedoch, dass mit solchen Wörtern oft auch ein Stück kulturelles Wissen und Alltagserfahrung verloren geht.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über die Abstammung der türkischen Sprachen untereinander</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seıtak weist auf ein weit verbreitetes Missverständnis hin: In der Sprachwissenschaft wird nicht gefragt, welche Turksprache von welcher abstammt. Alle heute gesprochenen Turksprachen gelten als gleich alt und haben sich über Jahrhunderte parallel entwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verwirrung entsteht häufig dadurch, dass historische Volks- oder Sprachbezeichnungen unterschiedlich früh in schriftlichen Quellen auftauchen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass eine Sprache älter oder jünger ist als eine andere. Allerdings können einzelne Sprachen bestimmte archaische Merkmale bewahren, die in verwandten Sprachen bereits verschwunden sind. Solche Unterschiede sagen jedoch etwas über die Entwicklung einer Sprache aus – nicht über ihr Alter.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zur Feststellung der Sprachverwandtschaft</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Frage nach einer möglichen Verwandtschaft zwischen türkischen und mongolischen Sprachen beschäftigt die Sprachwissenschaft seit Langem. Die sogenannte Altaı-Hypothese geht von einem gemeinsamen Ursprung aus, bislang fehlen jedoch überzeugende Beweise dafür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnliche Wörter in beiden Sprachfamilien lassen sich häufig durch historischen Sprachkontakt und gegenseitige Entlehnungen erklären. Um Sprachverwandtschaft nachzuweisen, untersuchen Linguisten vor allem den Grundwortschatz einer Sprache. Während die Turksprachen hierbei viele Gemeinsamkeiten aufweisen, fehlen solche systematischen Übereinstimmungen mit den mongolischen Sprachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch grammatische Ähnlichkeiten gelten nicht automatisch als Beweis für eine gemeinsame Herkunft. Bestimmte Sprachstrukturen können unabhängig voneinander in verschiedenen Regionen der Welt entstehen. Deshalb unterscheiden Linguisten klar zwischen echter Sprachverwandtschaft, übernommenen Wörtern und bloßen strukturellen Ähnlichkeiten.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>The Village</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen Sara Derbishova</strong></p>



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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>„Ermen Anti“: Legende des kasachischen Punkrock auf Europatournee</title>
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		<dc:creator><![CDATA[bstoeckl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 16:03:35 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>&#x201E;Ermen Anti&#x201C; &#x2013; mit b&#xFC;rgerlichem Namen Ermen Erjanov &#x2013; ist die Gallionsfigur des kasachischen Punks. Mit seiner Band &#x201E;Adaptatsiya&#x201C;, die er 1992 in der westkasachischen Stadt Aqt&#xF6;be gr&#xFC;ndete, hat er bereits 15 Studioalben ver&#xF6;ffentlicht und zahlreiche Tours in Russland und Europa gespielt. Im Interview erz&#xE4;hlt er uns &#xFC;ber das neueste Album seines Soloprojekts, den Einfluss [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">„Ermen Anti“ &#8211; mit bürgerlichem Namen Ermen Erjanov &#8211; ist die Gallionsfigur des kasachischen Punks. Mit seiner Band „Adaptatsiya“, die er 1992 in der westkasachischen Stadt Aqtöbe gründete, hat er bereits 15 Studioalben veröffentlicht und zahlreiche Tours in Russland und Europa gespielt. Im Interview erzählt er uns über das neueste Album seines Soloprojekts, den Einfluss des Ukrainekrieges auf seine Tätigkeit als Musiker und wie sich die kasachische Punkszene in den letzten 30 Jahren entwickelt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Benedikt Stöckl für Novastan: Könnten Sie unseren Lesern kurz etwas über Sich und Ihre Kunst erzählen?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ermen Anti: Mein Name ist Ermen Erjanov. Ich wurde 1974 geboren. Mein Künstlername ist Ermen Anti. 1992, im Alter von 17 Jahren, gründete ich in der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqt%C3%B6be">Aqtöbe</a> – damals noch unter dem Namen „Aktjubinsk“ – die Punkband „Adaptatsiya“, die bis 2019 bestand. Ich bin durch die gesamte ehemalige Sowjetunion getourt und viel in Europa aufgetreten. Danach gab es eine Pause und einige Soloprojekte. Im Jahr 2024 habe ich die Band wieder ins Leben gerufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben „Adaptatsiya“ habe ich noch viele andere Projekte, zum Beispiel im Bereich der Poesie. Meine Gedichte wurden (aus dem Russischen) ins Deutsche und Tschechische übersetzt und sind auch in Russland erschienen. Ich bin Autor mehrerer Bücher, darunter mein autobiografisches Buch „Nomad Punk“. Meinen Stil nenne ich „Nomad Poetry Punk“.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was verbirgt sich hinter der Bezeichnung „Nomad Poetry Punk“?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nomad“ steht zum einen für meinen nomadischen Lebensstil. Ich bin ständig auf Tour und reise um die Welt. Das ist schon so eine Art Lebensweise. Man bleibt nicht an einem Ort. Zweitens ist es ein Verweis auf meine Wurzeln. „Poetry“ ist, im Gegensatz zu vielen Punkbands, die einfach nur expressiv sind oder so, bei uns sehr poetischer Punk. Wie bei „Patti Smith“, wo Punk und Poesie miteinander verschmelzen. Das sind nicht einfach irgendwelche Parolen wie <em>„Nieder mit der Bourgeoisie, nieder mit dem Kapitalismus“</em>, sondern das ist Poesie. Das ist echte Poesie.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was hat Sie dazu motiviert? Wann haben Sie diese Idee aufgegriffen und gesagt, dass Sie das umsetzen wollen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst gab es eine Vorbereitungsphase, zwei bis drei Jahre, in denen wir Informationen sammelten, und dann wollten wir selbst etwas schaffen. Wir begannen zum Beispiel, den ersten Perestroika-Rock zu hören, den uns russische Bands nähergebracht hatten. Interpreten wie „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aquarium_(Band)">Aquarium</a>“ oder die Band „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kino_(russische_Band)">Kino</a>“. Und dann hat mich der Punkrock gepackt. Irgendwann im Alter von 15 oder 16 Jahren hörte ich, dass es bei uns in der Sowjetunion die berühmte Band „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Graschdanskaja_Oborona">Grazhdanskaya Oborona</a>“ gibt, dann erreichten uns Aufnahmen von den „Sex Pistols“ und „The Clash“, und diese Ästhetik des energiegeladenen Protest-Punks lag mir sehr nahe. So begann ich, in diese Richtung zu gehen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Hindernisse gab es damals für jemanden, der im vor kurzem unabhängig gewordenen Kasachstan in einer Punkband spielen wollte?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst 1992 bis 1993, als wir anfingen zu spielen, gab es bei uns gewisse Hindernisse; man ließ uns zum Beispiel nicht in offiziellen Veranstaltungsorten der mittleren Ebene auftreten. Damals gab es keine Clubs und wir spielten in irgendwelchen geschlossenen Sälen und organisierten selbst illegale Konzerte, weil man uns offiziell nirgendwo hineinließ. Der Grund dafür war, dass die Kultur und alle möglichen Kulturhäuser von Leuten sowjetischer Prägung geleitet wurden, für die Rock eine Art westliche Subversion war. Sie konnten vielleicht diesen ruhigen offiziellen Rock akzeptieren, der von Liebe singt, aber als wir kamen und Punk spielten, war das für sie ein Schock.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir waren eine der ersten Punkbands in Kasachstan, und deshalb löste diese Punk-Ästhetik bei vielen Normalbürgern und Führungskräften einfach nur Schock aus. Sie versuchten, sich davon zu distanzieren und es zu verbieten. Was die Behörden angeht, so gab es keinen direkten Druck, aber sie waren auf den Konzerten anwesend. Wir sahen, dass diese Leute entweder von der Polizei oder von den Geheimdiensten waren, die einfach nur dasaßen und zuschauten. Wir wurden damals noch kontrolliert von oben und standen unter Generalverdacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Erinnerungen haben Sie an ihre ersten Konzerte?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser allererstes Konzert gaben wir in einer Mittelschule, in der Aula. Ich habe viele Erinnerungen daran. Vor einigen Jahren ist mein Buch „Nomad Punk“ erschienen, in dem der Zeitraum von 1992 bis 1997 sehr ausführlich beschrieben wird. Das macht wahrscheinlich fast die Hälfte des Buches aus, denn erstens erinnert man sich an die Zeit der Entstehung, in der Jugend, an alles viel lebhafter, und damals gab es nicht so viele Konzerte wie heute. Als die Band zum Beispiel schon bekannt war, gab es 5–6 Konzerte im Jahr, und jedes Konzert war ein Ereignis. Kurz darauf hatten wir auch ein Konzert im Kulturpalast der Eisenbahner, und ich erinnere mich daran, ich erinnere mich sehr gut daran, wie das alles ablief, was davor und danach war, das ist mir im Gedächtnis geblieben. Und dabei gibt es Dutzende von Konzerten in Städten in Russland oder irgendwo in Europa, die stattgefunden haben, aber an die du dich trotzdem erinnerst auf einer Tour. Du hast eine Tour mit 30 Konzerten, und an manche Konzerte erinnerst du dich nicht.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wenn Sie heute mehr Konzerte geben – hat sich Ihre Einstellung zu Konzerten im Vergleich zu damals verändert?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das hat sich nicht geändert, wir haben immer versucht, aufrichtig und energiegeladen zu sein und unsere Botschaft zu vermitteln. Und was ich mit vielen Konzerten meine, das war vor 2022. Jetzt ist es leider nicht mehr so, wir spielen nicht mehr so viel, denn nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine haben wir uns gegen den Krieg ausgesprochen, und ich habe auf Konzerte in Russland verzichtet – etwa 70 Prozent meiner Konzerte fanden vorher dort statt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie sind gerade in Berlin, um gemeinsam mit Dr. Hoffman Ihr neues Album vorzustellen. Was können die Fans von diesem neuen Album erwarten? Gibt es einen bestimmten Grund, warum Sie es gerade in Berlin vorstellen?&nbsp;&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Grund dafür ist, dass die gesamte Musik auf diesem Album in Berlin aufgenommen wurde. Für die Musik war bei uns Dr. Hoffmann verantwortlich, er lebt hier [in Berlin, Anm. d. Red.]. Es handelt sich dabei um ein Internetprojekt, das ins Leben gerufen wurde. Die Musik wurde in Berlin aufgenommen, die Gesangsaufnahmen fanden im Oktober in Kasachstan statt. Abgemischt wurde das Ganze in Krasnojarsk. Die dazugehörige Video-Art entstand in Serbien. So kam das Projekt zustande. Deshalb bin ich hierhergekommen nach Berlin; ich bin gerade auf einer Akustik-Tournee durch Europa, und das Album ist direkt vor meiner Abreise erschienen. Wir hatten im Voraus geplant, zwei Präsentationen in Deutschland zu geben. Das war am 5. Juni in Berlin, in der Panda-Plattform, und am 6. Juni in Leipzig.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/die-scheisskerle-kommen-bischkeker-gruppe-vtoroi-ka-geht-auf-europatour/">Die Scheißkerle kommen: Bischkeker Gruppe Vtoroi Ka geht auf Europatour</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was kann man von diesem Album erwarten? Es gab bereits eine erste Rezension von einem beliebten Telegram-Kanal in Russland. Es ist ein neuer Sound. Ein neuer Klang. Es ist kein Punk, es ist Reggae, es ist keine elektronische Musik, vielleicht eine Art Hip-Hop. Und die Songs, die darauf zu finden sind: Der früheste, der erste Song, wurde 1994 geschrieben, der späteste im Jahr 2023. Dabei vermittelt das Album eine gewisse Ganzheitlichkeit, es gibt also keine Unterteilung. Es ist kein „Greatest Hits“-Album, sondern ein echtes Album.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar sind dort alte Hits enthalten, aber wir haben bewusst darauf geachtet, dass es nicht „The Very Best of Greats Hits“ wird, sondern ein neues Album von Ermen Anti, Doktor Hoffman, „Radio Baikonur”. Das war das ganze Konzept.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie hatten bereits Konzerte in Novi Sad und Belgrad, und vor kurzem waren Sie in Prag und Stuttgart. In Prag haben Sie zusammen mit Maksym Kabyr und Viktor Kulhanek das Buch „Trilobiti“ vorgestellt. Worum geht es in diesem Buch und wie sind diese Idee und dieses Projekt überhaupt entstanden?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2023 kam ich zum ersten Mal für ein Solokonzert nach Prag. Dort lernte ich Maksym und Denis kennen. Im selben Jahr erschien mein Buch in Tschechien. Die Gedichte waren dort zweisprachig abgedruckt: auf der einen Seite der Originaltext auf Russisch, auf der anderen Seite die tschechische Übersetzung. Dieses Buch war die erste Veröffentlichung eines kasachischen Dichters in tschechischer Sprache seit der Unabhängigkeit Kasachstans. Das Buch ist in vielen tschechischen Bibliotheken zu finden und es gibt auch Rezensionen dazu. Der tschechische Botschafter in Kasachstan besitzt sein eigenes Exemplar, wir haben es gut verbreitet. Wir fuhren für Konzerte nach Prag und freundeten uns an. Viktor Kulhanek kannte ich schon lange, als er noch in Moskau lebte. Er arbeitete dort bei Radio Svoboda.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so kam es, dass wir beschlossen, zu dritt ein gemeinsames Gedichtband mit Werken von drei verschiedenen Autoren herauszugeben. Wir sind Vertreter derselben Generation. Ich komme aus Kasachstan. Viktor Kulhanek stammt aus Russland, lebt aber in Prag. Maksym Kobyr kommt aus der Ukraine und lebt ebenfalls in Prag. Wir haben einen solchen Gedichtband zusammengestellt, in dem jeder etwa 20 seiner Werke beigesteuert hat. Sie wurden alle in einem Band vereint. Das einzig Spezielle ist, dass meine Gedichte an erster Stelle stehen und ich eine Übersetzung ins Tschechische hinzugefügt habe. Denn ich möchte, dass die Tschechen meine Gedichte auf Tschechisch lesen können. Bei den anderen sind sie nur auf Russisch, bei mir auf Russisch und auf Tschechisch.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ich habe gehört, dass Sie das Gleiche mit Ihren Gedichten in Berlin gemacht haben, dass es eine russische und eine deutsche Fassung gibt. Haben Sie die deutsche Fassung selbst geschrieben?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein, die deutsche Fassung wurde von den Verlegern Mario Aksher und Yuri herausgegeben. Sie haben sie übersetzt. Es handelt sich dabei nicht um zwei verschiedene Bücher. In einem Buch steht der Text auf Russisch und daneben, auf der anderen Seite, auf Deutsch. Es ist also einfach eine Übersetzung, sozusagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie treten bereits seit 1992 mit „Adaptatsiya” auf. Das ist schon eine ziemlich lange Zeit. Wie hat sich die Punkszene in Kasachstan bzw. in Zentralasien seitdem verändert? Welche Veränderungen konnten Sie beobachten?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Punkszene war damals noch nicht besonders stark ausgeprägt; als wir in den 90er Jahren in Aktobe anfingen, gab es zwar einige Bands, vielleicht in Almaty, aber sie war noch nicht so weit entwickelt. Dann gab es eine Zeit, in der sich in Aktobe, abgesehen von „Adaptatsiya“, so etwas wie eine Clique bildete, um uns herum entstand eine ganze Clique, die wir „Aktobe-Punk-Club“ nannten. Er wurde 1993 gegründet und umfasste etwa 8 verschiedene Projekte. Das heißt, ich spielte Gitarre bei „Adaptatsiya&#8220; und spielte auch in einer anderen Band namens „Mucha“ Schlagzeug. Wir waren ungefähr zu sechst und spielten in sieben Bands.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem haben wir uns an allerlei verschiedenen Projekten ausprobiert. 1994 habe ich ein interessantes Projekt auf Kasachisch namens „Bischarabaldar“ [<em>„Arme Kinder“, Anm. d. Red.</em>] ins Leben gerufen. Ich habe einen Song geschrieben, weil ich mir wünschte, dass es auch auf Kasachisch Punk gäbe. Es gab Punks in Malaysia und auf den Philippinen, aber auf Kasachisch gab es so etwas quasi nicht. Und ich habe eine ganze Reihe solcher Songs geschrieben, aber es ist kein wirklich ernsthafter Punk, sondern eher sozialkritischer oder antireligiöser Punk, zum Beispiel der Song „Ich liebe Schweinefleisch“, der bei den allzu Religiösen eine Art Hysterie ausgelöst hat. Und dieses Projekt hatte einige Hits, 2004 haben wir in Frankreich ein ganzes Split-Album aufgenommen, auf dem die Hälfte „Adaptatsiya“ und die andere Hälfte „Bischarabaldar“ ist. Damit haben wir zementiert, dass es kasachischen Punk gibt. Jeder Punkfan auf der Welt kann jetzt „Bischarabaldar“ finden und Punk auf Kasachisch hören.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/duo-falak-wie-tadschikische-tradition-in-experimenteller-musik-neu-auflebt/">Duo Falak – Wie tadschikische Tradition in experimenteller Musik neu auflebt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Später, als in Kasachstan Mitte der Nullerjahre mehr oder weniger eine Zeit des Wohlstands einsetzte, tauchte eine ganze Welle junger Punkbands auf, die Pop-Punk spielten und sich an der kalifornischen Szene orientierten. Äußerlich sah das nach Punk aus, inhaltlich sangen sie aber wie jede andere Pop-Band: über Mädchen, über Bier – es ging also überhaupt nicht um soziale Probleme. Sie sangen nicht einmal über die Probleme ihrer Generation, etwa innere Probleme – die Emos zum Beispiel sangen über die inneren Belange der Jugend –, sondern diese hier sangen einfach:<em> „Ich habe mich mit einem Mädchen gestritten, ich geh mich betrinken.“</em> Und das alles sozusagen im Rhythmus des Punkrocks.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mich davon immer ferngehalten. Aber ich kann jetzt sagen, dass in den letzten Jahren, besonders in Almaty, eine Art Renaissance des Punkrocks zu beobachten ist. Es tauchen sehr viele verschiedene junge Punkbands auf, und zwar von so einem „Crossover-Punk“ – hart, Hardcore – bis hin zu eher traditionellem Punk. Dann entwickelte sich Fem-Punk, es entstanden Bands in Astana und Almaty, Mädchen, die Punk spielen, was es früher nicht gab. Also, ja, es gibt gerade so etwas wie eine dritte Welle des Punk. Wir spielen schon lange, und ich habe vieles davon miterlebt und sehe es – ich kann sagen, dass es gerade einen Aufschwung gibt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Rolle spielen Sie in diesem Ganzen? Würden Sie Sich für diese neueren Punkbands als eine Art Idol oder Wegbereiter bezeichnen?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, welche Rolle ich spiele. Manche lieben uns, manche hassen uns zutiefst. Das ist nun mal so, wir sind in unserer Stadt auch nicht zu Popstars geworden. Wir sind dort sehr bekannt, und auch landesweit in dieser ganzen Szene. Aber wir hatten immer so eine Art, uns ein bisschen abseits zu halten, wir waren nicht im Mainstream, deshalb sind die Beziehungen unterschiedlich, von respektvoll bis hasserfüllt sozusagen. Das sind normale Gefühle, ich will ja nicht jedem gefallen, deshalb ist sogar Hass ein normales Gefühl. Man kann in dieser Szene natürlich nicht unumstritten sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was bedeutet es für Sie persönlich, in Kasachstan ein Punk zu sein? Unterscheidet sich diese Erfahrung etwa von der in anderen Teilen der Welt?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin jetzt schon 52 Jahre alt. Ich sage nicht direkt, dass ich ein Punk bin. Ich sage, ich bin ein Nomaden-Punk. Oder ein Punk-Musiker. Das heißt, ich bin nicht mehr derjenige, der ich mit 17 oder 18 war, als ich mit einem Irokesenschnitt herumlief. Ich habe jetzt meine Familie und alles ist ein bisschen anders. Ich bin also kein Street-Punker mehr, der 20 oder 25 ist. Ich habe bereits einige Jahre auf dem Buckel, ein gewisses Verständnis, eine gewisse Verantwortung, deshalb drückt sich mein Punk im Grunde genommen in erster Linie in Ideen und in der Musik aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin grundsätzlich immer der Meinung, dass Punk sozusagen eine Idee von Freiheit und Protest ist. Das heißt, wenn dich irgendetwas bedrückt, wie zum Beispiel derzeit der Ukrainekrieg. Ich sehe mich alsTeil dieses Prozesses. Das heißt, im Moment sehe ich es quasi als Aufgabe der Band, dazu beizutragen, dass dieser Krieg auf normale Weise endet, dass das Imperium verliert. Wir tun gerade alles, damit unsere Hörer – auch diejenigen, die in Russland verblieben sind – sehen, dass wir leben, dass wir arbeiten, dass wir etwas tun. Und wenn der richtige Moment kommt, werden sich diese Menschen angemessen verhalten. Das sind also nicht die Leute, die Putin und den Krieg unterstützen. Im Moment halte ich das für das Wichtigste.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/der-metal-boom-in-bischkek-ein-kirgisischer-musikpionier-im-portraet/">Der Metal-Boom in Bischkek: ein kirgisischer Musikpionier im Porträt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es gibt einige Punkbands, die Punk spielen, aber überhaupt nicht über soziale Themen singen. Ich zwinge niemanden, ich mache keine Propaganda. Das ist eine persönliche Entscheidung jedes Einzelnen, wie er es sieht. Aber das ist mein Blickwinkel auf die ganze Sache. Ich bin 52 Jahre alt, wie lange ich noch leben werde, weiß ich nicht. Wie lange dieser Krieg noch dauern wird, weiß ich nicht. Aber wenn Putin diesen Krieg gewinnt, dann wird es auch für Kasachstan schlecht ausgehen, den Ort, an dem ich lebe. Ich wohne 100 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Deshalb ist meine Haltung so: Solange dieser Krieg andauert, solange wir so arbeiten, werden wir so hart auf all das reagieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zeigt sich nicht darin, dass wir dort irgendwelche politischen Slogans oder solche Sachen raushauen. Im Gegenteil, wir arbeiten ständig. Jedes Jahr bringen wir Alben heraus, sind aktiv und schreiben Songs. Aber genau diese Botschaft steckt in diesen Songs.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Inwiefern unterscheidet sich Ihre Poesie von der Musik?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt keinen großen Unterschied. Musik ist Musik, Poesie ist Poesie. Manchmal entstehen Songs einfach auf unterschiedliche Weise. Manchmal entsteht zuerst der Text, dann die Musik. Manchmal ist es umgekehrt, erst die Musik, dann der Text, und manchmal beides gleichzeitig. Ich mache da keine Unterscheidungen. Das bin ich. Das sind sozusagen meine Gedichte. Alles, was sozusagen von mir kommt, auch die Musik. Ich versuche, es so zu gestalten, dass diese Gedichte meiner Meinung nach mit dieser Begleitung angemessen klingen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Heißt das also, dass Sie für sich selbst keine klaren Grenzen zwischen Poesie und Musik ziehen?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich trete manchmal bei Dichterlesungen auf, wo ich einfach vorlese. Ich habe viele Texte, aus denen keine Lieder geworden sind. Es sind einfach Gedichte. Und das ist normal. Manchmal wird aus einem Gedicht ein Monat später ein tolles Lied.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit Dr. Hoffman spielen Sie Ihre Lieder im Reggae-Stil. Was hat Sie zu diesem Projekt motiviert?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Reggae, ein bisschen Elektronik, so eine Art Old-School-Hip-Hop, könnte man sagen. Es war wie so oft eine Frage des Zufalls. Dr. Hoffman ist ein alter Bekannter von mir. Erstens ist er ein Landsmann von mir, er kommt aus Kasachstan. Ende der 90er Jahre ist er aus Almaty weggegangen.&nbsp; Er kam zu unseren Konzerten, er liebt &#8222;Adaptatsiya&#8220; sehr. Und vor einem Jahr hat er mir ein paar instrumentale Demoversionen geschickt. Er sagte: <em>„Ermin, schau mal, was ich da gemacht habe, hör mal rein.“</em> Es hat mir gefallen, darum sagte ich, lass uns ein Album machen. Und ein bisschen ohne Eile, ich war sehr beschäftigt, weil ich noch auf Tour war, irgendwelche Dinge zu erledigen hatte. Aber wir haben gearbeitet, er hat mir etwa 15 bis 17 Tracks geschickt, von denen ich nur 9 ausgewählt habe, mit denen wir dann weitergearbeitet haben. Denn manche Versionen haben nicht funktioniert, klangen nicht gut. Aber die 9, die wir ausgewählt haben, haben wir überarbeitet, ich habe die Gesangsparts aufgenommen, wir haben sie uns geschickt und abgemischt. Wir haben also lange daran gearbeitet, das Album ist buchstäblich gerade erst erschienen, ich habe es auf <a href="https://ermenanti.bandcamp.com/album/dr-hoffmann-2026">Bandcamp</a> veröffentlicht, etwa drei Stunden vor dem Abflug zur Tour. Es ist jetzt auf <a href="https://open.spotify.com/intl-de/album/75N0dG3Zxo0bgIhMTluUfn">Spotify</a>, <a href="https://music.apple.com/ge/album/%D1%80%D0%B0%D0%B4%D0%B8%D0%BE-%D0%B1%D0%B0%D0%B9%D0%BA%D0%BE%D0%BD%D1%83%D1%80/6773697624">Apple Music</a> und so weiter zu finden, man kann es eigentlich überall finden. Wir haben es auf unserer <a href="https://ermen.antimusic.ru/">Website</a> veröffentlicht, dort kann man es kostenlos herunterladen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Live-Präsentationen finden nur in Berlin und Leipzig statt, weil wir ja weit entfernt voneinander wohnen. Ich werde vielleicht Präsentationen in Kasachstan halten, aber das wird dann wohl ohne Dr. Hoffmann sein, nur mit Musik und Videokunst. Daher werden wir dort leider nicht komplett sein, aber ich denke, auch in Kasachstan werden die Leute von so einem Sound ein bisschen überrascht sein. Nicht jeder sieht mich ohne Gitarre, sondern nur mit einem Mikrofon.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie haben auf Instagram einen Beitrag über Ihre Lieblingsspots in Berlin gepostet. Wie sind Sie überhaupt 2002 zum ersten Mal nach Berlin gekommen? Was halten Sie von dieser Stadt?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist meine Lieblingsstadt auf der ganzen Welt. Ich war schon sehr oft dort – seit dem ersten Mal versuche ich, hierherzukommen und mehr Zeit hier zu verbringen. Und 2002 war das überhaupt unsere erste Auslandsreise. Wir hatten damals Konzerte in Berlin und in Paris. Und als uns Berlin verzaubert hatte, verbrachten wir hier etwa zwei Wochen. Es war ein etwas anderes Berlin; mir ist klar, dass sich Städte verändern, aber damals erlebten wir noch das alte Kreuzberg, eine Art gegenkulturelles Zentrum. Jede Menge Leute, Ausstellungen, Säle. Wir sind überall hingegangen und haben uns alles angesehen. Für uns war das etwas ganz Neues. Dann hat uns die Multikulturalität der Stadt sehr beeindruckt. Also diese Vermischung verschiedener Kulturen, sogar auf der Ebene der Küche – das Essen dort ist sehr interessant. Und dann die Stadt selbst, ihr Rhythmus, die Architektur. Hier hängt alles zusammen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und meine zweitliebste Stadt ist Almaty. Sie ist einfach die Kulturhauptstadt Kasachstans – man nennt sie auch die kulturelle und die südliche Hauptstadt. Aber tatsächlich, ja, alle wichtigen kulturellen Ereignisse und Auftritte von Künstlern, Musikern und Theatern – all das findet in Almaty statt. Astana hinkt da weit hinterher, denn in Astana dreht sich fast alles nur um das Offizielle.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wenn Sie in Europa auftreten, wie wird Ihr Schaffen dort aufgenommen? Und wer besucht Ihre Konzerte?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Anfang an, als wir anfingen, hierher zu kommen, spielten wir natürlich vor einem Publikum, das in Berlin hauptsächlich aus Einwanderern aus der Sowjetunion bestand. Aus den ehemaligen Republiken der Sowjetunion. In Frankreich gab es das hingegen überhaupt nicht. Wir hatten einen Direktor, der selbst Anarchist war, und er hat uns extra auf die linke Szene geschickt, wir spielten Konzerte in anarcho-kommunistischen, linken Squats. Die Szene war damals sehr stark entwickelt, sie hatten ihre eigenen Clubs, ihre eigenen Bars, Squats, Labels, Radiosender. In Paris gab es <em><a href="https://radio-libertaire.org/accueil.php">Radio Libertaire</a></em>, einen sehr guten Rund-um-die-Uhr-Radiosender. Wir waren sehr oft dort auf Sendung, unsere Songs wurden gespielt. Das heißt, dort gab es keine Russen, wir spielten zusammen mit französischen Bands für die Franzosen. Sie waren begeistert, sie haben vielleicht die Texte nicht verstanden, aber sie haben die Energie gespürt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich würde sagen, dass die Mehrheit, besonders jetzt, ein Großteil unseres Publikums [<em>aus Russland, Anm. d. Red.</em>] weggezogen ist. Etwa eine Million Menschen sind weggezogen, und die meisten von ihnen haben sich in Europa niedergelassen. Ich hätte also nie gedacht, dass ich einmal in Serbien spielen würde, dort, bei Akustikkonzerten. Und jetzt fahre ich dorthin, und dort gibt es Leute, die uns in Russland besucht haben, und jetzt kommen sie eben dorthin. Und zum Beispiel in Polen, in Warschau oder in Vilnius kommen hauptsächlich Belarussen zu den Konzerten. Das sind diejenigen, die gezwungen waren, aus Belarus zu fliehen, und die dort bis zu den Ereignissen des Jahres 2020 zu unseren Konzerten kamen. Dann hat die Hälfte von ihnen kurze Haftstrafen im Gefängnis verbüßt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Werden Sie dort auch beim Festival „Zapatista Baltica“ in Riga auftreten?&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, es ist ein <a href="https://www.instagram.com/p/DYpnTDMDIyS/?utm_source=ig_web_copy_link&amp;igsh=NTc4MTIwNjQ2YQ%3D%3D">kleines Festival</a> – Anarchisten veranstalten oft solche kleinen Akustikfestivals –, aber es ist interessant, weil dort – abgesehen davon, dass ich als Headliner aus Kasachstan dabei bin – auch jemand aus der Ukraine auftreten wird. Ich kenne ihn, wir sind 2007 bis 2008 einmal gemeinsam in Klaipėda aufgetreten. Und zwei Künstler aus Litauen und aus Lettland. Bei dem Festival versammeln wir uns trotz des Krieges als Vertreter dreier Länder und veranstalten gemeinsam ein Konzert. Es ist nicht so groß, aber für diejenigen, die daran Interesse haben, ist es sozusagen ein DIY-Festival.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die letzten Jahre hat gerade der Post-Punk aus dem postsowjetischen Raum an Beliebtheit gewonnen, vor allem dank Bands wie <strong>„</strong>Molchat Doma” aus Belarus und Playlists auf YouTube. Haben Sie dieses Phänomen auch wahrgenommen, und was denken Sie über die weltweite Popularisierung des post-sowjetischen Post-Punks?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Phänomen finde ich sehr interessant. <strong>„</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Molchat_Doma">Molchat Doma</a>” hat vor allem in den letzten 2 bis 3 Jahren für Furore gesorgt. Es gibt auch die Band <strong>„</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Motorama_(Band)">Motorama</a>” aus Rostow-am-Don, die in Lateinamerika beliebter ist als in Russland und Europa und dort massenweise Zuschauer anzieht. Sie wurde bereits vor über zehn Jahren gegründet und geht oft nach Lateinamerika auf Tour. <strong>„</strong>Molchat Doma” ist auf der ganzen Welt bekannt und spielt große Konzerte und auf Festivals, obwohl sie auf Russisch singen, was sehr interessant ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Grunde war das Hauptproblem immer die Sprache. Man sieht, dass sie [<em>Molchat Doma</em>, <em>Anm. d. Red.]</em>] ihren eigenen Stil kreiert haben und gleichzeitig sehr viele Einflüsse von traditionellen Vorreitern des Genres übernommen haben, wie z. B. The Cure, Joy Division oder Bauhaus. Man sollte sich freuen, dass es für sie so gut geklappt hat. Das gilt auch für die Nowosibirsker Band <strong>„</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ploho">Ploho</a>”: Obwohl sie mittlerweile in Serbien wohnhaft sind, haben sie für sich mittlerweile den chinesischen Markt entdeckt. Sie reisen nach China, die Chinesen verstehen keine einziges Wort von dem, worüber sie singen, obwohl sie auch einen sehr poetischen Stil des Post-Punks verkörpern. Doch ihnen gefällt es trotzdem, wenn da ein paar russische Typen hinreisen und Post-Punk spielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie erklären Sie sich den Erfolg dieser russischsprachigen Bands in Regionen, wo überhaupt kein Russisch gesprochen wird?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu 100 Prozent kann ich das auch nicht verstehen. Ich freue mich sehr für die Leute, aber Bands wie <strong>„</strong>Ploho” oder <strong>„</strong>Motorama” spielen jetzt keinen sehr innovativen Stil, den außer ihnen in z. B. den USA oder England niemand spielt. In England wurde der Musikstil schließlich auch erfunden und ist dort immer noch beliebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Perestroika-Jahren gab es ein paar Jahre die sogenannte <strong>„</strong>Gorbomania” <em>[benannt nach dem damaligen Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion Mikhail Gorbatschow, Anm. d. Red.]</em>. Damals ist in Europa und Amerika ein regelrechter Hype ausgebrochen um alles, was aus der damaligen Sowjetunion kam und mit dem politischen Prozess der Perestroika zu tun hatte. Es ging dabei um Schallplatten, um Fernsehsendungen, es wurden Festivals veranstaltet und Menschen reisten nach Russland. Doch danach ist dieser Hype wieder sehr schnell abgeflaut und kam aus der Mode. Schließlich verstanden die Menschen auch kein Wort Russisch, und das Interesse an der Perestroika fand mit dem Zusammenbruch der UdSSR ein jähes Ende.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube allerdings, dass der jetzige Hype andere Gründe hat, da derzeit nichts wie die Perestroika stattfindet. Wahrscheinlich ist es das Internet, wo Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt dank der Algorithmen mit russischsprachiger Musik in Kontakt kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Am 17. Juni spielt Ermen Anti das letzte Konzert des deutschen Teils seiner Europatournee in Düsseldorf. Los geht&#8217;s im &#8222;Black &amp; Lemon</em>&#8220; <em>um 19 Uhr, der Eintritt beträgt 15 Euro. Am Samstag tritt Ermen schließlich auf dem &#8222;Zapatista Baltica&#8220; Festival in Riga auf.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/ermen-anti-legende-des-kasachischen-punkrock-auf-europatournee/">„Ermen Anti“: Legende des kasachischen Punkrock auf Europatournee</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Zwischen Großfamilie und persönlichen Grenzen: Wie sich Elternsein in Kasachstan verändert</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 19:23:48 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jedes Jahr am 1. Juni feiert Kasachstan den Internationalen Kindertag. In vielen Städten wird er mit Konzerten, Theateraufführungen und kostenlosen Angeboten für Kinder begangen. Für Familien ist es ein Festtag. Zugleich stellt sich eine größere Frage: Was bedeutet es heute, ein Kind zu schützen? Nur für Sicherheit, Bildung und Gesundheit zu sorgen, oder auch seine Gefühle, Grenzen und eigene Stimme ernst zu nehmen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer über Elternsein in Kasachstan spricht, stößt schnell auf Widersprüche. Kinder wachsen oft in einem starken familiären Netz auf, umgeben von Großeltern, Tanten, Onkeln und älteren Geschwistern. Gleichzeitig stehen sie unter hohem Erwartungsdruck: Sie sollen gut in der Schule sein, mehrere Sprachen beherrschen, selbstständig sein und in einer globalen Welt bestehen. Neben die traditionelle Vorstellung von Gehorsam und Respekt tritt allmählich eine neue Sprache: die der emotionalen Nähe, der persönlichen Grenzen und des Dialogs.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Elternsein in Kasachstan bewegt sich damit zwischen mehreren Welten: der kasachischen Großfamilie, sowjetisch geprägten Bildungsidealen, urbanem Leistungsdruck, globalen Zukunftsängsten und einer wachsenden psychologischen Sensibilität für Kinder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beobachtungen von Expert:innen zeigen: In Kasachstan verändert sich nicht die Liebe zu Kindern. Was sich verändert, ist die Sprache dieser Liebe. Früher zeigte sich Fürsorge vor allem in Taten – ein Kind ernähren, kleiden, ausbilden, ihm später vielleicht beim Wohnen helfen. Heute kommt zunehmend eine andere Frage hinzu: Was fühlt das Kind selbst?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Familie als Schutzraum – und als Quelle von Druck</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eines der beständigsten Merkmale kasachischer Erziehung ist die große Rolle der erweiterten Familie. Ein Kind wächst oft nicht nur mit Mutter und Vater auf, sondern inmitten eines breiten Kreises von Verwandten. Manchmal gehören auch Nachbarn, Freunde der Familie oder Menschen aus dem Hof dazu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anar Kakimova, Mutter von vier Kindern, Gründerin der Elterngemeinschaft „Parentsclub“ und des Kinderclubs „Readkids“, beschreibt eine solche Familie als „ganzheitlichen Organismus“. In diesem Modell lernt ein Kind früh: Hinter ihm steht nicht nur ein Erwachsener, sondern ein ganzes Netzwerk. In der kasachischen Gesellschaft, sagt sie, haben viele oft das Gefühl, dass sie in dieser Welt nicht allein sind. Ayana Tokeyeva, Psychologin, Dozentin und Mutter von drei Kindern mit 15 Jahren Praxis in Schule und Vorschulbildung, sieht eine zentrale Stärke kasachischer Erziehung in der Kontinuität der Generationen. Werte würden weniger durch direkte Belehrung vermittelt als durch Vorbild, Atmosphäre und Beziehungen zwischen den Generationen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Der Satz, es brauche ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen, klingt im kasachischen Kontext deshalb fast wörtlich. Doch Maiya Li, Kunsttherapeutin und psychologische Beraterin mit internationaler Erfahrung, weist auf eine Veränderung hin: In den Städten gibt es dieses „Dorf“ nicht mehr immer in seiner früheren Form. Junge Familien leben oft weit entfernt von den Großeltern, ein Elternteil arbeitet viel, und Mütter bleiben mit kleinen Kindern nicht selten fast allein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Großfamilie hat jedoch auch eine andere Seite. Sie kann Halt geben, aber auch Druck ausüben. Kinder wachsen in einem dichten Netz von Erwartungen auf: wie sie sich verhalten sollen, wen sie respektieren sollen, wie sie lernen sollen, welchen Beruf sie wählen sollen, was einen „guten Sohn“ oder eine „gute Tochter“ ausmacht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Tradition und moderne Psychologie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der kasachischen Kultur gibt es einen bekannten Grundsatz: Bis zum fünften Lebensjahr gilt ein Kind als Khan, von fünf bis fünfzehn wird es erzogen, und ab fünfzehn soll man es wie einen Erwachsenen respektieren. Ayana Tokeyeva sieht darin nicht nur Tradition, sondern auch eine Nähe zur modernen Psychologie. In den ersten Lebensjahren brauche ein Kind vor allem Liebe, Annahme, Sanftheit und emotionale Sicherheit. Genau daraus entstehe ein grundlegendes Vertrauen in die Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Gedanke zeigt, dass ein sanfter Umgang mit Kindern nicht einfach ein westlicher Import ist. In kasachischen Erziehungsvorstellungen gab es schon lange die Idee, dass kleine Kinder Schutz, Nähe und Akzeptanz brauchen. Erst später werden sie Schritt für Schritt an Verantwortung und Selbstständigkeit herangeführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sich-feministin-zu-nennen-ist-schon-protest-frauen-punkbands-in-kasachstan/">„Sich Feministin zu nennen, ist schon Protest“ – Frauen-Punkbands in Kasachstan</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Geschlechterrollen werden neu verhandelt. Während Jungen traditionell stärker als künftige Stützen der Familie und Mädchen als Hüterinnen von Wärme und Geborgenheit gesehen wurden, fragen jüngere Eltern heute häufiger, wie sich Fürsorge mit Bildung, Berufswahl und Selbstverwirklichung verbinden lässt. Maiya Li macht darauf aufmerksam, dass in manchen Familien weiterhin die Erwartung besteht, der zentrale Lebensweg eines Mädchens müsse vor allem über Ehe und Mutterschaft führen. Für Kasachstan ist diese Frage sensibel: Das Land modernisiert sich, Frauen erhalten mehr Bildungs- und Berufschancen, doch traditionelle Rollenerwartungen wirken weiter.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Gehorsam zum Dialog</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Lange zeigte sich elterliche Fürsorge in Kasachstan vor allem praktisch. Eltern investierten in Ausbildung, halfen beim Studium, unterstützten finanziell und blieben oft auch im Erwachsenenleben ihrer Kinder stark eingebunden. Liebe zeigte sich weniger in Worten als in Verantwortung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Beobachtungen von Anar Kakimova dreht sich die Kommunikation mit Kindern in vielen Familien jedoch noch immer stark um Alltag und Schule: Sind die Hausaufgaben gemacht? Hat das Kind gegessen? Warum hat es diese Note bekommen? Was wurde aufgegeben? Eltern tun viel für ihre Kinder, wissen aber nicht immer, was in ihnen vorgeht: wovor sie Angst haben, was sie mögen, wovon sie träumen, was sie belastet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ihres Lebens in den USA fiel Kakimova auf, wie selbstverständlich viele Eltern dort mit Kindern über Gefühle, Eindrücke und Wünsche sprechen – und wie sichtbar Väter im Alltag beteiligt sind. In Kasachstan wird die Rolle der Väter zwar ebenfalls stärker diskutiert, doch die tägliche Verantwortung für Schule, Essen, Kleidung, Freizeit und emotionale Atmosphäre liegt häufig weiterhin bei den Müttern.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kunsttherapie-mit-Vorschulkindern_Foto-Maiya-Li-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-44823" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kunsttherapie-mit-Vorschulkindern_Foto-Maiya-Li-1024x768.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kunsttherapie-mit-Vorschulkindern_Foto-Maiya-Li-300x225.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kunsttherapie-mit-Vorschulkindern_Foto-Maiya-Li-768x576.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kunsttherapie-mit-Vorschulkindern_Foto-Maiya-Li.jpeg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kunsttherapie mit Vorschulkindern. Foto: Maiya Li</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Maiya Li beschreibt den Wandel mit dem Begriff bewusste Elternschaft, im englischsprachigen Raum oft „gentle parenting“ genannt. Immer mehr Eltern in Kasachstan lösen sich demnach von einem streng autoritären Modell, in dem das Wort des Erwachsenen nicht hinterfragt wird. Dabei geht es nicht darum, das Kind zum Zentrum der Familie zu machen. Eltern setzen weiterhin Grenzen. Doch sie versuchen, Bedürfnisse, Gefühle und Alter des Kindes stärker zu berücksichtigen und Regeln zu erklären, statt nur Gehorsam zu verlangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Wandel verläuft nicht gleichmäßig. In manchen Familien bleiben körperliche Strafen, psychischer Druck oder Erziehung durch Angst Teil des Alltags. Gleichzeitig beobachtet Ayana Tokeyeva eine Veränderung: Eltern nehmen die Folgen von Druck häufiger wahr und wenden sich öfter an Kinderpsychologen – besonders in Phasen hoher schulischer Belastung, vor Abschlussprüfungen oder beim Übergang in neue Bildungsstufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/wie-ein-schueler-versucht-tadschikische-mosaike-zu-retten/">Wie ein Schüler versucht, tadschikische Mosaike zu retten</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Neue Erziehungskultur beginnt damit nicht beim Kind, sondern beim Erwachsenen: bei der Bereitschaft, eigene Erfahrungen zu hinterfragen, alte Muster nicht automatisch zu wiederholen und mit Kindern anders zu sprechen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Bildung als Sprungbrett für sozialen Aufstieg</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den großen Städten Kasachstans, vor allem in Astana und Almaty, ist Elternsein zunehmend mit Bildungsinvestitionen verbunden. Englischkurse, Privatschulen, Förderzentren, Sport, Musik, Programmieren, kreative Angebote, internationale Prüfungen und die Vorbereitung auf ein Studium im Ausland gehören für viele Familien zur neuen Strategie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Englisch ist dabei nicht mehr nur ein Schulfach. Es steht für Mobilität, Zukunft und Zugang zu einer größeren Welt. Rufina Adeleva, Mutter von zwei Kindern und Masterstudentin der Pädagogik und Psychologie, verbindet dieses Interesse mit Globalisierung: Die digitale Welt habe Entfernungen kleiner gemacht, Kinder kämen früher mit Menschen und Möglichkeiten außerhalb Kasachstans in Berührung, und Fremdsprachen erweiterten Bildungs- und Lebenswege.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maiya Li ergänzt, dass Mehrsprachigkeit heute Teil der Wettbewerbsfähigkeit geworden ist — nicht nur international, sondern auch im eigenen Land. Neben Englisch, Chinesisch, Koreanisch oder anderen Sprachen gewinnt auch Kasachisch für Familien an Bedeutung, die die Zukunft ihrer Kinder in Kasachstan sehen. Mehrsprachigkeit ist damit nicht nur ein Weg ins Ausland, sondern ein Schlüssel zur Teilhabe innerhalb des Landes.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="680" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Readkids-Englischer-Sprach-und-Buchclub-fuer-Kinder_Foto-Anar-Kakimova-1024x680.jpeg" alt="" class="wp-image-44821" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Readkids-Englischer-Sprach-und-Buchclub-fuer-Kinder_Foto-Anar-Kakimova-1024x680.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Readkids-Englischer-Sprach-und-Buchclub-fuer-Kinder_Foto-Anar-Kakimova-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Readkids-Englischer-Sprach-und-Buchclub-fuer-Kinder_Foto-Anar-Kakimova-768x510.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Readkids-Englischer-Sprach-und-Buchclub-fuer-Kinder_Foto-Anar-Kakimova-1536x1020.jpeg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Readkids-Englischer-Sprach-und-Buchclub-fuer-Kinder_Foto-Anar-Kakimova.jpeg 1600w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">“Readkids” &#8211; Englischer Sprach- und Buchclub für Kinder. Foto: Anar Kakimova</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ayana Tokeyeva betont, dass Bildung in Kasachstan schon lange als zentraler Wert gilt. Neu sei jedoch die Anspannung, mit der Eltern heute darauf blicken. Künstliche Intelligenz, technologische Umbrüche und das Verschwinden vertrauter Berufe verstärken die Sorge, das Kind könne in der Zukunft nicht mithalten. Der Wunsch, ihm „das Beste“ zu geben, entsteht daher nicht nur aus Ehrgeiz, sondern auch aus Angst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anar Kakimovas Erfahrung als Mentorin im Projekt „iQanat“ [ein soziales Bildungsprojekt, das von kasachstanischen Unternehmern ins Leben gerufen wurde, um ländliche Schulkinder zu unterstützen, Anm. der Autorin] zeigt, wie ungleich diese Chancen verteilt sind. Für Jugendliche aus ländlichen Regionen bedeuten internationale Prüfungen, Berufsorientierung oder ein mögliches Studium im Ausland nicht nur Motivation, sondern auch finanzielle, organisatorische und informative Hürden. Für ein Kind aus der Stadt kann ein Englischkurs Teil des Wochenplans sein. Für Jugendliche aus ländlichen Regionen kann dieselbe Sprache eine seltene Chance sein, den vorgezeichneten Weg zu verlassen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn Zukunftsdruck die Kindheit verdrängt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bild des erfolgreichen Kindes ist in Kasachstan weiterhin oft klar umrissen: gute Noten, ein Stipendium, ein angesehener Beruf, ein sicherer Arbeitsplatz, später vielleicht Auto, Wohnung und sozialer Status. Der Erfolg des Kindes bestätigt nicht selten auch den Erfolg der Eltern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute wird dieses Bild noch anspruchsvoller. Nach Maiya Lis Beobachtung soll ein modernes erfolgreiches Kind nicht nur gut in der Schule sein. Es besucht mehrere Kurse, lernt Fremdsprachen, treibt Sport oder macht Musik, nimmt an Wettbewerben teil, hat langfristige Ziele, denkt über ein Studium im Ausland nach, bewegt sich sicher in der digitalen Welt und bewahrt zugleich Respekt gegenüber Familie, Gesellschaft und Land.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-frauen-in-kasachstan-die-kultur-des-schweigens-herausfordern/">Wie Frauen in Kasachstan die Kultur des Schweigens herausfordern</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Druck liegt damit nicht nur auf den Kindern, sondern auch auf den Eltern. Viele Eltern wollen nichts falsch machen und gerade dadurch zu viel kontrollieren. Die zentrale Frage moderner Erziehung lautet daher: Wie gibt man einem Kind Zukunft, ohne ihm die Kindheit zu nehmen?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Stadt und Land, Freiheit und Aufsicht</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Unterschied zwischen Stadt und Land bleibt in Kasachstan deutlich. In Städten können Eltern die Kindheit stark strukturieren: Der Wochenplan eines Kindes kann fast so voll sein wie der Arbeitskalender eines Erwachsenen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ländlichen Regionen gibt es weniger solcher Angebote. Rufina Adeleva, die selbst auf dem Land aufgewachsen ist, beschreibt den Unterschied so: In der Stadt steht häufiger intellektuelle und kulturelle Förderung im Vordergrund, auf dem Land eher Arbeits- und Alltagskompetenz.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="691" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kunsttherapie-mit-Teenagern_Foto-Maiya-Li-691x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-44822" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kunsttherapie-mit-Teenagern_Foto-Maiya-Li-691x1024.jpeg 691w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kunsttherapie-mit-Teenagern_Foto-Maiya-Li-203x300.jpeg 203w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kunsttherapie-mit-Teenagern_Foto-Maiya-Li-768x1138.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kunsttherapie-mit-Teenagern_Foto-Maiya-Li-1037x1536.jpeg 1037w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kunsttherapie-mit-Teenagern_Foto-Maiya-Li.jpeg 1080w" sizes="(max-width: 691px) 100vw, 691px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kunsttherapie mit Teenagern. Foto: Maiya Li</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Anar Kakimova beobachtet zudem, dass Jugendliche aus ländlichen Regionen oft genauer wissen, welchen Wert Geld, Zeit und Chancen haben. Sie seien vorsichtiger, bescheidener und gingen sorgsamer mit Möglichkeiten um. Gleichzeitig fehlt Familien auf dem Land oft der Zugang zu Informationen über Stipendien, internationale Programme, Berufsberatung und Bildungswege.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere Besonderheit ist die frühe Selbstständigkeit vieler Kinder. In Kasachstan gehen Grundschulkinder nicht selten allein zur Schule, spielen im Hof, gehen in kleine Geschäfte oder bleiben zeitweise ohne ständige Aufsicht zu Hause. Für viele Familien gilt das als normal: Ein Kind soll Schritt für Schritt selbstständig werden. Doch die Grenze zwischen Freiheit und fehlender Aufsicht ist schmal.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Digitale Medien als neue Grenze der Erziehung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den vergangenen 10 bis 15 Jahren hat sich Elternsein auch in Kasachstan durch digitale Medien verändert. Smartphones, soziale Netzwerke, Online-Spiele, Cybermobbing und Cybersicherheit gehören heute zu den alltäglichen Sorgen von Familien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ayana Tokeyeva bestätigt, dass viele aktuelle Anfragen von Eltern mit digitalen Medien verbunden sind. Übermäßige Bildschirmnutzung könne mit Unruhe, Aggression, emotionalem Rückzug, Wutausbrüchen, Schulverweigerung oder allgemeinem Energiemangel einhergehen. Dabei seien nicht immer die Geräte allein das Problem. Oft zeigten sich darin auch familiäre Spannungen, Kommunikationsprobleme, Schwierigkeiten mit Gleichaltrigen oder innere Belastungen des Kindes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier tritt der zentrale Konflikt zutage: Technologien verändern den Alltag schneller, als Familien ihre Erziehungsmodelle anpassen können.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine neue Formel des Elternseins</h2>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Modernes Elternsein in Kasachstan ist weder vollständig traditionell noch einfach westlich. Vielleicht liegt genau darin die neue Formel des Elternseins in Kasachstan: die Stärke der Familie zu bewahren, ohne ihren Druck zu vergrößern; Kindern Bildung zu ermöglichen, ohne ihnen die Kindheit zu nehmen; Selbstständigkeit zu fördern, ohne sie allein zu lassen; Traditionen zu respektieren, ohne die Stimme des Kindes zu überhören.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Nurgul Adambayeva für Novastan</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



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		<title>„Sich Feministin zu nennen, ist schon Protest“ – Frauen-Punkbands in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thevillage]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2026 21:25:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[8. März]]></category>
		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Punk]]></category>
		<category><![CDATA[Punkrock]]></category>
		<category><![CDATA[Underground]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Underground-Szene von Almaty umfasst Dutzende Bands, die in verschiedenen Genres spielen. Anl&#xE4;sslich des Weltfrauentages am 8. M&#xE4;rz sprach &#x201E;The Village&#x201C; mit &#x201E;Krasnyetschulki&#x201C; (Rotestr&#xFC;mpfe&#x201C;) und &#x201E;Jane Doe&#x201C; &#x2013; zwei reinen Frauenbands, die Punk und Riot Grrrl spielen. Die Musiker:innen sprachen &#xFC;ber ihre Musik, Geschlechterstereotypen in der Musik und den 8.M&#xE4;rz. Yulia, S&#xE4;ngerin und Gitarristin von [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Underground-Szene von Almaty umfasst Dutzende Bands, die in verschiedenen Genres spielen. Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März sprach „The Village“ mit „Krasnyetschulki“ (Rotestrümpfe“) und „Jane Doe“ – zwei reinen Frauenbands, die Punk und Riot Grrrl spielen. Die Musiker:innen sprachen über ihre Musik, Geschlechterstereotypen in der Musik und den 8.März.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Yulia, Sängerin und Gitarristin von „Krasnyetschulki“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich war Riot Grrrl (ein Genre der feministischen Punkmusik – Anm. The Village) anfangs ein Weg, die Bühne zu betreten, und – bis zu einem gewissen Grad – ein Akt der Provokation. Sich selbst als Feministin zu bezeichnen, ist an sich schon eine Form des Protests. Vor vier Jahren, als die Band gegründet wurde, fühlte sich dies noch weitaus akuter an als heute – vor den aufsehenerregenden, tragischen Ereignissen wie etwa dem Fall Saltanat (gemeint ist der Fall von Saltanat Nukenova, die 2023 von ihrem Mann, dem ehemaligen Wirtschaftsminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Quandyq_Bischimbajew">Qandyq Bişimbaev</a> brutal ermordet wurde, Anm. d. Ü.).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist zudem eine recht einfache Möglichkeit, in die Musik einzusteigen – selbst dann, wenn man kein Instrument perfekt beherrscht. Dieses Genre ist frei von starren Zwängen – einschließlich der Anforderung an eine Beherrschung auf professionellem Niveau. Die wichtigsten Elemente sind Energie und Drive.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war ein Teenager mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ich hatte eigene Komplexe und reichlich Groll gegen die Welt um mich herum. Ich wollte gehört werden – und ich fand einen Weg, dies durch eine Punkband zu erreichen. Es war schwer vorherzusagen, wie die Leute auf unser Manifest reagieren würden. Im Großen und Ganzen wurden wir herzlich aufgenommen; wenngleich es gelegentlich Momente des Missverständnisses und des Spotts gab, handelte es sich dabei doch um Einzelfälle, die sich hinter unserem Rücken abspielten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">In vier Jahren hat mir nicht ein einziger Mensch je etwas Negatives über unsere Band ins Gesicht gesagt. Über ein Mädchen zu singen, das ein anderes Mädchen liebt, <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstan-verbietet-lgbt-propaganda/">ist heute illegal</a> – und das zeigt, wie leicht grundlegende Menschenrechte verloren gehen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir schaffen vielfältige Musik und vermitteln eine Bandbreite an Themen. Musik spiegelt die Realität wider, und die Realität formt die Musik. Natürlich sind Politik und Musik miteinander verflochten; doch manchmal möchte man durch die Musik schlichtweg dem Trubel entfliehen, anstatt in ihn einzutauchen – und auch das ist vollkommen normal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Grenze zwischen Musik und Aktivismus verläuft dort, wo ein Risiko besteht. Dies bedeutet nicht zwangsläufig Geld- oder Haftstrafen; das Risiko kann auch gesellschaftlicher Natur sein. So etwa bei einer jungen Frau, die davon singt, eine andere Frau zu lieben – etwas, das heute zwar illegal sein mag, in der Vergangenheit jedoch vor allem gesellschaftliche Konsequenzen nach sich zog.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/feministische-medien-in-kasachstan-was-veraendern-sie/">Feministische Medien in Kasachstan: Was verändern sie?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies zeigt übrigens eindrucksvoll, wie leicht fundamentale Menschenrechte verloren gehen können. Apropos: Im Jahr 2023 organisierten Pyosa und ich ein Konzert, dessen Erlös wir an SVET spendeten – eine Stiftung, die sich der Bekämpfung von Gewalt widmet. Wir nahmen dabei 250.000 Tenge (458 Euro) ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der 8. März ist ein Tag des Gedenkens und der Dankbarkeit gegenüber all jenen Frauen, die für das kämpfen mussten, was uns heute als Selbstverständlichkeit erscheint – Bildung, das Recht auf Arbeit und alle verfassungsmäßigen Freiheiten. Er ist eine jährliche Mahnung daran, dass dies nicht immer so war und dass der Verlust dieser Rechte leichter geschieht, als es scheint – wie es beispielsweise im Iran der Fall war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blumen schmälern die Verdienste unserer Großmütter keineswegs – ganz im Gegenteil sogar: Sie schaffen eine festliche Atmosphäre um sie herum. Schließlich ist dies keineswegs ein Trauertag. In zehn Jahren möchte ich am 8. März Kundgebungen und Umzüge sehen, für die keine <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstan-kampf-um-feministischen-marsch-am-8-maerz/">Genehmigungen erforderlich sind</a>. Und ich möchte Feierlichkeiten erleben – erfüllt von Blumen, Liebe und Dankbarkeit gegenüber all jenen, die für unsere Gegenwart gekämpft haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Pyosa, Schlagzeugerin von „Krasnyetschulki“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Band wurde im Jahr 2022 geboren. Damals wurden wir von der Wut über die Ungerechtigkeit der Welt angetrieben – einem Gefühl, das man gerade dann am schärfsten empfindet, wenn man seine rosarote Brille ablegt: der Protest der Jugend. Viele meiner Songs ruhten auf zwei Säulen, die unserem Projekt dazu verhalfen, sich zu etwas Größerem zu entwickeln. Und natürlich die Inspiration – jene Quelle, aus der neue Songs, Skizzen, Ideen und Gedanken entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war eine Aufgabe von großer Verantwortung, denn anfangs fiel es schwer, sich nicht dem Einfluss jener zu beugen, die die Haltung vermittelten, es handele sich hierbei lediglich um ein „bloßes Herumalbern von Mädchen“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/aktivistinnen-in-kasachstan-bei-uns-ist-es-schlimmer-eine-feministin-zu-sein-als-ein-dieb-oder-ein-gewalttaeter/">Aktivist:innen in Kasachstan: „Bei uns ist es schlimmer eine Feministin zu sein, als ein Dieb oder ein Gewalttäter“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem mussten wir den Erwartungen der Gemeinschaft gerecht werden – schließlich war die Gruppe ursprünglich auf der Grundlage eines spezifischen Konzepts gegründet worden und nicht bloß als musikalisches Projekt, das nur so lange Bestand haben sollte, bis wir das Erwachsenenalter erreichten. Künstlerinnen mit einem selbstbewussten Stil werden abgewertet und beschuldigt, unfeminin, unattraktiv oder grob zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für jene, die Musik in „Mädchen-Musik“ und „ernsthafte Musik“ unterteilen, wird genau jenes geschlechtsspezifische Ungleichgewicht innerhalb der Musikindustrie als Beleg dafür wahrgenommen, dass Frauen weder zu Professionalität noch zur Schaffung ernsthafter Musik fähig seien. Treten jedoch Künstlerinnen mit einem selbstbewussteren Stil in Erscheinung, werden sie umgehend abgewertet – man wirft ihnen vor, nicht feminin und stattdessen unattraktiv oder grob zu sein; und für viele Menschen in der heutigen Welt kann dies zu einem echten Problem werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/so-ueber-lebt-der-underground-in-almaty/">So (über-)lebt der Underground in Almaty</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Zuhörer, der Niedlichkeit erwartet, wird es zur Katastrophe, wenn die Vortragende nicht hinreichend charmant ist. Wer Provokation erwartet, wird enttäuscht sein, ruhige Worte zu hören. Und diejenigen, die Professionalität suchen, legen oft eine ungerechtfertigt hohe Messlatte an – allein aufgrund des Geschlechts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich ist jedes kreative Unterfangen und jede Kunstform eine Sublimierung oder Katharsis empfundener Emotionen; daher ist jede Kunst – in dem einen oder anderen Maße – eine Form des Aktivismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der 8. März ist ein Tag, an dem jede Frau – und sei es auch nur für ein paar Stunden – innere Freiheit erlangen kann: sich losreißen aus dem endlosen Abgrund von Erwartungen, Verpflichtungen und vorgeschriebenen Rollen, um sich wahrhaft authentisch und frei zu fühlen. Es ist ein Tag, an dem die modernen Erben der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Suffragetten">Suffragetten</a> ihre Stimmen erheben – nicht durch Brandstiftungen und Molotowcocktails, sondern durch Manifeste, Kundgebungen und Reden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Lina, Gitarristin und Back-Sängerin von „Jane Doe“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Sängerin Ksenia hat sich den Band-Namen ausgedacht. In Amerika werden unbekannte Frauen als „Jane Doe“ bezeichnet. Wir hatten das Gefühl, dass dieser Name die Botschaft, die wir der Gesellschaft vermitteln möchten, treffend widerspiegelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schädel in unserem Logo ist ein Verweis auf diesen Begriff – den einer unbekannten verstorbenen Frau. Unter diesem Namen treten wir auf, und genau davon handeln größtenteils unsere Lieder. Oder wir schreiben Songs über „True Crime“, wie etwa „Lavanda Doe“ oder „Jane Doe 121 El Dorado“. Zudem erzählen wir die Geschichten von Frauen, die Opfer gewaltsamer, tödlicher Verbrechen wurden. Selbst wenn ihre Identität bekannt ist, vergisst die Gesellschaft schnell, was geschehen ist – so wie im Fall von Aızat Jumanova (die im Dezember 2025 – vermutlich von ihrem Ehemann – <a href="https://news.rambler.ru/incidents/55800247-ubili-na-glazah-dvuhletney-dochki-chto-sluchilos-s-ayzat-zhumanovoy/">ermordet wurde</a>, Anm.d. Ü.).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die im Logo abgebildete historische Perücke symbolisiert den Matilda-Effekt – die systematische geschlechtsspezifische Diskriminierung von Frauen in der Wissenschaft sowie die Zuschreibung wissenschaftlicher Arbeiten und Errungenschaften, die ursprünglich von Frauen erbracht wurden, an Männer. Zu jenen, die darunter litten, zählten beispielsweise <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Anna_Mozart">Maria Anna Mozart</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rosalind_Franklin">Rosalind Franklin</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Camille_Claudel">Camille Claudel</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-wenn-frauen-eine-stimme-fordern/">Usbekistan: Wenn Frauen eine Stimme fordern</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das Maul des Hundes – eine klaffende, zum Angriff bereite Fratze – dient als Verweis auf den Kampf gegen Femizid, Ungerechtigkeit und all ihre Erscheinungsformen. Wir werden von dem Wunsch angetrieben, die Ungerechtigkeit aufzudecken, der junge Frauen ausgesetzt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir wollten Frauenrechte und Freiheit fördern – und ich war davon überzeugt, dass niemand dies besser bewerkstelligen könnte als die Frauen selbst. Die aktuelle Besetzung der Gruppe zu finden, war keine leichte Aufgabe. Wir suchten lange nach Mitgliedern und zogen dabei – prinzipiell – keine männlichen Kandidaten in Betracht. Viele Leute durchliefen unsere Band, blieben jedoch nicht lange.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Infolgedessen konnten wir uns auf nichts Konkretes festlegen – insbesondere nicht darauf, welches musikalische Genre wir künftig einschlagen sollten. Aus genau diesen Gründen dauerte es auch lange, bis wir einen Namen gefunden hatten. Mir scheint, dass Punk am besten zu uns passt, weil er eine Rebellion ist, die auf Ehrlichkeit und Aggression aufbaut. Deshalb passen unsere Texte perfekt zu diesem Sound.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zere-asylbek-meine-geschichte-wurde-politisch/">Zere Asylbek: “Meine Geschichte wurde politisch”</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entstehung eines jeden Songs ist eine gemeinschaftliche Leistung, an der alle Mitglieder beteiligt sind. Vom Verfassen der Texte bis hin zur Ausgestaltung der Instrumentierung helfen wir einander, bringen Ideen ein und leisten Unterstützung. Unsere vielleicht größte Herausforderung bestand darin, dass wir alle unterschiedliche musikalische Genres bevorzugen – weshalb es nicht einfach war, zu einer gemeinsamen Vision zu gelangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Innerhalb eines Monats schrieben wir drei oder vier eigene Songs und spielten ein paar Cover-Versionen. Ich nehme an, dies wurde von Adrenalin und dem starken Wunsch angetrieben, uns voll und ganz in ein gemeinsames Ziel einzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist uns wichtig, jene zu unterstützen, die mit Ungerechtigkeit, Stereotypen oder gesellschaftlichem Druck konfrontiert sind. Unsere Lieder sind ein Protest gegen Diskriminierung und Gewalt – eine Quelle der Unterstützung und Solidarität. Wir möchten junge Frauen dazu inspirieren, mutig zu sein, keine Angst davor zu haben, „Nein“ zu sagen, ihre Grenzen zu verteidigen und an ihre eigene Stärke zu glauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;Wir werden von dem Wunsch inspiriert, den Menschen zu sagen, dass Verbrechen gegen Frauen nach wie vor geschehen – und zu vermitteln, dass dies falsch ist und nicht so sein sollte. Fast jede Frau war schon einmal damit konfrontiert, dass ihre Leistungen herabgewürdigt, ausgelöscht oder vergessen wurden – Dinge, die schlichtweg nicht vergessen werden dürfen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ksenia, Sängerin von „Jane Doe“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mir scheint, dass sich jede Frau in dem Namen „Jane Doe“ wiederfinden kann – ich selbst, meine Freundinnen und unsere Zuhörerinnen. Fast jede von uns stand schon einmal in Situationen, in denen ihre Leistungen heruntergespielt wurden oder in denen Dinge, die schlichtweg nicht vergessen werden dürfen, getilgt oder übersehen wurden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Aziza, Bassistin von „Jane Doe“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verfüge über keine formale musikalische Ausbildung, bin mir jedoch sicher, dass sich meine Herangehensweise an die Arbeit an Songs von der akademischen unterscheidet. Wir kennen keine starren Grenzen oder Regeln – keine strikten Gebote und Verbote. Und genau das erzeugt eine gewisse Punk-Attitüde. Gleichzeitig gehen wir bei der Klangqualität niemals Kompromisse ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der 8. März ist mein Lieblingsfeiertag. Seine Bedeutung ist für mich denkbar einfach – Emanzipation. Und das ist großartig. In gewissem Sinne ist es wie der Unabhängigkeitstag für das ganze Volk. Normalerweise feiere ich ihn nicht. Früher jedoch habe ich oft bunte, aufwendige Plakate gestaltet und bin mit meinen Freunden zu Underground-Veranstaltungen gegangen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zoya, Schlagzeugerin von „Jane Doe“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir positionieren uns als die Stimme jener, die nicht mehr gehört werden können. Wir thematisieren Verbrechen, die an Frauen begangen werden, indem wir wahre Geschichten aufgreifen und darüber schreiben, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich ist der 8. März mit Tulpen verbunden. Doch was sein Wesen betrifft, so ist er in erster Linie ein Symbol für den Kampf um Frauenrechte. Genau deshalb gaben wir unser Debüt am 8. März – es war symbolisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Weitere Bilder findet ihr im </em><a href="https://www.the-village-kz.com/village/people/people/43797-nazyvat-sebya-feministkoy-uzhe-samo-po-sebe-protest"><em>Originalartikel</em></a><em>.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>The Village</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://www.the-village-kz.com/village/people/people/43797-nazyvat-sebya-feministkoy-uzhe-samo-po-sebe-protest">Russischen</a> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>„Black Red Yellow“ – eine verwobene Liebesgeschichte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 May 2026 12:14:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aktan Arym Kubat]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[GoEast Fimfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In &#x201E;Black Red Yellow&#x201C; erz&#xE4;hlt der kirgisische Regisseur Aktan Arym Kubat die ungl&#xFC;ckliche Liebesgeschichte zwischen der Teppichweberin Turdugul und dem Hirten Kadyr. Der Film feierte im Rahmen von goEast &#x2013; Festival des Mittel- und Osteurop&#xE4;ischen Films Europa-Premiere. Novastan war dabei. Aktan Arym Kubat ist zur&#xFC;ck auf europ&#xE4;ischer B&#xFC;hne: Der Regisseur, der als feste Gr&#xF6;&#xDF;e des [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In „Black Red Yellow“ erzählt der kirgisische Regisseur Aktan Arym Kubat die unglückliche Liebesgeschichte zwischen der Teppichweberin Turdugul und dem Hirten Kadyr. Der Film feierte im Rahmen von goEast – Festival des Mittel- und Osteuropäischen Films Europa-Premiere. Novastan war dabei.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aktan_Abdykalykow">Aktan Arym Kubat</a> ist zurück auf europäischer Bühne: Der Regisseur, der als feste Größe des kirgisischen Autor:innen-Kinos gilt, feierte mit seinem neuen Film <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Black_Red_Yellow">Black Red Yellow</a> (im Original „Kara Kyzyl Sary“) am 26. April im Rahmen des <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/">26. goEast-Filmfestivals</a> in Wiesbaden Europa-Premiere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film begleitet die talentierte Teppichweberin Turdugul, die einer Nomadin gleich durchs Land zieht, um im Haus ihrer Auftraggeber:innen Unikate entstehen zu lassen, die deren Seele widerspiegeln. Wie in den Filmen Aktan Arym Kubats üblich, ist auch „Black Red Yellow“ in drei Teile unterteilt, die in diesem Fall jeweils mit einer der titelgebenden Farben benannt sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schwarz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film beginnt mit einer Rahmenhandlung, in der der Regisseur in Nahaufnahme das Entstehen eines Wollteppichs begleitet. Mit diesem Teppich im Gepäck bricht Turdugul, eine Dame gesetzten Alters, zu einer Reise ins Dorf Kök-Suu auf. Während der Reise mit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Marschrutka">Marschrutka</a> erinnert sich Turdugul an eine Geschichte, die 30 Jahre zurück liegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kirgistan in den 90er-Jahren: Die junge Turdugul (gespielt von Nargiza Mamatkulova) trifft in Kök-Suu im Haus ihrer Auftraggeber:innen ein. Die Hausherrin Schirin leidet unter ihrer Kinderlosigkeit sowie unter den ökonomischen Gegebenheiten im Haus ihres Mannes Kadyr (gespielt vom Sohn des Regisseurs, Mirlan Abdykalikov). Kadyr, zu Sowjetzeiten Pferdewirt in einem Staatsbetrieb, hat nach dem Zerfall der UdSSR seinen Job verloren und mit dem Trinken angefangen. Sein Pferd liebt er mehr als seine Frau, die er auf Geheiß seiner Eltern heiraten musste.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="554" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-1024x554.jpg" alt="" class="wp-image-44636" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-1024x554.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-300x162.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-768x415.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-1536x830.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-2048x1107.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schirin (rechts), gespielt von Aigul Busurmankulova</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Schirin hingegen liebt ihren Mann sehr und Kadyrs Teilnahmslosigkeit rufen neben seiner mangelnden Bereitschaft und Fähigkeit, die ökonomische Situation des Paares zu verbessern, immer wieder Streit hervor. In einem Streit droht Schirin sich im tosenden Fluss vor dem Dorf zu ertränken, kann aber von den ihr nacheilenden Frauen aufgehalten werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen dem im Gegensatz zu seiner Frau sehr friedfertigem Kadyr und Turdugul beginnen hingegen sich langsam Gefühle füreinander zu entwickeln.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Rot</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im zweiten Teil des Films werden sich Kadyr und Turdugul ihrer gegenseitigen, aber verbotenen Liebe bewusst. Turdugul macht sich für Kadyr hübsch und er spannt über ihre Arbeitsstätte im Hof ein schattenspendendes Tuch, was die Eifersucht seiner Frau entfacht. Abermals droht Schrin sich zu ertränken. Zwar eilt ihr diesmal niemand mehr nach, doch findet Kadyr, der das Manöver durchschaut, sie später am Ufer des Flusses sitzen, setzt sich zu ihr und bittet sie wieder nach Hause zu kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Kadyr abends Turdugul aufsucht, um ihr seine Gefühle zu gestehen, wird er von Großmutter Marsia, in deren Haus Turdugul Obdach gefunden hat, erwischt. Die Alte schickt ihn fort und weist Turdugul an, sich von Kadyr fernzuhalten. Doch dafür ist es zu spät. Als Kadyr in einer weiteren Nacht einen Saufkumpanen losschickt, um Großmutter Marsia abzulenken und die ganze Nacht nicht nach Hause zurückkehrt, lässt sich der Skandal nicht mehr vermeiden. Schirin zerstört den Webstuhl im Hof und schleift den angefangenen Teppich zum Haus von Großmutter Marsia, der sie Vorwürfe macht und von der sie verlangt, <em>„die Schlampe [Turdugul]“</em> aus dem Dorf zu jagen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="554" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-1024x554.jpg" alt="" class="wp-image-44635" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-1024x554.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-300x162.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-768x415.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-1536x830.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-2048x1107.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Turdugul und Großmutter Marsia</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Kadyr merkt, was er angerichtet hat, und versucht Turdugul nachzueilen, schafft dies aber nicht. Später findet Schirin ihn am Fluss sitzend. Diesmal ist sie es, die ihn bittet nach Hause zu kommen. In diese Situation bricht die Nachricht vom Tod Großmutter Marsias, die die Schande, die sie über Kadyr und Schirin gebracht hat, nicht überlebt hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gelb</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein paar Jahre später: Turdugul ist wieder für einen Auftrag in der Nähe. Als Kadyr davon erfährt und sie ausfindig macht, sucht er sie auf. Turdugul flieht vor ihm in das Haus ihrer Auftraggeberin. Durch die geschlossene Tür bittet Kadyr sie, ihn zu heiraten. Turdugul, die nach wie vor Gefühle für Kadyr hat, lehnt dies ab – in dem Bewusstsein, dass ihre unmögliche Liebe seine Familie zerstören würde.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Abends sitzt sie mit ihrer Auftraggeberin zusammen – einer Alten, die als eine Wächterin der immer mehr verlassenen Dörfer an dieser grenznahen Region fungiert. Von den verlassenen Häusern verwahrt sie die Schlüssel, um sie so dem Zugriff von Fremden zu entziehen. Familienportraits, die sie aus den verlassenen Häusern gerettet hat, füllen die Wand ihres bescheidenen Hauses. Als sie von Turduguls Talent als einer Gabe Gottes spricht, offenbart ihr Turdugul, die seit ihrer Jugend umherzieht, um das Schicksal anderer in ihren kunstvollen Teppichen abzubilden, dass sie anstatt dieses Talents lieber das Glück im Leben gefunden hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Kadyr erkennt, dass er sich seinem Schicksal fügen muss. In der letzten Szene des dritten Teils sieht man, dass er sein geliebtes Pferd verkauft hat, um der mittlerweile schwangeren Schirin ihren Wunsch zu erfüllen und eine Kuh zu kaufen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Farbenspiel</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film endet mit einem vierten, mit „Schwarz Rot Gelb“ betitelten Abschnitt, den Aktan Arym Kubat aber – wie er im Filmgespräch in Wiesbaden darlegte – nicht als vierten Teil, sondern als Epilog verstanden wissen will. In diesem Epilog kehrt der Film zurück in die Rahmenhandlung. Kadyr wird zu Grabe getragen und Turdugul lässt ihren Teppich Schirin übergeben. Als Letztere später den Teppich auffaltet, wird ersichtlich, dass dieser neben den für die Teppiche der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblus_Batken">Region Batken</a> typischen Farben Schwarz und Rot einen nicht unwesentlichen Anteil Gelb enthält.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="КЫРГЫЗ КИНО &quot;КАРА КЫЗЫЛ САРЫ&quot;" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/8kV_ZIRCwd8?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dieses Farbenspiel und seinen Symbolgehalt angesprochen, erklärte Aktan Arym Kubat im Abschluss an die Premieren-Vorführung, dass die drei titelgebenden Farben jeweils für eine der Protagonist:innen stehe. Schwarz als <em>„Farbe des Mannes und der Erde“</em> stehe für Kadyr und Rot, als die Farbe der Emotionen und der Liebe, für Schirin. Gelb sei die individuelle Farbe von Turdugul, die sie in den traditionellen schwarz-roten Teppich einbringt und somit ihr eigenes Schicksal mit jenem von Kadyr und Schirin verwebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Symbolismus, der sich den westlichen Festival-Besucher:innen nicht unbedingt erschließt, verdeutlicht einmal mehr, dass der im In- wie Ausland gefeierte Regisseur seine Filme am heimischen Publikum ausrichtet. Wie Aktan Arym Kubat in Wiesbaden darlegte, wollte er mit dem Film unter anderem seinen Landleuten das eigene Land sowie dessen jüngere Geschichte mit den ökonomischen Verwerfungen nach der Unabhängigkeit und der infolgedessen eintretenden Landflucht vor Augen führen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein poetisch-einfühlsamer Film</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie auch in seinen vergangenen Filmen, wie etwa <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-fluegel-der-menschen-poetischer-film-mit-sozialkritik/">Die Flügel des Menschen</a>, schafft es Aktan Arym Kubat, eine einfühlsam erzählte Geschichte von einfachen Menschen mit subtil eingeflochtener Sozialkritik zu verbinden. Dabei bleibt der Regisseur seiner eigenen Bildsprache treu, in der er wie zufällig aufgenommene Bilder, wie etwa eine Motte im Teppichgarn, oder auch Landschaftsdetails, wie den reißenden Bergfluss oder im Wind wehende Pappeln, einfängt, und gekonnt in die Handlung einflicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sustxotin-eine-geschichte-von-macht-und-machlosigkeit/">„Sustxotin“ – eine Geschichte von Macht und Machlosigkeit</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Besondere Erwähnung verdienen die melancholische musikalische Untermalung (Balasagyn Musayev) sowie der Ton (Mars Tugelov), der das Rauschen des Windes oder die zaghaft von Vögeln durchbrochene Stimmung einfängt. Beide tragen so zu einem nicht unwesentlichen Teil zur Atmosphäre des Filmes bei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;„Black Red Yellow“, der noch im Juni letzten Jahres <a href="https://variety.com/2025/film/asia/shanghai-film-festival-2025-winners-1236437317/">beim Shanghai International Film Festival gewann</a>, ging bei der Preisverleihung des 26. goEast-Festivals leer aus (die <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/goeast-2026-gewinnerinnen-beim-festival-des-mittel-und-osteuropaeischen-films-hauptpreis-fuer-clouds-move-with-great-speed-von-roman-ostrovskyi-beste-regie-fuer-ivana-mladenovic-regisseurin-vo/">Goldene Lilie</a> aus Hauptpreis ging in diesem Jahr an „Clouds move with great Speed“ des ukrainischen Regisseurs Roman Ostrovskyi). Dennoch ist Aktan Arym Kubat wieder ein absolut sehenswerter, einfühlsam-melancholischer Film gelungen, der es schafft, durchgängig langsam zu bleiben, ohne jemals zäh zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Black Red Yellow” wird am 2. Juli 2026 im Rahmen der <a href="https://www.uni-passau.de/perspektive-osteuropa/veranstaltungen/filmreihe-osteuropa/">Filmreihe Osteuropa</a> der Universität Passau gezeigt.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Das Taschkenter Erdbeben 1966: „Wir beben, aber wir geben nicht auf“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[bthoens]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Apr 2026 18:29:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aleksej Kosygin]]></category>
		<category><![CDATA[Brutalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehturm]]></category>
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		<category><![CDATA[Seismischer Modernismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Shavkat Mirziyoyev]]></category>
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		<category><![CDATA[Taschkent]]></category>
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		<category><![CDATA[Völkerfreundschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wiederaufbau]]></category>
		<category><![CDATA[Zeltlager]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor 60 Jahren zerst&#xF6;rte ein Erdbeben Usbekistans Hauptstadt Taschkent. Die Zerst&#xF6;rung entpuppte sich als Zeitenwende f&#xFC;r das Stadtbild, das durch den Wiederaufbau durch verschiedene Baumeister aus allen Sowjetrepubliken von nun an in einem neuen Kleid daherkam. Auch der deutsche Fotograf Heinz Kr&#xFC;ger war damals zuf&#xE4;llig vor Ort und lichtete die Zerst&#xF6;rung, aber auch die Hoffnung [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/das-taschkenter-erdbeben-1966-wir-beben-aber-wir-geben-nicht-auf/">Das Taschkenter Erdbeben 1966: „Wir beben, aber wir geben nicht auf“</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vor 60 Jahren zerstörte ein Erdbeben Usbekistans Hauptstadt Taschkent. Die Zerstörung entpuppte sich als Zeitenwende für das Stadtbild, das durch den Wiederaufbau durch verschiedene Baumeister aus allen Sowjetrepubliken von nun an in einem neuen Kleid daherkam. Auch der deutsche Fotograf Heinz Krüger war damals zufällig vor Ort und lichtete die Zerstörung, aber auch die Hoffnung und den Wiederaufbau Taschkents ab.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Taschkenter schliefen noch, als vor 60 Jahren, am frühen Morgen des 26. April 1966 um 5:23 Uhr lokaler Zeit ein starkes Erdbeben die Hauptstadt der damaligen Usbekischen Sozialistischen Sowjetrepublik erschütterte. Das Beben war mit einer Magnitude von etwa 5,2 auf der Richterskala bei einer sehr flachen Herdtiefe eigentlich nur mittelschwer. Da sich das Epizentrum jedoch mitten im Stadtzentrum befand, entfaltete es eine gewaltige Zerstörungskraft. Vor allem die elf Sekunden des ersten Erdstoßes, aber auch viele Nachbeben in den folgenden Tagen und Wochen, zerstörten etwa 28.000 Gebäude.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="824" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344-824x1024.jpg" alt="" class="wp-image-44588" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344-824x1024.jpg 824w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344-241x300.jpg 241w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344-768x954.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344-1236x1536.jpg 1236w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344.jpg 1613w" sizes="auto, (max-width: 824px) 100vw, 824px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Archiv Heinz Krüger. Copyright&nbsp;gem. CCO, Museum und Galerie Falkensee</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab nur sehr wenige moderne Hochhäuser, die auch standhielten. Die meisten traditionellen ein- und zweistöckigen Häuser aus Lehm wurden beschädigt, stürzten aber nicht ein. So waren auch nur ein Dutzend Menschenleben und etwa 150 Verletzte zu beklagen. Dank des warmen Klimas war es kein Problem, dass die Stadt im Nu ins Freie umzog. In wenigen Tagen entstanden riesige Zeltsiedlungen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="825" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321-1024x825.jpg" alt="" class="wp-image-44583" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321-1024x825.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321-300x242.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321-768x619.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321-1536x1237.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321.jpg 1965w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Archiv Heinz Krüger. Copyright&nbsp;gem. CCO, Museum und Galerie Falkensee</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Neubau statt Wiederaufbau</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Taschkent war in den 1960er Jahren mit knapp einer Million Einwohnern die viertgrößte Stadt der Sowjetunion und genoss in Moskau besondere Aufmerksamkeit. So wie Leningrad historisch als „Fenster nach Europa“ galt, war Taschkent das „Tor nach Osten“. Dies stand synonym mit Usbekistan als „Leuchtturm“ und Aushängeschild, um die sogenannte dritte Welt anhand politischer, wirtschaftlicher und kultureller Diplomatie für das sowjetische Gesellschaftsmodell zu begeistern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Moskau reagierte sofort auf die Katastrophe. Noch am selben Abend trafen Parteichef <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Leonid_Iljitsch_Breschnew">Breschnew</a> und Regierungschef <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alexei_Nikolajewitsch_Kossygin">Kosygin</a> in Taschkent ein und erlebten während der ersten Krisensitzung gleich ein kräftiges Nachbeben. Dem Schicksalsschlag des Erdbeben-Epizentrums im unmittelbaren Stadtgebiet begegnete man in Taschkent mit dem durch Zufall fast fertigen neuen Generalbebauungsplan.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Der schon auf dem Papier gehegte Traum einer sozialistischen Mustermetropole bekam über Nacht die Chance auf eine zügige Umsetzung in Stahl und Beton. Der lokale KP-Chef <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Scharaf_Raschidow">Sharof Rashidov</a> nutzte diese Möglichkeit und konnte die Moskauer Führung von der Umleitung gewaltiger Ressourcen an Fachkräften, Material und Know-how aus der gesamten Sowjetunion in die usbekische Metropole überzeugen: Taschkent sollte nicht bloß wieder aufgebaut, sondern entsprechend des sozialistischen Fortschrittsglaubens als ideale Stadt neu gebaut werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Generalbebauungsplan wurde im Rekordtempo adaptiert und Anfang 1967 verabschiedet. In den folgenden vier Jahren entstanden über eine Million Quadratmeter neuer Wohn- und Nutzflächen in der nun „erdbebensicheren“ Hauptstadt. Ganz nach dem Motto <em>„Wir beben, aber wir geben nicht auf“</em>, wie es damals auf vielen Häuserwänden und Zelten geschrieben stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/architektonisches-versuchslabor-taschkent-ueber-den-denkmalwert-sowjetischer-plattenbauten/">Architektonisches Versuchslabor Taschkent: Über den Denkmalwert sowjetischer Plattenbauten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Über 100.000 Bauarbeiter und Bausoldaten, Ingenieure und Architekten folgten unter den Fahnen der Solidarität und Völkerfreundschaft dem Ruf in die Usbekische SSR. Viele der am Wiederaufbau Beteiligten blieben nach vollendeten Arbeiten in Taschkent. Die Lebensqualität der neuen Wohnviertel, ein leichterer Zugang zu andernorts knappen Wohnungen und das warme Klima gaben der Stadt, nach der Aufnahme vieler Waisenkinder während des 2. Weltkrieges, einen weiteren Multikulti-Schub.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der „seismische Modernismus“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Moderne hielt Einzug in Taschkent. Breite Prospekte und Alleen sowie großflächige Wohnsiedlungen mit der <a href="https://dom-publishers.com/products/fassadenkunst-im-plattenbau">wohl weltweit größten Vielfalt an Plattenbauten</a> entstanden. Die neu erbauten Wohnhäuser ersetzten die einstöckigen Bauten der Taschkenter Altstadt und dehnten die Ränder des Stadtgebietes mit vielen Neubaugebieten um mehr als die Hälfte aus.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="835" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213-835x1024.jpg" alt="" class="wp-image-44586" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213-835x1024.jpg 835w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213-245x300.jpg 245w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213-768x942.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213-1253x1536.jpg 1253w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213.jpg 1668w" sizes="auto, (max-width: 835px) 100vw, 835px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Archiv Heinz Krüger. Copyright&nbsp;gem. CCO, Museum und Galerie Falkensee</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ausgedehnte Grünanlagen wurden erhalten und erweitert, um das Stadtbild aufzulockern und die kontinentalklimatische Sommerhitze zu lindern. Markante architektonische Experimente bei der Konstruktion öffentlicher Gebäude sowie überdimensionale, orientalisch angehauchte Keramik-Mosaike an vielen Hauswänden verliehen dem Stadtbild zusätzlichen Charme. Die erste Metro und der höchste Fernsehturm in Zentralasien trugen schließlich zur sichtbaren Modernisierung Taschkents bei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-mosaike-von-taschkent-von-den-bruedern-jarsky-zum-kulturerbe/"><strong>Die Mosaike von Taschkent: Von den Brüdern Jarsky zum Kulturerbe</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese gerade im Wohnungsbau sichtbare Spezifik der städtebaulichen Transformation macht Taschkent bis heute zu einem architektonischen Unikat. Der Stil wird gern als „<a href="/www.gisela-graf.com/webyep-system/daten/pdf/PM_E_Seismic_Modernism.pdf">seismischer Modernismus</a>“ beschrieben. Denn neben Moskau und Leningrad leisteten die Wohnungsbaukombinate aller anderen Sowjetrepubliken ihren Beitrag. Sie alle brachten ihre lokaltypischen Hochhaustypen und Wohnungsentwürfe mit und konnten sie in Taschkent umsetzen. So verband sich sowjetische Moderne in allen Varianten zwischen Tallinn, Baku und Nowosibirsk mit orientalisch angehauchtem Charme lokaler Bautradition.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="600" height="900" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_2021_April_000311.jpg" alt="" class="wp-image-44593" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_2021_April_000311.jpg 600w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_2021_April_000311-200x300.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das frühere Inturist&nbsp;und jetzige Hotel Uzbekistan als markantes Beispiel des „seismischen Modernismus“. Foto: Bodo Thöns</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Noch heute findet man an vielen Häuserblöcken aus dieser Zeit gemauerte Inschriften wie „Von Leningrad für Taschkent“, „Kharkov“ oder das „Litauische Viertel“. Nirgends in der Welt findet man eine solche Vielfalt unterschiedlicher Plattenbauten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_Belarus_2026_April_000004-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-44590" style="aspect-ratio:1.3333401151553377;width:1024px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_Belarus_2026_April_000004-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_Belarus_2026_April_000004-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_Belarus_2026_April_000004-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_Belarus_2026_April_000004.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">„Den Taschkentern zum Glück vom belarussischen Volk 1967“. Foto: Bodo Thöns</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der besondere ästhetische Reiz entstand in der Einbindung lokaler Elemente. Vielerorts wurden Schatten spendende Arkaden eingeplant. Durch breite Sonnenschutzgitter wurde die direkte Sonneneinstrahlung an Fensterfronten verringert. Viele Fassaden beeindrucken durch bunte Ornamente und großflächige Panorama-Mosaike mit Motiven von Folklore bis Kosmos.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Platte_Meuser_2017_Sep_0369.jpg" alt="" class="wp-image-44591" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Platte_Meuser_2017_Sep_0369.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Platte_Meuser_2017_Sep_0369-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Platte_Meuser_2017_Sep_0369-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Taschkenter Fassadenschmuck zur Reduzierung der direkten Sonnenstrahlung. Foto: Bodo Thöns</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Architektur und Stadtplanung nach 1966</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der einstige Lenin-Prospekt trägt heute den Namen des damaligen KP-Chefs und „Stadterneuerers“ Sharof Rashidov. Nicht nur das, bereits zum zehnten Jahrestag des Bebens wurde 1976 am Ort des Epizentrums am damaligen Leninprospekt das „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Denkmal_f%C3%BCr_die_Opfer_des_Erdbebens_von_Taschkent_1966">Denkmal des Mutes</a>“ eingeweiht. Die Statue einer der Naturgewalt widerstehenden Familie zeigt Mann, Frau und Kind auf einem gespalten Granitwürfel. Die beiden Würfelhälften zeigen das Datum und die Uhrzeit des Bebens. Es symbolisiert weniger die Katastrophe und die Trauer darüber als vielmehr den Opfermut und Optimismus beim Wiederaufbau der Hauptstadt. Die Unterstützung vieler Bauunternehmen aus allen Ecken der damaligen Sowjetunion findet ihre Würdigung in den Reliefs und Zinnen der den Denkmalplatz schmückenden Umrahmung.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105858-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-44602" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105858-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105858-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105858-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105858-1536x1152.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105858-2048x1536.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bei einem Taschkenter Stadtrundgang führt kein Weg am Denkmal&nbsp;„Mut“ vorbei. Foto: Bodo Thöns</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das heutige Taschkent ist mittlerweile mit über 3,5 Millionen Einwohnern mehr als doppelt so groß. Die Infrastruktur des Zentrums basiert nach wie vor auf dem nach 1966 etablierten Straßennetz. Nach der Unabhängigkeit Usbekistans bekamen viele Aspekte der russisch-sowjetischen Kolonialzeit eine kritische Bewertung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/taschkent-vs-almaty-die-geschichte-zweier-staedte-erzaehlt-anhand-ihrer-gebaeude/"><strong>Taschkent vs. Almaty – die Geschichte zweier Städte erzählt anhand ihrer Gebäude</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Architektur gab es Nostalgie nach dem alten Taschkent. Die Moderne war vielen zu wenig usbekisch und zu stark sowjetisch. <em>„Nicht das Erdbeben, sondern die mit Planierraupen ausgestattete Völkerfreundschaft machten das alte Taschkent dem Erdbeben gleich“</em>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=uPaUl_lKwX4">kommentierte</a> die damals in Taschkent und heute in der Nähe von Jerusalem lebende Schriftstellerin Dina Rubina sarkastisch. Viele öffentliche Gebäude bekamen neue Fassaden. Weißer Marmor mit blauer Verglasung wurde das neue Maß der Dinge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten zehn Jahren intensiver Reformen unter <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> brach ein regelrechter Bauboom aus. Die Stadt dehnt sich gen Norden und Osten aus. Verdichtung im Zentrum ist nun das Zauberwort. Mit dem Abstand der Jahre setzt sich auch ein differenzierterer Blick auf das oft als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Brutalismus">Brutalismus</a> diffamierte Erbe des „seismischen Modernismus“ durch. Seine Einzigartigkeit generiert über die Grenzen des Landes hinaus Neugier und Wertschätzung und neuerdings einen sorgfältigen Umgang mit diesem Erbe. Selbst die Idee eines Antrages für eine Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe steht bereits <a href="https://whc.unesco.org/en/tentativelists/6708/">im Raum</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein deutscher Fotograf war zufällig in Taschkent</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück zum Erdbeben: Zufällig befanden sich in jenen Tagen zwei Reporter der DDR-Zeitschrift „Freie Welt“ wegen eines anderen Redaktionsauftrags in Taschkent. Doch nun wurde für Hans Frosch (Text) und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Kr%C3%BCger_(Fotograf)">Heinz Krüger</a> (Bild) das Erdbeben zum alleinigen Thema. In der Ausgabe 23/66 erschien Anfang Juni auf fünf Seiten ein großer Bericht, wie Taschkent mit den Folgen des Erdbebens klarkam. Ein gutes Dutzend Fotos illustrierten die Reportage. Auf der Reise nach Zentralasien entstanden damals insgesamt knapp 140 Fotos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie befinden sich heute im Foto-Archiv des seitdem berühmt gewordenen Fotografen Heinz Krüger (1919 – 1980). Seine Witwe übergab den u. a. eine über 30.000 Bilder umfassenden Nachlass seiner Heimatstadt Falkensee bei Berlin. In diesem Jahr werden nun einige Taschkenter Fotos wieder einer breiten Öffentlichkeit gezeigt. Einen ersten Vorgeschmack gibt es <a href="https://www.goethe.de/ins/uz/de/ver.cfm?event_id=27267510">am 29. April vor Ort im Taschkenter Goethe-Institut</a>, das dem Erdbeben-Jahrestag eine Gedenkveranstaltung widmet. Einer der Vorträge wird den damaligen Aufnahmen von Heinz Krüger gewidmet sein.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Bodo Thöns</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Redaktionell betreut von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Novastan bedankt sich herzlich beim Autoren sowie beim <a href="http://www.museum-galerie-falkensee.de/">Museum und Galerie Falkensee</a>, die uns freundlicherweise die Bilder zur Verfügung stellen.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/das-taschkenter-erdbeben-1966-wir-beben-aber-wir-geben-nicht-auf/">Das Taschkenter Erdbeben 1966: „Wir beben, aber wir geben nicht auf“</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Wie ein Schüler versucht, tadschikische Mosaike zu retten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2026 21:41:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Chaihona Rohat]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Mosaik]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetische Architektur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein 17-j&#xE4;hriger Sch&#xFC;ler aus Bochtar dokumentiert tadschikische Mosaike, die vielerorts vom Verschwinden bedroht sind. Mit seinem Engagement bewahrt er ein St&#xFC;ck kulturelles Erbe &#x2013; oft dort, wo es sonst unbeachtet verloren gehen w&#xFC;rde. Abdurahmon Karajew besucht die 11. Klasse und f&#xFC;hrt ein normales Leben: Schulalltag, Freunde und Spazierg&#xE4;nge durch die Stadt. Doch gibt es auch [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><br>Ein 17-jähriger Schüler aus Bochtar dokumentiert tadschikische Mosaike, die vielerorts vom Verschwinden bedroht sind. Mit seinem Engagement bewahrt er ein Stück kulturelles Erbe – oft dort, wo es sonst unbeachtet verloren gehen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abdurahmon Karajew besucht die 11. Klasse und führt ein normales Leben: Schulalltag, Freunde und Spaziergänge durch die Stadt. Doch gibt es auch Raum für ein ungewöhnliches Hobby: Systematisch sucht, fotografiert und dokumentiert er tadschikische Mosaike.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer 2025 richtete Abdurahmon seinen Instagram-Account <a href="https://www.instagram.com/tajikmosaics?igsh=MWFsOG9zcjJ2YnNnZg==">tajikmosaics</a> ein. Dort veröffentlicht er Fotos und Videos von Mosaiken – von solchen, die noch erhalten sind und bald verschwinden könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-mosaike-von-taschkent-von-den-bruedern-jarsky-zum-kulturerbe/">Die Mosaike von Taschkent: Von den Brüdern Jarsky zum Kulturerbe</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Interesse an dieser Kunstform entstand in Moskau. Als er mit der U-Bahn fuhr, begann er plötzlich, nach oben zu schauen – auf die Mosaike in den Bahnhöfen: <em>„Einmal habe ich einfach beschlossen, eins dieser Mosaiken über meinem Kopf genauer zu betrachten und merkte, dass es aus winzigen Teilen besteht. Dann erfuhr ich, dass sie aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Smalte">Smalte </a>waren, und das hat mich sehr beeindruckt“</em>, erzählt er.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Diese Leidenschaft festigte sich aber erst zurück in Tadschikistan, als er herausfand, dass dieses Erbe auch dort existiert, und dass es aber rasch verschwindet.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Keine Nostalgie für die UdSSR, sondern ein Gespräch über sein Land</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Abdurahmon unterstreicht: Sein Interesse hat nichts mit einer Idealisierung der sowjetischen Vergangenheit zu tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Mosaike interessieren mich nicht als Teil des sowjetischen Erbes, sondern als Teil der Geschichte unseres Landes, das auch zur Sowjetunion gehörte“</em>, meint er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An den Mosaiken begeistern ihn gleich mehrere Aspekte: der historische Wert, die kunstvolle Komplexität und ihr harmonisches Zusammenspiel mit der umgebenden Architektur. <em>„Aus Glas und Stein ganze Meisterwerke zu schaffen – das ist unglaublich faszinierend.  Dabei fügen sie sich so harmonisch in die Architektur der Stadt ein, was ich über moderne Neubauten nicht behaupten kann.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade der Kontrast mit den zeitgenössischen Gebäuden ist einer der Gründe, warum er anfing, die Mosaike zu dokumentieren.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/03/Rohat-a-prendre-1536x1152-1-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-38690" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/03/Rohat-a-prendre-1536x1152-1-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/03/Rohat-a-prendre-1536x1152-1-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/03/Rohat-a-prendre-1536x1152-1-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/03/Rohat-a-prendre-1536x1152-1.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Inzwischen Abgerissen: Das Teehaus Rohat, Foto: Judith Robert/Novastan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Abriss der <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-geschichte-des-legendaeren-teehauses-rochat-in-duschanbe/">Teestube Rohat</a> [eine wahre Perle im Herzen der Stadt, die für ihre künstlerische und historische Bedeutung geschätzt wurde, aber für viele Einwohnende auch einen emotionalen Wert hatte. Gegen ihren Abriss haben sich ungewöhnlich viele engagiert, dies hat aber nicht geholfen, A. d. Ü.], des Kinotheaters Tadschikistans, des Majakowskij-Theaters  – diese Liste kann man ohne Ende weiterführen, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-geschichte-des-legendaeren-teehauses-rochat-in-duschanbe/">Die Geschichte des legendären Teehauses „Rohat“ in Duschanbe</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders schmerzhaft war für ihn die Nachricht, dass nun auch die Mosaik mit Abu Ali Ibn Sino (Avicenna) abgerissen wird:<em> „Das Haus ist schon von einem Zaun gesperrt und wird bald abgerissen. Dabei ist das eins der bekanntesten Mosaiken in Zentralasien und überhaupt die bekannteste, wo Avicenna abgebildet ist. Und es befindet sich ausgerechnet in Tadschikistan!“</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Abu-Ali-Ibn-Sina-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-44550" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Abu-Ali-Ibn-Sina-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Abu-Ali-Ibn-Sina-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Abu-Ali-Ibn-Sina-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Abu-Ali-Ibn-Sina.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kurz vor dem Abriss: Abu Ali Ibn Sino (Avicenna) Mosaik in Duschanbe. Foto: Paulina Heine/Novastan</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Auf Mosaiksuche</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Bochtar (besser bekannt als Qurghonteppa, A. d. Ü.) sind nicht viele Mosaike erhalten geblieben. Abdurahmon hat die ganze Stadt abgeklappert und hat sogar ein Wandbild gefunden, von dem nicht mal die Bewohner:innen des Ortes wussten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Derzeit kennt er mindestens acht Mosaike, die erhalten sind, unter denen eine Arbeit von <a href="http://oknasocrealisma.com/authors/sharipov-sabzali-nigmatovich-2/">Sabzali Scharipow</a>, zur Hälfte von einem angebauten Laden verdeckt. Einige Mosaike sind an sich „erhalten“, man kann sie aber nicht sehen: Einige sind komplett mit Putz bedeckt, andere übermalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die stärksten Emotionen empfindet der Schüler bei zufälligen Funden. Wie zum Beispiel beim Mosaik von Ikarus im halbverfallenen Haus der Kultur der Transformatorenfabrik: <em>„Wir haben ein Gebäude ohne Dach gesehen. Wir haben den Wachmann darum gebeten, uns reinzulassen, und haben wahnsinnig schöne Fresken und Mosaike gefunden. Wir waren einfach begeistert.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Und einmal entdeckte er einen ganzen Saal, vollständig mit Mosaiken verziert. Das war ein ehemaliger Bankettsaal. <em>„Stellen Sie sich das nur vor: in einem Raum zu Abend zu essen, wo alle Wände mit Mosaiken verziert sind“</em>, schwärmt Abdurahmon.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Menschen beginnen, die Dinge mit anderen Augen zu sehen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die Frage, ob er seine Altersgenossen für dieses ungewöhnliche Hobby begeistern konnte, antwortete er mit einem klaren „Ja“. Mit seinen Freunden – Abdullo, Obid und Adham – ist er sogar in andere Städte auf der Suche nach Mosaiken gegangen. Aber auf ähnlichen Suchaktionen ist er meistens allein – denn schließlich, gibt er zu, kann dieser Prozess ziemlich anstrengend sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Eines weiß ich aber genau: Mit meinem Interesse konnte ich nicht wenige Leute begeistern, vor allem in Dushanbe“</em>, erzählt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/hier-lebten-ranewskaja-achmatowa-schwarz-duschanbes-abgerissene-haeuser-und-ihre-beruehmten-bewohner/">Hier lebten Ranewskaja, Achmatowa, Schwarz… – Duschanbes abgerissene Häuser und ihre berühmten Bewohner</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Besondere Unterstützung erlebte er, als er letzten Sommer seinen <a href="https://www.instagram.com/tajikmosaics?igsh=MWFsOG9zcjJ2YnNnZg==">Instagram-Account</a> eröffnete. Dort veröffentlicht Abdurahmon regelmäßig gefundene Mosaike, und konzentriert sich dabei weniger auf Duschanbe, sondern vor allem auf die anderen Regionen des Landes.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Archiv für die Zukunft</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die Frage nach der Zukunft der Mosaike antwortete Abdurahmon, dass die beste Lösung wäre, sie einfach nicht anzurühren. Noch besser wäre es aber, ihnen den Status eines Kulturerbes zu verleihen. Seiner Beobachtung nach ist das Schicksal der Mosaike in Tadschikistan eins der traurigsten in den postsowjetischen Ländern. Besonders in den abgelegeneren Regionen, wo Abrissarbeiten unbemerkt voranschreiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/duschanbe-die-sowjetische-architektur-verschwindet/">Duschanbe: Die sowjetische Architektur verschwindet</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Menschen verstehen nicht, dass Mosaike Geschichte, Kunst, Architektur und touristisches Potenzial in einem sind“</em>, beklagt Abdurahmon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abdurahmon träumt davon, dass sein Instagram-Account Teil eines großen Projekts wird – eines Archivs oder einer Ausstellung: <em>„Ich wäre bereit, alle meine Archive und Daten, die ich zwei Jahre lang gesammelt habe, zur Verfügung zu stellen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bislang hat er keine professionelle Kamera – die meisten Aufnahmen sind mit den Handys von Freunden oder mit der Schulkamera entstanden, die er sich manchmal ausleiht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber vielleicht sind es gerade diese Fotos, die in 20 Jahren der einzige Beweis dafür sein werden, wie die Städte Tadschikistans aussahen…</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Weitere Fotos befinden sich im Artikel von <a href="https://asiaplus.news/2026/02/26/kak-shkolnik-iz-bokhtara-pytaetsya-sokhranit-tadzhikskie-mozaiki/">Asia-Plus</a> und auf <a href="https://www.instagram.com/tajikmosaics?igsh=MWFsOG9zcjJ2YnNnZg==">Instagram</a>.</em></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Alina Valamat-Zade für Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://stanradar.com/news/full/59355-kak-shkolnik-iz-bohtara-pytaetsja-sohranit-tadzhikskie-mozaiki-.html"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Giulia Manca</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/wie-ein-schueler-versucht-tadschikische-mosaike-zu-retten/">Wie ein Schüler versucht, tadschikische Mosaike zu retten</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<item>
		<title>Schafsmilchprodukte: Eine fast vergessene Tradition Kasachstans</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vlast]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 18:43:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kurut]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Qurt]]></category>
		<category><![CDATA[Schafe]]></category>
		<category><![CDATA[Schafsmilch]]></category>
		<category><![CDATA[Vieh]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Q&#x16B;rt und Butter aus Schafsmilch findet man heute fast nirgendwo. Dabei war gerade Schafsmilch fr&#xFC;her die wichtigste Lebensgrundlage. Die Historikerin und Forscherin Ali&#x131;a Bolathan erz&#xE4;hlt f&#xFC;r unser Partnermedium Vlast, wie man im Dorf Aqqa&#x131;nar im Bezirk Merk&#x456; Butter und Q&#x16B;rt aus Schafsmilch zubereitet. In der Nomadenzeit war das ein verbreiteter Brauch, heute passiert das aber [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Qūrt und Butter aus Schafsmilch findet man heute fast nirgendwo. Dabei war gerade Schafsmilch früher die wichtigste Lebensgrundlage. Die Historikerin und Forscherin Aliıa Bolathan erzählt für unser Partnermedium Vlast, wie man im Dorf Aqqaınar im Bezirk Merkі Butter und Qūrt aus Schafsmilch zubereitet. In der Nomadenzeit war das ein verbreiteter Brauch, heute passiert das aber selten.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir über traditionelle Gerichte der kasachischen Küche reden, nennt man gleich Käse (irimşik), Butterschmalz (sary maı) und eben Qūrt – die kleinen, harten Kugeln aus getrocknetem Joghurt. Heute scheint es selbstverständlich, dass man sie aus Kuhmilch erstellt. Vor nur einem Jahrhundert erstellte man sie jedoch auf der Grundlage von Schafsmilch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um zu sehen, wie dieser vergessene Geschmack sich erhalten hat, muss man auf die Hochweiden in den Bergen des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Audan_Merki">Bezirks Merkі</a>– dorthin, wo die Einwohner so wie frühere Generationen bis heute Schafe melken und Qūrt erstellen. Vom Dorf bis zur Hochweide sind es circa 60-70 Kilometer. Der Weg ist aber beschwerlich: Autos kommen nicht durch, man kommt nur zu Pferd hoch.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Historischer Hintergrund</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Schafsmilch die Grundlage der Milchprodukte der kasachischen Küche. Laut Forschungen waren am Ende des 17. Jahrhunderts bei den Kasachen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jüngere_Horde">Jüngeren Horde</a> Pferde und Schafe die verbreitetsten Vieharten, während der Anzahl der Kühe und Kamelen zwischen 0 bis 1 Prozent betrug. Laut Daten aus einer ethnographischen Expedition um 1922 machte Kuhmilch nur 10 Prozent des Milchkonsums einer kasachischen Familie aus.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die unbedeutende Rolle größeren Hornviehs im traditionellen Haushalt der Kasachen liegt an mehreren Faktoren. Kühen fallen zum Beispiel die langen Wanderungen schwer, denn sie können mehrere Tausende Kilometer dauern; außerdem benötigen sie bei weitem mehr Pflege, vor allem im Winter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Relevant ist außerdem, dass Schafsmilch bedeutend nahrhafter als Kuhmilch ist: 4340 gegen 2640 Kalorien, fast doppelt so vi<em>el</em> (6,7 gegen 3,6 Prozent) sowie fast doppelt so viel Eiweiß (5,8 gegen 3,0 Prozent).</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zu unserer Motivation</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Letzten Sommer, bei der Arbeit an einem Text über Qūrt für die Zeitschrift <em>Ancient Futures</em>, realisierte unser Team, dass unser Verständnis von Qūrt sehr vereinfacht war. Denn in der Tat ist das nicht nur ein Lebensmittel: Es trägt in sich ein besonderes und komplexes Verständnis von Ernährung, Körper, Erinnerung und Steppe. Ein Fakt insbesondere ließ mich persönlich nicht los: Laut den Quellen, galt gerade Schafsmilch als die nahrhafteste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bekam Lust, den Geschmack zu probieren, und eine einfache Frage wurde umso bedeutender: Warum habe ich, die mein ganzes Leben in Kasachstan verbracht habe, noch nie Qūrt aus Schafmilch gesehen? Denn heutzutage gibt es unzählige Sorten davon: aus Kuh-, Kamel-, Ziegen- und sogar mit Zugabe von Stutenmilch – aber nicht aus Schafsmilch!</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="771" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/d7e3b94bcd522cdb222c437520c4e8a2_autox1200-1024x771.jpg" alt="" class="wp-image-44496" style="aspect-ratio:1.328168158214562;width:746px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/d7e3b94bcd522cdb222c437520c4e8a2_autox1200-1024x771.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/d7e3b94bcd522cdb222c437520c4e8a2_autox1200-300x226.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/d7e3b94bcd522cdb222c437520c4e8a2_autox1200-768x578.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/d7e3b94bcd522cdb222c437520c4e8a2_autox1200-1536x1156.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/d7e3b94bcd522cdb222c437520c4e8a2_autox1200.jpg 1593w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Photo: Aliıa Bolathan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wie kommt es, dass wir fast nie von Schafsmilch hören, die vor nicht mal hundert Jahren die Grundlage der ganzen Milchkultur der nomadischen Kasachen war? Diese Fragen waren nicht weniger wichtig als der Geschmack selbst. Experten für Schafzucht bestätigten: In Kasachstan gibt es keine Schafsmilchproduktion in industrieller Menge. Schafe sind nur in der Fleischindustrie vertreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also machte ich mich auf der Suche nach einzelnen Haushalten, die noch Schafe melken. So kamen wir diesen Sommer zu Onkel Nesiphan und Tante Roziköl („Onkel“ und „Tante“ ist hier als respektvolle Bezeichnung für ältere Menschen zu verstehen, Anm. d. Ü.). Sie hießen uns herzlich willkommen, zeigten uns den Melkprozess, und wir durften traditionelle Schafmilch probieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Anfang wollten wir das Melken auf der Weide beobachten, aber Tante Roziköl erklärte uns am Telefon, dass man dorthin nur zu Pferde kommt, und dass der Anstieg zwei Stunden dauert. Für die, die das nicht gewohnt sind, ist das fast unmöglich. Stattdessen hat sie uns eine Alternative vorgeschlagen: Zum Dorf kommen, wo sie die Schafe nach der Sommerzeit bringen, um sie nach einer Weile weiter ins Winterlager zu treiben. So konnten wir den Melkprozess beobachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kurut-die-weissen-steine-die-gegen-hunger-helfen/"><strong>Kurut – Die weißen Steine, die gegen Hunger helfen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das weiße am Rand. Jelіnі syzdap tūrğanyn usta ūsta (Halt es fest, ihr Euter füllt sich)“</em>, sagt Tante Roziköl. Eljas, der Enkel von Onkel Nesiphan, fasst geschickt das Hinterbein des Schafs und umarmt es. In den ersten Sekunden zuckt das Tier, beruhigt sich aber fast sofort. Es wird fest, aber nicht grob gehalten. In dieser Bewegung liegen Kraft und Zärtlichkeit zugleich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a></a>Tante Roziköl setzt sich daneben, einen Eimer schon in der Hand, und mit einem leisen, kaum hörbaren Geräusch fließt die Milch ins Metall. Dieser zweiminütige Alltagsmoment verkörpert die Weitergabe des Wissens von den Älteren an die Jüngeren, die Koexistenz von Mensch und Tier, den Rhythmus des Steppenlebens, der in Büchern selten zum Ausdruck kommt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Menschen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Onkel Nesiphan ist ein angesehener Hirte der Region und betreibt die Schafzucht seit 1981. Im Sommer sagt er „<em>tauğa shyğamyz“ – „wir steigen ins Gebirge“</em>. Im Winter sagt er <em>„qūmğa ketemiz“ – „wir gehen in die Wüste“</em>. Der saisonale Rhythmus der Familie bleibt bis heute erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Dreißig Jahre lang habe ich auf der Hochweide gegen Wölfe gekämpft. Aber vor drei Jahren sind die Wölfe verschwunden. Jetzt ist es ruhig“</em>, fügte Onkel Nesiphan hinzu. In diesem Satz erklingt nicht nur die wortwörtliche Erfahrung eines Menschen, dessen Herde Jahrzehntelang von Gefahr von Raubtierangriffen bedroht war, sondern auch eine symbolische Bestätigung eines gelebten Lebens, ein Leben als Ausdruck seiner Autorität und Kompetenz.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Saisonalität</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Melksaison beginnt mit der Trennung der Jungtiere von den Mutterschafen nach der ersten Augustwoche, etwa fünf Monate nach der Geburt. Nach der Trennung hört die Milch nicht sofort auf zu fließen. Man muss sie melken: zuerst jeden Tag, dann alle zwei Tage oder seltener, und so fließt die Milch innerhalb von drei-vier Wochen auf natürliche Weise ab. Ansonsten, wie man hier sagt, <em>„malğa obal”</em> – ist es für das Tier schädlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man in dieser kurzen Zeit 250–300 Schafe melkt, bekommt man eine ordentliche Menge an Butter und Qūrt für den Wintervorrat. Zum Beispiel etwa zwei Qaryn frischer Butte (ein Qaryn entspricht 5-6 kg) und ein Qap Qūrt (70 kg). Für ein Kilogramm Qūrt benötigt man acht-zehn Liter Schafsmilch, und für einen Qaryn Butter braucht man 55 Liter Milch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier muss man berücksichtigen, dass die Tiere gegen Ende ihrer Laktationsperiode deutlich weniger Milch produzieren. Unter natürlichen Umständen geben Schafe in den ersten 60 Tagen am meisten Milch, danach nimmt die Milchproduktion ab.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="819" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/fffc4d89f6b23da7c0d36b565f163aff_autox1200-1024x819.jpg" alt="" class="wp-image-44495" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/fffc4d89f6b23da7c0d36b565f163aff_autox1200-1024x819.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/fffc4d89f6b23da7c0d36b565f163aff_autox1200-300x240.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/fffc4d89f6b23da7c0d36b565f163aff_autox1200-768x614.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/fffc4d89f6b23da7c0d36b565f163aff_autox1200.jpg 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Photo: Baurjan Bismildin</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn TanteRoziköl die Schafe diese ganze Periode lang melken würde, wäre der Ertrag viel höher. Doch tut sie dies nicht wegen der Milch oder der Milchprodukte. Die Fortsetzung der Praxis des Schafmelkens ist keine <em>„Tradition um der Tradition willen”</em>. Es ist Wissen, das sich in den Händen, Gesten und im Rhythmus der Weide widerspiegelt. Man kann es als Teil der kulturellen Ökologie verstehen – verwurzelt im natürlichen Kreislauf der Tierpflege und der Aufrechterhaltung der Beziehung zwischen Mensch und Herde, wo das Melken weniger ein wirtschaftlicher Vorteil als vielmehr eine Form der Teilhabe am Leben der Steppe ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass Tante Roziköl und Onkel Nesiphan weiterhin Schafe melken, scheint heute eine Ausnahme zu sein. Vor knapp hundert Jahren war Schafsmilch die Grundlage der Milchkultur der Kasachen, aber nach und nach rückte diese Praxis in den Hintergrund. Im Nomadenleben spielten Schafe und Pferde eine Schlüsselrolle, während Kühe eine unbedeutende Rolle spielten: Sie vertrugen lange Wanderungen schlecht und erforderten im Winter mehr Pflege.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/ich-liebe-kamele-denn-ihre-milch-hat-meinen-vater-geheilt-ein-ausflug-zu-einer-kamelfarm-im-ferganatal/"><strong>„Ich liebe Kamele, denn ihre Milch hat meinen Vater geheilt“ – ein Ausflug zu einer Kamelfarm im Ferganatal</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Kolonialzeit änderte sich die Situation: Das Aufkommen von Kühen bei den Kasachen hängt mit den Kontakten zu ihren Nachbarn zusammen, sowie mit der Umsiedlungspolitik und den veränderten Handelsprioritäten. Allmählich wurde die Kuh vom „schlechtesten Vieh“ (maldy<em>ñ</em> jamany siır) zu einem wertvollen Tier ( siır p<em>ū</em>l boldy). Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand eine kasachische Rasse, die die Grundlage für die weitere Züchtung und Verbreitung bildete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Sowjetzeit verstärkte sich dieser Wandel: Der Ansatz basierte auf industrieller Produktion und Verarbeitung sowie standardisierten Rohstoffen. Kuhmilch erwies sich als besser für das System geeignet, während Schafe in der Fleisch- und Wollproduktion Fuß fassten. Das Motto der 1960er Jahre „Schafzucht – die zweite Neulanderschließung” machte Kasachstan zum führenden Ersteller von Wolle und Lammfleisch, aber die Milchwirtschaft, einst die Grundlage des Nomadenlebens, verschwand aus den Statistiken und aus der öffentlichen Wahrnehmung der Küche.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Weitere Bilder findet ihr im </em><a href="https://vlast.kz/life/66314-kak-delaut-maslo-i-kurt-iz-ovecego-moloka.html"><em>Originalartikel</em></a><em>.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aliıa Bolathan (Text) und Baurjan Bismildin (Fotos) für Vlast</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Übersetzt aus dem </strong><a href="https://vlast.kz/life/66314-kak-delaut-maslo-i-kurt-iz-ovecego-moloka.html"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Giulia Manca</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Was es im Museum für Zeitgenössische Kunst in Urgentsch zu sehen gibt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Gazeta.uz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 21:34:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Urgentsch]]></category>
		<category><![CDATA[zeitgenössische Kunst]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit einigen Jahren &#xF6;ffnet sich Usbekistan zunehmend f&#xFC;r den internationalen Tourismus. Parallel dazu entstehen und etablieren sich lokale Museen, die sowohl ein internationales als auch ein einheimisches Publikum anziehen sollen. Eines dieser sehenswerten H&#xE4;user befindet sich in Urgentsch und ist in einem ehemaligen Postamt untergebracht. Seine Geschichte reicht jedoch deutlich weiter zur&#xFC;ck und kn&#xFC;pft an [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Seit einigen Jahren öffnet sich Usbekistan zunehmend für den internationalen Tourismus. Parallel dazu entstehen und etablieren sich lokale Museen, die sowohl ein internationales als auch ein einheimisches Publikum anziehen sollen. Eines dieser sehenswerten Häuser befindet sich in Urgentsch und ist in einem ehemaligen Postamt untergebracht. Seine Geschichte reicht jedoch deutlich weiter zurück und knüpft an eigene gewachsene Traditionen an. Im Gespräch mit der Museumsdirektorin ergeben sich Einblicke in die Sammlung und die Exponate.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur wenige wissen, dass sich in der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Choresmien">Choresmien</a> nicht nur die alte Geschichte Usbekistans entdecken lässt, sondern auch seine Gegenwart in der Kunst. Im Museum für Zeitgenössische Kunst Usbekistans (CAMUZ) in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Urganch">Urgentsch</a> sind mehr als 3000 Werke versammelt. Es ist eine Sammlung, die überrascht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Museum vereint nicht nur die 115-jährige Geschichte seines Gebäudes mit dem reichen kulturellen Erbe von Choresmien, sondern auch mit jenem ganz Usbekistans. Die Sammlung umfasst Gemälde, Fotografien, Skulpturen sowie Objekte des Kunsthandwerks. Gleichzeitig versteht sich das Haus als Plattform für internationale Projekte und Bildungsprogramme.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Direktorin-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-44441" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Direktorin-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Direktorin-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Direktorin-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Direktorin-1536x1025.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Direktorin.jpg 1680w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Direktorin Schirin Taschewa erzählt von den Anfängen, prägenden Projekten und den Ambitionen, die das Museum heute zu einem kulturellen Zentrum der Stadt machen, Foto: Gazeta.uz.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Postamt zum Museum</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gebäude, in dem sich heute das Museum befindet, gehört zu den ältesten in Urgentsch und steht unter Denkmalschutz. Errichtet wurde es 1910 als zentrales Postamt. Damals handelte es sich um ein wichtiges Gebäude für die Kommunikation zwischen Choresmien und dem Russischen Imperium, unter dessen Protektorat es stand. Architektonisch folgt das Gebäude der traditionellen orientalischen Bauweise: gelber Backstein, fein geschnitzte Säulen und ein offener Ajwan-Bereich prägen das Erscheinungsbild. Auch zu Sowjetzeiten blieb die Post in Betrieb, bis sie 1967 geschlossen wurde. Danach stand das Haus jahrelang leer.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:%D0%9E%D1%82%D0%BA%D1%80%D1%8B%D1%82%D1%8B%D0%B9_%D0%90%D0%B9%D0%B2%D0%B0%D0%BD_%D0%B2%D0%BE_%D0%B4%D0%B2%D0%BE%D1%80%D0%B5_%D0%BC%D1%83%D0%B7%D0%B5%D1%8F_%D1%81%D0%BE%D0%B2%D1%80%D0%B5%D0%BC%D0%B5%D0%BD%D0%BD%D0%BE%D0%B3%D0%BE_%D0%B8%D1%81%D0%BA%D1%83%D1%81%D1%81%D1%82%D0%B2%D0%B0_%D0%A3%D0%B7%D0%B1%D0%B5%D0%BA%D0%B8%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%B0_CAMUZ_%D0%B2_%D0%A3%D1%80%D0%B3%D0%B5%D0%BD%D1%87%D0%B5.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Ajwan-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-44442" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Ajwan-768x1024.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Ajwan-225x300.jpg 225w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Ajwan-1152x1536.jpg 1152w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Ajwan.jpg 1387w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Aktuelle Fotografie des Ajwan, Foto: Gazeta.uz</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">In den 1980er Jahren wurde das Gebäude wiederbelebt. Eine Gruppe von Künstler:innen und Aktivist:innen schlug vor, in Urgentsch eine dauerhafte Galerie einzurichten. Das ehemalige Postgebäude überzeugte sie. Es war zentral gelegen und räumlich großzügig. 1982 wurde hier schließlich die städtische Galerie eröffnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst blieb die Galerie jedoch weitgehend unbekannt und erfreute sich nur wenigen Besuchenden. 2008, als die Direktorin Schirin Taschewa ihr Amt antrat, legte das Museum allmählich an Bekanntheit zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Als ich anfing, war das Museum praktisch leer“, erinnert sie sich. „Also habe ich selbst Flyer gedruckt, Schulen und Universitäten besucht und die Menschen eingeladen. Nach und nach kamen sie.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Erfolg beigetragen hat womöglich eine ihrer Ideen: Sie führte Einzelausstellungen für lokale Künstler:innen ein, denen die Galerie kostenlos Räume zur Verfügung stellte. Neben organisatorischer Unterstützung servierte sie zur Eröffnung jeweils das traditionelle Gericht <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pilaw">Plow</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Offenheit veränderte die Atmosphäre grundlegend. Künstler:innen begannen, die Galerie als Treffpunkt zu begreifen, die Stadtbewohner als zugänglichen Kulturort. Aus einem stillen Haus wurde ein lebendiger Raum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2017 erlebte das Museum einen neuen Wendepunkt seiner Geschichte, indem es seinen heutigen Namen erhielt: „Museum für Zeitgenössische Kunst in Usbekistan“. Mit der neuen Namensgebung kam auch die Öffnung hin zur internationalen Zusammenarbeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Sammlung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Heute umfasst die Sammlung mehr als 3000 Exponate: Malerei, Grafik, Fotografie, Skulptur, Keramik, kunsthandwerkliche Objekte, traditionelle Kleidung und Alltagsgegenstände. Sie ist über die Jahre durch Ankäufe, Atelierbesuche und Schenkungen gewachsen. Eine ursprüngliche Tradition hat bis heute Bestand: Nach einer Einzelausstellung bleibt mindestens ein Werk im Museum. Allein in den vergangenen vier Jahren kamen über 30 Arbeiten durch staatliche Kulturinstitutionen hinzu. Aus diesem Grund sind heute bis zu 200 Künstler:innen vertreten, darunter bekannte Namen der Region ebenso wie etablierte Vertreter der usbekischen aber auch internationalen Kunstszene.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Sammlung ist stilistisch sehr vielfältig – vom Impressionismus und Pointillismus bis hin zu Kubismus, Abstraktion und Konzeptkunst“, sagt Taschewa. „Gerade diese Vielfalt macht das Museum interessant – für Fachleute ebenso wie für ein breites Publikum.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Dauerausstellung verteilt sich auf zwei Säle. Der größere widmet sich der Kunst Choresmiens – ein Bereich, der zeigt, wie eigenständig und lebendig die lokale Kunstszene ist. Der kleinere Raum ist der Grafik vorbehalten: feine Linien, präzise Kompositionen, Arbeiten aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschkent">Taschkent</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro">Buchara</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand">Samarkand</a> und Choresmien. Ein dritter Saal bleibt bewusst flexibel. Hier finden wechselnde Ausstellungen und internationale Projekte statt. Es ist das Rezept, das das Museum in Bewegung hält.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><a href="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Praktikantin.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="720" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Praktikantin.jpg" alt="" class="wp-image-44443" style="width:960px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Praktikantin.jpg 960w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Praktikantin-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Praktikantin-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Eine Museumspraktikantin, Foto: Gazeta.uz</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein sozialer Raum</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Heute ist CAMUZ längst mehr als ein klassischer Ausstellungsort: Das Haus hat sich zu einem lebendigen Treffpunkt entwickelt, an dem Kunst nicht nur gezeigt, sondern gemeinsam erlebt wird. Unterschiedlichste Formate bringen Menschen zusammen und machen das Museum zu einem offenen Raum für Austausch und neue Perspektiven. Internationale Projekte prägen dabei zunehmend das Profil und öffnen den Blick über die Region hinaus, während Kooperationen und wachsende Netzwerke die Dynamik weiter verstärken. Ein weiteres Herzstück ist die Bibliothek des Museums. Sie entstand durch Schenkungen von Bürger:innen, Künstler:innen und Organisationen und umfasst heute rund 14.000 Bände – von Literatur bis hin zu kunsthistorischen Werken und Ausstellungskatalogen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Blick nach vorn</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die kommenden Jahre sind ehrgeizig geplant: Acht internationale Projekte stehen an, darunter Ausstellungen aus Großbritannien und Japan. Parallel dazu baut das Museum seine Bildungsprogramme aus. Gleichzeitig steht das Gebäude vor einer grundlegenden Sanierung. Tragstrukturen, Technik und Fassade müssen erneuert werden, die Ausstellungsräume modernisiert. Ebenso steht eine Restaurierung an. Geplant ist zudem ein Auktionsraum, in dem Werke während Ausstellungen verkauft werden können. Davon erhofft sich Taschewa einen Impuls für den lokalen Kunstmarkt und die finanzielle Unterstützung der lokalen Künstler:innen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das Museum möchte in erster Linie vom Publikum geliebt werden. Seine gesamte Tätigkeit richtet sich an die Bewohner der Stadt, und uns ist wichtig, diese Zuneigung zu erwidern. Unsere Mission ist es, durch kulturelle Veranstaltungen gute Stimmung und Wärme zu vermitteln und einen Raum für den Austausch aller gesellschaftlichen Gruppen zu schaffen. Kunst soll Menschen verbinden, für jeden zugänglich sein und immer in der Nähe derjenigen bleiben, die sie zu schätzen wissen“, schließt Schirin Taschewa.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Farzona Chamidowa für Gazeta.uz</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Gekürzt aus dem Russischen von <a href="https://novastan.org/de/author/bzeller/">Berenika Zeller</a></strong></p>
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		<title>Usbekisches Piraten-Computerspiel schlägt auf Steam hohe Wellen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[bstoeckl]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 16:48:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Computerspiel]]></category>
		<category><![CDATA[Gaming]]></category>
		<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Windrose]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kanonenfeuer, Pl&#xFC;nderungen und Beutez&#xFC;ge: Das Piraten-Computerspiel Windrose, welches vom usbekischen Studio Windrose Crew entwickelt wird und demn&#xE4;chst auf der Gaming-Plattform Steam erscheinen soll, wurde bereits von &#xFC;ber 1,5 Millionen Nutzern auf die pers&#xF6;nliche Wunschliste gesetzt. Das Action-Adventure-Spiel wurde urspr&#xFC;nglich unter dem Namen &#x201C;Crosswind&#x201D; vermarktet. Nach der Ank&#xFC;ndigung im August letzten Jahres unterlief es im Dezember [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kanonenfeuer, Plünderungen und Beutezüge: Das Piraten-Computerspiel <em>Windrose</em>, welches vom usbekischen Studio <em>Windrose Crew </em>entwickelt wird und demnächst auf der Gaming-Plattform Steam erscheinen soll, wurde bereits von über 1,5 Millionen Nutzern auf die persönliche Wunschliste gesetzt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Action-Adventure-Spiel wurde ursprünglich unter dem Namen “Crosswind” vermarktet. Nach der Ankündigung im August letzten Jahres unterlief es im Dezember allerdings noch einem Rebranding, bei dem sich die Entwickler schlussendlich auf den Namen <em>Windrose </em>einigten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine <a href="https://store.steampowered.com/app/4291770/Windrose_Demo/">Demoversion</a> des Spiels, in der erste Quests und insgesamt drei Inseln bespielbar sind, wurde bereits auf Steam hochgeladen. Sie erhielt sehr positive Reviews von mehr als 3400 Nutzern.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Entwickler des Spiels zeigten sich vom Interesse der Steam-Nutzer überwältigt. „<em>Danke, dass ihr die Demo spielt, Feedback gebt, Reviews schreibt, eure Builds zeigt, diskutiert, Ideen teilt und eure Freunde einladet. Danke, dass ihr zeigt, dass Windrose euch etwas bedeutet – und dieses Gefühl weitertragt. Noch vor wenigen Wochen hätten wir uns all das kaum vorstellen können</em>“, heißt es in einer <a href="https://store.steampowered.com/news/app/3041230/view/498346952550778886">Erklärung</a> von <em>Windrose Crew </em>auf Steam.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gameplay</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Windrose </em>ist ein “Open-World-Spiel”, in dem der Spieler verschiedene automatisch generierte Biome erforschen muss, um Quests zu erfüllen und Geheimnisse aufzudecken. Das Spiel reiht sich in das Genre der sogenannten “Survival”-Spiele ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Hauptcharakter, der vom Spieler nach Belieben kreiert und bearbeitet werden kann, ist ein abtrünniger Piratenkapitän, der dem berühmt-berüchtigten englischen Piraten <em>Blackbeard</em> getrotzt hat. Ziel des Spiels ist es, seine eigene Piratencrew aus Mitspielern oder Nicht-Spieler-Charakteren (NPC) zu formen, um sich in terrestrischen und nautischen Kämpfen gegen seine Widersacher zu behaupten. Zudem muss man neue Ausrüstung wie Säbel und Musketen plündern, um so gut wie möglich auf den nächsten Kampf vorbereitet zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wir-haben-einen-originellen-kulturellen-code-den-es-nirgendwo-sonst-gibt-aika-alemi-zur-kreativwirtschaft-in-kasachstan/">„Wir haben einen originellen kulturellen Code, den es nirgendwo sonst gibt“ – Aika Alemi zur Kreativwirtschaft in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Experten lobten vor allem den innovativen Ansatz des Spiels, welcher das Genre der “Koop-Survival”-Spiele &#8211; in denen Spieler zusammenarbeiten müssen, um zu überleben &#8211; in einem neuen Umfeld stattfinden lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">“<em>[Windrose] bedient genau dieses Verlangen nach Koop-Survival-Crafting, tauscht aber die typische Wald- oder Fantasy-Kulisse gegen ausgiebige Erkundung auf See und – überraschenderweise – „Soulslike“-Kämpfe [Computerspielgenre, das einen hohen Schwierigkeitsgrad beinhaltet, Anm. d. Red.] ein. Das funktioniert wirklich gut</em>”, <a href="https://alineaanalytics.substack.com/p/steam-next-fests-wishlist-winners">schreibt</a> Rhys Elliott, Leiter der Marktanalyse beim Marktforschungsunternehmen Alinea Analytics.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Aufstieg von Gaming in Zentralasien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gaming-Industrie in Zentralasien hat in den letzten zehn Jahren einen kometenhaften Aufstieg erlebt, wobei vor allem Kasachstan große Sprünge im Gaming-Bereich vorweisen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Früher als Freizeitaktivität für Kinder und Jugendliche belächelt, finden dort heute internationale Wettbewerbe bekannter Spiele mit hochrangigen Teilnehmern statt, wie etwa das PGL Astana 2025 Counter-Strike 2 im Mai letzten Jahres, das ein <a href="https://www.pglesports.com/cs2/pgl-astana-2025/">Preisgeld von $1,250.000</a> beinhaltete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hierbei spielen vor allem die Entwicklung der digitalen Infrastruktur, die wachsende Unterstützung der kasachischen Regierung sowie die Erfolge kasachischer E-Sportler auf der internationalen Bühne eine wichtige Rolle. Letztes Jahr wurde ein <a href="https://adilet.zan.kz/rus/docs/P2500000399">Konzept zur Entwicklung des Cybersports in Kasachstan bis 2029</a> verabschiedet, mit dem die Regierung den Ausbau der digitalen Infrastruktur und die Förderung vielversprechender E-Sportler vorantreiben möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/setz-nicht-die-wohnung-deiner-mutter-aufs-spiel-wie-man-mit-10-000-som-ein-unternehmen-gruendet/">„Setz‘ nicht die Wohnung deiner Mutter aufs Spiel“ – Wie man mit 10.000 Som ein Unternehmen gründet</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Usbekistan, wo <em>Windrose Crew</em> seinen Sitz hat, ist die Gaming-Industrie im Aufwind. <a href="https://app2top.com/industry/how-is-the-gaming-industry-developing-in-uzbekistan-285151.html">Steuervorteile und günstige Konditionen für Startups</a> sorgen dafür, dass zahlreiche ausländische Firmen im bevölkerungsreichsten Land Zentralasiens eine Präsenz aufbauen. So gibt es mittlerweile neben 147 Indie-Teams und 2 Verlagen auch insgesamt 30 Entwicklerstudios, die Computerspiele konzipieren und entwickeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">“<em>Seit Beginn unserer Tätigkeit in Usbekistan haben wir die Vorteile steuerlicher Anreize zu spüren bekommen. Dies ist für kleine und mittlere Unternehmen von entscheidender Bedeutung, da dadurch mehr Mittel für das Unternehmenswachstum zur Verfügung stehen</em>”, <a href="https://app2top.com/industry/how-is-the-gaming-industry-developing-in-uzbekistan-285151.html">begründet</a> Evgeni Ponomarev, Gründer des Game-Art-Studios <a href="https://evegoplayon.com/">EVEGOPLAYON</a>, seine Entscheidung, das Unternehmen in Usbekistan anzusiedeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>“[&#8230;] Wir haben andere Länder für die Unternehmensgründung in Betracht gezogen, darunter Länder in Europa, Südostasien und dem Nahen Osten. Unsere Wahl fiel jedoch auf Usbekistan, wobei wir nicht nur die steuerlichen Vorteile hervorheben möchten, sondern auch die Verfügbarkeit von Immobilien, die einfache Unternehmensgründung, den geringen bürokratischen Aufwand, die Möglichkeit, alle Unternehmensvermögenswerte zu besitzen, ohne Anteile an Dritte abzugeben, das angenehme Klima und die günstige Zeitzone”</em>, so Ponomarev.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Windrose-Release in den Startlöchern</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Veröffentlichung von <em>Windrose </em>wird die usbekische Gaming-Industrie einen weiteren Meilenstein in ihrer Entwicklung erreichen. Während des “Steam Next Fest” &#8211; einem mehrtägigen Event, bei dem Nutzer kostenlose Demos neuer Spiele ausprobieren und mit Spieleentwicklern in Kontakt treten können &#8211; im Februar und März stieg <em>Windrose </em>schnell an die Spitze der beliebtesten Spiele.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein genauer Zeitpunkt für die Veröffentlichung ist bisher noch nicht bekannt. Allerdings hat das Entwicklerstudio bereits verlauten lassen, während des Gaming-Events <a href="https://iii-initiative.com/">“iii initiative</a>&#8222;, das am 9. April stattfinden wird, eine besondere Ankündigung zu machen. Es wird gemunkelt, dass es sich hierbei um die Veröffentlichung des Spiels handeln könnte. Auf jeden Fall werden abenteuerlustige Spieler nicht mehr lange warten müssen, um in <em>Windrose </em>mit den Säbeln zu rasseln.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Benedikt Stöckl für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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