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	<title>Julian Postulart, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Julian Postulart, Author at Novastan Deutsch</title>
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		<title>Wege durchs Verkehrschaos: Zentralasiens Kampf mit dem urbanen öffentlichen Nahverkehr</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julian Postulart]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 May 2025 18:29:51 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Verkehrsstaus sind in der ganzen Welt ein gro&#xDF;es Problem in urbanen Zentren, da die Fahrzeugemissionen die Luftqualit&#xE4;t verschlechtern und erhebliche Umwelt- und Gesundheitsprobleme verursachen. Die Regierungen in Zentralasien haben sich nur langsam auf diese Realit&#xE4;t eingestellt. Zwar versuchen die Beh&#xF6;rden in mehreren gro&#xDF;en St&#xE4;dten durch Investitionen in prestigetr&#xE4;chtige Bahnprojekte &#x2013; darunter Stadtbahnen und U-Bahnen &#x2013; [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verkehrsstaus sind in der ganzen Welt ein großes Problem in urbanen Zentren, da die Fahrzeugemissionen die Luftqualität verschlechtern und erhebliche Umwelt- und Gesundheitsprobleme verursachen. Die Regierungen in Zentralasien haben sich nur langsam auf diese Realität eingestellt. Zwar versuchen die Behörden in mehreren großen Städten durch Investitionen in prestigeträchtige Bahnprojekte – darunter Stadtbahnen und U-Bahnen – gegenzusteuern, doch insgesamt bleiben die öffentlichen Verkehrsmöglichkeiten begrenzt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweimal täglich zur Hauptverkehrszeit steht Duschanbe, die Hauptstadt Tadschikistans, still. Die breiten Prachstraßen aus Sowjetzeiten sind komplett verstopft. Die Stadt hat mit massiven Verkehrsproblemen zu kämpfen, verschärft durch eine Bevölkerung, die sich seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 verdoppelt hat. Der Autobesitz ist sogar noch schneller gestiegen – er hat sich in den letzten zehn Jahren <a href="https://asiaplustj.info/en/node/341843">verdoppelt</a>. Die bestehende Infrastruktur kann mit diesem rasanten Wachstum nicht Schritt halten, und die daraus resultierenden Umweltprobleme durch Fahrzeugemissionen haben die Luftqualität in Duschanbe stark beeinträchtigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um den Herausforderungen der <a href="https://daryo.uz/en/2024/04/16/central-asias-urban-population-up-16-in-five-years-edb-reports">raschen Urbanisierung</a> zu begegnen, prüfen die Behörden den <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/duschanbe-plant-bau-einer-u-bahn/">Bau eines U-Bahn-Systems</a>. Da das Know-how für den Bau dieser Infrastruktur im eigenen Land praktisch nicht vorhanden ist, hat sich die Regierung an Südkorea gewandt. Im Jahr 2022 unterzeichnete das tadschikische Verkehrsministerium eine Absichtserklärung mit der South Korean National Railway Corporation, der südkoreanischen Eisenbahngesellschaft, um die Machbarkeit des Projekts zu prüfen. Mitte 2025 will das Ministerium mit der detaillierten Planung für den Bau der ersten U-Bahn-Linie in Duschanbe beginnen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Marshrutkas-Tashkent_resized_bijgesneden3-1536x1152-1-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-42266" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Marshrutkas-Tashkent_resized_bijgesneden3-1536x1152-1-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Marshrutkas-Tashkent_resized_bijgesneden3-1536x1152-1-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Marshrutkas-Tashkent_resized_bijgesneden3-1536x1152-1-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Marshrutkas-Tashkent_resized_bijgesneden3-1536x1152-1.jpg 1536w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Marschrutkas in Taschkent</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Städtische Schienenverkehrssysteme haben klare Vorteile gegenüber beispielsweise Bussen oder Oberleitungsbussen, da es Verkehrsstaus und Luftverschmutzung effektiv verringert und eine viel höhere Kapazität als die meisten anderen Verkehrsmittel hat. Außerdem sind sie ein Zeichen des Fortschritts, weshalb viele dieser Projekte oft auch Prestigeprojekte sind. Jedoch kann ein U-Bahn-System Busse und andere weniger auffällige Formen des öffentlichen Nahverkehrs nicht ersetzen, insbesondere in Gebieten, in denen der Bau eines städtischen Schienennetzes wirtschaftlich unrentabel ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Oberleitungsbusse &#8211; eine vom Aussterben bedrohte Art?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Naryn">Naryn</a>, einer Provinzhauptstadt in Zentral-Kirgistan, haben die örtlichen Gesetzgebenden vor kurzem <a href="https://timesca.com/naryn-becomes-latest-kyrgyz-city-to-dismantle-trolleybus-system/#:~:text=Naryn's%20city%20council%20has%20now,primary%20reasons%20for%20their%20decision.">beschlossen</a>, das Oberleitungsbussystem der Stadt abzuschaffen. Naryn liegt auf einer Höhe von knapp über 2000 Metern und verfügte über das höchstgelegene Oberleitungsbusnetz der Welt – eine lokale Besonderheit und Touristenattraktion für Fans des öffentlichen Nahverkehrs. Aufgrund des sich verschlechternden Zustands der Infrastruktur und der hohen Wartungskosten stimmte der Stadtrat jedoch dafür, den Betrieb einzustellen. Als Ersatz <a href="https://transphoto.org/city/293/?lang=ka">sollen</a> zehn Dieselbusse angeschafft werden, die natürlich zur Luftverschmutzung beitragen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entscheidung in Naryn folgt auf die Ankündigung, dass auch Kirgistans Hauptstadt Bischkek seine große Oberleitungsbusflotte abschaffen werde. In einem kürzlich erschienenen <a href="https://vlast.kz/english/63675-the-end-of-the-line-for-bishkek-trolleybus-fleet.html">Bericht</a> des kasachstanischen Nachrichtenportals Vlast wird darauf hingewiesen, dass diese Entscheidung auf erheblichen Widerstand stieß, da die kirgisische Regierung von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) langfristige finanzielle Unterstützung für die Modernisierung des Netzes erhalten hatte. Aus ungeklärten Gründen <a href="https://bankwatch.org/wp-content/uploads/2024/05/2024_05_Bishkeks-electric-trolleybuses-under-threat-from-ADB-funded-transport-overhaul.pdf">entschieden</a> sich die lokalen Behörden dafür, die Flotte durch neue Elektrobusse zu ersetzen, eine Umstellung, die von der Asiatischen Entwicklungsbank mitfinanziert wurde. Um den Kreditvertrag mit der EBWE nicht zu verletzen, „<em>gab das Bürgermeisteramt in Bischkek an, den Kredit der EBWE zurückgezahlt zu haben, was im Grunde bedeutet, dass die Stadt zwei Kredite für ein und dasselbe Verkehrssystem bezahlte, da der Betrieb der Oberleitungsbusse am 8. November eingestellt wurde.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/letzter-halt-bischkeks-trolleybusse-vor-dem-aus/"><strong>Letzter Halt: Bischkeks Trolleybusse vor dem Aus</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Behörden haben beschlossen, den größten Teil der alten Oberleitungsbusflotte in andere Städte Kirgistans zu verlegen, ein Schritt, den viele Kritiker als „<em>Ablenkung für die Unzulänglichkeit des gesamten Projekts</em>“ bezeichnet haben. Vlast berichtete, dass die Verlegung dieser Busse „<em>die lokale Nachfrage und die Aufnahmekapazität der lokalen Infrastruktur bei weitem übersteigt</em>“. Dennoch wurden rund einhundert Oberleitungsbusse nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osch">Osch</a>, der zweitgrößten Stadt des Landes, transportiert. Osch betreibt nun das einzige verbliebene Oberleitungsbusnetz des Landes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war auch <a href="https://timesca.com/campaign-to-save-bishkeks-trolleybuses/">die Rede davon</a>, Busse und Infrastruktur, wie zum Beispiel. elektrische Umspannwerke, nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Batken">Batken</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kara-Balta">Kara-Balta</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tokmok">Tokmok</a> zu verlegen &#8211; Stäfte ohne aktives Obusnetz. Auch Naryn <a href="https://24.kg/english/305005_Six_trolleybuses_delivered_to_Naryn_from_Bishkek/">erhielt</a> sechs Oberleitungsbusse, obwohl diese nach dem jüngsten Beschluss des Stadtrats dort nicht mehr benötigt werden. Letztendlich werden die meisten Fahrzeuge wohl in den örtlichen Lagern vor sich hin rosten. Unterdessen haben Aktivisten in Bischkek rechtliche Schritte <a href="https://timesca.com/bishkek-activists-demand-comeback-for-citys-scrapped-trolleybuses/">eingeleitet</a>, um das Oberleitungsbusnetz der Stadt vor der völligen Demontage zu bewahren.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="419" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Trolleybus-Dushanbe_bijgesneden-4-1024x419.jpg" alt="" class="wp-image-42265" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Trolleybus-Dushanbe_bijgesneden-4-1024x419.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Trolleybus-Dushanbe_bijgesneden-4-300x123.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Trolleybus-Dushanbe_bijgesneden-4-768x314.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Trolleybus-Dushanbe_bijgesneden-4.jpg 1512w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Oberleitungsbus in Duschanbe</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Eine UN-Kommission schätzt, dass Oberleitungsbusse 40 Prozent weniger kosten als der Betrieb von Elektrobussen. Dennoch sind die Kommunalverwaltungen in Zentralasien gezwungen zu improvisieren, wenn sie die Kontrolle über den öffentlichen Nahverkehr in den Städten zurückgewinnen wollen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden die Mittel für die kommunalen Verkehrssysteme fast vollständig gestrichen. Der Rückgang des öffentlichen Nahverkehrs führte zu privaten Alternativen wie informell betriebenen&nbsp; Minibusse, die gemeinhin als Marschrutkas bekannt sind. Diese folgen in der Regel den Strecken bekannter Buslinien, haben jedoch den Vorteil auch enge und holprige Straßen in Vororten oder abgelegenen Stadtteilen bedienen zu können. Dies ist mit den Obussen nicht möglich ist. Kurz gesagt: Die Marschrutkas bieten einen besseren Service, für den viele auch bereit sind zu zahlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wandel-durch-mobilitat-das-marschrutka-projekt-teil-12/"><strong>Wandel durch Mobilität &#8211; das Marschrutka-Projekt</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere Herausforderung für den öffentlichen Nahverkehr in Zentralasien ist der Aufstieg von Ridesharing-Apps wie YandexGo [Anm. d. Ü.: vergleichbar mit Uber]. Im Vergleich zu anderen innerstädtischen Transportmöglichkeiten bieten Ridesharing-Apps im Allgemeinen mehr Komfort. Laut einem Artikel von <a href="https://thediplomat.com/2024/06/uzbekistan-from-shared-taxis-to-ridesharing/">The Diplomat</a> greifen viele Städte, in denen YandexGo noch nicht verfügbar ist, auf klassische Taxis mit Taxameter zurück: „<em>Kund:innen müssen dort ein Callcenter anrufen, um über einen:eine Betreiber:in mit einem:einer Fahrer:in verbunden zu werden. Diese:r fragt nochmals nach Standort, Ziel, Mitfahrenden und Gepäck – und gibt meist eine ungefähre Wartezeit an.</em>“</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Rückkehr der Straßenbahn</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur Oberleitunsbusse sind vom Niedergang des öffentlichen Nahverkehrs in Zentralasien betroffen, sondern auch das städtische Schienenverkehrssystem ist vielerorts verschwunden. Taschkent verfügte einst über eines der größten Straßenbahnnetze der Sowjetunion, das jedoch bis 2016 komplett stillgelegt wurde. Die verbliebenen Straßenbahnen wurden nach Samarkand <a href="https://www.urban-transport-magazine.com/en/another-fairy-tale-from-samarkand/">gebracht</a>, wo 2017 ein „neues“ System unter Nutzung der alten Infrastruktur eröffnet wurde. In Taschkent scheint man diese Entscheidung inzwischen zu bereuen: Laut <a href="https://kun.uz/en/news/2025/03/13/uzbekistan-moves-forward-with-plans-to-bring-back-tashkent-trams">Kun.uz</a> wurde bei einem Staatsbesuch von Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> in Frankreich am 12. März 2025 ein Abkommen mit dem französischen Unternehmen Alstom geschlossen, das eine knapp zehn Kilometer lange Straßenbahnstrecke bauen soll.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">In Zentralasien gibt es nur noch eine Handvoll aktiver Straßenbahnnetze, von denen die meisten dringend gewartet werden müssen. In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96skemen">Öskemen</a>, ehemals Ust-Kamenogorsk, der inoffiziellen Hauptstadt von Ostkasachstan, wurde der Straßenbahnbetrieb 2018 aufgrund der Insolvenz des Betreibers eingestellt. Mit Hilfe der Regionalregierung konnte der Betrieb jedoch später im Jahr <a href="https://www.railwaygazette.com/%C3%B6skemen-tram-services-to-restart-using-ex-almaty-vehicles/46429.article">wieder aufgenommen werden</a>, nachdem eine Reihe alter Straßenbahnen aus Almaty nach Öskemen überführt worden waren. Seitdem wurde mit der Instandsetzung der Infrastruktur begonnen, und 2022 wurde zusätzliches „rollendes Material” [Anm. d. Ü.: Begriff der Eisenbahnindustrie für u.a. Lokomotiven, Güterwagen] bei einer weißrussischen Firma <a href="https://www.railwaygazette.com/light-rail-and-tram/%C3%B6skemen-orders-belarusian-trams/62222.article">bestellt</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Norden verfügt die Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pawlodar">Pavlodar</a> über das größte Straßenbahnsystem Kasachstans. Die Stadt hat den postsowjetischen Zusammenbruch des öffentlichen Nahverkehrs in Zentralasien erfolgreich gemeistert, und die Behörden prüfen sogar Optionen zur Erweiterung des Netzes. So kündigte die EBWE für 2024 ein Darlehen an die Straßenbahngesellschaft von Pawlodar an, um die Anschaffung von batteriebetriebenen Straßenbahnen zu finanzieren, die ohne Oberleitungen auskommen und so die Kosten für die Instandhaltung der Infrastruktur senken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/das-ist-temirtau-baby-23/"><strong>Das ist Temirtau, Baby!</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Temirtau">Temirtau</a>, der Heimat des größten Stahlwerks Kasachstans, wurden kürzlich neue chinesische Trams <a href="https://www.railwaygazette.com/light-rail-and-tram/first-tram-delivered-for-temirtau-tramway-revival/67544.article">in Betrieb genommen</a> – nachdem der Betrieb zuvor wegen gestohlener Oberleitungen ausgesetzt worden war. Die einzige Linie der Stadt wird nun von dem Besitzer des Stahlwerks betrieben und dient vor allem dem Pendelverkehr der Mitarbeitenden. Allerdings sind nicht alle begeistert: In einem <a href="https://ekaraganda.kz/?mod=news_read&amp;id=150232">Interview</a> klagten Fahrgäste über schlechte Sicht aus den Fenstern. Ein Projektverantwortlicher kommentierte trocken: „<em>Temirtau ist auf seine Weise auch im Dunkeln schön – da ist es besser, nicht rauszuschauen</em>“ – ein Seitenhieb auf den Ruf der Stadt als eine der hässlichsten und am stärksten verschmutzten Kasachstans.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Visionen der Modernität: Stadtbahn und U-Bahn</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Spaß beiseite: Öffentliche Investitionen in die wenigen verbliebenen Straßenbahnnetze der Region sind selten. Stattdessen haben viele Stadtverwaltungen in ganz Zentralasien die bestehenden Systeme aufgegeben, ohne adäquaten Ersatz anzubieten. So zwingen sie die Menschen in überfüllte Stadtbusse oder privat betriebene Marschrutkas. Aber jetzt, wo der städtische Schienenverkehr in Zentralasien wieder an Fahrt zu gewinnen scheint, zeigen die Regionalregierungen Interesse an Stadtbahn- und Metrosystemen – diese sind jedoch teurer und komplexer in Bau, Betrieb und Wartung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Derzeit verfügen nur Taschkent und Almaty über Metrosysteme. In Taschkent wurde 1972 mit dem Bau der ersten Linie begonnen, sechs Jahre nachdem ein verheerendes Erdbeben den größten Teil der Stadt verwüstet hatte. Seitdem hat sich das Netz auf vier Linien, rund fünfzig Stationen und mehrere hundert Millionen Fahrgäste pro Jahr erweitert. Es gibt eine Reihe an Plänen für den weiteren Ausbau, und der Bau einer wichtigen Ringlinie ist derzeit im Gange. Für alle, die sich für den Nahverkehr interessieren, ist die Metro in Taschkent übrigens ein absolutes Muss. Sie ist ein Modell der Stadtbahn in Zentralasien und zeigt, wie Bahnhöfe in der Sowjetzeit aufwändig gestaltet und thematisch passend zum Namen dekoriert wurden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="753" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Metro-Tashkent-2_bijgesneden-753x1024.jpg" alt="" class="wp-image-42264" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Metro-Tashkent-2_bijgesneden-753x1024.jpg 753w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Metro-Tashkent-2_bijgesneden-221x300.jpg 221w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Metro-Tashkent-2_bijgesneden-768x1045.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Metro-Tashkent-2_bijgesneden-1129x1536.jpg 1129w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Metro-Tashkent-2_bijgesneden.jpg 1347w" sizes="(max-width: 753px) 100vw, 753px" /><figcaption class="wp-element-caption">Metro in Taschkent</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz dazu besteht die Metro in Almaty aus einer einzigen Linie. Obwohl mit dem Bau Ende der 1980er Jahre begonnen wurde, konnte die neue unabhängige Regierung Kasachstans das Projekt nicht fertig stellen, nachdem die Mittel aus Moskau nach dem Zusammenbruch der UdSSR versiegten. Die Bauarbeiten wurden in den 2000er Jahren wieder aufgenommen, und der größte Teil des Straßenbahnnetzes von Almaty wurde in Erwartung der Eröffnung der Metro im Jahr 2011 demontiert. Im Nachhinein eine fragwürdige Entscheidung, wenn man bedenkt, dass die Straßenbahnlinien auf anderen Strecken fuhren als die neue Metro, und zudem viel mehr Haltestellen hatten und daher eine gute Ergänzung zum Metrosystem gewesen wären. Heute gibt es <a href="https://kaztag.kz/en/news/lrt-in-almaty-to-be-built-by-2027">Pläne</a> zur Wiederbelebung – allerdings als moderne Stadtbahn.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Metro-relief-Almaty-1-rotated-1-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-42262" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Metro-relief-Almaty-1-rotated-1-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Metro-relief-Almaty-1-rotated-1-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Metro-relief-Almaty-1-rotated-1-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Metro-relief-Almaty-1-rotated-1.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Metro in Almaty</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.railway.supply/en/light-rail-line-in-astana-to-be-completed-by-the-end-of-2025/">In diesem Jahr</a> wird auch die lang erwartete Stadtbahn von Astana in Betrieb genommen, die den Flughafen der Stadt mit dem Hauptbahnhof verbindet. Mit dem Bau dieses Systems wurde 2011 begonnen, er wurde jedoch wegen <a href="https://eurasianet.org/kazakhstan-splurges-to-get-astana-light-rail-back-on-track">Finanzierungsproblemen</a> und eines Korruptionsskandals mehrfach verschoben, bei dem „<em>Beamte und leitende Angestellte der Stadtbahn Astana LRT Verträge aufgebläht und die Differenz veruntreut hatten, die sich, wie ein Gericht später feststellte, auf 5,8 Milliarden Tenge (ca. 10 Millionen Euro zu aktuellen Wechselkursen) belief.</em>“ Viele Jahre lang stand eine Reihe massiver Betonpfeiler als stumme Erinnerung an das unvollendete Projekt, bis Kasachstans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> im Jahr 2023 dessen Fertigstellung anordnete. Unterdessen berichtet das kasachstanische Nachrichtenportal <a href="https://en.orda.kz/astana-lrt-case-interpol-unable-to-locate-fugitive-convicts-deputy-prosecutor-general-5367/">Orda.kz</a>, dass die Suche nach denjenigen, die in die Veruntreuung öffentlicher Gelder verwickelt sind, noch andauert.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="769" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Astana-LRT-1-rotated-1-769x1024.jpg" alt="" class="wp-image-42263" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Astana-LRT-1-rotated-1-769x1024.jpg 769w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Astana-LRT-1-rotated-1-225x300.jpg 225w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Astana-LRT-1-rotated-1-768x1023.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Astana-LRT-1-rotated-1.jpg 1072w" sizes="auto, (max-width: 769px) 100vw, 769px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Baustelle der Stadtbahn von Astana</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die entscheidende Rolle der Regionalregierungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz gesagt, die meisten Probleme im Zusammenhang mit dem öffentlichen Nahverkehr in Zentralasien sind das Ergebnis schlechter Planung und willkürlicher Entscheidungen. Die Regionalregierungen haben es nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion weitgehend versäumt, die Kontrolle über den öffentlichen Nahverkehr zurückzugewinnen. Obwohl in einigen Großstädten wie Duschanbe über die Entwicklung moderner Stadtbahn- und U-Bahn-Systeme diskutiert wird, sind die grundlegenden öffentlichen Verkehrsmittel wie (Oberleitungs-)Busse nach wie vor unzureichend. In vielen großen und kleinen Städten werden diese Dienste immer noch abgebaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben den infrastrukturellen Problemen, so ein Weltbank-Experte, liege der schlechte Zustand des Nahverkehrs auch an „<em>regulierten festen Fahrpreisen (die nicht ausreichen, um die Betriebskosten zu decken), einer hohen Anzahl von Fahrpreisbefreiungen für mehrere Personengruppen und der Unfähigkeit, staatliche Subventionen auf einer stabilen Basis bereitzustellen.</em>“ Daher sind die Kommunalbehörden nicht nur Teil des Problems – sie halten auch den Schlüssel zur Lösung in der Hand.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Text und Fotos von Julian Postulart</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/en/context/navigating-the-gridlock-central-asias-struggle-with-urban-public-transit/"><strong>Englischen</strong></a><strong> von Elisa Berste</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



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		<title>Dekolonialisierung in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julian Postulart]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Feb 2025 19:20:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Dekolonialisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachisch]]></category>
		<category><![CDATA[Russische Invasion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mehr als 30 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion halten sich noch immer kolonialistische Einfl&#xFC;sse in Kasachstan. Russisch ist nach wie vor weit verbreitet und dient als wichtigste Sprache f&#xFC;r die interethnische Kommunikation. Diese fortw&#xE4;hrende sprachliche Dominanz stellt eine gro&#xDF;e Herausforderung f&#xFC;r die vollst&#xE4;ndige Dekolonialisierung der kasachstanischen Identit&#xE4;t dar. Der Einmarsch in die Ukraine hat [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Mehr als 30 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion halten sich noch immer kolonialistische Einflüsse in Kasachstan. Russisch ist nach wie vor weit verbreitet und dient als wichtigste Sprache für die interethnische Kommunikation. Diese fortwährende sprachliche Dominanz stellt eine große Herausforderung für die vollständige Dekolonialisierung der kasachstanischen Identität dar. Der Einmarsch in die Ukraine hat jedoch eine junge urbane Mittelschicht dazu veranlasst, die imperialistischen Überbleibsel zu konfrontieren und ihre Landessprache zurückzuerobern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Russlands kolonialistischer Krieg gegen die Ukraine löste Schockwellen in Zentralasien aus. Moskaus Betonung historischer, kultureller und sprachlicher Verbindungen sorgt in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken zunehmend für Unbehagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders in Kasachstan, Heimat einer großen ethnisch-russischen Bevölkerung, fürchten viele, dass ihr Land als nächstes auf der Liste des Kremls <a href="https://carnegieendowment.org/russia-eurasia/politika/2022/08/after-ukraine-is-kazakhstan-next-in-the-kremlins-sights?lang=en">stehen</a> könnte. Diese Befürchtungen sind nicht unbegründet. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine haben russische Propagandist:innen wiederholt kaum verhohlene Drohungen geäußert, Teile ihres südlichen Nachbarn zu <a href="https://jamestown.org/program/russian-rhetoric-toward-central-asia-grows-increasingly-hostile/">annektieren</a>.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nachdem im September 2022 die Teilmobilisierung in Russland verkündet wurde, sind darüber hinaus hunderttausende überwiegend junge Männer über die Grenze nach Kasachstan geflohen. Ihre Ankunft hat bestehende Sorgen verstärkt und inländische Spannungen zwischen gesellschaftlichen Gruppen, die sich unterschiedlich identifizieren, <a href="https://www.rosalux.de/en/news/id/50365/the-war-in-ukraine-is-changing-kazakhstani-identity">vergrößert</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Kasachstans Regierung in den letzten drei Jahrzehnten versucht hat eine neue nationale Identität zu formen, bleibt der russische Einfluss bestehen. Seit der Eroberung der kasachischen Steppe im 19. Jahrhundert durch zaristische Truppen wurden das Land und die Menschen, die auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan leben, durch die imperialistische Herrschaft geprägt; zuerst durch das Russische Reich, dann durch die Sowjetunion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 20. Jahrhundert zerstörte die Zwangskollektivierung die traditionellen Lebensweisen und führte zu Hungersnöten. Unzählige Menschen zogen in einer verzweifelten Suche nach Essen und Arbeit in die Städte, die selbst koloniale Räume mit imperialer Infrastruktur und Gebäuden waren. Die rasante Urbanisierung und Industrialisierung haben Narben in der Landschaft hinterlassen und verursachen bis heute Umweltverschmutzung sowie Gesundheits- und Umweltprobleme.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Russlands sprachliches Erbe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neben diesen abstrakten postkolonialen Realitäten existiert aber noch immer die bedeutende, wenn auch kontroverse Frage der Sprache. Als Folge von Russlands Einmarsch in die Ukraine sind sich viele schmerzhaft des Einflusses bewusst geworden, den Russland nach wie vor über die Sprache in Kasachstan ausübt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über 30 Jahre nach der Unabhängigkeit bleibt Russisch die wichtigste interethnische Sprache des Landes. Der Politikwissenschaftler Dossym Satpayev schreibt in einem <a href="https://www.chathamhouse.org/2019/11/kazakhstan-tested-transition/5-identity-politics">Artikel </a>für Chatham House, dass die Russifizierungsmaßnahmen &nbsp;in der Kolonialzeit die kasachische Sprache so gründlich unterdrückten, dass die meisten vergessen haben, wie man ihre Muttersprache spricht. Als De-facto Amtssprache der UdSSR war Russisch der Schlüssel zu <a href="https://cabar.asia/en/russian-language-status-in-central-asian-countries">sozialer Mobilität</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion blieben die Vorteile des Kasachisch-Lernens gering. Obwohl Kasachisch die Staatssprache ist und Russisch nur eine offizielle Sprache, genossen die Russischsprechenden in Wahrheit immer noch beträchtliche Privilegien und Vorteile. Bis vor kurzem wurden mangelhafte Kenntnisse des gesprochenen Kasachisch kaum als Problem angesehen, da Russischkenntnisse ausreichten, um ein komfortables Leben zu führen. Besonders galt dies im Norden und in den Städten, wo der Großteil der russischsprachigen Bevölkerung Kasachstans lebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Bildungsbereich war Russisch vorteilhafter, um die Chancen zu erhöhen an renommierten Schulen und Universitäten in Russland zu studieren, teilweise auch wegen der Verfügbarkeit einer größeren Menge wissenschaftlicher Ressourcen. Auch in beruflicher Hinsicht hatten Russischsprechende traditionell mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Kasachisch hingegen wurde als rückständig und unterlegen betrachtet, so erinnert sich der Soziologe Azamat Junisbai, dass er Kasachisch als Heranwachender ausschließlich mit einer ländlichen, unkultivierten Sprache von niedrigem Ansehen <a href="https://x.com/azamatistan/status/1564460697135693826">assoziierte</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/dekolonial-queer-feministisch-zentralasiatischer-kurzfilm-beim-goeast-filmfestival-2023/">Dekolonial, queer, feministisch – zentralasiatischer Kurzfilm beim goEast Filmfestival 2023</a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Angst Moskau zu verärgern</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Anfangs unternahm Kasachstans Regierung wenig, um die kasachische Sprache zu stärken. Die politischen Entscheidungsträger waren besorgt, dass solche Schritte Kasachstans zunehmenden Nationalismus bestärken würde, der wiederum die interethnische Stabilität des Landes gefährden könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb entschied man sich ab den 1990ern, diesen frühen national-patriotischen Bewegungen entgegenzuwirken, indem man &nbsp;die Entwicklung einer kasachstanischen staatsbürgerlichen Identität priorisierte. Diese staatsbürgerliche Identität, die durch den Slogan „<a href="https://astanatimes.com/2021/10/unity-in-diversity-is-our-fundamental-principle-to-preserve-national-unity-says-tokayev/">Einheit in der Diversität</a>“ verkörpert wurde, sollte alle Menschen in Kasachstan unter der Flagge der neuen unabhängigen Republik versammeln, unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die größte Gefahr für die interethnische Stabilität ging weder vom kasachischen Nationalismus, noch von der großen russischen Minderheit des Landes aus. Tatsächlich war Astanas Haltung in dieser Frage lange Zeit von der Befürchtung geleitet, dass Kasachstan mit einer stärker ethnisch-nationalen Politik riskieren würde, seinen nördlichen Nachbarn gegen sich aufzubringen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Demografie verursacht Wandel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Derweil wurde es für die Regierung immer schwieriger, die nationalen Interessen und lokale Wünsche nach einer Stärkung der kasachisch-ethnischen Identität auszubalancieren. Nach der Unabhängigkeit verließen Millionen Russen Kasachstan, was das demografische Gesicht des Landes dramatisch veränderte. Kasachen sind nun die klare Mehrheit. Sie sind die am schnellsten <a href="https://daryo.uz/en/2023/12/06/kazakhstan-at-20-million-populations-and-possibilities">wachsende</a> ethnische Gruppe des Landes, und es wird angenommen, dass ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung weiter wächst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Satpayev argumentiert in seinem Beitrag für Chatham House, dass die Stärkung national-patriotischer Einstellungen und Bewegungen organischen Ursprungs ist. Mit Blick auf demografische Trends wird die Unterstützung für eine kasachische Identität weiter wachsen, während gleichzeitig der Gebrauch der russischen Sprache vermutlich zurückgehen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die russische Invasion der Ukraine katalysierte soziale Prozesse, die aus diesen demografischen Entwicklungen resultierten, und derzeitge und zukünftige politische Präferenzen beeinflussen. Noch vor kurzem war die Debatte um die nationale Identität recht unbedeutend, hauptsächlich diskutiert in kleinen Zirkeln kasachischsprechender intellektueller Eliten. Durch den Krieg wurde diese Diskussion in die Öffentlichkeit gerückt und eine zunehmende Zahl an Menschen entdeckt dabei neu, was es bedeutet, kasachisch zu sein im Kontext des kolonialen Erbes.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sprache als Werkzeug der Dekolonialisierung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sprache ist wahrscheinlich die hartnäckigste Bastion des russischen Einflusses in Kasachstan. In einer <a href="https://open.spotify.com/episode/1OLQ5OX56WPrMCkC2yqxM3?si=gaU5AWLDRFGZlR0A6QsF5A">Folge</a> des Majlis Podcast von RFE/RL erläutert der Soziologe Junisbai, dass ältere Generationen hauptsächlich russische Medien konsumieren, was sie empfänglicher für russische Propaganda macht. Als Folge ist die Idee eines sogenannten „wohlwollenden Kolonialismus“ unter Älteren immer noch weit verbreitet. Viele glauben, dass Kasachstan der Fremdherrschaft viel zu verdanken habe, etwa die Industrialisierung und Modernisierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/russlands-druck-auf-zentralasiatische-medien-nimmt-zu/">Russlands Druck auf zentralasiatische Medien nimmt zu</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Gefühl wird von jüngeren Generationen nicht geteilt. Sie haben keine eigene Erinnerung an die Sowjetunion und versuchen die letzten Überreste des sowjetischen und russischen Kolonialismus in einem Streben nach einer neuen kasachischen Identität aufzulösen. Für sie ist Sprache ein Instrument der Dekolonialisierung. Auf den Straßen spiegelt sich dies beispielsweise in einer <a href="https://timesca.com/success-is-possible-in-kazakhstan-an-interview-with-fashion-brand-qazaq-republic/">wachsenden Beliebtheit</a> der Modemarke Qazaq Republic wider. Das Unternehmen, bekannt für seine trendige Kleidung und andere Artikel mit patriotisch-kasachischen und englischen Slogans, verdankt seinen Erfolg weitgehend diesen&nbsp;gesellschaftlichen Entwicklungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Artikel des Medienunternehmens „The Diplomat“ sagt Biybaris Seitak, Gründer des beliebten kasachischsprachigen Instagram-Kanals „Kazakh Bubble“, dass die russische Invasion der Ukraine vielen Kasachen bewusst gemacht habe, dass „Kasachisch zu sprechen eine Frage der nationalen Sicherheit“ sei. Der Krieg habe dazu geführt, dass sich viele unwohl dabei fühlten, in der Sprache des ehemaligen Kolonialherren über Dekolonialisierung zu sprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher hat Russlands Einmarsch viele dazu veranlasst, Worte in Taten umzusetzen. Die Beliebtheit von Kasachisch-Sprachschulen und Clubs ist <a href="https://eurasianet.org/kazakhstan-ukraine-war-motivates-russian-speakers-to-learn-kazakh">explodiert </a>und die kasachstanische Regierung ist auf den Zug aufgesprungen, indem sie neue Pläne zur Förderung der kasachischen Sprache auf den Weg bringt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Präsident Qasym-Jomart Toqaev erklärte, dass die angekündigte Alphabetreform, die den <a href="https://thediplomat.com/2024/09/the-latinization-of-kazakhstan-language-modernization-and-geopolitics/">Übergang</a> vom Kyrillischen zu einem lateinbasierten Schriftsystem vorsieht, nicht übereilt werden sollte, hat er mehrere andere Pläne für eine unabhängigere Sprachpolitik vorgelegt. Diese beinhalten einen verpflichtenden <a href="https://eurasianet.org/kazakhstan-government-taking-action-to-promote-kazakh-language">Kasachisch-Sprachtest</a> für Menschen, die die Staatsbürgerschaft beantragen, einen Entwurf für ein neues <a href="https://www.theguardian.com/world/2023/oct/06/kazakhstan-drafts-media-law-to-increase-use-of-kazakh-language-over-russian">Medien-Gesetz</a> zur Steigerung des Gebrauchs der kasachischen Sprache, und <a href="https://astanatimes.com/2023/04/kazakhstan-prepares-new-document-to-boost-development-and-prevalence-of-kazakh-language/">Bildungsreformen</a> zur Verbesserung der Kasachisch-Kenntnisse.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine unaufhaltsame Entwicklung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Angst vor Gegenreaktionen bleibt. Die wachsende Bedeutung des Kasachischen könnte die nicht kasachischsprachige &nbsp;Bevölkerung vor den Kopf stoßen, so wie die immer noch bedeutende russische Minderheit des Landes. Satpayey beschreibt in seiner Arbeit für Chatham House, dass diese Menschen sich „in der Falle“ oder sogar diskriminiert fühlen könnten. Ein Identitätskonflikt droht, was das Risiko von Radikalisierung und prorussischen Separatismus erhöht – und möglicherweise eine Reaktion aus Moskau hervorrufen könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/eine-eklatante-manifestation-von-russophobie-kasachstan-im-epizentrum-eines-informationskriegs/">„Eine eklatante Manifestation von Russophobie“ – Kasachstan im Epizentrum eines Informationskriegs</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der großangelegten Invasion der Ukraine nutzte Russland die vermeintliche Verletzung der Rechte russischer Minderheiten im Ausland, um in Nachbarländern zu intervenieren, sei es diplomatisch, wirtschaftlich oder militärisch. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass Russland auf Grund der Förderung der kasachischen Sprache in Kasachstan einmarschiert. Moskau ist mit anderen Dingen beschäftigt, und wichtiger noch, braucht Kasachstan aus wirtschaftlichen Gründen, etwa für den <a href="https://vlast.kz/english/57815-sanctioned-goods-continue-to-find-their-way-to-russia-via-kazakhstan.html">Import </a>von Dual-Use-Gütern, die Russland helfen, seinen Krieg gegen die Ukraine aufrechtzuerhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztlich sind weder Astana noch Moskau in der Lage, die wachsende Bedeutung der kasachischen Sprache aufzuhalten, selbst wenn sie es wollten. Der Krieg in der Ukraine und Spannungen mit dem Westen schränken derzeit eine bedeutende russische Reaktion ein. Gleichzeitig drängt die demografische Entwicklung Tokayevs Regierung zunehmend dazu, eine ethnisch geprägte nationale Identität zu fördern. Was die Zukunft bereithält, bleibt abzuwarten. Doch solange die derzeitige geopolitische Realität bestehen bleibt, wird sich die Dekolonialisierung Kasachstans voraussichtlich fortsetzen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Für die Redaktion von Novastan Julian Postulart</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Englischen von Baibolsin</strong></p>



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		<title>Orientalismus neu aufgelegt &#8211; eine sehr holländische Einführung zu Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julian Postulart]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Aug 2023 17:42:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Uigurische Region]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Fr&#xFC;hling haben hunderttausende Zuschauer den holl&#xE4;ndischen &#xF6;ffentlichen Nachrichtensender VPRO eingeschaltet, um die neue Dokuserie &#x201E;Entlang der Neuen Seidenstra&#xDF;e&#x201C; anzuschauen. F&#xFC;r die meisten Menschen in den Niederlanden war diese Sendung ihre erste Einf&#xFC;hrung zu Zentralasien. Aber wie der Titel vermuten l&#xE4;sst, ist die Doku-Serie mit orientalistischen Stereotypen &#xFC;ber die Region gespickt. Ein kritischer R&#xFC;ckblick auf [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im Frühling haben hunderttausende Zuschauer den holländischen öffentlichen Nachrichtensender </strong><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/VPRO"><strong>VPRO</strong></a><strong> eingeschaltet, um die neue Dokuserie „Entlang der Neuen Seidenstraße&#8220; anzuschauen. Für die meisten Menschen in den Niederlanden war diese Sendung ihre erste Einführung zu Zentralasien. Aber wie der Titel vermuten lässt, ist die Doku-Serie mit orientalistischen Stereotypen über die Region gespickt. Ein kritischer Rückblick auf eine verpasste Chance.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die im Artikel ausgedrückten Meinungen sind die des Autors.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit seiner ersten Ausstrahlung im öffentlichen Fernsehen hat die niederländische Doku-Serie „<a href="https://www.vpro.nl/programmas/langs-de-nieuwe-zijderoute.html">Entlang der Neuen Seidenstraße</a>&#8220; die Aufmerksamkeit hunderttausender Zuschauer auf sich gezogen. Bis jetzt hat die sechsteilige Serie durchschnittlich über eine Million Zuschauer je Episode gehabt. Selbst für eine Show zur Hauptsendezeit sind diese Zahlen für die Niederlande eindrucksvoll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am bemerkenswertesten war jedoch, dass die dritte Episode der Serie am Sonntag, 19. März, mehr Zuschauer hatte als die Live-Übertragung von Ajax – Feyenoord – des wichtigsten Fußballspiels im Land.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Show wird von zwei bekannten niederländischen Dokumentarfilmemachern präsentiert, <a href="https://nl.wikipedia.org/wiki/Ruben_Terlou">Ruben Terlou</a> und <a href="https://nl.wikipedia.org/wiki/Jelle_Brandt_Corstius">Jelle Brandt Corstius</a>. Beide haben in der Vergangenheit erfolgreiche Dokuserien gemacht. Während Terlou bereits sein ganzes Leben lang mit Leidenschaft China im Foto festhält und fließend Mandarin spricht, ist Brandt Corstius ein ehemaliger Russland-Korrespondent für eine bekannte niederländische Zeitung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zentralasien als Terra incognita</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Interessanterweise sind weder Terlou noch Brandt Corstius Experten für Zentralasien. Brandt Corstius räumt dies mit der Aussage ein, dass er die Region insoweit kenne, als dass sie „<em>Teil der Sowjetunion war</em>&#8222;. Terlou erklärt. er habe „<em>immer davon geträumt, der magischen Seidenstraße zu folgen</em>&#8222;. Während seiner Zeit in China beobachtete er die wachsende Bedeutung von Chinas <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Seidenstraße">neuer Seidenstraßeninitiative</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/china-in-zentralasien-factchecking-um-mit-mythen-aufzuraeumen/?noredirect=de-DE">China in Zentralasien: Faktchecking, um mit Mythen aufzuräumen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor diesem Hintergrund ist es keine Überraschung, dass „Entlang der Neuen Seidenstraße&#8220; keine Dokumentation über Zentralasien ist. Stattdessen erzählt uns die Serie eine Geschichte über ausländischen Einfluss in der Region, konkurrierende Interessen und geopolitische Rivalität. Dieses <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Great_Game">Great-Game</a>-gleiche Narrativ reduziert die Region zu wenig mehr als zu einem Spielfeld der Supermächte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Indem Zentralasien als eine mysteriöse Terra incognita dargestellt wird, greift „Entlang der Neuen Seidenstraße&#8220; geschickt auf in den Niederlanden bestehende </em><a href="https://postcolonial.net/glossary/orientalism/"><em>orientalistische</em></a><em> Ideen über Zentralasien zurück. Oft basieren diese Darstellungen auf stereotypischen und kolonialistischen Perspektiven auf östliche Kulturen, welche diese als „extrem anders und unterlegen, und von daher westlicher Intervention oder der &#8218;Rettung&#8216; bedürftig&#8220; ansehen.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Orientalismus, Voyeurismus und weißes Rettertum</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In „Entlang der Neuen Seidenstraße&#8220; findet sich Orientalismus oft in Form von Voyeurismus. Als die Macher der Serie beispielsweise den <a href="https://www.economist.com/1843/2022/12/19/the-bride-snatchers-of-kyrgyzstan">Brautraub</a> in Kirgistan diskutieren, bleibt unklar, was sie damit beabsichtigen, außer die Rückständigkeit solcher Praktiken darzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schlimmer noch, durch die Darstellung kontroverser und komplexer Themen wie dieses ohne irgendeinen Hintergrund, nutzen die Macher die Trauer der Opfer aus, um ihre Zuschauer mit einem Gefühl des <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/White_savior">weißen Rettertums</a> zu erfüllen. Es ist nicht schwer zu sehen, wie solche Manifestationen des Orientalismus dabei helfen, (Neo-)Kolonialismus zu rechtfertigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Aber der offensichtlichste Bezug auf den Orientalismus ist ohne Zweifel der Titel der Sendung. Seine Clichéhaftigkeit beschwört Bilder herauf von exotischen Kamelkarawanen, welche menschenfeindliche Wüsten durchziehen und von hohen Gebirgszügen. Sich Zentralasien geographisch so vorzustellen, reduziert die Region zu einem simplen Handelskorridor, anstelle einer Region, welche für und aus sich selbst heraus interessant ist &#8211; eine Kritik, welche manche </em><a href="https://press.princeton.edu/books/hardcover/9780691161396/central-asia"><em>Experten</em></a><em> dazu bringt, das Konzept der „Seidenstraße&#8220; ganz und gar zu vermeiden.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Rolle niederländischer und westlicher Medien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Macher sind nicht alleine für diese orientalistische Miss-Repräsentation zu beschuldigen. Zum Teil bedient VPRO einfach nur das eingeschränkte Wissen über Zentralasien in Westeuropa im Allgemeinen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Menschen in den Niederlanden hätten wahrscheinlich Schwierigkeiten, Zentralasien auf einer Karte zu bestimmen, geschweige denn einzelne Länder. Und selbst für die, die es können, ist die Region selten mehr als eine ferne post-sowjetische Ödnis, regiert von despotischen Präsidenten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die niederländischen Medien haben wie die meisten anderen westlichen Nachrichtenagenturen dazu beigetragen, dieses Bild zu kreieren. Die aktuellen Geschehnisse in Zentralasien wurden lange von in Russland sitzenden Korrespondenten übermittelt, dem früheren Kolonisator der Region. Für die meisten Nachrichtenagenturen war das vor Putins Einmarsch in die Ukraine das Standardverfahren. Aber als der Krieg eskalierte, waren viele westliche Journalisten gezwungen, Moskau zu verlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstans-schrittweise-entfernung-von-russland/?noredirect=de-DE">Kasachstans schrittweise Entfernung von Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Diese Abwanderung setzte Ressourcen frei, um über die weitere Bedeutung von Russlands Krieg in der Ukraine zu reflektieren. Niederländische Medien haben der jüngsten geopolitischen Repositionierung früherer russischer Kolonien wie </em><a href="https://www.nrc.nl/nieuws/2023/03/19/of-de-president-nu-tokajev-of-nazarbajev-heet-het-is-een-pot-nat-en-ze-werken-allemaal-voor-poetin-a4159895"><em>Kasachstan</em></a><em> erhebliche Beachtung geschenkt. Und das Interesse an der Region ist nicht auf die sogenannte hohe Politik beschränkt.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kolonisierte gegen Kolonisatoren</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Entlang der Neuen Seidenstraße&#8220; schildert auch verschiedene menschlich interessante Geschichten. Brandt Corstius interviewt zum Beispiel eine kirgisische Frau über die abnehmende Beliebtheit der russischen Sprache in ihrem Land und die Wiederbelebung nomadischer Traditionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Pavlodar landet Brandt Corstius in einer Hipster-Bar, wo er mit progressiven kasachstanischen Jugendlichenüber die plötzliche Zuwanderung von russischen Wehrdienstflüchtlingen spricht. Diese Geschichten verdienen definitiv Lob, weil sie helfen, lokale Narrative auf der Suche nach (nationaler) Identität zu stärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allzu oft aber stellen die Dokumentarfilm-Macher diese Geschichten so dar, dass sie in ihr geopolitisches Konzept der Region passen. Ein klares Beispiel dafür ist Terlous ergreifendes Interview mit mehreren kasachischen Frauen, welche in <a href="https://www.cfr.org/backgrounder/china-xinjiang-uyghurs-muslims-repression-genocide-human-rights">Chinas Internierungslagern in Xinjiang</a> gefangen gewesen waren oder denen Familienmitglieder entrissen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/flucht-aus-xinjiang-geschichten-von-jenen-die-den-lagern-entkamen/">Flucht aus Xinjiang &#8211; Geschichten von jenen, die den Lagern entkamen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedes einzelne dieser Schicksale ist so entsetzlich, dass man unmöglich nicht berührt sein kann von den Geschichten über Folter und erzwungene Abtreibungen. Aber nachdem der Dialog zu einem emotionalen Höhepunkt gekommen ist, schwenkt die Kamera zu Terlou, welcher in einer Ecke der Küche leise vor sich hin schluchzt. Später wird Terlou in einem Telefonat mit Brandt beschreiben, wie sich das Anhören der Geschichten der kasachischen Frauen anfühlte, „<em>als ob man durch eine Trennung gehen würde</em>&#8220; von seinem geliebten China.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Dekolonisation einer Dokumentation</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist lobenswert, dass das niederländische Fernsehen bereit war, diese Dokumentation zu finanzieren. Immerhin hat die Sendung geholfen, hunderttausenden Menschen, von welchen viele noch nie von Zentralasien gehört hatten, die Region näherzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedoch scheint Zentralasien in „Entlang der Neuen Seidenstraße&#8220; wenig mehr als eine endlose Prozession postkolonialer Wehen und Miseren zu sein. Auch wenn Entscheidungen, welche in Moskau und Peking getroffen werden, immer noch Einfluss haben in Zentralasien, so hat doch die regionale politische Führung weit mehr Macht über den geopolitischen Kurs ihres jeweiligen Landes als die Dokumentation es darstellt. Und wichtiger noch, die Menschen dieser Region haben ihre eigene Geschichte, Kultur und Ideen über die Zukunft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur wenn westliche Medien diese eigenen Identitäten anerkennen, ist es möglich, von vorherrschenden orientalistischen Sichtweisen auf Zentralasien wegzukommen und &#8211; hoffentlich &#8211; endlich die Dokumentationen zu machen, welche der Region Respekt zollen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Julian Postulart für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/en/culture-sports/orientalism-revisited-a-very-dutch-introduction-to-central-asia/">Englischen</a> von Mafra Martens</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Zentralasiens Präsidenten nehmen an Moskauer Siegesparade teil</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julian Postulart]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 May 2023 18:01:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Mai]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Tag des Sieges]]></category>
		<category><![CDATA[Wladimir Putin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Russlands Pr&#xE4;sident Wladimir Putin hat seine Amtskollegen aus Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Kasachstan und Usbekistan eingeladen, an den diesj&#xE4;hrigen Feierlichkeiten zum Tag des Sieges am 9. Mai in Moskau teilzunehmen. Es ist das erste Treffen der zentralasiatischen Pr&#xE4;sidenten mit Putin, seitdem gegen diesen Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof erhoben wurde. Am 25. April hat das B&#xFC;ro [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Russlands Präsident Wladimir Putin hat seine Amtskollegen aus Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Kasachstan und Usbekistan eingeladen, an den diesjährigen Feierlichkeiten zum Tag des Sieges am 9. Mai in Moskau teilzunehmen. Es ist das erste Treffen der zentralasiatischen Präsidenten mit Putin, seitdem gegen diesen Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof erhoben wurde.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 25. April hat das Büro des kirgisischen Präsidenten eine <a href="https://www.president.kg/ru/sobytiya/24661_prezident_sadir_ghaparov_s_oficialnim_vizitom_posetit_rossiyu">Pressemitteilung</a> herausgegeben, in der es hieß, dass <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a> am 9. Mai als „Ehrengast“ an der jährlichen Militärparade auf dem Roten Platz teilnehmen werde. Einige Tage später, <a href="http://www.president.tj/node/30622?fbclid=IwAR0_jMYBHnqhNqpPcPYxw49L-T3uadYiWYkKKy2Nb5UO5KA2BEVaT2nSQK0">am 5. Mai</a>, lud Putin auch den tadschikischen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> nach Moskau ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Tag vor der Parade, am 8. Mai, schickte Russland ein Schnellfeuer von Einladungen an die Präsidenten von <a href="https://turkmenportal.com/en/blog/61551/putin-invited-serdar-berdimuhamedov-to-moscow-for-may-9-celebrations">Turkmenistan</a>, <a href="https://www.inform.kz/en/president-tokayev-to-pay-working-visit-to-russia_a4065196">Kasachstan</a> und <a href="https://www.gazeta.uz/uz/2023/05/08/russia/">Usbekistan</a>. Es ist das erste Mal seit Jahren, dass alle fünf zentralasiatischen Präsidenten an den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges teilnehmen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine hat der Kreml Zentralasien deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Allein im Jahr 2022 besuchte Putin alle fünf Länder der Region – das hatte es schon lange nicht mehr gegeben. Während der russische Präsident international zunehmend in die Enge getrieben wird, hält Moskau an seinen wenigen verbliebenen Verbündeten fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch ist dies das erste Mal, dass die zentralasiatischen Präsidenten die Bühne mit Putin teilen, nachdem dieser wegen Kriegsverbrechen angeklagt wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein gesuchter Mann</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kürzlich erließ der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Strafgerichtshof">Internationale Strafgerichtshof (IStGH)</a> einen <a href="https://www.icc-cpi.int/news/situation-ukraine-icc-judges-issue-arrest-warrants-against-vladimir-vladimirovich-putin-and">Haftbefehl</a> gegen den russischen Präsidenten wegen des Vorwurfs der rechtswidrigen Deportation ukrainischer Kinder aus den besetzten Gebieten nach Russland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letzte Woche warnten die südafrikanischen Behörden davor, dass Putin während des bevorstehenden <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/BRICS-Staaten">BRICS</a>-Gipfels im August verhaftet werden könnte, sollte sich der russische Präsident zu einer Anreise entschließen. Südafrika hat den Gründungsvertrag des Internationalen Strafgerichtshofs ratifiziert und ist damit zum Handeln verpflichtet, sollte Putin das Land betreten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="438" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/kz2-1223-2_mediumThumb.jpg" alt="" class="wp-image-33110" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/kz2-1223-2_mediumThumb.jpg 750w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/kz2-1223-2_mediumThumb-300x175.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kasachstans Präsident Toqaev (Mitte) und sein kirgisischer Amtskollege Dschaparow (2.v.r.) neben Wladimir Putin bei den Feierlichkeiten am 9. Mai 2023 , Photo: president.kz</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In Zentralasien ist Tadschikistan der einzige Vertragsstaat und damit theoretisch zur Zusammenarbeit mit dem Gerichtshof verpflichtet. Kirgistan und Usbekistan haben den Vertrag vor etwa zwanzig Jahren unterzeichnet, aber bisher nicht ratifiziert. Dagegen sind Kasachstan und Turkmenistan keine Unterzeichnerstaaten. Sollte Putin sich entscheiden, die Region zu besuchen, wie er es im letzten Jahr so oft getan hat, sind die Chancen gering, dass ihm wegen des Haftbefehls die Einreise verweigert wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Angebot, dass man nicht ablehnen kann</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zentralasien ist in vielerlei Hinsicht noch immer stark von Russland abhängig. So meint der Politologe Arkadij Dubnow gegenüber dem kirgisischen Nachrichtenportal <a href="https://kloop.kg/blog/2023/04/28/parad-vernosti-dubnov-obyasnil-pochemu-zhaparov-okazalsya-edinstvennym-gostem-putina-9-maya/">Kloop</a>, dass Sadyr Dschaparow keine andere Wahl hatte, als die Einladung nach Moskau anzunehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kirgistan unterhält nach wie vor enge wirtschaftliche Beziehungen zu Russland. Obwohl China im Rahmen seiner „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Seidenstraße">One Belt One Road</a>“-Initiative erhebliche Fortschritte in Zentralasien macht, bleibt Russland in Bezug auf Handel und Überweisungen unglaublich wichtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/auswirkungen-der-sanktionen-gegen-russland-in-duschanbe-deutlich-spuerbar/"><strong>Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland in Duschanbe deutlich spürbar</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://data.worldbank.org/indicator/BX.TRF.PWKR.DT.GD.ZS?locations=KG">neuesten Daten</a> der Weltbank zeigen, dass über 30 Prozent des kirgisischen BIP aus Überweisungen bestehen. <a href="https://neweasterneurope.eu/2023/04/12/kyrgyzstan-faces-a-new-era-in-regional-politics/">97 Prozent</a> dieser Überweisungen werden von kirgisischen Migrant:innen gesendet, die in Russland arbeiten. Daher kann man mit Sicherheit sagen, dass die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland höchst asymmetrisch sind. Moskau ist sich dessen durchaus bewusst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Falle Tadschikistans ist die wirtschaftliche Abhängigkeit von Russland ebenso groß. Wie das tadschikische Nachrichtenportal <a href="https://asiaplustj.info/en/news/tajikistan/economic/20221202/tajikistan-likely-received-record-high-amounts-of-remittances-from-russia-in-2022-says-word-bank-report">Asia-Plus</a> berichtet, erreichten die Überweisungen aus Russland im vergangenen Jahr ein Rekordhoch. Die russischen Behörden <a href="https://finexpertiza.ru/press-service/researches/2023/pritok-trud-migrant-2022/">registrierten</a> auch einen Anstieg des Migrantenzustroms nach der Pandemie. Im Jahr 2022 reisten fast eine Million Menschen aus Tadschikistan zum Arbeiten nach Russland.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zentralasien als Sanktionsschlupfloch</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Krieg in der Ukraine hat das Gleichgewicht jedoch etwas zugunsten der zentralasiatischen Volkswirtschaften verschoben. Länder wie Kasachstan und Kirgistan haben sich zu wichtigen Drehscheiben für den Reexport von Waren nach Russland entwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Radio Azattyk, der kürzlich <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kirgistan-verbot-von-radio-azattyk-schlaegt-wellen/?noredirect=de-DE">geschlossene</a> kirgisische Dienst von Radio Liberty, <a href="https://www.rferl.org/a/ukraine-war-kyrgyzstan-trade-russia/32277438.html">interviewte</a> Temir Schabdanalijew, Leiter einer kirgisischen Lobbygruppe, zu diesem Trend. Er erklärte: <em>„Wenn früher Waren aus Europa nach Russland verschickt wurden, werden sie jetzt als Lieferungen nach Kirgistan und Kasachstan registriert. Aber sobald sie hier abgeladen sind, werden sie sofort nach Russland gebracht.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/wie-kasachstan-russischen-unternehmen-hilft-sanktionen-zu-umgehen/"><strong>Wie Kasachstan russischen Unternehmen hilft, Sanktionen zu umgehen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Infolgedessen boomt der Handel von und nach Zentralasien seit Beginn der westlichen Sanktionen. In Kirgistan gab es laut <a href="https://www.rferl.org/a/ukraine-war-kyrgyzstan-trade-russia/32277438.html">RFE/RL</a> einen bemerkenswerten Aufwärtstrend beim Handel mit <em>„Shampoo, Zahnstochern, Seife und Autoteilen“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die zuständigen tadschikischen Behörden <a href="https://rus.azattyk.org/a/32131171.html">meldeten</a> eine Zunahme des Handels mit Russland. Im vergangenen Jahr wurden die tadschikischen Behörden sogar beschuldigt, Moskau mit iranischen Drohnen für den Krieg in der Ukraine beliefert zu haben. Diese Anschuldigungen basierten auf einem kürzlich von Duschanbe mit Teheran unterzeichneten Abkommen über die Herstellung von Lizenz-Drohnen in Tadschikistan. Das in den USA ansässige Magazin <a href="https://thediplomat.com/2022/11/tajik-made-iranian-drones-are-not-in-ukraine-either/">The Diplomat</a> fand jedoch keine sichtbaren Beweise für Behauptungen, dass in Tadschikistan hergestellte Drohnen den ukrainischen Himmel durchzogen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Riskante Geschäfte</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es besteht ein gewisses Risiko bei der Wiederausfuhr von Waren nach Russland. Die EU hat die zentralasiatischen Republiken davor <a href="https://www.rferl.org/a/eu-official-kyrgyzstan-russia-evading-sanctions/32338817.html">gewarnt</a>, dass sie sekundäre Sanktionen gegen Unternehmen verhängen könnte, die Russland dabei helfen, Sanktionen zu umgehen. Für Länder wie Kirgistan und Tadschikistan gibt es wenig Spielraum. Die wirtschaftliche Abhängigkeit von Russland überwiegt oft den westlichen Druck. Der Einmarsch in die Ukraine hat jedoch vielen in Zentralasien die bestehenden neokolonialen Machtverhältnisse bewusst gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor einigen Wochen berichtete <a href="https://eurasianet.org/kyrgyzstan-russia-ties-tested-by-differences-on-trade-language">Eurasianet</a> über ein russisches Einfuhrverbot für kirgisische Milchprodukte, nachdem Bischkek ein Gesetz zur Förderung der kirgisischen Sprache verabschiedet hatte. Der Kreml sieht diese Entwicklung als Versuch, seinen kulturellen Einfluss in Zentralasien einzudämmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Putins Patronage</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der 9. Mai ist eine weitere wichtige Erinnerung an die koloniale Vergangenheit der Region. Aus diesem Grund haben sich die meisten zentralasiatischen Länder in den letzten Jahrzehnten schrittweise vom sowjetisch verordneten „Tag des Sieges“ verabschiedet. In Kasachstan wurden Militärparaden abgeschafft, <em>„um das erforderliche Maß an Kampfbereitschaft aufrechtzuerhalten“</em>, berichtete die Nachrichtenagentur <a href="https://www.inform.kz/en/kazakhstan-not-to-hold-military-parade-may-7-and-may-9_a4060245">Kazinform</a>. In Turkmenistan ist der 9. Mai seit 2018 kein gesetzlicher Feiertag mehr. Der Tag des Sieges in Usbekistan wurde in einen „<a href="https://www.uzdaily.uz/en/post/72876">Tag des Gedenkens und der Ehre</a>“ umgewandelt, der das Gedenken über den militärischen Pomp stellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstan-ein-tag-des-sieges-ohne-militaerparade-und-mit-eigenem-gedenken/"><strong>Kasachstan: Ein Tag des Sieges ohne Militärparade und mit eigenem Gedenken</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl der Tag des Sieges in Kirgistan und Tadschikistan immer noch große Ähnlichkeit mit der Sowjetzeit hat, ändern sich auch dort die Zeiten. Vielerorts werden die Feierlichkeiten reduziert oder auf die jeweiligen Unabhängigkeitstage beider Länder verschoben. Aufgrund der russischen Invasion in der Ukraine wird sich dieser Prozess wahrscheinlich beschleunigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch unterliegen Nation-Building und Symbolik weiterhin realen Einschränkungen. Solange die wirtschaftliche Abhängigkeit andauert, haben die regionalen Führer keine andere Wahl, als dort zu Gewehr bei Fuß zu stehen, woher das Geld kommt: Putins Russland.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Julian Postulart</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/en/politics/central-asian-presidents-invited-to-attend-russian-victory-day-parade/"><strong>Englischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Zurück in die Zukunft &#8211; Identitätspolitik mal anders: Zarathustra und die politische Dimension des Nouruz-Festes</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julian Postulart]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Mar 2023 19:10:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Dekolonialisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>P&#xFC;nktlich zum Fr&#xFC;hlingsanfang wird in Zentralasien das traditionelle Nouruz-Fest gefeiert, auch bekannt als &#x201E;persisches Neujahr&#x201C;. Pferdespiele, Familienbesuche und gro&#xDF;e Festessen stehen auf dem Plan. Doch hinter der bunten, feierlichen Fassade versteckt sich auch eine Suche nach regionaler Identit&#xE4;t. Derer bedienen sich die politischen F&#xFC;hrer in dem Versuch, dadurch die koloniale Vergangenheit abzustreifen. Der Himmel ist [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Pünktlich zum Frühlingsanfang wird in Zentralasien das traditionelle Nouruz-Fest gefeiert, auch bekannt als &#8222;persisches Neujahr&#8220;. Pferdespiele, Familienbesuche und große Festessen stehen auf dem Plan. Doch hinter der bunten, feierlichen Fassade versteckt sich auch eine Suche nach regionaler Identität. Derer bedienen sich die politischen Führer in dem Versuch, dadurch die koloniale Vergangenheit abzustreifen.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Himmel ist blau, die Bäume noch kahl, ein leichter Geruch nach Gras liegt in der Luft. In den Vorstädten von Bischkek versammeln sich Fans, um zwei Dutzend Reiter anzufeuern, die auf ihren Pferden um einen Ziegenkadaver kämpfen. Es handelt sich um das polo-ähnliche Pferdespiel <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buzkaschi">Kok Bornu</a>, das traditionell im Hippodrom von Bischkek ausgetragen wird. Doch nicht alle Feiern an diesem 21. März werden so pompös aufgezogen.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Die Vorbereitungen auf Nouruz sind vermutlich mindestens genauso bedeutsam wie der Feiertag selbst. Die meisten Menschen in Zentralasien läuten das Fest mit einem Frühlingsputz ein. Andere begleichen ihre Schulden oder versöhnen sich mit ihren Feinden, um das neue Jahr mit einer weißen Weste zu beginnen. An Nouruz selbst, dem Tag der <a href="https://www.geo.de/geolino/natur-und-umwelt/was-ist-die-tag-und-nacht-gleiche--30726936.html">Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche</a>, wirft man sich in Schale und verbringt Zeit mit der Familie, Freunden oder Nachbarn. Essen und Trinken sind nicht weniger wichtig. In den meisten Ländern schreibt eine jahrhundertealte Tradition die Zubereitung des &#8222;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samanak">Samanak</a>&#8220; vor. Sieben Sorten gekeimten Weizens bilden die Basis für das traditionell überlieferte Rezept dieser besonders süßen Nachspeise. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Die zoroastrischen Wurzeln von Nouruz</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Legen wir einmal Bräuche und Traditionen dieses Feiertags beiseite und schauen uns seine politische Komponente etwas genauer. In der Vergangenheit versuchten verschiedene Herrscher und Kolonialherren, die Feierlichkeiten zu unterdrücken. Um die Politik der Gegenwart nachzuvollziehen, gilt es jedoch, sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen.

Nouruz wird auch &#8222;persisches Neujahr&#8220; genannt und weist somit auf die iranischen Wurzeln seines Namens hin. „Nou“ kommt vom persischen Wort für „neu“, die Silbe „ruz“ bedeutet „Tag“, man feiert also den „neuen Tag“. Obwohl die genaue Entstehungsgeschichte von Nouruz im Dunkeln bleibt, sind sich die meisten Historiker einig, dass der Zoroastrismus die treibende Kraft dahinter war. Hierbei handelt es sich um die älteste monotheistische Religion der Welt, die auf den Lehren des iranischen Propheten Zoroaster basiert. Im Mittelpunkt dieser Religion steht der Kampf zwischen Gut und Böse, oft mit den Begriffen Licht und Dunkelheit umschrieben. In dieser Hinsicht ist klar, warum Nouruz für die Zoroastrier so bedeutend ist, bringt der Frühling doch meist die ersten warmen und längeren Tage mit sich.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Die zoroastrischen Wurzeln erklären auch die Beliebtheit des Festes in Zentralasien. Viele Experten behaupten, dass die Muttersprache des Religionsbegründers Zarathustra die altiranische Sprache <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Avestische_Sprache">Avestisch</a> war. Auf diesem persischen Dialekt verständigte man sich vom östlichen Iran bis nach Tadschikistan und Usbekistan. Der Zoroastrismus ist somit tief in Zentralasien verwurzelt und könnte dort sogar seinen Ursprung haben. Die Errichtung der iranischen Ruinenstadt Persepolis war eigens dem Nouruz-Fest gewidmet.

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<figure class="wp-block-image alignnone size-large wp-image-31622"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/03/Persepolis-1536x1024-1-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-31622" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/03/Persepolis-1536x1024-1-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/03/Persepolis-1536x1024-1-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/03/Persepolis-1536x1024-1-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/03/Persepolis-1536x1024-1-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/03/Persepolis-1536x1024-1-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/03/Persepolis-1536x1024-1.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Basrelief in Persepolis, dem heutigen Iran. Diese Stadt wurde speziell gebaut, um Ereignisse wie Nouruz zu feiern. Nur wenige wissen, dass der Zoroastrismus und damit Nouruz tatsächlich aus Zentralasien stammen könnten. Foto von Andre Chipurenko.</figcaption></figure>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Ein zentralasiatischer Feiertag im wahrsten Sinne des Wortes</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Die heutigen Nouruz-Feiern in Zentralasien werden von der einzigartigen Geografie der Region und den Völkern, die im Zuge von Migration, Invasion und (erzwungener) Assimilation nach Zentralasien kamen, geprägt.

Historisch gesehen ist Nouruz mit dem Großraum Iran verbunden. Städte wie Samarkand und Buchara galten seit der Antike als Wiege der persischen Kultur und Sprache. Bis heute dominiert in den beiden Städten der tadschikische Dialekt des Persischen. Doch mit der muslimischen Eroberung Zentralasiens und der Zuwanderung türkischer und mongolischer Stämme aus dem Norden schwand nach und nach die persische kulturelle Vorherrschaft.

<strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/vier-zentralasiatische-kulturpraktiken-neuerdings-immaterielles-kulturerbe-der-unesco/">Vier zentralasiatische Kulturpraktiken ins immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufgenommen</a></strong>

Neue Herrscher bedingten neue kulturelle Einflüsse. Ein Teil der Eroberer versuchte zunächst, lokale Bräuche und Traditionen wie Nouruz zu unterdrücken. Doch weder muslimischen Führern noch türkisch-mongolischen Kriegsherren wie Timur gelang es, das &#8222;persische Neujahr&#8220; abzuschaffen. Stattdessen verfolgten sie einen erfolgreicheren Ansatz der Koadaption, das darin bestand, eigene Folklore in bereits bestehende kulturelle Praktiken zu integrieren. Daher zeichnet sich Nouruz in Zentralasien heute sowohl durch nomadische Traditionen wie Kok Boru als auch durch persische Einflüsse wie das Trinken von Samanak aus.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Kolonisierung und Unterdrückung</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Als die russischen kaiserlichen Armeen Ende des 19. Jahrhunderts Zentralasien kolonisierten, wehte jedoch ein neuer Wind. <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-vor-100-jahren-die-bolschewiki-das-emirat-von-buxoro-und-das-khanat-von-xiva-zerstoerten/">D</a><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-vor-100-jahren-die-bolschewiki-das-emirat-von-buxoro-und-das-khanat-von-xiva-zerstoerten/">ie Russen </a><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-vor-100-jahren-die-bolschewiki-das-emirat-von-buxoro-und-das-khanat-von-xiva-zerstoerten/">hatten </a>den Emir<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-vor-100-jahren-die-bolschewiki-das-emirat-von-buxoro-und-das-khanat-von-xiva-zerstoerten/"> von Buchara</a> als lokale Galionsfigur belassen. Die Nouruz-Feierlichkeiten boten ihm die hervorragende Gelegenheit, sein Gesicht zu wahren und seine politische Legitimität zu stärken. Er lud sogar Zirkusartisten aus dem europäischen Russland ein.

Die Bevölkerung fand an dem Fest jedoch immer weniger Gefallen. Dieser Trend setzte sich fort, als die Sowjets nach dem russischen Bürgerkrieg Zentralasien übernahmen und annektierten. In den Städten waren es sowjetische Ingenieure und Stadtplaner, die den öffentlichen Raum neugestalteten. Nicht selten opferten sie dafür jahrhundertealte Stadtviertel. Dies hatte schwerwiegende Auswirkungen auf das soziale Gefüge der Städte in der gesamten Region und erschwerte die Planung der traditionellen Feierlichkeiten.

<strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/hymnes-de-sang-tadschikische-kurzgeschichten-aus-der-perestroika/">„Hymnes de sang“ – Tadschikische Kurzgeschichten aus der Perestroika</a></strong>

Zudem war Nouruz zu Sowjetzeiten jahrelang verboten, da es als religiöser Feiertag galt. Erst als sowjetische Orientalisten und Ethnologen ihn als vorislamisch einstuften, hoben sie das Verbot wieder auf. Seit dem Zusammenbruch der UdSSR gewinnt Nouruz spektakulär an Beliebtheit.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Nouruz als politisches Instrument</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Historisch gesehen war der Stellenwert des Festes stets den politischen Launen der lokalen Machthaber unterworfen. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Nouruz steht für die Geschichte, Kultur und Geografie Zentralasiens. Daher ist es Politikern ein Leichtes, diesen und andere Feiertage zu instrumentalisieren. Dies gilt besonders für solche, die auf der Suche nach regionaler und nationaler Identität das Erbe der sowjetisch-kolonialen Vergangenheit überwinden wollen.

Unter der Herrschaft des verstorbenen Präsidenten Islam Karimov in Usbekistan zogen beispielsweise einige Regierungsbeamte Nouruz dem gregorianischen Neujahrsfest vor. Sie verordneten sogar keine Feiern mehr zum Jahresende abzuhalten. Alle anderen Feiertage wurden kurzerhand als &#8222;unvereinbar mit der usbekischen Kultur&#8220; erachtet. Erst nach dem Tod Karimovs und dem Amtsantritt seines Nachfolgers Mirziyoyev im Jahr 2016 wurden Verbote und Einschränkungen für das Feiern des westlich geprägten Neujahrsfestes gelockert.

<strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/wie-sich-russlands-beziehung-zu-zentralasien-im-jahre-2022-entwickelt-hat/">Wie sich Russlands Beziehung zu Zentralasien im Jahre 2022 entwickelt hat</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Auch in Kasachstan hat die politische Führung Nouruz als Mittel zur Stärkung der Legitimität wiederentdeckt. In Anlehnung an den Emir von Buchara hat der derzeitige Präsident Toqaev mehrere Reformen in Bezug auf Nouruz vorgeschlagen. Unter anderem soll der Nationalfeiertag auf zehn statt der üblichen vier Tage verlängert werden und die spirituelle und moralische Bedeutung des Festes in den Vordergrund rücken.

Ende 2022 wurde Toqaev inmitten von Hoffnungen und Versprechungen politischer und gesellschaftlicher Reformen als Präsident in vorgezogenen Wahlen wiedergewählt. Politologen sehen in seinen Vorhaben den Versuch, mit dem Erbe seines Vorgängers Nursultan Nasarbaev zu brechen. Die niedrige Wahlbeteiligung bei den jüngsten <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/parlamentswahl-in-kasachstan-nur-demokratische-fassade/">Parlamentswahlen</a> in Kasachstan kurz vor Nouruz zeigt jedoch, dass die anfängliche Begeisterung für Reformen etwas nachgelassen hat.

Mit seinen tiefen historischen Wurzeln in Zentralasien wird Nouruz womöglich ein beliebtes Instrument für Identitätspolitik bleiben, da nationale Führer versuchen, die Zukunft zu steuern, indem sie aus der vorkolonialen Vergangenheit der Region die Rosinen herauspicken.
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<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Julian Postulart für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/en/kazakhstan/beyond-fun-and-games-the-politics-of-nowruz/">Englischen</a> von Arthur Siavash Klischat</strong><strong><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>&nbsp;</strong></p>
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