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	<title>Dekolonialisierung Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Dekolonialisierung Archives</title>
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		<title>Über das unsichtbare Erbe kirgisischer Opiumarbeiterinnen. Kunstausstellung in Karakol</title>
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		<dc:creator><![CDATA[La rédaction]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Dec 2025 18:07:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Dekolonialisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Opium]]></category>
		<category><![CDATA[Trauma]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vom 9. November bis zum 9. Dezember 2025 war in Karakol eine Ausstellung zu sehen, die die Arbeit kirgisischer Frauen auf den Opiumfeldern beleuchtet. W&#xE4;hrend die Lebens- und Arbeitsbedingungen dieser Frauen kaum dokumentiert wurden, sind die Folgen bis heute sp&#xFC;rbar. Wir tauchen ein in eine Ausstellung zwischen Kunst und historischer Aufarbeitung. Im Heimatmuseum von Karakol, [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Vom 9. November bis zum 9. Dezember 2025 war in Karakol eine Ausstellung zu sehen, die die Arbeit kirgisischer Frauen auf den Opiumfeldern beleuchtet. Während die Lebens- und Arbeitsbedingungen dieser Frauen kaum dokumentiert wurden, sind die Folgen bis heute spürbar. Wir tauchen ein in eine Ausstellung zwischen Kunst und historischer Aufarbeitung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Heimatmuseum von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakol">Karakol</a>, östlich des kirgisischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yssyk-K%C3%B6l">Ysyk-Köl-Sees</a>, fand vom 31. Oktober bis zum 10. November 2025 die Künstlerinnenresidenz <em>„Memories woven into the soil. Women’s work in the opium fields“ </em>statt. Mit Unterstützung des Deutsch-Französischen Kulturinstituts in Bischkek, der Zentralasiatischen Universität und des Institut <a href="https://ifeac.hypotheses.org/">Français d’Études sur l’Asie Centrale</a> (IFEAC) haben Künstlerinnen aus Deutschland, Frankreich, Kasachstan und Kirgistan gemeinsam einen Raum geschaffen, der voll und ganz den Frauen gewidmet ist und Kunst und Geschichte verbindet. In zehn Tagen intensiver kreativer Arbeit sind sie den Spuren kirgisischer Frauen während der Sowjetzeit gefolgt und haben die lange verdrängte Geschichte weiblichen Schaffens auf den Opiumfeldern in einer Ausstellung rekonstruiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinter der Initiative stehen die Künstlerin und Forscherin Altyn Kapalowa sowie Lucia Direnberger, Forscherin am IFEAC und am Centre national de la recherche scientifique <a href="https://www.cnrs.fr/en">CNRS</a>. Seit Juni arbeiten sie an dekolonialen Konzepten, um engagierte Frauen zusammenzubringen, die bereit sind, all jenen eine Stimme zu geben, die bislang ignoriert wurden. Berichte, Fotografien, Gemälde, Mode, Tanzperformances und Texte lassen die Besucher:innen eintauchen in eine Ausstellung, in der Körper eine vergessene Geschichte neu schreiben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Geschichte der Opiumbäuerinnen im sowjetischen Kirgistan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Kuratorin Altyn Kapalowa erklärt, wurde Karakol nicht zufällig als Standort für diese Künstlerinnenresidenz ausgewählt: Die Region Ysyk-Köl eignet sich besonders gut für den Anbau von Schlafmohn. Während die ersten Anbaugebiete schon Ende der 1870er Jahre unter dem Einfluss Chinas entstanden, entwickelte sich die Region später schnell zur wichtigsten Opiumproduzentin der gesamten UdSSR.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der damit einhergehenden massiven Nachfrage nach Opium verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen erheblich. Zu den miserablen Löhnen und den hohen Anforderungen der Ernte kamen eine ständige Überwachung durch bewaffnete &nbsp;Kräfte und Durchsuchungen nach jeder Ernte hinzu. Egal ob Männer, Frauen oder Kinder – der Opiumanbau verschonte niemanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach jahrelanger Ausbeutung wurde der Anbau von Schlafmohn 1974 in Kirgistan verboten. Heute ist Drogenkonsum im Land streng illegal, und dieser Teil der kirgisischen Geschichte wurde verdrängt. International kaum bekannt, für die lokale Bevölkerung jedoch von großer Bedeutung, hinterfragen die Künstlerinnen in Karakol diese Politik des Vergessens, die die generationenübergreifenden Traumata der Menschen in der Region leugnet.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine menschliche Geschichte über unmenschliche Arbeit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">An den Wänden des Heimatmuseums hängen farbenfrohe digitale Collagen. Die Aktivistin und Künstlerin <a href="https://www.instagram.com/omi_kami___/">Amaterasu</a> hat Archivfotos von Frauen und Kindern beim Opiumanbau neu interpretiert. Unter jedem Bild lassen Zeitzeug:innenberichte den Schrecken dieser erschöpfenden Arbeit erahnen: <em>„Wir alle hofften, nicht in einer Familie mit Opiumplantagen zu landen. Aber ich hatte kein Glück – kaum hatte ich die Schwelle überschritten, sah ich die Werkzeuge. Ich habe als Kind, in der Schule und sogar als Studentin Opium gesammelt.“</em> Es sind Berichte von Menschen, die zwischen Mohnblumen aufgewachsen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/vom-objekt-zum-subjekt-modelle-vor-kamila-rustambekovas-kamera/">Vom Objekt zum Subjekt – Modelle vor Kamila Rustambekovas Kamera</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere erzählen vom Aufwachen in den frühen Morgenstunden, das sie noch immer verfolgt: <em>„Noch heute höre ich das Hupen des großen Lastwagens – es war vier Uhr morgens, ich musste schnell aufstehen und mich anziehen. Heute kann ich mir gar nicht vorstellen, meine Enkelinnen so früh am Morgen zu wecken – das würde mir so leid tun für sie.“</em> Indem sie die Vergangenheit mit der Gegenwart verbinden, knüpfen die Künstlerinnen die Fäden der Zeit neu und vermitteln einen eindrücklichen Einblick in die Härte der Arbeit auf den Feldern.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong><em>„Es ist nicht nur die Geschichte meiner Mutter, es ist auch meine eigene.“</em></strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den Berichten, die in der Künstlerinnenresidenz präsentiert werden, finden die Bewohner:innen von Karakol die Geschichten ihrer Mütter oder Großmütter wieder. Sie haben diese Ereignisse zwar nicht selbst erlebt, aber sie haben die Traumata ihrer Vorfahren geerbt. Das möchte Oksana Kapischnikowa, Kunsthistorikerin und Künstlerin aus Ysyk-Köl, zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer Performance, die Fotografien, Musik und Tanz miteinander verbindet, erzählt sie die Geschichte ihrer Familie. Als sie zehn Jahre alt war, arbeitete ihre Mutter auf den Opiumfeldern. Noch heute trägt sie die Spuren dieser schweren Arbeit. Aufstehen vor Sonnenaufgang, um drei Uhr morgens, mit durchgefrorenem Körper, dann die Durchsuchung bei der Rückkehr von den Feldern, mit erhobenen Armen, abgetastet werden – all diese Bewegungen sind in ihrem traumatisierten Körper gespeichert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Künstlerin, die sich unter einem Tuch windet, erkundet durch die Bewegungen diese vererbten körperlichen Traumata. Während die Musik schneller wird und die Fotos vorbeiziehen, reißt das Tuch und Oksana Kapischnikowa taucht befreit auf. <em>„Das ist nicht nur die Geschichte meiner Mutter, sondern auch meine eigene“</em>, erklärt sie uns.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mode als Mittel der Befreiung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht alle Künstlerinnen der Residenz stammen aus der Region, so zum Beispiel <a href="https://www.instagram.com/ja.mun.mai/">Julia Exper</a>, eine französische Modedesignerin, die sich seit über zehn Jahren für Zentralasien begeistert. <em>„Als ich jünger war, war ich mit meinem Vater während eines Zwischenstopps an einem Flughafen, und es gab einen Flug nach Peshawar in Pakistan. Als ich die Kleidung der Passagiere sah, war ich ästhetisch überwältigt. Das hat mich nie losgelassen“</em>, erzählt sie. Seitdem lässt sie sich immer wieder von afghanischen Motiven inspirieren und träumt davon, eines Tages Afghanistan zu besuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach künstlerischen Residenzen in Tadschikistan und Mauretanien reiste sie nach Karakol, um die von der Arbeit auf den Feldern erschöpften Frauen mithilfe von Kleidung neue Sichtbarkeit zu verleihen. <em>„Mode ist ein Mittel zur Heilung. Schönheit ermöglicht es, sich auszudrücken und zu pflegen”</em>, erklärt die Designerin. Ihre Kreationen sind zugleich von chinesischer, russischer und nomadischer Mode beeinflusst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/uigurische-region/die-geopolitik-des-drogenhandels-als-das-opium-zentralasien-regierte/">Die Geopolitik des Drogenhandels: Als das Opium Zentralasien regierte</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.chemodanfilms.com/">Gulsat Egemberdiewa</a> stammt aus einer Familie, in der Frauen über drei Generationen Opium ernteten. Sie ist Filmemacherin und Fotomodel. In Zusammenarbeit Exper versucht sie, verschiedene Facetten der Frauen aus Karakol sichtbar zu machen: die Dungan-Tradition, die das Opium in die Region brachte, die sowjetische Arbeitswelt und schließlich den Trost und Schutz durch die umhüllende Pelzkleidung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Projekt namens „Üschkürük“ ermöglicht es die Mode den Künstlerinnen, sich die ausgelöschten Geschichten wieder anzueignen. Kleidung wird zu einer <em>„Rüstung, einem Symbol für kollektive Widerstandsfähigkeit und die Verarbeitung von Traumata“</em>. <em>„Wir haben im Schnee unter extremen Bedingungen fotografiert“</em>, erklärt Julia Exper.<em> „Ich bin sehr stolz auf das gesamte Team.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eintauchen in die Opiumfelder</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Erstmals seit Jahrzehnten wurde der Keller des Museums hergerichtet, um Werke wie die von Marina Solntsewa auszustellen, einer Berliner Künstlerin, die sich mit dekolonialen und feministischen Praktiken auseinandersetzt. Ihr Werk „Feld der unsichtbaren Arbeit“ taucht die Besucher:innen in die Dunkelheit des Untergeschosses, wo sie auf Mohnblumen aus Aluminium treffen, einem Material, das früher zum Sammeln von Opium verwendet wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-baumwolle-ist-ein-fluch-ueber-die-ausstellung-paxta-in-taschkent/">„Die Baumwolle ist ein Fluch“ – Über die Ausstellung „Paxta“ in Taschkent</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem immersiven Erlebnis ist die Dunkelheit mehrdeutig. Als Erinnerung an die erschreckenden Berichte lässt sie die Härte der Arbeit im Dunkeln erahnen. <em>„Wir begannen bei Tagesanbruch zu arbeiten, als die Erde kaum zu sehen war. Wir konnten die Mohnkapseln und die Insekten kaum erkennen – wir konnten kaum die Gänge unterscheiden. Wir arbeiteten nach Gefühl.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch diese Installation analysiert die Unsichtbarkeit der Arbeit von Frauen und versteht sich als immersiv sowie als investigativ: <em>„Warum gibt es Lücken in den Archiven? Warum wurde diese Geschichte in der öffentlichen Debatte so stark kriminalisiert? Und wer hat davon profitiert?“</em>, fragt Marina Solntsewa. Eine kritische Perspektive, die an das Ziel der Residenz erinnert: jenen Frauen wieder eine Stimme zu geben, die von der Geschichte bewusst zum Schweigen gebracht hat. Angesichts der strahlenden Gesichter der Besucher:innen bei der Vernissage kann man sagen: Mission erfüllt für die Künstlerinnen aus aller Welt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong><a href="https://novastan.org/fr/author/saldeguerroure/">Salomé Aldeguer-Roure</a> für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Französischen von</strong><a href="https://novastan.org/de/author/erudolph/"><strong> Elisabeth</strong> <strong>Rudolph</strong></a></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Dekolonialisierung in Kasachstan</title>
		<link>https://novastan.org/de/kasachstan/das-lexikon-der-kasachischen-dekolonialisierung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Julian Postulart]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Feb 2025 19:20:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Dekolonialisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachisch]]></category>
		<category><![CDATA[Russische Invasion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mehr als 30 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion halten sich noch immer kolonialistische Einfl&#xFC;sse in Kasachstan. Russisch ist nach wie vor weit verbreitet und dient als wichtigste Sprache f&#xFC;r die interethnische Kommunikation. Diese fortw&#xE4;hrende sprachliche Dominanz stellt eine gro&#xDF;e Herausforderung f&#xFC;r die vollst&#xE4;ndige Dekolonialisierung der kasachstanischen Identit&#xE4;t dar. Der Einmarsch in die Ukraine hat [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Mehr als 30 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion halten sich noch immer kolonialistische Einflüsse in Kasachstan. Russisch ist nach wie vor weit verbreitet und dient als wichtigste Sprache für die interethnische Kommunikation. Diese fortwährende sprachliche Dominanz stellt eine große Herausforderung für die vollständige Dekolonialisierung der kasachstanischen Identität dar. Der Einmarsch in die Ukraine hat jedoch eine junge urbane Mittelschicht dazu veranlasst, die imperialistischen Überbleibsel zu konfrontieren und ihre Landessprache zurückzuerobern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Russlands kolonialistischer Krieg gegen die Ukraine löste Schockwellen in Zentralasien aus. Moskaus Betonung historischer, kultureller und sprachlicher Verbindungen sorgt in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken zunehmend für Unbehagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders in Kasachstan, Heimat einer großen ethnisch-russischen Bevölkerung, fürchten viele, dass ihr Land als nächstes auf der Liste des Kremls <a href="https://carnegieendowment.org/russia-eurasia/politika/2022/08/after-ukraine-is-kazakhstan-next-in-the-kremlins-sights?lang=en">stehen</a> könnte. Diese Befürchtungen sind nicht unbegründet. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine haben russische Propagandist:innen wiederholt kaum verhohlene Drohungen geäußert, Teile ihres südlichen Nachbarn zu <a href="https://jamestown.org/program/russian-rhetoric-toward-central-asia-grows-increasingly-hostile/">annektieren</a>.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nachdem im September 2022 die Teilmobilisierung in Russland verkündet wurde, sind darüber hinaus hunderttausende überwiegend junge Männer über die Grenze nach Kasachstan geflohen. Ihre Ankunft hat bestehende Sorgen verstärkt und inländische Spannungen zwischen gesellschaftlichen Gruppen, die sich unterschiedlich identifizieren, <a href="https://www.rosalux.de/en/news/id/50365/the-war-in-ukraine-is-changing-kazakhstani-identity">vergrößert</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Kasachstans Regierung in den letzten drei Jahrzehnten versucht hat eine neue nationale Identität zu formen, bleibt der russische Einfluss bestehen. Seit der Eroberung der kasachischen Steppe im 19. Jahrhundert durch zaristische Truppen wurden das Land und die Menschen, die auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan leben, durch die imperialistische Herrschaft geprägt; zuerst durch das Russische Reich, dann durch die Sowjetunion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 20. Jahrhundert zerstörte die Zwangskollektivierung die traditionellen Lebensweisen und führte zu Hungersnöten. Unzählige Menschen zogen in einer verzweifelten Suche nach Essen und Arbeit in die Städte, die selbst koloniale Räume mit imperialer Infrastruktur und Gebäuden waren. Die rasante Urbanisierung und Industrialisierung haben Narben in der Landschaft hinterlassen und verursachen bis heute Umweltverschmutzung sowie Gesundheits- und Umweltprobleme.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Russlands sprachliches Erbe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neben diesen abstrakten postkolonialen Realitäten existiert aber noch immer die bedeutende, wenn auch kontroverse Frage der Sprache. Als Folge von Russlands Einmarsch in die Ukraine sind sich viele schmerzhaft des Einflusses bewusst geworden, den Russland nach wie vor über die Sprache in Kasachstan ausübt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über 30 Jahre nach der Unabhängigkeit bleibt Russisch die wichtigste interethnische Sprache des Landes. Der Politikwissenschaftler Dossym Satpayev schreibt in einem <a href="https://www.chathamhouse.org/2019/11/kazakhstan-tested-transition/5-identity-politics">Artikel </a>für Chatham House, dass die Russifizierungsmaßnahmen &nbsp;in der Kolonialzeit die kasachische Sprache so gründlich unterdrückten, dass die meisten vergessen haben, wie man ihre Muttersprache spricht. Als De-facto Amtssprache der UdSSR war Russisch der Schlüssel zu <a href="https://cabar.asia/en/russian-language-status-in-central-asian-countries">sozialer Mobilität</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion blieben die Vorteile des Kasachisch-Lernens gering. Obwohl Kasachisch die Staatssprache ist und Russisch nur eine offizielle Sprache, genossen die Russischsprechenden in Wahrheit immer noch beträchtliche Privilegien und Vorteile. Bis vor kurzem wurden mangelhafte Kenntnisse des gesprochenen Kasachisch kaum als Problem angesehen, da Russischkenntnisse ausreichten, um ein komfortables Leben zu führen. Besonders galt dies im Norden und in den Städten, wo der Großteil der russischsprachigen Bevölkerung Kasachstans lebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Bildungsbereich war Russisch vorteilhafter, um die Chancen zu erhöhen an renommierten Schulen und Universitäten in Russland zu studieren, teilweise auch wegen der Verfügbarkeit einer größeren Menge wissenschaftlicher Ressourcen. Auch in beruflicher Hinsicht hatten Russischsprechende traditionell mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Kasachisch hingegen wurde als rückständig und unterlegen betrachtet, so erinnert sich der Soziologe Azamat Junisbai, dass er Kasachisch als Heranwachender ausschließlich mit einer ländlichen, unkultivierten Sprache von niedrigem Ansehen <a href="https://x.com/azamatistan/status/1564460697135693826">assoziierte</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/dekolonial-queer-feministisch-zentralasiatischer-kurzfilm-beim-goeast-filmfestival-2023/">Dekolonial, queer, feministisch – zentralasiatischer Kurzfilm beim goEast Filmfestival 2023</a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Angst Moskau zu verärgern</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Anfangs unternahm Kasachstans Regierung wenig, um die kasachische Sprache zu stärken. Die politischen Entscheidungsträger waren besorgt, dass solche Schritte Kasachstans zunehmenden Nationalismus bestärken würde, der wiederum die interethnische Stabilität des Landes gefährden könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb entschied man sich ab den 1990ern, diesen frühen national-patriotischen Bewegungen entgegenzuwirken, indem man &nbsp;die Entwicklung einer kasachstanischen staatsbürgerlichen Identität priorisierte. Diese staatsbürgerliche Identität, die durch den Slogan „<a href="https://astanatimes.com/2021/10/unity-in-diversity-is-our-fundamental-principle-to-preserve-national-unity-says-tokayev/">Einheit in der Diversität</a>“ verkörpert wurde, sollte alle Menschen in Kasachstan unter der Flagge der neuen unabhängigen Republik versammeln, unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die größte Gefahr für die interethnische Stabilität ging weder vom kasachischen Nationalismus, noch von der großen russischen Minderheit des Landes aus. Tatsächlich war Astanas Haltung in dieser Frage lange Zeit von der Befürchtung geleitet, dass Kasachstan mit einer stärker ethnisch-nationalen Politik riskieren würde, seinen nördlichen Nachbarn gegen sich aufzubringen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Demografie verursacht Wandel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Derweil wurde es für die Regierung immer schwieriger, die nationalen Interessen und lokale Wünsche nach einer Stärkung der kasachisch-ethnischen Identität auszubalancieren. Nach der Unabhängigkeit verließen Millionen Russen Kasachstan, was das demografische Gesicht des Landes dramatisch veränderte. Kasachen sind nun die klare Mehrheit. Sie sind die am schnellsten <a href="https://daryo.uz/en/2023/12/06/kazakhstan-at-20-million-populations-and-possibilities">wachsende</a> ethnische Gruppe des Landes, und es wird angenommen, dass ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung weiter wächst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Satpayev argumentiert in seinem Beitrag für Chatham House, dass die Stärkung national-patriotischer Einstellungen und Bewegungen organischen Ursprungs ist. Mit Blick auf demografische Trends wird die Unterstützung für eine kasachische Identität weiter wachsen, während gleichzeitig der Gebrauch der russischen Sprache vermutlich zurückgehen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die russische Invasion der Ukraine katalysierte soziale Prozesse, die aus diesen demografischen Entwicklungen resultierten, und derzeitge und zukünftige politische Präferenzen beeinflussen. Noch vor kurzem war die Debatte um die nationale Identität recht unbedeutend, hauptsächlich diskutiert in kleinen Zirkeln kasachischsprechender intellektueller Eliten. Durch den Krieg wurde diese Diskussion in die Öffentlichkeit gerückt und eine zunehmende Zahl an Menschen entdeckt dabei neu, was es bedeutet, kasachisch zu sein im Kontext des kolonialen Erbes.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sprache als Werkzeug der Dekolonialisierung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sprache ist wahrscheinlich die hartnäckigste Bastion des russischen Einflusses in Kasachstan. In einer <a href="https://open.spotify.com/episode/1OLQ5OX56WPrMCkC2yqxM3?si=gaU5AWLDRFGZlR0A6QsF5A">Folge</a> des Majlis Podcast von RFE/RL erläutert der Soziologe Junisbai, dass ältere Generationen hauptsächlich russische Medien konsumieren, was sie empfänglicher für russische Propaganda macht. Als Folge ist die Idee eines sogenannten „wohlwollenden Kolonialismus“ unter Älteren immer noch weit verbreitet. Viele glauben, dass Kasachstan der Fremdherrschaft viel zu verdanken habe, etwa die Industrialisierung und Modernisierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/russlands-druck-auf-zentralasiatische-medien-nimmt-zu/">Russlands Druck auf zentralasiatische Medien nimmt zu</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Gefühl wird von jüngeren Generationen nicht geteilt. Sie haben keine eigene Erinnerung an die Sowjetunion und versuchen die letzten Überreste des sowjetischen und russischen Kolonialismus in einem Streben nach einer neuen kasachischen Identität aufzulösen. Für sie ist Sprache ein Instrument der Dekolonialisierung. Auf den Straßen spiegelt sich dies beispielsweise in einer <a href="https://timesca.com/success-is-possible-in-kazakhstan-an-interview-with-fashion-brand-qazaq-republic/">wachsenden Beliebtheit</a> der Modemarke Qazaq Republic wider. Das Unternehmen, bekannt für seine trendige Kleidung und andere Artikel mit patriotisch-kasachischen und englischen Slogans, verdankt seinen Erfolg weitgehend diesen&nbsp;gesellschaftlichen Entwicklungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Artikel des Medienunternehmens „The Diplomat“ sagt Biybaris Seitak, Gründer des beliebten kasachischsprachigen Instagram-Kanals „Kazakh Bubble“, dass die russische Invasion der Ukraine vielen Kasachen bewusst gemacht habe, dass „Kasachisch zu sprechen eine Frage der nationalen Sicherheit“ sei. Der Krieg habe dazu geführt, dass sich viele unwohl dabei fühlten, in der Sprache des ehemaligen Kolonialherren über Dekolonialisierung zu sprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher hat Russlands Einmarsch viele dazu veranlasst, Worte in Taten umzusetzen. Die Beliebtheit von Kasachisch-Sprachschulen und Clubs ist <a href="https://eurasianet.org/kazakhstan-ukraine-war-motivates-russian-speakers-to-learn-kazakh">explodiert </a>und die kasachstanische Regierung ist auf den Zug aufgesprungen, indem sie neue Pläne zur Förderung der kasachischen Sprache auf den Weg bringt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Präsident Qasym-Jomart Toqaev erklärte, dass die angekündigte Alphabetreform, die den <a href="https://thediplomat.com/2024/09/the-latinization-of-kazakhstan-language-modernization-and-geopolitics/">Übergang</a> vom Kyrillischen zu einem lateinbasierten Schriftsystem vorsieht, nicht übereilt werden sollte, hat er mehrere andere Pläne für eine unabhängigere Sprachpolitik vorgelegt. Diese beinhalten einen verpflichtenden <a href="https://eurasianet.org/kazakhstan-government-taking-action-to-promote-kazakh-language">Kasachisch-Sprachtest</a> für Menschen, die die Staatsbürgerschaft beantragen, einen Entwurf für ein neues <a href="https://www.theguardian.com/world/2023/oct/06/kazakhstan-drafts-media-law-to-increase-use-of-kazakh-language-over-russian">Medien-Gesetz</a> zur Steigerung des Gebrauchs der kasachischen Sprache, und <a href="https://astanatimes.com/2023/04/kazakhstan-prepares-new-document-to-boost-development-and-prevalence-of-kazakh-language/">Bildungsreformen</a> zur Verbesserung der Kasachisch-Kenntnisse.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine unaufhaltsame Entwicklung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Angst vor Gegenreaktionen bleibt. Die wachsende Bedeutung des Kasachischen könnte die nicht kasachischsprachige &nbsp;Bevölkerung vor den Kopf stoßen, so wie die immer noch bedeutende russische Minderheit des Landes. Satpayey beschreibt in seiner Arbeit für Chatham House, dass diese Menschen sich „in der Falle“ oder sogar diskriminiert fühlen könnten. Ein Identitätskonflikt droht, was das Risiko von Radikalisierung und prorussischen Separatismus erhöht – und möglicherweise eine Reaktion aus Moskau hervorrufen könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/eine-eklatante-manifestation-von-russophobie-kasachstan-im-epizentrum-eines-informationskriegs/">„Eine eklatante Manifestation von Russophobie“ – Kasachstan im Epizentrum eines Informationskriegs</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der großangelegten Invasion der Ukraine nutzte Russland die vermeintliche Verletzung der Rechte russischer Minderheiten im Ausland, um in Nachbarländern zu intervenieren, sei es diplomatisch, wirtschaftlich oder militärisch. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass Russland auf Grund der Förderung der kasachischen Sprache in Kasachstan einmarschiert. Moskau ist mit anderen Dingen beschäftigt, und wichtiger noch, braucht Kasachstan aus wirtschaftlichen Gründen, etwa für den <a href="https://vlast.kz/english/57815-sanctioned-goods-continue-to-find-their-way-to-russia-via-kazakhstan.html">Import </a>von Dual-Use-Gütern, die Russland helfen, seinen Krieg gegen die Ukraine aufrechtzuerhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztlich sind weder Astana noch Moskau in der Lage, die wachsende Bedeutung der kasachischen Sprache aufzuhalten, selbst wenn sie es wollten. Der Krieg in der Ukraine und Spannungen mit dem Westen schränken derzeit eine bedeutende russische Reaktion ein. Gleichzeitig drängt die demografische Entwicklung Tokayevs Regierung zunehmend dazu, eine ethnisch geprägte nationale Identität zu fördern. Was die Zukunft bereithält, bleibt abzuwarten. Doch solange die derzeitige geopolitische Realität bestehen bleibt, wird sich die Dekolonialisierung Kasachstans voraussichtlich fortsetzen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Für die Redaktion von Novastan Julian Postulart</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Englischen von Baibolsin</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Tadschikistan: Erst über Bildung und Arbeit nachdenken, dann über Dekolonisierung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Apr 2024 19:59:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Dekolonialisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Geschiche]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Politologe Muhammad Schamsuddinow nimmt Stellung zu der Dekolonisierungsdebatte in Tadschikistan. Er zieht Bilanz &#xFC;ber den Wert der Sowjetzeit f&#xFC;r den Lebensstandard der tadschikischen Bev&#xF6;lkerung. Au&#xDF;erdem stellt er die Frage, ob Tadschikistan einen eigenen Nationalstaat erbaut h&#xE4;tte, wenn die Staatsgr&#xFC;ndung nicht durch die Bolschewiki, sondern durch andere Kr&#xE4;fte erfolgt w&#xE4;re. Von welcher Art Nationalstolz und [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Politologe Muhammad Schamsuddinow nimmt Stellung zu der Dekolonisierungsdebatte in Tadschikistan. Er zieht Bilanz über den Wert der Sowjetzeit für den Lebensstandard der tadschikischen Bevölkerung. Außerdem stellt er die Frage, ob Tadschikistan einen eigenen Nationalstaat erbaut hätte, wenn die Staatsgründung nicht durch die Bolschewiki, sondern durch andere Kräfte erfolgt wäre. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von welcher Art Nationalstolz und Identität kann die Rede sein, wenn Tadschik:innen von Kindesbeinen an davon träumen, in Russland zu arbeiten? [ein Großteil der Bevölkerung Tadschikistans wandert – zumindest für eine gewisse Zeit – als Arbeitsmigrant:innen nach Russland aus. Anm. d. Red. Novastan.]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Frage stellt der tadschikische Politikwissenschaftler Muhammad Schamsuddinow und diskutiert, inwiefern es sinnvoll ist, von einer Dekolonisierung in Zentralasien zu sprechen und welche Gestalt diese haben sollte. Er fragt danach, wie sich nationale Identität eigentlich konstituiert und erläutert, warum es wichtig ist, die eigene Geschichte zu achten. (…)</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Dekolonisierung in Tadschikistan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Dekolonisierung sollte alle gesellschaftlichen Bereiche umfassen. Bei der Identitätsbildung geht es um mehr als die Verbreitung immaterieller Ideale. Wenn wir ständig von der Größe unserer Vorfahren, unserer Kultur und unserer Geschichte sprechenund unsere Landsleute trotzdem von Kindesbeinen daran denken nach Russland auszuwandern, um dort ihr Brot zu verdienen, von welcher Art von Dekolonisierung des Geistes und des Denkens können wir dann sprechen?</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="614" height="405" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/Tadschikische-Migranten-1.png" alt="" class="wp-image-38806" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/Tadschikische-Migranten-1.png 614w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/Tadschikische-Migranten-1-300x198.png 300w" sizes="(max-width: 614px) 100vw, 614px" /><figcaption class="wp-element-caption">Tadschikische Migranten Quelle: asiaplustj.info</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dekolonisierung erfordert die umfassende Entwicklung des Staates. Dasselbe gilt für die nationale Identität. Um unseren Verstand und unser Denken, um unsere Identität zu dekolonisieren und um auf das eigene Land stolz zu sein, muss &#8211; die Wirtschaft entwickelt, müssen Arbeitsplätze geschaffen und der Lebensstandard verbessert werden. Es muss auch in Technologie und Innovation investiert werden, Bildung und Kultur müssen vorangebracht werden. Die nationale Idee darf sich nicht nur auf die Geschichte stützen. Sie muss auch zukunftsgerichtete Entwicklungskonzepte beinhalten. (…)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest mehr auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/kolonialismus-und-dekolonisierung-sollten-die-tadschikinnen-ihre-vergangenheit-ueberdenken/"><strong>Kolonialismus und Dekolonisierung. Sollten die Tadschik:innen ihre Vergangenheit überdenken?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die frühe Sowjetära in Zentralasien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Heute wird insbesonders im intellektuellen Milieu alle Schuld auf den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bolschewiki">Bolschewismus</a> geschoben. Dieser sei nicht nur für die historische Tragödie der zwanziger Jahre verantwortlich, sondern auch für die Zerstörung der lokalen Identität, für die negative Beeinflussung der Geschichte und für die Änderung der damaligen Schriftsprache [und des Alphabets – Anm. der Red. von Novastan].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Betrachtet man jedoch die historischen Ereignisse, die sich im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in der Region abspielten, bevor die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunismus#:~:text=Der%20Begriff%20Kommunismus%20bezeichnete%20in,mehrere%20Gesellschaftsentw%C3%BCrfe%20und%20deren%20Umsetzungsversuche.">Kommunist:innen</a> kamen, lassen sich einige Schlussfolgerungen ziehen. Ausgangspunkt der Betrachtung stellen die Entwicklungen dar, die in der Region zu dieser Zeit stattgefunden haben. In dieser Analyse geht es nicht um Sympathie für die Bolschewik:innen, auch nicht um die Rechtfertigung ihrer Handlungen. Vielmehr basiert die Analyse auf einer pragmatischen geopolitischen Analyse. </p>



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<p class="wp-block-paragraph">Erstens gab es in der Region drei mittelalterliche Staaten (falls man sie überhaupt als ‚Staaten‘ bezeichnen kann, denn die Region lebte noch in der vormodernen, traditionellen Gemeinschaft. Was heute unter einem (National-)Staat verstanden wird, ist ein Produkt der Moderne): das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emirat_Buchara">Emirat Buchara</a> und die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khanat_Kokand">Khanate Kokand</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khanat_Chiwa">Chiwa</a>, &nbsp;welche von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turkv%C3%B6lker">turk-stämmigen</a> Herrschern regiert wurden (was Folgen hätte haben können, auf die weiter unten eingegangen wird).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens verbreiteten sich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Ideen des <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-sowjetische-geschichte-zentralasiens-12/">Panturkismus</a> und des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschadidismus">Dschadidismus</a> (modernistische Reformbewegung) in der Region und fanden hier Anhänger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Ideen zur Gründung eines tadschikischen Staates betrifft: Existierten damals solche Ideen und Unterstützer solcher Ideen? Gab es Menschen und Intellektuelle, die die Gründung eines tadschikischen Staates forderten? Gab es Leute, die für die Gründung des tadschikischen Staates gekämpft haben? Bedauerlicherweise gab es zu der Zeit, als die Kommunist:innen kamen, keine ernstzunehmenden Ideen für eine tadschikische Staatsgrüdung und keine Anhänger derartiger Konzepte. Dementsprechend fehlten die Voraussetzungen für den Aufbau eines tadschikischen Staates. Diese Bedingungen wurden erst nach der Ankunft der Bolschewiki geschaffen, als die national-regionale Abgrenzung in der Region begann. Erst mit der Ankunft der Bolschewiki fingen die Menschen an, sich für die Schaffung eines tadschikischen Staates einzusetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Wir müssen lernen, diesen Teil unserer Geschichte zu respektieren.“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Was die panturkistische Idee betrifft, lassen sich einige Vermutungen anstellen, welche Folgen diese in der Region gehabt hätten. Hätte sich die Region vom Russischen Reich und den Bolschewiki befreit, wäre ein einheitlicher Turkstaat entstanden. Der Panturkismus war damals stark genug, um dies zu realisieren. Und es gab tatsächlich Versuche, ein solches Projekt zu verwirklichen. Man denke an den Feldzug <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Enver_Pascha#Kampf_f%C3%BCr_ein_neues_Kalifat_und_Tod">Enver Paschas</a>, der die Schaffung eines einheitlichen Turkstaates anstrebte und von der lokalen Intelligenzia und der Elite unterstützt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer hat die Bildung eines einheitlichen Turkstaates (der auch die Bevölkerung Tadschikistans umfasst hätte) in der Region verhindert? Wer hat die Gründung eines tadschikischen Staates gegen die Idee des Panturkismus unterstützt? Die Bolschewiki.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest mehr auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-sowjetische-geschichte-zentralasiens-12/"><strong>Die sowjetische Geschichte Zentralasiens (1/2)</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Persönlichkeiten, die heute in Tadschikistan als Staatshelden verehrt werden, bewegten sich damals in einem Umfeld, in dem die Idee des Panturkismus dominierte. Die Tadschik:innen wurden nicht als unabhängige Nation und Volk betrachtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit soll nicht gesagt werden, dass die Bolschewiki von dem Wunsch beseelt waren, dem tadschikischen Volk zu einem eigenen Staat zu verhelfen. Tatsächlich geschah dies aus geopolitischen Gründen (um den Einfluss des Panturkismus zu untergraben, sowie aus geopolitischen Interessen im Zusammenhang mit dem benachbarten Afghanistan).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man kann also mit Recht sagen, dass unter der Sowjetunion die Grundlagen des tadschikischen Nationalstaates gelegt wurden. Unter der Sowjetunion begann die nationale Identität Gestalt anzunehmen, als sich das tadschikische Volk zum ersten Mal seit langer Zeit als eine Nation mit einem eigenen Nationalstaat erkannte. Die Grundlagen des modernen tadschikischen Nationalstaates wurden also in der UdSSR geschaffen, und als diese zerbrach, war sie das Fundament für einen unabhängigen Nationalstaat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-vor-100-jahren-die-bolschewiki-das-emirat-von-buxoro-und-das-khanat-von-xiva-zerstoerten/"><strong>Wie vor 100 Jahren die Bolschewiki das Emirat von Buchara und das Khanat von Xiva zerstörten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="1024" height="627" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/15.-Maerz-1925-Ausrufung-der-ASSR.jpg" alt="" class="wp-image-38803" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/15.-Maerz-1925-Ausrufung-der-ASSR.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/15.-Maerz-1925-Ausrufung-der-ASSR-300x184.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/15.-Maerz-1925-Ausrufung-der-ASSR-768x470.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kundgebung 1925 in der Tadschikischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik. Quelle: asiaplustj.info</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Staat entsteht nicht von selbst. Es herrschte zwar der Kommunismus und das Konzept des Nationalstaates stand irgendwo an zweiter oder dritter Stelle, aber es gab das Verständnis in den Köpfen der Menschen, dass es einen tadschikischen Staat gibt. Dasselbe gilt auch für andere Länder der Region. Vor der Ankunft der Sowjets in der Region gab es keine Nationen, Nationalstaaten und Identitäten. Diese Konzepte sind Produkte der Moderne, sie existierten damals nicht in der Region.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter der Sowjetunion wurden auch die Grundlagen für eine neue Kultur, Bildung, Gesundheitsversorgung, Industrie, Eisenbahnen und Autobahnen gelegt. Die Sowjetunion baute Schulen, Universitäten, schöne Theater, Kinos, Fabriken, neue Maschinen, garantierte erschwingliche Preise für Waren, Gleichheit; sie brachte eine gebildete Bevölkerung hervor und entwickelte die Wissenschaft. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sowjetunion brachte große Errungenschaften mit sich. Weshalb behandeln wir diesen Abschnitt der Geschichte Tadschikistans mit Verachtung? Wir sollten lernen, diesen Teil unserer Geschichte zu respektieren. Fangen wir an ihn zu achten und stolz auf ihn zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">(…)</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Muhammad Schamsuddinow für Asiaplus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Gekürzt aus dem <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/opinion/20240105/snachala-v-tadzhikistane-nuzhno-podumat-ob-obrazovanii-i-rabote-a-potom-o-dekolonizatsii">Russischen</a> von Berenika Zeller</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1"></a></p>
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		<title>Kolonialismus und Dekolonisierung. Sollten die Tadschik:innen ihre Vergangenheit überdenken?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Oct 2023 14:09:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Dekolonialisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Jahr 2024 j&#xE4;hrt sich zum 100. Mal die Gr&#xFC;ndung der Tadschikischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik, der ersten Staatsgr&#xFC;ndung der Tadschik:innen innerhalb der UdSSR. Was hat die Sowjetherrschaft dem tadschikischen Volk gebracht und wie haben sich die letzten Jahrzehnte f&#xFC;r sie gestaltet? Die Mediengruppe Asia-Plus lud den renommierten, tadschikischen Wissenschaftler und Historiker Saifulloh Mullodjon ein, um [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2024 jährt sich zum 100. Mal die Gründung der Tadschikischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik, der ersten Staatsgründung der Tadschik:innen innerhalb der UdSSR. Was hat die Sowjetherrschaft dem tadschikischen Volk gebracht und wie haben sich die letzten Jahrzehnte für sie gestaltet? Die Mediengruppe <em>Asia-Plus</em> lud den renommierten, tadschikischen Wissenschaftler und Historiker Saifulloh Mullodjon ein, um eine Diskussion zum Thema Dekolonisierung in der tadschikischen Gesellschaft zu eröffnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Zerfall der Sowjetunion begann in den Ländern Osteuropas und später in den neuen unabhängigen Republiken der ehemaligen Sowjetunion ein Prozess der Neubewertung politischer, nationaler und kultureller Identitäten, der als Dekolonisierung bezeichnet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je nach politischem System und Interessenlage der herrschenden Elite verlief dieser Prozess in den einzelnen Ländern unterschiedlich. Doch alle Staaten überlebten diese historische Phase und legten so den Grundstein für ihre politische und kulturelle Unabhängigkeit. Denn bei der Kolonisierung geraten Völker bewusst oder unbewusst unter den Einfluss einer fremden Zivilisation und opfern dadurch ihre eigene Geschichte, Kultur, Weltanschauung und Tradition.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Dekolonisierung bedeutet mehr als die politische Unabhängigkeit eines Landes. Es geht darum, die Folgen der Kolonialisierung zu beseitigen, das kulturelle Erbe zu schützen und wiederzubeleben, die Landessprache zu bewahren und den Menschen Raum zu geben, sich ihrer Geschichte zu erinnern und sie zu verstehen. Es geht auch darum, sich vom informationellen und ideologischen Einfluss eines anderen Landes zu befreien.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Erfahrung der Dekolonisierung in der Welt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Politikwissenschaftler:innen unterscheiden zwischen verschiedenen Arten der Dekolonisierung. Für unsere tadschikische Gesellschaft ist eine ruhige und ausgewogene Herangehensweise an das Thema am akzeptabelsten &#8211; ohne Forderungen an einen bestimmten Staat zu stellen und ohne den Drang, über die wesentlichen Ereignisse der Kolonialzeit und den Wert der Unabhängigkeit aufzuklären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Unabhängigkeit &#8211; anstatt ein zentraler Wert für die Menschen zu sein &#8211; zu einem leeren und bedeutungslosen Konstrukt wird. An diesem nationalen Projekt sollten Wissenschaftler:innen verschiedener Disziplinen beteiligt sein, von Ökonomen und Politikwissenschaftler:innen bis hin zu Historiker:innen, Sprach- und Kulturwissenschaftler:innen. Erst wenn ein wissenschaftlich fundiertes Projekt vorliegt, sollte der Staat mit der Umsetzung beginnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/bruecken-der-erinnerung-eine-konferenz-zur-dekolonisierung-in-bischkek/">„Brücken der Erinnerung“: Eine Konferenz zur Dekolonisierung in Bischkek</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erfolgreichen Länder der Welt haben zuerst ihre politische Unabhängigkeit erlangt und dann gezielt Projekte durchgeführt, um die Grundlagen ihrer Unabhängigkeit zu festigen und die Folgen des Kolonialismus zu beseitigen. Beispielsweise waren China und Indien früher ganz oder teilweise Kolonien westlicher Länder, aber in keiner Studie von Wissenschaftler:innen dieser Länder wird diese Seite der Geschichte mit Stolz erwähnt oder als „einziger Weg zu Heil und Glück“ bezeichnet. Vielmehr wurden in diesen Ländern Programme zur Überwindung der Folgen der Kolonialisierung durchgeführt, die China und Indien zu den heutigen Wohlstandsländern gemacht haben. Ähnliche Programme werden derzeit in den baltischen Staaten, Georgien, der Ukraine und Kasachstan durchgeführt, also in Ländern, die bis vor kurzem noch Teil der Sowjetunion waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen dieser Länder (Lettland, Litauen, Estland, Ukraine und Georgien) wird diese Politik aktiv und entschlossen umgesetzt, in anderen (Aserbaidschan und Kasachstan) aus politischen Gründen eher vorsichtig.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Warum brauchen die Tadschik:innen die Dekolonisierung?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Abriss des Lenin-Denkmals im Herbst 1991 war einer der Auslöser des Bürgerkrieges. Während der gesamten militärisch-politischen Auseinandersetzung im Jahr 1992 wurde dieses Ereignis von den Konfliktparteien immer wieder erwähnt, was bei einem Teil der Bevölkerung des Landes, insbesondere bei den Anhänger:innen des Sowjetsystems und der kommunistischen Führung, zu sehr scharfen Reaktionen führte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenig später wurden allein in der <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%93%D0%BE%D1%80%D0%BE%D0%B4%D1%81%D0%BA%D0%BE%D0%B9_%D1%81%D0%B0%D0%B4_%C2%AB%D0%91%D0%BE%D0%B3%D0%B8_%D0%A0%D1%83%D0%B4%D0%B0%D0%BA%D0%B8%C2%BB">Lenin-Allee (der heutigen Rudaki-Allee)</a> sechs weitere Statuen des „Führers des Weltproletariats“ entfernt, danach verschwanden still und leise Hunderte weiterer Denkmäler aus der Sowjetzeit. Außer ein paar Journalist:innen nahm niemand Notiz davon. Das heißt, es wurde ein stiller Weg gewählt, um das Erbe der Vergangenheit zu beseitigen. Ein weiterer Schritt zur Beseitigung des kolonialen Einflusses war die Rückkehr zu tadschikischen Namen, die 2007 begann und bis heute andauert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sprache-als-mittel-zur-identitaetsfindung-und-abkehr-von-kolonialen-strukturen/">Sprache als Mittel zur Identitätsfindung und Abkehr von kolonialen Strukturen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gesamte Bevölkerung (nicht nur Fachleute und Gelehrte) sollte die Eroberer (ob Griechen, Araber, Mongolen oder Russen) bei ihrem richtigen Namen nennen. Die Menschen müssen verstehen, dass derjenige, der unser Land einst eroberte, in erster Linie seine politischen und wirtschaftlichen Interessen verfolgte und dass ein Eroberer niemals ein „Retter“ oder „Befreier“ sein kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als objektive Realist:innen unserer Geschichte haben wir nicht das Recht, die Augen vor den offensichtlichen Wahrheiten zu verschließen. Nur so können wir aus der Vergangenheit lernen und eine bessere Zukunft aufbauen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vorgeschichte/Der Hintergrund</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den ersten Jahren der sowjetischen Herrschaft (1923-1947) wurde auf Geheiß der sowjetischen Führung immer wieder betont, dass Zentralasien vor der Revolution eine Kolonie gewesen sei. Dies geschah, um den lokalen Intellektuellen und der breiten Öffentlichkeit zu erklären, dass die Sowjetunion, die das Russische Reich ablöste, etwas anderes und viel besseres sei. In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts änderte sich jedoch die Sichtweise der Sowjetunion auf dieses Thema &#8211; die damaligen Ereignisse wurden anders bewertet, man begann, nur noch von den „Vorteilen“ der Eroberung Zentralasiens zu sprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ging so weit, dass Wissenschaftler:innen in Tadschikistan und anderen zentralasiatischen Ländern begannen, von einer „Annäherung“ oder gar einem „freiwilligen Anschluss“ der Region an Russland zu sprechen. Angesichts der Tatsache, dass die Russ:innen selbst diesen Prozess als Eroberung bezeichneten, erschien dies natürlich absurd.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als beispielsweise Kaiser Alexander II., der Eroberer Zentralasiens, 1881 ermordet wurde, errichtete man an seinem Grab eine Gedenktafel mit den Verdiensten des Zaren. Eines dieser Verdienste war die „Eroberung Zentralasiens“. Auch russische Gelehrte wie M. Terentjew, K. Abaza bevorzugten in ihren Schriften das Wort „Eroberung“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der amerikanische Wissenschaftler Willard Sunderland hat in einer seiner Studien die Besonderheiten der Kolonialpolitik der europäischen Länder gegenüber den Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas aufgezählt und Russland als ein Land mit einer spezifischen Kolonialpolitik bezeichnet.</p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der zeitgenössische russische Historiker Sergej Abaschin schreibt in seinen Forschungen über die Eroberung Zentralasiens und charakterisiert die Region als Kolonie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In unseren Nachbarländern wurden zahlreiche Studien über die Eroberung Zentralasiens und die Folgen des Anschlusses dieser Gebiete an Russland durchgeführt. In Tadschikistan ist dieses Thema jedoch noch nicht ernsthaft diskutiert und erforscht worden. Einige Werke, die sich mit der Etablierung der Sowjetherrschaft in der Region befassen, sprechen nur von den „einzigartigen Errungenschaften“ dieses Systems, während andere diese Ereignisse als „Verbrechen und Verrat“ des Sowjetregimes charakterisieren.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Sajfullochi Mullodchon<br><a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20230803/kolonializm-i-dekolonizatsiya-pochemu-tadzhiki-dolzhni-pereosmislit-svoe-proshloe">Asia Plus</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Usmon Rakhmonov</strong></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/kolonialismus-und-dekolonisierung-sollten-die-tadschikinnen-ihre-vergangenheit-ueberdenken/">Kolonialismus und Dekolonisierung. Sollten die Tadschik:innen ihre Vergangenheit überdenken?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Dekolonial, queer, feministisch – zentralasiatischer Kurzfilm beim goEast Filmfestival 2023</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Annkatrin Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 May 2023 04:42:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unter dem Motto &#x201E;Decolonizing the (post-)soviet screen&#x201C; fand vom 26. April bis 2. Mai 2023 das 23. goEast Festival des mittel- und osteurop&#xE4;ischen Films in Wiesbaden statt. Dem Schwerpunkt Dekolonialisierung widmeten sich unter anderem zahlreiche Kurzfilmbeitr&#xE4;ge &#x2013; auch aus Zentralasien. Nicht erst seit dem 24. Februar 2022 h&#xF6;rt man den Begriff der Dekolonialisierung im Hinblick [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Unter dem Motto „Decolonizing the (post-)soviet screen“ fand vom 26. April bis 2. Mai 2023 das 23. goEast Festival des mittel- und osteuropäischen Films in Wiesbaden statt. Dem Schwerpunkt Dekolonialisierung widmeten sich unter anderem zahlreiche Kurzfilmbeiträge – auch aus Zentralasien.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht erst seit dem 24. Februar 2022 hört man den Begriff der Dekolonialisierung im Hinblick auf den postsowjetischen Raum immer häufiger: Viele postsowjetische Staaten ringen bereits seit dem Zerfall der Sowjetunion mit dem Erbe der sowjetischen Politik und der Frage der eigenen kulturellen Identität. Der großflächige Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine verlieh der Auseinandersetzung mit dem russischen/sowjetischen Imperialismus noch einmal eine besondere Dringlichkeit – auch in Zentralasien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Entwicklung griff die 23. Edition des <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/">goEast Festivals des ost- und mitteleuropäischen Films</a> in Wiesbaden nun auf und widmete sich schwerpunktmäßig dem kulturellen und filmindustriellen Erbe der Sowjetunion und ihm entgegengesetzten, dekolonialen künstlerischen Ansätzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zentralasiatischer Kurzfilm beim „Rheinmain Kurzfilmpreis – Native Edition“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Kurzfilmsparte legte das Festival einen besonderen Fokus auf bisher marginalisierte filmischen Sprachen und Stimmen jenseits von dominanten Mainstreamnarrativen. In der Kategorie „RheinMain Kurzfilmpreis“ mit dem diesjährigen Titelzusatz „Native Edition“ liefen daher dieses Jahr erstmals ausschließlich Werke <em>„von indigenen Filmemacher:innen sowie von Filmschaffenden aus marginalisierten und osteuropäischen Minderheiten des postsowjetischen Raums“</em>.</p>



<p class="has-primary-800-color has-accent-500-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph">A<strong>ls vereinsgetragene, <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängige</a> Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! Durch jede noch so kleine <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Kurzfilmen etwa von burjatischen und tartarischen Regisseur:innen konkurrierten auch drei zentralasiatische Kurzfilme um den mit 2.500 Euro dotierten Preis. Zwar überzeugte die Jury letztendlich der tschetschenische Film „No Nation without culture“ (Vladlena Sandu, 2022), doch die drei zentralasiatischen Beiträge „Ertak“, „Neither in the Mountains nor in the Fields“ und „Aralkum“ boten einen spannenden Einblick in aktuelle Trends im zentralasiatischen Kurzfilm.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Lobende Erwähnung für „Aralkum“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Keinen Preis, dafür eine „lobende Erwähnung“ der Jury erhielt „Aralkum“ von Daniel Asadi Faezi und Mila Zhluktenko. Die usbekisch-deutsche Koproduktion erzählt vom Verschwinden des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aralsee">Aralsees</a> und der Ausbreitung der titelgebenden Wüste <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aralkum">Aralkum</a>, die sich heute auf großen Teilen des ehemaligen Seegrunds erstreckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit seiner gekonnten Zusammenstellung von Archivmaterial und gefilmten Passagen führt der Kurzfilm dem Publikum die drastischen Folgen der sowjetisch geplanten Baumwollwirtschaft vor Augen: das Aussterben heimischer Tierarten, von denen nur noch Präparate zeugen, die zum erliegen gekommene Fischindustrie – symbolisiert durch die verrosteten Schiffe, die im ehemaligen Hafen von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Moʻynoq">Mo‘ynaq</a> im Wüstensand liegen – und nicht zuletzt die Resignation der lokalen Bevölkerung, die mit dem Verschwinden des Sees teils auch ihren Lebensinhalt verloren hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die Straßen des Ortes am Rande der neu entstandenen Wüste weht immer mal wieder ein unwirtlicher, staubiger Wind, ansonsten scheint die Region still zu stehen. Hoffnung spendet einzig der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saxaul">Saxaul</a>: das einzige Gewächs, das in der Aralkum wachsen kann, und das seit einigen Jahren dort gezielt angepflanzt wird, um die Schäden der Verwüstung abzumildern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/dokumentarfilm-waiting-for-the-sea-von-techno-und-tradition-in-usbekistan/"><strong>Dokumentarfilm „Waiting for the Sea“ &#8211; von Techno und Tradition in Usbekistan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die eindrücklichen, langsamen Filmaufnahmen und das Archivmaterial aus Zeiten, als der See noch zum Fischen diente, werden durch Zitate aufgebrochen – teils von einem einheimischen ehemaligen Fischer, teils aus wissenschaftlichen Texten. Welche Aussagen von wem stammen, ist meist nicht gekennzeichnet, und so verdichten sich individuelle Erfahrung und wissenschaftliche Analyse zu einem Gesamteindruck der verheerenden Folgen der sowjetischen Planwirtschaft in Zentralasien. „Aralkum“ trifft damit den Nerv des diesjährigen Festivalthemas und der aktuellen Debatte um die Folgen des russischen Imperialismus.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Multiethnisches Kirgistan: Neither on the Mountain nor in the Field</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Archivmaterial greif auch die kirgisische Filmemacherin Gulzad Egemberdieva für ihren Kurzfilm „Neither on the Montain nor in the Field“ zurück. Mit selbst gedrehten Aufnahmen, Fotografien, ethnografischem Material und aufgezeichneten Telefongesprächen setzt sie daraus ein Gesamtkunstwerk zusammen, das die Vielfältigkeit und unterschiedlichen Herausforderungen verschiedener ethnischer Gruppen in Kirgistan zeigt. So treten Angehörige unterschiedlicher ethnischer Gruppen, von Pamirkirgis:innen bis Landwirt:innen in der Ebene, scheinbar in einen Dialog über Themen wie kulturelles Erbe und Freiheit.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="576" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Neither-on-the-mountain-nor-in-the-field-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-33254" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Neither-on-the-mountain-nor-in-the-field-1024x576.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Neither-on-the-mountain-nor-in-the-field-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Neither-on-the-mountain-nor-in-the-field-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Neither-on-the-mountain-nor-in-the-field-1536x864.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Neither-on-the-mountain-nor-in-the-field.jpg 1920w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Szene aus dem Film (Foto bereitgestellt vo goEast-Filmfestival)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Immer wieder steht auch die Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Emigration im Raum – in Gesprächen der Porträtierten, aber auch in den – nur hör- und nicht sichtbaren – Telefongesprächen der Regisseurin, die zum Studium nach Kanada ausgewandert ist, mit ihrem Vater.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass Egemberdieva sich auf diese Art selbst in den Kurzfilm einbringt, ist kein Zufall: In einer Diskussionsveranstaltung des Symposium beim goEast Festival betonte die Regisseurin, wie wichtig es sei, die eigene Positionierung nicht auszublenden, sondern explizit zu reflektieren. Die Arbeit mit persönlichen Archiven und ethnografischem Material ermögliche Zugang zu Themen, die im Kirgistan der Sowjetzeit ausgeblendet wurden und noch heute im dominanten Diskurs nur wenig Raum finden. Mit ihrem Kurzfilm möchte sie derartigen Themen wieder Raum geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-auf-der-kinokarte/"><strong>Zentralasien auf der Kinokarte</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch nicht nur in dieser Position zeigt sich die Dekolonialität von „Neither in the Mountains nor in the Fields“: Der Kurzfilm flicht auch explizit, wenn auch nicht aufdringlich, die koloniale Vergangenheit Kirgistans ein, beispielsweise wenn die Porträtierten über die Kollektivierung von Land und Vieh in der Sowjetunion, die willkürliche Grenzziehung im Pamirgebirge sowie die erzwungene Ansiedlung von vormals nomadischen Gruppen sprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die sowjetische Vergangenheit, das macht Egemberdieva mit ihrem Film deutlich, soll nicht verschwiegen werden, vielmehr soll die Erinnerung weitergegeben werden. So sagt auch ihr Vater in einem der Telefongespräche im Kurzfilm: <em>„If you don‘t know the past, its history, it will be difficult to exist in the present.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Queerer Kurzfilm aus Usbekistan: „Ertak“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit „Ertak“ erzählt die usbekische Fotografin und Regisseurin Kamila Rustambekova mit unglaublicher Zartheit die Geschichte eines usbekischen Jugendlichen, der seine dörfliche Heimat und seine Familie hinter sich lässt, um mit seinem Freund in die Stadt zu fliehen. Sehr subtil und feinsinnig zeichnet Rustambekova die homosexuelle Beziehung der beiden, die gemeinsam viel länger als mit den Eltern vereinbart durch die Umgebung streifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/vom-objekt-zum-subjekt-modelle-vor-kamila-rustambekovas-kamera/"><strong>Vom Objekt zum Subjekt – Modelle vor Kamila Rustambekovas Kamera</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens als die Mutter anschließend ihren Sohn zur Rede stellt, wird jedoch deutlich, dass ihr Sohn und auch sie von den Nachbar:innen bereits missbilligende Blicke und Anfeindungen erfahren. Ohne erhobenen Zeigefinger schafft die Regisseurin es hier, auf die noch immer stark präsente Diskriminierung queerer Menschen in Usbekistan aufmerksam zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Protagonist (der nie ganz zu sehen ist, immer nur von hinten oder vom Hals abwärts) entschließt letztendlich, mit seinem Freund den Ort zu verlassen und in die Stadt zu ziehen, wo es sicherer für die beiden ist. Als zum Schluss des Films die beiden jungen Männer nebeneinander vor einem noch im Bau befindlichen Hochhaus in einer zentralasiatischen Großstadt – womöglich Taschkent – stehen, erweckt das einerseits Hoffnung.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="565" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Screenshot-67-1024x565.png" alt="" class="wp-image-33255" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Screenshot-67-1024x565.png 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Screenshot-67-300x165.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Screenshot-67-768x424.png 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Screenshot-67.png 1088w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Szene aus dem Film (Foto bereitgestellt vo goEast-Filmfestival)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Man möchte dem Protagonisten glauben, dass sie hier von nun an sicherer sein werden als auf dem Land. Und doch bleibt ein mulmiges Gefühl, wo doch bekannt ist, dass in Usbekistan homosexuelle Handlungen unter Männern nach wie vor gesetzlich unter Strafe stehen. Ein mutiger Kurzfilm, der einfühlsam die Beziehungen der Charaktere und das alltägliche Leben im ländlichen Usbekistan einfängt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Feministisch und dekolonial – die Kurzfilm-Auswahl von DAVRA Collective</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unter dem Motto der Dekolonialisierung stand auch das Abendprogramm am Samstagabend im Murnau Filmtheater in Wiesbaden, das vom DAVRA Collective kuratiert wurde. Das Künstler*innenkollektiv aus Zentralasien wurde von der usbekischen Regisseurin und Videokünstlerin <a href="https://documenta-fifteen.de/lumbung-member-kuenstlerinnen/saodat-ismailova/">Saodat Ismailova</a> für die letztjährige documenta 15 gegründet, um weibliche Künstler*innen der jüngeren Generation aus ganz Zentralasien zusammenzubringen und künstlerischen und inhaltlichen Austausch zu fördern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim goEast-Festival präsentierte das Kollektiv – vertreten durch Aida Adilbek und Zumrad Mizalieva – eine Auswahl von sieben Kurzfilmen, die teils von Mitgliedern aus dem Kollektiv stammen – beispielsweise „Send me your words“ (Aida Adilbek, KAZ 2020) und „Autonomy“ (Zumrad Mizalieva, UZB 2022) –, teils aus den Archiven, mit denen die Filmemacherinnen arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeiten, so betonen Mizalieva und Adilbek, sollen zum einen schlicht die Lebensrealität vor Ort in ihrer Vielfalt zeigen: Das reicht von passiv-aggressiver Kommunikation mit den Nachbar*innen in einem hellhörigen sowjetischen Hochhaus durch Klopfen auf Heizkörper&nbsp; („Send me your Words“, Aida Adilbek, KAZ 2020) über einen als Touristenattraktion gehaltenen Steinadler, der argwöhnisch die Waldarbeiten in den Bergen Kirgistans zu beobachten scheint („Escape from Freedom“, Art-group „Strekooza“, KGZ 2010), hin zu Alltagstätigkeiten wie der Zubereitung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pilaw">Plov</a> („Hard to digest“, Nazira Kamiri, TJK 2021) und dem Herstellen von traditionellen Teppichen im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)">Pamir</a> (Madina Saidshoeva, TJK 2022).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/goliath-eine-parabel-der-macht/">„Goliath“ – eine Parabel der Macht</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei wird deutlich, dass sich die Beobachtung oder Darstellung von Alltäglichem nur schwer von Politischem trennen lässt: So etwa in „Autonomy“, einem Kurzfilm von Zumrad Mizalieva (UZB 2022), der infrage stellt, ob eine usbekische Frau tatsächlich nur als Mutter ihre Erfüllung finden kann. Oder im Kurzfilm „I met a girl“ (Alla Rumyantseva, TJK 2014), der die Rolle der Frau in Tadschikistan kritisch beleuchtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Feministische Perspektiven scheinen generell sehr präsent in dieser Kurzfilmauswahl: So werden immer wieder traditionelle Rollenbilder und Erwartungen an Frauen und Mütter infrage gestellt. Ebenso spielt die Auseinandersetzung mit der kolonialen Sowjetvergangenheit der zentralasiatischen Länder eine wichtige Rolle – mal subtiler und hintergründiger, mal schmerzhaft deutlich wie im Stop-Motion-Film „All the Dreams we dream“ von Asel Kadyrkhanova, der die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hungersnot_in_Kasachstan_von_1930–33">Hungersnot in Kasachstan</a> in den 1930er Jahren als Folge der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft thematisiert.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="568" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Screenshot-73-1024x568.png" alt="" class="wp-image-33261" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Screenshot-73-1024x568.png 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Screenshot-73-300x166.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Screenshot-73-768x426.png 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Screenshot-73.png 1262w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Szene aus &#8222;All the dreams we dream&#8220; (Foto bereitgestellt vom goEast-Filmfestival)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Den sieben Kurzfilmen vorangestellt wurde der Kurzfilm „The Burden of Virginity“ der usbekischen Filmemacher:innen und Aktivist:innen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Umida_Akhmedova">Umida Ahmedova</a> und Oleg Karpov, die Adilbek und Mizalieva als wichtige Vorbilder für das DAVRA Collective beschreiben. Der Film nimmt den Mythos der Jungfräulichkeit in den Blick und lässt Frauen zu Wort kommen, deren Töchter Stigmatisierung und Ausgrenzung erfahren, weil sie die „Überprüfung“ ihrer Jungfräulichkeit nicht bestanden haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kontrastiert werden diese Gespräche mit Bildern von Hochzeitsvorbereitungen. Der Film war bei seiner Veröffentlichung bereits ein großes Politikum: Für den bereits 2008 erschienenen Film wurde Akhmedova nach seiner Veröffentlichung wegen „Verleumdung und Beleidigung des usbekischen Volkes und seiner Traditionen“ angeklagt und verurteilt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zwischen Filmkunst und Aktivismus</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„The Burden of Virginity“ zeigt von allen Kurzfilmen am deutlichsten, wie sehr beim zentralasiatischen Kurzfilm die Grenzen zwischen Aktivismus und Kunst verschwimmen. Das ist teils auch den strukturellen Umständen geschuldet: Neben den noch immer stark sowjetisch geprägten Kino- und Filminstitutionen in den zentralasiatischen Ländern, die sowohl Inhalte als auch künstlerische Techniken nach wie vor stark prägen, gibt es kaum Möglichkeiten, sich alternativ auszudrücken oder auszubilden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Umso wichtiger – das betonen die zentralasiatischen Filmemacher*innen vor Ort in Wiesbaden immer wieder – ist der Austausch zwischen Künstler*innen und das Schaffen von lokalen, unabhängigen Netzwerken. Gerade junge Filmemacher:innen, die mit ihren politischen Meinungen und künstlerischen Positionen in den teils autoritär regierten zentralasiatischen Staaten anecken, sind auf Netzwerke wie das DAVRA Collective angewiesen, um sich weiterentwickeln zu können und Fördergelder zu erlangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So lassen sich die zentralasiatischen Kurzfilmbeiträge beim diesjährigen goEast-Festival auch als aktivistische Intervention verstehen und zeigen, wie viel Aufbruchsstimmung derzeit in der künstlerischen Szene in Zentralasien zu herrschen scheint. Nur in Turkmenistan scheint die repressiv-autoritäre Regierung jegliche unabhängige Filmkunst unmöglich zu machen, wie auch zentralasiatische Filmemacher:innen wie <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-regisseurin-anisa-sabiri-mit-einem-film-ueber-tadschikische-rituelle-musik/">Anisa Sabiri</a> aus Tadschikistan beim Symposium bedauern – aus diesem zentralasiatischen Land findet sich daher auch beim Festival kein einziger Filmbeitrag.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Kurzfilme „Aralkum“, „Neither in the Mountains nor in the Fields“ und „Ertak“ sind noch bis 18. Mai auf der <a href="https://films.klassiki.online/goeast-film-festival">Klassiki</a> verfügbar.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Annkatrin Müller</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>„Brücken der Erinnerung“: Eine Konferenz zur Dekolonisierung in Bischkek</title>
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		<dc:creator><![CDATA[La rédaction]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 May 2023 17:50:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Dekolonialisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Dekolonialität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Konferenz in Bischkek stellt die herrschende Erinnerungspolitik in Kirgistan und im gesamten postsowjetischen Raum in Frage. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine ist das Thema aktueller und wichtiger denn je. Es ist nicht unproblematisch, in Kirgistan &#xFC;ber Dekolonisierung zu sprechen. Eine Studentin der American University of Central Asia berichtet davon, dass [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine Konferenz in Bischkek stellt die herrschende Erinnerungspolitik in Kirgistan und im gesamten postsowjetischen Raum in Frage. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine ist das Thema aktueller und wichtiger denn je.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist nicht unproblematisch, in Kirgistan über Dekolonisierung zu sprechen. Eine <a href="https://twitter.com/alybaeva8/status/1636362689810399238">Studentin</a> der <a href="https://auca.kg/">American University of Central Asia</a> berichtet davon, dass die Leitung der eigentlich für liberal geltenden Universität Druck auf sie ausgeübt habe, weil sie die Dekolonisierung Kirgistans zum Thema ihrer Doktorarbeit machte. Sie sei dazu aufgefordert worden, ihrer Arbeit einen „<em>neutraleren</em>“ Titel zu geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie <a href="https://rus.azattyk.org/a/32327513.html">Radio Azattyk</a>, der kirgisische Dienst von Radio Liberty, berichtet, löste ihr Tweet eine Welle der Solidarität in der Studierendenschaft aus, infolge derer der allzu starke Einfluss Russlands auf die universitäre Lehre angeprangert wurde. Einmal mehr hat sich damit gezeigt, dass die Dekolonisierung in Kirgistan noch immer ein Tabu ist. Ein Teil der kirgisischen Zivilgesellschaft nimmt sich dem Thema nichtsdestotrotz an.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Risse im kollektiven Gedächtnis schließen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vom 17. bis zum 19. März veranstaltete die Organisation <a href="https://ru.esimde.org/">Esimde</a> (das kirgisische Wort bedeutet auf Deutsch „<em>Ich erinnere mich</em>“) am Museum der Schönen Künste von Bischkek eine Konferenz mit dem Titel „<em>Brücken der Erinnerung</em>“. Im Rahmen der Konferenz diskutierten Künstler:innen, Aktivist:innen und Akademiker:innen über Themen der Erinnerung und der Dekolonisierung nicht nur in Kirgistan, sondern im gesamten postsowjetischen Raum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Esimde wurde 2018 mit dem Ziel gegründet, die kirgisische und zentralasiatische Geschichte und Erinnerungskultur des 20. und des 21. Jahrhunderts zu erforschen und zu verstehen. Forschung, Diskussionsveranstaltungen und Workshops sollen eine in Vergessenheit geratene Vergangenheit sichtbar machen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Das Projekt finanziert sich ausschließlich über Crowdfunding sowie den Verkauf von Publikationen. Seit 2018 macht sich Esimde daran, ein Archiv der von der Kolonialmacht ermordeten und juristisch verfolgten Personen zu schaffen. „<em>Viele Menschen konsultieren unsere Archive auf der Suche nach den Namen von Verwandten</em>“, erklärt die Historikerin und Leiterin des Projekts, Elmira Dogojbajewa, Novastan gegenüber. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besucher:innen sind eingeladen, ihre persönliche Geschichte zu erzählen. Aus der Vielzahl der individuellen Geschichten soll sich das Mosaik der Makrogeschichte ergeben. „<em>Teilen Sie Ihre Geschichte! Falls Sie etwas zu teilen haben: eine persönliche Geschichte, ein Tagebuch, die Geschichte Ihrer Familie, Ihrer Großeltern, Ihres Dorfes oder Ihrer Stadt – wir können sie veröffentlichen</em>“, lädt die Webseite des Projekts ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sprache-als-mittel-zur-identitaetsfindung-und-abkehr-von-kolonialen-strukturen/">Sprache als Mittel zur Identitätsfindung und Abkehr von kolonialen Strukturen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch das ist nicht die einzige zivilgesellschaftliche Initiative, die sich das Ziel gesetzt hat, dem Vergessen entgegenzuwirken. Mehrere Filme sind entstanden, in denen Bruchstücke und Fragmente der kirgisischen Geschichte nachgezeichnet und zusammengesetzt werden. So wurde unlängst im Novotel-Hotel in Bischkek ein Dokumentarfilm über die Deportationen in den 1930er Jahren zur Zeit der Hungersnot in der Sowjetunion gezeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Radio Azzatyk <a href="https://rus.azattyk.org/a/31974770.html">berichtet</a>, brachen im August letzten Jahres mehrere Bürger:innen von Bischkek zu einem mehrtägigen Fußmarsch nach Tossor im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Yssykk%C3%B6l">Gebiet Yssykköl</a> auf, um dem Aufstand Tausender Zentralasiaten gegen das Russische Kaiserreich von 1916 zu gedenken.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Dekonstruktion von Kolonialismus – Rekonstruktion von Identität</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Eröffnung der Konferenz vom 17. März betonte Dogojbajewa die zentrale Rolle der Erinnerung für die (Re-)Konstruktion der kollektiven Identität. Sich in Zentralasien mit der Vergangenheit zu beschäftigen, bedeutet zwangsläufig eine Auseinandersetzung mit der Kolonialherrschaft. In diesem Sinn hinterfragt „<em>Brücken der Erinnerung</em>“ das vorherrschende russischen Narrativ, das auch weiterhin viele Bereiche der kirgisischen Gesellschaft bestimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem <a href="https://cabar.asia/en/elmira-nogoibaeva-memory-as-a-strong-tool-of-return-to-own-identity">Interview</a>, das Dogojbajewa dem Central Asian Bureau for Analytical Reporting (CABAR) gegeben hat, erklärt die Historikerin, dass in den Schulbüchern die Geographie und die Geschichte Kirgistans noch immer in Begriffen der Sowjetzeit dargestellt werden, „<em>mit der gleichen kolonialen Sprache</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sowjetunion ist in Kirgistan mit unzähligen historischen Monumenten im öffentlichen Raum präsent: In jedem Dorf, in jeder Stadt findet sich eine Lenin-Büste. Der Erinnerung an die zaristischen und sowjetischen Repressionen wurde hingegen, die Gedenkstätte Ata-Bejit ausgenommen, kaum Platz eingeräumt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/sie-flohen-vor-den-pistolenkugeln-und-starben-am-widrigen-klima/"><strong>„Sie flohen vor den Pistolenkugeln und starben am widrigen Klima“</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">An der von Esimde organisierten Konferenz haben prominente Wissenschaftler:innen wie <a href="https://cisa.ndu.edu/About/Faculty-and-Staff/Article-View/Article/2168331/dr-erica-marat/">Erica Marat</a> von der National Defense University in Washington, D.C. oder die Anthropologin <a href="https://daviscenter.fas.harvard.edu/about/people/asel-dooletkeldieva">Asel Dooletkeldieva</a>, teilgenommen. Auch andere Akademiker:innen waren anwesend, um ihre Arbeit über die Entwicklung der Erinnerung an die Kolonialzeit im postsowjetischen Raum vorzustellen: Bahrom Irzayev, Forschungsleiter am Museum der Repressionsopfer in Taschkent, sprach über Usbekistan; Anton Vatcharadze, Forscher am <a href="https://idfi.ge/en">Institute for Development of Freedom of Information</a> in Tblissi, sprach über Georgien.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die herrschende Erinnerungspolitik in Frage stellen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders kritisiert wurde auf der Konferenz das Fehlen einer kohärenten Erinnerungspolitik seitens der kirgisischen Regierung. Dogojbajewa und viele der anwesenden Historiker:innen beklagten, dass die Staatsarchive immer noch unter Verschluss gehalten werden, weil das die historische Forschung über die koloniale Vergangenheit und das Ausmaß der Repressionen behindert, denen die kirgisische Bevölkerung zur Zeit der Sowjetunion ausgesetzt gewesen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Die Öffnung der Archive ist beinahe im gesamten postsowjetischen Raum ein Problem</em>“, erklärt der Vorsitzende der NGO Memorial Russland, Jan Raczynski, anlässlich eines Vortrags. „<em>Hunderttausende von Menschen wissen nicht, was mit ihren Angehörigen geschehen ist und wo sie begraben liegen</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Dezember letzten Jahres war Esimde Teil der Initiative für einen <a href="http://kenesh.kg/ru/article/show/9870/na-obshtestvennoe-obsuzhdenie-s-22-dekabrya-2022-goda-vinositsya-proekt-zakona-o-vnesenii-izmeneniy-v-nekotorie-zakonodatelynie-akti-kirgizskoy-respubliki-o-pravah-i-garantiyah-reabilitirovannih-grazhdan-postradavshih-v-rezulytate-repressiy-za-politicheskie-i-religioznie-ubezhdeniya-po-sotsialynim-natsionalynim-i-drugim-priznakam-o-natsionalynom-arhivnom-fonde-kirgizskoy-respubliki">Gesetzentwurf</a> zur Freigabe der Archive. Der Entwurf wurde von vier Abgeordneten aus verschiedenen Fraktionen getragen. Sie forderten „<em>historische Gerechtigkeit</em>“ und wollten alle Opfer der Justiz der Sowjetunion rehabilitieren. Der Text wurde jedoch abgelehnt, wie Gulsat Alagos, eine der mit Esimde assoziierten Forscherinnen, <a href="https://rus.azattyk.org/a/32326285.html">Radio Azattyk</a> gegenüber erklärt. In Kirgistan müssen die Brücken der Erinnerung erst noch gebaut werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lou Desmoutiers, Journalistin</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/kirghizstan/a-bichkek-une-conference-sur-la-decolonisation-questionne-la-politique-memorielle-du-kirghizstan/">Französischen</a> von Lucas Kühne</strong><strong></strong></p>
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		<title>23. goEast-Filmfestival eröffnet am 26. April</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Apr 2023 16:37:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Novastan e.V.]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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		<category><![CDATA[GoEast Fimfestival]]></category>
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		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vom 26. April bis zum 2. Mai findet in Wiesbaden das 23. goEast-Festival des mittel- und osteurop&#xE4;ischen Films statt. Im Programm stehen auch dieses Jahr einige Filme aus Zentralasien. Novastan ist Medienpartner des Festivals. Am 26. April ist es wieder soweit. Das 23. goEast-Filmfestival &#xF6;ffnet seine T&#xFC;ren und l&#xE4;dt nach Wiesbaden ein, um Einblicke in [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vom 26. April bis zum 2. Mai findet in Wiesbaden das 23. goEast-Festival des mittel- und osteuropäischen Films statt. Im Programm stehen auch dieses Jahr einige Filme aus Zentralasien. Novastan ist Medienpartner des Festivals.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 26. April ist es wieder soweit. Das 23. goEast-Filmfestival öffnet seine Türen und lädt nach Wiesbaden ein, um Einblicke in die aktuelle Filmlandschaft Mittel- und Osteuropas zu gewinnen. <em>„Osteuropa auf Augenhöhe – das ist seit der 1. Festivalausgabe das Motto von goEast. Es gilt, nicht nur ÜBER Osteuropa, sondern MIT Osteuropa zu reden. In Zeiten von Krieg und kulturellen Missverständnissen sind Dialogforen wie das unsere wichtiger denn je“</em>, <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/goeast-2023-vorstellung-der-wettbewerbsjury-pressekonferenz-osteuropa-auf-augenhoehe/">erklärte</a> Festivalleiterin Heleen Gerritsen im Vorfeld der Veranstaltung.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein besonderer Schwerpunkt liegt sowohl beim Film- als auch beim Begleitprogramm auf der Dekolonialisierung, mit der sich unter anderem das diesjährige Symposium „Decolonizing the (Post-) Soviet Screen“ auseinandersetzt. In dem Zentralasien gewidmeten Panel „Post-, neo-, and de-colonial Central Asia: human rights activism and collective filmmaking“ [29.4., 13:00 – 14:30 / Museum Wiesbaden] diskutieren Aıda Adilbek (Kasachstan), <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/umida-achmedowa-eine-ausnahmekunstlerin-in-usbekistan/">Umida Ahmedova</a> (Usbekistan), Gulsat Egemberdijewa (Kirgistan) und <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-regisseurin-anisa-sabiri-mit-einem-film-ueber-tadschikische-rituelle-musik/">Anisa Sabiri</a> (Tadschikistan).</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zentralasiatische Filme im Wettbewerb</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Wettbewerb des Festivals konkurrieren aktuelle Filmproduktionen um die von einer internationalen Jury verliehenen drei Hauptpreise: die mit 10.000 Euro dotierte „Goldene Lilie“, der mit 7.500 Euro dotierte Preis für die Beste Regie der Landeshauptstadt Wiesbaden und der mit 4.000 Euro dotierte CEEOL-Preis für den besten Dokumentarfilm. Mit dabei sind auch zwei Filme aus Zentralasien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In GOLIATH [29.04, 15.00 Uhr / Caligari und 30.04., 20.0 Uhr /Apollo], einem „kasachischen Rachewestern“ von Adilhan Erjanov, führt uns der Filmemacher wie bereits in <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/a-dark-dark-man-ein-korrupter-polizist-stellt-sich-der-ungerechtigkeit-entgegen/">A Dark, Dark Man</a> in ein Dorf der Provinz. Dort herrscht der mächtige Gangsterboss Poshaev, dem sich der Dorfbewohner Arzu entgegenstellt. David gegen Goliath neu erzählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/goeast-festival-100-baumwolle-stellt-zwangsarbeit-in-den-fokus/">goEast-Festival: „100% Baumwolle“ stellt Zwangsarbeit in den Fokus</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">THIS IS WHAT I REMEMBER [ 01.05, 20.00 Uhr / Caligari und 02.05., 14.00 Uhr /Apollo] erzählt die Geschichte von Zarlyk, der nach 20 Jahren Gastarbeit in Russland nach Kirgistan zurückkehrt. Außer an seine Arbeit kann er sich an nichts erinnern. Wie schon in <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-fluegel-der-menschen-poetischer-film-mit-sozialkritik/">Die Flügel des Menschen</a> zeichnet Regisseurs Aktan Arym Kubat ein einfühlsames Gesellschaftsporträt am Beispiel eines sympathischen Kauzes.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kurz und gut</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Wettbewerb des RheinMain-Kurzfilmpreises steht ARALKUM [im ersten Slot dieses Wettbewerbs am 01.05., 16.00 Uhr / Murnau] von Daniel Asadi Faezi und Mila Zhluktenko. Der Film widmet sich der namensgebenden <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aralkum">Aralkum</a>-Wüste, die auf dem Boden des ausgetrockneten Aralsees entstanden ist.  </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-auf-der-kinokarte/">Zentralasien auf der Kinokarte</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Freund:innen des Kurzfilms kommen auch außerhalb der Wettbewerbe auf ihre Kosten: THE BURDEN OF VIRGINITY + DAVRA COLLEKTIVE KURZFILMPROGRAMM [29.04., 21.30 Uhr / Murnau] zeigt eine Reihe von Kurzfilmen aus Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan, die sich mit Fragen von Dekolonialisierung, Gender und Zugehörigkeit auseinandersetzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Medienpartnerschaft</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films wird vom DFF – Deutsches Filminstitut &amp; Filmmuseum veranstaltet und von zahlreichen Partnern unterstützt. In diesem Jahr ist Novastan wieder Medienpartner des Festivals. Das heißt, dass wir vor Ort sein werden, um für euch zu berichten.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das gesamte Programm des 23. goEast-Filmfestivals zum Download findet ihr <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/presse-industry/#downloads">hier</a>. Eine Einzelkarte kostet 8 Euro (ermäßigt 7 Euro), die Tageskarte 20 Euro (ermäßigt 17 Euro). Weitere Infos zum Festival findet ihr auf der <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/">Homepage</a> des Festivals.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Redaktion</strong></p>


<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>
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		<title>Zurück in die Zukunft &#8211; Identitätspolitik mal anders: Zarathustra und die politische Dimension des Nouruz-Festes</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julian Postulart]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Mar 2023 19:10:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>P&#xFC;nktlich zum Fr&#xFC;hlingsanfang wird in Zentralasien das traditionelle Nouruz-Fest gefeiert, auch bekannt als &#x201E;persisches Neujahr&#x201C;. Pferdespiele, Familienbesuche und gro&#xDF;e Festessen stehen auf dem Plan. Doch hinter der bunten, feierlichen Fassade versteckt sich auch eine Suche nach regionaler Identit&#xE4;t. Derer bedienen sich die politischen F&#xFC;hrer in dem Versuch, dadurch die koloniale Vergangenheit abzustreifen. Der Himmel ist [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Pünktlich zum Frühlingsanfang wird in Zentralasien das traditionelle Nouruz-Fest gefeiert, auch bekannt als &#8222;persisches Neujahr&#8220;. Pferdespiele, Familienbesuche und große Festessen stehen auf dem Plan. Doch hinter der bunten, feierlichen Fassade versteckt sich auch eine Suche nach regionaler Identität. Derer bedienen sich die politischen Führer in dem Versuch, dadurch die koloniale Vergangenheit abzustreifen.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Himmel ist blau, die Bäume noch kahl, ein leichter Geruch nach Gras liegt in der Luft. In den Vorstädten von Bischkek versammeln sich Fans, um zwei Dutzend Reiter anzufeuern, die auf ihren Pferden um einen Ziegenkadaver kämpfen. Es handelt sich um das polo-ähnliche Pferdespiel <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buzkaschi">Kok Bornu</a>, das traditionell im Hippodrom von Bischkek ausgetragen wird. Doch nicht alle Feiern an diesem 21. März werden so pompös aufgezogen.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Die Vorbereitungen auf Nouruz sind vermutlich mindestens genauso bedeutsam wie der Feiertag selbst. Die meisten Menschen in Zentralasien läuten das Fest mit einem Frühlingsputz ein. Andere begleichen ihre Schulden oder versöhnen sich mit ihren Feinden, um das neue Jahr mit einer weißen Weste zu beginnen. An Nouruz selbst, dem Tag der <a href="https://www.geo.de/geolino/natur-und-umwelt/was-ist-die-tag-und-nacht-gleiche--30726936.html">Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche</a>, wirft man sich in Schale und verbringt Zeit mit der Familie, Freunden oder Nachbarn. Essen und Trinken sind nicht weniger wichtig. In den meisten Ländern schreibt eine jahrhundertealte Tradition die Zubereitung des &#8222;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samanak">Samanak</a>&#8220; vor. Sieben Sorten gekeimten Weizens bilden die Basis für das traditionell überlieferte Rezept dieser besonders süßen Nachspeise. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Die zoroastrischen Wurzeln von Nouruz</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Legen wir einmal Bräuche und Traditionen dieses Feiertags beiseite und schauen uns seine politische Komponente etwas genauer. In der Vergangenheit versuchten verschiedene Herrscher und Kolonialherren, die Feierlichkeiten zu unterdrücken. Um die Politik der Gegenwart nachzuvollziehen, gilt es jedoch, sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen.

Nouruz wird auch &#8222;persisches Neujahr&#8220; genannt und weist somit auf die iranischen Wurzeln seines Namens hin. „Nou“ kommt vom persischen Wort für „neu“, die Silbe „ruz“ bedeutet „Tag“, man feiert also den „neuen Tag“. Obwohl die genaue Entstehungsgeschichte von Nouruz im Dunkeln bleibt, sind sich die meisten Historiker einig, dass der Zoroastrismus die treibende Kraft dahinter war. Hierbei handelt es sich um die älteste monotheistische Religion der Welt, die auf den Lehren des iranischen Propheten Zoroaster basiert. Im Mittelpunkt dieser Religion steht der Kampf zwischen Gut und Böse, oft mit den Begriffen Licht und Dunkelheit umschrieben. In dieser Hinsicht ist klar, warum Nouruz für die Zoroastrier so bedeutend ist, bringt der Frühling doch meist die ersten warmen und längeren Tage mit sich.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Die zoroastrischen Wurzeln erklären auch die Beliebtheit des Festes in Zentralasien. Viele Experten behaupten, dass die Muttersprache des Religionsbegründers Zarathustra die altiranische Sprache <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Avestische_Sprache">Avestisch</a> war. Auf diesem persischen Dialekt verständigte man sich vom östlichen Iran bis nach Tadschikistan und Usbekistan. Der Zoroastrismus ist somit tief in Zentralasien verwurzelt und könnte dort sogar seinen Ursprung haben. Die Errichtung der iranischen Ruinenstadt Persepolis war eigens dem Nouruz-Fest gewidmet.

</p>



<figure class="wp-block-image alignnone size-large wp-image-31622"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/03/Persepolis-1536x1024-1-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-31622" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/03/Persepolis-1536x1024-1-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/03/Persepolis-1536x1024-1-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/03/Persepolis-1536x1024-1-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/03/Persepolis-1536x1024-1-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/03/Persepolis-1536x1024-1-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/03/Persepolis-1536x1024-1.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Basrelief in Persepolis, dem heutigen Iran. Diese Stadt wurde speziell gebaut, um Ereignisse wie Nouruz zu feiern. Nur wenige wissen, dass der Zoroastrismus und damit Nouruz tatsächlich aus Zentralasien stammen könnten. Foto von Andre Chipurenko.</figcaption></figure>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Ein zentralasiatischer Feiertag im wahrsten Sinne des Wortes</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Die heutigen Nouruz-Feiern in Zentralasien werden von der einzigartigen Geografie der Region und den Völkern, die im Zuge von Migration, Invasion und (erzwungener) Assimilation nach Zentralasien kamen, geprägt.

Historisch gesehen ist Nouruz mit dem Großraum Iran verbunden. Städte wie Samarkand und Buchara galten seit der Antike als Wiege der persischen Kultur und Sprache. Bis heute dominiert in den beiden Städten der tadschikische Dialekt des Persischen. Doch mit der muslimischen Eroberung Zentralasiens und der Zuwanderung türkischer und mongolischer Stämme aus dem Norden schwand nach und nach die persische kulturelle Vorherrschaft.

<strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/vier-zentralasiatische-kulturpraktiken-neuerdings-immaterielles-kulturerbe-der-unesco/">Vier zentralasiatische Kulturpraktiken ins immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufgenommen</a></strong>

Neue Herrscher bedingten neue kulturelle Einflüsse. Ein Teil der Eroberer versuchte zunächst, lokale Bräuche und Traditionen wie Nouruz zu unterdrücken. Doch weder muslimischen Führern noch türkisch-mongolischen Kriegsherren wie Timur gelang es, das &#8222;persische Neujahr&#8220; abzuschaffen. Stattdessen verfolgten sie einen erfolgreicheren Ansatz der Koadaption, das darin bestand, eigene Folklore in bereits bestehende kulturelle Praktiken zu integrieren. Daher zeichnet sich Nouruz in Zentralasien heute sowohl durch nomadische Traditionen wie Kok Boru als auch durch persische Einflüsse wie das Trinken von Samanak aus.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Kolonisierung und Unterdrückung</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Als die russischen kaiserlichen Armeen Ende des 19. Jahrhunderts Zentralasien kolonisierten, wehte jedoch ein neuer Wind. <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-vor-100-jahren-die-bolschewiki-das-emirat-von-buxoro-und-das-khanat-von-xiva-zerstoerten/">D</a><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-vor-100-jahren-die-bolschewiki-das-emirat-von-buxoro-und-das-khanat-von-xiva-zerstoerten/">ie Russen </a><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-vor-100-jahren-die-bolschewiki-das-emirat-von-buxoro-und-das-khanat-von-xiva-zerstoerten/">hatten </a>den Emir<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-vor-100-jahren-die-bolschewiki-das-emirat-von-buxoro-und-das-khanat-von-xiva-zerstoerten/"> von Buchara</a> als lokale Galionsfigur belassen. Die Nouruz-Feierlichkeiten boten ihm die hervorragende Gelegenheit, sein Gesicht zu wahren und seine politische Legitimität zu stärken. Er lud sogar Zirkusartisten aus dem europäischen Russland ein.

Die Bevölkerung fand an dem Fest jedoch immer weniger Gefallen. Dieser Trend setzte sich fort, als die Sowjets nach dem russischen Bürgerkrieg Zentralasien übernahmen und annektierten. In den Städten waren es sowjetische Ingenieure und Stadtplaner, die den öffentlichen Raum neugestalteten. Nicht selten opferten sie dafür jahrhundertealte Stadtviertel. Dies hatte schwerwiegende Auswirkungen auf das soziale Gefüge der Städte in der gesamten Region und erschwerte die Planung der traditionellen Feierlichkeiten.

<strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/hymnes-de-sang-tadschikische-kurzgeschichten-aus-der-perestroika/">„Hymnes de sang“ – Tadschikische Kurzgeschichten aus der Perestroika</a></strong>

Zudem war Nouruz zu Sowjetzeiten jahrelang verboten, da es als religiöser Feiertag galt. Erst als sowjetische Orientalisten und Ethnologen ihn als vorislamisch einstuften, hoben sie das Verbot wieder auf. Seit dem Zusammenbruch der UdSSR gewinnt Nouruz spektakulär an Beliebtheit.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Nouruz als politisches Instrument</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Historisch gesehen war der Stellenwert des Festes stets den politischen Launen der lokalen Machthaber unterworfen. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Nouruz steht für die Geschichte, Kultur und Geografie Zentralasiens. Daher ist es Politikern ein Leichtes, diesen und andere Feiertage zu instrumentalisieren. Dies gilt besonders für solche, die auf der Suche nach regionaler und nationaler Identität das Erbe der sowjetisch-kolonialen Vergangenheit überwinden wollen.

Unter der Herrschaft des verstorbenen Präsidenten Islam Karimov in Usbekistan zogen beispielsweise einige Regierungsbeamte Nouruz dem gregorianischen Neujahrsfest vor. Sie verordneten sogar keine Feiern mehr zum Jahresende abzuhalten. Alle anderen Feiertage wurden kurzerhand als &#8222;unvereinbar mit der usbekischen Kultur&#8220; erachtet. Erst nach dem Tod Karimovs und dem Amtsantritt seines Nachfolgers Mirziyoyev im Jahr 2016 wurden Verbote und Einschränkungen für das Feiern des westlich geprägten Neujahrsfestes gelockert.

<strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/wie-sich-russlands-beziehung-zu-zentralasien-im-jahre-2022-entwickelt-hat/">Wie sich Russlands Beziehung zu Zentralasien im Jahre 2022 entwickelt hat</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Auch in Kasachstan hat die politische Führung Nouruz als Mittel zur Stärkung der Legitimität wiederentdeckt. In Anlehnung an den Emir von Buchara hat der derzeitige Präsident Toqaev mehrere Reformen in Bezug auf Nouruz vorgeschlagen. Unter anderem soll der Nationalfeiertag auf zehn statt der üblichen vier Tage verlängert werden und die spirituelle und moralische Bedeutung des Festes in den Vordergrund rücken.

Ende 2022 wurde Toqaev inmitten von Hoffnungen und Versprechungen politischer und gesellschaftlicher Reformen als Präsident in vorgezogenen Wahlen wiedergewählt. Politologen sehen in seinen Vorhaben den Versuch, mit dem Erbe seines Vorgängers Nursultan Nasarbaev zu brechen. Die niedrige Wahlbeteiligung bei den jüngsten <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/parlamentswahl-in-kasachstan-nur-demokratische-fassade/">Parlamentswahlen</a> in Kasachstan kurz vor Nouruz zeigt jedoch, dass die anfängliche Begeisterung für Reformen etwas nachgelassen hat.

Mit seinen tiefen historischen Wurzeln in Zentralasien wird Nouruz womöglich ein beliebtes Instrument für Identitätspolitik bleiben, da nationale Führer versuchen, die Zukunft zu steuern, indem sie aus der vorkolonialen Vergangenheit der Region die Rosinen herauspicken.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Julian Postulart für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/en/kazakhstan/beyond-fun-and-games-the-politics-of-nowruz/">Englischen</a> von Arthur Siavash Klischat</strong><strong><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>&nbsp;</strong></p>
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		<title>Sprache als Mittel zur Identitätsfindung und Abkehr von kolonialen Strukturen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ramona Bleimhofer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Feb 2023 17:17:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Dekolonialisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Ethnographie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Zerfall der Sowjetunion f&#xFC;hrte 1991 zur Unabh&#xE4;ngigkeit der zentralasiatischen Staaten und stie&#xDF; einen Abl&#xF6;sungsprozess von der Kolonialmacht Russland an. Trotzdem ist Russisch weiterhin die zweite Amtssprache in Kasachstan und gro&#xDF;e Teile der Bev&#xF6;lkerung sprechen sie besser als Kasachisch, unter anderem, weil sie sozialen Aufstieg und bessere Karrierem&#xF6;glichkeiten verspricht. Elmira Kakabaeeva ist eine kasachische Autorin [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Zerfall der Sowjetunion führte 1991 zur Unabhängigkeit der zentralasiatischen Staaten und stieß einen Ablösungsprozess von der Kolonialmacht Russland an. Trotzdem ist Russisch weiterhin die zweite Amtssprache in Kasachstan und große Teile der Bevölkerung sprechen sie besser als Kasachisch, unter anderem, weil sie sozialen Aufstieg und bessere Karrieremöglichkeiten verspricht. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Elmira Kakabaeeva ist eine kasachische Autorin und Gründerin des Frauenkurses „Family Ethnography, or How to Decolonize Your Writing“. Im Dezember trat Elmira in der Hauptstadt bei TEDxAstana auf und sprach darüber, wie die eigene Sprache durch das Niederschreiben von Familiengeschichten entkolonialisiert werden kann. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Speziell für Masa Media erzählte die Autorin, was <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dekolonisation">Dekolonisierung</a> ist, warum ihr dieses Thema wichtig ist und ob die kasachstanischen Behörden bei der Dekolonisierung helfen können. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Begriffsklärung: Was ist Dekolonisation?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die dekoloniale Perspektive bietet Menschen die Möglichkeit, die Art und Weise zu wählen, wie sie die Gesellschaft betrachten möchten. Die Macht des Wissens in der Dekolonisation liegt in der Weitergabe und Wiedererzählung von Erfahrungen. So können zum Beispiel unsere Großeltern Zeuge bestimmter Ereignisse gewesen sein. Auf dieser Grundlage können sie eine kreative Geschichte oder Kurzgeschichte schreiben. Indem wir ihren Erinnerungen und Gefühlen mehr Aufmerksamkeit schenken, dekolonisieren wir unsere Herangehensweise an das Schreiben. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstans-weg-in-die-unabhangigkeit/">Kasachstans Weg in die Unabhängigkeit</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im dekolonialen Ansatz versuchen wir Vergleiche mit anderen Völkern zu vermeiden und berücksichtigen stattdessen den historischen Kontext und das lokale Wissen. In der kasachischen Kultur zum Beispiel wurde das Wissen hauptsächlich mündlich überliefert: Aitys (ein improvisierte Poesie-Wettbewerbe, Anm. der Redaktion), Epen, Zhyrs (epische Lieder, Anm. der Redaktion) und Lieder waren natürliche Formen der Wissensweitergabe; das Schreiben von Büchern war dagegen eher eine privilegierte Praxis. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir können unser Schreiben dekolonisieren, indem wir eine lokale Quelle dem Buch eines russischen Ethnographen vorziehen. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach der Akzeptanz von Quellen: ein schriftlicher Text kann als wissenschaftlich glaubwürdiger angesehen werden als eine Geschichte, ein Mythos oder ein Lied. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Worin liegt der Unterschied zum Postkolonialismus?</h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Im Gegensatz zur Dekolonisation baut die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Postkolonialismus">postkoloniale Theorie</a> auf den westlichen Theorien und Ansätzen zum Verständnis der Gesellschaft auf. Dies ist beispielsweise an der Untergruppe der Subaltern Studies (Studien über die Unterdrückten) erkennbar, einer Gruppe südostasiatischer Wissenschaftler:innen, die den indischen Kontext untersuchten. Problematisch daran ist, dass sie in Oxford und Cambridge studiert hatten und ihre eigene Gesellschaft in Indien mit den Augen westlicher TheoretikerInnen betrachteten. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Daneben gibt es den peruanischen Soziologen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aníbal_Quijano">Aníbal Quijano</a>, der unter anderem die Dependenztheorie und die Kolonialität der Macht beschrieb. Er gründete seine Theorie auf den Schriften lokaler lateinamerikanischer Gelehrter und definierte als erster den Begriff der <em>Kolonialität</em>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dekoloniale WissenschaftlerInnen verweisen außerdem auf die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zapatistas">Zapatisten</a>, eine anarchistische Bewegung in Mexiko, die mit der derzeitigen Regierung für die Rechte der indigenen Bevölkerung auf ihr Land kämpft. Daher ist die Dekolonisation in erster Linie ein rechtlicher Prozess zur rechtmäßigen Rückgabe von Rechten an Land, Ressourcen, Sprache und Kultur. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie Elmira begann, sich für ihre eigene Geschichte zu interessieren</h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Vor vier Jahren begann ich mich für die Geschichte meines Großvaters, Smagul Kakabaev, zu interessieren. Im Jahr 1931, während er in Samara studierte, erhielt er einen Brief von seinem Vater, der ihn bat, nach Hause zurückzukehren. Als mein Großvater in seine Heimatstadt Bayanaul ankam, erkannte er, dass eine Hungersnot ausgebrochen war und sie fliehen mussten. Zusammen mit den Familien seiner Brüder (etwa 25 Personen) verkauften sie ihren Besitz und flohen zuerst nach Sibirien und dann weiter nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kamtschatka">Kamtschatka</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese und andere Geschichten wurden mir in meiner Familie erzählt, und ich war im Misstrauen gegenüber diesen Geschichten gefangen. Ich hatte das Glück, dass mein Großonkel der Ethnograph Halel Argynbaev ist. Er war noch ein Kind als sie fliehen mussten und als er später ein Gelehrter wurde, beschrieb er diese Erfahrung. Zum Beispiel schilderte er, wie die Familie mehrere Tage hintereinander in einem Zug reiste, wie sie zum ersten Mal Hering und Walfleisch aß und wie sie gemeinsam auf einem Schiff zur Halbinsel (Kamtschatka) segelte. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/warum-almaty-und-nicht-alma-ata/">Warum Almaty und nicht Alma-Ata?</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe eine Zeit lang in Moskau, Wien und Tel Aviv gelebt. Fremd in einem Land und einer Kultur zu sein hat in mir den Wunsch geweckt, mich selbst und meine eigenen Wurzeln besser kennen zu lernen. Während meines Studiums der Sozialanthropologie an der Central European University entwickelte ich ein klares Verständnis von meiner eigenen Perspektive auf Kasachstan. Ich verstand, dass die Dekolonisation das Potenzial hat, einen geeigneten Blickwinkel zu finden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Prozesse zu erklären, die in Kasachstan stattfinden, muss man keine Theorie aufstellen, die beispielsweise von französischen SoziologInnen stammt. Es ist durchaus möglich, eine neue, für unsere Region geeignete Theorie zu entwickeln. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Frauen sind in der Geschichte unsichtbar</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Erzählen von Geschichten ist tief in der kasachischen Kultur verankert, auch unsere Familienstammbäume (kasachsisch: Shezhire) sind darauf aufgebaut. Als ich 17 Jahre alt war, brachte mein Vater mir unseren Shehzire &#8211; ein großes, goldgeprägtes Buch mit schönem Raschelpapier. Er hatte schon oft davon gesprochen und ich war sehr gespannt. Eifrig blätterte ich durch die Seiten über unsere Familie. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fand den Namen meines Großvaters und fuhr mit dem Finger über die Namen meines Vaters, seiner Brüder, meiner Brüder, meiner Cousins. Nur meinen eigenen Namen konnte ich nicht finden. Niemand hatte mich davor gewarnt, dass nur die männlichen Vorfahren aufgezählt werden und Frauen im Shehzire keine Erwähnung finden. Damals wurde mir bewusst, dass ich in der Familiengeschichte keine Rolle spiele, genauso wie meine apa und aje (Großmütter), meine Mutter, meine Tanten und Schwestern keine Rolle spielen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wer ist es, der die dort genannten Nachfolger auf die Welt bringt? Sie sind ja nicht einfach aus dem Nichts aufgetaucht! Ich war sehr, sehr wütend. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/was-laeuft-falsch-in-kasachstans-gleichstellungspolitik/">Was läuft falsch in Kasachstans Gleichstellungspolitik?</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund biete ich meinem Kurs „Familienethnographie oder Wie man sein Schreiben dekolonisiert“ nur für Frauen an. Ich möchte jede dazu ermutigen, mit der eigenen Großmutter zu sprechen, ihre Geschichte sowie die Geschichte ihrer Mutter und Großmutter zu erfahren. Sie sollen ihre Namen kennen und sowohl sie als auch sich selbst in die Familiengeschichte eintragen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich möchte zeigen, dass Traditionen durchaus verändert werden können. Es ist der Wunsch und der Wille der Person, die den Stammbaum erstellt. Zwei Teilnehmerinnen erzählten in meinem Kurs, dass in ihren Stammbäumen auch Frauen verzeichnet waren. So sind sie aufgewachsen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Auswirkungen des Krieges in der Ukraine</h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Ich biete meinen Kurs für Frauen in Kasachstan an, aber ich bin auch Teil einer Gemeinschaft von SchriftstellerInnen in Russland, für die ich ebenfalls Kurse gebe. Dort gibt es eine 50%ige Quote für Frauen aus Sibirien, der Wolga, dem Ural und den nationalen Republiken. Seit Kriegsbeginn beobachte ich eine gesteigerte Nachfrage nach Kursen zum Thema Selbstfindung und Identitätssuche zu beobachten. Ein Mädchen erzählte mir: &#8222;Ich wusste, dass ich tatarische Wurzeln habe, aber ich habe mich noch nie so sehr dafür interessiert.&#8220; </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ueber-die-sprache-der-vorherrschaft-ein-gespraech-mit-medina-bazargali/">Über die Sprache der Vorherrschaft – ein Gespräch mit Medina Bazargali</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die russischen Behörden behaupten, den Nationalsozialismus zu bekämpfen und dadurch wird das Verständnis ihrer eigenen Geschichte für die KursteilnehmerInnen relevant. Viele Teilnehmerinnen möchten herausfinden, wie ihre Vorfahren in Russland oder unter der Sowjetherrschaft gelebt haben. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Anfragen kommen von Vertreter:innen der einheimischen Bevölkerung Sibiriens und des Fernen Ostens, also aus den Republiken <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sacha">Sacha</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Burjatien">Burjatien</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tuwa">Tuwa</a>. Für sie wird dieses Thema zu einer politischen Frage, denn viele der im Krieg mobilisierten Soldaten kommen aus diesen Republiken. Dort haben sich Antikriegsbewegungen gebildet, weil Russland gegen den „Nazismus“ der asiatischen Minderheiten kämpft. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Republiken der Russischen Föderation ist die Geschichte der Entkolonialisierung ein sehr aktuelles und komplexes Thema. Kasachstan ist ein unabhängiger und souveräner Staat mit eigener Verfassung und Staatssprache. Die Volksrepubliken dagegen sind immer noch Teil der Russischen Föderation und sie sind immer noch Kolonien. Das macht es ihnen schwer ihre Geschichte zu finden und sich von der Geschichte des Russischen Reiches zu trennen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Macht der Sprache</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kolonialismus ist auch ein mentaler Zustand. Das Imperium verschwindet, die Kolonie erlangt die Unabhängigkeit, bleibt aber mit einem kolonialen Bewusstsein und einer kolonialen Mentalität zurück. In Kasachstan sprechen wir aufgrund unserer Geschichte immer noch besser Russisch als Kasachisch. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachische Staatsangehörige mit Russischkenntnissen haben zum Beispiel bessere Chancen, auf der sozialen Leiter aufzusteigen und Karriere zu machen. Die kasachische Muttersprache kann ein Werkzeug sein, das uns die Kraft und Energie gibt, wir selbst zu sein. </p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Ich denke, es ist nützlich, Sprachen zu mischen und mit ihnen zu spielen. Der jamaikanische Schriftsteller <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Marlon_James">Marlon James</a> zum Beispiel schreibt ein afrikanisches Pendant zur Serie „Game of Thrones“, ein Fantasy-Epos voller Monster, Sex und Gewalt im mittelalterlichen Afrika. Die Figuren in seinem Buch sprechen eine Mischsprache aus Kreolisch, Englisch und Afrikanisch. Es steht uns ebenfalls frei, drei Sprachen in den Texten zu verwenden, auch damit können wir unser Schreiben und unsere Sprache dekolonisieren.
</p>



<h2 class="wp-block-heading">Können die kasachischen Behörden den Prozess der Entkolonialisierung unterstützen?</h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Sobald sich der Staat an diesem Diskurs beteiligt, wird es schnell auf internationaler Ebene politisch. Plötzlich stellen sich Fragen wie <em>„Wer ist dein Nachbar? Wer hat mehr Atomwaffen? Ist dieses Land eher mit den USA, China oder Russland befreundet?&#8220;</em>. Kasachstan versucht aktuell mehrere Partnerschaften aufrechtzuerhalten. Ich denke wir könnten etwas mutiger sein. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Beispiel müsste sich <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> nach seinem Wahlsieg nicht mit Wladimir Putin treffen, das hat etwas Koloniales an sich, auch die Regierung ist noch in den sowjetischen Mustern gefangen und wiederholt diese. Es ist nicht absehbar, wie viele Generationen es dauern wird, dies zu überwinden. Die Entkolonialisierung ist ein langer Prozess. Menschen, die eine dekoloniale Perspektive einnehmen, sind gegen die künstliche Konstruktion von Grenzen und die Bildung eines nationalstaatlichen Systems. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die Vertretung verschiedener Bevölkerungsgruppen im Parlament kann die politische Entscheidungsfindung offener und demokratischer gestaltet werden. Durch die Repräsentation ethnischer Minderheiten finden auch die Stimmen und Bedürfnisse anderer Identitäten und Interessengruppen, die die kasachische Gesellschaft ausmachen, Eingang in politische Entscheidungen. Die entkolonialisierte Macht des Volkes kann sich in einem transparent arbeitenden und vielfältig aufgestellten Parlament zeigen. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aidar Elkeyev für Masa Media</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://masa.media/ru/site/pisatelnitsa-elmira-kakabaeva-o-dekolonizatsii">Russischen</a> von Ramona Bleimhofer</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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