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	<title>Friedensprozess Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Friedensprozess Archives</title>
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		<title>Militärübung an Grenze Kirgistan-Tadschikistan – eine Provokation im Friedensprozess?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rshakibaie]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Mar 2021 10:50:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kirgistan f&#xE4;hrt dutzende Milit&#xE4;rfahrzeuge in der Provinz Batken an der Grenze zu Tadschikistan auf. Anscheinend wird eine gro&#xDF; angelegte milit&#xE4;rische &#xDC;bung in der umstrittenen Region vorbereitet. Es gibt Ungereimtheiten in der Informationskette. Was bedeutet dies f&#xFC;r den Konsolidierungsprozess zwischen den beiden Staaten? </p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kirgistan fährt dutzende Militärfahrzeuge in der Provinz Batken an der Grenze zu Tadschikistan auf. Anscheinend wird eine groß angelegte militärische Übung in der umstrittenen Region vorbereitet. Es gibt Ungereimtheiten in der Informationskette. Was bedeutet dies für den Konsolidierungsprozess zwischen den beiden Staaten? Der folgende Artikel erschien am 13. März 2021 auf <a href="https://www.ozodi.org/a/машқи-низомиёни-қирғизистон-дар-марз-бо-тоҷикистон/31149274.html">Radioi Ozodi</a>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung.</strong></p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Lokale Beamte in der nordtadschikischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sughd">Provinz Sughd</a> berichten, sie seien von Kirgistan nicht über die Vorbereitungen einer militärischen Übung in Grenznähe informiert worden. Das tadschikische Verteidigungsministerium erklärt jedoch, es sei über eine militärische Übung in der Grenzregion im Bilde. Kirgisische Beamte sollen lokale Medien informiert haben, dass Sicherheitskräfte in den Provinzen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Batken">Batken</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osch">Osch</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschalalabat">Dschalalabad</a> Militärübungen durchführen werden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wer hat wen wann informiert und warum nicht?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Laut dem Bericht des <a href="https://www.ozodi.org/a/машқи-низомиёни-қирғизистон-дар-марз-бо-тоҷикистон/31149274.html">Radio-Free-Europe Ablegers Radioi Ozodi in Tadschikistan</a> habe News.kg Beamte zitiert, laut denen die geplante Übung eine Reaktion der kommunalen Verwaltung in einem Krisenfall testen sollte. An der Übung werden örtliche Behörden des Innenministeriums, des Staatsausschusses für nationale Sicherheit, des Ministeriums für Notsituationen und des kirgisischen Gesundheitsministeriums teilnehmen. Etwa 2000 Personen, 100 verschiedene Militärfahrzeuge, zehn Kampfjets und etwa 20 Artilleriegeschütze sollten eingesetzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/warum-die-konflikte-an-der-tadschikisch-kirgisischen-grenze-kein-ende-nehmen/">Warum die Konflikte an der tadschikisch-kirgisischen Grenze kein Ende nehmen</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Faridun Mahmadalijew, Sprecher des tadschikischen Verteidigungsministeriums, teilte Radio Ozodi am 13. März mit, dass Kirgistan eine schriftliche Benachrichtigung über eine militärische Übung in Batken erhalten haben sollte. Er erklärte, die Behörden des Verteidigungsministeriums wüssten bereits davon, dass die Vorbereitungen für eine militärische Übung in Batken begonnen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regionalregierung der Provinz Sughd und die Verwaltung der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Isfara">Stadt Isfara</a> beteuern dagegen in einer Quelle vom 1. März, sie hätten keine Informationen über die militärische Übung in Batken erhalten und seien nur über die Medien informiert worden. Die Regierung in der Hauptstadt Duschanbe lasse die Grenzregionen im Dunkeln tappen, hieß es. Der Pressedienst des kirgisischen Grenzschutzes teilte seinerseits den lokalen Medien am 12. März mit, dass die Gespräche zur Lösung des Grenzkonflikts am 30. März beginnen würden. Weiterhin hieß es, dass das Ziel der Übung bestehe darin, die Sicherheitskräfte zu koordinieren und ihre Einsatzbereitschaft in einem Kriegszustand zu testen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kann-ein-gebietsaustausch-den-grenzkonflikt-zwischen-tadschikistan-und-kirgistan-beilegen/">Kann ein Gebietsaustausch den Grenzkonflikt zwischen Kirgistan und Tadschikistan beilegen?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Faridun Mahmadalijew vom tadschikischen Verteidigungsministerium, erläuterte weiter, dass Nachbarländer nach internationalen Abkommen verpflichtet seien, sich gegenseitig über solche Übungen offiziell zu informieren. Er schlug vor, es sei sinnvoller und produktiver, wenn Kirgistan zusätzlich zum tadschikischen Verteidigungsministerium auch die lokalen Behörden und das Außenministerium benachrichtigen würde. „<em>Bei militärischen Übungen werden schwere Waffen, sogar Luftwaffen, eingesetzt, und die Bewohner von Grenzgebieten müssen darüber informiert werden</em>“, so Mahmadaliew.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Russlands Interesse an lokalen Konflikten</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die kirgisische-tadschikische Grenzen hat in letzter Zeit die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen, als Streitigkeiten zwischen Einwohnern und Behörden der beiden Länder in Gewalt eskalierten. Bei den jüngsten Zwischenfällen wurden auf beiden Seiten mehrere Anwohner und Soldaten getötet. Beide Staaten machen sich gegenseitig für den Konflikt verantwortlich. Experten meinen, dass die beiden Länder in vorsichtig sein müssen, den Konflikt nicht ausarten zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/moskau-bietet-sich-als-vermittler-im-grenzkonflikt-zwischen-tadschikistan-und-kirgistan-an/">Moskau bietet sich als Vermittler im Grenzkonflikt zwischen Tadschikistan und Kirgistan an</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein tadschikischer Experte, der aus Sicherheitsgründen nicht namentlich genannt werden möchte, sagt: „<em>Die Ereignisse der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Situation an der Grenze zwischen den beiden Ländern weiterhin angespannt ist. Daher sollten beide Länder Vorsicht walten lassen, um einen größeren Konflikt zu vermeiden.</em>“ Der Experte befürchtet, dass sogar ein Drittstaat den Konflikt für eigene Interessen missbrauchen könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Im Moment hat Russland Interesse daran, dass sich die postsowjetischen Staaten in einem Konfliktzustand befinden. Und solange diese Spannungen weiter eskalieren, wird das Land sie zu seinem Vorteil nutzen</em>“, erklärt er. „<em>Wie im Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan</em>“, vergleicht er, „<em>ist auch bekannt, dass die Türkei in den Konflikt verwickelt ist.</em>“</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Die Behörden beider Länder sagen, dass die militärische Übung an der Grenze abgesprochen war und die bilateralen Beziehungen nicht beeinträchtigen wird. Der kirgisische Präsident Sadyr Dschaparow wird voraussichtlich in den kommenden Wochen Tadschikistan einen offiziellen Besuch abstatten. Es wird erwartet, dass bei seinem Treffen mit dem tadschikischen Präsidenten Emomali Rahmon insbesondere die Frage über die umstrittenen Grenzgebiete erörtert wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2015 fand an der tadschikisch-kirgisischen Grenze eine ähnliche militärische Übung mit dem Operationsnamen ‚Sipar-2015‘ statt. Damals nahmen noch Grenzschutzbeamte beider Länder an der militärischen Übung teil.<strong></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Mirsonabii Choliksod für </strong><a href="https://www.ozodi.org/a/машқи-низомиёни-қирғизистон-дар-марз-бо-тоҷикистон/31149274.html"><strong>Radioi Ozodi</strong></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Tadschikischen von Robin Shakibaie</strong></p>


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		<title>Was bedeutet das Abkommen zwischen den Taliban und den USA für Zentralasien?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rshakibaie]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Mar 2020 12:27:44 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das in Doha unterzeichnete Abkommen zwischen Washington und den Taliban &#xFC;ber den R&#xFC;ckzug amerikanischer Truppen aus Afghanistan ist ein Sieg f&#xFC;r Usbekistan, das seit der Taschkent-Konferenz 2018 auf einen Dialog dr&#xE4;ngt. Auch wenn die usbekische Initiative, mit den Taliban zu verhandeln, von zahlreichen Seiten kritisiert wird, brachte die Konferenz die Konfliktparteien nach 40 Jahren Krieg [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Das in Doha unterzeichnete Abkommen zwischen Washington und den Taliban über den Rückzug amerikanischer Truppen aus Afghanistan ist ein Sieg für Usbekistan, das seit der Taschkent-Konferenz 2018 auf einen Dialog drängt. Auch wenn die usbekische Initiative, mit den Taliban zu verhandeln, von zahlreichen Seiten kritisiert wird, brachte die Konferenz die Konfliktparteien nach 40 Jahren Krieg an einen gemeinsamen Tisch. </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Unsere KollegInnen von Novastan France haben in ihrer kostenpflichtigen Rubrik</strong><strong> </strong><em><strong>décryptage</strong></em><strong> </strong><strong>(dt.: Entschlüsselung) eine Analyse vorgenommen, die wir mit freundlicher Genehmigung übersetzen.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Bei der Unterzeichnung des Abkommens am 29. Februar betonte der Vertreter der Taliban ausdrücklich die Anstrengungen Usbekistans, die den Afghanistankonflikt erneut in den Fokus der Weltgemeinschaft brachte. Dem Lob auf die Friedensbemühungen Taschkents schloss sich der Vertreter der Vereinigten Staaten an. Die ebenfalls in Doha anwesenden Außenminister Tadschikistans und Turkmenistans standen bei den Verhandlungen jedoch im Abseits: Der nun angestoßene Friedensprozess für Afghanistan könnte gleichzeitig die Rivalitäten der zentralasiatischen Staaten um ihren geopolitischen Einfluss in der Region verschärfen.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Das zwischen den Vereinigten Staaten und den Taliban geschlossene <a href="https://www.state.gov/wp-content/uploads/2020/02/Agreement-For-Bringing-Peace-to-Afghanistan-02.29.20.pdf">Abkommen</a> könnte den seit über 40 Jahren schwelenden Krieg in Afghanistan ein Ende setzen. Während die Aufmerksamkeit zwar nun auf die beiden Vertragsparteien gerichtet wurde, spielten die zentralasiatischen Staaten dennoch eine wichtige Rolle im Prozess, der zur Unterzeichnung des Abkommens führte.</p>
<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-amerikanische-zentralasienstrategie-echte-veraenderungen-oder-alter-wein-in-neuen-schlaeuchen/">Die amerikanische Zentralasienstrategie – Echte Veränderung oder alter Wein in neuen Schläuchen?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify"><em> „Dies ist nur der Anfang des Weges in Richtung Frieden [für Afghanistan]“</em>, so der usbekische Außenminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Abdulaziz_Komilov">Abdulaziz Kamilov</a>. Es sieht nach einem diplomatischen Erfolg für Taschkent aus, der ganz und gar nicht kleingeredet wird.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Sicherheit, Wirtschaft und Geopolitik</strong></p>
<p style="text-align: justify">In einem ausführlichen <a href="https://mfa.uz/ru/press/news/2020/02/23576/">Interview</a> mit dem staatlichen Journal „Narodnoe Slowo“ (Volksstimme) unterstreicht der usbekische Außenminister der Bedeutung des Abkommens von Doha für Taschkent. Ihm zufolge handele es sich in erster Linie um ein Sicherheitsanliegen, denn <em>„jedes Jahr finden Dutzende bewaffneter Zusammenstöße im Grenzgebiet zu den Staaten Zentralasiens statt. Zeitweise näherten sich die Feindseligkeiten unseren Grenzen. All dies kann nur beunruhigen“</em>. Der seit 17 Jahren amtierende Minister betont weiterhin, dass <em>„die Sicherheit Afghanistans die Sicherheit Usbekistans“</em> sei.</p>
<p style="text-align: justify">Das Interesse Usbekistans beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Sicherheitskomponente des Konflikts – schon seit einiger Zeit gilt die Grenze zu Afghanistan als eine der sichersten der Welt. Dem Außenminister zufolge <em>„ist ein friedliches Afghanistan in der Lage, Zentralasien den kürzesten Meereszugang zu ermöglichen, um unsere Transportwege zu diversifizieren und somit weitere Märkte für den Export einheimischer Produkte zu öffnen“</em>. In diesem Sinne ist das steigende wirtschaftliche Interesse Taschkents in Kabul zu erkennen, während der Präsident <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/?noredirect=de_DE">Shavkat Mirziyoyev</a> sich für eine Ankurberlung der usbkeischen Wirtschaft einsetzt, seitdem er im Jahr 2016 <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistans-prsident-islam-karimow-ist-tot/">Islam Karimov</a> in seinem Amt <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekische-praesidentschaftswahlen-mirsijojew-mit-8861-der-stimmen-gewaehlt/?noredirect=de_DE">beerbte</a>.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Usbekistan nimmt eine Schlüsselrolle im Abkommen von Doha ein</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Wechsel an der Staatsspitze Usbekistan bedeutete ebenfalls den Start einer ehrgeizigen Initiative zur Einleitung eines Friedensprozesses für Afghanistan. Die im März 2018 abgehaltene Taschkent-Konferenz trug den Titel <em>„Friedensprozess, Sicherheit und regionale Zusammenarbeit“</em>, und brachte erstmals alle Hauptakteure des Konflikts zusammen. Die Vereinigten Staaten, China, Russland, wie auch die Nachbarstaaten Afghanistans waren anwesend. Die Initiative markierte ebenso, nach fünfzehn Jahren der Abschottung, die Rückkehr Taschkents auf das diplomatische Parkett.</p>
<p style="text-align: justify">Nun möchte Usbekistan seine Ernte einholen. Das unbescheidene Fazit Abdulaziz Kamilovs verdeutlicht, dass Usbekistan den angestoßenen Friedensprozess für sich als Erfolg verbucht: <em>„Das Treffen in Taschkent ermöglichte es erst, die Probleme Afghanistan auf die internationale Agenda zu setzen. Die steigende Bedeutung regionaler und globaler Ansätze zeichnet die Taschkent-Konferenz als fundamental neues Element [zur Lösung des Konflikts aus]“</em>. Er fügt hinzu, dass <em>„auf der Taschkent-Konferenz der Wille der internationalen Gemeinschaft demonstriert wurde, den direkten Dialog mit den Taliban ohne Vorbedingung zu ermöglichen. […] Durch die Konferenz in Taschkent näherten sich die Positionen Washingtons, Moskaus und Beijings sehr an.“ </em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/die-taliban-sind-auch-ein-teil-der-afghanischen-gesellschaft-ein-interview-mit-dem-afghanistan-beauftragten-des-usbekischen-praesidenten/">„Die Taliban sind auch ein Teil der afghanischen Gesellschaft“ – ein Interview mit dem Afghanistan Beauftragten des usbekischen Präsidenten</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Der usbekische Außenminister teilt darüber hinaus mit, dass <em>„es hier in Usbekistan war, wo wir die Taliban geradezu drängen konnten, sich an den Friedensverhandlungen zu beteiligen“</em>. Dass sie an der Taschkent-Konferenz von 2018 nicht teilnahmen, wurde bis dato als diplomatischen Misserfolg Usbekistans eingestuft.</p>
<p style="text-align: justify">Gleichermaßen scheinen beide Vertragsparteien die Rolle der usbekischen Initiative anzuerkennen. Der <a href="https://dunyo.info/ru/site/inner/delegatsiya_uzbekistana_provela_vstrechu_s_glavoy_politicheskogo_predstavitelystva_dvizheniya_taliban_v_katare-SRx">usbekischen Presseagentur Dunyo</a> zufolge, richtete der an der Unterzeichnung beteiligte Leiter des Politbüros der Taliban, Mullah Barodar Akhund, seinen <em>„aufrichtigen Dank“</em> an Abdulaziz Kamilov. Nach den diplomatischen Bemühungen Usbekistans sehe er <em>„[der] Umsetzung verschiedener Wirtschaftsprojekte im Land“</em> entgegen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Projekte in Afghanistan machen Taschkent zum Mittelpunkt der eurasischen Infrastruktur</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es ist durchaus interessant, die Wertschätzung der Taliban gegenüber Usbekistans zu beobachten. Die Erwähnung von Wirtschaftsprojekten mag ein Fingerzeig darauf sein, dass Taschkent auf die Taliban als gestaltende Kraft für die Zukunft Afghanistans setzt. Dies könnte Usbekistan in die vorteilhafte Situation bringen, selbst zum Verkehrsknotenpunkt von Zentral- nach Südasien und schließlich zum indischen Ozean zu werden.</p>
<p style="text-align: justify">In seinem Interview bestätigt Abdulaziz Kamilov, dass sich <em>„Usbekistan wünscht, Transport- und Logistikprojekte durchzuführen, die Afghanistan an den Integrationsbestrebungen der Region einbeziehen“</em>. Insbesondere drängt Taschkent auf den Bau einer Eisenbahnlinie, die die nahe der Grenze gelegene Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Masar-e_Scharif">Masar-e Scharif</a> sowohl mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Herat">Herat</a>, als auch mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peschawar">Peschawar</a> in Pakistan verbindet.</p>
<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/foerdert-der-drogenhandel-den-terrorismus-in-zentralasien/">Fördert der Drogenhandel den Terrorismus in Zentralasien?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Laut Kamilov sei <em>„der Eisenbahnbau zwischen Masar-e Scharif und den pakistanischen Seehäfen Teil des euro-asiatischen Verbindungskonzeptes, das bereits seitens der Europäischen Union unterstütz wird. Die Öffnung dieser Route biete den Staaten Zentrasiens den kürzesten Zugang zu den pakistanischen Häfen Gwadar und Karatschi, was zur Intensivierung des Warenverkehrs mit Indien und Bangladesch beiträgt“</em> – und somit Usbekistan zum Dreh- und Angelpunkt des eurasischen Handesnetzwerks mache.</p>
<p style="text-align: justify">Fragen der Energieversorgung werden gleichermaßen betont. <em>„Usbekistan hat bereits großen Infrastrukturprojekten in Afghanistan, wie dem Bau der Stromleitung Surkhan-Puli-Khumri, begonnen. Diese Trasse verbindet Kabul mit dem vereinheitlichten Energiesystem Zentralasiens. Darüber hinaus kann die Leitung Surkhan-Puli-Khumri ein integraler Bestandteil des Projekts <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/CASA-1000">CASA-1000</a> werden und zur Stromversorgung Pakistans und noch weiter entfernt gelegenen Ländern Südasiens werden“. </em>Taschkent sieht hierbei die Chance, die hohe Stromnachfrage in Afghanistan und Pakistan mit dem Vertrieb der eigenen Energieressourcen zu decken.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Woher kommt die Zurückhaltung Turkmenistans?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Interview des usbekischen Außenministers ist keine Rede vom turkmenischen Gaspipelineprojekt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-Pipeline">TAPI</a> (Turkmenistan, Afghanistan, Pakistan, Indien), dass offiziell vom usbekischen Präsidenten Mirziyoyev <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/staatsbesuch-des-turkmenischen-prasidenten-in-usbekistan/?noredirect=de_DE">unterstützt</a> wird. Wie viele infrastrukturelle Megaprojekte zwischen Zentralasien und Afghanistan ist das Projekt TAPI  inzwischen zu einer <em>Neverernding Story</em> geworden. Es überrascht daher nicht, dass der usbekische Chefdiplomt jenes Projekt nicht erwähnt.</p>
<p style="text-align: justify">Der turkmenische Außenminister Raşit Meredow war während der Unterzeichnung des Abkommens in Doha ebenfalls <a href="https://www.mfa.gov.tm/en/news/1887">anwesend</a>, wie das <a href="https://www.mofa.gov.qa/en/all-mofa-news/details/2020/02/29/agreement-for-bringing-peace-to-afghanistan-signed-under-auspices-of-the-state-of-qatar">Kommuniqué</a> des katarischen Außenministers vermerkt. Bei der Unterzeichnungszeremonie traf sich jedoch nur der usbkeische Außenminister mit beiden Delegationen der Vereinigten Staaten und den Taliban. Dies veranschaulicht die fundamental unterschiedlichen Herangehensweisen Taschkents und Aschgabats an den Konflikt in Afghanistan.</p>
<p style="text-align: justify">Dass Tadschikistan, <a href="https://mfa.tj/ru/main/view/5789/vstrecha-minirstra-inostrannykh-del-s-zamestitelem-premer-ministra-ministrom-inostrannykh-del-katara">dessen Außenminister Doha auch beiwohnte</a>, keine größeren Ambitionen Kabul gegenüber hat, ist keine Überraschung – die Zurückhaltung Turkmenistans jedoch umso mehr. Bereits seit den 1990er Jahren wird schließlich der Bau der TAPI-Pipeline angestrebt. Ein aktiveres Auftreten den Taliban gegenüber hätte der Umsetzung des Megaprojekts, das nicht nur an mangelnder Finanzierung leidet, durchaus einen Schub geben können.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/jenseits-von-krieg-und-drogen-ein-anderer-blick-auf-afghanistan/">Jenseits von Krieg und Drogen, ein anderer Blick auf Afghanistan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Wartet Aşgabat auf auf weitere Ergebnisse der auf das Doha-Abkommen folgenden innerafghanischen Gespräche? Die turkmenische Zurückhaltung könnte durch eine Besorgnis über die Zukunft des Abkommens erklärt werden. <em>„Das zwischen den Vereinigten Staaten und den Taliban geschlossene Abkommen ist nicht automatisch gleichbedeutend mit Ende des Krieges in Afghanistan“, </em>so der Regionalexperte Aleksandr Knjasew im russischen Medium <a href="https://vestikavkaza.ru/material/292869">Westnik Kawkasa</a>. <em>„[A]ngesichts der Zersplitterung der Taliban, ihrer in verschiedene Richtungen laufenden Fraktionen, sowie verschiedenster externer Akteure in der afghanischen Allgemeinsituation“</em> ist es nur schwer möglich, regionale Großprojekte schnell umzusetzen. Sich den Taliban anzunähern, könnte somit eine verfrühte Entscheidung sein.</p>
<p style="text-align: justify"><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify">Ist die usbekische Unterstützung der Taliban vor diesem Hintergrund zu unbesonnen? Der Erfolg des Abkommens von Doha hängt in der Tat von mehreren Faktoren ab: Werden sich die Taliban, ungeachtet ihrer internen Spaltung, an die Einigung halten? Werden sie den Dialog mit der Zentralregierung auch aufrechterhalten können, nachdem das <a href="https://www.fr.de/politik/politisches-chaos-afghanistan-praesidenten-wahl-ghani-abdullah-13585129.html">Tohuwabohu über die Präsidentschaftswahlen</a> geklärt wurde, bei der sich mit Ghani und Abdullah sehr unterschiedliche Kandidaten gegenüberstehen? Nur im Falle eines tatsächlichen Friedens in Afghanistan kann Usbekistan via Kabul die südasiatischen Absatzmärkte erreichen. Taschkent spekuliert auf eine Fügung, die die Großmächte zu einer Belegung des Konflikts bewegt, um sich so zum unumgänglichen Partner Afghanistans und seiner wirtschaftlichen Stabilität aufzuschwingen.</p>
<p style="text-align: justify">Ungeachtet des Pipelineprojekts TAPI hatten Usbekistan und Turkmenistan bereits einige Reibereien um Afghanistan. Im Sommer 2019 wurde zuletzt das Bauvorhaben neuer Eisenbahnlinien durch Unstimmigkeiten durcheinander gebracht. Das gute Verhältnis zwischen Taschkent und Aschgabat steht auf der Kippe. Die Hoffnung auf Frieden in Afghanistan mag zwar in greifbare Nähe rücken, gleichzeitig schürt er aber Wettbewerb und Rivalität in seiner zentralasiatischen Nachbarschaft.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Die Redaktion von Novastan France</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französischen von Robin Shakibaie</strong></p>
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		<title>„Die Taliban sind auch ein Teil der afghanischen Gesellschaft“ – ein Interview mit dem Afghanistan-Beauftragten des usbekischen Präsidenten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hriedler]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Feb 2020 02:41:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Friedensprozess]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Interview: Izmatulla Raimovich Irgashev, 1960 in Taschkent geboren, Diplomat, Orientalist und Philologe. Er arbeitete als stellvertretender Au&#xDF;enminister, war au&#xDF;erordentlicher und bevollm&#xE4;chtigter Botschafter Usbekistans in China und Aserbaidschan, ist Familienvater und hat f&#xFC;nf Kinder. Folgender Artikel erschien im russischen Original bei Kun.uz, wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. &#x2013; Izmatulla Raimovich, Ihrer Biographie [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Im Interview: Izmatulla Raimovich Irgashev, 1960 in Taschkent geboren, Diplomat, Orientalist und Philologe. Er arbeitete als stellvertretender Außenminister, war außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter Usbekistans in China und Aserbaidschan, ist Familienvater und hat fünf Kinder. Folgender Artikel erschien im russischen Original bei</strong> <a href="https://kun.uz/ru/19991604">Kun.uz</a><strong>, wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify"><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify"><em>&#8211; Izmatulla Raimovich, Ihrer Biographie nach zu urteilen, haben Sie mehr als 40 Jahre damit verbracht, Afghanistan zu erforschen und Lösungen für die Probleme dieses Landes zu finden. Was ist der Unterschied zwischen dem gestrigen und dem heutigen Afghanistan?</em></p>
<p style="text-align: justify">&#8211; Dies ist eine Frage, die nicht nur für unser Volk, sondern für die gesamte Weltgemeinschaft von größter Bedeutung ist. Das liegt daran, dass die regionalen und globalen Auswirkungen dieser Problematik sehr groß sind. Die Situation ist komplex, die Gewalt, die Konfrontation und die Feindseligkeiten gehen weiter, und Millionen von Afghanen sind gezwungen, im eigenen Land Flüchtlinge zu werden. Die Tragödie ist dabei in erster Linie das Elend des afghanischen Volkes. Aber trotz all dieser Kriegsjahre hat dieses afghanische Volk die Hoffnung auf Frieden und Stabilität nicht verloren.</p>
<p style="text-align: justify">Vor kurzem wurden wir Zeugen der Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der afghanischen Unabhängigkeit. In diesen Tagen haben wir erneut die Solidarität zwischen dem usbekischen und afghanischen Volk gespürt. Über Jahrhunderte haben unsere Völker beide Ufer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a> bewohnt und ihre Schicksale sind fest miteinander verwoben. Uns verbinden eine gemeinsame Religion, Sprache, Bräuche, Geschichte, große Vorfahren. Das afghanische Volk, dass auch in den letzten 18 Jahren des Krieges die Hoffnung nicht aufgegeben hat, baut seine Staatlichkeit auf und erlässt seine eigenen Gesetze in dieser schwierigen Situation.</p>
<p style="text-align: justify">In Afghanistan wurden vor kurzem Präsidentschaftswahlen abgehalten. Ja, die Wahlbeteiligung war nicht so hoch, wie die Menschen sich es gewünscht hätten. Die Schatten der Unruhen sind noch vorhanden, weswegen viele an den Wahlen nicht teilnehmen konnten. Nichtsdestotrotz haben über zwei Millionen Menschen gewählt. Wir respektieren die Wahl des afghanischen Volkes zutiefst und hoffen auf eine Fortführung unserer freundschaftlichen Beziehungen, auch mit der künftigen Führung.</p>
<p style="text-align: justify">Lassen Sie uns nun über den Einfluss, den Afghanistan auf uns ausübt, sprechen. Mit den Worten des Präsidenten: „Die Sicherheit Afghanistans ist die Sicherheit Usbekistans, die Garantie für die Stabilität und den Wohlstand der gesamten Region Zentralasiens und Südasiens.“ Diese Worte sind auch die Antwort auf unsere Frage.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/afghanistan-eine-herausforderung-fur-zentralasien/"><strong>Afghanistan – eine Herausforderung für Zentralasien</strong></a></p>
<p style="text-align: justify"><em>Die Grenze Usbekistans zu Afghanistan hat die geringste Länge im Vergleich zu den anderen Nachbarländern. Jedoch scheint es aus irgendeinem Grund, dass genau Usbekistan sich besonders stark an der Lösung der Probleme Afghanistans beteiligt…</em></p>
<p style="text-align: justify">Für die Etablierung des Friedens in Afghanistan ist die kollektive Anstrengung der internationalen Gemeinschaft notwendig. Tatsächlich sind die Grenzen Afghanistans zu Usbekistan und zu China die kürzesten, wobei eben diese Länder auch in der Tat am aktivsten an der Lösung der Probleme in Afghanistan arbeiten. Dafür gibt es selbstverständlich Gründe. Wie ich bereits sagte, brauchen wir Frieden und Stabilität in der Region, um die von uns geplanten umfassenden Reformen umzusetzen.</p>
<p style="text-align: justify">Da durch die Ereignisse im Nahen Osten und in Nordafrika das Afghanistan-Problem in den Hintergrund der Weltpolitik gerückt ist, widmet die usbekische Regierung dem afghanischen Problem mehr denn je ihre Aufmerksamkeit.</p>
<p style="text-align: justify">Deshalb hat unser Präsident die <a href="https://www.dw.com/de/friedenskonferenz-f%C3%BCr-afghanistan-in-taschkent/a-43158953">Internationale Hochrangige Afghanistan-Konferenz in Taschkent</a> initiiert, die zur Annahme der Erklärung von Taschkent führte. Auf dieser Konferenz wurde ein regionaler und globaler Konsens über die Einrichtung eines Friedensprozesses in Afghanistan erzielt und die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zur Aufnahme von Friedensgesprächen intensiviert.</p>
<p style="text-align: justify">Ich glaube, dass es die ganzheitliche, tiefgründig durchdachte und strategisch fundierte Vision des usbekischen Präsidenten Shavkat Mirziyoyev zur weiteren Entwicklung der Situation in Afghanistan ist, die Usbekistan dazu veranlasst hat, eine völlig neue, pragmatische und zukunftsorientierte Politik gegenüber Afghanistan auszuarbeiten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-konnte-sich-am-bau-von-gas-pipelines-in-afghanistan-beteiligen/"><strong>Usbekistan könnte sich am Bau von Gas-Pipelines in Afghanistan beteiligen</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Meiner Ansicht nach ist dies eine Art Friedensprogramm für Afghanistan, das nicht nur langfristige Perspektiven für die Zusammenarbeit mit diesem Land hat, sondern auch der Welt die Offenheit Usbekistans zeigt – vor allem bezüglich der Neutralität der Politik Usbekistans gegenüber Afghanistan.</p>
<p style="text-align: justify">Es war das Staatsoberhaupt unseres Landes, das als erstes auf die Notwendigkeit aufmerksam machte, Afghanistan nicht als ein Land zu betrachten, durch welches Frieden und Stabilität bedroht werden, sondern als eine Gelegenheit, es in einen freundlichen, friedlichen und wohlhabenden Teil unserer gemeinsamen Region zu verwandeln.</p>
<p style="text-align: justify">Wir müssen auf unser tägliches Leben zurückblicken und verstehen, um welchen Preis wir Frieden und Ruhe in unserem Land haben. In jeder Gesellschaft erfordern Frieden und Stabilität enorme Anstrengungen und Ressourcen.</p>
<p style="text-align: justify">Es ist kein Zufall, dass Sicherheitsfragen einen besonderen Platz in der Innen- und Außenpolitik unseres Präsidenten einnehmen. Aus dieser Perspektive messen wir der afghanischen Frage große Bedeutung bei und versuchen, Afghanistan zu helfen. Unser Volk hat ein bekanntes Sprichwort: „Dein Nachbar hat Frieden &#8211; du hast Frieden“.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/afghanistans-prasident-zu-gast-in-usbekistan/"><strong>Afghanistans Präsident zu Gast in Usbekistan</strong></a></p>
<p style="text-align: justify"><em>&#8211; Sie sind einer der Diplomaten, die an den Verhandlungen mit den Taliban teilnehmen. Die breite Öffentlichkeit nimmt diese Bewegung als eine militante Gruppe wahr, die keinerlei diplomatische Beziehungen versteht und nur auf den Krieg abzielt.</em></p>
<p style="text-align: justify">&#8211; Nach der Friedenskonferenz zur Lage Afghanistans in Taschkent wurde die internationale Gemeinschaft verstärkt auf dieses Problem aufmerksam. Es wurden Versuche unternommen, Beziehungen zu den Taliban aufzubauen, und es wurden Friedensgespräche gefordert. Wir haben Kontakte zum politischen Büro der Bewegung in Doha geknüpft. Natürlich ist Ihre Frage richtig. Der Krieg, der in Afghanistan seit mehr als 18 Jahren geführt wird, wird hauptsächlich unter Beteiligung dieser Bewegung geführt.</p>
<p style="text-align: justify">Dennoch betonte das Staatsoberhaupt, dass die Taliban-Bewegung Teil der afghanischen Gesellschaft ist. Sie müssen auch ihre eigene Stimme haben und sich an der Lösung von Fragen nach Frieden und Zukunft des Staates beteiligen.</p>
<p style="text-align: justify">Ich will ein Beispiel geben. Im Jahr 2001 fand in Bonn eine Friedenskonferenz zu Afghanistan statt. An der Konferenz nahmen Führer aller politischen, sozialen und ethnischen Kräfte Afghanistans teil. Nur eine politische Kraft, die Taliban, blieb fern und wurde nicht eingeladen. Aufgrund dieses Fehlers leidet das afghanische Volk seit 18 Jahren.</p>
<p style="text-align: justify"><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify">Wenn wir also in Afghanistan Frieden schließen wollen, müssen wir alle Kräfte dieses Landes und die afghanische Regierung in den Friedensprozess einbeziehen. Wenn eine Gruppe oder Streitmacht fernbleibt, bedeutet dies, dass der Krieg fortgesetzt wird.</p>
<p style="text-align: justify">Deshalb führen wir einen Dialog mit den Taliban und ermutigen sie, an Friedensgesprächen teilzunehmen. Infolge der Bemühungen Usbekistans und anderer aktiver Mitglieder der internationalen Gemeinschaft begannen Friedensgespräche.</p>
<p style="text-align: justify">Eine besondere Leistung dieser Gespräche ist die Abhaltung von Friedensgesprächen zwischen dem US-Sonderbeauftragten für Afghanistan, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zalmay_Khalilzad">Zalmay Khalilzad</a>, und den Taliban. Ein schwerer Terroranschlag in Kabul und der Tod westlicher Soldaten, sowie Donald Trump, haben diese Verhandlungen jedoch eingefroren.</p>
<p style="text-align: justify">Wir wollen aber, dass diese Verhandlungen fortgesetzt werden. Denn nur wenn sich beide Parteien einig sind, werden direkte interne Verhandlungen zwischen den Afghanen möglich.</p>
<p style="text-align: justify">Unabhängig davon, ob es jemandem gefällt oder nicht, sind die Taliban Teil der afghanischen Gesellschaft. Sie sind Staatsbürger ihres Landes und sollten an Aktivitäten teilnehmen, die auf die Schaffung von Frieden und Ruhe in Afghanistan abzielen. Vor allem ist es ohne sie unmöglich, Frieden herzustellen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/sind-die-taliban-eine-bedrohung-fur-zentralasien/"><strong>Sind die Taliban eine Bedrohung für Zentralasien?</strong></a></p>
<p style="text-align: justify"><em>&#8211; In diesem Zusammenhang stellt sich eine logische Frage &#8211; wie reagieren die Taliban auf diese Verhandlungen, was sind ihre Forderungen und Vorschläge?</em></p>
<p style="text-align: justify">&#8211; Als ich nach der Konferenz im März 2018 mit der Führung der Taliban zusammentraf, war ich überrascht von ihren Worten: „Wir sind Befürworter des Friedens. Auch wir sind der Kriege in unserem Land überdrüssig, und wollen das Blutvergießen beenden. Gleichzeitig bleibt unsere Hauptforderung der Rückzug der ausländischen Streitkräfte aus dem Land.“</p>
<p style="text-align: justify">Vertreter der Taliban-Führung sprachen auch über ihre positive Haltung gegenüber Usbekistan; „Weil wir wissen, dass Usbekistan viele Wirtschaftsprojekte in Afghanistan durchführt. Diese Projekte liegen nicht im Interesse der afghanischen Regierung oder der Streitkräfte, sondern zielen darauf ab, dem afghanischen Volk zu helfen. Sie schaffen eine Grundlage für das friedliche Leben unseres Volkes. Wir unterstützen die Politik Usbekistans in Afghanistan voll und ganz. Wir sind jedoch ein wenig enttäuscht, dass Sie uns nicht zu einem so großen Ereignis wie der Konferenz von Taschkent eingeladen haben. Wir beglückwünschen Sie zu diesem Ereignis und haben es genau beobachtet&#8220;, sagte die Bewegung. Dies zeigt einmal mehr, dass die Politik Usbekistans im Zentrum der Aufmerksamkeit steht.</p>
<p style="text-align: right"><a href="https://kun.uz/ru/19991604">Kun.uz</a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Hannah Claudia Riedler</strong></p>
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