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	<title>Emomali Rahmon Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Thu, 29 Jan 2026 20:24:51 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Emomali Rahmon Archives</title>
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		<title>Bis zum Horizont</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Jan 2026 04:30:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>&#x201E;Tadschikistan ist ein Land voller Sch&#xE4;tze, aber sein gr&#xF6;&#xDF;ter Reichtum sind seine Kinder, sein Adel und seine Kultur.&#x201C; Diese Worte von Pr&#xE4;sident Emomali Rahmon, die auf einer der beeindruckenden verzierten Decken des Kohi Nowruz in Duschanbe zu lesen sind, kommentieren die dekorative Pracht. Die Feinheiten des tadschikischen Handwerks k&#xF6;nnen den Betrachter nur bewegen. Gipsmalereien und [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Tadschikistan ist ein Land voller Schätze, aber sein größter Reichtum sind seine Kinder, sein Adel und seine Kultur.“ Diese Worte von Präsident <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a></strong>, die auf einer der beeindruckenden verzierten Decken des Kohi Nowruz in Duschanbe zu lesen sind, kommentieren die dekorative Pracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Feinheiten des tadschikischen Handwerks können den Betrachter nur bewegen. Gipsmalereien und Holzskulpturen sind in den rund 12 Empfangssälen des Gebäudes zu sehen. Der Nowruz-Palast, ein kolossales Bauprojekt, das in nur vier Jahren fertiggestellt wurde, erhebt sich seit 2014 mit einer Höhe von 50 Metern zum Ruhm der tadschikischen Kultur. Er steht in direkter Verbindung zu den kolossalen Architekturprojekten, die vom ehemaligen sowjetischen Machthaber ins Leben gerufen wurden, der seit 1997 eifersüchtig an der Macht festhält.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Palast ist ein 40.000 Quadratmeter großer architektonischer Komplex, der ursprünglich als Teestube im modernen nationalen Stil konzipiert war. Er wurde  erweitert und beherbergt heute Restaurants, Billard, Bowling, Kino … Die gigantische Größe des Ortes macht ihn zu einem beliebten Veranstaltungsort. Bei seiner Eröffnung beherbergte er den Gipfel der <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit">Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ)</a></strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Schaufenster der nationalen Kultur stellt der Nowruz-Palast das wenige Straßen weiter gelegene Teehaus Rohat in den Schatten. Als historischer Ort der tadschikischen Kultur und Symbol ihrer Hauptstadt versammelte das Teehaus seit seiner Eröffnung im Jahr 1958 ebenfalls tadschikische Handwerksprodukte. Der unter der Leitung des sowjetischen Architekten K.N. Terletsky erbaute, bei den Bewohnern des Viertels beliebte Ort wurde im Frühjahr 2025 abgerissen. <strong><a href="https://www.asiaplustj.info/en/news/tajikistan/society/20250303/rohat-teahouse-set-for-demolition-despite-public-opposition">Trotz der Proteste der Anwohner wurde das Gebäude </a></strong>vor dem Abriss mit hohen grünen Zäunen umgeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht gibt es nur Platz für ein einziges nationales Symbol.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Foto : Mathieu Lemoine</strong> (Frankreich)</p>


<p><a style="color: #f57d20; text-decoration: underline;" href="https://www.novastan.org/de/cat/bild-des-tages/">Hier</a> geht’s zu mehr Bildern des Tages. Sie können einige davon kaufen und zu Hause empfangen: <span style="color: #ff6600;"><a style="color: #ff6600;" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/du-kannst-das-bild-des-tages-von-novastan-auch-kaufen/">hier ist die Liste</a></span>! Wenn Sie Ihr Bild nicht in der Liste finden, schicken Sie uns eine E-Mail an <span style="text-decoration: underline;"><a href="mailto:photo@novastan.org">photo@novastan.org</a></span>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Was ist die Bilanz des Treffens der Staatschefs Zentralasiens in Taschkent?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 18:00:52 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bei ihrem Treffen am 16. November 2025 in Taschkent begr&#xFC;&#xDF;ten die Staats- und Regierungschefs Zentralasiens Aserbaidschan als Vollmitglied der siebten Konsultativsitzung der Staatschefs Zentralasiens. Das Treffen, bei dem &#xFC;ber Wasserversorgungssicherheit, wirtschaftliche Entwicklung und Kulturdiplomatie diskutiert wurde, stand unter dem Stern der wachsenden regionalen Zusammenarbeit. Es waren nicht f&#xFC;nf, sondern sechs Teilnehmer beim siebten Konsultativtreffen der [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Bei ihrem Treffen am 16. November 2025 in Taschkent begrüßten die Staats- und Regierungschefs Zentralasiens Aserbaidschan als Vollmitglied der siebten Konsultativsitzung der Staatschefs Zentralasiens. Das Treffen, bei dem über Wasserversorgungssicherheit, wirtschaftliche Entwicklung und Kulturdiplomatie diskutiert wurde, stand unter dem Stern der wachsenden regionalen Zusammenarbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es waren nicht fünf, sondern sechs Teilnehmer beim siebten Konsultativtreffen der Staatschefs Zentralasiens in Taschkent. Unter Beteiligung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C4%B0lham_%C6%8Fliyev">Ilham Alijew</a> als Vertreter Aserbaidschans kamen am 16. November 2025 die Präsidenten Kasachstans, Kirgistans, Usbekistans, Tadschikistans und Turkmenistans zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit der ersten Ausgabe im Jahr 2018 in Astana hat sich das Ziel der Konsultativtreffen der Staatschefs Zentralasiens deutlich weiterentwickelt. Während zu Beginn die <a href="https://timesca.com/central-asia-countries-rebuilding-regional-integration/">politische Aussöhnung</a> im Vordergrund stand, gehören nun die wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit innerhalb der Region zu den wichtigsten Themen. In diesem Jahr standen Fragen der Wasserversorgungssicherheit, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Kulturdiplomatie im Mittelpunkt der Debatten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zentralasien, eine Region im Aufschwung?</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://president.uz/en/lists/view/8674">In seiner Eröffnungsrede</a> begrüßte der Präsident Usbekistans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a>, Aserbaidschan als vollwertiges Mitglied des Treffens der Staatschefs Zentralasiens. Obwohl das Land im Kaukasus bereits seit zwei Jahren regelmäßig an den Treffen teilnimmt, begründete Mirziyoyev die endgültige Aufnahme mit der <em>„gemeinsamen Geschichte, den familiären Bindungen und der geistigen und kulturellen Verbundenheit”</em> der zentralasiatischen und aserbaidschanischen Völker.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aserbaidschans Präsident Alijew pflichtete ihm bei. Er <a href="https://menafn.com/1110351829/Central-Asia-Azerbaijan-Have-Become-Unified-Geopolitical-And-Geoeconomic-Region-Of-Growing-Significance-President-Ilham-Aliyev-FULL-SPEECH">erklärte</a>, dass <em>„Zentralasien und Aserbaidschan heute eine einzigartige geopolitische und geoökonomische Region bilden, deren Bedeutung in der Welt stetig wächst.“ </em>Er betonte auch die strategische Bedeutung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sangesur-Korridor">Sangesur-Korridors</a>, einer Straße, die durch den Süden Armeniens verläuft und Aserbaidschan mit der Türkei verbindet. Dieser Korridor, der von Baku als zukünftige Hauptverkehrsachse zwischen dem Kaspischen Meer und Anatolien präsentiert wird, steht jedoch im Zentrum starker Spannungen mit Armenien und stößt bei den Gegnern des <a href="http://chrome-extension://efaidnbmnnnibpcajpcglclefindmkaj/https://d-nb.info/1061111512/34">Panturkismus</a> auf heftige Kritik.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/riskante-zusammenarbeit-mit-china/">Riskante Zusammenarbeit mit China</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach China im September 2025 und den Vereinigten Staaten Anfang November sorgt die Annäherung der zentralasiatischen Länder an Aserbaidschan für Uneinigkeit. Die Integration Aserbaidschans ist zwar eine Chance für die regionale Zusammenarbeit in „Groß-Zentralasien”, könnte aber auch die Identität der Region verzerren. Während der Präsident Usbekistans vorgeschlagen hat, dieses jährliche Konsultationstreffen in eine „<a href="https://www.reuters.com/world/asia-pacific/uzbek-president-proposes-setting-up-bloc-central-asian-states-2025-11-16/">Zentralasiatische Gemeinschaft</a>” umzuwandeln, übt der türkische Einfluss zusätzlichen Druck von außen auf eine Region aus, die ohnehin schon zwischen Russland, China und den Vereinigten Staaten hin- und hergerissen ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">&#8222;Die Zeit der geschlossenen Grenzen und der Isolation liegt hinter uns&#8220;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit möchten die zentralasiatischen Länder zu einem Transitknotenpunkt Eurasiens werden. Zur Öffnung neuer Grenzen und zum Ausbau der Eisenbahnlinien kommt der Vorschlag eines „digitalen Transitkorridors” durch die Schaffung eines <a href="https://24.kz/ru/news/policy/740394-tokaev-predlozhil-sozdat-strategiyu-razvitiya-transportnoj-sistemy-tsa">einheitlichen elektronischen Systems zur Verfolgung von Waren</a> hinzu. Laut dem Präsidenten Kasachstans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> könnte diese Maßnahme zu einer Verdopplung des intraregionalen Handelsvolumens auf 20 Milliarden Dollar pro Jahr führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch auf kirgistanischer Seite wird derzeit eine neue Transportlinie gebaut. <em>„Der Bau der strategischen Eisenbahnlinie China-Kirgistan-Usbekistan wird nicht nur eine Verbindung herstellen, sondern auch die Logistik neu gestalten. Sie wird unseren Ländern den kürzesten Weg zu den größten Märkten Asiens und Europas eröffnen”</em>, <a href="https://24.kg/vlast/351097_sadyir_japarov_priglasil_prezidentov_stran_regiona_navsemirnyie_igryi_kochevnikov/">erklärte</a> der Präsident Kirgistans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/great-deals-kasachstan-und-usbekistan-schliessen-wirtschaftsabkommen-in-new-york/">„Great Deals“: Kasachstan und Usbekistan schließen Wirtschaftsabkommen in New-York</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl die Konflikte an der pakistanisch-afghanischen Grenze den Fortschritt der transafghanischen Eisenbahn verzögern, hob Usbekistan ebenfalls die Fortschritte dieses Logistikprojekts hervor, das ihm den Zugang zu pakistanischen Häfen ermöglichen würde. Im Juni 2025 hatten Usbekistan, Afghanistan und Pakistan <a href="https://astanatimes.com/2025/07/uzbekistan-pakistan-and-afghanistan-sign-agreement-on-trans-afghan-railway/">vereinbart</a>, den Bau der Strecke zwischen der afghanischen Hauptstadt Kabul und den pakistanischen Städten Torkham und Peshawar zu beschleunigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Turkmenistan lässt sich ebenfalls nicht lumpen: Im Februar 2025 schloss das Land mit Aserbaidschan, Georgien und Rumänien ein zwischenstaatliches Abkommen über die Schaffung und den Betrieb der internationalen Transportroute Kaspisches Meer – Schwarzes Meer, wie die <a href="https://timesca.com/turkmenistan-azerbaijan-georgia-and-romania-advance-caspian-sea-black-sea-transport-corridor/">Times of Central Asia berichtet</a>. <em>„Die Zeit der geschlossenen Grenzen und der Isolation liegt hinter uns“</em>, schlussfolgerte Toqaev.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sicherheit, Wassermanagement und Tourismus: Harmonisierung der zentralasiatischen Politik</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Da Kirgistan und Tadschikistan derzeit aufgrund erheblicher Wasserknappheit mit einer <a href="https://www.stern.de/news/sinkende-pegel-an-wasserkraftwerken--tadschikistan-und-kirgistan-droht-energiekrise-36346868.html">Energiekrise</a> konfrontiert sind, stand das Wasserressourcenmanagement ebenfalls im Mittelpunkt der Debatten. Der Bau von Wasserkraftwerken und die Einrichtung eines regionalen Kompetenzzentrums für Wassermanagement in Taschkent zeugen von der Besorgnis Zentralasiens hinsichtlich der Wasserwirtschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/was-sind-die-ergebnisse-des-usa-zentralasien-gipfels-in-washington/">Was sind die Ergebnisse des USA-Zentralasien-Gipfels in Washington?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hier könnte die regionale Zusammenarbeit die Lösung sein: Präsident Toqaev forderte eine Harmonisierung der Wasserbewirtschaftungsstrategien, während sein Amtskollege aus Usbekistan eine gemeinsame Nutzung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja-Beckens</a> in Afghanistan vorschlug. Zudem sollen die Jahre 2025 bis 2036 Mirziyoyev zufolge zum <a href="https://timesca.com/central-asian-leaders-welcome-azerbaijans-accession-at-tashkent-summit/">„Jahrzehnt praktischer Maßnahmen für eine rationelle Wassernutzung in Zentralasien”</a> erklärt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Sicherheit der zentralasiatischen Staaten angeht, waren „Bekämpfung“ und „Prävention“ die Schlüsselbegriffe. Um gegen Terrorismus, Extremismus und Kriminalität vorzugehen, wurden <a href="https://24.kz/ru/news/policy/740393-tsa-usilivaet-bezopasnost-i-rasshiryaet-regionalnyj-format">laut 24.kz</a> das „Konzept für regionale Sicherheit und nachhaltige Entwicklung in Zentralasien“ sowie der „Katalog der Risiken mit Maßnahmen zu ihrer Prävention für 2026 bis 2028“ verabschiedet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Besuch des neuen Zentrums für islamische Zivilisation in Taschkent bot Gelegenheit, die Strategie der regionalen Kulturdiplomatie zu erörtern. Mit einem Projekt zur <a href="https://24.kz/ru/news/policy/740410-tokaev-tsentralnaya-aziya-prokhodit-period-masshtabnoj-transformatsii">Entwicklung gemeinsamer touristischer Routen</a> entlang der Seidenstraße möchte Zentralasien auch sein kulturelles Erbe, insbesondere im Bereich des Kinos, bekannt machen. Dschaparow lud die Teilnehmer schließlich zu den nächsten <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/World_Nomad_Games">World Nomad Games</a> ein, die im September 2026 in Kirgistan stattfinden werden.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Salomé Aldeguer-Roure für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/decryptage/quel-bilan-a-la-septieme-reunion-consultative-des-chefs-detats-dasie-centrale/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
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		<title>Photoshop für den Präsidenten: Wie Zentralasiens Staatschefs jünger, größer und glücklicher werden</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Oct 2025 18:51:38 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Auf offiziellen Bildern wirken Zentralasiens Pr&#xE4;sidenten oft makellos: perfekte Haltung, strahlend wei&#xDF;es L&#xE4;cheln, glattes Gesicht und &#xFC;ppiges graues Haar. Ein Abgleich mit internationalen Nachrichten zeigt jedoch: Die Portr&#xE4;ts sind das Ergebnis intensiver digitaler Nachbearbeitung &#x2013; nicht der Realit&#xE4;t. Offizielle Fotos der zentralasiatischen Pr&#xE4;sidenten sorgen oft f&#xFC;r Diskussionen &#x2013; und das nicht nur wegen der Ereignisse, [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auf offiziellen Bildern wirken Zentralasiens Präsidenten oft makellos: perfekte Haltung, strahlend weißes Lächeln, glattes Gesicht und üppiges graues Haar. Ein Abgleich mit internationalen Nachrichten zeigt jedoch: Die Porträts sind das Ergebnis intensiver digitaler Nachbearbeitung – nicht der Realität.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Offizielle Fotos der zentralasiatischen Präsidenten sorgen oft für Diskussionen – und das nicht nur wegen der Ereignisse, die sie zeigen. Fast immer werden die Fotos aufwendig retuschiert: Falten werden geglättet, Haare gefärbt, Zähne gebleicht, der Staatschef kann „wachsen“ und nicht selten wird ein Lächeln auf sein Gesicht „geklebt“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal sind diese Änderungen so auffällig, dass die retuschierten Präsidenten in den sozialen Medien zum Thema von Witzen und Memes werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="958" height="688" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-125.png" alt="" class="wp-image-43083" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-125.png 958w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-125-300x215.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-125-768x552.png 768w" sizes="(max-width: 958px) 100vw, 958px" /><figcaption class="wp-element-caption">Wirkt manchmal etwas wächsern: Kasachstans Präsident Qasym-Jomart Toqaev (rechts)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Turkmenistan: Lächeln um jeden Preis</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Turkmenistan, wo der Personenkult um die Führer beinahe sakralen Charakter hat, werden Präsidentenfotos besonders sorgfältig bearbeitet. Der frühere Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gurbanguly_Berdimuhamedow">Gurbanguly Berdimuhamedow</a>, der offiziell die Macht an seinen Sohn <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Serdar_Berdimuhamedow">Serdar</a> übergeben hat, lässt sich die Falten korrigieren und die Haare färben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Verglichen mit Fotos, die beispielsweise Fotografen von Kreml oder Aqorda [Präsidialverwaltung Kasachstans, Anm. d. Ü.] aufgenommen haben, ist deutlich zu erkennen, wie alt und faltig Gurbanguly Berdimuhamedows Haut ist, insbesondere an seinem Hals. Die turkmenischen Zensoren bleichen und glätten alles sorgfältig, was zu einem unnatürlichen, mit Photoshop bearbeiteten Aussehen führt“</em>, sagt Ruslan Myatiyew, Chefredakteur des unabhängigen Mediums <a href="https://turkmen.news/">Turkmen.news</a>.</p>



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</div>



<p class="wp-block-paragraph">Im Fall von Serdar Berdymuhamedow, der seinem Vater im Präsidentenamt nachfolgte, wurden sogar größere Bildelemente ersetzt. Auf einem Foto, das ihn mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rustam_Nurgalijewitsch_Minnichanow">Rustam Minnihanow</a>, Oberhaupt der Republik Tatarstan, zeigt, wirkte Serdar Berdymuhamedow zu streng. Die Retuscheure tauschten kurzerhand den Kopf des Präsidenten, um seinen Gesichtsausdruck zu verändern.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="952" height="642" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-122.png" alt="" class="wp-image-43082" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-122.png 952w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-122-300x202.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-122-768x518.png 768w" sizes="(max-width: 952px) 100vw, 952px" /><figcaption class="wp-element-caption">Vorher&#8230;</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Fotografen aus Serdar Berdimuhamedows Team bearbeiten die Bilder direkt während der offiziellen Treffen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="958" height="636" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-121.png" alt="" class="wp-image-43081" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-121.png 958w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-121-300x200.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-121-768x510.png 768w" sizes="(max-width: 958px) 100vw, 958px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#8230; und nachher</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Toktosun Schambetow, Journalist beim kirgisischen Dienst von RFE/RL, erinnert sich, diesen Vorgang einmal miterlebt zu haben. <em>„Die turkmenischen Journalisten und Kameraleute, die vor mir saßen, verbrachten etwa eine Stunde damit, die Fotos zu bearbeiten. Sie schnitten einen Kopf aus und fügten ein lächelndes Gesicht ein. Wenn die Größe nicht stimmte, klebten sie eine andere Person von anderen Fotos ein“</em>, so Schambetow.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/turkmenistans-praesident-berdymuchamedow-seine-groessten-hits/"><strong>Turkmenistans Präsident Berdymuchamedow: Seine „größten Hits“</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Bruce Pannier, Journalist und Zentralasien-Experte, kam es bei Manipulationen der Fotos immer wieder zu Fauxpas. <em>„Beispielsweise fehlt Berdimuhamedow Senior auf den Fotos möglicherweise ein Finger“</em>, erklärt Pannier.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Usbekistan: Über Nacht gewachsen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Usbekistans erster Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islom_Karimov">Islom Karomov</a> wurde oft retuschiert. Nicht nur sein Gesicht wurde geglättet, auch sein Körper wurde künstlich vergrößert. Im wirklichen Leben war Karimov etwa 170 cm groß, doch auf bearbeiteten Fotos wuchs er um bis zu 20 cm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders aufschlussreich ist ein Foto von einem Treffen mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wiktor_Janukowytsch">Viktor Janukowitsch</a>, dem damaligen Präsidenten der Ukraine: Auf dem offiziellen Foto ist Karimow fast so groß wie Janukowitsch, der 190 cm misst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/saida-mirziyoyeva-und-gulnara-karimova-zwei-praesidententoechter-in-der-politik/"><strong>Saida Mirziyoyeva und Gulnora Karimova: Zwei Präsidententöchter in der Politik</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Aufnahmen des amtierenden usbekischen Präsident, der 68-jährige <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a>, werden bearbeitet, allerdings subtiler. Dennoch sind auf den von staatlichen Quellen veröffentlichten Fotos leichte Retuschen zu erkennen, im Gegensatz zu den unveränderten Fotos internationaler Fotojournalisten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kasachstan: Der Filter als Jungbrunnen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres Beispiel für aktive Bildmanipulation sind Fotos von Kasachstans 72-jährigen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a>. Ziel scheint es vor allem, die Zeichen des Alterns zu kaschieren. Toqaevs Gesicht wirkt auf den Fotos unnatürlich glatt, seine Zähne übermäßig weiß.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="957" height="538" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-120.png" alt="" class="wp-image-43079" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-120.png 957w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-120-300x169.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-120-768x432.png 768w" sizes="auto, (max-width: 957px) 100vw, 957px" /><figcaption class="wp-element-caption">Qasym-Jomart Toqaev unbearbeitet (links) und künstlich verjüngt (rechts), Photo: RFE/RL Graphics</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Bildbearbeitung früher manuell erfolgte, kommt heute zunehmend künstliche Intelligenz zum Einsatz: Algorithmen glätten nicht nur die Gesichtszüge des Präsidenten, sondern auch die seiner Umgebung. So wirken beispielsweise auf einem Foto mit chinesischen Schulkindern sowohl die Kinder als auch Toqaev gleichermaßen „geschliffen“.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="969" height="626" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-119.png" alt="" class="wp-image-43080" style="width:755px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-119.png 969w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-119-300x194.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-119-768x496.png 768w" sizes="auto, (max-width: 969px) 100vw, 969px" /><figcaption class="wp-element-caption">Qasym-Jomart Toqev trifft am 2. Septenber 2025 chinesische Schulkinder, Photo: akorda.kz</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Pannier vermutet, dass die Fotos von Zentralasiens Staatsschefs häufig zu Propagandazwecken manipuliert werden. <em>„Es ist hauptsächlich Eitelkeit, aber es dient einem Zweck. Diese Präsidenten wollen sich als jung und dynamisch präsentieren. Und voller Energie, um ihre Länder zu führen“</em>, sagt Pannier.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kirgistan: Präsidiale Selfies</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Vergleich zu seinen benachbarten Amtskollegen wirkt Kirgistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a> vollkommen natürlich. Seine Fotos werden selten bearbeitet, und sein Pressedienst veröffentlicht gelegentlich Fotos, die mit Smartphones aufgenommen wurden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="962" height="541" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-118.png" alt="" class="wp-image-43078" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-118.png 962w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-118-300x169.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-118-768x432.png 768w" sizes="auto, (max-width: 962px) 100vw, 962px" /><figcaption class="wp-element-caption">Macht gerne mal einen Selfie: Sadyr Dschaparow, Photo: Instagram</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Laut dem Journalisten Toktosun Schambetow ist es in Kirgistan (noch) nicht üblich, schlecht aufgenommene Fotos des Präsidenten zu verstecken. <em>„Bisher werden Fotos nicht bearbeitet, wenn der Präsident nicht gut aussieht. Die Staatsführung selbst nutzt aktiv soziale Medien und veröffentlicht Selfies, auch wenn sie nicht gut aussehen“</em>, sagt Schambetow.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Tadschikistan: Alt und mürrisch</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am entspanntesten geht es im Pressedienst des tadschikischen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> zu, der seit über 30 Jahren an der Macht ist. Seine Fotos sind selten retuschiert, manchmal ist nicht mal der Bildausschnitt gut gewählt. Auf den offiziellen Aufnahmen sieht man sowohl Rahmon selbst als auch andere Politiker in Momenten, die in den „Hochglanz“-Fotoarchiven der Nachbarländer niemals auftauchen würden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/54826523306_e9e1f65bc0_b.jpg" alt="" class="wp-image-43077" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/54826523306_e9e1f65bc0_b.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/54826523306_e9e1f65bc0_b-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/54826523306_e9e1f65bc0_b-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Nicht immer fotogen, aber authentisch: Emomali Rahmon, Photo: president.tj</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Pannier schadet dieses Vorgehen tatsächlich dem Image des tadschikischen Staatschefs. <em>„Rahmon wirkt oft alt und mürrisch, und es ist nicht verwunderlich, dass weiterhin Gerüchte über seine Gesundheitsprobleme kursieren“</em>, sagt der Experte und bezieht sich dabei auf Berichte, denen zufolge Tadschikistan einen dynastischen Machtwechsel vorbereitet – die Übertragung des Präsidentenamtes von Rahmon auf seinen Sohn <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rustam_Emomalij">Rustam Emomali</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Weitere Fotos findet ihr im <a href="https://rus.azattyq.org/a/kak-v-tsentralnoy-azii-praviteley-delayut-molozhe-vyshe-i-schastlivee/33531953.html">Originalartikel</a>.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Radio Azattyq</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://rus.azattyq.org/a/kak-v-tsentralnoy-azii-praviteley-delayut-molozhe-vyshe-i-schastlivee/33531953.html"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Der „Ferganatal-Gipfel“ von Chudschand: eine historische Premiere</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Apr 2025 19:38:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Chudschand]]></category>
		<category><![CDATA[Emomali Rahmon]]></category>
		<category><![CDATA[Ferganatal]]></category>
		<category><![CDATA[Gipfel]]></category>
		<category><![CDATA[Sadyr Dschaparow]]></category>
		<category><![CDATA[Shavkat Mirziyoyev]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Staatsoberh&#xE4;upter Kirgistans, Tadschikistans und Usbekistans sind in der im Ferganatal gelegenen tadschikischen Stadt Chudschand zu einem historischen Treffen zusammengekommen. Der Gipfel stellt einen wichtigen Fortschritt in den regionalen Beziehungen dar, insbesondere durch die endg&#xFC;ltige Festlegung der gemeinsamen Grenzen und den Ansto&#xDF; ehrgeiziger gemeinsamer Projekte. Das trilaterale Treffen begann am 31. M&#xE4;rz mit einer Begr&#xFC;&#xDF;ungszeremonie [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Staatsoberhäupter Kirgistans, Tadschikistans und Usbekistans sind in der im Ferganatal gelegenen tadschikischen Stadt Chudschand zu einem historischen Treffen zusammengekommen. Der Gipfel stellt einen wichtigen Fortschritt in den regionalen Beziehungen dar, insbesondere durch die endgültige Festlegung der gemeinsamen Grenzen und den Anstoß ehrgeiziger gemeinsamer Projekte.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das trilaterale Treffen begann am 31. März mit einer Begrüßungszeremonie und einem offiziellen Foto, gefolgt von Verhandlungen über die Vertiefung der regionalen Zusammenarbeit, heißt es auf der offiziellen <a href="https://president.kg/ru/news/21/39003">Website des kirgisischen Präsidenten</a>. Wie <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20250401/tadzhikistan-kirgizstan-i-uzbekistan-podpisali-hudzhandskuyu-deklaratsiyu-o-vechnoi-druzhbe">Asia-Plus</a> berichtet, unterzeichneten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> (Tadschikistan), <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a> (Kirgistan) und<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev"> Shavkat Mirziyoyev</a> (Usbekistan) einen historischen Vertrag über den Schnittpunkt der Staatsgrenzen ihrer drei Länder sowie die „Chudschander Erklärung der ewigen Freundschaft“.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Laut <a href="https://fergana.agency/news/137220/">Fergana News</a> stellt der Vertrag einen bedeutenden Fortschritt dar, da die Verhandlungen über die Grenzziehung bereits 2007 begonnen, aber erst 2024 abgeschlossen wurden. Der nun besiegelte Schnittpunkt der Staatsgrenzen liegt im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ferghanatal">Ferganatal</a> zwischen dem usbekischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Viloyat_Fargʻona">Gebiet Fargʻona</a>, dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblus_Batken">Gebiet Batken</a> in Kirgistan und der tadschikschen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sughd">Provinz Sughd</a>. Die Grenzen im Ferganatal waren viele Jahre Gegenstand von oft auch gewalttätigen Konflikten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Shavkat Mirziyoyev erklärte, die Unterzeichnung des Grenzvertrags werde <em>„für Stabilität sorgen und zur Stärkung der internationalen Autorität der gesamten Region beitragen“</em>, berichtet <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/politics/20250401/edinaya-viza-uvelichenie-putei-soobtsheniya-o-chem-govorili-prezidenti-tadzhikistana-uzbekistana-i-kirgizstana">Asia-Plus</a>. Laut der offiziellen <a href="https://president.uz/ru/lists/view/8002">Website des usbekischen Präsidenten</a> wurde eine „Freundschaftsstele“ enthüllt, die als konkretes Symbol für die erneuerten Beziehungen zwischen den Ländern dienen soll.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Grenzabkommen ratifiziert</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel zum trilateralen Treffen wurden wichtige bilaterale Abkommen geschlossen. Der Grenzvertrag zwischen Kirgistan und Tadschikistan, den die Präsidenten beider Länder <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/grenzen-wieder-offen-kirgistan-und-tadschikistan-besiegeln-historisches-abkommen/">am 13. März unterzeichnet hatten</a>, trat mit dem Austausch der Ratifizierungsurkunden in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a> offiziell in Kraft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein ähnliches Protokoll sei zwischen Tadschikistan und Usbekistan in Kraft getreten, heißt es auf der <a href="https://president.uz/ru/lists/view/8001">Webseite des usbekischen Präsidenten</a>. Dieses ebne den Weg für eine Stärkung der Beziehungen zwischen beiden Ländern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/grenzen-wieder-offen-kirgistan-und-tadschikistan-besiegeln-historisches-abkommen/"><strong>Grenzen wieder offen: Kirgistan und Tadschikistan besiegeln historisches Abkommen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sadyr Dschaparow schlug die Einführung eines einheitlichen Visums vor, das den freien Personenverkehr zwischen den drei zentralasiatischen Ländern ermöglichen würde. Diese Initiative ist vom europäischen Schengen-Raum inspiriert und zielt darauf ab, touristische Reisen zu erleichtern und die regionale Attraktivität zu stärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vorschlag reiht sich ein in eine umfassendere Strategie der kulturellen und wirtschaftlichen Annäherung, die Dschaparow mit dem Sprichwort <em>„Ein enger Nachbar ist besser als ein entfernter Verwandter“</em> auf den Punkt bringt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Konkrete Projekte in Wirtschaft und Infrastruktur</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während des Gipfels wurden mehrere große Wirtschafts- und Infrastrukturprojekte auf den Weg gebracht. So weihten Rahmon und Dschaparow offiziell die 500-kV-Stromleitung Datka-Sughd ein, die Tadschikistan und Kirgistan als Teil des umfangreichen Projekts <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/CASA-1000">CASA-1000</a> verbindet. Casa-1000 soll überschüssigen Strom aus beiden Ländern nach Afghanistan und Pakistan exportieren und so die regionale Energiesicherheit stärken, berichtet <a href="https://fergana.media/news/137212/">Fergana News</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Staatschefs betonten zudem, wie wichtig es sei, die Handels- und Logistikinfrastruktur an den Grenzen auszubauen und zu modernisieren, um den bereits wachsenden Handel zwischen den drei Staaten deutlich zu steigern.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein kulturelles Fest zur Besiegelung der Freundschaft</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Abschluss der historischen Zusammenkunft nahmen die Präsidenten gemeinsam an den kulturellen Feierlichkeiten anlässlich von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nouruz">Nouruz</a> teil – dem persischen Neujahrfest, das in der gesamten Region gefeiert wird. Laut <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20250401/tadzhikistan-kirgizstan-i-uzbekistan-podpisali-hudzhandskuyu-deklaratsiyu-o-vechnoi-druzhbe">Asia-Plus</a> wurde ein Kulturprogramm mit dem Titel „Frühling der Freundschaft“ präsentiert, das die nun wiederbelebten Bande der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen den Nachbarstaaten hervorhob.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/zurueck-in-die-zukunft-identitaetspolitik-mal-anders-zarathustra-und-die-politische-dimension-des-nouruz-festes/"><strong>Zurück in die Zukunft – Identitätspolitik mal anders: Zarathustra und die politische Dimension des Nouruz-Festes</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das trilaterale Treffen, das von strategischen Weichenstellungen und symboliträchigen Gesten der Einheit geprägt war, markiert zweifellos einen entscheidenden Schritt hin zu dauerhaften Frieden und engerer Zusammenarbeit in Zentralasien.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Nine Apperry für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/politique/presidents-kirghizstan-tadjikistan-ouzbekistan-reunis-khoudjand/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Grenzen wieder offen: Kirgistan und Tadschikistan besiegeln historisches Abkommen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Romane Haquette]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Apr 2025 19:54:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Emomali Rahmon]]></category>
		<category><![CDATA[Ferganatal]]></category>
		<category><![CDATA[Grenzabkommen]]></category>
		<category><![CDATA[Grenze]]></category>
		<category><![CDATA[Grenzkonflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Sadyr Dschaparow]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Pr&#xE4;sidenten Tadschikistans und Kirgistans haben in Bischkek das Abkommen &#xFC;ber die gemeinsame Grenze ihrer L&#xE4;nder abgeschlossen und somit ein schwieriges Kapitel der bilateralen Geschichte hinter sich gelassen. Die vier Jahre lang geschlossene Grenze wurde wieder ge&#xF6;ffnet, das m&#xFC;hsam verhandelte Grenzabkommen ist mittlerweile in Kraft. Es war ein historischer Moment: Am 13. M&#xE4;rz haben Kirgistans [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Präsidenten Tadschikistans und Kirgistans haben in Bischkek das Abkommen über die gemeinsame Grenze ihrer Länder abgeschlossen und somit ein schwieriges Kapitel der bilateralen Geschichte hinter sich gelassen. Die vier Jahre lang geschlossene Grenze wurde wieder geöffnet, das mühsam verhandelte Grenzabkommen ist mittlerweile in Kraft.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein historischer Moment: Am 13. März haben Kirgistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a> und sein tadschikischer Amtskollege <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> in Bischkek ein Abkommen über die gemeinsame Grenze ihrer Länder <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/politics/20250313/tochka-postavlena-prezidenti-tadzhikistana-i-kirgizstana-podpisali-dogovor-o-gosudarstvennoi-granitse">unterzeichnet</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem Händedruck beendeten sie einen jahrzehntelangen Konflikt. <em>„Alle heute unterzeichneten Dokumente werden eine neue Seite in den tadschikisch-kirgisischen Beziehungen aufschlagen“</em>, fügte der tadschikische Präsident hinzu. Rahmon war am Tag zuvor feierlich in Kirgistans Hauptstadt empfangen worden, berichtet <a href="https://www.rferl.org/a/kyrgyzstan-tajikistan-border-deal-historic-peace-agreement/33345668.html">Radio Free Europe</a>.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.rferl.org/a/kyrgyzstan-tajikistan-border-reopens-deal/33346872.html">Noch am Tag der Unterzeichnung</a> wurde die Grenze zwischen den beiden Ländern wieder geöffnet, nachdem sie nach den Zusammenstößen im April 2021 fast vier Jahre lang <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-schliesst-seine-grenze-zu-tadschikistan/?noredirect=de-DE">geschlossen</a> gewesen war. Ein Moment, auf den viele Bewohner:innen umliegender Dörfer lange gewartet hatten und ihr Wiedersehen mit Verwandten auf der anderen Seite <a href="https://rus.ozodi.org/a/33346577.html">feierten</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Grenzziehung als sowjetisches Erbe</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Grenze zwischen Kirgistan und Tadschikistan war seit mehreren Jahrzehnten Gegenstand teils gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen benachbarten Bevölkerungsgruppen. Die zu Sowjetzeiten festgelegte Republikgrenzen waren teilweise ungenau und berücksichtigten nicht die ethnischen Wurzeln in den jeweiligen Gebieten. Nach dem Zerfall der Sowjetunion erhoben beide Staaten teilweise Anspruch auf dieselben Regionen, was zu Spannungen führte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-im-fluss-das-neue-themenheft-der-zeitschrift-osteuropa/"><strong>Zentralasien im Fluss: Das neue Themenheft der Zeitschrift „Osteuropa“</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der Vereinbarung vom 13. März waren zwischen Tadschikistan und Kirgistan fast 70 Gebiete beziehungsweise 30 Prozent ihrer gemeinsamen Grenze umstritten. 519,9 Kilometer waren vor 2011 festgelegt worden, die restlichen 486,94 Kilometer erst in den letzten drei Jahren, fasst das kirgisische Nachrichtenportal <a href="https://24.kg/vlast/322660_podpisano_soglashenie_ogranitse_mejdu_kyirgyizstanom_itadjikistanom/">24.kg</a> zusammen. Von diesen Konflikten war das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ferghanatal">Fergana-Tal</a> am stärksten betroffen. Dort treffen sich Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan. Alle drei Länder haben dabei verschiedene Exklaven.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die schlimmsten Zusammenstöße ereigneten sich im <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ueber-40-tote-bei-zusammenstoessen-an-der-kirgisisch-tadschikischen-grenze/?noredirect=de-DE">April 2021</a>, als 50 Menschen ums Leben kamen, und im <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgisisch-tadschikischer-grenzkonflikt-verschaerft-sich/?noredirect=de-DE">September 2022</a> mit 100 Toten, darunter 50 Zivilist:innen. In beiden Fällen eskalierte der Konflikt durch den Einsatz von Streitkräften und schweren Waffen sowie durch die Ausweitung der Kämpfe entlang weiter Teile der Grenze auf ein bislang <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ein-eingefrorener-konflikt-an-der-kirgisisch-tadschikischen-grenze/?noredirect=de-DE">beispielloses Ausmaß an Gewalt</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Sehr schwierige“ Verhandlungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 21. Februar wurde in Bischkek ein erstes Protokoll <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/ein-historischer-tag-kirgistan-und-tadschikistan-unterzeichnen-grenzabkommen/?noredirect=de-DE">unterzeichnet</a>, dem Kirgistans Geheimdienstchef <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kamtschibek_Taschijew">Kamtschybek Taschijew</a> <a href="https://www.rferl.org/a/kyrgyzstan-tajikistan-border-deal-historic-peace-agreement/33345668.html">zufolge</a> <em>„ sehr schwierige“</em> Verhandlungen vorraus gegangen waren. Die Staaten beschlossen schließlich, sich an Karten aus dem Jahr 1991 zu orientieren. Zuvor hatte Tadschikistan auf die Verwendung von Karten aus den Jahren 1924-1929 bestanden, während Kirgistan Grenzziehungen aus dem Jahr 1950 als maßgeblich erachtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Gebiete wurden ausgetauscht, insbesondere zwischen dem kirgisischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rajon_Batken">Bezirk Batken</a> und dem tadschikischen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Isfara_District">Bezirk Isfara</a>. Beide Staaten erhalten etwa 142 Hektar in diesen Regionen, berichtet <a href="https://rus.azattyk.org/a/kyrgyzsko-tadzhikskaya-granitsa-kak-podelili-uchastki-dorogi-i-drugie-obekty/33330138.html">Radio Azattyk</a>, der kirgisische Dienst von Radio Free Europe. Das 91 Hektar große, kirgisische Dorf Dostuk wurde beispielsweise im Austausch für ein ebenso großes Gebiet vollständig an Tadschikistan abgetreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/ein-historischer-tag-kirgistan-und-tadschikistan-unterzeichnen-grenzabkommen/"><strong>„Ein historischer Tag“: Kirgistan und Tadschikistan unterzeichnen Grenzabkommen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Schicksal der tadschikischen Exklave <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Woruch">Woruch</a>, Schauplatz zahlreicher Zusammenstöße, hatte die Verhandlungen lange Zeit verlangsamt. <a href="https://kaktus.media/doc/518764_kamchybek_tashiev_rasskazal_kak_reshilsia_vopros_s_ispolzovaniem_zemli_vokryg_anklava_voryh.html">Laut Kamtschybek Taschijew</a> hatte Tadschikistan seit 1991 19.000 Hektar Land außerhalb der Exklave besetzt. Am Ende des Abkommens sei diese Fläche auf 14.500 Hektar reduziert worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für tadschikische Bürger:innen, deren Häuser auf der kirgisischen Seite liegen, und umgekehrt für kirgisische Bürger:innen, die auf der anderen Seite wohnen, beabsichtigen die Regierungen, eine Umsiedlung durchzuführen. <em>„Wir werden an einem anderen Ort Häuser für sie bauen und dabei die Größe der Grundstücke berücksichtigen“</em>, versicherte Präsident Dschaparow.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Stärkere Zusammenarbeit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Treffen vom 13. März ist nur der erste Schritt zu stärkerer Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern. Laut dem <a href="https://www.president.tj/event/news/49967">Pressedienst</a> des tadschikischen Präsidenten unterzeichneten die beiden Staatsoberhäupter außerdem mehrere Kooperationsabkommen in verschiedenen Bereichen, darunter Landwirtschaft, Stadtplanung, neue Technologien und die Bekämpfung der organisierten Kriminalität. Bereits am 4. März hatten beide Regierungen ihre Absicht zum Ausdruck gebracht, ihren Handel bis 2030 auf 500 Millionen US-Dollar (463 Millionen Euro) zu steigern, berichtete <a href="https://rus.ozodi.org/a/kyrgyzstan-i-tadzhikistan-namereny-dovesti-vzaimnyy-tovarooborot-do-500-mln-dollarov-ranee-strany-dostigli-soglasiya-po-obschey-granitse/33335799.html">Radio Ozodi</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/klimawandel-und-wasserressourcen-in-zentralasien-wachsende-unsicherheit/"><strong>Klimawandel und Wasserressourcen in Zentralasien: Wachsende Unsicherheit</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Frage des Zugangs zu Wasser, die regelmäßig zu Spannungen in der Region führt, wurde angegangen. Dies betrifft insbesondere bestimmte Reservoirs, die von beiden Ländern genutzt werden und die in der Vergangenheit wiederholt als Druckmittel dienten. Das zusammen mit dem Grenzvertrag <a href="https://fergana.media/news/137213/">geschlossene Abkommen</a> „Über die Gewährleistung des Zugangs zu Wasser- und Energieanlagen“ soll dem entgegenwirken.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/04/8d500842-c323-4205-a3ee-bab2dd031178-1024x682.jpeg" alt="" class="wp-image-41984" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/04/8d500842-c323-4205-a3ee-bab2dd031178-1024x682.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/04/8d500842-c323-4205-a3ee-bab2dd031178-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/04/8d500842-c323-4205-a3ee-bab2dd031178-768x512.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/04/8d500842-c323-4205-a3ee-bab2dd031178.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sadyr Dschaparow, Emomali Rahmon und Usbekistans Präsident Shavkat Mirziyoyev beim &#8222;Fergana-Tal-Gipfel&#8220; am 31. März in Chudschand, Photo: president.uz</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem am 19. März die Parlamente <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/politics/20250319/parlament-kirgizstana-odobril-ratifikatsiyu-dogovora-o-tadzhiksko-kirgizskoi-granitse">Kirgistans</a> und Tadschikistans das Abkommen jeweils ratifiziert hatten, tauschten die beiden Präsidenten am 31. März <a href="https://fergana.media/news/137213/">bei ihrem erneuten Zusammentreffen</a> im Rahmen des <a href="https://fergana.news/news/137220/">Fergana-Tal-Gipfels</a> im tadschikischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a> die Ratifizierungsurkunden aus. Das lange und zäh verhandelte Grenzabkommen zwischen den beiden zentralasiatischen Republiken ist damit in Kraft.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Romane Haquette für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/politique/president-tadjik-visite-kirghizstan-finaliser-accord-frontiere/"><strong>Französischen</strong></a><strong> (und überarbeitet) von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/grenzen-wieder-offen-kirgistan-und-tadschikistan-besiegeln-historisches-abkommen/">Grenzen wieder offen: Kirgistan und Tadschikistan besiegeln historisches Abkommen</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Gipfeltreffen in Astana: Aufschwung für die regionale Zusammenarbeit?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SLS]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Sep 2024 12:08:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anfang August fand in Astana das 6. Konsultativtreffen der zentralasiatischen Staatschefs statt. Ziel des Treffens war, die Zusammenarbeit in der Region zu vertiefen. Zentralasiatisches Gipfeltreffen in Astana: Am 9. August sind die Pr&#xE4;sidenten Kasachstans, Kirgistans, Tadschikistans, Turkmenistans und Usbekistans sowie, als Ehreng&#xE4;ste, Aserbaidschans Pr&#xE4;sident Ilham Aliyev und der Sonderbeauftragte des UN-Generalsekret&#xE4;rs, Kaha Imnadse, zu ihrem [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anfang August fand in Astana das 6. Konsultativtreffen der zentralasiatischen Staatschefs statt. Ziel des Treffens war, die Zusammenarbeit in der Region zu vertiefen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zentralasiatisches Gipfeltreffen in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Astana">Astana</a>: Am 9. August sind die Präsidenten Kasachstans, Kirgistans, Tadschikistans, Turkmenistans und Usbekistans sowie, als Ehrengäste, Aserbaidschans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/İlham_Əliyev">Ilham Aliyev</a> und der Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kacha_Imnadse">Kaha Imnadse</a>, zu ihrem 6. Konsultativtreffen zusammengekommen. Das Treffen war geprägt von intensiven Diskussionen zu einem breiten Themenspektrum, das von der wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Zusammenarbeit bis hin zur kulturellen und humanitären Integration reichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die versammelten Staatsoberhäupter betonten, wie wichtig es sei, die regionale wirtschaftliche Zusammenarbeit zu stärken, berichtet <a href="https://thediplomat.com/2024/08/continuity-and-change-in-the-new-cycle-of-central-asian-consultative-meetings/">The Diplomat</a>. Kasachstans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> hob die Fortschritte in verschiedenen Bereichen <a href="https://akorda.kz/ru/pod-predsedatelstvom-kasym-zhomarta-tokaeva-sostoyalas-vi-konsultativnaya-vstrecha-glav-gosudarstv-centralnoy-azii-971327">hervor</a>, darunter die Modernisierung der Grenzkontrollpunkte, den Ausbau der Verkehrsverbindungen und die Eröffnung neuer Handelsrouten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Tadschikistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> <a href="https://www.president.tj/event/news/46800">betonte</a> seinerseits die Bedeutung einer effizienten Nutzung der Wasserkraftressourcen und der Entwicklung gemeinsamer Infrastruktur- und Verkehrsprojekte. Er schlug vor, ein erstes Treffen der Industrieminister der zentralasiatischen Länder in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Duschanbe">Duschanbe</a> zu organisieren und eine jährliche Ausstellung einzurichten, um den Industrie- und Handelsaustausch zu stärken. Diese Initiativen zielen darauf ab, den intraregionalen Handelsumsatz auf 20 Milliarden US-Dollar (17,98 Milliarden Euro) zu steigern – ein erreichbares Ziel angesichts des jüngsten Handelswachstums in der Region um mehr als 80 Prozent.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Hin zu einer stärkeren kulturellen und humanitären Integration</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Über die wirtschaftlichen Aspekte hinaus wurde in den Diskussionen auch die Bedeutung der kulturellen und humanitären Integration hervorgehoben. Präsident Toqaev bestand auf der Einrichtung regelmäßiger Ereignisse wie interkultureller Tage, Ausstellungen im Bereich Kunsthandwerk und anderer kultureller Veranstaltungen. Generell betonten die Präsidenten die Bedeutung der Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Kultur und Entwicklung von Humankapital.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein bemerkenswerter Vorschlag im Rahmen des Treffens war die Einrichtung eines regionalen Fernsehsenders oder Online-Nachrichtenportals, um das gegenseitige Verständnis zu stärken und Freundschaft und Solidarität zwischen den Menschen in der Region zu fördern. Dies ist Teil umfassender Bemühungen zur Schaffung gemeinsamer Medienprodukte, einschließlich der Verfilmung gemeinsamer historischer Ereignisse.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Sicherheit und Ressourcenmanagement</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die regionale Sicherheit und ein effektives Ressourcenmanagement standen im Fokus der Gespräche. Die Staatschefs sehen eine Notwendigkeit, die Kooperation zu stärken, um so wachsenden globalen Herausforderungen und Bedrohungen zu begegnen. Präsident Rahmon schlug vor, neue Formen der Sicherheitskooperation zu entwickeln und Mechanismen für eine enge Zusammenarbeit zwischen den Strafverfolgungsbehörden der zentralasiatischen Länder zu schaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Hinblick auf das Ressourcenmanagement, insbesondere im Bereich Wasser und Energie, betonte Kasachstans Präsident Toqaev die Notwendigkeit, eine konsolidierte Wasserpolitik zu entwickeln, die auf einer fairen und gleichberechtigten Nutzung der Ressourcen basiert. Er schlug außerdem die Gründung eines Wasser- und Energiekonsortiums vor, um gemeinsam Wasserkraftanlagen zu verwalten und die Digitalisierung der Wasserverteilung und unter Einsatz räumlicher Überwachungstechnologien voranzutreiben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Zukunftsaussichten für die regionalen Herausforderungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ergebnisse des 6. Konsultationstreffens zeigen ein deutliches Engagement für eine stärker integrierte und systematische regionale Zusammenarbeit. Die Staatsoberhäupter genehmigten mehrere wichtige Dokumente, darunter das „Konzept für die Entwicklung der regionalen Zusammenarbeit Zentralasien – 2040“ und eine Roadmap für die Entwicklung der regionalen Zusammenarbeit für die Jahre 2025–2027.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Initiativen zielen darauf ab, die zwischenstaatliche Koordinierung zu verbessern, die Umsetzung regionaler Initiativen besser zu überwachen und Schlüsselprojekte wie den <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/global-gateway-die-eu-investiert-in-den-transkaspischen-korridor/?noredirect=de-DE">Transkaspischen Transportkorridor</a> und die <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/transafghanische-eisenbahn-neuer-schwung-und-alte-problem/?noredirect=de-DE">Transafghanische Eisenbahn</a> zu entwickeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/warum-shanghaier-organisation-fuer-zusammenarbeit-soz-ihre-relevanz-verloren-hat/"><strong>Warum die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit ihre Relevanz verloren hat</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Herausforderungen bleiben also zahlreich. Die Präsidenten der Region müssen sich in einem komplexen geopolitischen Umfeld mit unterschiedlichen und manchmal widersprüchlichen Interessen der Großmächte zurechtfinden. Kasachstans Staatschef erinnerte daran, dass die Wahrung von Frieden und Stabilität in der Region von der Fähigkeit abhänge, den politischen Dialog und Maßnahmen für gegenseitiges Vertrauen zu stärken. Darüber hinaus betonte er, wie wichtig es sei, externe Partnerschaften im Rahmen der regionalen Zusammenarbeit zu diversifizieren, um eine übermäßige Abhängigkeit von einigen wenigen Partnern zu vermeiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gipfeltreffen von Astana markiert einen bedeutenden Schritt hin zu einer stärkeren regionalen Integration. Die bei diesem Treffen getroffenen Entscheidungen und eingeleiteten Initiativen verdeutlichen den Wunsch, die Zusammenarbeit zu vertiefen. Selbst wenn weiterhin Herausforderungen bestehen, insbesondere in den Bereichen Sicherheit und Ressourcenmanagement, zeigen die Fortschritte der letzten Jahre, dass Zentralasien ein gewisses Potenzial für die Zukunft als integrierte und international einflussreiche Region hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle angekündigten Maßnahmen und Vorschläge befinden sich jedoch noch im Deklarationsstadium. Den Staatschefs und ihren Kabinetten liegt offenbar großes Interesse daran, dass ihre jeweiligen Vorschläge mediale Wirkung entfalten.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Roman Selosse für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/politique/reunion-des-chefs-detat-centrasiatiques/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
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		<title>Wachsender Autoritarismus und Machtkrise in Zentralasien</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Jan 2024 19:56:29 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Shavkat Mirziyoyev]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den vergangenen Jahren waren die zentralasiatischen Staaten wiederholt von politischen und wirtschaftlichen Ersch&#xFC;tterungen betroffen. Unter den Bewohner:innen der Region wachsen Ungleichheit und Armut, da sich ihre Regierungen nicht um eine gerechtere Verteilung &#xF6;konomischer Vorteile k&#xFC;mmern. Als Reaktion darauf kommt es zu gro&#xDF;en Protesten, welche die Machthabenden gewaltsam unterdr&#xFC;cken und als L&#xF6;sung des Problems lediglich [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In den vergangenen Jahren waren die zentralasiatischen Staaten wiederholt von politischen und wirtschaftlichen Erschütterungen betroffen. Unter den Bewohner:innen der Region wachsen Ungleichheit und Armut, da sich ihre Regierungen nicht um eine gerechtere Verteilung ökonomischer Vorteile kümmern. Als Reaktion darauf kommt es zu großen Protesten, welche die Machthabenden gewaltsam unterdrücken und als Lösung des Problems lediglich oberflächliche Maßnahmen anbieten. All dies führt zu einer Legitimitätskrise der politischen Regime und verstärkt den Autoritarismus. Expert:innen gehen davon aus, dass es in der Region zu weiteren sozialen Konflikten kommen wird.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Der folgende Artikel von Almas Kaysar und Dimitri Mazurenko<a> </a>erschien erstmals am 23. Juni 2023 auf </em><a href="https://vlast.kz/politika/55659-centralnaa-azia-krepnusij-avtoritarizm-i-krizis-vlasti.html"><em>Vlast.kz</em></a><em>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig werden die Pandemie und der Krieg in der Ukraine als Hauptgründe für die Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in Zentralasien genannt. Franco Galdini, Post-Doc an der Universität Manchester, forscht zur politökonomischen Transformation der Region seit 1991. Er sagt, dass die Vulnerabilität der Bewohner:innen durch den Aufbau der Wirtschaft dieser Länder bedingt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Demnach stützt sich die Wirtschaft auf den Erhalt ausländischer Devisen durch den Export von Rohstoffen, was erlaubt, Staat und Gesellschaft am Laufen zu halten. Dieses System verwehrt den Ländern der Region aber auch die Möglichkeit, industrielle Produktionsketten aufzubauen, um breite Teile der Bevölkerung mit einem ausreichenden Einkommen sowie Arbeitsplätzen zu versorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Die industrielle Produktion stützt sich vor allem auf die Einnahmen aus dem Rohstoffverkauf, welche steigen, wenn die Rohstoffpreise hoch sind, aber auch genauso sinken, wenn diese Preise fallen. Die Einnahmen aus dem Rohstoffverkauf werden durch die staatliche Bürokratie ausgeschüttet, oft auf Einzelfallbasis, was zu einem hohen Korruptionsniveau führt</em>“, erläutert Galdini.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/wie-auslaendische-investitionen-die-entwicklung-der-regionen-kasachstans-erschweren/"><strong>Wie ausländische Investitionen die Entwicklung der Regionen Kasachstans erschweren</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://research.kent.ac.uk/conflict-analysis/person/elmira-satybaldieva/">Elmira Satybaldieva</a>, Senior Research Fellow am Forschungszentrum für Konfliktanalyse der Universität Kent, konstatiert, dass die zentralasiatischen Staaten über 30 Jahre hinweg ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von Rohstoffen nicht überwinden konnten. Diesem Ziel nahe kam nur Kirgistan, dies jedoch auch vor allem bedingt durch die Erschöpfung der der Goldreserven am größten Vorkommen der Region, in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kumtor-Mine">Kumtör</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Den Ländern der Region fällt es sehr schwer, ausländische Investitionen in den Produktionssektor anzuziehen, mit Ausnahme von Kasachstan und Usbekistan, die hierfür ihre eigenen Ressourcen haben</em>“, stellt Satybaldieva klar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungeachtet der schwierigen wirtschaftlichen Situation bleiben die Bevölkerungen der zentralasiatischen Staaten weitgehend entpolitisiert. Der Grund hierfür liegt in der neoliberalen Politik westlicher Länder, welche den Blick auf die Staaten der Region verengt und diese lediglich als Quellen von Bodenschätzen und Einnahmen aus deren Verkauf erscheinen lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Man muss verstehen, dass die Weltgemeinschaft von Beginn an kein Bestreben hatte, die Demokratie in der Region zu fördern. Allein der Zugang zu billigen Rohstoffen erschien wichtig. In dieser Hinsicht sind neoliberale Politik und Demokratie nicht besonders kompatibel und widersprechen sich sogar</em>“, fügt Satybaldieva hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei demokratischen Herrschaftsverhältnissen würde es den zentralasiatischen Staaten nicht gelingen, die für eine Mehrheit der Bevölkerung so schmerzhafte Privatisierung, Deregulierung der Finanzmärkte und Kürzung der Sozialausgaben durchzusetzen. Nach Meinung der Forscherin führt die Durchführung von neoliberalen Reformen nach einigen Jahren nur zu einem Ergebnis: zur Ergreifung der Macht im Land durch einen Teil der Elite und der Konzentration des Kapitals in den Händen einiger weniger. Darauf folgt eine gigantische soziale Spaltung, die die Legitimität der herrschenden Schicht untergräbt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Von Protesten und ihrer Unterdrückung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der weit verbreiteten Entpolitisierung der zentralasiatischen Gesellschaften, stießen die wirtschaftliche Benachteiligung und die Legitimitätskrise der Machthabenden die Menschen dennoch zu Massenprotesten an. Im Jahr 2022 breiteten diese sich über fast die ganz Region aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Proteste in Kasachstan <a href="https://www.opendemocracy.net/ru/kazachstan-ot-protesta-k-smute-mazorenko-kaisar/">begannen</a> nach einem drastischen Preisanstieg auf Flüssiggas. Die Proteste in Usbekistan wurden <a href="https://vlast.kz/politika/50699-karakalpakstan-v-borbe-za-suverenitet.html">angestachelt</a> durch den Versuch, die in der Verfassung verankerte Souveränität <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakalpakistan">Karakalpakstans</a> anzutasten. Bewohner:innen und Aktivist:innen Kirgistans <a href="https://rus.azattyq.org/a/32100033.html">versammelten sich</a> zu Protestaktionen, um gegen die Übergabe des Kempir-Abad-Staussees an Usbekistan und gegen politische Repressionen zu demonstrieren. Und Bewohner:innen der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Berg-Badachschan</a> in Tadschikistan &nbsp;<a href="https://vlast.kz/politika/49981-protesty-v-gornom-badahsane-glavnoe.html">gingen auf die Straßen</a>, da die Behörden des Landes nach einer Reihe von Morden und Verhaftungen von Zivilst:innen nichts unternahmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: Unser Archiv zu den </strong><a href="https://novastan.org/de/tag/proteste-in-kasachstan-2022/"><strong>Protesten in Kasachstan 2022</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesen Ländern gewannen die Proteste schnell einen sozialen Charakter. Die Menschen brachten ihre Unzufriedenheit über die Ungleichheit und die politische Willkür der Elite zum Ausdruck. In Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan führte dies zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei und einer Welle von Morden an einfachen Bürger:innen. In keinem dieser Länder kam es darauf zu einer internationalen und transparenten Untersuchung der Ereignisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Anschluss an die Proteste brach in allen Staaten der Region eine neue Welle an Repression los. In Kasachstan wuchs der Druck auf <a href="https://vlast.kz/politika/52266-dobitsa-tihih-vyborov.html">politische Aktivist:innen</a> und <a href="https://vlast.kz/obsshestvo/53594-nasilie-protiv-zurnalistov-bez-granic.html">Journalist:innen</a>. In Karakalpakstan wurde die Zivilgesellschaft unterdrückt. Die tadschikischen Behörden versuchten, die Selbstorganisation der Menschen einzudämmen, indem sie Ansammlungen zum Gebet in Privathäusern in Berg-Badachschan <a href="https://vlast.kz/obsshestvo/55165-poslednij-ismailitskij-halif-v-vysokogorah-tadzikistana.html">verboten</a> und nur noch in offiziellen islamischen Zentren erlauben – von diesen gibt es jedoch lediglich zwei im ganzen Land. In Kirgistan wurde die <a href="https://rus.azattyk.org/a/32118784.html">Redefreiheit eingeschränkt</a> sowie Journalist:innen und Aktivist:innen verfolgt. Dabei wird eine große Gruppe von Journalist:innen und Aktivist:innen von den Machthabenden verhaftet und beschuldigt, einen Staatsstreich vorbereitet zu haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Steigende Preise, Krieg und Armut</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Hauptproblem der letzten Jahre war für die zentralasiatischen Länder die Inflation, welche in den meisten Staaten bis heute anhält. Der sprunghafte Anstieg ist auf Unterbrechungen der Lieferketten, höhere Kraftstoffpreise und steigende Lebensmittelkosten zurückzuführen. Darüber hinaus wirkt sich eine Krise der Energieinfrastruktur negativ auf die Volkswirtschaften der Region aus, welche mit abendlichen Stromausfällen einhergeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Aufwertung des Rubels ließ die Löhne von Arbeitsmigrant:innen aus Tadschikistan, Kirgistan und Usbekistan ansteigen, wobei das BIP dieser Länder erheblich von diesen Geldtransfers aus Russland abhängt. Dieser Faktor, zusammen mit dem Re-Export von Waren nach Russland und dem Geldzufluss von Russ:innen, die vor der Mobilisierung in die zentralasiatischen Staaten fliehen, haben die wirtschaftliche Lage in diesen Ländern wieder beruhigt. Auf die Volkswirtschaften Turkmenistans und Kasachstans wirkten sich die steigenden Energiepreise positiv aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/die-arbeitsgenehmigungen-fuer-migrantinnen-in-russland-koennten-bald-deutlich-teurer-werden/"><strong>Die Arbeitsgenehmigungen für Migrant:innen in Russland könnten bald deutlich teurer werden</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nichtsdestotrotz löste dies nicht das strukturelle Problem der „Arbeitsarmut“ in den zentralasiatischen Staaten. In Kasachstan sind rund 2,1 Mio. Menschen selbstständig: 81,4 Prozent von ihnen verdienen dabei im Monat weniger als 443 US-Dollar, dem nationalen Mediangehalt. Zusätzlich arbeiten 1,1 Millionen Menschen inoffiziell. Rund eine Millionen Bürger:innen Kirgistans arbeiten im Ausland. Grund dafür ist der Mangel an sicheren Arbeitsplätzen in der Heimat. Dies entspricht fast der Hälfte der arbeitenden Bevölkerung. Die Anzahl an Arbeitsmigrant:innen aus Tadschikistan beläuft sich auf circa 700 Tausend (ungefähr 30 Prozent der arbeitenden Bevölkerung). Aus Usbekistan reisten <a href="https://kun.uz/ru/news/2022/12/14/soobshcheno-o-kolichestve-migrantov-iz-uzbekistana-naxodyashchixsya-za-rubejom">mehr als 2,3 Millionen Menschen</a> auf der Suche nach Arbeit aus und fast die Hälfte der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter ist <a href="https://cabar.asia/ru/chto-ne-tak-s-politikoj-uzbekistana-v-sfere-neformalnosti-na-rynke-truda">im informellen Sektor tätig</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Mit Ausnahme der Industriearbeiter:innen und Angestellter einiger Sektoren, wie etwa dem Finanzsektor, stagniert oder sinkt der Lebensstandard für die überwiegende Mehrheit der Menschen</em>“, stellt Galdini fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Führungen der zentralasiatischen Staaten reagieren unterschiedlich auf die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage der Bevölkerung. Als gemeinsame Antwort kann jedoch eine Politik des „Gürtel-enger-Schnallens“ gesehen werden. In einigen Ländern wurden die Gehälter von Angestellten des öffentlichen Sektors erhöht, sowie teils auch die Sozialausgaben. Die Wirkung dieser Maßnahmen wurde jedoch durch steigende Preise für Waren und Dienstleistungen, insbesondere für Lebensmittel, die 40 bis 50 Prozent aller Haushaltsausgaben ausmachen, wieder zunichte gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/in-turkmenistan-nimmt-die-brotkrise-kein-ende/"><strong>In Turkmenistan nimmt die Brotkrise kein Ende</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Antwort auf die Energiekrise entschlossen sich die Staatsführungen der zentralasiatischen Länder, die Gebühren für kommunale Dienstleistungen und Elektrizität anzuheben, in Usbekistan wurden gar energieintensive Betriebe privatisiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus haben die rohstoffexportierenden Länder Kasachstan und Usbekistan begonnen, den rhetorischen Fokus mehr auf Importsubstitution und den Ausbau eigener Produktionsstätten zu legen. Bedeutende Schritte für eine Umsetzung in diese Richtung wurden jedoch noch nicht unternommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine sich fortsetzende Legitimitätskrise</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die kürzlichen wirtschaftlichen Erschütterungen verschärfen noch die ohnehin schon greifbare Legitimitätskrise der herrschenden Elite. Die zentralasiatischen Staaten befinden sich dabei in verschiedenen Phasen, diese zu überwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan hat die politische Führung bereits gewechselt und es geht um eine Festigung der Ordnung, während in Tadschikistan und Turkmenistan ein Wechsel kurz bevorsteht. Der Austausch herrschender Personen und der mit ihnen verbundenen Elitengruppen führt jedoch zu keinen tatsächlichen Veränderungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Die Ereignisse um „Qandy Qantar“ </em>[Anm. d. Red.: „Blutiger Januar“] <em>in Kasachstan zeigten die Fragilität der zentralasiatischen Regime, die den Forderungen nach politischem Wandel keine Beachtung schenken und die wirtschaftliche Unzufriedenheit der Bevölkerung ignorieren. In diesem Fall sind Repressionen die einzige langfristige Lösung, um Stabilität zu gewährleisten</em>“, konstatiert <a href="https://www.gla.ac.uk/schools/socialpolitical/staff/lucaanceschi/">Luca Anceschi</a>, Professor für Eurasische Studien an der Universität Glasgow.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nach den Ereignissen im Januar 2022 verkündete <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> den <a href="https://vlast.kz/obsshestvo/53408-pocti-nicego-ne-izmenilos-v-kazahstane-spusta-god-posle-krovavogo-anvara.html">Aufbau</a> eines „<em>neuen und gerechten Kasachstans</em>“, führte im Land ein Referendum über Verfassungsänderungen und hielt vorgezogene Präsidentschafts- und Parlamentswahlen ab. Vertreter:innen der Zivilgesellschaft wurden dabei in ihrer Beteiligung eingeschränkt und es kam zu massenweiser <a href="https://vlast.kz/politika/54400-kazahstan-oboselsa-na-vyborah-bez-demokratii.html">Falsifikation</a> von Stimmen. Trotz der Verlautbarung des Präsidenten über die „<em>Unzulässigkeit sozialer Ungleichheit</em>“, <a href="https://vlast.kz/jekonomika/55168-bogatye-bogateut-bednye-bedneut.html">steigt</a> das Gesamtvermögen der reichsten Menschen Kasachstans und das Regime verhält sich weiterhin feindlich gegenüber zivilen Protesten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Demonstrationen in Berg-Badachschan setzten sich die Repressionen in Tadschikistan fort. Dies geschah vor dem Hintergrund des Übergangs der Macht von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a>, der das Land seit 1994 regiert, zu seinem Sohn <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rustam_Emomalij">Rustam Emomali</a>, der bereits <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-sohn-des-praesidenten-wird-nummer-2-im-staat/">Führungspositionen innehat</a>. Im vergangenen Jahr nahmen die Behörden des Landes nicht weniger als acht Journalist:innen fest und schlossen ein unabhängiges Menschenrechtszentrum. Gleichzeitig werden weiterhin tadschikische Aktivist:innen, die nach Russland geflohen sind, entführt und ihre Angehörigen verhaftet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-ein-jahr-seit-den-tragischen-ereignissen-im-pamir/"><strong>Tadschikistan: Ein Jahr seit den tragischen Ereignissen im Pamir</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der Annullierung der Verfassungsänderungen, durch die Karakalpakstan seine Autonomie verloren hätte, setzt der usbekische Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> durch die Anwendung von Gewalt die autoritären Praktiken seines Vorgängers <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islom_Karimov">Islom Karimov</a> fort. Im gleichen Atemzug in dem im Land eine Politik des „Neuen Usbekistans“ mit einem Fokus auf ökonomische Liberalisierung und Amnestien für einen Teil der „politische Gefangenen“ angekündigt werden, führt Mirziyoyev ein Verfassungsreferendum durch, welches ihm die Möglichkeit gibt, für zwei weitere Amtszeiten anzutreten. Dies geschah vor dem Hintergrund von Festnahmen karakalpakstanischer Aktivist:innen und einer totalen Abwesenheit von politischen Konkurrent:innen. Die nächsten, vorgezogenen Wahlen fanden am 9. Juni 2023 statt [Anm. d. Red.: Mirziyoyev ging aus diesen <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/shavkat-mirziyoyev-siegt-bei-vorgezogener-praesidentschaftswahl-in-usbekistan/">als deutlicher Sieger</a> hervor].</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1023" height="575" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/01/458757c20153c38f0fb35a133e5bfb65.jpg" alt="" class="wp-image-37918" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/01/458757c20153c38f0fb35a133e5bfb65.jpg 1023w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/01/458757c20153c38f0fb35a133e5bfb65-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/01/458757c20153c38f0fb35a133e5bfb65-768x432.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1023px) 100vw, 1023px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In Kirgisistan arbeitet Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a>, der nach einer weiteren „Revolution“ im Oktober 2020 an die Macht gab, nun beständig daran, seine Macht zu konsolidieren, unter anderem durch eine weitere Verfassungsänderung. Die Übernahme der Macht durch Dschaparow kann als Reaktion auf die Forderungen der Menschen nach einem charismatischen Landesführer gesehen werden, einer starken Hand, die in der Lage ist, sich über den bisherigen Eliten zu erheben, um die wirtschaftlichen Probleme einer Mehrheit der Bevölkerung zu lösen. Von diesen Erwartungen profitierend, kehren Dschaparow und sein Umfeld das Land in eine Regierungsform mit starker Position des Präsidenten um und beschlagnahmen gleichzeitig große Vermögenswerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>In Turkmenistan ist die Situation genauso wie immer. Möglicherweise ein bisschen schlechter</em>“, konstatiert der Forscher und Journalist <a href="https://daviscenter.fas.harvard.edu/about/people/bruce-pannier">Bruce Pannier</a>. Er berichtet außerdem davon, wie sich das Land verändert, nachdem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gurbanguly_Berdimuhamedow">Gurbanguly Berdimuhamedow</a> die Präsidentschaft an seinen Sohn <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Serdar_Berdimuhamedow">Serdar</a> übergeben hat. In den Medien verbreiteten sich demnach aktiv Gerüchte über Unstimmigkeiten zwischen Vater und Sohn, nachdem Serdar begonnen hatte, Verwandte und Personen aus dem Umkreis seines Vaters zu attackieren. „<em>Allerdings wurde in diesem Jahr auch eine Reform eingeführt, die das Oberhaus des Parlaments, die Halk Maslahaty, zum obersten Organ macht. Dessen Vorsitz hat Berdimuhamedow Senior, sodass der Ex-Präsident bei allen wichtigen politischen Entscheidungen nicht umgangen werden kann.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese politischen Prozesse entwickeln sich vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine und den sich dadurch verstärkenden Gegensätzen zwischen den größten geopolitischen Einflusskräften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Oberhäupter der zentralasiatischen Staaten stehen dieser Situation ambivalent gegenüber, da sich daraus sowohl Gewinne als auch Gefahren ergeben. Der Profit besteht darin, dass die Marginalisierung Russlands durch den Westen ihnen mehr Möglichkeiten bietet, ihre Forderungen an Russland als größte Volkswirtschaft im postsowjetischen Raum heranzutragen. Andererseits hängt die Legitimität vieler der zentralasiatischen Staatsoberhäupter vom russischen Sicherheitsapparat ab, um die in den Ländern immer wieder aufkommende Massenunzufriedenheit im Schach zu halten (wie bei den Januar-Unruhen in Kasachstan).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig baut die Legitimität der zentralasiatischen Staatsführungen – der neuen, wie der alten – zunehmend auf der Annahme auf, dass allein diese in der Lage seien, ihre Länder in Zeiten wachsender wirtschaftlicher und/oder geopolitischer Probleme zu beschützen. Sie versprechen, Maßnahmen zu ergreifen, um das gesellschaftliche System umzustrukturieren und irgendwie auf die Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit und außenpolitischer Stabilität zu reagieren. Dies bietet ihnen die Möglichkeit, als alleinige politische Vertreter des Volkes aufzutreten und damit gerade diese anderen politischen Institutionen und oppositionelle Kräfte zu verdrängen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Welche Zukunft erwartet die zentralasiatischen Staaten?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>In Zentralasien sind die vom Regime verordneten Fortschrittsideen in einer Illusion des Neuen – „Neues Kasachstan“ oder „Neues Usbekistan“ &#8211; verwurzelt, die von Toqaev und Mirziyoyev gefördert wird. Obwohl ich einen Unterschied sehe zwischen der Politik Karimovs und den aktuellen autoritären Modernisierungstendenzen in Usbekistan unter Mirziyoyev (welche darüber hinaus an Geschwindigkeit verlieren), fällt es mir schwer zu verstehen, was es „Neues“ im Kasachstan nach der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nazarbaev</a>-Ära gibt</em>“, sagt Luca Anceschi.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://carnegieendowment.org/experts/1738">Temur Umarov</a>, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Russland und Eurasien Programm des Carnegie Center in Berlin, sagt, dass keiner der neuen Präsidenten in Kasachstan, Usbekistan und Kirgistan strukturelle Reformen durchführt und dies auch in der Zukunft nicht zu erwarten ist. Die Machthabenden in Tadschikistan und Turkmenistan seien genau wie früher auf den Stabilitätserhalt ausgerichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Aber die Regime werden dennoch anpassungsfähiger – sie hören zu und erkennen einige Probleme, weil sie in einer veränderten, stärker technologisierten Welt mit einer jüngeren und aktiveren Bevölkerung leben. Einige Veränderungen finden dort natürlich statt</em>“, konstatiert Umarov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die alte politische Elite sieht die Forderungen nach Populismus und passt sich diesen an, so Elmira Satybaldieva. Aber tatsächliche Veränderungen verspräche die Elite nicht. Ihrer Meinung nach resultiere dies alles in der Gründung dekorativer politischer Einrichtungen sowie einem Anschein von Korruptionsbekämpfung, wobei die Präsidenten bestimmte Mitglieder der Elite ins Visier nehmen und diese zwingen, „freiwillig“ Kapital ins Land zurückzuführen. „<em>Aber niemand beschäftigt sich damit oder versucht zu verstehen, wie die Umverteilung der Ressourcen geschieht und an wen die Ressourcen gehen</em>“, so Satybaldieva.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Folge dessen, dass die politische Elite der zentralasiatischen Länder keine Alternativen anbieten, bleiben die Bedingungen für wiederholte soziale Unruhen bestehen. Sie werden auch durch die Struktur ihrer Volkswirtschaften begünstigt. Früher oder später werden ihre Ressourcen erschöpft sein, woran sich eine Haushaltskrise anschließt, resümiert Satybaldieva. Franco Galdini fügt hinzu, dass die Priorisierung des Rohstoffexports vor der lokalen Industrialisierung schon lange zu einer hohen Zahl von arbeitslosen oder unterbeschäftigten Bürger:innen beiträgt. Und ohne zunehmend stärkere Repressionen, wird es nicht möglich sein, sie von Massendemonstrationen abzuhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Umarov unterstreicht, dass neben der Ungleichheit und der sich verschlechternden wirtschaftlichen Situation auch eine Spaltung der Eliten ein nicht unerhebliches Risiko für die zentralasiatischen Regime darstellt. Zu diesen könnte es bei einem der zukünftigen Machtwechsel kommen. „<em>Toqaev, Mirziyoyev und Rahmon sind nicht mehr jung. Früher oder später müssen sie darüber nachdenken, wie sie die Lebensdauer ihres politischen Regimes verlängern können. Das ist ein fragiler Prozess, bei dem vieles schief laufen kann</em>“, so Umarov.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Almas Kaysar und Dimitri Mazurenko für Vlast</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://vlast.kz/politika/55659-centralnaa-azia-krepnusij-avtoritarizm-i-krizis-vlasti.html">Russischen</a> von Marie Schliesser</strong></p>



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		<title>Von Teheran nach Duschanbe: Tadschikistan und Iran verstärken bilaterale Zusammenarbeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jan Ritter]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Dec 2023 18:11:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bilaterale Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Ebrahim Raisi]]></category>
		<category><![CDATA[Emomali Rahmon]]></category>
		<category><![CDATA[Iran]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anfang November hat der iranische Pr&#xE4;sident Ebrahim Raisi Duschanbe besucht, um die Beziehungen zwischen Teheran und Duschanbe zu st&#xE4;rken. W&#xE4;hrend seines Besuchs unterzeichneten Raisi und sein tadschikischer Amtskollege Emomali Rahmon eine gemeinsame Erkl&#xE4;rung und 18 Kooperationsdokumente zur Vertiefung der bilateralen Beziehungen. Nach dem offiziellen Besuch des iranischen Pr&#xE4;sidenten Ebrahim Raisi in Tadschikistans Hauptstadt Duschanbe am [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anfang November hat der iranische Präsident Ebrahim Raisi Duschanbe besucht, um die Beziehungen zwischen Teheran und Duschanbe zu stärken. Während seines Besuchs unterzeichneten Raisi und sein tadschikischer Amtskollege Emomali Rahmon eine gemeinsame Erklärung und 18 Kooperationsdokumente zur Vertiefung der bilateralen Beziehungen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem <a href="https://asiaplustj.info/en/news/tajikistan/politics/20231109/tajik-president-emomali-rahmon-and-iranian-president-sayyid-ebrahim-raisi-oversee-the-signing-of-19-cooperation-documents">offiziellen Besuch</a> des iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi in Tadschikistans Hauptstadt Duschanbe am 8. und 9. November haben sich die zuletzt angespannten Beziehungen zwischen den beiden Ländern wieder verbessert. Nach einem Tag voller Gespräche und Verhandlungen unterzeichneten Raisi und der tadschikische Präsident Emomali Rahmon ein <a href="https://mfa.tj/en/main/view/13701/ceremony-of-signing-of-new-documents-of-cooperation-between-tajikistan-and-iran">Abkommen</a>, das einen Fahrplan für die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit von 2023 bis 2030 vorsieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Absichtserklärung umfasst unter anderem die Visafreiheit für die Bürger beider Länder, die Bekämpfung des Drogenhandels, die Schaffung einer gemeinsamen Freihandelszone, die Stärkung der Beziehungen in den Bereichen Forschung, Technologie und Innovation sowie die Zusammenarbeit in Kunst und Kultur. Der iranische Botschafter in Tadschikistan bezeichnete das Treffen als <em>„Wendepunkt in den Beziehungen zwischen dem Iran und Tadschikistan“</em>, so die <a href="https://www.tehrantimes.com/news/491387/Raisi-s-visit-to-Dushanbe-a-turning-point-in-Iran-Tajikistan">Tehran Times</a>.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Raisis Besuch in Tadschikistan ist bereits seine <a href="https://www.irannuances.com/2023/11/09/from-tehran-to-dushanbe-roadmap-of-iran-tajikistan-cooperation/">zweite Reise</a> in das zentralasiatische Land, nachdem er dort 2021 am Gipfeltreffen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit">Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit</a> teilgenommen hatte. Hochrangige Besuche zwischen den beiden Ländern haben insbesondere im vergangenen Jahr zugenommen. Im Juni führte der damalige iranische Generalstaatsanwalt Mohammad Jaafar Montazeri eine Justizdelegation nach Duschanbe, im Oktober besuchte der Verteidigungsminister Reza Gharaei Ashtiani Tadschikistan.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Angespanntes Verhältnis</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Beziehungen zwischen den beiden persischsprachigen Ländern, die viele kulturelle und historische Gemeinsamkeiten haben und in Russland einen wichtigen Verbündeten sehen, waren nicht immer rosig. <a href="https://www.rferl.org/a/iran-tajikstan-closer-ties/32679797.html">Spannungen</a> prägten das letzte Jahrzehnt und führten zum Abbruch der Wirtschaftsbeziehungen, zur Aussetzung von Direktflügen und zur Schließung iranischer Kulturzentren in Tadschikistan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2015 erreichten die Beziehungen einen Tiefpunkt, als der Iran den Vorsitzenden der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Partei_der_Wiedergeburt_Tadschikistans">Islamischen Partei der Wiedergeburt Tadschikistans</a> zu einer Konferenz einlud, nur wenige Monate nachdem die Partei in Tadschikistan als terroristische Vereinigung gebrandmarkt und verboten worden war. Duschanbe reagierte erzürnt, als Fotos des Parteiführers <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Muhiddin_Tillojewitsch_Kabirow">Muhiddin Kabirow</a> in der Presse auftauchten, auf denen er bei einer Veranstaltung mit Ayatollah Ali Khamenei herzliche Grüße austauschte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/die-iranisch-usbekischen-beziehungen-im-spannungsfeld-eurasischer-infrastrukturnetzwerke/">Die iranisch-usbekischen Beziehungen im Spannungsfeld eurasischer Infrastrukturnetzwerke</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Jahre später beschuldigte das tadschikische Staatsfernsehen den Iran, während und nach dem <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-unvergessliche-horror-des-burgerkriegs/">Bürgerkrieg</a> in den 1990er Jahren in eine<a href="https://eurasianet.org/as-iran-tries-to-revive-tajikistan-ties-saudis-pledge-financial-support"> Reihe von Morden</a> an hochrangigen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auf tadschikischem Boden verwickelt gewesen zu sein. Der Iran erwiderte, Tadschikistan verbreite unbegründete und eklatante Lügen. Alle Beziehungen wurden abgebrochen, die tadschikische Regierung ging energisch gegen alle iranischen Einflüsse vor und die Werke von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ruhollah_Chomeini">Ayatollah Khomeini</a> und anderen berühmten iranischen Geistlichen wurden verboten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Langsame Annäherung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während Rahmon 2017 nicht an der Vereidigung von<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hassan_Rohani"> Hassan Rohani</a> für seine zweite Amtszeit als Präsident teilnahm, kam im Jahr 2019 Bewegung in die bilateralen Beziehungen. Der Besuch Rohanis in Duschanbe im Juni 2019 war ein erstes Zeichen für den Wunsch beider Länder, ihre Beziehungen zu verbessern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch erst 2022 kam Schwung in diese Entwicklung. In diesem Jahr kündigten Teheran und Duschanbe Pläne an, den <a href="https://www.rferl.org/a/iran-tajikstan-closer-ties/32679797.html">bilateralen Handel</a> von nur 121 Millionen Dollar im Vorjahr auf künftig 500 Millionen Dollar zu steigern. Im Mai desselben Jahres reiste Rahmon zum ersten Mal seit neun Jahren nach Teheran, um über die Wiederaufnahme von Direktflügen zu verhandeln. Im Gegenzug besuchten der iranische Außen- und Verteidigungsminister Duschanbe.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wirtschaftliche und sicherheitspolitische Beziehungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Abkommen vom November 2023 scheinen alle Missverständnisse der vergangenen Jahre endgültig ausgeräumt zu sein. Vor allem<a href="https://www.irannuances.com/2023/11/09/from-tehran-to-dushanbe-roadmap-of-iran-tajikistan-cooperation/"> wirtschaftliche Interessen und Möglichkeiten</a> waren ausschlaggebend für die Verbesserung der bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Während Tadschikistan einen lukrativen Markt für Unternehmer bietet, muss der Ausbau der Beziehungen jedoch in einem breiteren Kontext strategischer Ziele verstanden werden. Der Iran betrachtet Tadschikistan als Teil seines kulturellen Einflussgebietes und als wichtigen Bestandteil seiner geopolitischen Interessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-und-iran-planen-intensivierung-der-gemeinsamen-sicherheitspolitik/">Tadschikistan und Iran planen Intensivierung der gemeinsamen Sicherheitspolitik</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus wollen Iran und Tadschikistan ihre <a href="https://www.irannuances.com/2023/11/09/from-tehran-to-dushanbe-roadmap-of-iran-tajikistan-cooperation/">militärische und sicherheitspolitische Zusammenarbeit</a> ausbauen und künftig gemeinsam gegen Drogenhandel, Terrorismus und Extremismus vorgehen. Zur Umsetzung dieser Ziele haben die beiden Länder mehrere Abkommen in den Bereichen Verteidigung und Sicherheit unterzeichnet. Ein Beispiel für die militärische Zusammenarbeit ist die Errichtung einer <a href="https://eurasianet.org/as-iran-tries-to-revive-tajikistan-ties-saudis-pledge-financial-support">gemeinsamen Fabrik</a> für die Produktion der Aufklärungsdrohne <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ababil">Abadil-2</a>, die bereits im Mai 2022 im Beisein des Generalstabschefs der iranischen Streitkräfte eingeweiht wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ausbau von Verkehrsinfrastruktur</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einigkeit herrschte auch in Fragen neuer <a href="https://asiaplustj.info/en/news/tajikistan/politics/20231109/tajikistan-iran-vow-to-boost-bilateral-cooperation">Verkehrs- und Kommunikationsprojekte</a>. Mit der Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung sollen die beiden Länder besser miteinander verbunden und die Anbindung an internationale Netze erleichtert werden. Die Nutzung und der Ausbau der gegenseitigen Transitkapazitäten wurden als vorteilhaft und im Interesse beider Parteien angesehen. Insbesondere der vorgeschlagene Ausbau der <a href="https://www.irannuances.com/2023/11/09/from-tehran-to-dushanbe-roadmap-of-iran-tajikistan-cooperation/">Infrastrukturnetze</a> entlang der Route Tadschikistan-Afghanistan-Iran sowie der Route Tadschikistan-Usbekistan-Turkmenistan-Iran birgt ein enormes Potential, Tadschikistan zu einer internationalen Drehscheibe zwischen West und Ost zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/die-iranisch-usbekischen-beziehungen-im-spannungsfeld-eurasischer-infrastrukturnetzwerke/">Irans Initiativen in Usbekistan: ein Spiegel seiner Beziehungen zu Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus ist Tadschikistan ist eine der wichtigsten Stationen des geplanten<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Five_Nations_Railway_Corridor"> Fünf-Nationen-Eisbahnkorridors (FNRC)</a>, der Iran, Afghanistan, Tadschikistan, Kirgistan und China auf einer Gesamtlänge von 2100 Kilometern verbinden soll. Mit der baldigen Fertigstellung des Abschnitts von Khaf (Iran) nach Herat (Afghanistan) soll Tadschikistan langfristig Zugang zum Hafen von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschahbahar">Tschahbahar</a> am Persischen Golf erhalten. Aufgrund der instabilen Situation in Afghanistan sieht die <a href="https://asiaplustj.info/en/news/tajikistan/economic/20231114/why-does-tajikistan-need-irans-chabahar-port">Absichtserklärung</a> jedoch vor, dass Tadschikistan zunächst über Usbekistan und Turkmenistan mit dem Hafen verbunden wird. Der Hochseehafen hat das Potenzial den Handel in Süd- und Zentralasien zu verändern und bietet Binnenländern Zugang zu wichtigen maritimen Handelsrouten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gemeinsame Interessen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der Unterzeichnung der 18 Kooperationsdokumente tauschten sich Raisi und Rahmon auch über eine Reihe <a href="https://asiaplustj.info/en/news/tajikistan/politics/20231109/tajikistan-iran-vow-to-boost-bilateral-cooperation">internationaler und regionaler Fragen</a> von beidseitigem Interesse aus, darunter die Lage in Afghanistan und Palästina. Am Ende des Treffens wurde das gute Niveau der Zusammenarbeit bekräftigt und betont, dass die historischen, religiösen und kulturellen Gemeinsamkeiten der beiden Länder eine besonders günstige Grundlage für den Ausbau der bilateralen Beziehungen in jeder Hinsicht bieten.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Jan Ritter</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Tadschikistan: Ein Jahr seit den tragischen Ereignissen im Pamir</title>
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		<dc:creator><![CDATA[sherzodbabakulov]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 May 2023 18:27:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Berg-Badachschan]]></category>
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		<category><![CDATA[Emomali Rahmon]]></category>
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		<category><![CDATA[Proteste]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Mai 2022 kam es in der Autonomen Provinz Berg-Badachschan zu Protesten gegen die Regierung. Wenige Tage sp&#xE4;ter k&#xFC;ndigten die tadschikischen Beh&#xF6;rden eine &#x201E;Anti-Terror-Operation&#x201C; an, die laut einem UN-Bericht bis zu 40 Menschen das Leben kostete. Menschenrechtsaktivist:innen fordern, dass die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden. Am 14. Mai 2022 veranstalteten Einwohner:innen von Chorogh, der Hauptstadt [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im Mai 2022 kam es in der Autonomen Provinz Berg-Badachschan zu Protesten gegen die Regierung. Wenige Tage später kündigten die tadschikischen Behörden eine „Anti-Terror-Operation“ an, die laut einem UN-Bericht bis zu 40 Menschen das Leben kostete. Menschenrechtsaktivist:innen fordern, dass die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 14. Mai 2022 veranstalteten Einwohner:innen von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorugh">Chorogh</a>, der Hauptstadt der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Autonomen Provinz Berg-Badachschan</a>, eine <a href="https://acca.media/14721/tadzhikistan-vlasti-razognali-miting-primenyaya-rezinovye-puli-i-gaz/">nicht genehmigte Kundgebung</a>. Die Protestierenden forderten ein Ende der Verfolgung regierungskritischer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamiri">Pamiris</a> sowie eine Untersuchung von Todesfällen <a href="https://novastan.org/de/panorama/tadschikistan-tote-und-verletzte-bei-protesten-in-berg-badachschan/">im November 2021</a>, an denen tadschikische Polizisten beteiligt waren. Weitere <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2022/05/16/protest/">Forderungen</a> waren der Rücktritt des Bürgermeisters von Chorugh und des Verwaltungschefs von Berg-Badachschan und die Entfernung von Militärposten auf dem Territorium der Autonomen Provinz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Strafverfolgungsbehörden warnten, dass die Aktionen <a href="https://mediazona.ca/news/2022/05/16/gbao">„als Terrorismus angesehen“</a> würden und dass <em>„erhebliche Maßnahmen zur Auflösung der Demonstration“</em> ergriffen würden. Die Demonstrierenden gaben aber nicht nach, was zu einer Reaktion des Staates führt, die Dutzende Opfer fordert. Ein Jahr später blickt Novastan auf die Ereignisse zurück und erstellt eine Chronologie der Ereignisse.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Steigende Spannungen und erste Opfer</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie <a href="https://mediazona.ca/news/2022/05/16/gbao-2">Media Zona</a> berichtet, beginnt die Polizei am 16. Mai die Demonstration aufzulösen. Dabei kommt ein Zivilist ums Leben und drei Polizisten werden verletzt. Die tadschikischen Behörden beschuldigen Samir Nasarschojew, einen Einwohner von Chorugh. Nach Angaben der Polizei warf er <em>„eine Granate auf die Sicherheitskräfte, woraufhin drei von ihnen verletzt wurden und der Angreifer durch die Reaktion auf seinen eigenen Angriff getötet wurde“</em>, schreibt <a href="https://rus.azattyq.org/a/tajikistans-gorno-badakhshan-reeling-from-brutal-state-crackdown/31915459.html">Radio Ozodi</a>, der tadschikische Dienst von Radio Liberty.</p>



<p class="has-primary-800-color has-accent-500-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph">A<strong>ls vereinsgetragene, <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängige</a> Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! Durch jede noch so kleine <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Abend des 16. Mai wird in Khorog jegliche Kommunikation <a href="https://t.me/pamirdailynews/660">unterbrochen</a> und staatliche Institutionen geschlossen, während die Armee den Zugang zum Hauptplatz der Stadt <a href="https://t.me/pamirdailynews/662">blockiert</a>. Am folgenden Tag breitet sich die Protestwelle auf den <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Rushon_District">Bezirk Ruschon</a> aus, der 65 Kilometer nördlich von Chorugh liegt. Vom 17. bis 18. Mai blockiert eine Gruppe von Einwohnern einem aus Duschanbe kommenden Militärkonvoi die Straße. Wie <a href="https://russian.eurasianet.org/таджикистан-охваченные-кризисом-власти-решили-развязать-кровавые-столкновения-на-памире">Eurasianet</a> berichtet, regiert die Polizei mit Warnschüssen und verletzt einen Anwohner.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Beginn der „Anti-Terror-Operation“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 18. Mai <a href="https://rus.ozodi.org/a/31855884.html">beschuldigen</a> die Behörden die Demonstrierenden des Versuchs, die verfassungsmäßige Ordnung Tadschikistans zu stürzen, wofür sie ausländische Agenten angeheuert und Waffen und Geld von „internationalen Terrororganisationen“ erhalten hätten. Am selben Tag verschlechterte sich die Situation. Gegen sieben Uhr morgens kommt es in der Ruschons Bezirkshauptstadt Wamar zu einer <a href="https://ru.azda.tv/v-rushanie-dvoie-poghibli-i-ieshchie-vosiem-ranieny/">Schießerei</a>. Tadschikische Streitkräfte kündigen den Beginn einer „Anti-Terror-Operation“ an, berichtet <a href="https://fergana.media/news/126174/?country=tj">Fergana News</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der tadschikischen Regierung wird die Operation als Reaktion auf den Angriff auf den Militärkonvoi und die Blockade eines Teils der internationalen Fernstraße nach China gestartet. Anwohner:innen erklären hingegen gegenüber Radio Ozodi, dass die Demonstrierenden den Konvoi auf dem Weg nach Chorugh blockierten, um ein weiteres Blutbad zu verhindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong><strong> </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/dutzende-tote-tadschikistan-reagiert-mit-haerte-auf-proteste-in-berg-badachschan/"><strong>Dutzende Tote: Tadschikistan reagiert mit Härte auf Proteste in Berg-Badachschan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Da verlässliche Informationen völlig fehlen, dauert es einige Wochen, bis die Fakten überprüft werden. Der Telegram-Kanal <a href="https://t.me/pamirdailynews/689">Pamir Daily News</a> berichtet, dass Scharfschützen auf Anwohner geschossen hätten. Derselbe Kanal <a href="https://t.me/pamirdailynews/700">behauptet</a>, dass an den Militäraktionen gegen die Zivilbevölkerung ein Hubschrauber beteiligt gewesen sei, was Zeugen gegenüber Novastan bestätigten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Abend desselben Tages veröffentlichte die russische Nachrichtenagentur <a href="https://tass.ru/mezhdunarodnaya-panorama/14659665">TASS</a>, dass die Anti-Terror-Operation beendet sei.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Massensäuberung“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://t.me/pamirdailynews/724">Pamir Daily News</a> berichtet jedoch, dass nach Aussage eines Anwohners <em>„die Massensäuberung“</em> in Ruschon und den umliegenden Gebieten weitergehen: <em>„Bewaffnete Menschen dringen in Häuser ein und nehmen alle Männer ohne Unterschied mit. Sie nehmen ihre Telefone: Offenbar wollen sie nicht, dass die Verbrechen des Militärs veröffentlicht werden. Es gibt Fälle von Plünderungen, nach dem Durchzug der Soldaten sind Geld und Gold aus den Häusern verschwunden. Aus Sicherheitsgründen können wir die Namen der Opfer noch nicht veröffentlichen. Die Situation in Wamar ist katastrophal“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Tage später, am 22. Mai, wird die lokale Autorität Mamadbokir Mamadbokirow <a href="https://www.vkd.tj/index.php/tj/ruydodho/34109-iz-oroti-markazi-matbuoti-vazorati-kor-oi-dokhilii-um-urii-to-ikiston">getötet</a>, dem die Behörden vorwarfen, die Demonstrationen organisiert zu haben. <a href="https://ria.ru/20220522/mamadbokirov-1790025391.html">RIA Novosti</a> berichtet mit Verweis auf den Pressedienst des tadschikischen Innenministeriums, dass er <em>„bei einer kriminellen Abrechnung“</em> ums Leben gekommen sei. <a href="https://fergana.agency/news/126222/">Anderen Informationen</a> zufolge wurde Mamadbokirow jedoch von einem Scharfschützen der Sicherheitskräfte getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-ethnische-saeuberungen-und-repression-in-berg-badachschan/"><strong>Tadschikistan: ethnische Säuberungen und Repression in Berg-Badachschan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verhaftungen <a href="https://www.currenttime.tv/a/taikistan-gbao-pogibshie/32089522.html">dauern</a> einen Monat lang an, vom 18. Mai bis zum 17. Juni. Das Internet bleibt während dieser Zeit abgeschaltet. Nach <a href="https://rus.ozodi.org/a/32087992.html#/">Angaben der Behörden</a> kommen im Rahmen der Einsätze in Ruschon und Chorugh 29 Menschen ums Leben, darunter ein Angehöriger der Sicherheitskräfte. Ein <a href="https://www.ohchr.org/en/press-releases/2022/05/tajikistan-un-expert-fears-crackdown-against-pamiri-minority-could-spiral">UN-Bericht</a> zählt etwa vierzig Opfer.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>&#8230; und Verhaftungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 18. Mai verhaften die Sicherheitskräfte Ulfathonim Mamadschojewa, eine freie Journalistin und Menschenrechtlerin aus Berg-Badachschan, und beschuldigten sie, die Demonstrationen organisiert zu haben. Gegenüber <a href="https://fergana.agency/news/126157/">Fergana News</a> behauptet sie, keine Verbindung zu den Protesten zu haben. Am 9. Dezember <a href="https://rus.azattyq.org/a/32170438.html">verurteilt</a> ein Gericht sie zu 21 Jahren Gefängnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am selben Tag wird Holbasch Holbaschow, General des Nationalen Sicherheitskomitees Tadschikistans, festgenommen. Ihm wird Mitgliedschaft in einer bewaffneten <em>„kriminellen Gruppe“</em> von 200 Personen vorgeworfen, die am 17. und 18. Mai die Straße von Duschanbe nach Chorugh blockiert habe. Holbaschow wird zu lebenslanger Haft <a href="https://fergana.agency/news/127855/">verurteilt</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am <a href="https://www.vkd.tj/index.php/ru/sobytiya/34125-r-jkhati-a-zojoni-gur-oi-mutashakkili-inoyat-va-ekstremist-terroristii-dar-tazo-uroti-sana-oi-15-18-maji-soli-2022-dar-no-iyai-r-shon-ishtirokdoshta-ki-muajyan-va-dastgir-karda-shudaand-2">23.</a> und <a href="https://www.vkd.tj/index.php/ru/sobytiya/34116-rujkhati-a-zojoni-guru-oi-mutashakkili-inoyat-va-ekstremist-terrorist-ki-dar-tazo-uroti-sana-oi-15-18-maji-2022-dar-no-iyai-r-shon-ishtirok-doshta-bo-ikhtijori-khud-ba-ma-omot-ozir-shudaand-2">24.</a> Mai veröffentlicht das Innenministerium die Liste von 46 Personen, denen vorgeworfen wird, an den Demonstrationen zwischen dem 15. und 18. Mai teilgenommen zu haben. Die Regierung nennt die Festgenommenen <em>„Extremisten“</em> und wirft ihnen die Organisation <em>„illegaler Demonstrationen, Diebstahl und Gewalt“</em> vor. Nach Angaben der Behörden handelt es sich bei vielen von ihnen um Mitglieder der <em>„kriminellen Gruppe“</em> Holbaschows.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Internationale Reaktionen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die internationale Gemeinschaft reagierte mit Besorgnis auf diese Gewalt. UN-Generalsekretär <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/António_Guterres">Antonio Guterres</a> äußerte seine <a href="https://www.rferl.org/a/tajikistan-gorno-badakhshan-tensions-violence-united-nations/31859592.html">tiefe Besorgnis</a> über die Lage in Berg-Badachschan und forderte alle Parteien auf, <em>„maximale Zurückhaltung zu üben“</em> und <em>„die Situation friedlich zu lösen“.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im September 2022 erinnert die ehemalige UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Michelle_Bachelet">Michelle Bachelet</a>, an die Krise in Berg-Badachschan und <a href="https://www.ohchr.org/en/press-releases/2022/09/human-rights-council-opens-fifty-first-session-hears-oral-update-acting-high">äußert sich</a> besorgt über die Strafverfolgung lokaler Menschenrechtler:innen und Journalist:innen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Botschafter mehrerer EU-Staaten <a href="https://rus.azattyq.org/a/31857988.html">fordern</a> die tadschikische Regierung auf, <em>„alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um das Leben und die Sicherheit ihrer Bürger zu schützen“ und „die Einhaltung des Rechts auf friedliche Versammlung zu gewährleisten“</em>. Und auch <a href="https://www.hrw.org/news/2022/05/18/tajikistan-tensions-escalating-autonomous-region">Human Rights Watch</a> fordert die Regierung Tadschikistans auf, „<em>ihre Verpflichtungen zur Achtung und zum Schutz des Menschenrechts auf Leben, Versammlungsfreiheit und Informationsfreiheit […] strikt einzuhalten.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Keine andere Lösung“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 18. Juni 2022 spricht Tadschikistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> über die Ereignisse in Berg-Badachschan und unterstützt die Maßnahmen der Strafverfolgungsbehörden in der Region. Wie <a href="https://rus.ozodi.org/a/31905149.html#:~:text=%D0%92%D1%8B%D1%81%D1%82%D1%83%D0%BF%D0%B0%D1%8F%20%D0%BD%D0%B0%20%D0%B2%D1%81%D1%82%D1%80%D0%B5%D1%87%D0%B5%20%D1%81%20%D1%80%D1%83%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%BE%D0%B4%D0%B8%D1%82%D0%B5%D0%BB%D1%8F%D0%BC%D0%B8,%C2%AB%D0%BD%D0%B5%20%D0%B1%D1%8B%D0%BB%D0%BE%20%D0%B4%D1%80%D1%83%D0%B3%D0%BE%D0%B3%D0%BE%20%D0%B2%D1%8B%D1%85%D0%BE%D0%B4%D0%B0%C2%BB.">Radio Ozodi</a> berichtet, sagt Rahmon bei einem Treffen mit regionalen und nationalen Eliten in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Danghara">Danghara</a>, dass er den Befehl gegeben habe, <em>„bewaffnete Personen zu neutralisieren“</em>, weil es seiner Meinung nach <em>„keine andere Lösung“</em> gegeben habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Sie haben immer wieder erklärt, dass sie im Namen der Bevölkerung von Badachschan handeln würden. Sie tun es nicht und haben es auch nie getan. Wir müssen genau verstehen, was passiert, und eine andere Herangehensweise an das Problem haben“</em>, erklärt der Präsident.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Behörden bestreiten dabei, dass sie die Menschenrechte nicht respektieren. <em>„Die Behörden Tadschikistans bestreiten diese Anschuldigungen und behaupten, die Rechte aller Bürger des Landes ausnahmslos zu respektieren. Präsident Emomali Rahmon sagte bei seinem Besuch in Danghara, als er auf die Probleme in Berg-Badachschan einging, dass die Bewohner der Region nicht schuld seien“</em>, erklärt der Tadschikistan-Experte Sandschar Hamidow gegenüber <a href="https://rus.ozodi.org/a/32197630.html">Radio Ozodi</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein eher sozialer als politischer Kampf</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Berg-Badachschan ist die größte Region Tadschikistans, aber auch die ärmste und sozial am stärksten gefährdete Region, führt das <a href="https://cabar.asia/ru/neskonchaemye-konflikty-v-gbao-prichiny-i-sledstviya">Central Asian Bureau for Analytical Reporting (CABAR)</a> aus. Laut <a href="https://eurasianet.org/explainer-why-tajikistans-pamiris-dont-trust-their-government">Eurasianet</a> ignoriert die Zentralregierung in Duschanbe die Region, wenn es um die Lösung sozialer Probleme geht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Pamiris, die die Mehrheit der Bevölkerung von Berg-Badachschan ausmachen, unterscheiden sich kulturell und sprachlich von anderen Tadschik:innen. Sie sprechen verschiedene ostiranische Sprachen und sind überwiegend Anhänger des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ismailiten">Ismailismus</a>, einem schiitischen Zweig des Islam. Dies führt zu einigen <a href="https://fergana.agency/articles/125430/">Streitigkeiten und Missverständnissen</a> mit der mehrheitlich tadschikisch-sunnitischen Bevölkerung. Dies ist jedoch nicht der Hauptgrund für den Konflikt zwischen der tadschikischen Regierung und den lokalen Pamiri-Eliten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/russlands-rolle-im-pamir-akteur-oder-beobachter/"><strong>Russlands Rolle im Pamir: Akteur oder Beobachter?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bevölkerung von Berg-Badachschan betrachtet das Verhalten der Zentralregierung als unfair. <a href="https://rus.azattyq.org/a/31857679.html">Radio Azattyq</a>, der kasachstanische Dienst von Radio Liberty, veröffentlichte die Meinung eines tadschikischen Experten, der argumentiert, dass <em>„alle Einnahmen aus natürlichen Ressourcen in der Provinz von der Regierung kontrolliert werden und die Region im Gegenzug nur minimale Subventionen erhält.“</em> Ihm zufolge liegt die Ursache der regierungsfeindlichen Haltung in der Region in der „überstürzten Politik“ der Regierung und nicht in einem angeblichen Wunsch nach mehr Autonomie und Souveränität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die offiziellen Forderungen der Demonstrierenden haben sozialen Charakter und richten sich teilweise gegen die Grausamkeit der Polizei. Der Experte fügt hinzu, dass die Anführer der Proteste im Pamir es vorziehen, sich nicht in die Politik einzumischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sherzod Babakoulov für Novastan</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/politique/un-an-apres-les-evenements-de-mai-dans-le-pamir-que-sest-il-reellement-passe/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Die unerwartete Rede des tadschikischen Präsidenten in Astana</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Nov 2022 18:29:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Emomali Rahmon]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>W&#xE4;hrend des Gipfeltreffens der Gemeinschaft Unabh&#xE4;ngiger Staaten (GUS) kam es zum Eklat: Tadschikistans Staatspr&#xE4;sident Emomali Rahmon verurteilte den Umgang Russlands mit den L&#xE4;ndern Zentralasiens. Rahmons Rede markiert einen Paradigmenwechsel. Noch vor wenigen Jahren w&#xE4;re das unvorstellbar gewesen: Ein zentralasiatischer Regierungschef &#xFC;bt &#xF6;ffentlich Kritik an der Politik Wladimir Putins. Mit der Rede, die der tadschikische Staatspr&#xE4;sident [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Während des Gipfeltreffens der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft_Unabh%C3%A4ngiger_Staaten" target="_blank" rel="noopener">Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS)</a> kam es zum Eklat: Tadschikistans Staatspräsident Emomali Rahmon verurteilte den Umgang Russlands mit den Ländern Zentralasiens. Rahmons Rede markiert einen Paradigmenwechsel.</strong>

Noch vor wenigen Jahren wäre das unvorstellbar gewesen: Ein zentralasiatischer Regierungschef übt öffentlich Kritik an der Politik Wladimir Putins. Mit der Rede, die der tadschikische Staatspräsident Emomali Rahmon am 14. Oktober während des Gipfeltreffens der GUS in der kasachstanischen Hauptstadt Astana gehalten hat, beginnt ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen Russland und Zentralasien.

Während seiner <a href="https://www.youtube.com/watch?v=k0plRt5-eUE&amp;ab_channel=AKIpressnews">Rede</a> wandte sich Rahmon direkt an Putin und beschuldigte ihn, die Interessen der zentralasiatischen Staaten außer Acht zu lassen: „<em>Ich war im Kongresspalast [des Kremls] als die Sowjetunion zusammengebrochen ist […]. Damals wie heute wurde den kleinen Republiken, den kleinen Staaten nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt</em>“. Die Ausnutzung der zentralasiatischen Länder als bloße Rohstoffquelle sei eine der Hauptursachen für den Zerfall der Sowjetunion gewesen, so Rahmon.

<strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasien-und-russland-eine-beziehung-im-wandel/">Zentralasien und Russland: Eine Beziehung im Wandel</a></strong>

Rahmons Rede wurde vom Wunsch nach Anerkennung und Respekt geleitet. Darüber hinaus lässt sie aber auch eine Sicht auf die Sowjetunion erkennen, die sich so gar nicht mit Putins nostalgischer Haltung deckt, für den das Ende der Sowjetunion in erster Linie eine Katastrophe darstellt. Rahmon kritisiert die historische Kontinuität: Am Verhältnis Russlands zu den zentralasiatischen Ländern habe sich seit dem Ende der Sowjetunion im Grunde nichts verändert. Tatsächlich wurden sie lange Zeit als Hinterhof Russlands betrachtet. Der Einfluss Russlands auf die lokalen Volkswirtschaften der Region war und ist immer noch sehr groß. Die engen Beziehungen führten dazu, dass sich die ehemaligen Sowjetrepubliken meist damit begnügten, den Vorgaben Moskaus Folge zu leisten.

</p>


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<h5 class="wp-block-heading"><strong>Der Krieg in der Ukraine als Wendepunkt </strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Da die zentralasiatischen Staaten in vielerlei Hinsicht von Russland abhängig sind, haben sie stets eine vorsichtige Außenpolitik betrieben. Projekte, die den russischen Interessen zuwiderliefen, wurden meist vermieden, auch wenn die Zahl der Investitions- und Partnerschaftsangebote in der Region mit dem Auftreten von Akteuren wie China, Indien, der Türkei oder dem Iran stetig zunehmen. Selbst Vorhaben, die mit China im Rahmen der Neuen Seidenstraße ausgehandelt werden, müssen von Moskau gebilligt werden.

<strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/china-profitiert-in-zentralasien-von-der-isolation-russlands/">China profitiert in Zentralasien von der Isolation Russlands</a></strong>

Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine vom 24. Februar dieses Jahres hat sich die Situation grundlegend verändert. Die taktischen und strategischen Niederlagen, die sich Russland mit seinem Angriffskrieg eingehandelt hat, lassen Zweifel an den Fähigkeiten des Landes aufkommen, in den nächsten Jahren großangelegte Projekte in Zentralasien durchführen zu können.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Die Abhängigkeit der zentralasiatischen Volkswirtschaften </strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Ökonomisch gesehen haben die Sanktionen, die gegen Russland wegen seiner Aggression in der Ukraine verhängt wurden, schwerwiegende Konsequenzen auch für die Volkswirtschaften Zentralasiens. Das Geld, das die rund vier Millionen zentralasiatischen Arbeitsmigranten aus Russland in ihre Heimatländer zurückschicken, macht nämlich einen erheblichen Anteil des lokalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus, wie die <a href="https://rovienna.iom.int/news/sanctions-russia-already-hitting-remittance-dependent-countries-central-asia">Internationale Organisation für Migration</a> (IOM) erläutert. Das gilt insbesondere für Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan, wo diese Zahlungen im Jahr 2020 31,1 Prozent, 26,7 Prozent beziehungsweise 11,6 Prozent des BIP betrugen.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Da es sich meist um unsichere Beschäftigungsverhältnisse handelt, sind die zentralasiatischen Arbeitsmigranten in Russland die ersten, die ihre Jobs verlieren. Laut IOM sind mit der Rückkehr von ungefähr 60.000 Tadschik:innen und 133.000 Usbek:innen in ihre Heimatländer im ersten Quartal des Jahres 2022, die wirtschaftlichen Folgen der Invasion bereits spürbar.

<strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-schwierige-situation-tadschikischer-arbeitsmigranten-in-russland/">Die schwierige Situation tadschikischer Arbeitsmigrant:innen in Russland&nbsp;</a></strong>

In den ökonomischen Folgen des Kriegs in der Ukraine für die tadschikische Wirtschaft ist somit eine der Hauptursachen für Rahmons Kritik an Putin zu sehen. Wenn er sagt: „<em>Wir haben immer die Interessen unseres wichtigsten strategischen Partners </em>[Russland] <em>respektiert. Wir wollen, dass man auch uns mit Respekt begegnet“</em>, dann prangert er die eigenmächtige Entscheidung Russlands an, die Ukraine überfallen zu haben, ohne sich Gedanken über die negativen Auswirkungen einer solchen Entscheidung auf die tadschikische Volkswirtschaft zu machen, obwohl es sich bei Tadschikistan doch angeblich um einen wichtigen Partner und Freund Moskaus handelt. <em>&nbsp;</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Schrittweise Ablösung</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Die Rede Rahmons bereitet die Loslösung Tadschikistans von der russischen Wirtschaft vor. Indem der tadschikische Staatspräsident Distanz zu Putin schafft, gibt er der Welt zugleich zu verstehen, dass sein Land auf der Suche nach neuen strategischen Partnern und Geldgebern ist: „<em>Es ist nicht nötig, viel Geld </em>[in Tadschikistan] <em>zu investieren. Wladimir Wladimirowitsch </em>[Putin], <em>ich bitte Sie, sich gegenüber den Ländern Zentralasiens nicht so zu verhalten, als wären sie noch Teil der Sowjetunion.</em>“

Die Rede Rahmons ist dabei nur der Höhepunkt einer zunehmenden Distanzierung der zentralasiatischen Staaten angesichts der derzeitigen Schwäche Russlands – eine Tendenz, die vor allem bei Kasachstan seit Beginn des Kriegs in der Ukraine zu beobachten ist.

<strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstans-schrittweise-entfernung-von-russland/">Kasachstans schrittweise Entfernung von Russland</a></strong>

Andere Akteure in der Region profitieren von der neuen Situation. <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/china-profitiert-in-zentralasien-von-der-isolation-russlands/">China versucht</a> bereits, die aktuellen Ereignisse zu nutzen, um sich tiefer in Zentralasien zu verankern. Damit gefährdet es aber die langjährige Freundschaft zu Russland.

Man sollte nicht vergessen, dass diese Dynamiken das geopolitische Gleichgewicht in der Region stören und zu neuen Konflikten führen können. Zentralasien befindet sich in einer entscheidenden Phase: Noch ist unklar, wie das geopolitische Umfeld der Region in den kommenden Jahren aussehen wird und wer den Platz einnimmt, den Russland verlässt.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Maxime Delaye</strong><strong>, Redakteur für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/tadjikistan/au-sommet-dastana-le-discours-choc-du-president-tadjik-emomali-rahmon/">Französischen</a> von <a href="https://novastan.org/de/author/lkuehne/">Lucas Kühne</a></strong></p>



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