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	<title>Atomkraftwerk Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Tue, 04 Feb 2025 23:01:51 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Atomkraftwerk Archives</title>
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		<title>Niemand hat die Absicht ein, oder zwei oder drei Kernkraftwerke zu bauen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[masamedia]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Feb 2025 23:01:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Energiedefizit]]></category>
		<category><![CDATA[Kernenergie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit dem Referendum im Oktober 2024 steht fest, dass das Land mit den gr&#xF6;&#xDF;ten Uranvorkommen weltweit ein Atomkraftwerk bauen wird. Seit einigen Wochen spricht Pr&#xE4;sident Toqaev jedoch in der Mehrzahl von den Bauvorhaben. MasaMedia wirft einen Blick auf die Aussagen des Staatsoberhauptes und rekapituliert, wie es zum Referendum kam. Aus eins mach drei&#x2026; In einem [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Seit dem Referendum im Oktober 2024 steht fest, dass das Land mit den größten Uranvorkommen weltweit <strong>ein </strong>Atomkraftwerk bauen wird. Seit einigen Wochen spricht Präsident Toqaev jedoch in der Mehrzahl von den Bauvorhaben. MasaMedia wirft einen Blick auf die Aussagen des Staatsoberhauptes und rekapituliert, wie es zum Referendum kam.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Aus eins mach drei…</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In einem auf Kasachisch geführten Interview mit der Zeitung <em>Ana tili</em> am 3. Januar dieses Jahres kündigte der Präsident Toqaev den Bau mehrerer Kernkraftwerke an:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es ist offensichtlich, dass Kasachstan ein leistungsfähiges Kernkraftwerk braucht. Daran habe ich keine Zweifel. Darüber hinaus schließe ich nicht aus, dass wir in naher Zukunft ein zweites und unter Umständen ein drittes Kernkraftwerk bauen werden. Unsere wirtschaftliche Entwicklung sieht sich mit Energiedefiziten konfrontiert. An dieser Stelle ist die Atomindustrie in der Lage, einen unmittelbaren und starken Impuls zu geben“,</em> so der Präsident.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 8. Januar wiederholte Toqaev diese Aussage auf Russisch während einer Präsentation der Abteilung für Nationale Projekte, der er und weitere Regierungsmitglieder beiwohnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Beim Bau der Kernkraftwerke müssen wir uns beeilen. Im Interview habe ich bereits angekündigt, dass wir zwei große Kraftwerke bauen werden, eventuell sogar drei. Wir müssen Kasachstan zu einem Land umgestalten, das über einen hochentwickelten Kernenergiesektor verfügt, zu einem Land, das sich erfolgreich künstliche Intelligenz zu Nutze macht und in dem die Digitalisierung in vollem Gange ist“,</em> führte er aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>… aus null mach eins…</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gehen wir nochmal einen Schritt zurück: Wie kam es zur Entscheidung ein Kernkraftwerk zu bauen und wie entwickelte sie sich?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Gesprächen in Moskau im Jahr 2019 schlug der russische Präsident Wladimir Putin dem Toqaev vor, in Kasachstan ein Kernkraftwerk zu bauen, das auf russischen Technologien basiert. Daraufhin erklärte Toqaev, dass die endgültige Entscheidung über den Bau des Kernkraftwerks von der Meinung der Bewohnerinnen und Bewohnern Kasachstans abhinge.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Im Juni desselben Jahres versicherte Toqaev gegenüber der Presse, Kasachstan habe derzeit nicht die Absicht, ein Kernkraftwerk zu bauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang 2021 erklärte die Regierung erneut, sie habe noch keine Entscheidung über den Bau eines Kernkraftwerks getroffen. Darüber hinaus würden Reaktortechnologien aus den Vereinigten Staaten, Südkorea, Frankreich, China, Russland und anderen Ländern geprüft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan</strong>: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/frankreich-in-kasachstans-atomprojekt-chancen-fuer-die-multivektorpolitik/">Frankreich in Kasachstans Atomprojekt: Chancen für die Multivektorpolitik</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 1. September 2021 informierte der Präsident &nbsp;die kasachstanische Bevölkerung schließlich , dass die Regierung und der kasachstanische <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Samruk-Kazyna">Staatsfonds</a> <em>Samuryk-Kazyna </em>angesichts der ab 2030 drohenden Stromknappheit <em>„innerhalb eines Jahres prüfen sollten, inwiefern es möglich wäre, eine sichere und umweltfreundliche Kernkraftversorgung zu entwickeln.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Monate später, am 19. November 2021, sagte er bei einem Treffen mit Finanziers in Almaty: „Wenn wir in die Zukunft blicken, werden wir uns notwendigerweise für den Bau eines Kernkraftwerks entscheiden müssen, so missliebig diese Entscheidung auch sei.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 1. September 2023 schlug Präsident Toqaev dann vor, die Frage des Baus einem nationalen Referendum zu unterziehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>… aus 63 mach 71</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einer Medienpreisverleihung am 27. Juni 2024 kündigte der Präsident in einer Rede besagtes Referendum an. Am 6. Oktober 2024 <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstan-stimmt-fuer-atomkraft/">fand es schließlich statt</a>. Einen Tag später gab die Zentrale Wahlkommission das Ergebnis der Abstimmung bekannt. Offiziell befürworteten 71,12 Prozent der wahlberechtigten Kasachstanerinnen und Kasachstaner den Bau eines Kernkraftwerks im Land.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wie lautete die Frage in jenem Referendum, an dem 63,6 Prozent der Wahlberechtigten teilgenommen haben und das angeblich von mehr als 70 Prozent unterstützt wurde? Auf dem Stimmzettel für das Referendum über das Atomkraftwerk wurden die Bürgerinnen und Bürger Kasachstans aufgefordert, die Frage zu beantworten: „Sind Sie mit dem Bau eines ATOMKRAFTWERKS in Kasachstan einverstanden?“ Es boten sich zwei Antwortmöglichkeiten: „Ja, ich bin einverstanden“ oder „Nein, ich bin nicht einverstanden“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage bezog sich auf lediglich ein Kernkraftwerk.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Bauort hat die Regierung das Dorf Ülken <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-atomkraftwerk-im-wuestensand/">festgelegt</a>. Es befindet sich in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty_(Gebiet)">Region Almaty</a> am Ufer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash-Sees</a>. Das Atomkraftwerk soll bis 2035 fertiggestellt sein und 11,2 Milliarden Dollar kosten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Ort für das zweite und dritte AKW ist bislang nicht bekannt. Ob es hierfür ein weiteres Referendum geben wird?</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Redaktion von <a href="https://masa.media/ru">MASA.MEDIA</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://masa.media/ru/site/v-kazakhstane-mogut-byt-postroeny-dve-ili-tri-atomnye-elektrostantsii">Russischen </a>Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1"></a></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Frankreich in Kasachstans Atomprojekt: Chancen für die Multivektorpolitik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[sherzodbabakulov]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jan 2025 18:33:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraft]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Multivektorenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Rosatom]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit dem Referendum vom 8. Oktober 2024 steht fest: Kasachstan bekommt ein Atomkraftwerk. Auch Frankreich rechnet sich Chancen aus, f&#xFC;hrender Partner beim Bau des ersten kasachstanischen Meilers zu werden. Kasachstan liefert zwar bis zu 43 Prozent des weltweiten Urans, k&#xE4;mpft jedoch permanent mit Energieengp&#xE4;ssen. Im Rahmen einer Strategie zur &#xDC;berwindung des Energiedefizits setzte die Regierung [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit dem Referendum vom 8. Oktober 2024 steht fest: Kasachstan bekommt ein Atomkraftwerk. Auch Frankreich rechnet sich Chancen aus, führender Partner beim Bau des ersten kasachstanischen Meilers zu werden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan liefert zwar bis zu 43 Prozent des weltweiten Urans, kämpft jedoch permanent mit Energieengpässen. Im Rahmen einer Strategie zur Überwindung des Energiedefizits setzte die Regierung für den 8. Oktober 2024 ein Referendum über den Bau eines Kernkraftwerks an. Die Mehrheit der Bevölkerung stimmte dabei <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstan-stimmt-fuer-atomkraft/">für den Bau eines ersten Kernkraftwerks</a> in der Nähe des im Osten des Landes gelegenen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash-Sees.</a> Bereits am 3. Januar 2025 <a href="https://www.zakon.kz/sobytiia/6462127-prezident-ne-isklyuchaet-vozmozhnosti-stroitelstva-vtoroy-aes-v-kazakhstane.html">sprach</a> Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> über den perspektivischen Bau von zwei weiteren Kernkraftwerken in Kasachstan.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um den Bau des Kernkraftwerks bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2025 umzusetzen, pocht die Regierung darauf, eine Interessengemeinschaft von Energieunternehmen aus insgesamt fünf Ländern zu bilden, so Energieminister <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Almasadam_S%C3%A4tqaliev">Almasadam Sätqaliev</a>. Die Unternehmen seien dazu aufgerufen, Kasachstan optimal zugeschnittene Zeit- und Kostenvoranschläge zu unterbreiten, <a href="https://vlast.kz/novosti/63197-kazahstan-opredelitsa-s-konsorciumom-po-stroitelstvu-aes-v-pervoj-polovine-2025-goda.html">sagte er</a>. Obwohl sich a priori mehrere Länder an dem Projekt beteiligen werden, wird sich eine der Parteien als Hauptverantwortlicher herausbilden. Dieser wird in den entscheidenden Etappen eine tragende Rolle einnehmen. Zu den potenziell führenden Ländern gehört Frankreich, das über hochinnovative Nukleartechnologie verfügt. Da fast 70 Prozent der Elektrizität des Landes durch Kernkraft erzeugt wird, bietet Frankreich gute Voraussetzungen, Kasachstan auf dem Weg zur Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu unterstützen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus könnte die französische Beteiligung Kasachstans multivektorielle Außenpolitik stärken und die Abhängigkeit von Russland und China ausbalancieren. Dies ist angesichts der heftigen Auseinandersetzungen zwischen westlichen und russischen Unternehmen von besonderer Bedeutung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Strategische Partnerschaft im Bereich der Kernenergie</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als Emmanuel Macron seinen kasachischen Amtskollegen im November 2024 in Paris empfing, bekannte er sich ausdrücklich dazu, die nuklearen Ambitionen Kasachstans zu unterstützen. Die beiden Präsidenten trafen darüber hinaus Vereinbarungen über die Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Nukleartechnologie sowie der Exploration <a href="https://www.euractiv.de/section/energie-und-umwelt/news/eu-soll-produktion-von-seltenen-erden-in-kasachstan-foerdern/">Seltener Erden</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während eines darauffolgenden offiziellen Besuchs in Frankreich vom 4. bis 6. Dezember 2024 <a href="https://www.zakon.kz/stati/6455305-vstrecha-prezidentov-kazakhstana-i-frantsii-ukrepit-partnerstvo-dvukh-stran--ekspert.html">führte</a> eine kasachstanische Delegation unter der Leitung des Energieministers Gespräche über eine strategische Nuklearpartnerschaft. Die Delegation traf sich mit wichtigen Akteuren der französischen Atomindustrie, darunter Électricité de France <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%89lectricit%C3%A9_de_France">(EDF),</a> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Framatome">Framatome</a> und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Arabelle_Solutions">Arabelle Solutions</a>. Frankreich, weltweit wichtigster Player im Bereich der Kernenergie, erklärte sich bereit, Kasachstan bei diesem Projekt technisch und strategisch zu unterstützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/gruene-transition-in-zentralasien-unterstuetzung-durch-europaeische-entwicklungszusammenarbeit/"><strong>Grüne Transition in Zentralasien – Unterstützung durch europäische Entwicklungszusammenarbeit</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Aussicht auf die französische Beteiligung öffnet strategische Möglichkeiten. Die EDF schaffte es bereits als potenzieller Technologielieferant <a href="https://www.akorda.kz/ru/glava-gosudarstva-prinyal-generalnogo-direktora-lectricit-de-france-edf-lyuka-remona-5102130">in die engere Wahl</a>. Doch Frankreich kokettiert nicht nur mit hochentwickelten Technologien, es würde auch zu einer Stärkung der bilateralen Beziehungen und der Energiesicherheit in Zentralasien <a href="https://www.gov.kz/memleket/entities/energo/press/news/details/897664?lang=ru">beitragen</a>. Letzteres ist vor dem Hintergrund der Energiemängel und der obsoleten Infrastruktur, die in den letzten Wintern zu <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wird-zentralasien-einen-winter-ohne-energie-erleben/">folgenreichen Stromausfällen</a> geführt hatten, das politische Thema der Stunde.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Geopolitische Streitigkeiten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entscheidung, in Kasachstan ein Konsortium internationaler Unternehmen zu gründen, ist nicht nur eine wirtschaftliche Initiative, sondern auch ein geopolitischer Balanceakt. Mehrerer Länder miteinzubeziehen, darunter Frankreich, Südkorea, China und Russland, ist Teil der kasachischen Strategie. Diese zielt darauf ab, die Partnerschaften zu diversifizieren und die Außenpolitik multisektoral zu gestalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Innen wird allerdings Kritik aufgrund des potenziellen Einflusses „polarisierender“ Länder laut. Einigen Aktivisten bereiten die westlichen Technologien Sorgen, anderen ist die Beteiligung russischer Unternehmen zuwider. An dieser Stelle könnte ein französisches Unternehmen Kasachstan einen Kompromiss darstellen: eine Entscheidung zwischen den Nachbarn Kasachstans würde vermieden und das geopolitische Gleichgewicht bewahrt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/darmarka-wie-umweltaktivistinnen-in-almaty-alte-dinge-recyclen/"><strong>„Darmarka“: Wie Umweltaktivist:innen in Almaty alte Dinge recyclen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">So könnte laut Mitgliedern der Bewegung „NPP kerek emes“ („Wir brauchen kein AKW“) die diplomatische Unabhängigkeit Kasachstans in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%B6derale_Agentur_f%C3%BCr_Atomenergie_Russlands">Föderale Agentur für Atomenergie Russlands</a> <em>Rosatom</em> den Hauptauftrag für den Bau erhält. In einer Diskussionsrunde auf dem beliebten Youtube-Analyse-Channel <a href="https://www.youtube.com/watch?v=otMpHksxNSY"><em>Hyperborey</em></a> äußerte der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_Wladimirowitsch_Sliwjak">russisch-deutsche Öko-Aktivist Wladimir Sliwjak</a> die Meinung, dass Russland den AKW-Bau in voller Absicht „fördert“. <em>„Der potenzielle Vertrag mit Rosatom ist gerade aus organisatorischer und wirtschaftlicher Sicht von Vorteil, weil wir nach Geldgebern noch nicht einmal suchen müssten. Wir müssten noch nicht einmal hingehen und um die Gelder bitten“</em>, sagte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wer Kernreaktoren bei einem anderen Land bestellt, macht sich von diesem für die nächsten 100 Jahre abhängig, wenn nicht sogar noch länger. Das wiederum birgt auch die Möglichkeit, andere politische Fragen zu lösen“,</em> fasste der Umweltschützer zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits ist die Wahrscheinlichkeit nach Ansicht russischer Politologen äußerst gering, dass Kasachstan die Zusammenarbeit mit Russland zugunsten französischer Atomprojekte ausschlägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/das-ewige-thema-ein-gespraech-mit-der-kasachischen-schriftstellerin-roza-muqanova/"><strong>„Das Ewige Thema“ – Ein Gespräch mit der kasachischen Schriftstellerin Roza Muqanova</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im November 2023 hatte <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Sergei_Markov">Sergej Markow</a>, Experte und Direktor des Instituts für politische Studien in Russland, gegenüber dem russischen Medium <a href="https://riamo.ru/news/ekonomika/politolog-markov-ob-yasnil-pochemu-frantsuzskie-aes-ne-poyavyatsya-v-kazahstane/">RIAMO</a> erklärt, dass der Bau französischer Kernkraftwerke in Kasachstan unwahrscheinlich sei. Die Beteiligung seitens <em>Rosatom</em> an Projekten solcher Art habe fast schon Tradition, begründete er. <em>„Die Verhandlungen mit den Franzosen dienen höchstwahrscheinlich dazu, die Zusammenarbeit mit Rosatom auf bessere Bedingungen zu hieven. Die tatsächlichen Aussichten für eine Hauptrolle Frankreichs sollten jedoch nicht überschätzt werden“</em>, sagte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Traut man den Einschätzungen des kasachstanischen Ökonomen Almas Tşukin, sind Russland und Frankreich zwar beide weltweit führend im Bereich der Kernenergie, doch ziehe Russland in der derzeitigen geopolitischen Lage den Kürzeren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Was den technischen Entwicklungsstand betrifft, spielen Frankreich und Russland beide in der ersten Liga. Frankreich ist das Land der Atomkraft schlechthin. Die Kernkraftwerke stemmen 70 Prozent des französischen Stroms. Ihre neuesten Entwicklungen sind Weltspitze. Russland steht zwar bei der Anzahl der AKWs an erster oder zweiter Stelle, hat aber die Sanktionen am Bein, die auch entscheidende importierte Komponenten und Geräte treffen. Darüber hinaus ist Rosatom selbst mit Sanktionen belegt, und eine Zusammenarbeit mit ihnen wirft große Fragen auf“,</em> so der Wirtschaftler in einem Interview mit <a href="https://orda.kz/kazahstan-prodolzhaet-vybirat-aes-ot-rossii-kitaya-franczii-ili-yuzhnoj-korei/">Orda.kz</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die öffentliche Meinung und die Ursachen des Energiedefizits</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz seines Status als führender Uranproduzent hat Kasachstan ernsthafte Herausforderungen in puncto Energiesicherheit aufgrund der bereits erwähnten <a href="https://www.inform.kz/ru/natsproekt-o-bolshoy-modernizatsii-v-energetike-i-tarifnoy-nagruzke-278029">infrastrukturellen Probleme</a>. Das kasachstanische Energiedefizit beträgt zu Spitzenzeiten 2 Gigawatt und könnte bis 2030 auf 7 Gigawatt ansteigen, <a href="https://vlast.kz/novosti/62167-deficit-elektroenergii-v-kazahstane-v-pikovye-casy-dostigaet-2-gvt-sklar.html#:~:text=%D0%94%D0%B5%D1%84%D0%B8%D1%86%D0%B8%D1%82%20%D1%8D%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%82%D1%80%D0%BE%D1%8D%D0%BD%D0%B5%D1%80%D0%B3%D0%B8%D0%B8%20%D0%B2%20%D0%9A%D0%B0%D0%B7%D0%B0%D1%85%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%B5%20%D0%B2%20%D0%BF%D0%B8%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D1%">sagte</a> der Stellvertretende Ministerpräsident Roman Sklıar bei einer Pressekonferenz im Oktober 2024.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl die Mehrheit der kasachstanischen Bevölkerung die Kernenergie befürwortet, bestehen weiterhin <a href="https://rus.azattyq.org/a/33124382.html">Bedenken</a> hinsichtlich des Umweltschutzes, der Katastrophenvorsorge und der Entsorgung der radioaktiven Abfälle. In Reaktion darauf <a href="https://www.gov.kz/situations/723/1481?lang=ru">bekannte sich</a> Kasachstans Regierung dazu, die internationalen Sicherheitsstandards einzuhalten und die Transparenz der Entscheidungsprozesse zu gewährleisten. Weiterhin ziehe sie auch Bildungsinitiativen in Betracht, um der Öffentlichkeit die Vorteile und Risiken der Kernenergie näher zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass <a href="https://laender-analysen.de/zentralasien-analysen/166/atomkraft-nuklearreferendum-kasachstan-2024/#:~:text=Nach%20dem%20Beitritt%20zum%20Atomwaffensperrvertrag,einem%20Eckpfeiler%20der%20Au%C3%9Fenpolitik%20gemacht.">Kasachstans jüngere Geschichte</a> auch ein maßgebliches „nukleares Erbe“ trägt: Über 450 zwischen 1949 und 1991 durchgeführte Atomtests haben die Umwelt und Gesundheit in der Region um die Stadt Semipalatinsk [heute <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Semei">Semeı</a>, Anm. d. Red.] nachhaltig geschädigt. In der Öffentlichkeit Kasachstans stellt dies nach wie vor ein sensibles Thema dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-auf-dem-atomwaffentestgelaende-semipalatinsk-wird-eine-sicherheitszone-eingerichtet/"><strong>Kasachstan: Auf dem Atomwaffentestgelände Semipalatinsk wird eine Sicherheitszone eingerichtet</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuletzt unterstreicht Kasachstan gleich in zweifacher Hinsicht seine friedliche und verantwortungsvolle Absicht: Zum einen ist es sich seiner Rolle als führender Uranproduzent bewusst, zum anderen hält es weiter an dem Atomwaffensperrvertrag über die Nichtverbreitung von Atomwaffen fest. Diesen hatte der Erste Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaev</a> 1993, zwei Jahre nach der Schließung des Testgeländes, unterzeichnet. Seit 1995 ist Kasachstan atomwaffenfrei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Experten hegen keinerlei Zweifel, dass Russland den Bauauftrag erhalten wird. Es sei jedoch daran erinnert, dass der Kasachstans Präsident Toqaev kürzlich in einem Interview mit dem Medium Apa Tili Pläne zum Bau weiterer zwei oder drei Kernkraftwerke angekündigt hat. Experten rechnen der <em>EDF</em> in diesen Projekten gute Chancen für eine Führungsrolle aus. Denn Frankreich imponiert nicht nur mit seiner Expertise im Bereich der Kernkraft, es punktet auch mit der positiven Resonanz vergangener Projekte in anderen Ländern.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Sherzod Babakulov für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Kasachstan stimmt für Atomkraft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Manon Madec]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Oct 2024 12:10:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Energie]]></category>
		<category><![CDATA[Kernkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Referendum]]></category>
		<category><![CDATA[Ülken]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Per Referendum hat sich die Bev&#xF6;lkerung Kasachstans mehrheitlich f&#xFC;r den Bau des ersten Atomkraftwerks im Land ausgesprochen. W&#xE4;hrend die Regierung diesen historischen Schritt begr&#xFC;&#xDF;t, sind viele B&#xFC;rger:innen &#xFC;ber die Grauzonen des Projekts besorgt. Internationale Beobachter:innen stellen derweil den demokratischen Charakter der Abstimmung in Frage. Am 6. Oktober waren die Kasachstaner:innen aufgerufen, &#xFC;ber den Bau des [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Per Referendum hat sich die Bevölkerung Kasachstans mehrheitlich für den Bau des ersten Atomkraftwerks im Land ausgesprochen. Während die Regierung diesen historischen Schritt begrüßt, sind viele Bürger:innen über die Grauzonen des Projekts besorgt. Internationale Beobachter:innen stellen derweil den demokratischen Charakter der Abstimmung in Frage.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 6. Oktober waren die Kasachstaner:innen aufgerufen, über den Bau des ersten Atomkraftwerks des Landes abzustimmen. Nach dem <a href="https://www.election.gov.kz/eng/news/releases/index.php?ID=9596">offiziellen Ergebnis</a>, das die Zentrale Wahlkommission am 8. Oktober veröffentlichte, stimmten 71,12 Prozent für das Projekt. Die Wahlbeteiligung lag bei 63,6 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bau von zwei Druckwasser-Kernreaktoren mit einer Leistung von 1.200 bis 1.400 Megawatt wird sich über einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren erstrecken. Diese Reaktoren sollen bis 2035 <a href="https://medium.com/the-diplomatic-pouch/analysis-the-past-and-present-of-kazakhstans-nuclear-security-and-why-it-matters-to-u-s-420c752dfc12">rund 12 Prozent </a> von Kasachstans Energiebedarfs decken und einen Teil der Kohle ersetzen, die derzeit mehr als die Hälfte des <a href="https://www.iea.org/countries/kazakhstan">nationalen Energiemix</a> ausmacht.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine aktive Kampagne</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ergebnis liegt dabei über dem, was das <a href="https://kisi.kz/ru/glavnaya/">Kasachstanische Institut für Strategische Studien</a> im August prognostizierte. Dessen Wählerumfrage ergab laut <a href="https://astanatimes.com/2024/08/slight-majority-favor-construction-of-nuclear-power-plant-in-kazakhstan-survey-finds/">Astana Times</a> eine Unterstützung von rund 53 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Popularität des Projekts in einer Bevölkerung zu stärken, die noch immer von den sowjetischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffentestgelände_Semipalatinsk">Atomtests bei Semipalatinsk</a> (heute <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Semei">Semeı</a>) geprägt ist, führten Staatschef <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym- Jomart Toqaev</a> und seine Regierung eine mehr als 400 Tage dauernde Kampagne durch. Staatsrat Erlan Qarin <a href="https://www.inform.kz/ru/erlan-karin-kampaniya-referenduma-po-aes-samaya-prodolzhitelnaya-v-istorii-kazahstana-c8de13">erklärte</a>, dass dies die längste Kampagne in der Geschichte des Landes gewesen sei. </p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Kampagne sollte die Bevölkerung von der Notwendigkeit überzeugen, Uranreserven auszubeuten, um mit der wachsenden <a href="https://astanatimes.com/2023/08/nuclear-power-plant-in-kazakhstan-whats-next/">Stromknappheit</a> fertig zu werden. Ein wichtiges Argument in einem Land, in dem der Stromverbrauch die Produktion um fast 2,3 Milliarden Kilowattstunden (kWh) übersteigt. Laut <a href="https://eurasianet.org/kazakhstan-electricity-deficits-set-to-deepen#:~:text=Energy%20officials%20in%20Kazakhstan%20have,the%20risk%20of%20unscheduled%20blackouts.">Eurasianet</a> prognostiziert das Energieministerium eine Verschärfung des Energiedefizits bis 2025.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein überwältigendes „Ja“ vor Ort</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Energiefrage hat insbesondere den Süden des Landes mobilisiert, eine <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_regions_of_Kazakhstan_by_GDP">relativ benachteiligte Region</a>, in der es aufgrund der veralteten Infrastruktur regelmäßig zu <a href="https://www.rferl.org/a/central-asia-energy-emergency/32160389.html">Stromausfällen</a> kommt. Nach Angaben der Zentralen Wahlkommission verzeichneten die Gebiete <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Türkistan_(Gebiet)">Türkistan</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qysylorda_(Gebiet)">Qysylorda</a> mit 75,3 beziehungsweise 82,5 Prozent die höchsten Wahlbeteiligungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstan-ein-referendum-ueber-die-nutzung-ziviler-atomkraft/"><strong>Kasachstan: Ein Referendum über die Nutzung ziviler Atomkraft</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ülken">Ülken</a>, wo das Kraftwerk entstehen soll, war die Wahlbeteiligung hoch: 70 Prozent der Einwohner:innen hatten laut <a href="https://en.inform.kz/news/over-70-in-ulken-village-take-their-votes-in-npp-construction-referendum-a2ea18/">Kazinform</a> bereits um 14 Uhr abgestimmt. Wie <a href="https://www.intellinews.com/kazakhstan-faces-its-nuclear-moment-of-truth-346610/">bne IntelliNews</a> berichtete, zeigte sich der Bürgermeister des kleinen Fischerdorfs am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash-See</a> bei einer von der Regierung organisierten öffentlichen Konsultation im August begeistert von dem Projekt, das „<em>Arbeitsplätze [schaffen] und neue Investitionen anlocken wird“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben von <a href="https://en.inform.kz/news/kazakhstan-holds-a-historic-referendum-on-the-npp-marking-a-new-milestone-in-direct-democracy-661657/">Kazinform</a> sprachen sich insgesamt 956 der 1.096 Wahlberechtigten in Ülken für den Bau des Atomkraftwerks aus, 79 waren dagegen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Desinteresse in den großen Städten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Städte wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Astana">Astana</a> verzeichneten hingegen eine historisch niedrige Wahlbeteiligung von 25,4 beziehungsweise 50,8 Prozent. Dies verdeutlicht die Umweltbedenken der städtischen Bevölkerung. Vor allem Almaty war seit der Ankündigung des Projekts ein Zentrum des <a href="https://www.rferl.org/a/kazakhstan-nuclear-referendum-arrests/33146404.html">Widerstands</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/darmarka-wie-umweltaktivistinnen-in-almaty-alte-dinge-recyclen/"><strong>„Darmarka“: Wie Umweltaktivist:innen in Almaty alte Dinge recyclen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für diesen Teil der Wähler:innenschaft, der über die Entsorgung von radioaktivem Müll und die von einer solchen Anlage erzeugten Emissionen besorgt ist, ist das Land nicht auf Kernenergie angewiesen, um seine Energiesicherheit zu gewährleisten. Eine dieser Stimmen ist Aset Nauryzbaev. Der ehemalige Chef der kasachischen Stromnetzgesellschaft (KEGOS) <a href="https://news.az/news/kazakhstan-faces-critical-turning-point-regarding-its-nuclear-policies">behauptet</a>: <em>„Die Lösung wäre ein deutlicher Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarenergie, die sechsmal billiger sind als Atomenergie!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Aktivist:innen, die bereits vor dem Referendum von den Behörden <a href="https://www.rferl.org/a/kazakhstan-nuclear-referendum-arrests/33146404.html">festgenommen worden waren</a>, wurden den ganzen Tag über streng überwacht. Elvira Bekzadina wurde in Astana während einer Protestaktion gegen das Atomkraftwerk von der Polizei festgenommen, Aset Abichev in Almaty auf dem Weg zu einem Büro, berichtet <a href="https://www.azattyq.org/a/33148252.html">Radio Azattyq</a>. Die Festnahmen trüben das Bild der <em>„direkten Demokratie“</em>, welches Kasachstans Regierung auf der internationalen Bühne fördern wollte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Internationale Beobachter:innen machtlos</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://en.inform.kz/news/kazakhstan-holds-a-historic-referendum-on-the-npp-marking-a-new-milestone-in-direct-democracy-661657/">177 Beobachter:innen</a> aus 30 Ländern gingen in den mehr als 10.000 Wahllokalen ihrer Arbeit nach. Sie waren von der kasachstanischen Regierung eingeladen worden, um die Glaubwürdigkeit des Wahlprozesses in den Augen der internationalen Gemeinschaft sicherzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte jedoch nicht lange, bis die ersten Unregelmäßigkeiten gemeldet wurden: So berichtete das unabhängige Nachrichtenportal <a href="https://vlast.kz/novosti/62121-referendum-po-aes-onlajn.html">Vlast</a>, dass die Stiftung „Erkindik Kanaty“ um 10 Uhr den Verweis eines ihrer Beobachter aus einem Wahllokal in Astana meldete. Dieser hatte zuvor gefilmt, wie eine Wählerin von der Wahlkommission manuell in das Wählerverzeichnis eingetragen worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere <a href="https://www.azattyq.org/a/33148139.html">Vergehen</a> wie Stimmzettelfälschung, Festnahmen von Gegner:innen des Bauprojekts sowie Verweise von Beobachter:innen erhöhten die Spannungen in mehreren Büros. So sehr, dass einige Beobachter:innen beschlossen, sich zurückzuziehen. Die Stiftung HAQ gab gegenüber <a href="https://vlast.kz/novosti/62121-referendum-po-aes-onlajn.html">Vlast</a> bekannt, dass sie den Einsatz der ursprünglich geplanten 300 Beobachter:innen zur Überwachung der Wahllokale in verschiedenen Regionen des Landes aufgeben würde.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fragen ohne Antworten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während des Referendums gab es nur sporadische Stellungnahmen aus der kasachstanischen Politik. Ministerpräsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Olschas_Bektenow">Oljas Bektenov</a> weigerte sich, in seinem Wahllokal mit Journalist:innen zu sprechen. Der frühere Staatschef <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaev</a> wünschte dem kasachstanischen Volk nüchtern <em>„viel Glück“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Grauzonen um das Atomprojekt bleiben also bestehen. Auf die Frage, wer die Anlage bauen und betreiben werde, antwortete Präsident Toqaev auf einer <a href="https://en.inform.kz/news/international-consortium-should-operate-in-kazakhstan-president-on-construction-of-npp-61af4d/">Pressekonferenz</a>, ein <em>„internationales Konsortium globaler Unternehmen mit den fortschrittlichsten Technologien“</em> sei seiner Meinung nach die beste Option. Eine clevere Möglichkeit, die Frage zu umgehen, die sich alle Kasachstaner:innen seit der Ankündigung des Projekts stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-atomkraftwerk-im-wuestensand/"><strong>Ein Atomkraftwerk im Wüstensand?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der Kandidaten ist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Föderale_Agentur_für_Atomenergie_Russlands">Rosatom</a>. Dies wurde im August 2023 von Kasachstans Energieminister <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Almasadam_Sätqaliev">Almasadam Sätqaliev</a> gleichzeitig mit der Kandidatur der drei anderen in Betracht gezogenen Unternehmen bekannt gegeben: dem französischen Unternehmen EDF, der China National Nuclear Corporation (CNNC) und Korea Hydro &amp; Nuclear Power.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn das „Ob“ mit dem Referendum geklärt ist, bleiben also noch viele Fragen offen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Manon Madec für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/kazakhstan-nucleaire-civil-adopte-par-referendum/"><strong>Französischen</strong></a><strong> übersetzt und überarbeitet von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kasachstan: Ein Referendum über die Nutzung ziviler Atomkraft</title>
		<link>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstan-ein-referendum-ueber-die-nutzung-ziviler-atomkraft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Eléonore Darasse]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Oct 2024 14:51:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraft]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Balchaschsee]]></category>
		<category><![CDATA[Balqash]]></category>
		<category><![CDATA[Kernkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Referendum]]></category>
		<category><![CDATA[Ülken]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am kommenden Sonntag, den 6. Oktober, wird Kasachstan ein Referendum &#xFC;ber den Bau eines Atomkraftwerks abhalten. Der weltweit f&#xFC;hrende Uranproduzent versucht, seine Abh&#xE4;ngigkeit von Kohle zu verringern. Das Referendum &#xFC;ber den Bau eines Atomkraftwerks in Kasachstan findet am 6. Oktober statt. Dies gab Pr&#xE4;sident Qasym-Jomart Toqaev am 2. September w&#xE4;hrend seiner j&#xE4;hrlichen Rede zur Lage [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am kommenden Sonntag, den 6. Oktober, wird Kasachstan ein Referendum über den Bau eines Atomkraftwerks abhalten. Der weltweit führende Uranproduzent versucht, seine Abhängigkeit von Kohle zu verringern.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Referendum über den Bau eines Atomkraftwerks in Kasachstan findet am 6. Oktober statt. Dies gab Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> am 2. September während seiner jährlichen <a href="https://akorda.kz/ru/poslanie-glavy-gosudarstva-kasym-zhomarta-tokaeva-narodu-kazahstana-spravedlivyy-kazahstan-zakon-i-poryadok-ekonomicheskiy-rost-obshchestvennyy-optimizm-285014">Rede</a> zur Lage der Nation bekannt. Die Möglichkeit, Atome zur Stromerzeugung in Kasachstan zu nutzen, wurde von Toqaev im Juni 2019, wenige Tage nach seinem Amtsantritt als Präsident, erstmals ins Spiel gebracht. Bei dieser Gelegenheit sei auch die Möglichkeit eines Referendums zur Lösung der Frage erwähnt worden, berichtete damals das kasachstanische Nachrichtenportal <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/tokaev-ob-aes-esli-ponadobitsya-provedem-referendum-371061/">Tengrinews</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wirtschaftliche Entwicklung ist ohne eine stabile Energieversorgung nicht möglich. Deshalb habe ich darum gebeten, die Frage des Baus eines Kernkraftwerks zu untersuchen. Es gibt derzeit eine breite Debatte und es werden unterschiedliche Standpunkte geäußert“</em>, erklärte Toqaev im Juni dieses Jahres während einer <a href="https://akorda.kz/ru/vystuplenie-prezidenta-kasym-zhomarta-tokaeva-na-torzhestvennoy-ceremonii-po-sluchayu-nagrazhdeniya-rabotnikov-smi-275430">Rede</a> bei einer Preisverleihung für Medienschaffende. <em>„Das Land verfügt über große Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich der Kernenergie. Es ist wichtig, diese richtig und effizient zu nutzen. Die endgültige Entscheidung in dieser Frage wird vom Volk getroffen“</em>, fuhr er fort.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Sind Sie mit dem Bau eines Atomkraftwerks in Kasachstan einverstanden?“</em> Dies ist laut <a href="https://akorda.kz/ru/o-provedenii-6-oktyabrya-2024-goda-respublikanskogo-referenduma-282222">Präsidialerlass</a> vom 2. September die Frage, die der Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 3. September organisierte die Zentrale Referendumskommission Kasachstans (ORK) eine Pressekonferenz, um die Modalitäten für die Organisation der Abstimmung vorzustellen. Dies berichtete <a href="https://www.azattyq.org/a/33104102.html">Radio Azattyq</a>, der kasachstanische Dienst von Radio Free Europe. Mehr als 10.000 Wahllokale, davon 78 im Ausland, werden von 7 bis 20 Uhr geöffnet sein, um den mehr als 12 Millionen Wahlberechtigten gerecht zu werden. Die Organisation des Referendums werde umgerechnet 28 Millionen Euro kosten, teilte die ORK mit.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Hoher Strombedarf</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die Nutzung ziviler Kernenergie möchte Kasachstan seinen Energiemix diversifizieren und so die eigene Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, aber auch die Luftverschmutzung durch CO2-Emissionen verringern. Es geht auch darum, eine stabile Versorgung zu gewährleisten, da die Nachfrage nach Strom steigt. Dies ist Folge des Bevölkerungswachstum, einer dynamischen Wirtschaft, sowie des energieintensiven <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/aufraeumen-nach-ftx-kasachstan-strebt-regulierung-der-kryptobranche-an/">Krypto-Minings</a>, welches in Kasachstan floriert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während einer Regierungssitzung im August erinnerte Energieminister Almasadam Sätqaliev daran, dass die Stromproduktion in Kasachstan immer noch mit 66 Prozent größtenteils aus Kohlekraftwerken stammt. Und obwohl der Sektor der erneuerbaren Energien mit einem Anteil von rund 6 Prozent wächst, was insbesondere auf das Ziel der CO2-Neutralität bis 2060 zurückzuführen ist, gebe es <a href="https://primeminister.kz/ru/news/asatkaliev-na-sovremennom-etape-alternativy-aes-net-28990">laut Sätqaliev</a> <em>„derzeit keine Alternative zu Kernkraftwerken“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Internationale Finanzinstitutionen weigern sich, in den Bau von Kohlekraftwerken zu investieren. Unsere Gasressourcen sind begrenzt. Erneuerbare Energien können aufgrund ihrer Abhängigkeit von natürlichen und klimatischen Bedingungen keine zuverlässige Stromerzeugung gewährleisten“</em>, begründet der Minister den Spannungsbogen zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und Klimanotstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/entwicklung-erneuerbarer-energien-in-kasachstan-ein-interview-mit-ainur-sospanova/"><strong>Entwicklung erneuerbarer Energien in Kasachstan – ein Interview mit Ainur Sospanova</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Zentralasien, einer Region fernab aller Meere, herrscht kontinentales Klima. Der Sommer ist heiß und der Winter kalt und lang. Diese Bedingungen führen zu Spitzen im Stromverbrauch. Berechnungen zufolge wird die Stromproduktion in Kasachstan bis 2035 voraussichtlich auf weniger als 135 Milliarden Kilowattstunden sinken. Nach Prognosen des Ministeriums soll der Stromverbrauch im gleichen Zeitraum jedoch bis zu 152,4 Milliarden Kilowattstunden erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher ist schnelles Handeln geboten, zumal Kasachstan wie die gesamte Region bereits regelmäßig <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wird-zentralasien-einen-winter-ohne-energie-erleben/?noredirect=de-DE">mit Engpässen konfrontiert</a> ist. Falls es eine entsprechende Mehrheit im Referendum gibt, soll das Atomkraftwerk Berechnungen zufolge bis 2035 circa <a href="https://www.inform.kz/ru/planiruemaya-k-stroitel-stvu-aes-zakroet-do-12-energopotrebleniya-k-2035-godu_a4067119/">12 Prozent</a> des Verbrauchs decken.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nukleares Erbe</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Befürworter:innen argumentieren, dass Kasachstan alle günstigen Voraussetzungen für die Entwicklung der Kernenergie erfülle. Vor allem der Brennstoff Uran ist im Land reichlich vorhanden. Nach Angaben der <a href="https://world-nuclear.org/information-library/country-profiles/countries-g-n/kazakhstan#:~:text=In%202022%2C%20Kazakhstan%20produced%2043,fuel%20rather%20than%20just%20uranium.">World Nuclear Association</a> wurden im Jahr 2022 43 Prozent des weltweiten Urans in Kasachstan gefördert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Land wurde als Sitz der <a href="https://www.iaea.org/topics/iaea-low-enriched-uranium-bank">Bank für niedrig angereichertes Uran (LEU)</a> der <a href="https://www.iaea.org/">Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)</a> ausgewählt. Die Anlage befindet sich im metallurgischen Werk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ulba_(Unternehmen)">Ulba</a> in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Öskemen">Öskemen</a> und hat die Aufgabe, eine sichere und stabile Versorgung zu gewährleisten, indem den Mitgliedstaaten der IAEA bis zu 90 Tonnen schwach angereichertes Uran zur Verfügung gestellt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/politologin-togjan-qasenova-solange-es-atomwaffen-gibt-werden-wir-alle-deren-geiseln-sein/"><strong>Politologin Togjan Qasenova: „Solange es Atomwaffen gibt, werden wir alle deren Geiseln sein“</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hat Kasachstan auch ein schweres nukleares Erbe zu tragen: Auf dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffentestgelände_Semipalatinsk">Atomwaffentestgelände Semipalatinsk</a> im Nordosten der damaligen Kasachischen Sozialistischen Sowjetrepublik testete die Sowjetunion im August 1949 ihre erste Atombombe. Zwischen 1949 und 1989 wurden rund 476 Atomtests durchgeführt und somit mindestens 1,3 Millionen Menschen in den umliegenden Gebieten der Strahlung ausgesetzt, berichtet das kasachstanische Nachrichtenportal <a href="https://vlast.kz/novosti/45360-zonu-adernoj-bezopasnosti-sozdadut-na-semipalatinskom-poligone.html">Vlast</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach seiner Unabhängigkeit erbte Kasachstan das viertgrößte Atomwaffenarsenal der Welt, welches es im April 1995 an die Russische Föderation <a href="https://www.nti.org/analysis/articles/kazakhstan-nuclear-disarmament/">übertrug</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Besorgte öffentliche Meinung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüngsten Umfragen zeigen ein gewisses öffentliches Interesse. In einer am 22. August veröffentlichten Umfrage des <a href="https://kisi.kz/ru/glavnaya/">Kasachstanischen Instituts für Strategische Studien</a> (KISS), die vom 7. bis 18. August telefonisch unter 1.200 Personen ab 18 Jahren durchgeführt wurde, sprachen sich 53,1 Prozent der Befragten für den Bau eines Atomkraftwerks in Kasachstan aus. 42,6 Prozent der Befragten äußerten ihre Absicht, am Referendum teilzunehmen, und 51 Prozent hielten sich für ausreichend informiert, um ihre Wahl treffen zu können, berichtet die <a href="https://astanatimes.com/2024/08/slight-majority-favor-construction-of-nuclear-power-plant-in-kazakhstan-survey-finds/">Astana Times</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine am 20. September veröffentlichte Umfrage, die dieses Mal vom KISS unter 8.000 Menschen durchgeführt wurde, zeigt, dass 59,2 Prozent der Befragten den Wunsch äußern, am Referendum teilzunehmen, wie die <a href="https://astanatimes.com/2024/09/survey-reveals-strong-public-interest-in-nuclear-power-plant-referendum/">Astana Times</a> schreibt. Die Mehrheit der Befragten sprach sich für das Projekt aus, 38 Prozent der Befragten befürworteten dies uneingeschränkt, weitere 21,6 Prozent tendieren zu einer Befürwortung. 15,8 Prozent der Befragten gaben an, gegen die Anlage zu sein, und 9,1 Prozent erklärten, sie seien noch unentschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-herausforderungen-auf-dem-weg-hin-zu-mehr-erneuerbaren-energien/"><strong>Kirgistan: Herausforderungen auf dem Weg zu mehr erneuerbaren Energien</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Befragten gaben an, dass sie hauptsächlich (49,5 Prozent) wegen Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit besorgt seien. Umweltbedenken folgen dicht dahinter (42,9 Prozent) und 22,8 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich Sorgen über Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge machen. Darüber hinaus geben 18,6 Prozent der Befragten an, dass sie sich Gedanken über die Beseitigung radioaktiver Abfälle machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.azattyq.org/a/33085187.html">Radio Azattyq</a> berichtet seinerseits, dass Gegner:innen des Projekts mehrfach daran gehindert wurden, an öffentlichen Debatten teilzunehmen, welche in rund zwanzig Städten im ganzen Land organisiert wurden. <em>„Propaganda, keine Debatte“</em>, meinen Aktivist:innen. Sie prangern an, dass die Diskussionen nur die Vorteile des Atomkraftwerks hervorheben. In Almaty hatte ein Hotel, in dem im September ein Treffen von Gegner:innen des Projekts stattfinden sollte, die Veranstaltung einige Tage zuvor <a href="https://rus.azattyq.org/a/33118892.html">abgesagt</a>. Die offizielle Begründung: Das Hotel sei geschlossen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fragen ohne Antwort</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Falle einer Annahme des Referendums bestehen keine Zweifel über den Standort, an dem das Kraftwerk errichtet werden soll. Das Dorf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ülken">Ülken</a> am Ufer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqaş-Sees</a>, dem größten See des Landes, wurde von den kasachstanischen Behörden öffentlich ausgewiesen. Der Bau der Anlage, deren Kosten laut dem usbekischen Nachrichtenportal <a href="https://daryo.uz/en/lUrD0JxF">Daryo</a> auf 10 bis 12 Milliarden Dollar (zwischen 8 und 10 Milliarden Euro) geschätzt werden, könnte ein Jahrzehnt dauern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Partnerland, das Kasachstan beim Bau dieses Kraftwerks unterstützen soll, herrscht jedoch Unklarheit. Sofern es keine Überraschung gibt, wird es China, Südkorea, Frankreich oder Russland werden. Gerüchten zufolge dürfte das russische Unternehmen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Föderale_Agentur_für_Atomenergie_Russlands">Rosatom</a> den Zuschlag am wahrscheinlichsten erhalten. Dieser Punkt ist in Kasachstan nicht spannungsfrei, da die ehemalige Schutzmacht bereits das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmodrom_Baikonur">Kosmodrom Baikonur</a> betreibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-atomkraftwerk-im-wuestensand/"><strong>Ein Atomkraftwerk im Wüstensand?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aset Nauryzbaev, Wirtschaftswissenschaftler und ehemaliger Leiter von Kasachstans Stromnetzagentur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/KEGOC">KEGOC</a>, sieht in einem von Russland gebauter Reaktor ein Angriff auf Kasachstans Multi-Vektoren-Außenpolitik. Astana hat es sich zur Aufgabe gemacht, sicherzustellen, dass die diplomatischen Beziehungen mit den Nachbarn Russland und China ausgewogen sind, sodass keiner von beiden einen Einfluss ausübt, der seine politischen Entscheidungen beeinflussen könnte. <em>„Durch den Bau eines eigenen Atomkraftwerks hier kann Russland Kasachstan in seinem Einflussbereich halten. Sie werden sicherlich Druckmittel einsetzen, wenn es nötig ist“</em>, erklärte Nauryzbaev gegenüber <a href="https://eurasianet.org/kazakhstan-to-hold-referendum-on-building-nuclear-power-plant">Eurasianet</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Welches Unternehmen für den Bau der Anlage ausgewählt wurde, werde nach dem Referendum bekannt gegeben, erklärten die Behörden lediglich, ohne Einzelheiten zu nennen. Auch die Finanzierungsmodalitäten der Anlage (öffentliche Mittel, private Investitionen, internationale Kredite) wurden nicht besprochen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Eléonore Darasse für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/kazakhs-appeles-prononcer-recours-nucleaire-civil/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Kasachstan plant Referendum über den Bau eines Atomkraftwerks</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Sep 2023 10:30:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Atomenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Balchaschsee]]></category>
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		<category><![CDATA[Entschlüsselung]]></category>
		<category><![CDATA[Kernenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Kernkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Qasym-Jomart Toqaev]]></category>
		<category><![CDATA[Referendum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ENTSCHL&#xDC;SSELUNG. In seiner Rede an die Nation hat Kasachstans Pr&#xE4;sident Qasym-Jomart Toqaev ein Referendum &#xFC;ber den Bau des ersten Atomkraftwerks in Kasachstan angek&#xFC;ndigt. Angesichts der zweitgr&#xF6;&#xDF;ten Uranreserven der Welt und der seit Jahren zunehmenden Energieknappheit erscheint die Nutzung von Kernenergie notwendig. Diese ist aber nicht unumstritten &#x2013; der lange Schatten von 40 Jahren sowjetischer Atomtests [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>ENTSCHLÜSSELUNG. In seiner Rede an die Nation hat Kasachstans Präsident Qasym-Jomart Toqaev ein Referendum über den Bau des ersten Atomkraftwerks in Kasachstan angekündigt. Angesichts der zweitgrößten Uranreserven der Welt und der seit Jahren zunehmenden Energieknappheit erscheint die Nutzung von Kernenergie notwendig. Diese ist aber nicht unumstritten – der lange Schatten von 40 Jahren sowjetischer Atomtests auf kasachstanischem Boden wiegt immer noch schwer.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kernenergie rückt in den Fokus der kasachstanischen Politik. In seiner Rede an die Nation, die Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> vor den beiden Kammern des Parlaments hielt, sprach er von der Organisation eines nationalen Referendums über den Bau eines Atomkraftwerks. Dies berichtet <a href="https://rus.azattyq.org/a/32574082.html">Radio Azattyq</a>, der kasachstanische Dienst von Radio Free Europe. Zum jetzigen Zeitpunkt sind weder das Datum des Referendums noch genaue Fragestellung bekannt, aber die Wahlkommission <a href="https://kapital.kz/gosudarstvo/118843/v-tsik-gotovy-k-provedeniyu-referenduma-po-voprosu-stroitel-stva-aes.html">erklärte</a>, dass eine Durchführung noch im Jahr 2023 möglich sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Standort des künftigen Kernkraftwerks wäre das Dorf Úlken am Ufer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash-Sees</a> – ein Ort, der alle praktischen Voraussetzungen für eine solche Anlage zu erfüllen scheint. Nach dem <a href="https://online.zakon.kz/Document/?doc_id=35049151&amp;pos=3;-109#pos=3;-109">kasachstanischen Kernenergiegesetz</a> ist für den Bau eines Kernkraftwerks eine lokale Genehmigung erforderlich.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Das Akimat [Regionalverwaltung, Anm. d. Ü.] des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty_(Gebiet)">Gebiets Almaty</a> habe bereits mit öffentlichen Diskussionen begonnen, berichtet das Energieministerium. Zehn Tage vor der Rede des Staatsoberhauptes hatten die Einwohner:innen von Úlken Anspruch auf Konsultationen und öffentliche Treffen, um die Herausforderungen der zivilen Atomkraft vor ihrer Haustür zu diskutieren, berichtet <a href="https://www.rferl.org/a/kazakhstan-nuclear-power-plant-debate-construction/32563042.html#:~:text=ULKEN%2C%20Kazakhstan%20%2D%2D%20Plans%20are,supply%20Kazakhstan's%20soaring%20energy%20needs.">Radio Free Europe</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-atomkraftwerk-im-wuestensand/">Ein Atomkraftwerk im Wüstensand?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Februar 2023 wurde in den sozialen Medien eine <a href="https://alash.online/1544-ulken.html">Petition</a> für den Bau des Kernkraftwerks im Namen der Bewohner:innen von Úlken veröffentlicht. <em>„Wenn wir in den kommenden Jahren nicht mit dem Bau eines Kernkraftwerks beginnen, werden wir mit einem gravierenden Energiemangel und in der Folge mit Stromausfällen, Mangel an Wärme und Licht, Produktionsausfällen und anderen Problemen konfrontiert sein. Das kann nicht zugelassen werden“</em>, heißt es darin. Aber die öffentliche Meinung in Kasachstan ist nicht so einhellig.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Atomkraft für das größte Uran produzierende Land</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Strommangel in Kasachstan ist das Hauptargument der Befürworter eines Atomkraftwerks. Im vergangenen Winter herrschte in der nordkasachstanischen Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ekibastus">Ekibastuz</a> zehn Tage lang <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wird-zentralasien-einen-winter-ohne-energie-erleben/">Ausnahmezustand</a>, nachdem bei -30 Grad Außentemperatur die Fernwärme ausgefallen war. Die Erinnerung daran ist in der Bevölkerung noch sehr lebendig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Regierung unterstützt dieses Argument und fügt hinzu, dass das Land der weltweit führende Produzent von Uran sei – dem Erz, das zur Stromerzeugung in Kernkraftwerken verwendet wird. Kasachstan ist für 35,6 Prozent der weltweiten Uranproduktion verantwortlich und verfügt über 11,8 Prozent der Reserven. Seine jährliche Produktion von mehreren zehntausend Tonnen trägt jedoch bisher nicht zur Stromversorgung des Landes bei.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schmerzhafte Erinnerung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage der Wasserkühlungsmethoden, Streitigkeiten mit China über die gemeinsame Nutzung des den Balqash-See speisenden Flusses <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ili_(Fluss)">Ili</a> und der Rückgang des Wasserpegels im See lassen die Anwohner:innen jedoch einen neuen Atomunfall in Kasachstan befürchten. Auch wenn die meisten Expert:innen versichern, dass dies unwahrscheinlich sei, bestehen bei einem Teil der Bevölkerung Zweifel, wie eine Reportage von <a href="https://www.rferl.org/a/kazakhstan-nuclear-power-plant-debate-construction/32563042.html#:~:text=ULKEN%2C%20Kazakhstan%20%2D%2D%20Plans%20are,supply%20Kazakhstan's%20soaring%20energy%20needs">Radio Free Europe</a> aus Úlken selbst zeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Präsident Toqaev räumt in seiner Rede ein: <em>„Viele Bürger und einige Experten sind besorgt über die Sicherheit von Kernkraftwerken. Dies ist angesichts des tragischen Erbes des </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffentestgelände_Semipalatinsk"><em>Atomtestgeländes Semipalatinsk</em></a><em> verständlich.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/semipalatinsker-testgelaende-das-atomare-erbe-der-sowjetunion-in-kasachstan/">Semipalatinsker Testgelände: Das atomare Erbe der Sowjetunion in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von 1949 bis 1989 wurden auf dem Testgelände im Osten des Landes mindestens 456 Atomtests zur Entwicklung der ersten sowjetischen Atombombe durchgeführt. Die beeinträchtigt bis heute sowohl die regionale Ökologie als auch die Gesundheit mehrerer Generationen von Anwohner:innen. Das tragische Erbe des Atomtestgeländes Semipalatinsk, aber auch von Tschernobyl und Fukushima kommt der kasachstanischen Bevölkerung sofort in den Sinn. Aus diesem Grund organisierten Aktivist:innen im August Demonstrationen gegen den Bau des Kernkraftwerks, so das kasachstanische Nachrichtenportal <a href="https://vlast.kz/novosti/56337-obsestvenniki-vystupili-protiv-stroitelstva-aes-v-almatinskoj-oblasti.html">Vlast</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Erneuerbare Energien als Alternative?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz immer häufiger auftretender Energieengpässe plädieren einige Expert:innen nicht für die Atomkraft, sondern für erneuerbare Energien. Aset Nauryzbaev, ehemaliger Präsident von Kasachstans wichtigstem Stromnetzbetreiber KEGOC, <a href="https://liter.kz/borba-za-protiv-aes-kto-v-itoge-pobedit-1693914516/">glaubt</a>, dass es <em>„billiger und sicherer ist, den wachsenden Strombedarf aus erneuerbaren Energiequellen zu decken“.</em> Energie würde dadurch für die Bevölkerung günstiger werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ökonom Marat Abdurahmanov <a href="https://vlast.kz/novosti/56337-obsestvenniki-vystupili-protiv-stroitelstva-aes-v-almatinskoj-oblasti.html">ist der Meinung</a>, dass es wirtschaftlich vorteilhafter wäre, anstelle eines Atomkraftwerks Solaranlagen und Windkrafträder zu bauen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein vieldiskutiertes Thema</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Diskussionen über den Bau eines Kernkraftwerks am Balqash-See, das den experimentellen BN-350-Reaktor in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqtau">Aqtaý</a> ersetzen soll, werden schon seit einiger Zeit geführt. Dieser Prototyp eines Kernreaktors feierte letztes Jahr <a href="https://kz.kursiv.media/2022-09-22/promyshlennyj-reaktor-bn-350-v-aktau-nahoditsya-na-etape-vyvoda-iz-ekspluatacii/">sein 50-jähriges Jubiläum</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Inbetriebnahme des ersten Blocks war für 2005 geplant, wurde aber aufgrund des Misstrauens der Bevölkerung immer wieder verschoben. 2019, im Jahr seiner ersten Wahl zum Präsidenten, versicherte Qassym-Jomart Toqaev, dass der Bau eines Atomkraftwerks auf seiner Agenda stehe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/was-laeuft-falsch-mit-der-oekologie-in-kasachstan/">Was läuft falsch mit der Ökologie in Kasachstan?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Chancen stehen gut, dass in diesem Jahr offiziell mit dem Bau des ersten Kernkraftwerks begonnen wird. In einem Kommentar auf <a href="https://vlast.kz/opinions/56424-proizvodstvo-soglasia.html">Vlast</a> erklärt Dmitri Mazorenko, dass die Regierung ihre Kommunikation rund um das Referendum und die Vorteile der Kernenergie intensiviert. Influencer:innen würden sogar dazu gedrängt, Inhalte im Internet zu verbreiten, um die Notwendigkeit eines Kernkraftwerks zu untermauern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kosten für den Bau des Atomkraftwerks würden sich auf mindestens fünf Milliarden US-Dollar belaufen, berichtet das kasachstanische Nachrichtenportal <a href="https://kz.kursiv.media/2023-07-21/zhnb-rosatomkazatompromnuclearstation/">Kursiv</a>. Die endgültige Summe werde aber erst bekannt gegeben, wenn klar ist, wer den Zuschlag bekommt. Als Favorit gilt der russische Konzern Rosatom. Ein zweites Atomkraftwerk könnte übrigens in der Nähe von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurtschatow_(Kasachstan)">Kurchatov</a>, einer Stadt im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Abai_(Gebiet)">Gebiet Abaı</a> im Nordosten des Landes, gebaut werden. Dies gab ein Vertreter des Energieministeriums während einer Informationsveranstaltung im Jahr 2022 bekannt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lou Desmoutiers, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/decryptage/kazakhstan-construction-centrale-nucleaire-soumise-au-referendum/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Ein Atomkraftwerk im Wüstensand?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Apr 2022 16:14:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ende Dezember 2021 wurde bekannt gegeben, dass Kasachstans Beh&#xF6;rden entschieden haben, wo das geplante Atomkraftwerk gebaut werden soll. Die Wahl fiel auf die Siedlung &#xDA;lken am Ufer des Balqash-Sees. Viele offene Fragen bleiben aber bestehen. Der folgende Artikel erschien am 26. Januar 2022 auf Living Asia. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Die [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ende Dezember 2021 wurde bekannt gegeben, dass Kasachstans Behörden entschieden haben, wo das geplante Atomkraftwerk gebaut werden soll. Die Wahl fiel auf die Siedlung Úlken am Ufer des Balqash-Sees. Viele offene Fragen bleiben aber bestehen. Der folgende Artikel erschien am 26. Januar 2022 auf </strong><a href="https://livingasia.online/2022/01/26/atomnaya-stancziya/"><strong>Living Asia</strong></a><strong>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. </strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gründe für die Entscheidung sind hinreichend bekannt. Es sind die Nähe des Atomkraftwerks (AKW) zur demografisch und wirtschaftlich gesättigten Region des Landes, das heißt zu zahlreichen Stromverbraucher:innen, sowie die Verfügbarkeit von Wasserressourcen, die für den Betrieb des Kernkraftwerks und dessen Kühlsystems erforderlich sind. Die Öffentlichkeit befürchtete sofort, dass das Atomkraftwerk eine Verschmutzung des einzigartigen Sees verursachen könnte. </p>


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<p class="wp-block-paragraph"> Eine Reihe von Expert:innen versuchte unmittelbar diese Befürchtungen zu zerstreuen und argumentierte, dass moderne Technologien zur Wasserkühlung von AKWs geschlossener Natur seien. Das Austreten radioaktiver Elemente außerhalb des Anlagenkreislaufs sei ausgeschlossen. Fairerweise sei darauf hingewiesen, dass dies bei einem stabilen Betriebszustand die wahrscheinlichste Option ist, obwohl das Problem natürlich zu ernst ist und einer weiteren Diskussion bedarf. Aber die Idee, am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash-See</a> ein AKW zu bauen, hat noch andere Aspekte. Einer davon ist der künftige Betrieb des Kraftwerks angesichts eines möglichen Absinkens des Wasserspiegels im See. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kann-sich-das-schicksal-des-aralsees-am-balqash-wiederholen/"><strong>Kann sich das Schicksal des Aralsees am Balqash wiederholen? </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Regime für die Nutzung der Wasserressourcen grenzüberschreitender Flüsse war schon immer ein schwieriges Thema in den Beziehungen zwischen Kasachstan und China. Kasachstanische Ökolog:innen haben dieses Problem seit Mitte der 1990er Jahre angesprochen, aber bis heute ist es nicht gelöst. Bereits 1998 schrieb die unabhängige Nachrichtenagentur Asia Press: <em>„Auf Seite des Nachbarn werden die Flüsse, die in China entspringen und dann nach Kasachstan fließen, mit chinesischer Rationalität und Größenordnung angegangen. Dies gilt vor allem für den </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ili_(Fluss)"><em>Ili</em></a><em>, der in den immer seichter werdenden Balqash-See mündet.“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Kaum Wasser aus China</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Der Fluss Ili entspringt in China und fließt dann von Süden her in den westlichen Teil des Balqash-Sees. Er macht etwa 80 Prozent des Zuflussmenge in den See aus. Etwa 44 Prozent des Einzugsgebiets liegen auf chinesischer Seite. Die Versandung des Balqash ist ein bekanntes Problem, über das viel geredet wird. Es muss aber betont werden, dass dies nicht erst gestern begonnen hat: Die Versandung begann mit der Errichtung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qapschaghai-Talsperre">Qapchaģaı-Stausees</a> im Jahr 1970, um dort den Betrieb eines Wasserkraftwerks sicherzustellen. Seitdem ist das Volumen des Sees um etwa zwei Kubikkilometer geschrumpft. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit den 2000er Jahren hat China jedoch zunehmend begonnen, den Rückgang der Wassermengen zu beeinflussen. Für China ist die Entwicklung der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Xinjiang</a> eine der Prioritäten der staatlichen Politik. Dies schließt auch das demografische Wachstum von Xinjiang ein und impliziert somit auch zwangsläufig die Schaffung neuer Arbeitsplätze und die Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entwicklung des Agrarsektors unter den natürlichen und klimatischen Bedingungen der Region erfordert viel Wasser. Dieses wird den Flüssen entnommen, die weiter nach Kasachstan fließen, insbesondere dem Ili und dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Irtysch">Irtysch</a>. Gleiches gilt für eine andere führende Industrie in der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang – die Ölförderung. Dadurch gelangt immer weniger Wasser in den Balqash-See. Pekings Aktivitäten und Pläne, die indirekt, aber stark auf die Zukunft des Balqash einwirken, bleiben weiterhin bestehen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-und-china-ringen-angesichts-des-klimawandels-um-wasser/"><strong>Kasachstan und China ringen angesichts des Klimawandels um Wasser </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere Herausforderung für den Balqash ist der Klimawandel. <em>„Das gesamte Wasser, das in den See gelangt, verdunstet. In dieser Hinsicht kann die erwartete weitere Erwärmung des Klimas zu einer anschließenden Abflachung führen“</em>, heißt es in dem von mehreren russischen Experten veröffentlichten Artikel <a href="https://ecogosfond.kz/wp-content/uploads/2021/01/CA.D.366-Transgranichnye-reki-Kazahstana-i-Kitaja.pdf">Grenzüberschreitende Flüsse Kasachstans und Chinas</a>. Die Autoren stellen auch fest, dass angesichts der Probleme mit dem Wasservolumen des Sees Kasachstan bereits 2007 China das Angebot unterbreitete, einen zehnjährigen Vorzugsvertrag für die Lieferung von Nahrungsmitteln im Austausch für die Aufrechterhaltung des Zuflussmenge in den Balqash-See abzuschließen. Peking stimmte aber nicht zu – eine charakteristische Reaktion. </p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Alles in allem lässt sich nicht leugnen, dass über den Balqash ökologische Bedrohungen schweben, die zu einer ernsthaften Abnahme des Wasservolumens und zur Änderung der Uferlinie führen können. Ist es möglich, die Situation zu ändern? Wirkliche Chancen sind noch nicht sichtbar. Dies führt zur zweiten Frage: Wieso plant man den Bau eines Atomkraftwerks unter solchen Bedingungen, wenn eines der Hauptargumente dafür mit dem Wasser des Sees zusammenhängt, das zum Kühlen der Reaktoren notwendig ist? Kein Wasser – kein Atomkraftwerk?
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Living Asia</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://livingasia.online/2022/01/26/atomnaya-stancziya/"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong> </p>



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