<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Umwelt &amp; Technologie Archives</title>
	<atom:link href="https://novastan.org/de/cat/umwelt-und-technologie/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://novastan.org/de/cat/umwelt-und-technologie/</link>
	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Mon, 26 Oct 2026 09:20:26 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.1.4</generator>

<image>
	<url>https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/cropped-Logo_2_2000-1700-300DPI-32x32.png</url>
	<title>Umwelt &amp; Technologie Archives</title>
	<link>https://novastan.org/de/cat/umwelt-und-technologie/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Zentralasiens Wälder unter Druck</title>
		<link>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/zentralasiens-waelder-unter-druck/</link>
					<comments>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/zentralasiens-waelder-unter-druck/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mathieu Lemoine]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Oct 2026 15:47:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://novastan.org/de/?p=45513</guid>

					<description><![CDATA[<p>Von den kiefernumrandeten Seen Kasachstans &#xFC;ber die Walnusshaine Kirgistans bis zu den Tugai-W&#xE4;ldern des Amudarja ist Zentralasien erheblich gr&#xFC;ner, als sein internationales Image vermuten l&#xE4;sst. Doch Br&#xE4;nde, Massentourismus und die bauliche Erschlie&#xDF;ung stellen auf die Probe, ob als Schutzgebiete ausgewiesene Areale diesen Schutz auch in der Praxis genie&#xDF;en. Im Sommer kann ein Funke gen&#xFC;gen: Er [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/zentralasiens-waelder-unter-druck/">Zentralasiens Wälder unter Druck</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Von den kiefernumrandeten Seen Kasachstans über die Walnusshaine Kirgistans bis zu den Tugai-Wäldern des Amudarja ist Zentralasien erheblich grüner, als sein internationales Image vermuten lässt. Doch Brände, Massentourismus und die bauliche Erschließung stellen auf die Probe, ob als Schutzgebiete ausgewiesene Areale diesen Schutz auch in der Praxis genießen.</strong></p>



<div class="flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe">
	<div class="container flex flex-col lg:flex-row justify-between">
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-3/5 pb-4">
			<h2 class="text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]">
								Unterstützt Novastan &#8211; das europäische Zentralasien-Magazin 
			</h2>
				Als vereinsgetragene, unabhängige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! 
						</div>
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-2/5 justify-items-center justify-center pb-4">
			<div class="rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto">
											<a class="block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Novastan unterstützen</a>
							</div>
		</div>
	</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer kann ein Funke genügen: Er kann von einem unter den Bäumen glimmenden Lagerfeuer stammen, von einer am Straßenrand weggeworfenen Zigarette oder von Maschinen, die in trockenem Gras betrieben werden. Hitze, Wind und Vegetation erledigen den Rest. Für die Forstleute und Ranger:innen, die für Zentralasiens Schutzgebiete verantwortlich sind, ist das erste Warnzeichen oft nur ein dünner Rauchfaden, der hinter einem Bergkamm aufsteigt. Bis das Feuer vom nächsten Dorf aus zu sehen ist, erfordert die Anfahrt zur Brandstelle mitunter schon stundenlange Fahrten auf unwegsamen Strecken und das mit begrenzter Ausrüstung.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="648" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Traditional-tea-break.jpg" alt="" class="wp-image-45515" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Traditional-tea-break.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Traditional-tea-break-300x190.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Traditional-tea-break-768x486.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Traditionelles Frühstück in Arslanbob: hausgemachtes Brot, Marmelade, Honig, schwarzer Tee und Walnüsse. Credits: Novastan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Waldbrände haben den Schutz der Wälder weit über Zentralasien hinaus zu einem dringenden politischen Thema gemacht. Dennoch spielt die Region in internationalen Debatten kaum eine Rolle. Für viele Außenstehende bleibt Zentralasien eine Region geprägt von Steppen, Hochgebirgen und Wüsten: spektakulär, aber weitgehend baumlos. Dabei sieht die Wirklichkeit deutlich vielschichtiger aus.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="1024" height="650" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Pistachio-trees-1.jpg" alt="" class="wp-image-45516" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Pistachio-trees-1.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Pistachio-trees-1-767x487.jpg 767w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Pistachio-trees-1-300x190.jpg 300w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Pistazienbäume in Tadschikistan. Credits: Asia-Plus</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Fichtenwälder steigen die Hänge des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tian_Shan">Tian Shan</a> hinauf. Walnuss- und Wildobstbäume bedecken Teile des südlichen Kirgistans. Kiefern und Birken wachsen zwischen den Seen und Granitformationen Nordkasachstans. Wacholderwälder überleben in den Bergen Usbekistans und Tadschikistans. Entlang des Amudarja und anderer Flüsse bieten Fragmente von Tugai-Wäldern nach wie vor Hirschen, Wildschweinen und Zugvögeln Rückzugsort. In Turkmenistans Bergen und Wüsten wachsen Pistazien, Wacholder, Tamarisken und Saxaul. Diese Vegetationsformen sind an einige der extremsten Bedingungen Eurasiens angepasst.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img decoding="async" width="750" height="503" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Juniper-forests.jpg" alt="" class="wp-image-45517" style="width:750px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Juniper-forests.jpg 750w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Juniper-forests-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption class="wp-element-caption">Wacholderwälder. Credits: Novastan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Landschaften speichern Wasser, stabilisieren Böden, sichern den Lebensunterhalt der Landbevölkerung und bieten Wildtieren Schutz. Zugleich dienen sie immer mehr als Ziel für eine rasch wachsende Zahl von Besucher:innen. Das Ergebnis ist ein regionales Dilemma: Die Regierungen Zentralasiens weisen neue Schutzgebiete aus, erweitern bestehende Schutzgebiete, fördern den Ökotourismus und kündigen ehrgeizige Ziele zur Ökosystem-Wiederherstellung an. Gleichzeitig leiden Wälder und Parks unter steigenden Temperaturen, Bränden, Beweidung, Bautätigkeiten, Vermüllung und – in mehreren Ländern – unter unzureichenden Kapazitäten zur Durchsetzung von Schutzbestimmungen.Die wichtige Frage lautet daher nicht nur, wie viele Nationalparks Zentralasien hat. Sie lautet, wie wirksam sie geschützt sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mehr als Wüste und Steppe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zentralasiens Wälder sind nicht die zusammenhängenden gemäßigten Wälder, wie man sie andernorts findet. Viele Wälder sind fragmentiert, stark lokalisiert und an Gebirgs-, Fluss- oder Wüstenumgebungen angepasst. Ihre relative Seltenheit macht sie besonders wertvoll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Osten Kasachstans reicht der Nationalpark Katon-Karagay von Wald und Wiese bis zur alpinen Tundra im Altaigebirge. Sibirische Lärche, Tanne, Fichte, Birke und Zirbelkiefer bieten Lebensraum für Maralhirsche, Braunbären, Luchse, Steinböcke und den scheuen Schneeleoparden. Kasachstan beschreibt Katon-Karagay als seinen größten Nationalpark und eine seiner am intaktesten Schutzgebiete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter westlich tauchen die Kiefernwälder von Burabai und Bajanawul fast unerwartet aus der umgebenden Steppe auf. Ihre Seen und leicht zugänglichen Landschaften haben sie zu beliebten Touristenzielen gemacht, aber diese Zugänglichkeit bringt auch Nachteile mit sich: mehr Fahrzeuge, mehr illegale Campingplätze, mehr Müll und eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass menschliche Aktivitäten einen Brand auslösen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Burabay-National-Park-in-Kazakhstan.jpeg" alt="" class="wp-image-45518" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Burabay-National-Park-in-Kazakhstan.jpeg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Burabay-National-Park-in-Kazakhstan-300x225.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Burabay-National-Park-in-Kazakhstan-768x576.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Burabaı-Nationalpark in Kasachstan. Credits: Novastan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Walnuss- und Obstwälder rund um das kirgisische Arslanbob zählen zu den prägendsten Kulturlandschaften der Region. Walnussbäume wachsen hier neben Wildapfel, Birne, Pflaume und Weißdorn. Für viele einheimische Familien sichert die Ernte von Nüssen und Früchten seit jeher den Lebensunterhalt, daher muss Naturschutz immer auch Fragen des Zugangs, des Einkommens und der Rechte der lokalen Bevölkerung berücksichtigen. Obwohl Wälder nur einen kleinen Teil Kirgistans ausmachen, sind sie ein zentrales ökologisches und wirtschaftliches Gut.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Arslanbob-village-in-the-morning.jpg" alt="" class="wp-image-45519" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Arslanbob-village-in-the-morning.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Arslanbob-village-in-the-morning-300x200-1.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Arslanbob-village-in-the-morning-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Arslanbob am Morgen. Credits: Irina Unruh, Novastan.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In den höheren Lagen des Tian Shan, die von Schrenk-Fichten- und Wacholderwäldern geprägt sind, liegen Nationalparks wie Ala-Artscha, Tschong-Kemin und Besch-Tasch. Fotofallen in Besch-Tasch zeichneten 2025 Schneeleoparden, Argali-Schafe, Sibirische Steinböcke, Wölfe und Füchse auf. Dies ist eine Erinnerung daran, dass Schutzgebiete auch Lebensräume und nicht bloß malerische Kulissen für Besucher sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Usbekistans Gebirgsparks schützen Wacholderwälder, Wildobstarten und Lebensräume, die von Bären, Steinböcken, Luchsen, Geiern und anderen Greifvögeln genutzt werden. Im Westen stellt der neu geschaffene Nationalnaturpark <a href="https://gov.uz/en/eco/news/view/49436">Aralkum </a>ein ganz anderes Experiment dar: den Schutz von Leben, das im und um das ehemalige Bett des Aralsees entsteht. Usbekische Behörden berichten, dass der Park 25 Tierarten beherbergt, darunter vier, die auf der nationalen Roten Liste geführt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ausgetrockneter-aralsee-von-der-wueste-zum-wald/"><strong>Ausgetrockneter Aralsee: Von der Wüste zum Wald</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tadschikistans Wälder bedecken nur einen kleinen Teil des Landes, aber ihre ökologische Funktion steht in keinem Verhältnis zu ihrer Fläche. Wacholder, Pistazie, Mandel und weitere Ufervegetation helfen, Gebirgsböden zusammenzuhalten und den Wasserhaushalt zu regulieren. Unser Medienpartner “<a href="https://asiaplus.news/2024/04/26/lesa-v-tadzhikistane-rubim-suk-na-kotorom-sidim/">Asia-Plus</a>” berichtet, dass die Waldbedeckung etwa drei Prozent des Territoriums Tadschikistans beträgt und dass die einst ausgedehnten Tugai-Wälder des Landes unter landwirtschaftlichem Druck dramatisch geschrumpft sind.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="496" height="330" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Tugai-forest-in-Tajikistan.jpeg" alt="" class="wp-image-45520" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Tugai-forest-in-Tajikistan.jpeg 496w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Tugai-forest-in-Tajikistan-300x200-1.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 496px) 100vw, 496px" /><figcaption class="wp-element-caption">Tugai-Wälder in Tadschikistan. Credits: Asia-Plus</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Turkmenistan verlässt sich weniger auf die Bezeichnung „Nationalpark“ als seine Nachbarn. Sein Naturschutzsystem ist weitgehend um staatliche Reservate herum organisiert, darunter Badhys, Köýtendag, Repetek, Kaplankyr und Synt-Hasardag. Diese schützen Ökosysteme, die von Pistazienwäldern und Gebirgslebensräumen bis hin zu Saxaul-Wüsten reichen, zusammen mit Arten wie Kulan, Kropfgazelle, Steppenschafe und Schraubenziege. In ihrer Gesamtheit zeigen diese Landschaften, dass Zentralasien alles andere als eine baumlose, monotone Weite ist.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Karakum-Desert.jpg" alt="" class="wp-image-45521" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Karakum-Desert.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Karakum-Desert-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Karakum-Desert-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Karakum-Wüste. Credits: Mathieu Lemoine.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Wie viele Parks hat Zentralasien? </h2>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="774" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/novastan_protected_areas_wordpress-1024x774-1.jpg" alt="" class="wp-image-45522" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/novastan_protected_areas_wordpress-1024x774-1.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/novastan_protected_areas_wordpress-1024x774-1-767x580.jpg 767w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/novastan_protected_areas_wordpress-1024x774-1-300x227.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schutzgebiete in Zentralasien. Credits: Novastan. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die einfache Antwort lautet, dass keine regionale Zahl vollkommen verlässlich ist. Kasachstan weist konsequent 14 staatliche Nationalnaturparks aus. In Kirgistan variieren die veröffentlichten Gesamtzahlen jedoch, je nachdem, ob die Quellen nur Parks zählen, die von der Hauptverwaltung für Schutzgebiete verwaltet werden, oder zusätzliche Gebiete unter anderen Regelungen einbeziehen. Usbekistan unterscheidet zwischen Nationalparks, Nationalnaturparks, Naturparks und anderen Schutzkategorien. Während Tadschikistan verschiedene Kategorien von Parks und Reservaten verwendet, konzentriert sich Turkmenistans System auf staatliche Naturreservate und Schutzgebiete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine regionale Gesamtzahl greift daher zu kurz, solange die rechtlichen Schutzkategorien nicht harmonieren. Das ist keine reine Formsache: Es zeigt, wie Regierungen ein Wachstum der Schutzflächen melden können, ohne klarzustellen, was vor Ort erlaubt ist. Ein Reservat mit strengen Regeln kann menschliche Aktivitäten erheblich einschränken, während ein National- oder Naturpark Zonen für Tourismus, Straßen, Beweidung oder andere Nutzungsformen enthalten kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-ein-ambitioniertes-forschungsprojekt-zu-wachholderwaeldern/"><strong>Tadschikistan: Ein ambitioniertes Forschungsprojekt zu Wachholderwäldern</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle fünf Länder verfügen über Rahmengesetze für besonders geschützte Naturgebiete. Kasachstans Gesetz stammt aus dem Jahr 2006, Kirgistans aus dem Jahr 2011, Usbekistans aus dem Jahr 2004, Tadschikistans aus dem Jahr 2011 und der Turkmenistans aus dem Jahr 2012. Diese Gesetze gelten jedoch neben weiteren Gesetzen, Bestimmungen und Einzelentscheidungen zur Einrichtung oder Umzonung bestimmter Parks.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die rechtliche Ausweisung ist daher erst der Anfang. Die praktischen Fragen sind aufschlussreicher: Kann innerhalb des Parks ein Hotel gebaut werden? Kann dort Vieh weiden? Wie viele Ranger:innen patrouillieren dort? Wer greift ein, wenn es brennt? Können seine Grenzen verändert werden, um Erschließungen zu ermöglichen?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn Ökotourismus zu Massentourismus wird</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan veranschaulicht diesen Widerspruch besonders deutlich. Seine Nationalparks sind zu einem zentralen Bestandteil der inländischen Tourismusstrategie des Landes geworden. Neue Straßen, Besucherzentren, Unterkünfte und markierte Routen können die Natur zugänglicher machen und Einkommen für abgelegene Regionen generieren. Doch steigende Besucherzahlen erzeugen auch Müll, Bodenerosion, Verkehr und Brandgefahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Forschung und regionale Berichterstattung haben bereits Bedenken hinsichtlich der Schädigung von Vegetation und Böden entlang stark genutzter Routen geäußert. <a href="https://www.undp.org/kazakhstan/press-releases/kazakhstan-adopts-biodiversity-conservation-concept-2026-2035">Kasachstan entwickelt derzeit einen neuen Biodiversitätsrahmen für 2026–2035</a>, unter dem die Gesamtfläche der besonders geschützten Naturgebiete voraussichtlich von rund 31 Millionen auf 33,2 Millionen Hektar steigen soll. Die Erweiterung ist bedeutend. Doch das Hinzufügen von Hektar löst für sich genommen weder die Überlastung in den leicht zugänglichen Parks, noch garantiert es, dass Tourismuseinnahmen wieder in den Naturschutz investiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kirgistan steht vor einem ähnlichen Spannungsverhältnis. Mehr als 250.000 Menschen besuchten im Jahr 2025 die Schutzgebiete des Landes und erwirtschafteten Einnahmen von 38 Millionen Som (386,578.91 Euro). Gegenüber “<a href="https://24.kg/obschestvo/373849_kapsula_vremeni_ili_dohodnoe_mesto_kak_zaschitit_zapovedniki_kyirgyizstana_/">24.kg</a>” warnten Umweltexperten, dass Straßen und Infrastruktur zunehmend in unberührte Wälder vordringen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="992" height="660" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Volunteer-rangers.jpeg" alt="" class="wp-image-45523" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Volunteer-rangers.jpeg 992w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Volunteer-rangers-300x200-1.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Volunteer-rangers-767x510.jpeg 767w" sizes="auto, (max-width: 992px) 100vw, 992px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ehrenamtliche Ranger. Credits: UNEP.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dies wirft eine unangenehme Frage auf: Wenn eine geschützte Landschaft als Reiseziel wirtschaftlich wertvoll wird, welche Institution ist dann stark genug, um weitere Bauten zu verhindern? Tourismus muss dem Naturschutz nicht widersprechen: Besuchergebühren finanzieren Ranger:innen, Pfadpflege, Müllentsorgung und Umweltmonitoring. Gastronomie und Unterkünfte sichern der Bevölkerung ein Einkommen durch gelebten Naturschutz. Doch dafür braucht es klare Grenzen, die sich an der ökologischen Tragfähigkeit ausrichten und nicht an der Annahme, dass mehr Touristen auch mehr Erfolg bedeuten. Ein Park kann wirtschaftlich florieren und gleichzeitig als Schutzgebiet scheitern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neue Parks, alte Kapazitätsprobleme</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Usbekistan bewegt sich zügig in die entgegengesetzte Richtung: Anstatt sich nur mit der Überlastung etablierter Reiseziele auseinanderzusetzen, erweitert es sein Schutzgebietssystem erheblich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://gov.uz/en/eco/news/view/148822">Am 25. März 2026 schuf die Regierung die Nationalnaturparks Ovjazsoy-Moviy Toglar, Pskem und Fergana</a> mit einer Gesamtfläche von 188.800 Hektar. Zudem erweiterte sie den Nationalnaturpark Pop von 10.000 auf 135.300 Hektar. Die Erweiterung folgt auf frühere Entscheidungen zur Vergrößerung der Reservate Nurata und Surkhan sowie des Nationalnaturparks Zarafshan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese <a href="https://gov.uz/en/eco/news/view/39861">Maßnahmen </a>könnten wichtige Gebirgs-, Wald- und Flussökosysteme schützen, bevor Straßen, Siedlungen oder intensiver Tourismus diese weiter fragmentieren. <a href="https://www.undp.org/uzbekistan/projects/integrated-conservation-management-and-restoration-high-value-landscapes-uzbekistan">Usbekistan arbeitet außerdem mit dem Entwicklungsprogramm der Verneinten Nationen (UNDP)</a> und der Globalen Umweltfazilität (GEF) an der Renaturierung im westlichen Tien Shan, im Nuratau-Gebirge und im Kugitang. Das Programm zielt darauf ab, die Bewirtschaftung von 1,3 Millionen Hektar Wald und Weideland zu verbessern. Doch das rasche Flächenwachstum bringt eigene Herausforderungen mit sich: Neue Parks benötigen nicht nur geschultes Personal, Fahrzeuge und Löschgerät, sondern auch verlässliche Budgets. Hinzu kommen aufwändige Aufgaben wie Artenerfassungen, Zonierungspläne und die Einbindung der Gemeinden vor Ort. Ohne all das existiert ein Park zwar rechtlich auf dem Papier, aber in der Praxis kaum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Unterscheidung zwischen dem Pflanzen von Bäumen und der Renaturierung ist ebenso wichtig. Eine Plantage kann einen offiziellen Waldindikator erhöhen, allerdings bietet sie weniger biologische Vielfalt als sich natürlich regenerierender heimischer Wald. Saxaul, der zur Stabilisierung freiliegender Böden gepflanzt wird, verfolgt einen anderen Zweck als die Renaturierung durch Wacholderwald, Walnusshainen oder Ufer-Tugai. Die zentrale Frage ist nicht, ob das Pflanzen von Bäumen wertvoll ist. Sie lautet, welche Art von Landschaft geschaffen wird, für wen und für wie lange.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn der Wald brennt: Schutz auf dem Prüfstand</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Waldbrände sind vielleicht der deutlichste Test dafür, ob ein Schutzgebiet über das Papier hinaus funktioniert. In Tadschikistan <a href="https://asiaplus.news/2025/12/12/lesa-uhodyat-i-prirodnye-katastrofy-v-tadzhikistane-stanovyatsya-blizhe/">waren im Jahr 2025 Berichten zufolge mehr als 430 Hektar Wald in neun Regionen von Bränden betroffen</a>. Extreme Hitze und menschliche Unachtsamkeit wurden als Ursachen identifiziert. Für ein stark bewaldetes Land mag diese Fläche gering erscheinen. In Tadschikistan, wo Waldflächen rar sind und oft gefährdete Gebirgsböden schützen, kann jeder verbrannte Hektar weitreichende Folgen haben. Der Verlust der Vegetation kann die Erosion beschleunigen, Weideland schädigen, die Wasserspeicherung verringern und nahe gelegene Siedlungen, Erdrutschen und Überschwemmungen aussetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der gesamten Region erschwert die Abgelegenheit die Brandbekämpfung. Wo schlechte Straßen oder unwegsames Bergland den Zugang versperren, erreicht Löschgerät die geschützten Wälder oft gar nicht oder erst viel zu spät. Gleichzeitig stehen die Ranger:innen vor einer kaum zu bewältigenden Aufgabenfülle: Über riesige Flächen hinweg sollen sie Touristen beaufsichtigen, Wilderei verhindern, den Dialog mit den Gemeinden vor Ort halten und im Notfall Brände bekämpfen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Nuratau-mountains-Uzbekistan.jpg" alt="" class="wp-image-45524" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Nuratau-mountains-Uzbekistan.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Nuratau-mountains-Uzbekistan-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/Nuratau-mountains-Uzbekistan-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Nuratau-Gebirge, Usbekistan. Credits: Mathieu Lemoine.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Technologie kann die Früherkennung durch Kameras, Satellitenüberwachung, Drohnen und automatisierte Warnungen verbessern. Ein Alarm hilft jedoch nur dann, wenn jemand über die Ausrüstung, das Personal und den Zugang verfügt, die erforderlich sind, um darauf zu reagieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich verringert der Klimawandel den Spielraum für Fehler weiter. Zentralasien erlebt bereits Landdegradierung, Wasserknappheit und Belastungen für die Ökosysteme. Eine heißere und trockenere Landschaft verwandelt eine gewöhnliche Nachlässigkeit in ein potenziell verheerendes Ereignis.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wer unterstützt den Naturschutz? </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die zentralasiatischen Staaten bewältigen diesen Druck nicht allein. Die <a href="https://www.worldbank.org/en/topic/environment/brief/climate-and-environment-program-in-central-asia">RESILAND-Initiative</a> der Weltbank unterstützt die Renaturierung und die Klimaresilienz in der gesamten Region. Sie fördert auch grenzüberschreitende Schutzgebiete und ökologische Korridore, denn Wassereinzugsgebiete und Wildtiere halten sich nicht an menschengemachte Grenzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Tadschikistan <a href="https://www.worldbank.org/en/news/press-release/2022/02/25/tajikistan-to-protect-its-natural-resources-and-increase-climate-resilience-with-world-bank-support">unterstützt die Weltbank mit 45 Millionen US-Dollar</a> Renaturierung, nachhaltige Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen und Klimaresilienz. In Usbekistan hat die Weltbank ein wesentlich größeres Programm zur Wiederherstellung von Wäldern und degradierten Flächen unterstützt. Regionale und nationale Projekte werden zudem über die Globale Umweltfazilität (GEF) finanziert und vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), der Welternährungsorganisation (FAO) und Regierungsbehörden umgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://iucn.org/our-work/region/eastern-europe-and-central-asia/our-work/iucn-central-asia">Die Weltnaturschutzunion (IUCN)</a> arbeitet mit Mitgliedern und staatlichen Partnern in allen fünf zentralasiatischen Ländern zusammen und konzentriert sich dabei auf Biodiversität, Schutzgebiete und Naturschutzpolitik. Die UNESCO unterstützt Naturwelterbestätten und Biosphärenreservate, während der Critical Ecosystem Partnership Fund Unterstützung an Organisationen der Zivilgesellschaft im Biodiversitäts-Hotspot der Berge Zentralasiens geleitet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im April 2026 unterzeichneten die fünf zentralasiatischen Länder in Astana eine <a href="https://www.undp.org/kazakhstan/press-releases/central-asian-countries-sign-regional-declaration-biodiversity-conservation-regional-environmental-summit-res">regionale Erklärung zur Erhaltung der biologischen Vielfalt</a>. Die Erklärung ist politisch wichtig, aber ihr Wert wird letztlich in weniger feierlichen Rahmen gemessen werden: in einer Rangerstation mit funktionierender Ausrüstung, in einem Wald, in dem illegale Abholzung aufgehört hat, in einem Tourismusprojekt, das aus einem anfälligen Lebensraum verlegt wurde, oder in einem Dorf, dem eine bedeutungsvolle Rolle bei der Verwaltung des angrenzenden Areals eingeräumt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Internationale Projekte können Geld, Fachwissen und Technologie bereitstellen. Ihr nachhaltiger Beitrag hängt davon ab, ob sie Institutionen aufbauen, die auch nach Ablauf eines Projektzyklus weiter funktionieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest</strong> <strong>auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/gipfel-in-astana-zu-umweltproblemen-in-zentralasien/"><strong>Gipfel in Astana zu Umweltproblemen in Zentralasien</strong></a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Echter Schutz braucht die Menschen vor Ort als Partner, nicht als Gegenspieler. </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wälder sind selten menschenleere Räume. Die Bevölkerung sammelt Walnüsse, Früchte und Heilpflanzen, lässt Vieh weiden, arbeitet im Tourismus oder heizt ihr Zuhause mit Holz. Wird den Menschen der Zugang verwehrt, ohne Alternativen zu bieten, wird der Naturschutz schnell zum Konfliktstoff. Eine uneingeschränkte Nutzung wiederum riskiert, ebenjene Ökosysteme zu zerstören, von denen diese Lebensgrundlagen abhängen. Die soziale Dimension der zentralasiatischen Schutzgebiete ist deshalb mindestens ebenso wichtig wie ihr rechtlicher Status.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Familie, die im Süden Kirgistans Walnüsse sammelt, Reiseführer:innen, die Besucher:innen durch den Tian Shan führen, und Ranger:innen, die nach Rauch Ausschau halten, mögen unterschiedliche unmittelbare Interessen haben. Doch alle hängen davon ab, dass der Wald überlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wirksamer Naturschutz erfordert, dass die Gemeinschaften spürbare Vorteile erhalten, an Entscheidungen beteiligt werden und verstehen, warum manche Nutzungen eingeschränkt werden müssen. Er erfordert auch, dass Regierungen Projekten widerstehen, die schnelle Tourismuseinnahmen auf Kosten der langfristigen ökologischen Stabilität versprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kirgistan-hat-die-absicht-in-einem-unesco-naturschutzgebiet-gold-abzubauen-und-ein-wasserkraftwerk-zu-errichten/"><strong>Kirgistan plant Goldabbau in einem Naturschutzgebiet</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zentralasien schafft mehr Parks, renaturiert und räumt der Biodiversität einen höheren Stellenwert auf seiner regionalen Agenda ein. Das sind reale Entwicklungen. Jedoch werden erst die kommenden Jahre zeigen, ob die Region widerstandsfähige Ökosysteme aufbaut oder lediglich neue Schutzgebiete auf dem Papier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Rauch über einem Wald aufsteigt, lässt sich dieser Unterschied nicht mehr ignorieren. Eine auf einer Karte gezogene Grenze kann keinen Brand stoppen. Ein Gesetz kann keine Patrouille auf einem Bergpfad ersetzen. Eine Erklärung kann keinen Müll beseitigen, keine illegale Abholzung verhindern oder eine:n Investor:in davon überzeugen, andernorts zu bauen. Dafür braucht ein Schutzgebiet Menschen, Ressourcen und die politische Autorität, tatsächlich geschützt zu bleiben.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Mathieu Lemoine für Novastan</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Aus dem <a href="https://novastan.org/en/environment/central-asia-forests-under-pressure/">Englischen</a> von Elisa Berste</p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/zentralasiens-waelder-unter-druck/">Zentralasiens Wälder unter Druck</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/zentralasiens-waelder-unter-druck/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Meine Kindheit verbrachte ich am Ufer eines Meeres, das nicht mehr existiert“</title>
		<link>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/meine-kindheit-verbrachte-ich-am-ufer-eines-meeres-das-nicht-mehr-existiert/</link>
					<comments>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/meine-kindheit-verbrachte-ich-am-ufer-eines-meeres-das-nicht-mehr-existiert/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mathieu Lemoine]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Oct 2026 14:47:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aralsee]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Karakalpakistan]]></category>
		<category><![CDATA[Karakalpakstan]]></category>
		<category><![CDATA[Moynaq]]></category>
		<category><![CDATA[Moynoq]]></category>
		<category><![CDATA[Muynak]]></category>
		<category><![CDATA[Sawitzki]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://novastan.org/de/?p=45431</guid>

					<description><![CDATA[<p>Novastan sprach mit dem Arch&#xE4;ologen und Museumsspezialisten Oktyabr Dospanov &#xFC;ber die verlorene Welt von Moynaq, die Erinnerung an den Aralsee und das kulturelle Erbe Karakalpakstans. Der Gro&#xDF;teil der Welt verbindet Moynaq mit einem einzigen Bild: rostende Schiffe, die in einer W&#xFC;ste gestrandet sind. F&#xFC;r Oktyabr Dospanov hingegen war die Stadt einst eine Insel, ein gesch&#xE4;ftiger [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/meine-kindheit-verbrachte-ich-am-ufer-eines-meeres-das-nicht-mehr-existiert/">„Meine Kindheit verbrachte ich am Ufer eines Meeres, das nicht mehr existiert“</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Novastan sprach mit dem Archäologen und Museumsspezialisten Oktyabr Dospanov über die verlorene Welt von Moynaq, die Erinnerung an den Aralsee und das kulturelle Erbe Karakalpakstans.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Großteil der Welt verbindet <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mo%CA%BBynoq">Moynaq</a> mit einem einzigen Bild: rostende Schiffe, die in einer Wüste gestrandet sind. Für Oktyabr Dospanov hingegen war die Stadt einst eine Insel, ein geschäftiger Hafen und Schauplatz einer Kindheit voller Schiffsglocken, Möwen, Musik und dem Geruch von frisch gefangenem Fisch. In diesem Interview erinnert sich der karakalpakische Archäologe an die Welt, die mit dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aralsee">Aralsee</a> verschwand. Er erläutert, warum die Kulturgeschichte der Region weit über die ökologische Katastrophe hinausreicht, und reflektiert darüber, was für künftige Generationen bewahrt werden sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte des Aralsees wird meist anhand von Statistiken erzählt: sinkende Wasserspiegel, steigender Salzgehalt, verlassene Häfen sowie Millionen Tonnen Salz und Staub, die vom freigelegten Meeresboden aufgewirbelt werden. Diese Zahlen beschreiben zwar das Ausmaß der Katastrophe, können jedoch nicht vollends vermitteln, was der Verlust eines „Meeres“ [<em>im Russischen wie im Englischen spricht man vom „Aralmeer“, Anm. d. Ü.</em>] bedeutet, welches Wirtschaft, Kultur und den Lebensrhythmus einer ganzen Region geprägt hatte.</p>



<div class="flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe">
	<div class="container flex flex-col lg:flex-row justify-between">
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-3/5 pb-4">
			<h2 class="text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]">
								Unterstützt Novastan &#8211; das europäische Zentralasien-Magazin 
			</h2>
				Als vereinsgetragene, unabhängige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! 
						</div>
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-2/5 justify-items-center justify-center pb-4">
			<div class="rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto">
											<a class="block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Novastan unterstützen</a>
							</div>
		</div>
	</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Dospanov gehört zu der letzten Generation, die den Aralsee noch als alltägliche Realität und nicht als untergegangene Welt erlebt hat. Geboren in Moynaq, wurde er später Archäologe und Museumsfachmann. Sein beruflicher Werdegang begann 1979, als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Igor_Witaljewitsch_Sawizki">Igor Sawizki</a> ihn zur Teilnahme an einer Expedition nach <a href="https://novastan.org/de/bild-des-tages/janpiq-kala/?noredirect=de-DE">Janpiq-Qala</a> einlud – einer antiken choresmischen Siedlung. In der Folgezeit arbeitete er an dem Museum in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nukus">Nukus</a>, das heute <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nukus">Sawizkis Namen trägt</a>, und widmete sich jahrzehntelang der Archäologie, Ethnografie, Kunst und Umweltgeschichte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakalpakstan">Karakalpakstans</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Novastan: Sie sind in Moynaq aufgewachsen, als es noch eine lebendige Hafenstadt war. Was war das für ein Ort?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Oktyabr Dospanov</strong>: Ich verbrachte meine Kindheit in Moynaq, das damals eine echte Insel [<em>defacto eine Halbinsel, Anm. d. Red.</em>] im Aralsee war. Für mich ist es nicht einfach nur mein Geburtsort. Es war eine ganze Welt, erfüllt von Geräuschen, Gerüchen und dem Gefühl eines stetigen Lebens. Heute ist es schwer vorstellbar, dass Moynaq einst eines der größten Fischereizentren der Region war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Leben in der Stadt war untrennbar mit dem See verbunden. Es gab fünf große Fischereigenossenschaften, zwölf Fischannahmestellen und zwei Frachthäfen. Der eine befand sich direkt in Moynaq am Ufer, der andere etwa zwanzig Kilometer entfernt in Uchsay, auf der gegenüberliegenden Seite der Insel. Die Fischereiindustrie gab den Rhythmus der gesamten Stadt vor.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="809" height="540" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/189295959_4086529541408950_6602489640995920879_n.jpg" alt="" class="wp-image-45439" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/189295959_4086529541408950_6602489640995920879_n.jpg 809w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/189295959_4086529541408950_6602489640995920879_n-300x200-1.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/189295959_4086529541408950_6602489640995920879_n-767x512.jpg 767w" sizes="auto, (max-width: 809px) 100vw, 809px" /><figcaption class="wp-element-caption">Oktyabr Dospanov im Gespräch, Photo: Oktyabr Dospanov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Moynaq schien niemals zu schlafen. Selbst spät in der Nacht waren stets Menschen auf den Straßen unterwegs: die einen auf dem Weg zur Arbeit, die anderen auf dem Rückweg nach ihrer Schicht. Rund um die Uhr wurde gearbeitet. Noch heute höre ich die Schiffsglocken, das Knirschen der Hafenkräne und das Summen der Fischereifahrzeuge und Motoren. Diese Geräusche waren ein fester Bestandteil des Alltags.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stadt war zudem äußerst vielfältig. Ingenieur, Seeleute, Fischer, Lehrer, Ärzte, Wissenschaftler und Künstler kamen aus der gesamten Sowjetunion. Karakalpaken, Usbeken, Kasachen, Russen, Tataren, Koreaner, Ukrainer und viele andere lebten Seite an Seite. In den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mahalla_(Stadtviertel)">Mahallas</a> halfen sich die Nachbarn gegenseitig beim Hausbau, feierten gemeinsam Feiertage und unterstützten Familien in schwierigen Zeiten. Dieses Gemeinschaftsgefühl war einer der größten Reichtümer Moynaqs.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was ist Ihnen vom See selbst am lebhaftesten in Erinnerung geblieben?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für meine Generation war der Aralsee kein Symbol der Tragödie. Er war das Symbol einer glücklichen Kindheit, erfüllt vom Rauschen der Wellen und den Rufen der Möwen. Hunderte von Schiffen lagen an den Kais von Moynaq: Frachter, Fischereischoner, Tanker, Lastkähne und Schlepper. Der Hafen war Tag und Nacht in Betrieb. Es schien unmöglich, dass der See jemals verschwinden könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Küste war reich an Leben. Es gab Schilfgürtel, Seen und Feuchtgebiete sowie eine außergewöhnliche Vielzahl an Vögeln: Fasane, Wildenten, Flamingos, Pelikane und vor allem Möwen. Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Silberm%C3%B6we">Silbermöwen</a>, die von den Einheimischen liebevoll „Lachmöwen“ genannt wurde [<em>nicht zu verwechseln mit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lachm%C3%B6we">Lachmöwe</a>, die im Englischen wie im Russischen einen anderen Namen trägt, Anm. d. Ü.</em>], begleiteten uns von morgens bis abends. Die Fischer beobachteten sie, da sie den Standort von Fischschwärmen verraten konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/der-aralsee-heute-nur-kleinere-pfuetzen-ein-interview-mit-dem-oekologen-yusup-kamalov/">Der Aralsee heute: Nur „kleinere Pfützen“ – Ein Interview mit dem Ökologen Yusup Kamalov</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erinnere mich auch an die saubere, frische Luft. Das Meer hatte nicht diesen beißenden Salzgeruch, den man sich oft vorstellt. Ein ständiger Wind machte selbst die heißesten Sommertage erträglicher. Im Winter gefror das Meer, und die Kälte war streng. Wir schwammen, angelten und spielten Fußball am Ufer. Kinder aus vielen Teilen der Sowjetunion kamen in das nahegelegene Pionierlager, und an der Küste gab es Ferienhäuser, Sanatorien und touristische Einrichtungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was mir am eindrücklichsten in Erinnerung geblieben ist, ist keine Landschaft, sondern ein Geruch. Als ich fünf oder sechs Jahre alt war, nahmen mich mein Vater und sein Freund Ibadulla in einem kleinen Holzboot mit hinaus. Weit vom Ufer entfernt trafen wir auf einen großen Fischkutter unter dem Kommando eines Mannes namens Tajibay-aga. Er zeigte mir die Brücke, die Kabinen und den Maschinenraum. Der Laderaum war voller Fische. Ich zeigte auf den größten – einen riesigen Wels – und beharrte darauf, dass es ein Hai sei. Alle lachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir blieben fast zwei Tage lang auf dem Schiff. Ich sah, wie die Fischer arbeiteten und lebten. Im Maschinenraum roch es nach Diesel, Motoröl, Metall, Feuchtigkeit, frischem Fisch, Holzdecks und salzgetränkten Seilen. Es war ein beißender, aber warmer und lebendiger Geruch. Für mich war das der Geruch des echten Aralsees. Manchmal schließe ich die Augen und bin wieder dort; ich höre den Motor und das Schlagen der Wellen gegen den Schiffsrumpf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Moynaq besaß auch ein soziales und kulturelles Leben, das nur selten erwähnt wird. Wo trafen sich die jungen Leute?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Leben in Moynaq bestand nicht nur aus Arbeit. Es gab zwei Kinos. Das bekannteste war das „Sputnik“, nur wenige Schritte vom Ufer entfernt und direkt am Markt gelegen. Nach einer Abendvorstellung im Sommer spazierten die Menschen am Ufer entlang, lauschten den Wellen und blieben noch lange draußen, um sich zu unterhalten. Später, in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre, eröffnete in einem anderen Stadtteil das Kino „Berdaq“. Es war ein modernes Kulturzentrum für Filme, Konzerte und öffentliche Veranstaltungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/vom-pamir-an-den-aralsee-eine-reise-entlang-des-amudarjas/">Vom Pamir an den Aralsee: Eine Reise entlang des Amudarjas</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kulturzentrum der Fischkonservenfabrik war ein weiterer wichtiger Ort. Es verfügte über eine Bibliothek und bot Raum für Theateraufführungen, Laienvorführungen, Konzerte und Feiern. Besonders beliebt bei jungen Leuten waren die Tanzveranstaltungen am Wochenende. Viele Menschen lernten dort ihre zukünftigen Partner kennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab auch mehrere Cafés. Das bekannteste war das „Tolqyn“, was auf Karakalpakisch „Welle“ bedeutet. Es war nicht einfach nur ein Ort, um etwas zu essen oder Tee zu trinken. Familien feierten dort Geburtstage und Hochzeiten, Freunde trafen sich, Musik spielte, und die Menschen tauschten Neuigkeiten aus und schmiedeten Pläne.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="810" height="540" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/480201699_2360558810985893_8371741667668926954_n.jpg" alt="" class="wp-image-45438" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/480201699_2360558810985893_8371741667668926954_n.jpg 810w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/480201699_2360558810985893_8371741667668926954_n-300x200-1.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/480201699_2360558810985893_8371741667668926954_n-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 810px) 100vw, 810px" /><figcaption class="wp-element-caption">Abendliche Zusammenkunft in Karakalpakstan, Photo: Oktyabr Dospanov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Überall war Musik. An warmen Abenden versammelten sich junge Menschen spontan in Innenhöfen, auf Plätzen oder am Meer. Jemand brachte eine Gitarre, ein Akkordeon oder ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bajan">Bajan</a> mit, und man sang gemeinsam. Es gab weder Handys noch soziale Netzwerke. Die Menschen hörten einander zu und verbrachten lange Abende in Gesellschaft. Bei Hochzeiten und großen Familienfeiern trugen <a href="https://ich.unesco.org/en/RL/bakhshi-art-01706">Bachschi</a> – traditionelle Erzähler und Musiker – Epen und Legenden vor, begleitet von Instrumenten wie der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dotar">Dotar.</a> Uralte mündliche Überlieferung und moderne Jugendkultur existierten ganz selbstverständlich nebeneinander.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wann haben die Menschen begriffen, dass der Rückzug des Sees irreversibel war?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Prozess verlief schleichend. Die ersten alarmierenden Anzeichen wurden in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren sichtbar. Zunächst hoffte man, es handele sich um ein vorübergehendes Phänomen und der See würde zurückkehren. Vom Hafen aus wurde ein spezieller Kanal in Richtung des zurückweichenden Wassers gegraben, damit die Schiffe weiterhin fahren konnten. Doch das Wasser zog sich schneller zurück, als die Menschen sich anpassen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Fischer bemerkten die Veränderung zuerst. Ihr Fang wurden geringer. Weniger Schoner liefen aus. Schiffe, die zuvor ungehindert in den Hafen eingelaufen waren, begannen auf Grund zu laufen – umgeben von Sand und Salz, die vom freigelegten Seeboden herüberwehten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-aralsee-gestern-heute-morgen/">Der Aralsee: gestern, heute, morgen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erinnere mich daran, wie sich der Klang der Stadt veränderte. Moynaq hatte stets vom Lärm seines Hafens gelebt: Glocken, Kräne, Motoren, die Stimmen der Fischer, Metallseile und das Schlagen der Wellen an den Kaimauern. Dann kam die Stille. Sie stellte sich fast unmerklich ein, doch gerade diese Stille war das Erschreckendste. Wenn die Schiffe verstummen, wenn das Meer nicht mehr zu hören ist und der Hafen aufhört zu leben, begreift man, dass mehr als nur das Wasser verschwindet. Eine ganze Welt geht unter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Marinemaler Rafael Matevosyan, der sich mehr als ein halbes Jahrhundert dem Aralsee gewidmet hat, schilderte einen frühen Morgen, an dem er durch Stimmen und Weinen geweckt wurde. Am Ufer hatten sich Bewohner versammelt. Über Nacht war das Wasser um Dutzende von Metern zurückgewichen. Boote, die zuvor am Steg gelegen hatten, lagen nun auf trockenem Sand. Manche Menschen beteten, andere weinten, und wieder andere starrten einfach auf das zurückweichende Wasser. Matevosyan hielt diesen Moment später in einem Gemälde mit dem Titel „Das Meer ist fort“ fest.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="824" height="540" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/505473331_23864713776497233_6872395661084251408_n.jpg" alt="" class="wp-image-45437" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/505473331_23864713776497233_6872395661084251408_n.jpg 824w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/505473331_23864713776497233_6872395661084251408_n-300x197.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/505473331_23864713776497233_6872395661084251408_n-768x503.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 824px) 100vw, 824px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#8222;Fischerboote des Aralsees&#8220; von Rafael Matevosyan, Photo: Oktyabr Dospanov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die menschlichen Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Betriebe schlossen, die Fischerei ging zurück, und Familien verloren ihre Lebensgrundlage. Viele Menschen verließen Moynaq in Richtung anderer Städte oder Republiken. Die Stadt verlor nicht nur Arbeitsplätze und Einwohner, sondern auch den Glauben an ihre Zukunft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was ist mit dem See verschwunden – abgesehen von der Fischereiindustrie?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fischfang war nicht bloß eine Einnahmequelle. Er zählte zu den ältesten Formen des Wirtschaftslebens in der Aralsee-Region und hatte über Jahrhunderte hinweg die Identität der Menschen geprägt. Archäologische Ausgrabungen belegen, dass Fische auf Keramik, Bronzeobjekten, Wandmalereien und Haushaltsgegenständen dargestellt wurden. Auch auf Teppichen, in Stickereien, Schmuckstücken, Holzschnitzereien und Textilien waren sie zu finden. In dieser trockenen Region symbolisierten sie Wasser, Leben und Wohlstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für viele Familien wurden Fischerei und Fabrikarbeit von den Eltern an die Kinder weitergegeben. Die Arbeit in der Fischkonservenfabrik galt als angesehen. Die Menschen waren stolz darauf, dass ihre Arbeit für das ganze Land von Bedeutung war. Als das Meer verschwand, schwanden auch die über Generationen gewachsenen Traditionen: handwerkliche Techniken und praktisches Wissen, Rezepte, Lieder, Geschichten sowie der alltägliche Wortschatz des Lebens am Wasser.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="526" height="517" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/506183940_23864713433163934_3093454522683020016_n.jpg" alt="" class="wp-image-45436" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/506183940_23864713433163934_3093454522683020016_n.jpg 526w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/506183940_23864713433163934_3093454522683020016_n-300x295.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 526px) 100vw, 526px" /><figcaption class="wp-element-caption">Szene aus dem Fischerleben von Rafael Matevosyan, Photo: Oktyabr Dospanov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der psychologische Verlust wog ebenso schwer. Viele Menschen hatten das Gefühl, am Rande einer leblosen Wüste zurückgelassen worden zu sein – von der Welt verlassen und mit dem besten Teil ihres Lebens bereits hinter sich. Wenn sich ehemalige Einwohner heute treffen, fließen oft Tränen. Diese Tränen zeugen von der Freude über das Wiedersehen, aber auch von der Wehmut nach einer Welt, die sich nicht wiederherstellen lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb sind die Erinnerungen der letzten Zeitzeugen so wichtig. Es gibt noch Menschen, die sich an die Hafenkräne, das geschäftige Treiben am Ufer, den Geruch von frischem Fisch und den Horizont des offenen Wassers erinnern – doch ihre Zahl nimmt von Jahr zu Jahr ab. Ihre mündlichen Überlieferungen, Familienfotos, Lieder und persönlichen Gegenstände sind Teil des kulturellen Erbes der Region. Der Aralsee ist nicht bloß ein Umweltproblem. Er steht für das Schicksal von Millionen von Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mittlerweile kommen Touristen, um den Schiffsfriedhof zu fotografieren. Was sollten sie Ihrer Meinung nach über Moynaq wissen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich freue mich, dass sich die Menschen für unsere Region interessieren, doch ich möchte, dass sie mehr darin sehen als nur eine ungewöhnliche Touristenattraktion. Hinter jedem Schiff steht ein Menschenleben. Hinter jeder Fotografie verbergen sich Tausende von Familien, die die Welt verloren haben, die sie kannten. Jeder Meter des freigelegten Bodens birgt die Erinnerungen von Menschen, die von diesem Hafen aus in See stachen, Fische fingen, Häuser bauten, Kinder großzogen und glaubten, der See würde ewig bestehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besucher sollten versuchen, sich ein anderes Bild vorzustellen: eine Wasserfläche bis zum Horizont, in den Hafen zurückkehrende Fischerboote, Möwen über sich, lachende Kinder am Ufer und eine Stadt voller Leben. Erst dann können sie verstehen, was verloren gegangen ist.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/494176604_9790300181031829_5844646663248198990_n-1024x768-1.jpg" alt="" class="wp-image-45435" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/494176604_9790300181031829_5844646663248198990_n-1024x768-1.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/494176604_9790300181031829_5844646663248198990_n-1024x768-1-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/494176604_9790300181031829_5844646663248198990_n-1024x768-1-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Landschaft in Karakalpakstan, Photo: Oktyabr Dospanov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig sollte Karakalpakstan nicht auf die Katastrophe reduziert werden. Diese Region ist seit Jahrtausenden ein Schnittpunkt nomadischer und sesshafter Kulturen. Die Kunst der Aralsee-Region ist geprägt von Darstellungen von Tieren, Vögeln, Pflanzen, Wasser und Steppe. Ihre Teppiche, Textilien, Schmuckstücke, Stickereien, Holzschnitzereien und Jurten bewahren Symbole, die die Menschen mit der Natur verbinden. Moynaq war Teil einer weitaus umfassenderen Kulturlandschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ihre eigene Laufbahn begann mit der Archäologie. Wie hat Igor Sawizki Sie beeinflusst?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Weg in die Wissenschaft begann 1979, als ich Igor Witaljewitsch Sawizki kennenlernte. Er lud mich ein, an einer archäologischen Expedition nach Janpiq-Qala teilzunehmen – einer der bedeutenden Stätten des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Choresmien_in_der_Antike">antiken Choresmiens</a> am rechten Ufer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>. Diese Expedition wurde zu meiner Schule der Archäologie. Sie führte mir vor Augen, wie reichhaltig und zugleich unzureichend erforscht die Geschichte Karakalpakstans war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später lud Sawizki mich ein, im Museum von Nukus zu arbeiten. Er war nicht nur ein außergewöhnlicher Künstler, Sammler und Museumsgründer. Er lehrte eine ganze Generation, Kultur als ein zusammenhängendes Ganzes zu betrachten. Durch ihn begriff ich, dass Archäologie nicht bloß aus Ausgrabungen besteht. Sie ist ein Weg, die Menschen, ihre Weltsicht und ihre Beziehung zu Natur, Geschichte und Kunst zu verstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-enthusiast-der-wueste-wie-in-nukus-eine-der-bedeutendsten-avantgarde-sammlungen-entstand/">Der Enthusiast der Wüste – Wie in Nukus eine der bedeutendsten Avantgarde-Sammlungen entstand</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Karakalpakstan ist ein Freilichtmuseum. Es beherbergt Hunderte archäologischer Stätten, die von der Antike bis ins Spätmittelalter reichen. Das antike Choresmien lag am Schnittpunkt bedeutender eurasischer Handels- und Kulturrouten. Hier trafen nomadische und sesshafte Lebensweisen aufeinander, ergänzt durch Einflüsse aus dem Iran, dem Mittelmeerraum, der Steppe, den Turkreichen, der arabischen Welt und Zentralasien. Bewässerungssysteme, die spätestens im ersten Jahrtausend v. Chr. angelegt wurden, ermöglichten die Entstehung von Städten, Festungen, Palästen und Siedlungen inmitten der Wüstenlandschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die spirituelle Geschichte der Region ist ebenso vielschichtig. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus">Zoroastrische</a>, buddhistische, frühchristliche und islamische Traditionen haben Spuren in Monumenten, Ritualen, Ornamentik und Symbolik hinterlassen. Die Archäologie dokumentiert diese Prozesse in Bodenschichten und Fundstücken, während die mündliche Überlieferung sie in Bildern und Geschichten bewahrt. Beides ist notwendig.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="503" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/506308465_23864713526497258_7724157611480495853_n.jpg" alt="" class="wp-image-45434" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/506308465_23864713526497258_7724157611480495853_n.jpg 640w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/506308465_23864713526497258_7724157611480495853_n-300x236.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#8222;Fischerboote auf dem Aralsee&#8220; von Rafael Matevosyan, Photo: Oktyabr Dospanov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Sawizkis Bedeutung liegt auch in der Art und Weise, wie er das Museum aufbaute. Als er es 1966 gründete, schuf er neben der Kunstsammlung auch Abteilungen für Archäologie und Ethnografie. Er war ursprünglich im Rahmen der Archäologischen und Ethnografischen Choresmien-Expedition nach Karakalpakstan gekommen. Während seiner Feldforschung fertigte er Hunderte von Gemälden und Zeichnungen an, die archäologische Stätten, das Dorfleben, Pflanzen, Tiere sowie das wechselnde Licht der Region festhielten. Er interessierte sich für die kleinsten Details der traditionellen Kultur – sei es ein Keramikornament, eine Holzschnitzerei, ein Textilmuster oder eine Metallarbeit. In jedem dieser Elemente sah er eine Sprache, durch die ein Volk seine Weltsicht zum Ausdruck brachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Studie zur traditionellen Holzschnitzkunst der Karakalpaken ist für mich von besonderer Bedeutung. Er zeigte auf, wie die dekorative Kultur der Region aus der Begegnung zwischen sesshaften bäuerlichen Traditionen und der nomadischen Kultur der Steppe hervorging. Zugleich war ihm bewusst, dass viele russische Künstler der 1920er und 1930er Jahre durch Repressionen und ideologischen Druck aus dem öffentlichen Leben verdrängt worden waren. Er gab seine eigene künstlerische Laufbahn weitgehend auf, um deren Werke aufzuspüren, zu bewahren und zu sammeln. Aus diesem Engagement entstand eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen russischer Avantgarde-Kunst und Kunst der frühen Sowjetzeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er setzte sich ebenso engagiert für die aufstrebende karakalpakische Malschule ein. <a href="https://society.uz/news/detail/news/974">Qydyrbay Saipov</a>, seinerzeit der einzige professionell ausgebildete Künstler der Region, wurde zu seinem engen Freund und Verbündeten. Gemeinsam förderten sie jüngere Künstler, organisierten Ausstellungen und trugen dazu bei, ein künstlerisches Umfeld zu schaffen, in dem sich herausragende Talente entfalten konnten. Zu den Malern dieser Generation zählten <a href="https://society.uz/news/detail/news/980">Jollibay Izentaev</a>, Joldasbek Qutymuratov, Abdulla Erimbetov, <a href="https://society.uz/news/detail/news/979">Bazarbay Serekeev</a>, <a href="https://arthive.com/de/artists/43381~Aman_Gildeevich_Atabaev/biography">Aman Atabaev</a>, Murat Hudaybergenov, Daribay Tajimuratov und <a href="https://myopenmuseum.com/en/artist/amangeldy-utegenov-21456022">Amangeldy Utegenov</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine eindrücklichste Erinnerung an Sawizki stammt nach wie vor aus der Zeit der Expeditionen. Er war bescheiden und arbeitete außerordentlich hart. Er konnte Stunden damit verbringen, ein Keramikgefäß, ein Ornament oder ein Stofffragment zu untersuchen und dabei dessen Symbole sowie die zu seiner Herstellung angewandten Techniken zu erläutern. Jeder Fund und jede Begegnung mit einem traditionellen Kunsthandwerker begeisterten ihn. Er erforschte Kultur nicht nur; er lebte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Landschaften oder historischen Orte offenbaren am besten die Tiefe Karakalpakstans?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ustjurt-Plateau">Ustjurt-Plateau</a> ist einzigartig. Seine Felsspalten, Steilwände und Schluchten sind imposant, doch die Landschaft birgt auch antike und mittelalterliche Grabhügel, Nekropolen, Karawansereien, Brunnen und Signaltürme. Sie zeugen von den Routen, die Ost und West durch eine äußerst unwirtliche Umgebung miteinander verbanden. Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saiga">Saiga-Antilope</a> ist ein Symbol des Ustjurt, und Darstellungen dieser Tiere finden sich in jahrtausendealter Felskunst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-koennen-die-bestaende-der-saiga-in-usbekistan-vor-dem-aussterben-bewahrt-werden/">Wie können die Bestände der Saiga in Usbekistan vor dem Aussterben bewahrt werden?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der ehemalige Boden des Arasees entwickelt sich zudem zu einer neuen, außergewöhnlichen Landschaft. Er zieht Ökologen, Geologen, Archäologen und Paläontologen an. Entlang der einstigen Uferlinien finden sich fossile Muscheln, Überreste von Meereslebewesen und – Berichten Einheimischer zufolge – sogar Zähne urzeitlicher Haie. Sie zeugen davon, dass die geologische Geschichte dieses Gebiets bis in Meere zurückreicht, die weit älter sind als der Aralsee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karakalpakstan ist daher weit mehr als der Ort einer Katastrophe. Es ist ein Ort, an dem sich die Geschichte der Erde und der menschlichen Zivilisation in ein und derselben Landschaft ablesen lassen. Natur- und Kulturerbe sind hier untrennbar miteinander verbunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kann sich die Region ökologisch erholen, und was hat sich durch die Pflanzung von Saxaul verändert?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der See austrocknete, verwandelte sich der freigelegte Boden in eine Salzwüste. Staub- und Salzstürme trugen Sand, Salz und chemische Rückstände über enorme Entfernungen hinweg. Die Anpflanzung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saxaul">Saxaul</a> und anderen Wüstensträuchern erwies sich als eine der wirksamsten Methoden zur Bodenstabilisierung. Nach jahrzehntelanger Arbeit bedeckt die Vegetation heute weite Teile des ehemaligen Seebodens. Dies verringert die Intensität der Staub- und Salzstürme und schafft Voraussetzungen für neue Ökosysteme. Auch einige Tier- und Vogelarten kehren zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ausgetrockneter-aralsee-von-der-wueste-zum-wald/">Ausgetrockneter Aralsee: Von der Wüste zum Wald</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das bedeutet nicht, dass die Krise gelöst ist. Sicheres Trinkwasser, ein effizientes Wassermanagement, öffentliche Gesundheit, Bildung, Verkehr und nachhaltige Beschäftigung bleiben von grundlegender Bedeutung. Der Klimawandel verschärft die Lage: Niederschlagsmuster ändern sich, das Abschmelzen der Gletscher im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)">Pamir</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tian_Shan">Tian-Shan</a> beeinflusst die Wasserführung von Amudarja und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Syrdarja">Syrdarja</a>. Die vollständige Wiederherstellung des Sees ist eine äußerst komplexe Herausforderung, die nicht von einem einzelnen Land allein bewältigt werden kann. Sie erfordert regionale Zusammenarbeit und einen rationalen Umgang mit der Ressource Wasser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wichtigste Lehre ist, dass wirtschaftliche Entwicklung nicht erneut auf der Annahme aufbauen darf, die Natur sei unerschöpflich. Jede neue Investition sollte menschenwürdige Arbeitsplätze vor Ort schaffen, einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser gewährleisten und hohe Umweltstandards erfüllen. Die Menschen, die hier leben, müssen direkt davon profitieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wessen Arbeiten sollte man lesen oder sehen, wenn man Karakalpakstan über die Aralsee-Katastrophe hinaus verstehen möchte?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst möchte ich <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berdaq">Berdaq</a> nennen, den bedeutenden karakalpakischen Dichter. Sein Werk wurde zu einem der geistigen Fundamente der nationalen Kultur. Es thematisiert die Geschichte des Volkes, moralische Werte, die Liebe zur Heimat sowie das Streben nach Gerechtigkeit und Freiheit. Nicht weniger bedeutend ist <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%81jiniyaz">Ajiniyaz</a>, einer der großen Dichter und Denker Zentralasiens, dessen Schaffen die Solidarität zwischen den Völkern, den Humanismus und die Achtung der Menschenwürde würdigte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Bereich der bildenden Kunst muss man natürlich auf Igor Sawizki und jene Künstler zurückkommen, deren Werk er bewahrt hat. Auch für das Gedenken an den Aralsee ist Rafael Matevosyan unverzichtbar. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang malte er dessen Wasser, die Boote, die Fischer und den Alltag. Immer wieder tauchen Möwen in seinem Werk auf. Nachdem der See weitgehend verschwunden war, pflegte er den freigelegten Boden zu besuchen und zu sagen: <em>„Ich glaube, meine Möwen werden zurückkehren.“</em> Diese Worte wurden später auf seinem Grabstein verewigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt zudem einen für mich persönlich sehr wichtigen Menschen, den ich nicht unerwähnt lassen möchte: meinen Onkel, den karakalpakischen Schriftsteller und Übersetzer <a href="https://www.poetica.uz/poets/shaniyaz-mambetmuratov">Shaniyaz Mambetmuratov</a>. Er starb im Alter von nur 43 Jahren, hinterließ jedoch bedeutende Spuren in der Literatur und Kultur Karakalpakstans. Im Mittelpunkt seines Schaffens stand der Aralsee – seine offenen Gewässer, der Amudarja, die Fischer, die Landschaft sowie das Leben, die Arbeit und die Hoffnungen der einfachen Menschen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="525" height="700" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/image_2026-07-17_17-20-20.png" alt="" class="wp-image-45433" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/image_2026-07-17_17-20-20.png 525w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/image_2026-07-17_17-20-20-225x300.png 225w" sizes="auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px" /><figcaption class="wp-element-caption">Shaniyaz Mambetmuratov (Bild bereitgestellt von Oktyabr Dospanov)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Er war außerordentlich belesen. Es schien, als gäbe es in der Stadtbibliothek von Moynaq kaum ein Buch, das er nicht aufgeschlagen hätte. Er übersetzte ausländische Autoren ins Karakalpakische, in der Hoffnung, den einheimischen Lesern die Weltliteratur nahezubringen und Außenstehenden zugleich den Reichtum seiner eigenen Kultur zu zeigen. In den 1960er und 1970er Jahren pflegte er zu sagen, dass eines Tages Europäer nach Moynaq und an den Aralsee kommen würden, um die Schönheit, die Geschichte und die Kultur dieser Region zu entdecken. Damals klang das beinahe unmöglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Teil seiner Werke wurde ins Deutsche übersetzt, und in Deutschland erschien eine Sammlung – auch wenn er deren Veröffentlichung selbst nicht mehr erlebte. In gewisser Weise hat sich seine Vorhersage bewahrheitet: Menschen aus aller Welt kommen hierher, nicht nur, um Zeuge einer ökologischen Katastrophe zu werden, sondern auch, um mehr über die Literatur, Kultur, Geschichte und die Bewohner Karakalpakstans zu erfahren. Solange seine Bücher gelesen werden, spricht seine Stimme weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dospanov teilte zwei Gedichte seines Onkels, die hier – eigens für Novastan – aus dem Karakalpakischen über das Russische übersetzt wurden.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Die Möwe, 1959</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>— Möwe, hoch am Himmel schwebend,</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Du scheinst eine Botin meiner Liebe zu sein.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Warum kreist du unruhig über mir</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Und rufst mich noch einmal ans Meeresufer?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>— Möwe, die du durch das Blau des Himmels ziehst,</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Warum erfüllst du mein Herz mit unruhigen Gedanken?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Hätte ich nicht die Wogen des Meeres liebkost –</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wäre der Frühling je an diese Gestade zurückgekehrt?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Das blaue Meer, 1958</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Verurteile mich nicht hart, wenn ich das Meer preise;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Blicke einfach zum blauen Saum der Erde.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wie ein festlicher Salut, der einen großen Sieg verkündet,</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>lacht das blaue Meer vor meinen Augen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dieses blaue Meer ist mein heimischer Aral;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Mit ganzer Seele atme ich seinen frischen Wind.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Und willst du wissen, was es so majestätisch macht,</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>So wisse: In ihm leben sowohl mein Schicksal als auch mein Leben.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit wem sonst sollten Journalisten sprechen, solange die Erinnerung an das alte Moynaq noch lebendig ist?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sollten bei den verbliebenen Vertretern der älteren Generation beginnen: ehemaligen Fischern, Schiffskapitänen, Arbeitern der Fischkonservenfabrik und Bewohnern der Küstensiedlungen. Sie erinnern sich an die Kräne, die Boote, die Fabrik, das geschäftige Treiben am Ufer, den frischen Fisch und den ununterbrochenen Horizont. Solche Erinnerungen lassen sich nicht aus offiziellen Archiven rekonstruieren, sobald die Zeitzeugen nicht mehr da sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenso wichtig ist es, Künstler, Musiker, traditionelle Kunsthandwerker und die Bewahrer mündlicher Überlieferungen zu Wort kommen zu lassen. Auch junge Ökologen, Archäologen, Museumsfachleute, Historiker und zivilgesellschaftliche Aktivisten sollten gehört werden, denn sie verbinden die Vergangenheit mit der Zukunft der Region. Zudem sollten Journalisten Lehrer, Landwirte, Ärzte, Studierende und Frauen, die Familien großziehen, nicht außer Acht lassen. Die wahre Geschichte Karakalpakstans setzt sich aus vielen gewöhnlichen Lebensgeschichten zusammen, nicht nur aus berühmten Namen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-vielen-gesichter-des-aralsees/">Die vielen Gesichter des Aralsees</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir gehören zu den letzten Zeitzeugen, die den Aralsee noch in seiner vollen Ausdehnung erlebt haben. Daraus erwächst die Pflicht, mündliche Überlieferungen, Familienfotos, private Archive, Alltagsgegenstände, Lieder und Geschichten zu bewahren. Diese Zeugnisse sind für das kulturelle Erbe der Region ebenso bedeutend wie archäologische Denkmäler und Museumssammlungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was gibt Ihnen Hoffnung, wenn Sie an die Zukunft von Moynaq und Karakalpakstan denken?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor allem geben mir die Menschen Hoffnung. Trotz allem, was diese Region durchgemacht hat, haben ihre Bewohner weder die Liebe zu ihrer Heimat noch die Bereitschaft verloren, an deren Zukunft zu arbeiten. Die menschliche Widerstandskraft war schon immer die größte Stärke der Aralsee-Region.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sehe eine jüngere Generation, die sich Fremdsprachen, Ökologie, Archäologie, Kunst, Museumswesen, Wissenschaft und Informationstechnologie widmet. Viele von ihnen wollen sich nicht von ihrer Geschichte abwenden. Sie wollen sie bewahren und der Welt zeigen, dass Karakalpakstan eine Region mit außergewöhnlichem kulturellen Erbe und Zukunftsperspektiven ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das wachsende weltweite Interesse spielt eine Rolle. Archäologen, Künstler, Wissenschaftler, Fotografen, Reisende und Studierende kommen nicht nur wegen des Aralsees, sondern auch wegen des antiken Choresmien, des Ustjurt-Plateaus, des Sawitzki-Museums und der Kultur der Karakalpaken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/unabhaengigkeit-wie-lebt-das-autonome-karakalpakistan/">(Un)abhängigkeit: Wie lebt das autonome Karakalpakistan?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn mir unbegrenzte Mittel zur Verfügung stünden, würde ich drei Prioritäten setzen. Die erste wäre das Wohlergehen der Menschen: Trinkwasser, Gesundheitsversorgung, Bildung, Infrastruktur und gute Arbeitsplätze – insbesondere, damit sich junge Menschen hier eine Zukunft vorstellen können. Die zweite wäre die ökologische Wiederherstellung und der verantwortungsvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen, einschließlich wassersparender Technologien und der fortgesetzten Bepflanzung des ehemaligen Seebodens. Die dritte wäre Kultur, Wissenschaft und internationale Zusammenarbeit. Ich wünsche mir, dass Karakalpakstan zu einem bedeutenden Zentrum für Archäologie, Museumspartnerschaften, Künstlerresidenzen, Umweltbildung und Kulturtourismus wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zukunft darf sich nicht allein auf natürliche Ressourcen oder allein auf Wirtschaftswachstum stützen. Sie muss Mensch, Natur und Kultur in Einklang bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gibt es eine Geschichte, die europäische Leser Ihrer Meinung nach am ehesten mitnehmen sollten?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich würde ihnen die Geschichte des Kamelpfads erzählen. Die Ältesten berichteten, dass lange vor dem Bau moderner Straßen Karawanenrouten das Ustjurt-Plateau und die Ufer des Aralsees durchzogen. Kamele verbanden Choresmien mit der Wolgaregion, Kasachstan sowie weiter östlich und westlich gelegenen Gebieten. Sie fanden sich auf den Routen besser zurecht als die Menschen und konnten selbst bei Nacht, in Sandstürmen oder bei Nebel Brunnen und Karawansereien aufspüren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Pfad, der von Generationen von Karawanen genutzt wurde, führte in Richtung Aralsee. Er war nicht bloß eine Straße. Er vermittelte Handel, Begegnungen, Wissen und Kultur. Kaufleute, Handwerker, Dichter und Pilger zogen auf ihm dahin. Mit den Waren verbreiteten sich Lieder, Legenden, Ideen und Traditionen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="720" height="540" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/514200974_24009792385322704_2923490710806655880_n.jpg" alt="" class="wp-image-45432" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/514200974_24009792385322704_2923490710806655880_n.jpg 720w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/10/514200974_24009792385322704_2923490710806655880_n-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kamel vor Sonnenuntergang, Photo: Oktyabr Dospanov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Als sich der See zurückzog, verschwanden Häfen und Wege wurden von Sand bedeckt. Doch man sagt, der Kamelpfad sei nicht verschwunden. Er überdauerte in der Erinnerung. Man mag ihn zwar nicht mehr auf einer Karte sehen, doch man kann ihn spüren, wenn man durch die Region reist. Er ist ein unsichtbares Band zwischen Vergangenheit und Gegenwart.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich bedeutet die Legende, dass die wichtigsten Wege nicht nur durch Wüsten und Steppen führen. Sie verlaufen durch das menschliche Gedächtnis. Heute kann der Weg eine neue Bedeutung gewinnen. Wo einst Karawanen Waren transportierten, können nun Forschung, Kulturprojekte, Kunst und die Freundschaft zwischen den Völkern ihren Weg finden. Er kann zu einem Symbol für den Dialog zwischen Zentralasien und Europa werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht existiert der Pfad im Gelände nicht mehr. Doch solange die Erinnerung lebendig bleibt, endet der Weg niemals.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Mathieu Lemoine für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem</strong> <a href="https://novastan.org/en/environment/oktyabr-dospanov-muynak-aral-sea-karakalpakstan/"><strong>Englischen</strong></a> <strong>von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/meine-kindheit-verbrachte-ich-am-ufer-eines-meeres-das-nicht-mehr-existiert/">„Meine Kindheit verbrachte ich am Ufer eines Meeres, das nicht mehr existiert“</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/meine-kindheit-verbrachte-ich-am-ufer-eines-meeres-das-nicht-mehr-existiert/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vom Pamir an den Aralsee: Eine Reise entlang des Amudarjas</title>
		<link>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/vom-pamir-an-den-aralsee-eine-reise-entlang-des-amudarjas/</link>
					<comments>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/vom-pamir-an-den-aralsee-eine-reise-entlang-des-amudarjas/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mathieu Lemoine]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Sep 2026 19:25:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Amudarja]]></category>
		<category><![CDATA[Aralsee]]></category>
		<category><![CDATA[Fluss]]></category>
		<category><![CDATA[Pamir]]></category>
		<category><![CDATA[Wasser]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://novastan.org/de/?p=45187</guid>

					<description><![CDATA[<p>Tausende von Kilometern, bevor im Sand von Moynaq verrostende Fischerboote auftauchen, entspringt der Amudarja im Gebirge. Seine Quellen liegen im Pamir und im n&#xF6;rdlichen Hindukusch und flie&#xDF;en &#xFC;ber die Flusssysteme von Pjandsch und Wachsch ab. Der Pjandsch bildet einen Gro&#xDF;teil der afghanisch-tadschikischen Grenze, bevor er auf den Wachsch trifft. Ab ihrem Zusammenfluss tr&#xE4;gt der Fluss [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/vom-pamir-an-den-aralsee-eine-reise-entlang-des-amudarjas/">Vom Pamir an den Aralsee: Eine Reise entlang des Amudarjas</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Tausende von Kilometern, bevor im Sand von Moynaq verrostende Fischerboote auftauchen, entspringt der Amudarja im Gebirge.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Quellen liegen im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)">Pamir</a> und im nördlichen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hindukusch">Hindukusch</a> und fließen über die Flusssysteme von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pjandsch">Pjandsch</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wachsch">Wachsch</a> ab. Der Pjandsch bildet einen Großteil der afghanisch-tadschikischen Grenze, bevor er auf den Wachsch trifft. Ab ihrem Zusammenfluss trägt der Fluss den Namen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>. Von hier an verlässt er das Gebirge und tritt in eine völlig andere Welt aus Wüsten, bewässerten Ebenen, alten Städten und modernen Staatsgrenzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über Jahrhunderte hinweg hat der Amudarja – der Oxus der Antike – mitbestimmt, wo sich Menschen ansiedeln und wo politische Macht gedeihen konnte. Die Bewässerung mit seinem Wasser bildete die Lebensgrundlage für einige der großen Zivilisationen Zentralasiens. Veränderungen seines Flusslaufs konnten die eine Siedlung begünstigen und einer anderen das Wasser entziehen. Im 20. Jahrhundert versuchten sowjetische Planer, den Fluss in weitaus größerem Maßstab technisch umzugestalten.</p>



<div class="flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe">
	<div class="container flex flex-col lg:flex-row justify-between">
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-3/5 pb-4">
			<h2 class="text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]">
								Unterstützt Novastan &#8211; das europäische Zentralasien-Magazin 
			</h2>
				Als vereinsgetragene, unabhängige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! 
						</div>
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-2/5 justify-items-center justify-center pb-4">
			<div class="rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto">
											<a class="block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Novastan unterstützen</a>
							</div>
		</div>
	</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Wer dem Fluss heute von den Bergen bis zum Aralsee folgt, begegnet vielen der entscheidenden Fragen, vor denen das heutige Zentralasien steht: Wasserkraft und Klimaresilienz, die zunehmende Nutzung des Flusses durch Afghanistan, grenzüberschreitender Handel, Bewässerung, landwirtschaftliche Abhängigkeit sowie das ökologische Erbe der Aralsee-Katastrophe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf seinem Weg wandelt der Fluss immer wieder seinen Charakter. Er entspringt in den Bergen und wird entlang des Pjandsch zur Grenze. Am Wachsch liefert er Strom. Bei <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Termiz">Termiz</a> trennt und verbindet er zugleich Usbekistan und Afghanistan. In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Choresmien">Choresmien</a> wird er zur verborgenen Infrastruktur der Zivilisation. Und nahe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mo%CA%BBynoq">Moynaq</a> endet seine Geschichte in einer Landschaft, die durch das Ausbleiben des Wassers grundlegend verändert wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gebirgswasser</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt keine einzelne, spektakuläre Quelle, an der der Amudarja plötzlich entspringt. Sein Ursprung verteilt sich auf ein gewaltiges Gebirgssystem. Der Pjandsch entwässert Hochlandgebiete Afghanistans und Tadschikistans und bildet einen Großteil der Grenze zwischen diesen Ländern. Der Wachsch durchfließt Tadschikistan, bevor er in den Pjandsch mündet. Von diesem Zusammenfluss an fließt der vereinte Strom unter dem Namen Amudarja nach Westen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="640" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/960px-Panj_river_Wakhan_44225098661.jpg" alt="" class="wp-image-45198" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/960px-Panj_river_Wakhan_44225098661.jpg 960w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/960px-Panj_river_Wakhan_44225098661-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/960px-Panj_river_Wakhan_44225098661-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Pjandsch vor seinem Zusammenfluss mit dem Wachsch, Photo: Ninara / Wikimedia Commons.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Landschaft bildet das Gegenstück zu dem, was flussabwärts wartet. Steile Täler sowie schneebedeckte und vergletscherte Berge speisen einen Fluss, der später einige der trockensten bewohnten Gebiete Eurasiens durchqueren wird. Wasser, das hoch in den Bergen als Niederschlag fällt oder gefriert, wird schließlich Felder bewässern, die Hunderte von Kilometern entfernt liegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese physische Verbindung ist einer der Gründe, warum Klima und Wassermanagement am Oberlauf so wichtig für die Gebiete flussabwärts sind. Das Aralbecken selbst ist letztlich stark von Flusssystemen abhängig, die durch Gebirgsschnee und Gletscherschmelze gespeist werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Wachsch: Stromgewinnung durch Wasserkraft</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor er in den Pandsch mündet, übernimmt der Wachsch eine weitere Rolle: die der Energiegewinnung. Tadschikistan hat sein Stromversorgungssystem weitgehend auf Wasserkraft ausgerichtet, und das riesige <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rogun-Staudamm">Rogun</a>-Projekt, das derzeit am Wachsch errichtet wird, bildet das Herzstück dieser Strategie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juni 2026 <a href="https://www.worldbank.org/en/news/press-release/2026/06/30/advancing-energy-security-and-jobs-through-the-transformative-rogun-hydropower-project">genehmigte</a> die Weltbank weitere Mittel in Höhe von 300 Millionen US-Dollar zur Finanzierung des Projekts. Nach der vollständigen Inbetriebnahme soll das Kraftwerk jährlich rund 14.400 Gigawattstunden Strom erzeugen – was etwa 60 Prozent der derzeitigen Stromerzeugung Tadschikistans entspricht. Zugleich soll es umfangreichere Stromexporte in die Nachbarländer ermöglichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies veranschaulicht eine der wiederkehrenden Komplexitäten der zentralasiatischen Wasserpolitik. Für Tadschikistan bedeuten Gebirgsflüsse Energiesicherheit, Stromversorgung im Winter und potenzielle Exporte. Flussabwärts ermöglichen dieselben Wassermassen die Bewässerung der Landwirtschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Interessen sind nicht zwangsläufig unvereinbar. Stauseen können sowohl den Wasserfluss regulieren als auch Wasser speichern. Sie machen jedoch deutlich, dass Wasser nicht allein unter dem Aspekt der Menge betrachtet werden kann. Auch der Zeitpunkt der Speicherung und der Freisetzung spielt eine Rolle. Noch bevor der Name Amudarja überhaupt auf der Karte erscheint, ist der Fluss bereits zu einer wirtschaftlichen Infrastruktur geworden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Termiz: Afghanistan am anderen Ufer</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Termiz wird die Geopolitik des Amudarja greifbar. Der Fluss bildet die Grenze zwischen Usbekistan und Afghanistan. Jenseits des usbekischen Ufers liegt die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balch_(Provinz)">Provinz Balch</a>, während nahe der Freundschaftsbrücke die afghanische Grenzstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hairatan">Hairatan</a> eines der wichtigsten Tore Afghanistans nach Zentralasien darstellt. Hier ist Afghanistan kein abstraktes Thema regionaler Diplomatie. Es liegt physisch präsent auf der anderen Seite des Flusses.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/termez-die-stadt-die-vom-krieg-und-von-der-grenze-lebt/"><strong>Termez – die Stadt, die vom Krieg und von der Grenze lebt</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Freundschaftsbrücke führt Straßen- und Bahnverbindungen über den Amudarja. Über Jahrzehnte hinweg hat sie eine politische Symbolik erlangt – sowjetische Truppen überquerten sie während des Abzugs aus Afghanistan. Doch heute möchte Usbekistan, dass Termiz zunehmend für etwas anderes steht: Handel, Logistik und Vernetzung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Wandel lässt sich unweit davon in <a href="https://airitom.com/">Airitom</a> beobachten. Die Freihandelszone nahm im August 2024 nahe der afghanischen Grenze ihren Betrieb auf. Sie wurde eigens zur Förderung des internationalen und grenzüberschreitenden Handels eingerichtet und umfasst Einrichtungen aus den Bereichen Einzelhandel, Logistik, Hotellerie und Gesundheitswesen. Afghanische Staatsangehörige können die Zone für Aufenthalte von bis zu 15 Tagen ohne usbekisches Visum betreten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/airitom-1152x1536-1-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-45197" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/airitom-1152x1536-1-768x1024.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/airitom-1152x1536-1-225x300.jpg 225w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/airitom-1152x1536-1.jpg 1152w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption class="wp-element-caption">Freihandelszone Airatom, Photo: Mathieu Lemoine / Novastan.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die geografische Lage ist markant: Die Zone liegt <a href="https://www.voanews.com/a/uzbekistan-opens-free-economic-zone-on-afghan-border/7789564.html">direkt am Amudarja</a>. Derselbe Fluss, der als Staatsgrenze fungiert, wird somit zunehmend auch als Rand eines Wirtschaftskorridors zwischen Zentral- und Südasien wahrgenommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Afghanistans Anspruch auf Wasser</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Handel ist nicht der einzige Weg, auf dem Afghanistan die Politik rund um den Amudarja neugestaltet. Während des Großteils der Sowjetzeit erfolgte die Wasserverteilung flussabwärts innerhalb eines einzigen politischen Systems. Afghanistan wurde nie vollständig in die institutionellen Strukturen integriert, die die zentralasiatischen Republiken nach 1991 übernommen hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Asymmetrie lässt sich mittlerweile nur noch schwer ignorieren. Afghanistan baut derzeit den 285 Kilometer langen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kusch-Tepa-Kanal">Qosh-Tepa-Kanal</a>, der durch die nördlichen Provinzen des Landes verläuft. Erklärtes Ziel ist es, Wasser aus dem Amudarja in dürregefährdete landwirtschaftliche Gebiete zu leiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus afghanischer Sicht ist das Argument eindeutig: Das Land hat einen erheblichen landwirtschaftlichen Bedarf und ein Interesse daran, einen Fluss zu nutzen, der entlang seiner Nordgrenze verläuft – und das nach Jahrzehnten, in denen seine Möglichkeiten zur Nutzung dieser Gewässer vergleichsweise eingeschränkt waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus der Sicht der flussabwärts gelegenen Staaten Usbekistan und Turkmenistan stellt sich das Projekt anders dar. Jede nennenswerte Wasserentnahme im Oberlauf verringert potenziell die Wassermenge, die in ihre Bewässerungsgebiete gelangt. Das Projekt hat sich daher zu einer der folgenreichsten neuen Fragen der <a href="https://www.lemonde.fr/en/international/article/2025/12/17/afghanistan-the-realities-behind-the-economic-recovery-claimed-by-the-taliban_6748610_4.html">zentralasiatischen Wasserpolitik</a> entwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wäre jedoch irreführend, das Qosh-Tepa-Projekt schlicht als drohenden „Wasserkrieg“ darzustellen. Treffender ist es, die Angelegenheit als das Auftreten eines weiteren Großverbrauchers an einem ohnehin schon stark beanspruchten Fluss zu betrachten. Dies unterstreicht die zentrale Gegebenheit im Einzugsgebiet des Amudarja: Alle Beteiligten haben Gründe, mehr Wasser zu nutzen. Doch niemand kann einen weiteren Fluss erschaffen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Turkmenabat: Die Wüste gestalten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter westlich erreicht der Amudarja Turkmenistan und fließt an <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkmenabat">Türkmenabat</a> vorbei. Hier ist das Verhältnis zwischen Wasser und menschlicher Besiedlung noch stärker durch technische Eingriffe geprägt. Nahe der Stadt wird das Wasser des Amudarja in das gewaltige <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakumkanal">Karakum-Kanalsystem</a> geleitet, das es nach Westen durch Turkmenistan führt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Projekt verkörperte eines der zentralen Ziele der sowjetischen Wasserwirtschaftsplanung: Anstatt sich den durch die Trockenheit auferlegten Beschränkungen zu beugen, sollten Ingenieure Wasser durch die Wüste leiten. Und technisch gesehen war dieses Vorhaben erfolgreich. Das Wasser ermöglichte den Betrieb von landwirtschaftlichen Betrieben, Siedlungen und Industrieanlagen, die Hunderte von Kilometern vom Fluss entfernt lagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch im gesamten Einzugsgebiet kam dieselbe Logik zur Anwendung. In Usbekistan und Turkmenistan breitete sich die bewässerte Landwirtschaft massiv aus, während dem Amudarja zunehmend Wasser entzogen wurde, noch bevor er sein Delta erreichte. Dabei war die großflächige Bewässerung keineswegs eine sowjetische Erfindung; schon seit Jahrtausenden hatten flussabwärts gelegene Siedlungen den Fluss umgeleitet.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Choresmien: Eine Zivilisation erbaut durch Kanäle</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kaum eine Landschaft verdeutlicht dies so sehr wie Choresmien. Wer in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xiva">Xiva</a> ankommt, trifft auf eines der historisch dichtesten Stadtbilder Zentralasiens: Mauern aus Lehmziegeln, türkisfarbene Kacheln, Minarette und Innenhöfe, die sich aus einer extrem trockenen Umgebung erheben. Was man nicht zu Gesicht bekommt, ist der Amudarja. Xiva liegt nicht am heutigen Flussufer. Dieser scheinbare Widerspruch verrät uns so gut wie alles über das historische Verhältnis zwischen Choresmien und dem Wasser.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/02_khiva_wedding_kalta_minor-1152x1536-1-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-45189" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/02_khiva_wedding_kalta_minor-1152x1536-1-768x1024.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/02_khiva_wedding_kalta_minor-1152x1536-1-225x300.jpg 225w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/02_khiva_wedding_kalta_minor-1152x1536-1.jpg 1152w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kalta Minor in Xiva, Photo: Mathieu Lemoine / Novastan.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stadt existiert, weil der Fluss zu ihr geleitet wurde. Xiva liegt am Rande des Kulturlandes und bezog historisch gesehen Wasser aus dem Amudarja über einen der <a href="https://www.iranicaonline.org/articles/khiva/">Hauptkanäle der Oase</a>. Lange vor der Entstehung moderner Staaten oder sowjetischer wasserbaulicher Großprojekte hatten die Bewohner Choresmiens gelernt, die Wüste durch Bewässerung in eine Oase zu verwandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die UNESCO-Dokumentation der antiken Städte und Festungen in der Aralsee-Region datiert die Bewässerungslandwirtschaft am Unterlauf des Amudarja auf das Ende des zweiten Jahrtausends v. Chr. und stellt einen direkten Zusammenhang zwischen Bewässerungskanälen und der <a href="https://whc.unesco.org/en/tentativelists/6903">Entstehung früher Städte</a> in dieser Region her.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hierbei geht es nicht nur um Archäologie. Die Bewässerungssysteme helfen zu erklären, wie es Generationen von Menschen möglich war, in einer ansonsten extrem trockenen Landschaft zu leben, Landwirtschaft und Handel zu betreiben und Städte zu errichten. Der Unterlauf des Flusses war selbst nie völlig beständig; sein Lauf verlagerte sich immer wieder. Kanäle versandeten oder wurden umgeleitet. Siedlungen blühten auf und verfielen, je nachdem, wie sich ihr Zugang zum Wasser veränderte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/03_khiva_panorama-1024x768-1.jpg" alt="" class="wp-image-45196" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/03_khiva_panorama-1024x768-1.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/03_khiva_panorama-1024x768-1-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/03_khiva_panorama-1024x768-1-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Oasenstadt Xiva verdankt ihre Rolle dem Wasser des Amudarjas, Photo: Mathieu Lemoine / Novastan.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die UNESCO-Dokumentation zum antiken Choresmien hält ausdrücklich fest, dass Veränderungen im Verlauf des Amudarja Auswirkungen auf die städtischen Zentren hatten und dass die Siedlungen der Region eng mit den wechselnden Flussläufen verknüpft waren. In Choresmien bedeutete die Kontrolle über das Wasser zugleich die Kontrolle über die Geografie der Zivilisation selbst.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nukus: flussabwärts von allen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Weg nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nukus">Nukus</a> hat der Amudarja eine außergewöhnliche Abfolge menschlicher Eingriffe hinter sich. Flussaufwärts gelegene Stauseen regulieren seinen Lauf. Afghanistan und Turkmenistan leiten sein Wasser ab. Landwirtschaftliche Regionen in Usbekistan sind von ihm abhängig. Wenn der Fluss Karakalpakstan erreicht, spiegelt er die Summe aller Entscheidungen wider, die im gesamten internationalen Einzugsgebiet getroffen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-enthusiast-der-wueste-wie-in-nukus-eine-der-bedeutendsten-avantgarde-sammlungen-entstand/"><strong>Der Enthusiast der Wüste – Wie in Nukus eine der bedeutendsten Avantgarde-Sammlungen entstand</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nahe Nukus breitet sich der Amudarja in einer weiten, flachen Landschaft aus; sein Flussbett ist von freiliegenden Uferbereichen und flachen Inseln durchsetzt. Er unterscheidet sich stark von dem Gebirgswasser, mit dem die Reise einst begann. Nukus liegt nicht nur geografisch, sondern auch politisch flussabwärts. Gemeinden am Unterlauf eines Flusses bestimmen nicht allein über ihre Wasserversorgung. Sie erhalten das kumulierte Ergebnis von Entscheidungen, die überall flussaufwärts getroffen wurden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/04_amu_darya_near_nukus-1024x768-1.jpg" alt="" class="wp-image-45195" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/04_amu_darya_near_nukus-1024x768-1.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/04_amu_darya_near_nukus-1024x768-1-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/04_amu_darya_near_nukus-1024x768-1-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Amudarja in der Nähe von Nukus, Photo: Mathieu Lemoine / Novastan.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Realität ist nach wie vor hochaktuell. Im Juni 2026 unterzeichneten Usbekistan, das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklungsprogramm_der_Vereinten_Nationen">Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP)</a> und die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Umweltfazilit%C3%A4t">Globale Umweltfazilität (GEF)</a> das <a href="https://www.undp.org/uzbekistan/press-releases/uzbekistan-advances-integrated-water-management-aral-sea-region-new-lower-amu-darya-basin-planning-framework">Konzept</a> für einen Plan zum integrierten Management der Wasserressourcen im Becken des unteren Amudarja. Die Initiative zielt darauf ab, einen stärker koordinierten und wissenschaftlich fundierten Rahmen für die Bewirtschaftung der Wasserressourcen und Ökosysteme in der Region des Unterlaufs und des Aralsees zu schaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies stellt den Versuch dar, den unteren Amudarja als zusammenhängendes hydrologisches System zu betrachten – und nicht bloß als Gewässer, das zwischen verschiedenen Verwaltungsgebieten aufgeteilt ist. Doch das Ausmaß der historischen Schäden wird weiter nördlich deutlicher.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Moynaq: ein Hafen ohne Wasser</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Moynaq ist eines der bekanntesten Bilder Zentralasiens fast schon zu vertraut geworden: Fischerboote liegen im Sand. Besucher fotografieren ihre rostenden Rümpfe. Was einst als Zeugnis des wirtschaftlichen Zusammenbruchs galt, hat ein seltsames Nachleben als Touristenattraktion gewonnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Boote sind von Bedeutung aufgrund dessen, was sie umgibt – oder vielmehr: was fehlt: Wasser. Einst war der Aralsee der viertgrößte Binnensee der Erde. Sein Wasserstand hing maßgeblich von den Flüssen Amudarja und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Syrdarja">Syrdarja</a> ab. Die massive Umleitung von Flusswasser zur Bewässerung führte dazu, dass die Zuflussmenge einbrach. Der See schrumpfte und zerfiel in mehrere Teile.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/05_muynak_ship-1024x768-1.jpg" alt="" class="wp-image-45193" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/05_muynak_ship-1024x768-1.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/05_muynak_ship-1024x768-1-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/05_muynak_ship-1024x768-1-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schiffswrack in Moynaq, Photo: Mathieu Lemoine / Novastan.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Für Moynaq war dies nicht bloß eine Umweltstatistik. Es bedeutete das Verschwinden jener wirtschaftlichen Basis, um die herum sich die Stadt entwickelt hatte. Fischerei und Fischverarbeitung waren auf eine Uferlinie angewiesen, die sich immer weiter entfernte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die rostenden Boote lassen sich gewissermaßen als die letzten Glieder einer Kette betrachten, die in den Bergen ihren Anfang nimmt. Stauseen, Kanäle, Bewässerungssysteme und landwirtschaftliche Entscheidungen, die Hunderte oder Tausende von Kilometern flussaufwärts getroffen wurden – sie alle beeinflussen, wie viel Wasser schließlich den untersten Teil des Beckens erreicht. Von Moynaq aus lässt sich die Geschichte des Flusses gleichsam rückwärts nachvollziehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der See ist nicht ganz verschwunden</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In verbreiteten Darstellungen heißt es oft, der Aralsee sei „verschwunden“. Die Realität ist jedoch komplexer. Der See zerfiel in einzelne Gewässer. Große Teile seines ehemaligen Bodens liegen heute trocken, während sich zwischen den verbliebenen nördlichen und südlichen Wasserflächen erhebliche Unterschiede herausgebildet haben. Die ökologische Katastrophe war gewaltig, doch der Aralsee ist nicht buchstäblich verschwunden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/06_aral_sea_karakalpakstan-1024x768-1.jpg" alt="" class="wp-image-45188" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/06_aral_sea_karakalpakstan-1024x768-1.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/06_aral_sea_karakalpakstan-1024x768-1-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/06_aral_sea_karakalpakstan-1024x768-1-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Aralsee in Karakalpakstan, Photo: Mathieu Lemoine / Novastan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Unterscheidung ist wichtig. Sie verhindert, dass die Region auf das <a href="https://www.unep.org/resources/emerging-issues/changing-aral-sea">bloße Bild einer unumkehrbaren Apokalypse</a> reduziert wird. Der nördliche <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%B6rdlicher_Aralsee">Kleine Aralsee</a> hat beispielsweise gezeigt, dass gezielte wasserwirtschaftliche Maßnahmen zumindest eine teilweise ökologische Erholung bewirken können. Auf der usbekischen Seite hingegen vermittelt die Landschaft rund um die südlichen Überreste das Ausmaß dessen, was verloren gegangen ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Fluss, konkurrierende Zukünfte</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es wäre ein Leichtes, die Geschichte des Amudarja allein als eine Geschichte der Umweltzerstörung zu erzählen. Das wäre jedoch unvollständig. Der Fluss versorgt nach wie vor Millionen von Menschen und dient als Grundlage für mehrere sehr unterschiedliche Entwicklungsstrategien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tadschikistan benötigt Strom. Afghanistan braucht bewässertes Ackerland. Usbekistan benötigt Wasser für die Landwirtschaft und bemüht sich zugleich um eine effizientere Bewässerung. Turkmenistan ist nach wie vor in hohem Maße auf das Wasser angewiesen, das über sein Kanalsystem aus dem Fluss abgeleitet wird. Karakalpakstan benötigt ausreichende Wassermengen, um die Gemeinden und Ökosysteme am Ende des Einzugsgebiets zu erhalten. All diese Anforderungen sind verständlich. Die Schwierigkeit liegt darin, dass sie gleichzeitig bestehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/der-aralsee-heute-nur-kleinere-pfuetzen-ein-interview-mit-dem-oekologen-yusup-kamalov/"><strong>Der Aralsee heute: Nur „kleinere Pfützen“ – Ein Interview mit dem Ökologen Yusup Kamalov</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Qosh-Tepa-Kanal ist daher nicht deshalb von Bedeutung, weil der Wettbewerb um den Amudarja neu wäre, sondern weil sich die politische Geografie dieses Wettbewerbs wandelt. Afghanistan entwickelt sich zu einem weitaus bedeutenderen Wassernutzer in einem System, dessen postsowjetische Institutionen weitgehend ohne das Land errichtet wurden. Zugleich müssen der Ausbau der Wasserkraft in Tadschikistan, die Bewässerung flussabwärts, ökologische Wiederherstellungsmaßnahmen und der durch den Klimawandel bedingte Druck innerhalb desselben hydrologischen Systems nebeneinander bestehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt keine einzelne technologische Lösung, die diese grundlegende Einschränkung beseitigt. Effizientere Bewässerung kann helfen. Bessere Kanäle können helfen. Eine verbesserte regionale Koordinierung kann helfen. Ein Management auf Ebene des Einzugsgebiets kann helfen. Doch nichts davon kann den Amudarja unerschöpflich machen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Von Eis zu Sand – und wieder Wasser</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Außergewöhnliche daran, dem Lauf des Amudarja zu folgen, ist die Vielfalt der Welten, die zu einem einzigen Fluss gehören können. In den Bergen entspringt sein Wasser inmitten von Schnee und Gletschern. Entlang des Pjandsch trennt er Afghanistan und Tadschikistan. Am Wachsch wird er zu Elektrizität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Termiz bildet der Fluss die Grenze Usbekistans zu Afghanistan, während Airitom versucht, diese Grenze in ein Handelsportal zu verwandeln. In Choresmien leiteten Kanäle das Wasser zu Städten, die ohne den Fluss niemals hätten überleben können. Nahe Nukus zeigen sich gebündelt die Folgen von Entscheidungen, die im gesamten Einzugsgebiet getroffen wurden. In Moynaq liegen Schiffe dort auf dem Trockenen, wo einst Wasser stand. Und weiter dahinter sind noch Teile des Aralsees erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/was-passiert-wenn-die-wasserressourcen-zentralasiens-knapp-werden/"><strong>Was passiert, wenn die Wasserressourcen Zentralasiens knapp werden?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Städte Zentralasiens werden meist über Denkmäler, Herrscher und Reiche erklärt – die Mauern von Xiva, das buddhistische Termiz, die Museen von Nukus. Doch unter all dem verläuft eine andere Geschichte: die Geschichte von Gletschern, Wasserläufen, Staudämmen und Kanälen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über Jahrtausende hinweg hat der Amudarja bestimmt, wo Besiedlung möglich war, wo die Landwirtschaft florieren und wo sich politische Macht konzentrieren konnte. Hoch in den Bergen beginnt das Wasser noch immer seine Reise in die Ebenen. Am anderen Ende dieser Reise liegen Schiffe in der Wüste, während dahinter ein geschrumpftes Meer fortbesteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen diesen beiden Landschaften liegt ein Großteil der Vergangenheit Zentralasiens – und eine der entscheidenden Fragen für seine Zukunft.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Mathieu Lemoine für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/en/environment/amu-darya-pamirs-aral-sea-central-asia/"><strong>Englischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/vom-pamir-an-den-aralsee-eine-reise-entlang-des-amudarjas/">Vom Pamir an den Aralsee: Eine Reise entlang des Amudarjas</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/vom-pamir-an-den-aralsee-eine-reise-entlang-des-amudarjas/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Frankreich setzt in Usbekistan auf grüne Energien</title>
		<link>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/frankreich-setzt-in-usbekistan-auf-gruene-energien/</link>
					<comments>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/frankreich-setzt-in-usbekistan-auf-gruene-energien/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[La rédaction]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2026 11:36:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aralsee]]></category>
		<category><![CDATA[Buchara]]></category>
		<category><![CDATA[Chiva]]></category>
		<category><![CDATA[Chorezm]]></category>
		<category><![CDATA[Erneuerbare Energie]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Greenpeace]]></category>
		<category><![CDATA[Masdar-Konzern]]></category>
		<category><![CDATA[Modernisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Nurobod]]></category>
		<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Shavkat Mirziyoyev]]></category>
		<category><![CDATA[Solarenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Strom]]></category>
		<category><![CDATA[Taschkent]]></category>
		<category><![CDATA[TotalEnergies]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Voltalia]]></category>
		<category><![CDATA[Windkraft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://novastan.org/de/?p=45159</guid>

					<description><![CDATA[<p>Angesichts eines stark steigenden Strombedarfs und veralteter Infrastruktur beschleunigt Usbekistan die Entwicklung von Sonnen- und Windenergie. Unter den Akteuren dieser Transformation befinden sich mehrere franz&#xF6;sische Konzerne; diese beabsichtigen, ihre Pr&#xE4;senz auf einem Markt zu verst&#xE4;rken, der als vielversprechend in Zentralasien gilt. In der Ferne ist ein riesiges Feld an Solarpanels zu sehen, das sich auf [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/frankreich-setzt-in-usbekistan-auf-gruene-energien/">Frankreich setzt in Usbekistan auf grüne Energien</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Angesichts eines stark steigenden Strombedarfs und veralteter Infrastruktur beschleunigt Usbekistan die Entwicklung von Sonnen- und Windenergie. Unter den Akteuren dieser Transformation befinden sich mehrere französische Konzerne; diese beabsichtigen, ihre Präsenz auf einem Markt zu verstärken, der als vielversprechend in Zentralasien gilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Ferne ist ein riesiges Feld an Solarpanels zu sehen, das sich auf fast 200 Hektar erstreckt. Diese rechteckigen, dem Himmel zugewandten Flächen, bestehend aus mehr als 180.000 bifazialen Strukturen, warten ruhig darauf, einige Sonnenstrahlen abzubekommen. Mitten in den trockenen Ebenen von Chorezm, einer Region im Westen Usbekistans, und nur wenige Kilometer von Chiva und seiner befestigten Zitadelle entfernt, prägen diese mit hochmoderner Technik ausgestatteten Anlagen die Energielandschaft Usbekistans neu. <em>“Das Ziel besteht darin, Strom aus Sonne zu generieren”</em>, erklärt Carole Pontais, Projektleiterin für Voltalia in Usbekistan, die vor vier Jahren ins Land kam. <em>“Die Anlagen sind so konzeptioniert, dass sie den extremen klimatischen Bedingungen, sowohl Sand als auch Staub, standhalten können. Wir haben automatische Roboter mit Bürsten installiert, die die Panels jeden Abend reinigen, um Staub zu entfernen.”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser geographischen Zone, die lange Zeit von Baumwollanbau und dem Verschwinden des Aralsees geprägt war, hat der französische Konzern Voltalia, der auf Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien spezialisiert ist, eine ambitionierte Photovoltaikanlage entwickelt: Sarimay Solar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ersten Megawattstunden sind bereits im Herbst 2025 in das usbekische Stromnetz eingespeist worden, was eine wichtige Etappe für das Land und für diese französische Firma darstellt. Die Solaranlage hat eine Kapazität von 126 Megawatt, <em>“was dem Stromverbrauch von etwa 60.000 Haushalten entspricht”</em>, unterstreicht Pontais.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Auftrag wurde im Rahmen einer internationalen Ausschreibung, die von der Weltbank und der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Finanz-Corporation">Internationalen Finanz-Corporation (IFC)</a> unterstützt wurde, vergeben. Die Investitionshöhe für dieses Projekt beläuft sich auf <em>“etwa 80 Mio. </em><em>US-Dollar”</em>, präzisiert Pontais.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/Franzoesische-Energiefirmen-in-Usbekistan_Voltalia-2-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-45163" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/Franzoesische-Energiefirmen-in-Usbekistan_Voltalia-2-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/Franzoesische-Energiefirmen-in-Usbekistan_Voltalia-2-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/Franzoesische-Energiefirmen-in-Usbekistan_Voltalia-2-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/Franzoesische-Energiefirmen-in-Usbekistan_Voltalia-2.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Diese Photovoltaikanlage, nicht weit von Chiva in der usbekischen Region Chorezm gelegen, hat eine Kapazität von 126 Megawatt und ist seit Dezember 2025 im Einsatz. © Voltalia</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Eine strategische Herausforderung für Usbekistan</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Usbekistan ist der Ausbau erneuerbarer Energien in erster Linie eine strategische Notwendigkeit. Das Bevölkerungswachstum, der Anstieg des Stromverbrauchs und regelmäßige Stromausfälle im Winter treiben Taschkent dazu an, seine Produktions- und Bezugsquellen von Strom zu diversifizieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Projekte zielen somit darauf ab, mehrere Herausforderungen gleichzeitig zu bewältigen. Einerseits sollen ausländisches Kapital angezogen, ein veraltetes Stromnetz modernisiert und die CO₂-Emissionen begrenzt werden, andererseits soll die Abhängigkeit von Erdgas verringert werden, das 80 Prozent der nationalen Stromerzeugung ausmacht und seit 2023 zum Teil aus Russland importiert wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund strebt Usbekistan an, ein regionaler Akteur im Bereich erneuerbarer Energien zu werden, da diese Position seine energetische Unabhängigkeit verstärken wird. Das zentralasiatische Land will zudem ein “strategischer Hub” zwischen Europa, China und dem Nahen Osten sein, in dem die Energieflüsse gebündelt werden, um sie wirksamer umzuverteilen. Die Regierung von Shavkat Mirziyoyev will <em>“eine Kapazität von zwölf Gigawatt aus erneuerbaren Energien bis 2030”</em> erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der Stromproduktion hoffen die usbekischen Autoritäten darauf, diese Investitionen zu einem Hebel regionaler Entwicklung zu machen, so wie <em>Sarimay Solar</em>, das die Schaffung von Arbeitsplätzen gefördert hat. <em>“Zur Spitzenzeit der Bauarbeiten haben wir 700 Arbeiter”</em>, unterstreicht Pontais. Seitdem die Anlage operiert, <em>“arbeiten dort täglich ungefähr 20 Personen und stellen die Wartungsarbeiten sicher. Fast 70 Prozent der Mitarbeitenden sind lokale Kräfte. Wir haben vorab auch Konsultationen mit der Bevölkerung abgehalten, um das Projekt zu erklären. Es ist gut angenommen worden, denn es reagiert auf den Bedarf einer Region, die mit Strommangel konfrontiert ist.”</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ausländische Investitionen ins Land locken</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Photovoltaikkraftwerk in der Region Chorezm verdeutlicht ganz allgemein das wachsende Interesse französischer Konzerne an Zentralasien. <em>“Es handelt sich um Projekte, die für den usbekischen Energiemix, aber auch für die Entwicklung des gesamten Landes von entscheidender Bedeutung sind. Und Frankreich steht hinter diesen Initiativen.”</em>, wie Walid Fouque, der französische Botschafter in Usbekistan, mit Stolz betont.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere französische Unternehmen setzen auf diesen Sektor, darunter TotalEnergies. Eines seiner Leuchtturmprojekte ist die Solaranlage von Tutly in der Region Samarkand, derselbe Typ Anlage wie der von Voltalia. Die Anlage wird als eines der ersten großen privatwirtschaftlichen Projekte im Bereich erneuerbarer Energien im Land betrachtet und liefert fast 270 Megawattstunden Strom pro Jahr. Gemäß TotalEnergies soll diese Anlage insgesamt etwa sechs Terawattstunden in 25 Jahren produzieren, was dem Stromverbrauch von etwa 140.000 usbekischen Haushalten pro Jahr entspricht. Gleichzeitig soll sie einen Kohlendioxidausstoß von fast 160.000 Tonnen pro Jahr vermeiden. <em></em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/Franzoesische-Energiefirmen-in-Usbekistan_TotalEnergies-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-45164" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/Franzoesische-Energiefirmen-in-Usbekistan_TotalEnergies-1024x576.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/Franzoesische-Energiefirmen-in-Usbekistan_TotalEnergies-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/Franzoesische-Energiefirmen-in-Usbekistan_TotalEnergies-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/09/Franzoesische-Energiefirmen-in-Usbekistan_TotalEnergies.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das von TotalEnergies geplante Solarkraftwerk Tutly befindet sich im Bezirk Nurobod, etwa hundert Kilometer westlich der Stadt Samarkand in Usbekistan. © TotalEnergies</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel dazu ist TotalEnergies in den Bereichen Windkraft und Energiespeicherung über eine Partnerschaft mit dem Masdar-Konzern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten involviert. Im April 2026 verkündeten die beiden Unternehmen ein Joint Venture von 2,2 Mrd. US-Dollar (1,9 Mrd. Euro) mit dem Ziel, “<em>das Wachstum erneuerbarer Energien in neun Ländern Zentralasiens, darunter Usbekistan, zu beschleunigen”</em>, unterstreicht der französische Industriekonzern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese zwei Konzerne waren auf dem “Tashkent International Investment Forum” (TIFF) präsent sein, das vom 16. bis 18. Juni 2026 in der usbekischen Hauptstadt stattfand. Auch der auf Sonnen- und Windkraft spezialisierte französische Konzern <em>EDF Renewable </em>wird an der Seite des saudischen Konzerns <em>ACWA Power</em> und <em>AMEA </em>aus den Vereinigten Arabischen Emiraten vor Ort sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Welche Auswirkungen hat das auf die Umwelt?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn diese Projekte in Usbekistan meist in Wüstengebieten umgesetzt werden, betonen die Industriekonzerne, dass sie Umweltaspekte bereits bei der Planung berücksichtigen, insbesondere durch im Vorfeld durchgeführte Umweltverträglichkeitsprüfungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was das Solarparkprojekt von Voltalia betrifft, versichert das Unternehmen, dass der ökologische Aspekt ausreichend berücksichtigt wurde. <em>„Es gibt keine Auswirkungen auf landwirtschaftliche Flächen und Wasserressourcen, da es sich um ein Wüstengebiet handelt</em>“, betont Pontais. <em>„Allerdings mussten wir Bäume fällen, um die Solarmodule installieren zu können.“ </em>Um diesen Verlust auszugleichen, wurden zwei Millionen für trockene Standorte geeignete Sträucher gepflanzt, also <em>„zehnmal mehr als die Anzahl der gefällten Bäume“</em>, betont Fouque. Was die Tierwelt betrifft, so wurde die Hochspannungsleitung, die das Kraftwerk anschließt, mit „Bird Diverters“ ausgestattet, <em>„Vorrichtungen, die dazu dienen, Vögel fernzuhalten“</em>, erklärt Pontais.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Organisation <em>Greenpeace</em> sind <em>„diese Solarprojekte klimafreundlich, da sie insbesondere den Einsatz fossiler Brennstoffe im Strommix reduzieren“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„In Usbekistan gibt es sehr viele Wüstengebiete, daher sind die Auswirkungen auf die Artenvielfalt gering“</em>, erklärt Nicolas Nace, Leiter der Kampagne „Energiewende“ und Experte für erneuerbare Energien bei Greenpeace Frankreich. <em>„Wir sind insbesondere bei Projekten wachsam, die in Waldgebieten errichtet werden und somit zur Entwaldung führen würden, oder in landwirtschaftlichen Gebieten, da wir nicht wollen, dass es zu einem Wettbewerb zwischen landwirtschaftlicher Produktion und Energieerzeugung kommt.</em>“<em></em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Zukünftige Projekte aufgrund der Überlastung des Stromnetzes auf Sparflamme</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ob TotalEnergies oder Voltalia – diese französischen Konzerne wollen weiterhin auf Solarenergie setzen. <em>„Es ist ein interessanter Markt, es gibt viel Potenzial für Projekte in Usbekistan, im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern, in denen verfügbare Flächen immer knapper werden“</em>, erklärt Pontais. <em>„Hier mangelt es weder an Platz noch an Sonne, und die notwendigen Finanzmittel stehen zur Verfügung: Alle Investitions- und Entwicklungsbanken sind vor Ort vertreten.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Voltalia will es übrigens nicht bei Chorezm belassen. Das Unternehmen entwickelt derzeit das Hybridprojekt „Artemisya“ in der Region Buchara. Dieses soll Solarenergie, Windkraft und Batteriespeicher miteinander kombinieren. Der Komplex sollte ursprünglich eine installierte Leistung von mehr als 500 Megawatt erreichen. Aufgrund der Überlastung des Stromnetzes ist das Projekt jedoch ins Stocken geraten und musste nach unten korrigiert werden. <em>„Vorerst werden wir nur den Teil bauen, den wir ans Netz anschließen können, also nur 200 Megawatt“</em>, erklärt die Projektleiterin.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das größte Problem Usbekistans ist derzeit das Stromnetz“</em>, betont Pontais. <em>„Es wurden Verträge für Kraftwerke unterzeichnet, die jedoch stillstehen oder nur mit reduzierter Leistung laufen, da das Stromnetz nicht ausreichend ausgebaut, modernisiert oder gewartet ist, um all diese neuen Stromkapazitäten absorbieren zu können.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Modernisierung des Stromnetzes bleibt eine zentrale Herausforderung für die Zukunft dieses Landes. <em>„Trotz allem sind wir als französisches und europäisches Unternehmen sehr stolz darauf, hier präsent zu sein, wo die arabische und chinesische Konkurrenz sehr stark ist“</em>, betont sie . Diese Investitionen tragen zur schrittweisen Umgestaltung des usbekischen Energiemodells bei, das lange Zeit von der Förderung fossiler Brennstoffe geprägt war.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Louise Simondet, Korrespondentin für Novastan in Usbekistan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/ouzbekistan/la-france-mise-sur-les-energies-vertes-en-ouzbekistan/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Cornelia Steinigen</strong></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/frankreich-setzt-in-usbekistan-auf-gruene-energien/">Frankreich setzt in Usbekistan auf grüne Energien</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/frankreich-setzt-in-usbekistan-auf-gruene-energien/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Tiger ist zurück</title>
		<link>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/der-tiger-ist-zurueck/</link>
					<comments>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/der-tiger-ist-zurueck/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Sep 2026 19:16:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Balchaschsee]]></category>
		<category><![CDATA[Balqas]]></category>
		<category><![CDATA[Balqash]]></category>
		<category><![CDATA[ili]]></category>
		<category><![CDATA[Tiger]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://novastan.org/de/?p=45106</guid>

					<description><![CDATA[<p>Im Ili-Balqa&#x15F;-Reservat ist ein erster Tiger ausgewildert worden. Das Weibchen mit dem Namen &#x201E;&#xDC;mit&#x201C; ist damit der erste freilebende Tiger in Kasachstan seit &#xFC;ber 70 Jahren. Ein kleiner Sprung f&#xFC;r einen Tiger, aber ein gro&#xDF;er Schritt f&#xFC;r eines der ambitioniertesten Naturschutz-Projekte Kasachstans: Am 31. Juli ist in dem im Gebiet Almaty gelegenen Ili-Balqa&#x15F;-Reservat ein erster [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/der-tiger-ist-zurueck/">Der Tiger ist zurück</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im Ili-Balqaş-Reservat ist ein erster Tiger ausgewildert worden. Das Weibchen mit dem Namen „Ümit“ ist damit der erste freilebende Tiger in Kasachstan seit über 70 Jahren.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein kleiner Sprung für einen Tiger, aber ein großer Schritt für eines der ambitioniertesten Naturschutz-Projekte Kasachstans: Am 31. Juli ist in dem im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty_(Gebiet)">Gebiet Almaty</a> gelegenen Ili-Balqaş-Reservat ein erster Tiger <a href="https://www.gov.kz/memleket/entities/ecogeo/press/news/details/1267572?lang=ru">ausgewildert worden</a>. Bei dem Tier handelt es sich um ein wildgefangenes <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sibirischer_Tiger">Amurtiger</a>-Weibchen mit dem sprechenden Namen „Ümit“ (Kasachisch für „Hoffnung“). „Ümit“ kommt aus der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Region_Primorje">Region Primorje</a> in Russlands fernem Osten und ist im Mai 2026 nach Kasachstan eingeflogen worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Auswilderung, der unter anderem Kasachstans Minister für Umwelt und Natürliche Ressourcen, Erlan Nysanbaev, sowie Russlands Justizminister und Aufsichtsratsvorsitzende des Amurtiger-Zentrums, Konstantin Tschujtschenko, beiwohnten, markiert einen wichtigen Schritt, um den Tiger in sein historisches Verbreitungsgebiet zurückzubringen. Der letzte freilebende Tiger Kasachstans war 1948 gesichtet worden.</p>



<div class="flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe">
	<div class="container flex flex-col lg:flex-row justify-between">
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-3/5 pb-4">
			<h2 class="text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]">
								Unterstützt Novastan &#8211; das europäische Zentralasien-Magazin 
			</h2>
				Als vereinsgetragene, unabhängige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! 
						</div>
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-2/5 justify-items-center justify-center pb-4">
			<div class="rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto">
											<a class="block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Novastan unterstützen</a>
							</div>
		</div>
	</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Heute haben wir ein wahrhaft historisches Ereignis erlebt. Zum ersten Mal, seit der Tiger vor mehr als 70 Jahren aus Kasachstan verschwand, wurde ein Tiger wieder in seinem historischen Verbreitungsgebiet freigelassen“</em>, <a href="https://www.gov.kz/memleket/entities/ecogeo/press/news/details/1267572?lang=ru">erklärte</a> Erlan Nysanbaev. <em>„Es liegt noch viel Arbeit vor uns – insbesondere im Hinblick auf das Tiger-Monitoring und den Aufbau einer nachhaltigen Population. Doch heute wurde ein erster und sehr wichtiger Schritt getan“</em>, so der Minister weiter.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Unter ständiger Beobachtung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie <a href="https://astanatimes.com/2026/08/kazakhstan-releases-first-tiger-into-wild-in-more-than-70-years/">The Astana Times</a> berichtet, durchlief „Ümit“ vor ihrer Freilassung tierärztliche Untersuchungen und Verhaltensbeurteilungen, um festzustellen, ob sie ein eigenständiges Leben führen könnte. Fachleute bewerteten ihren Gesundheitszustand, ihre Jagdfähigkeiten, ihre Reaktion auf Menschen sowie ihre Anpassungsfähigkeit an eine ungewohnte Umgebung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch in der Wildnis steht die Tigerin unter ständiger Beobachtung.&nbsp;Sie wurde mit einem GPS-GSM-Satellitenhalsband ausgestattet, sodass ihr Standort und ihre Bewegungen rund um die Uhr überwacht werden können. Außerdem soll mithilfe von Satellitendaten und eigens installierten Kamerafallen beobachtet werden, wie sie sich im Revier bewegt, Ruheplätze auswählt und nach Beute sucht. Das Überwachungssystem dient zudem als Frühwarnsystem für den Fall, dass sich „Ümit“ Siedlungen nähert.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/08/3b3187edb947d03f9d1d20e86af544c8_1280x720-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-45107" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/08/3b3187edb947d03f9d1d20e86af544c8_1280x720-1024x576.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/08/3b3187edb947d03f9d1d20e86af544c8_1280x720-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/08/3b3187edb947d03f9d1d20e86af544c8_1280x720-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/08/3b3187edb947d03f9d1d20e86af544c8_1280x720.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Photo: Kasachstanisches Ministerium für Umwelt und Natürliche Ressourcen</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Tiger sollen „Ümit“ in die Freiheit folgen: Zusammen mit ihr kamen ein ausgewachsenes Männchen namens „Amur“ sowie die Tigerjungen „Turan“ und „Ussuri“ aus Russland. Das Männchen verbleibt in einem Gehege und wird weiterhin Verhaltenstests unterzogen. Eine Auswilderung erfolgt erst, wenn Fachleute überzeugt sind, dass das Tier bereit ist, eigenständig zu überleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die beiden Jungtiere, die im Alter von etwa sechs bis sieben Monaten in Kasachstan ankamen, sollen in den speziellen Gehegen des Reservats bleiben, bis sie mindestens 18 Monate alt sind. Anschließend werden sie jeweils gesonderten tierärztlichen und verhaltensbezogenen Untersuchungen unterzogen, bevor über eine mögliche Auswilderung entschieden wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kaspisch? Sibirisch? Festland-Tiger!</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Auswilderung ist das Ergebnis eines langjährigen Projektes, dass erst aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse möglich wurde. Denn der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspischer_Tiger">Kaspische Tiger</a>, der einst Zentralasien durchstreifte, ist seit dem 1970er Jahren ausgestorben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2009 führte ein internationales Team genetische Untersuchungen (Driscoll et al., 2009) an DNA-Proben von Tigern aus zentralasiatischen Museumssammlungen durch. Durch den Vergleich dieser Proben mit denen anderer Tigerpopulationen kamen die Wissenschaftler:innen <a href="https://www.wwfcentralasia.org/en/what_we_do/tigerhasreturned/">zu dem Schluss</a>, dass die DNA des Kaspischen Tigers jener des Sibirischen oder Amurtigers annähernd identisch ist. Heute gelten Kaspischer und Sibirischer Tiger als geographische Populationen einer <a href="https://www.wwf.de/themen-projekte/artenlexikon/tiger-allgemein/">gemeinsamen Unterart</a>: dem Festland-Tiger.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/die-rueckkehr-des-tigers-weiterer-schritt-zum-aufbau-einer-population-in-kasachstan/"><strong>Die Rückkehr des Tigers: Weiterer Schritt zum Aufbau einer Population in Kasachstan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Entdeckung ermöglichte es, eine Wiederansiedlung der ausgestorbenen Population in Erwägung zu ziehen, wobei der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/WWF">World Wildlife Fund (WWF)</a> die Initiative für dieses Projekt ergriff. 2010 kündigte Kasachstan <a href="https://kazpravda.kz/n/vozvrashchenie-turanskogo-vlastelina/">die Absicht</a> an, wieder Tiger auszuwildern.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein langjähriges Projekt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dass nun wieder ein Tiger Kasachstans Wildnis durchstreift, ist das Ergebnis langjähriger Arbeit. Das Gebiet für das eigens eingerichtete Ili-Balqaş-Reservat wurde dabei nicht zufällig ausgewählt. Denn die Region am Südufer des Sees <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqaş</a> und das Flusstal des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ili_(Fluss)">Ili</a> bildeten historisch gesehen den natürlichen Lebensraum des Tigers.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie <a href="https://astanatimes.com/2026/08/kazakhstan-releases-first-tiger-into-wild-in-more-than-70-years/">The Astana Times</a> darlegt, hängt das Vorkommen des Tigers von gesunden Wäldern, verlässlichen Wasserressourcen, ausreichenden Beständen an wildlebenden Huftieren und einem wirksamen Schutz vor Wilderei ab. Das Projekt erforderte daher, ein entsprechendes Ökosystem vorzubereiten. Diese Vorbereitungen nahmen mehr als zehn Jahre in Anspruch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juni 2018 wurde das über 415.000 Hektar umfassende Ili-Balqaş-Reservat gegründet. Es umfasst Teile des Ili-Flussdeltas, Auen und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saxaul">Saxaulwälder</a> sowie Feuchtgebiete am Südufer des Balqaş. In einem ersten Schritt wurden <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bucharahirsch">Bucharahirsche</a> in dem Gebiet <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-der-bucharahirsch-kehrt-an-den-balchaschsee-zurueck/">wiederangesiedelt</a>, die dem Tiger als Hauptnahrungsquelle dienen sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;</strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/rueckkehr-tiger-am-balqash-see/"><strong>Wie am Balqash-See die Rückkehr des Tigers vorbereitet wird</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Meilenstein des ehrgeizigen Projekts wurde erreicht, als dank der langjährigen Zusammenarbeit zwischen WWF und Kasachstan erste Tiger vom niederländischen Raubtier-Spezialzentrum Landgoed Hoenderdaell Zoo in&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Paulowna">Anna Paulowna</a>&nbsp;in das Reservat <a href="https://www.inform.kz/ru/amurskih-tigrov-privezli-v-kazahstan-iz-niderlandov-53cd14">geliefert</a> wurden. Anders als die in Russland wildgefangenen und im Mai an Kasachstan überstellten Tiger, dienen die beiden Exemplare aus den Niederlanden aber lediglich der Zucht, während ihre Nachkommen <a href="https://www.wwfcentralasia.org/en/what_we_do/tigerhasreturned/">schließlich in die Freiheit entlassen werden sollen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Auswilderung vom „Ümit“ ist nun der nächste Meilenstein erreicht. Wie sich die Tigerin in freier Wildbahn schlägt, werden die Beobachtungen zeigen. Auf jeden Fall macht sie Hoffnung auf die Rückkehr einer Tigerpopulation nach Zentralasien.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/der-tiger-ist-zurueck/">Der Tiger ist zurück</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/der-tiger-ist-zurueck/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gipfel in Astana zu Umweltproblemen in Zentralasien</title>
		<link>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/gipfel-in-astana-zu-umweltproblemen-in-zentralasien/</link>
					<comments>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/gipfel-in-astana-zu-umweltproblemen-in-zentralasien/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 06:24:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aralsee]]></category>
		<category><![CDATA[Astana]]></category>
		<category><![CDATA[Diplomatie]]></category>
		<category><![CDATA[Dürre]]></category>
		<category><![CDATA[Gipfel]]></category>
		<category><![CDATA[Kaspisches Meer]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[UNO]]></category>
		<category><![CDATA[Wald]]></category>
		<category><![CDATA[Wasser]]></category>
		<category><![CDATA[Wüstenbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Zusammenarbeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://novastan.org/de/?p=44701</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Regional Ecological Summit, der vom 22. bis 24. April 2026 in Astana stattfand, ist Teil der fortgesetzten zentralasiatischen Bem&#xFC;hungen zur Bek&#xE4;mpfung der Folgen der globalen Erw&#xE4;rmung. Als erste gro&#xDF;e Plattform f&#xFC;r die Entwicklung koordinierter L&#xF6;sungen auf regionaler Ebene brachte der Regional Ecological Summit (RES)&#xA0;Expert:innen, internationale Organisationen und Regierungsvertreter:innen f&#xFC;r zwei Tage Diskussionen und Verhandlungen [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/gipfel-in-astana-zu-umweltproblemen-in-zentralasien/">Gipfel in Astana zu Umweltproblemen in Zentralasien</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der Regional Ecological Summit, der vom 22. bis 24. April 2026 in Astana stattfand, ist Teil der fortgesetzten zentralasiatischen Bemühungen zur Bekämpfung der Folgen der globalen Erwärmung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als erste große Plattform für die Entwicklung koordinierter Lösungen auf regionaler Ebene brachte der <a>Regional Ecological Summit (RES)</a>&nbsp;Expert:innen, internationale Organisationen und Regierungsvertreter:innen für zwei Tage Diskussionen und Verhandlungen zusammen. Organisiert wurde der Gipfel vom <a>kasachstanischen</a>&nbsp;Ministerium für Ökologie und natürliche Ressourcen in Partnerschaft mit der UNO. Im Mittelpunkt stand die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Staaten, da sowohl natürliche Ressourcen als auch ökologische Katastrophen grenzüberschreitender Natur seien.</p>



<div class="flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe">
	<div class="container flex flex-col lg:flex-row justify-between">
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-3/5 pb-4">
			<h2 class="text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]">
								Unterstützt Novastan &#8211; das europäische Zentralasien-Magazin 
			</h2>
				Als vereinsgetragene, unabhängige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! 
						</div>
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-2/5 justify-items-center justify-center pb-4">
			<div class="rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto">
											<a class="block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Novastan unterstützen</a>
							</div>
		</div>
	</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende der Konferenz wurde von den zentralasiatischen Staatschefs eine Erklärung zu Ökologie und nachhaltiger Entwicklung verabschiedet. Unter dem Titel <em>„Ökologische Solidarität Zentralasiens“</em> legt dieses Dokument eine gemeinsame regionale Position zu den größten Umweltproblemen der Region fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Für Zentralasien ist der Klimawandel keine Zukunftsprojektion mehr“,</em> erklärte der kasachstanische Umweltminister <a>Jerlan Nysanbaev</a>&nbsp;. <em>„Er ist ein Faktor, der direkt unsere Wasser- und Energieressourcen betrifft, aber auch Landwirtschaft, Infrastruktur und öffentliche Gesundheit.“ </em>Daher sei die Klimapolitik nicht mehr nur eine ökologische Frage, sondern auch eine Frage der <em>„wirtschaftlichen Resilienz, regionalen Sicherheit und Qualität der öffentlichen Verwaltung“.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Wüstenbildung und Bedarf an Wiederaufforstung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der wichtigsten behandelten Punkte war die zunehmende Wüstenbildung in der Region, die die Wasserressourcen drastisch reduziert. Wie der Vorsitzende des usbekistanischen Komitees für Ökologie und Klimawandel, Aziz Abduhakimov, betonte, verwandeln sich in Zentralasien wissenschaftlichen Schätzungen zufolge jede Minute neun Quadratmeter Land in Wüste. Dies betrifft große zentralasiatische Seen, deren Wasserstand kontinuierlich sinkt, insbesondere das Kaspisches Meer und den Aralsee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gesamte Fläche ausgetrockneter Meeresböden, die sich Kasachstan im Norden und Usbekistan im Süden teilen, umfasst heute rund 6 Millionen Hektar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/heuschrecken-bekaempfung-die-herausforderungen-in-zentralasiatischen-laendern/">Heuschrecken-Bekämpfung: Die Herausforderungen in zentralasiatischen Ländern</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Folge wird die Wasserversorgung unberechenbarer, was den Zugang zu Wasser erschwert. Um diesem Problem zu begegnen, sieht die Erklärung von Astana die Entwicklung neuer datengestützter Technologien vor, die auf Oberflächen- und Grundwasserdaten basieren und eine vorausschauende Wasserbewirtschaftung ermöglichen sollen, etwa durch die Digitalisierung von Kanälen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Priorität besteht nicht mehr darin, die Wasserversorgung zu erhöhen, sondern die Effizienz ihrer Nutzung zu verbessern“</em>, erklärte der kasachstanische Vizeminister für Wasserressourcen und Bewässerung, Talgat Momyşev. Die Regierung subventioniere derzeit bis zu 80 Prozent der Kosten solcher wassersparenden Technologien, was einen <em>„grundlegenden Wandel hin zu einer rationalen und wirtschaftlich sinnvollen Wasserbewirtschaftung“ </em>darstelle.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="http://?">Wie der Kokaral-Damm in Kasachstan den Aralsee wiederbeleben will</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich wurde auf dem Gipfel eine neue Initiative Kasachstans verabschiedet: der <em>„Grüne Schild Zentralasiens</em>“, ein umfangreiches Wiederaufforstungsprojekt. Der Aufbau von Waldnetzen ist in der Region nicht neu, insbesondere in Kasachstan, wo seit 1997 ein 102.000 Hektar großer Waldgürtel um die Hauptstadt Astana angelegt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Umweltminister Nysanbaev zeige dies, dass <em>„selbst in zuvor für Waldökosysteme ungeeigneten Gebieten die Wiederherstellung von Ökosystemen möglich ist, wenn sie auf Wissenschaft, vorausschauender Planung und professionellem Forstwissen basiert“</em>. Der kasachstanische Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> wies zudem darauf hin, dass Kasachstan in den letzten fünf Jahren über 1,5 Milliarden Bäume gepflanzt habe und dass <a href="http://?">36 Prozent</a> des kasachstanischen Teils des Aralsees durch ökologische Maßnahmen wiederhergestellt worden seien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein bewusstes Bedürfnis nach Zusammenarbeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Gipfel wurden weitere Maßnahmen angekündigt, um die Luftqualität zu verbessern, die Biodiversität zu erhalten, die Ernährungssicherheit zu gewährleisten, chemische Abfälle zu verwalten, Plastikverschmutzung zu bekämpfen und ökologische Innovationen in Zentralasien zu fördern. Besonders betont wurde die Notwendigkeit der Zusammenarbeit. <em>„All diese Herausforderungen sind ihrer Natur nach grenzüberschreitend und erfordern gemeinsame politische Entscheidungen und Investitionen“</em>, betonte der Präsident der COP29 und Klimabeauftragte Aserbaidschans, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mukhtar_Babayev">Mukhtar Babayev</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/vereinte-nationen-kuendigen-duerre-fuer-zentralasien-an/">Vereinte Nationen kündigen Dürre für Zentralasien an</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Erklärung „Ökologische Solidarität Zentralasiens“ schlug Kasachstan zudem die Schaffung einer internationalen Wasserorganisation innerhalb der UNO vor, allerdings ohne konkreten Finanzierungsplan. Außerdem forderten die zentralasiatischen Staaten stärkere internationale finanzielle Unterstützung zur Bewältigung ihrer Umweltprobleme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es bleibt abzuwarten, ob die Länder ihre Interessen und Ressourcen koordinieren können, um ihre Ziele zu erreichen. Der Gipfel von Astana hat zumindest eine neue Erzählung im Kampf gegen den Klimawandel vorgeschlagen – mit dem Bewusstsein, dass geteilte Risiken zu gemeinsamen Lösungen werden können.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Eloise Thompson für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/environnement/a-astana-un-sommet-sur-les-defis-environnementaux-specifiques-a-l-asie-centrale/">Französischen</a> von Margaret Bullich</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1"></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/gipfel-in-astana-zu-umweltproblemen-in-zentralasien/">Gipfel in Astana zu Umweltproblemen in Zentralasien</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/gipfel-in-astana-zu-umweltproblemen-in-zentralasien/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kökjide. Öl-Steppe – Was hat das Erdöl den Dörfern in der Region Aqtöbe gebracht?</title>
		<link>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/koekjide-oel-steppe-was-hat-das-erdoel-den-doerfern-in-der-region-aqtoebe-gebracht/</link>
					<comments>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/koekjide-oel-steppe-was-hat-das-erdoel-den-doerfern-in-der-region-aqtoebe-gebracht/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Vlast]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 06:21:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Aqtöbe]]></category>
		<category><![CDATA[Gas]]></category>
		<category><![CDATA[Kökjide]]></category>
		<category><![CDATA[Öl]]></category>
		<category><![CDATA[Reportage]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://novastan.org/de/?p=44446</guid>

					<description><![CDATA[<p>Unter dem Sandmassiv K&#xF6;kjide in dem im Westen Kasachstans gelegenen Gebiet Aqt&#xF6;be liegen betr&#xE4;chtliche &#xD6;lvorkommen. Doch von dem Reichtum unter der Erde kommt in den D&#xF6;rfern rund um das K&#xF6;kjide wenig an. Eine Reportage von unserem Partnermedium Vlast. &#x201E;Lasst uns nicht einreden, dass wir ohne &#xD6;l zugrunde gehen. Unsere Vorfahren lebten auch ohne &#xD6;l, h&#xFC;teten [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/koekjide-oel-steppe-was-hat-das-erdoel-den-doerfern-in-der-region-aqtoebe-gebracht/">Kökjide. Öl-Steppe – Was hat das Erdöl den Dörfern in der Region Aqtöbe gebracht?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Unter dem Sandmassiv Kökjide in dem im Westen Kasachstans gelegenen Gebiet Aqtöbe liegen beträchtliche Ölvorkommen. Doch von dem Reichtum unter der Erde kommt in den Dörfern rund um das Kökjide wenig an. Eine Reportage von unserem Partnermedium Vlast.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Lasst uns nicht einreden, dass wir ohne Öl zugrunde gehen. Unsere Vorfahren lebten auch ohne Öl, hüteten ihr Vieh und bestellten das Land“</em>, sagt Ardak Kubaş, eine Aktivistin aus dem kleinen Dorf Kenqiıaq im Gebiet <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqt%C3%B6be_(Gebiet)">Gebiet Aqtöbe</a>. Sie hebt die Hand und zeigt auf das Sand-Massiv Kökjide, das auf den ersten Blick an typische Szenen aus dem Westen Kasachstan erinnert: Dünen, gleißende Sonne und verstreute, verwitterte Ölpumpen. Einige von ihnen, mit Staub und Rost bedeckt, stehen still, andere fördern weiterhin Öl. Direkt dahinter lodern Flammen auf – Ölfackeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einheimischen sagen, unter ihnen verberge sich ein „Meer“. Dabei handelt es sich um Grundwasser unter dem Sand – bis zu eineinhalb Milliarden Kubikmeter Wasser, möglicherweise sogar trinkbar.</p>



<div class="flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe">
	<div class="container flex flex-col lg:flex-row justify-between">
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-3/5 pb-4">
			<h2 class="text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]">
								Unterstützt Novastan &#8211; das europäische Zentralasien-Magazin 
			</h2>
				Als vereinsgetragene, unabhängige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! 
						</div>
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-2/5 justify-items-center justify-center pb-4">
			<div class="rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto">
											<a class="block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Novastan unterstützen</a>
							</div>
		</div>
	</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Im Bezirk Temir liegen rund um diese Sandvorkommen vier Ölarbeiter-Siedlungen: Kenqiıaq, Şubarşi, Saryköl und Bäşenköl. Sie stehen seit Langem vor der Wahl: Entweder sie schützen ihre größte Grundwasserquelle vor Kontamination und riskieren damit wirtschaftliche Einbußen. Oder sie erhalten die Produktion aufrecht und ermöglichen so die weitere Entwicklung der Siedlungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einwohner:innen sind sich jedoch einig, dass ihre Dörfer im Laufe der Jahre nie einen wirklichen Nutzen aus der Ölförderung gezogen haben, sondern lediglich gesundheitliche Probleme und mögliche Wasserverschmutzung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kenqiıaq</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gebiet Aqtöbe ist die größte Region Kasachstans – mit einer Fläche in etwa so groß wie Polen oder Italien. Die weitläufige Steppe ist jedoch dünn besiedelt: Die Bevölkerungsdichte beträgt nur 3,16 Einwohner pro Quadratkilometer – die zweitniedrigste im ganzen Land. Insgesamt leben in der Region 950.000 Menschen, mehr als 60 Prozent davon – 585.000 – in der Gebietshauptstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqt%C3%B6be">Aqtöbe</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um Kenqiıaq, einen der wichtigsten Ölumschlagplätze der Region, zu erreichen, fahren wir von Aqtöbe mehr als zwei Stunden Richtung Süden. Das Dorf ist Endpunkt von Ölpipelines, die Öl aus dem Gebiet Aqtöbe nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau">Atyrau</a> oder ins <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qysylorda_(Gebiet)">Gebiet Qyzylorda</a> und von dort weiter nach China transportieren können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kenqiıaq ist nicht nur ein Zentrum der Ölindustrie (was sich auch im Stadtlogo widerspiegelt), sondern mit weniger als 8.000 Einwohnern auch das größte der drei benachbarten Dörfer. Şubarşi und Saryköl mit zusammen rund 6.000 Einwohnern sind nur wenige Autominuten entfernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was diese Siedlungen von vielen anderen unterscheidet, ist eine engagierte Gruppe von Bürgerrechtsaktivist:innen. Eine von ihnen ist Ardak Kubaş. <em>„Eigentlich sollten die Menschen nicht in Kenqiıaq leben. Es sollte nur eine einfache, temporäre Arbeitersiedlung sein. Vielleicht sollten alle dort wegziehen“</em>, sagt sie.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/973b36a66e3082ff09871a80cb4c5e97-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-44447" style="aspect-ratio:1.4992828635569968;width:751px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/973b36a66e3082ff09871a80cb4c5e97-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/973b36a66e3082ff09871a80cb4c5e97-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/973b36a66e3082ff09871a80cb4c5e97-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/973b36a66e3082ff09871a80cb4c5e97-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/973b36a66e3082ff09871a80cb4c5e97.jpg 1800w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ardak Kubaş</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wir fahren mit ihr nach Kenqiıaq, das sich kaum von typischen kasachstanischen Dörfern unterscheidet: Einzelhäuser, ältere Menschen, die auf Bänken entspannen, Menschen, die zur Arbeit eilen, Sand und der Wind, der ihn verweht. Noch sind keine Ölförderanlagen zu sehen, obwohl sich im südlichen Teil des Dorfes bereits Anlagen der Ölgesellschaft befinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der neue Sportkomplex und der vor einigen Jahren verlegte Asphalt fallen hier besonders auf. Er weist bereits Risse und Schlaglöcher auf, ist aber immer noch gut befahrbar. Dennoch könne man das Dorf kaum als „Ölsiedlung“ bezeichnen, meint Kubaş.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Na gut, sollen sie uns doch vergiften, aber dafür bekommen wir nichts zurück“</em>, beklagt sie sich. <em>„Als die Firmen [hier] noch staatlich waren, stellten sie vier Kindergärten. Als der chinesische Investor kam, hat er sie abgeschafft. (&#8230;) Wir haben viele Kinder mit Behinderungen. Sie könnten auf Firmenkosten ein Rehabilitationszentrum für sie bauen. Das Gemeindezentrum befindet sich in der ehemaligen Kantine der Ölarbeiter. In all den Jahren ist nichts passiert; das ist eine Schande. Sie könnten uns wenigstens 50 statt 20 Prozent für die Umweltschäden zahlen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hauptbetreiber der lokalen Ölförderung ist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/CNPC-AktobeMunaiGas">CNPC-AktobeMunaiGas</a>, eine Tochtergesellschaft des führenden chinesischen Ölkonzerns CNPC. CNPC-AktobeMunaiGas hält außerdem 51 Prozent der Anteile an KMK Munai, einem weiteren Ölunternehmen, das im Kökjide tätig ist. Drei weitere private Unternehmen sind ebenfalls in der Region aktiv: Kazakhoil Aqtöbe, Oriktau Operating und <a href="https://adaoil.kz/en/">Ada Oil</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„In Kenqiıaq und Şubarşi ist die Luft schlecht. Manchmal stoßen die Fabriken Abgase aus, und all diese giftigen Gase sind unerträglich“</em>, sagt Kubaş. Die Häuser in den umliegenden Dörfern, mit Ausnahme von Başenköl, sind vollständig mit Gas belastet.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/9505d35485c482f0894c21329fed994b-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-44448" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/9505d35485c482f0894c21329fed994b-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/9505d35485c482f0894c21329fed994b-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/9505d35485c482f0894c21329fed994b-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/9505d35485c482f0894c21329fed994b-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/9505d35485c482f0894c21329fed994b.jpg 1800w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Moschee von Kenqiıaq befindet sich in einem ehemaligen Fabrikgebäude</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre größte Sorge gilt aber der Wasserversorgung. Kubaş sagt, früher sei es <em>„wie unter Belagerung“</em> gewesen. Stundenlang mussten sie an der Pumpe anstehen, um Wasser zu bekommen. Jetzt gibt es zwar Wasser, aber es ist <em>„schwarz wie Cola“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Ölkonzerne hielten einst Anhörungen ab. Und zwar nicht hier, sondern in einem anderen Dorf im Bezirk Mugaljar, wohin sie Arbeiter ihrer Werke gebracht hatten. Wir erfuhren davon und eilten dorthin. Dann stellten wir ihnen das schwarze Wasser […] direkt vor die Nase. Sie nahmen es entgegen, aber was ist dabei herausgekommen? Nichts“</em>, sagt Kubaş.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Abend herrscht im Dorf reges Treiben: Die Menschen drängen sich um die Läden, die Arbeiter der Ölgesellschaft suchen Zimmer in den örtlichen kleinen Hotels, die eher Hostels gleichen, alle kehren von der Arbeit zurück.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Saryköl und Şubarşi</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die benachbarten Dörfer Saryköl und Şurbarşi unterscheiden sich kaum von Kenqiıaq. &nbsp;Sie liegen beiderseits einer Landstraße, von der die Zufahrtsrampen zu den Anlagen und Lagertanks der Ölgesellschaften abgehen. Die Ruinen ehemaliger Anlagen des staatlichen Ölkonzerns sind überall sichtbar. Heute sind es größtenteils leere Grundstücke, umgeben von einem alten Zaun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einwohner:innen befürchten, dass die Ölkonzerne planen, ihre Aktivitäten einzuschränken und an einen anderen Standort zu verlegen. <em>„Sie stellen niemanden ein“</em>, sagt der 60-jährige Erkebulan (Name auf Wunsch durch Vlast geändert), der in Şubarşi geboren wurde. <em>„Und außer ihnen, den Chinesen, gibt es sonst niemanden. Nur Viehzucht. Uns Alte stellen sie ganz bestimmt nicht ein. Auch für die Jungen ist es schwer. Am meisten ärgern uns die Preise. Die Gaspreise steigen jeden Monat, und sie fördern es direkt hier, nur einen Steinwurf entfernt. Wir schlucken dieses Gift und zahlen wie alle anderen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Einwohner:innen der drei Dörfer bitten darum, dass sie nicht fotografiert und ihre Klarnamen nicht verwendet werden. Sie alle sind in irgendeiner Weise mit den Ölkonzernen verbunden, die sie kritisieren.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/d0a475ed01dcd7a8d29ea5369d03321d-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-44449" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/d0a475ed01dcd7a8d29ea5369d03321d-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/d0a475ed01dcd7a8d29ea5369d03321d-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/d0a475ed01dcd7a8d29ea5369d03321d-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/d0a475ed01dcd7a8d29ea5369d03321d-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/d0a475ed01dcd7a8d29ea5369d03321d.jpg 1800w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Einer von ihnen, der 60-jährige Temirlan, arbeitet sein ganzes Leben lang in der Ölindustrie der Region. <em>„Ich war im Transportwesen tätig, als das Unternehmen noch staatlich war. Nachdem ein Investor kam und die Privatisierung stattfand, wurde alles schlimmer. […] Die Bedingungen sind schlechter und die Löhne niedriger“</em>, sagt der Mann und blickt sich um. <em>„Sieht man überhaupt, dass hier Öl und Gas gefördert werden? Unsere Dörfer sind denen völlig egal.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Temirlan bestätigt die Umweltprobleme. <em>„Ich habe früher an einer Bohranlage gearbeitet. Zur Aufbereitung werden 350 Tonnen Säure in den Boden gepumpt. Aber wohin damit? Sie tritt an die Oberfläche. Sehen Sie sich dieses Land an. Früher haben wir hier Fußball gespielt, es war grün. Aber jetzt ist alles weg. Jedes Haus hatte eine Pumpe, und wir haben von dort Wasser geholt. Jetzt ist das unmöglich. Ich glaube, man kann sich mit diesem Wasser nicht einmal mehr waschen“</em>, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Nähe eilt der 58-jährige Qaısar (Name durch Vlast geändert) zum Laden. Er schnappt sich Lebensmittel, schwingt sich aufs Fahrrad und fährt schnell ins Dorfzentrum, wo sich ältere Männer versammeln. <em>„Das Öl zerstört alles“</em>, sagt Qaısar. <em>„Wenn sie das Gas aufdrehen, erstickt das ganze Dorf. Sie hören erst auf, wenn wir Lärm machen. Was für eine Schande! Ölland!“</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/29e39db790304796bdc5cfaf44143e93-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-44450" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/29e39db790304796bdc5cfaf44143e93-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/29e39db790304796bdc5cfaf44143e93-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/29e39db790304796bdc5cfaf44143e93-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/29e39db790304796bdc5cfaf44143e93-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/29e39db790304796bdc5cfaf44143e93.jpg 1800w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Einwoher Saryköls</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Er kommt am örtlichen Verwaltungsgebäude an, gegenüber der Bushaltestelle. Dort haben sich etwa ein Dutzend Männer versammelt, die meisten von ihnen Rentner. <em>„Es gibt Arbeit für jeden, der sucht. Es gibt viele private Aufträge; ja, alles ist privatisiert worden“</em>, sagt einer von ihnen, der früher auch in der Ölbranche gearbeitet hat. Auf die Frage, ob das gut sei, antwortet er: „Was ist denn daran gut?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein anderer Mann fügt hinzu, dass alles <em>„von Öl und Gas verrottet“</em> sei: <em>„Die Leute werden krank. Jeder hier ist krank. Das Wasser ist widerlich, aber was soll man machen? Man muss es trinken.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Firmengelände</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zwanzig Kilometer von den Dörfern entfernt liegt Bäşenköl, das dem Kökjide am nächsten liegt. Von Kenqiıaq und Şubarşi gibt es keine Wegweiser nach Bäşenköl, obwohl mehrere Straßen dorthin führen. Ein Versuch, die Straße entlang des Geländes der Ölgesellschaften zu nehmen, scheiterte jedoch. Sicherheitskräfte halten uns an und erklären uns, dass dies verboten sei. Man müsse eine andere Straße nehmen. Laut einer Stellungnahme der Regionalverwaltung des Gebiets Aqtöbe sei das Firmengelände jedoch nicht eingezäunt, und die Einwohner:innen der umliegenden Siedlungen hätten ungehinderten Zugang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Fahrt nach Bäşenköl dauert aufgrund der unebenen Straße, die das Auto ständig durchschüttelt, etwa eine halbe Stunde. Geschwindigkeiten über 40 km/h sind in einem Pkw gefährlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der gesamten Fahrt begegneten wir nur wenigen Autos, weidendem Vieh und keinerlei Hinweisschildern. Unweit des Dorfes befinden sich die Anlagen der Ölgesellschaft Ada Oil, dahinter eine Anhöhe und eine große Schranke. Wir geben an, dass wir nach Bäşenköl fahren, woraufhin die Straße für uns freigegeben wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die letzten zwölf Familien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Erst kurz vor dem Dorf taucht das rostende grüne Schild „Bäşenköl“ auf, neben einem Strommast – das einzige Zeichen der Moderne. Aus der Ferne könnte man meinen, es handele sich nur um ein paar vereinzelte Datschen. Doch es ist ein Dorf mit lediglich zwölf Familien.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/e02e60f9448436246ee13b401fe6f01d_autox1200-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-44451" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/e02e60f9448436246ee13b401fe6f01d_autox1200-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/e02e60f9448436246ee13b401fe6f01d_autox1200-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/e02e60f9448436246ee13b401fe6f01d_autox1200-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/e02e60f9448436246ee13b401fe6f01d_autox1200-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/e02e60f9448436246ee13b401fe6f01d_autox1200.jpg 1800w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Hier gibt es keine Straßen; man kann sich nur anhand der Autospuren im Sand fortbewegen. Überall liegen Ruinen, Überreste von Häusern, Kühen und Pferden. In der Nähe beladen zwei junge Männer einen Anhänger. Ihr Vater, Arman, schaut ihnen zu und hält ein kleines Mädchen im Pikachu-Kostüm auf dem Arm.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Sie sehen den Zustand des Dorfes. Wir brauchen hier Gas. Ada Oil fördert hier Gas. Es gibt zwar eine ständige Wasserversorgung, aber sie sollten eine Straße nach Kenqiıaq bauen. Es gibt keine Schule. Wenn wir Kinder haben, schicken wir sie nach Saryköl oder Kenkiyak. Es gibt keine Busse dorthin. Strom ist alles, was wir hier haben. Deshalb zieht niemand hierher; sie wollen ihre Häuser nicht mit dem Ofen heizen müssen“</em>, sagt er und blinzelt gegen den kalten Wind.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/f82c75c95ac63ba93acca0114c79be02_autox1200-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-44452" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/f82c75c95ac63ba93acca0114c79be02_autox1200-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/f82c75c95ac63ba93acca0114c79be02_autox1200-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/f82c75c95ac63ba93acca0114c79be02_autox1200-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/f82c75c95ac63ba93acca0114c79be02_autox1200-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/f82c75c95ac63ba93acca0114c79be02_autox1200.jpg 1800w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Arman wohnte in der Nähe und zog vor zwei Jahren hierher, um sein Vieh weiden zu lassen. Er besitzt nun sechs Kühe. <em>„Früher war es ein wunderschönes Dorf. Doch als die Wirtschaftskrise begann, sind alle weggezogen. Wenn sie jetzt alles gut herrichten, werden die Leute zurückkommen“</em>, glaubt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die Ölförderung angesprochen, erklärt er, dass sie an die örtlichen Gegebenheiten gewöhnt seien und dass Ada Oil die Anwohner:innen nach Kräften unterstütze. „<em>Sie stellen Leute ein. Sie liefern uns drei Tonnen Kohle pro Jahr. Wer Geräte oder einen Traktor für seinen Hof braucht, kann sich einen besorgen. Bei den Überschwemmungen halfen sie uns mit ihren Geräten, das Dorf am Laufen zu halten“</em>, sagt er.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/88c0361be29994efaa2899abb94f08d3-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-44453" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/88c0361be29994efaa2899abb94f08d3-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/88c0361be29994efaa2899abb94f08d3-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/88c0361be29994efaa2899abb94f08d3-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/88c0361be29994efaa2899abb94f08d3-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/88c0361be29994efaa2899abb94f08d3.jpg 1800w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dann nähert sich aus der Ferne der 65-jährige Edilhan, der hier geboren wurde und schwerfällig von einem Fuß auf den anderen tritt. Er trägt Arbeitskleidung der Ölgesellschaft. <em>„Ich habe mein ganzes Leben lang mit Vieh gearbeitet. Sehen Sie, hier ist alles leer, es gibt nichts. Im Frühling und Herbst kann man unmöglich laufen, überall ist Matsch, und im Winter gibt es Schneestürme. Wenn man krank wird, kommt kein Krankenwagen. Man geht zu Ada Oil, die helfen einem“</em>, sagt Edilhan lächelnd. <em>„Das ist meine Heimat. Alle meine Nachkommen leben in Saryköl. Aber ich kann nicht weg. Das ist meine Heimat.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Akim des Volkes</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Makar Utegenov ist wohl die bekannteste Persönlichkeit in den Dörfern. Er war Akim (Bürgermeister, Anm. d. Ü.) von Kenqiıaq, heute ist er Landwirt und engagiert sich in der lokalen Zivilgesellschaft. Fast jeder Einwohner der Dörfer spricht über ihn und möchte lokale Angelegenheiten mit ihm besprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir fahren zu seinem Hof, der zehn Minuten von Kenqiıaq entfernt mitten in der kargen Steppe liegt. Lastwagen und die Landarbeiter selbst stehen vor dem kleinen Haus, in dem sie wohnen. Einer von ihnen, ein älterer Mann in Arbeitskleidung, verabschiedet sich von Utegenov, da er <em>„dringend zum Dienst“</em> müsse. Der ehemalige Akim winkt ihm freundlich zum Abschied.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der 62-jährige Utegenov führt uns ins Wohnzimmer, wo er auf einem Sofa Platz nimmt, hinter dem ein großes, gesticktes Porträt seiner Eltern hängt. <em>„Mein Vater hat sich nach seiner Pensionierung 1997 um den Hof gekümmert. Er starb fünf Jahre später, und ich habe nichts aufgegeben. Ich habe alles weiterentwickelt. Wir haben hier Kamele, Kühe, Widder, Schafe und Pferde. Alle möglichen Tiere“, </em>sagt Utegenov, der fast sein ganzes Leben in der Öl- und Gasindustrie gearbeitet hat.<em> „Jetzt ist es nur noch der Hof. Er reicht für die Familie. Ansonsten habe ich momentan keine Arbeit. Ich wurde aus dem Staatsdienst entlassen. Anscheinend fehlen mir die nötigen Qualifikationen für diesen Job.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Utegenov wurde 2019 in einer Direktwahl zum Akim von Kenqiıaq gewählt. Anschließend veranlasste er die Asphaltierung der Straßen, die Sanierung baufälliger Gebäude, verabschiedete einen Flächennutzungsplan für das Dorf und legte neun Entwicklungsprogramme den Gebiets- und der Bezirksverwaltung vor. Diese fanden jedoch keine Unterstützung. 2023 wurde er seines Amtes enthoben.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/b97820d837575d6065de19d7ff91d93f_1440xauto-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-44454" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/b97820d837575d6065de19d7ff91d93f_1440xauto-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/b97820d837575d6065de19d7ff91d93f_1440xauto-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/b97820d837575d6065de19d7ff91d93f_1440xauto-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/b97820d837575d6065de19d7ff91d93f_1440xauto.jpg 1440w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Marat Utegenov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In den sozialen Medien, insbesondere auf dem Kanal <a href="https://www.youtube.com/watch?v=e8hX3tiFsY4&amp;t=283s">Prosto Jurnalistika</a> („Einfach Journalismus“), kursiert eine Aufzeichnung von Utegenovs Bürgerversammlung, in der er die Anwesenden darüber informiert, dass die Bezirksverwaltung seine Initiativen nicht unterstützt. Die Menge war zu groß für das Gebäude, spendete aber dennoch Beifall. Salamat Amanbaev, der Akim des Bezirks Temir, saß in der Nähe und schüttelte nervös den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Einheimischen baten mich zu kandidieren, weil das Dorf völlig vernachlässigt worden war. Wäre ich einer von ihnen [den Verwaltungsbeamten, Anm. d. Ü.] gewesen und hätte einfach ihr Lied gesungen, hätten sie mich wohl kaum gefeuert“</em>, sagt er, hält inne und blickt sich um. <em>„Wissen Sie, ich hätte nie gedacht, dass unser öffentlicher Dienst so versagt. Korruption und Lügen sind allgegenwärtig. Es gibt keine Programme, gar nichts. Sie warten nur auf Befehle von oben. Niemand tut etwas.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der ehemalige Akim ist empört darüber, dass es im Dorf kein voll funktionsfähiges Krankenhaus gibt und dass das bestehende Krankenhaus aufgrund von Entlassungen zu einer <em>„einfachen Sanitätsstation“</em> verkommen ist. <em>„Alles konzentriert sich im Bezirkszentrum. Jeder soll dort behandelt werden, und wir müssen 125 Kilometer dorthin fahren (nach </em><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Shubarkuduk"><em>Şübarqüdyq</em></a><em>, dem Zentrum des Bezirks Temir, zu dem auch Kenqiıaq gehört). Wir fahren hin, und dann heißt es: ‚Kommen Sie morgen wieder, es ist kein Arzt da.‘ So leben wir. Die Leute haben sich daran gewöhnt; es ist schon kaputt“</em>, gibt er zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Utegenov spricht auch über den Wiederaufbau der Wasserversorgung des Dorfes, der unter seiner Leitung begann. Er sagt, er habe in jeder Phase kämpfen müssen, um sicherzustellen, dass die Arbeiten vorschriftsmäßig und nach modernsten Standards durchgeführt wurden. <em>„Und wie sich herausstellte, war ich der Einzige, der all diese Fehlentscheidungen beanstandete“</em>, fügt er hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/leben-in-der-monostadt/">Leben in der Monostadt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Unzufriedenheit mit dem Lebensstandard und den Investitionen in der Region hat wiederholt zu Protesten geführt. Die größten dieser Proteste fanden zur Zeit der <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-die-unklare-bilanz-der-januar-unruhen/">Januar-Ereignisse</a> statt, als Arbeiter eines Ölkonzerns die Arbeit niederlegten und die Anwohner:innen auf die Straße gingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Situation wurde von Utegenov, damals noch Akim des Dorfes, stabilisiert. Er sammelte die Forderungen der Demonstrierenden und legte sie zusammen mit anderen Aktivist:innen, darunter Ardak Kubaş, dem regionalen Akim Ondasyn Orazalin vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Utegenov äußert auch seine Bedenken hinsichtlich des Grundwassers im Kökjide. Er sagt, die Anwohner:innen hätten Vorschläge an den Akim des Gebiets Aqtöbe unterbreitet und Briefe an das nationale Unternehmen KazMunayGas geschrieben, aber <em>„seit 35 Jahren hat niemand etwas unternommen“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/janatas-eine-reportage-ueber-eine-kleine-stadt-im-sueden-kasachstans-und-seine-einwohnerinnen/">Jańatas – eine Reportage über eine kleine Stadt im Süden Kasachstans und seine EinwohnerInnen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Können Sie sich das vorstellen? Sie wenden Säure-Fracking an und injizieren über tausend Tonnen verschiedener Lösungsmittel. Die Leitung ist mit schwarzem Wasser gefüllt. Was bedeutet das? Wir haben die Quelle verseucht. Und das hier war eine der saubersten Quellen der Region. Dieses Wasser lastet nun auf unserem Gewissen“</em>, sagt Utegenov.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wissen Sie, ich bin der letzte Ölarbeiter in meiner Familie. Mein Vater war Ölarbeiter, ging in Rente und starb. Er arbeitete in einer Anlage, wo es Schwefelwasserstoff gibt – ein sehr gefährliches Gas ist. Es baut sich nicht ab, es verlässt den Körper nicht. Selbst wenn wir sterben, werden wir wahrscheinlich nicht verwesen. Wir werden nicht faulen, weil wir vollgestopft sind mit diesem Schwefelwasserstoff“</em>, lacht der Aktivist. <em>„Und testet irgendjemand unsere Gesundheit? Nein. Wozu auch? Chinesische Firmen kommen und machen, was sie wollen, weil sie die Erlaubnis von oben haben.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Utegenov wirft einen Blick aus dem alten Fenster, wo das gelbe Gras, das sich bis zum Horizont erstreckt, im starken Steppenwind wiegt. <em>„Es ist, als lebten wir in einem fremden Land. Niemand hört uns zu. Alle wollen weg. Aber wohin? Außer </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew"><em>Nazarbaev</em></a><em>. Der tritt zurück und lebt. Ihm ist es egal. Obwohl ich mich mit 80 nicht mehr so </em><em>​​verstecken wollen w</em><em>ürde. Das ist doch dumm</em><em>“</em>, fügt er hinzu.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Luftverschmutzung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Umweltamt des Gebiets Aqtöbe hat Luftverschmutzung und Schwefelwasserstoff-Emissionen in den Dörfern bestätigt. Laut dem stellvertretenden Direktor Talap Usnadin ist die Quelle aufgrund der Vielzahl an Betrieben jedoch schwer zu ermitteln. <em>„Bei unseren Besuchen können wir den genauen Ursprung der Emissionen nicht bestimmen, da sich die Atmosphäre ständig verändert“</em>, erklärt Usnadin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch, fügt er hinzu, hätten die Unternehmen Abkommen mit der Gebietsverwaltung unterzeichnet, die sie verpflichten, Grünstreifen um die Dörfer anzulegen und ihre Gruben zu sanieren. <em>„Denn die Emissionen stammen aus diesen Gruben, und wir haben uns eine Frist bis 2025/26 gesetzt, bis zu der das alles in den Gruben verbrannt werden soll“</em>, so Usnadin.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-luft-die-kasachstan-atmet/">Die Luft, die Kasachstan atmet</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Unternehmen selbst bestreiten jedoch, die Normen zur Reinhaltung der Luft verletzt zu haben. CNPC-AktobeMunaiGas erklärt, die tatsächlichen Emissionen in der Anlage „Kenkiyakneft“ würden aufgrund von <em>„Maßnahmen zur Minimierung der Auswirkungen der Produktionsaktivitäten auf die Atmosphäre“</em> zurückgehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Kenkiyakneft führt regelmäßige Umweltmonitorings durch und spezialisierte Organisationen führen jährliche und vierteljährliche Messungen an den Grenzen von Wohngebieten in den Dörfern Kenqiıaq, Saryköl, Şubarşi und Qümsaı durch. Laut diesen Messungen überschreiten die Schadstoffwerte die zulässigen Höchstgrenzen nicht“</em>, erklärt das Unternehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dasselbe berichtet Ada Oil. Das Unternehmen fügt hinzu: <em>„Kenqiıaq und Şubarşi liegen etwa 18 Kilometer von den Produktionsanlagen des Unternehmens entfernt und befinden sich nicht in dessen Einflussbereich.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Position der Unternehmen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ölkonzerne, die in der Nähe des Kökjide-Sandmassivs tätig sind, glauben ausreichend für die Entwicklung der Region zu tun. „<em>Es ist wichtig, ein objektives Bild der Rolle der Unternehmen zu fördern – nicht als Bedrohung, sondern als Partner des Staates und der lokalen Gemeinschaften, die die territoriale Entwicklung und die Nachhaltigkeit der sozialen Infrastruktur gewährleisten“,</em> erklärt Joshi Deep Chandra, CEO von Ada Oil, auf Anfrage von Vlast.</p>



<p class="wp-block-paragraph">CNPC-AktobeMunaiGas gibt an, dass der Steuerbeitrag des Unternehmens in der Region 58 Prozent erreicht habe und dass von 2020 bis 2024 9,9 Milliarden Tenge (circa 17,8 Millionen Euro) an den Haushalt des Bezirks Temir überwiesen worden seien. Im Rahmen seiner sozialen Verantwortung habe man im Laufe der Geschäftstätigkeit 44,7 Millionen US-Dollar gespendet und verfolge zudem eine Wohltätigkeitspolitik.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Aktivitäten der Unternehmen zielen nicht nur auf die Entwicklung der Öl- und Gasindustrie ab, sondern auch auf die Aufrechterhaltung der sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Nachhaltigkeit der Region“</em>, betont Ada Oil.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/was-laeuft-falsch-mit-der-oekologie-in-kasachstan/">Was läuft falsch mit der Ökologie in Kasachstan?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Unternehmen fügt hinzu, dass es in der Region einen Kindergarten gebaut, umfangreiche Renovierungen an Bildungseinrichtungen durchgeführt, Wasserentnahmeanlagen wiederhergestellt, die Telekommunikationsinfrastruktur ausgebaut und auch Dörfer mit Kohle und Beleuchtung versorgt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wenn die Unternehmen massenhaft ihre Aktivitäten einstellen, drohen der Region Arbeitsplatzverluste, geringere Staatseinnahmen und eine Verschlechterung der Infrastruktur“</em>, heißt es weiter seitens des Unternehmens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Samat Berdenov, Vizepräsident von KMK Munai, berichtete außerdem, dass rund 30 Prozent der Mitarbeiter des Unternehmens aus dem Bezirk Temir stammen. Das Unternehmen beschäftige etwa 275 Mitarbeiter, ohne die Angestellten externer Dienstleister. Die jährliche Ölproduktion betrage 56.000 Tonnen und werde in den drei Feldern Qümsaı, Mortyq und Kökjide gefördert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im Rahmen unseres Vertrags überweisen wir Gelder an den lokalen Haushalt für die soziale Entwicklung der Region. Darüber hinaus leisten wir individuelle Hilfe: Auf Anfrage stellen wir Ausrüstung bereit; während der Überschwemmungen halfen wir beim Bau von Dämmen. Wir verteilen Neujahrsgeschenke und helfen Schulkindern aus benachteiligten Familien. Dies alles geschieht zusätzlich zu individuellen Spenden und Patenschaften“</em>, so Berdenov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vlast hat Anfragen an alle Unternehmen gesendet, aber von Urikhtau Operating keine Antwort erhalten. KazakhOil Aktobe lehnte es ab, die Fragen zu beantworten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Weitere Bilder im </em><a href="https://vlast.kz/regiony/68136-kokzide-neftanaa-step.html"><em>Originalartikel</em></a><em>.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Almas Kaysar, Paolo Sorbello (Text) und Daniyar Musirov (Fotos) für Vlast</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/koekjide-oel-steppe-was-hat-das-erdoel-den-doerfern-in-der-region-aqtoebe-gebracht/">Kökjide. Öl-Steppe – Was hat das Erdöl den Dörfern in der Region Aqtöbe gebracht?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/koekjide-oel-steppe-was-hat-das-erdoel-den-doerfern-in-der-region-aqtoebe-gebracht/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Was passiert, wenn die Wasserressourcen Zentralasiens knapp werden?</title>
		<link>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/was-passiert-wenn-die-wasserressourcen-zentralasiens-knapp-werden/</link>
					<comments>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/was-passiert-wenn-die-wasserressourcen-zentralasiens-knapp-werden/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2026 19:39:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Abwanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Energieversorgung]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Urbanisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Wassermanagement]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserpolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://novastan.org/de/?p=44043</guid>

					<description><![CDATA[<p>Jedes weitere D&#xFC;rrejahr in Zentralasien birgt das Potenzial f&#xFC;r eine politische Krise. Experten warnen: Wenn die L&#xE4;nder Zentralasien ihre Wasserpolitik nicht reformieren, drohen ihnen bald &#xE4;hnliche Wasserknappheit wie in Teheran. Und das, obwohl zum Beispiel Tadschikistan mit seinem Zugang zu den Gletschern des Pamir und seinen Quellfl&#xFC;ssen eigentlich als wasserreich gilt. Ende 2025 ver&#xF6;ffentlichte das [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/was-passiert-wenn-die-wasserressourcen-zentralasiens-knapp-werden/">Was passiert, wenn die Wasserressourcen Zentralasiens knapp werden?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Jedes weitere Dürrejahr in Zentralasien birgt das Potenzial für eine politische Krise. Experten warnen: Wenn die Länder Zentralasien ihre Wasserpolitik nicht reformieren, drohen ihnen bald ähnliche Wasserknappheit wie in Teheran. Und das, obwohl zum Beispiel Tadschikistan mit seinem Zugang zu den Gletschern des Pamir und seinen Quellflüssen eigentlich als wasserreich gilt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ende 2025 veröffentlichte das Zukunftsforschungsinstitut&nbsp;<a href="https://nightingale-int.com/">Nightingale Intelligence</a>&nbsp;eine&nbsp;<a href="https://nightingale-int.com/central-asian-capitals-risk-a-tehran-moment-without-urgent-water-reform/">Studie</a>&nbsp;mit alarmierenden Prognosen. Demnach droht den zentralasiatischen Metropolen eine massive Verschlechterung der Wasserversorgung, sollte es nicht zu raschen und umfassenden Reformen kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wasserversorgung der Region hängt maßgeblich vom&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>&nbsp;und vom&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Syrdarja">Syrdarja</a>&nbsp;ab, deren Zuflüsse aus den Gletschern des&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)">Pamir-</a>&nbsp;und des&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tian_Shan">Tian-Shan-Gebirges</a>&nbsp;stammen. Seit den 1960er-Jahren haben diese Gletscher jedoch einen erheblichen Teil ihrer Masse verloren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Folge werden die Flussläufe unberechenbarer – ein Risiko für die langfristige Wassersicherheit. Mindestens ebenso schwer wie der Klimawandel wiegt der ineffiziente Umgang mit Wasser in Landwirtschaft und Städten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das „Teheran-Szenario“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://nightingale-int.com/sobir-kurbanov/">Sobir Kurbanov</a>, Ökonom und Experte für internationale Entwicklung sowie Mitautor der Studie, beschreibt im Gespräch mit Asia-Plus das sogenannte&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tehran_water_shortage#:~:text=Iran%20faces%20a%20severe%20water,southern%20districts%20of%20the%20city">&#8222;Teheran-Szenario&#8220;</a>: einen drastischen Rückgang der Frischwasserversorgung in Städten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Dieses Szenario entsteht durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren – erschöpfte Wasserquellen, sinkende Zuflüsse in Stauseen, nicht nachhaltiger Verbrauch, marode Infrastruktur, hohe Verluste und eine rasante Urbanisierung ohne ausreichende Investitionen“,</em>&nbsp;erklärt Kurbanov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch herrschen in Städten wie&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschkent">Taschkent</a>,&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bischkek">Bischkek</a>&nbsp;oder&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Duschanbe">Duschanbe</a>&nbsp;keine formellen Wasserengpässe. Doch die Kombination aus wachsender Nachfrage und maroder Infrastruktur macht sie anfällig für Störungen. In Duschanbe seien bereits viele Merkmale des „Teheran-Szenarios“ erkennbar, warnt der Experte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Marode Netze, hohe Verluste</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Großteil der städtischen Wasserversorgungssysteme stammt noch aus der Sowjetzeit und wurde seitdem vor allem notdürftig repariert. Die Folge sind hohe Wasserverluste, häufige Rohrbrüche und eine ungleichmäßige Versorgung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Duschanbe äußert sich dies laut Kurbanov in sinkendem Wasserdruck, zunehmenden Störungen, schlechterer Wasserqualität und einer wachsenden Abhängigkeit einzelner Stadtteile von Wasserlieferungen per Lkw oder privaten Brunnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt der hohe Verbrauch: In Taschkent liegt der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch bei 230 bis 270 Litern, in Spitzenzeiten sogar bei bis zu 400 Litern. In europäischen Städten mit vergleichbarem Lebensstandard sind es im Schnitt 140 bis 150 Liter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/tadschikistans-doerfer-sammeln-schmelzwasser/">Tadschikistans Dörfer sammeln Schmelzwasser</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig gehen in Tadschikistan schätzungsweise 20 bis 38 Prozent des Wassers bereits während der Verteilung verloren – möglicherweise sogar mehr, da verlässliche Messsysteme fehlen. Zum Vergleich: In Europa gelten 25 Prozent als Durchschnitt, Spitzenwerte liegen bei 10 bis 12 Prozent.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Management statt Mangel</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studie kommt zu dem Schluss, dass technische Verluste und hoher Verbrauch Symptome eines tiefer liegenden Problems sind: eines ineffizienten Wassermanagements. Das bestehende System basiert weitgehend auf sowjetischen Strukturen, die für stabile klimatische Bedingungen und zentrale Planung konzipiert waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute sind die Wasserbehörden dauerhaft unterfinanziert, Tarife decken die tatsächlichen Kosten nicht, Investitionen bleiben aus. Daneben fehlt es an umfassender Kontrolle über Wasserentnahmen und Verluste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tadschikistan bewegt sich auf eine Krise zu, selbst ohne formale Reduzierung der Wasserressourcen“, sagt Kurbanov. Ursache seien hohe Verluste, mangelhafte Zählersysteme, fehlende Sparanreize und eine unzureichende Koordination zwischen Wasser-, Energie- und Stadtentwicklungspolitik.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Landwirtschaft als Hauptverbraucher</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders deutlich werden die Defizite in der Landwirtschaft, die 80 bis 90 Prozent der Wasserentnahmen in Zentralasien ausmacht. Noch immer dominieren offene Kanäle und Schwerkraftsysteme, bei denen bis zu 40 Prozent des Wassers durch Versickerung und Verdunstung verloren gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen sind sinkende Grundwasserspiegel, Bodenversalzung und geschädigte Ökosysteme – Prozesse, die bereits im&nbsp;<a href="https://nationalgeographic.de/umwelt/2017/11/zentralasien-es-war-einmal-ein-see/">Aralseebecken</a>&nbsp;sichtbar sind und langfristig auch Städte betreffen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Tadschikistan zeigt sich Wasserknappheit vor allem im ländlichen Alltag. Jede Verringerung des Bewässerungswassers wirkt sich unmittelbar auf Einkommen, Stromversorgung und Lebensbedingungen aus.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-im-fluss-das-neue-themenheft-der-zeitschrift-osteuropa/">Zentralasien im Fluss: Das neue Themenheft der Zeitschrift „Osteuropa“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Lage an den Quellgebieten wichtiger Flüsse verschafft Tadschikistan laut Kurbanov das Potenzial, eine führende Rolle im regionalen Wassermanagement zu übernehmen – vorausgesetzt, es gelingt eine koordinierte Steuerung von Wasser-, Energie- und Bewässerungssystemen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Abwanderung aus ländlichen Regionen&nbsp;</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studie warnt zudem vor den sozialen Folgen der Wasserknappheit. Sinkende Erträge und Einkommen führen zu einer schleichenden Abwanderung aus ländlichen Regionen – zunächst saisonal, später dauerhaft. Der Druck auf die Städte wächst dadurch weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel ist der&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Asht_District">Bezirk Ascht</a>&nbsp;in der&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sughd">Region Sughd</a>, bekannt für seine Aprikosenplantagen. Dort hat der Mangel an Bewässerungswasser bereits existenzielle Folgen. Der Rückgang des Wasserflusses im Fergana-Kanal sowie marode Pumpanlagen aus Sowjetzeiten verschärfen die Lage.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wasser und Strom – ein doppeltes Risiko</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr als 80 Prozent des Stroms in Tadschikistan stammen aus Wasserkraft. Sinkende Wasserstände wirken sich daher direkt auf die Energieversorgung aus. Schneearme Winter führen zu Stromrationierungen, da Wasser in Stauseen zurückgehalten werden muss. „Wasser, Strom, Bewässerung und Trinkwasserversorgung hängen alle von derselben hydrologischen Basis ab“, betont Kurbanov.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Spannungen mit Anrainerstaaten&nbsp;</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzliche Unsicherheit bringt der Bau des&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kusch-Tepa-Kanal">Kosh-Tepa-Kanals</a>&nbsp;in&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Afghanistan">Afghanistan</a>, der künftig bis zu zehn Kubikkilometer Wasser jährlich aus dem Amudarja ableiten könnte. Dies entspricht rund einem Drittel seines aktuellen Abflusses und verschärft die Spannungen zwischen den Anrainerstaaten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Usbekistan">Usbekistan</a>&nbsp;könnte betroffen sein, dessen Bewässerungssysteme stark vom Amudarja abhängen. Für Tadschikistan liegen die Risiken laut Kurbanov weniger in der Wassermenge als in politischen und systemischen Folgen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Noch ist es nicht zu spät</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autoren der Studie betonen: Das „Teheran-Szenario“ ist kein Schicksal, sondern das Resultat von Untätigkeit. Notwendig seien Investitionen in Infrastruktur, die Reduzierung von Verlusten, Reformen in der Landwirtschaft und eine faire Wasserökonomie mit klaren Tarifen und Verantwortlichkeiten. Ob Zentralasien den vorherigen Kurs noch korrigieren kann, hängt davon ab, wie schnell Worten konkrete Maßnahmen folgen.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aliya Khamidullina für Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://asiaplustj.info/news/tajikistan/security/20260119/vodnie-resursi-v-tsentralnoi-azii-istotshayutsya-chto-budet-kogda-pridet-chas-h">Russischen</a> von Margaret Bullich</strong></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/was-passiert-wenn-die-wasserressourcen-zentralasiens-knapp-werden/">Was passiert, wenn die Wasserressourcen Zentralasiens knapp werden?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/was-passiert-wenn-die-wasserressourcen-zentralasiens-knapp-werden/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Öskemen: Leben mit dem Smog</title>
		<link>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/oeskemen-leben-mit-dem-smog/</link>
					<comments>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/oeskemen-leben-mit-dem-smog/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[thevillage]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Jan 2026 20:13:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Luft]]></category>
		<category><![CDATA[Luftverschmutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Öskemen]]></category>
		<category><![CDATA[Smog]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltverschmutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Ust-Kamenogorsk]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://novastan.org/de/?p=43727</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wenn die Stadt in Smog geh&#xFC;llt ist und sich ein saurer Geschmack auf der Zunge und ein leichtes Kratzen im Hals bemerkbar machen, wissen alle Einwohner:innen von &#xD6;skemen, dass es am Vortag Emissionen gab. Dann sieht man Passant:innen mit Atemschutzmasken und Schulkinder mit Gasmasken auf den Stra&#xDF;en, und in den sozialen Medien posten Umweltsch&#xFC;tzer:innen und [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/oeskemen-leben-mit-dem-smog/">Öskemen: Leben mit dem Smog</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wenn die Stadt in Smog gehüllt ist und sich ein saurer Geschmack auf der Zunge und ein leichtes Kratzen im Hals bemerkbar machen, wissen alle Einwohner:innen von Öskemen, dass es am Vortag Emissionen gab. Dann sieht man Passant:innen mit Atemschutzmasken und Schulkinder mit Gasmasken auf den Straßen, und in den sozialen Medien posten Umweltschützer:innen und die Stadtverwaltung über ungünstige Wetterbedingungen, über die sich die Einheimischen bereits bitter lustig gemacht haben.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine aktuelle Studie des Zentralasiatischen Projektbüros für Klimawandel und grüne Energie ergab, dass die Luftverschmutzung in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Öskemen">Öskemen</a> in den letzten zehn Jahren durchgehend als hoch eingestuft wurde. Nur einmal, im Jahr 2016, wurden lediglich erhöhte Werte gemessen. In den beiden Jahren zuvor wurde die zulässige Höchstkonzentration an Schadstoffen in Öskemen 14.700 Mal überschritten. Das entspricht etwa 20 Messungen pro Tag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„The Village“ sprach mit Anwohner:innen, um herauszufinden, wie es ist, in einer Stadt zu leben, in der Häuser, Autos und Menschen in einem grauen Dunst verschwinden und die Straßen nach Schwefel stinken.</p>



<h2 class="wp-block-heading">„<strong>Wir warten darauf, dass man endlich aufhört, so zu tun, als ob nichts wäre“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ich sehe in der Ferne eine Stadt, die gar nicht existiert“</em>, schimpft Korneliuk im Taxi. Wie bezeichnend: Öskemen erscheint tatsächlich durchs Fenster, in einen leichten Dunst gehüllt. Am Steuer sitzt Serik Aga, der Taxifahrer. Er ist 58 Jahre alt und lebt seit 40 Jahren in Öskemen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ich habe schon alles gesehen: Emissionskontrollen, Inspektionen und leere Versprechungen. Immer wieder heißt es dasselbe: Die Fabriken arbeiten vorschriftsmäßig, und das Wetter ist schuld. Nun ja, unser Wetter macht uns natürlich zu schaffen. Die Leute haben es einfach satt, immer nur zu hoffen. Wir erwarten nicht mehr, dass die Luft so ist wie in den Bergen. Wir warten darauf, dass man endlich aufhört, so zu tun, als ob nichts wäre“,</em> sagt er.</p>



<div class="flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe">
	<div class="container flex flex-col lg:flex-row justify-between">
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-3/5 pb-4">
			<h2 class="text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]">
								Unterstützt Novastan &#8211; das europäische Zentralasien-Magazin 
			</h2>
				Als vereinsgetragene, unabhängige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! 
						</div>
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-2/5 justify-items-center justify-center pb-4">
			<div class="rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto">
											<a class="block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Novastan unterstützen</a>
							</div>
		</div>
	</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Serik Aga fügt hinzu, dass er an manchen Tagen die Fenster seines Taxis nicht öffnet, um zu verhindern, dass das gesamte Fahrzeug vom Geruch des Rauchs durchdrungen wird. Allein im Oktober wurden in der Stadt 18 Mal widrige Bedingungen verzeichnet – an mehr als der Hälfte der Tage des Monats. Sensoren von <a href="https://www.kazhydromet.kz/en/">Kazhydromet</a> zeigten Überschreitungen der zulässigen Höchstkonzentrationen von Schadstoffen wie Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und Schwefelwasserstoff. Jeder dieser Stoffe hat schädliche Auswirkungen auf den Körper, deren Folgen nicht nur von der Konzentration, sondern auch von der Expositionsdauer abhängen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schwefeldioxid, eines der aggressivsten Reizstoffe für die Atemwege, verätzt beim Einatmen die Schleimhäute. Dies verursacht Halsschmerzen, trockenen Husten, Bronchospasmen und kann zu einem Lungenödem führen. Dabei füllen sich die Atemwege mit Flüssigkeit und können ihre Hauptfunktion – die Sauerstoffversorgung des Körpers – nicht mehr erfüllen. Menschen mit Asthma, Allergien oder einer geschwächten Lunge leiden besonders stark: Schon geringe Überschreitungen der zulässigen Höchstkonzentration können Asthmaanfälle auslösen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstans-industriestaedte-leiden-unter-ausserordentlicher-luftverschmutzung/"><strong>Kasachstans Industriestädte leiden unter außerordentlicher Luftverschmutzung</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kohlenmonoxid ist besonders gefährlich, weil es unsichtbar ist. Es ist farb-, geruch- und geschmacklos, bindet sich aber fast augenblicklich an Hämoglobin und verdrängt dabei Sauerstoff. Vereinfacht gesagt: CO blockiert die Fähigkeit des Blutes, Sauerstoff zu Geweben und Organen zu transportieren. Betroffene leiden unter Schwäche, Schwindel, Tinnitus und Anzeichen von Sauerstoffmangel. In hohen Konzentrationen führt Kohlenmonoxid zu Bewusstlosigkeit und Tod. Und jede chronische – selbst geringfügige – Exposition führt dazu, dass der Körper monatelang ein Gefühl der Erstickung verspürt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schwefelwasserstoff ist an seinem charakteristischen Geruch nach faulen Eiern erkennbar. Seine Tücke liegt jedoch darin, dass der Geruchssinn bei hohen Konzentrationen schnell abstumpft – man verliert die Fähigkeit zu riechen, obwohl das Gas weiterhin wirksam ist. Das Gas schädigt direkt das Nervensystem und die Zellen des Atemzentrums im Gehirn. Bei längerer oder starker Exposition kann es zu Krampfanfällen, Lungenödemen, Bewusstlosigkeit und in schweren Fällen zu Atem- und Herzstillstand führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Substanzen haben eines gemeinsam: Sie sind alle giftig, insbesondere für Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke. Und noch wichtiger: Die „leicht erhöhte“ Konzentration ist nicht nur eine Position in einem Umweltbericht, sondern hat reale Auswirkungen auf den Körper, die sich Tag für Tag summieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fernunterricht wegen Luftverschmutzung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Oktober berichteten Umweltschützer:innen, dass die Luftmessungen kritische Werte aller drei Substanzen ergeben hatten. Die Schulen stellten auf Fernunterricht um. Doch für diejenigen, die hier täglich leben, bieten weder Fernunterricht noch offizielle Berichte eine Rettung. <em>„Öskemen ist eine Stadt, die einen nicht loslässt. Selbst wenn alle Fenster geschlossen sind, atmet sie das Gas mit uns ein“</em>, sagt Alina, eine junge Mutter aus Öskemen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie fügt hinzu, dass es in ihrer Heimatstadt schwierig sei, den Empfehlungen von Kinderärzt:innen zu folgen und regelmäßig mit einem Kleinkind spazieren zu gehen. Vor jedem Spaziergang überprüft Alina die Luftqualität mithilfe einer App. Sie achtet auf erhöhte Schadstoffkonzentrationen, da dies direkten Einfluss darauf hat, ob der Spaziergang für ihre Tochter schädlich sein könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/50-shades-of-smog-luftverschmutzung-in-zentralasien/"><strong>50 Shades of Smog – Luftverschmutzung in Zentralasien</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ich liebe unsere Stadt sehr. Ich habe fast mein ganzes Leben hier verbracht und kenne jeden Winkel. Ich bin sogar nach meinem Studium in Europa zurückgekehrt. Meine Eltern, meine Familie und meine Verwandten leben hier. Das ist mir wichtig. Aber mein Mann und ich überlegen ernsthaft, umzuziehen. Wir wollen nicht in einer Stadt leben, die im Grunde eine Umweltkatastrophe ist. Jetzt, nach der Geburt unserer Tochter, steht die Gesundheit unseres Kindes an erster Stelle. Mein Mann hat bereits angefangen, sich nach Stellenangeboten in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Astana">Astana</a> umzusehen. Wir denken darüber nach, langsam dorthin zu ziehen. Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass wir meine Eltern überzeugen können, aber ich mache mir ständig Sorgen um ihre Gesundheit. Ich glaube, die Emissionen hier führen zu einer sehr hohen Krebsrate“</em>, fügt Alina hinzu.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kampf gegen Windmühlen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Doch nicht jeder kann sich einen Umzug leisten. Für viele ist Öskemen eine Stadt, die mit Arbeit, Heimat, Erinnerungen und Wurzeln verbunden ist. Einer von ihnen ist Andrej (Name auf Wunsch des Betroffenen geändert). Er ist 33 Jahre alt und Ingenieur in einem Hüttenwerk, einem jener Betriebe, die das Industriebild der Region seit Jahrzehnten prägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ich arbeite seit meinem 22. Lebensjahr in diesem Werk. Es bietet ein sicheres Gehalt, Sozialleistungen und eine Sicherheit, die man sonst nirgends findet. Und ja, wir wissen, dass die Industrie einen großen Beitrag zum Umweltverschmutzung leistet. Aber ich kann nicht einfach kündigen. I<em>n Ust-Kaman (Koseform von Ust-Kamenogorsk, dem russischen Namen von Öskemen, Anm. d. Ü.) habe ich</em> eine Hypothek auf meine Wohnung, meine Eltern, meine Frau und meinen schulpflichtigen Sohn“</em>, erklärt Andrej.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-luft-die-kasachstan-atmet/"><strong>Die Luft, die Kasachstan atmet</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er spricht ruhig, doch seine Worte verraten die Müdigkeit der Jahre. „<em>Wir sind keine Feinde unserer Stadt. Wir wollen normal leben. Und es gibt Leute im Werk, die versuchen, etwas zu verändern: Wir installieren Luftreinigungssysteme, überwachen die Emissionen. Aber es scheint ein endloser Kampf gegen Windmühlen zu sein. Das Wetter ist schuld, das Gelände ist schuld, die Menschen selbst sind schuld – aber bloß nicht das System. Es ist, als ob Smog erst dann existiert, wenn er von einer Kamera erfasst wird“</em>, fügt er hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andrej erzählt, sein Sohn habe letztes Jahr zweimal wegen Atemproblemen die Schule verpasst:<br><em>„Die Ärzte sagen, es seien Allergien, eine schwache Lunge. Aber ich denke, welche Chance hat ein Kind, eine starke Lunge zu entwickeln, wenn es in dieser Luft lebt? Wissen Sie, was wir uns wünschen? Einfach nur atmen zu können. Keine Apps, keine Sensoren, keine Atemwegsmanagement-Geräte. Einfach nur frische Luft.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Stadt der Gegensätze</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Öskemen ist eine Stadt der Gegensätze. Sie ist wunderschön und gemütlich, umgeben von Bergen und zwei Flüssen. Sie blickt auf eine reiche Geschichte zurück und für ihre Einwohner:innen ist sie weit mehr als nur ein Punkt auf der Landkarte. Doch sie ist auch eine Stadt, in der die Einwohner:innen jeden Tag für das Recht auf saubere Luft kämpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/raum-zum-atmen-luftqualitaet-und-energiewende-in-kasachstan/"></a><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/raum-zum-atmen-luftqualitaet-und-energiewende-in-kasachstan/">Raum zum Atmen: Luftqualität und Energiewende in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Luft lösen sich nicht nur Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und Schwefelwasserstoff – mit ihnen zerbröckeln auch unsere vertraute Vorstellungen von Normalität. Kinder lernen im Fernunterricht nicht wegen der Pandemie, sondern wegen der Emissionen. Eltern überprüfen die Luftqualität häufiger als den Wetterbericht. Und Autofahrer:innen schließen die Fenster, um den Schwefelgeruch draußen zu halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschen leben, arbeiten und ziehen ihre Kinder groß, doch jeder Tag in Öskemen ist ein Tag des Hoffens auf den Wind, der den Smog vertreibt. Zumindest für ein paar Stunden oder Tage – bis die nächsten ungünstigen Wetterbedingungen eintreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Weitere Bilder findet ihr im <a href="https://www.the-village-kz.com/village/city/situation/42659-gorod-v-kotorom-deti-uchatsya-distantsionno-iz-za-otravlennogo-vozduha">Originalartikel</a>.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Dana Bashirova für The Village</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://www.the-village-kz.com/village/city/situation/42659-gorod-v-kotorom-deti-uchatsya-distantsionno-iz-za-otravlennogo-vozduha">Russischen</a> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/oeskemen-leben-mit-dem-smog/">Öskemen: Leben mit dem Smog</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/oeskemen-leben-mit-dem-smog/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wie der Kokaral-Damm in Kasachstan den Aralsee wiederbeleben will</title>
		<link>https://novastan.org/de/kasachstan/wie-der-kokaral-damm-in-kasachstan-den-aralsee-wiederbeleben-will/</link>
					<comments>https://novastan.org/de/kasachstan/wie-der-kokaral-damm-in-kasachstan-den-aralsee-wiederbeleben-will/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Dec 2025 09:32:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Amudarja]]></category>
		<category><![CDATA[Aralsk]]></category>
		<category><![CDATA[Demografie]]></category>
		<category><![CDATA[Dürre]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaerwärmung]]></category>
		<category><![CDATA[Kokaral]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Staudamm]]></category>
		<category><![CDATA[Syrdarja]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://novastan.org/de/?p=43617</guid>

					<description><![CDATA[<p>Im Norden des Aralsees versucht Kasachstan eine Rettungsaktion. Dank der Renovierung des Kokaral-Damms gewinnt das &#x201E;Kleine Meer&#x201C; nach Jahrzehnten des R&#xFC;ckgangs wieder an Boden. Doch hinter dem offiziellen Optimismus warnen Expert:innen und Einwohner:innen: Die R&#xFC;ckkehr des Wassers ist nach wie vor fragil und bei weitem nicht abgeschlossen. Im September 2025 freut sich Nurjan Nurjigitov, kasachstanischer [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wie-der-kokaral-damm-in-kasachstan-den-aralsee-wiederbeleben-will/">Wie der Kokaral-Damm in Kasachstan den Aralsee wiederbeleben will</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Im Norden des Aralsees versucht Kasachstan eine Rettungsaktion. Dank der Renovierung des Kokaral-Damms gewinnt das „Kleine Meer“ nach Jahrzehnten des Rückgangs wieder an Boden. Doch hinter dem offiziellen Optimismus warnen Expert:innen und Einwohner:innen: Die Rückkehr des Wassers ist nach wie vor fragil und bei weitem nicht abgeschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im September 2025 freut sich <a>Nurjan Nurjigitov</a>, kasachstanischer Minister für Wasserressourcen und Bewässerung, in der kasachstanischen Zeitung <a href="https://astanatimes.com/2025/09/northern-aral-sea-water-volume-growth-exceeds-targets/">Astana Times</a>: Der Kleine Aralsee hat 24 Milliarden Kubikmeter oder 42 Meter Höhe überschritten, vier Jahre früher als geplant. Das ist seit dem Rückgang des Aralsees beispiellos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Austrocknung begann in den 1960er Jahren, als die Sowjetunion massiv Wasser aus den beiden Zuflüssen – dem Syrdarja im Norden und dem Amudarja im Süden – umleitete, um ihre Baumwollkulturen zu bewässern. Das Meer schrumpfte mit herausragender Geschwindigkeit, bis Moskau 1990 einräumte, einen „ökologischen Unfall” begangen zu haben. Ein Jahr zuvor hatte sich der Aralsee in zwei Teile geteilt: einen größeren südlichen Teil, der heute fast verschwunden ist, und ein nördliches Becken, das Kasachstan zu retten versucht.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Strasse-durch-Aralsk-1024x682.jpeg" alt="" class="wp-image-43625" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Strasse-durch-Aralsk-1024x682.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Strasse-durch-Aralsk-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Strasse-durch-Aralsk-768x512.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Strasse-durch-Aralsk.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Straße von Aralsk in die Wüste Aralkum führt am Kleinen Meer entlang.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das kleine Aralmeer lebt wieder auf</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Unterstützung der Weltbank baute Kasachstan 2006 den Kokaral-Damm. Dieser zwölf Kilometer lange Damm aus Erde und Beton verschließt die Berg-Meerenge und verhindert, dass das Wasser des Syrdarja in den ausgetrockneten Süden abfließt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit Beginn der ersten Phase der Wiederherstellung des Sees im Jahr 2008 hat sich sein Volumen um 42 Prozent erhöht, wie der Minister für Wasserressourcen und Bewässerung im Januar gegenüber der kasachstanischen Medienagentur Tengri News <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/obyem-vodyi-uvelichilsya-v-aralskom-more-559501/">erklärte.</a> Der Salzgehalt hat sich halbiert und der See ist wieder bewohnbar für Fische geworden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Fisch-in-Aralsk-1024x682.jpeg" alt="" class="wp-image-43626" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Fisch-in-Aralsk-1024x682.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Fisch-in-Aralsk-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Fisch-in-Aralsk-768x512.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Fisch-in-Aralsk.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">In Aralsk sind wieder Fische auf den Marktständen zu finden.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Um <a href="https://daz.asia/blog/hoffnung-in-aralsk/">Aralsk,</a> einer ehemaligen Küstenstadt am Kleinen Meer – wie das kasachstanische Becken genannt wird – herum, wird wieder gefischt und die Verarbeitungsbetriebe nehmen ihren Betrieb wieder auf. Novastan hat Zauresh Alimbetova, Direktorin des Vereins Aral Oasis und gebürtige Aralskerin, gefragt, wie sich die Region seit dem Bau des Staudamms verändert hat. <em>„Die wirtschaftliche Lage der Einwohner hat sich verbessert, die Fischer kehren zurück“,</em> stellt sie fest. Auf dem Basar der Stadt sind Barsch und Karpfen aus dem Aralsee wieder in den Auslagen zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan will es dabei nicht belassen: Das Land hat die „Phase 2” seines Sanierungsprogramms eingeleitet. Im Mai 2025 gab Nurzhan Nurzhigitov laut der Nachrichtenagentur Kazinform <a href="https://qazinform.com/news/kazakhstan-starts-implementing-2nd-phase-of-north-aral-sea-conservation-project-7c5c48">bekannt, </a>dass die Arbeiten zur Erhöhung des Kokaral-Staudamms in die Endphase eingetreten seien. Nach Fertigstellung soll das Meer eine Höhe von 44 Metern erreichen und das Wasser sich der ehemaligen, ausgetrockneten Küstenstadt nähern.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Rest verwandelt sich in eine Wüste</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aber diese Wiederbelebung erfolgt nur partiell. Laut einer 2025 in Europe-Asia Studies <a href="https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09668136.2024.2441711?scroll=top&amp;needAccess=true">veröffentlichten Studie</a> macht das wiederhergestellte Gebiet kaum 5 Prozent des Meeres aus den 1960er Jahren aus. Der Rest hat sich in Aralkum verwandelt, eine Wüste aus Salz und giftigen Partikeln, die aus der sowjetischen Landwirtschaft und dem Bergbau stammen. Durch den Wind werden diese Partikel über Tausende von Kilometern transportiert und beeinträchtigen die Gesundheit der Bewohner:innen der Region, <a href="https://www.tandfonline.com/doi/citedby/10.1080/09668136.2024.2441711?scroll=top&amp;needAccess=true">berichtet</a> das usbekische Medienunternehmen Kun.uz. Die Forscher:innen derselben Studie warnen: Mit dem Damm werden die Feuchtgebiete im südlichen Teil weiter austrocknen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst das Kleine Meer bleibt fragil. Wie das kasachstanische Wasserministerium der Agentur Kazinform im Jahr 2024 <a href="https://qazinform.com/news/aral-syrdarya-basin-declined-by-38-ministry-of-water-resources-1af042">bestätigte,</a> nimmt die Durchflussmenge des Syrdarja ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/der-schriftsteller-und-geograf-cedric-gras-auf-den-strassen-des-durstes/"><strong>Der Schriftsteller und Geograf Cédric Gras auf den Straßen des Durstes</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Marat Narbaev, Generaldirektor des Internationalen Fonds zur Rettung des Aralsees (IFAS) – einer 1993 von den fünf zentralasiatischen Ländern gegründeten Regierungsorganisation –, trifft sich mit Novastan und zieht eine bittere Bilanz: Auf einem „Vorher-Nachher”-Foto der Ufer des Syrdarja zeigt er die Spuren, die das Wasser vor einigen Jahren hinterlassen hat. Für ihn sind die beiden Schuldigen für die Austrocknung die globale Erwärmung und das Bevölkerungswachstum. <em>„Es gibt fünfzig Millionen Einwohner im Becken, bald werden es siebzig sein”,</em> sagt er leise.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="684" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Wueste-1024x684.jpeg" alt="" class="wp-image-43627" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Wueste-1024x684.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Wueste-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Wueste-768x513.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/12/Wueste.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Rest des Beckens verwandelt sich in eine Wüste</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wachsender Druck</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der demografische Druck hat nämlich zu einer Ausweitung der Anbauflächen und einem Anstieg des Wasserverbrauchs geführt. In der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qysylorda_(Gebiet)">Kyzylorda</a> werden 90 Prozent des gesamten verfügbaren Wassers für die Reisbewässerung verwendet, wie Forscher:innen im Jahr 2021 <a href="https://sdpz.rs/images/casopis/2021/zib_70_1_82.pdf">berechnet</a> haben. Da die in der Sowjetzeit gebauten Bewässerungskanäle undicht sind, erreicht fast die Hälfte des gepumpten Wassers nie die Felder, erklärte der kasachstanische Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Kassym-Schomart Tokaev</a> in <a href="https://www.akorda.kz/en/president-kassym-jomart-tokayevs-state-of-the-nation-address-181857">einer Rede</a> im Jahr 2022. Das verschwendete Wasser verdunstet oder versickert im Boden.</p>



<div class="flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe">
	<div class="container flex flex-col lg:flex-row justify-between">
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-3/5 pb-4">
			<h2 class="text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]">
								Unterstützt Novastan &#8211; das europäische Zentralasien-Magazin 
			</h2>
				Als vereinsgetragene, unabhängige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! 
						</div>
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-2/5 justify-items-center justify-center pb-4">
			<div class="rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto">
											<a class="block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Novastan unterstützen</a>
							</div>
		</div>
	</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Auf regionaler Ebene waren die Spannungen um Wasser noch nie so groß wie heute. Jeder der zentralasiatischen Staaten hat seine eigenen Prioritäten: Kirgistan setzt auf Wasserkraft, während Usbekistan und Turkmenistan Wasser aus dem Amudarja pumpen, um ihre Baumwollkulturen zu bewässern. <em>„Taschkent und Aschgabat müssten ihr Wirtschaftsmodell ändern, aber sie wollen weiterhin Baumwolle anbauen“,</em> sagt Marat Narbaev. Diese widersprüchlichen Zeitpläne erschweren jede koordinierte Bewirtschaftung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/warum-der-aralsee-nicht-das-einzige-umweltproblem-usbekistans-ist/"><strong>Warum der Aralsee nicht das einzige Umweltproblem Usbekistans ist</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein neues Projekt trübt das Bild zusätzlich: Seit 2022 <a href="https://novastan.org/fr/decryptage/le-fleuve-amou-daria-exploite-par-lafghanistan-quelles-consequences-pour-les-pays-dasie-centrale/">baut</a> Afghanistan den Kusch-Tepa-Kanal. Dieser 285 Kilometer lange Kanal soll <a href="https://qazinform.com/news/what-afghanistans-qosh-tepa-canal-could-mean-for-central-asia">laut der</a> kasachstanischen Nachrichtenagentur Kazinform ab 2028 in Betrieb genommen werden und bis zu 30 Prozent der Wassermenge des Amudarja umleiten. Für das südliche Meer und die Feuchtgebiete Usbekistans bedeutet dies ein fast endgültiges Aus. Für den Norden hat dies einen Dominoeffekt: Mit weniger Wasser in der Region wird der Druck auf den Syrdarja größer.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Alternativen zur Erhöhung des Damms</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Austrocknung des Aralsees zu verlangsamen, suchen Kasachstan und Usbekistan nach Lösungen. Die erste wäre, einen Teil des Flusses Essil, der von der kasachstanischen Steppe nach Russland fließt, umzuleiten, um den Aralsee indirekt über <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turgai-Plateau">das Turgai-Tal</a> im Nordwesten des Landes wieder zu speisen. Das Projekt, das 2022 und 2024 erneut in mehreren Parlamentsdebatten zur Sprache kam, <a href="https://icaber.kz/index.php/en/about-us-2/">wird von</a> Zhanbolat Nadyrov, dem Gründer des Internationalen Fonds für die Wiederherstellung der Ökosysteme des Kaspischen Meeres und des Aralsees und für den Hochwasserschutz, vorangetrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/wie-haushalten-die-zentralasiatischen-laender-mit-ihren-wasserressourcen/"><strong>Wie haushalten die zentralasiatischen Länder mit ihren Wasserressourcen?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Initiativen orientieren sich an Ländern, die mit Wasserknappheit zu kämpfen haben. Usbekistan eifert den Vereinigten Arabischen Emiraten und ihrem Programm zur Wolkenimpfung nach. Die Technik besteht darin, Salz in bestimmte Wolken zu streuen, um den Niederschlag zu erhöhen, wie das usbekische Medienunternehmen Daryo <a href="https://daryo.uz/en/category/uzbekistan/aaadflryd0jn">berichtet.</a> Eine Methode, die kasachstanische Aktivist:innen wie Altay Ainabek, genannt „Rain Man“, inspiriert, der verspricht, mit diesen Techniken „den Aralsee zurückzubringen“. Im Jahr 2024 behauptet der Aktivist, diese Technologie eingesetzt zu haben und für einen Anstieg der Niederschläge in diesem Jahr verantwortlich zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Behauptung, die von den Klimatolog:innen der nationalen Wetterbehörde Kazhydromet mit einer Handbewegung abgetan wird. <a href="https://centralasiaclimateportal.org/did-rain-man-raise-the-water-level-in-the-aral-sea-kazhydromet-conclusion/">Das Umweltinstitut</a> CAREC zitiert sie und erinnert daran, dass die Region zu trocken ist und dass die Aussaat die natürlichen Niederschläge nur um „maximal 10 bis 15 %“ erhöhen könnte. Ein zu geringer Anstieg, um in das Projekt zu investieren, urteilt die Institution.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück in Aralsk hofft Ainur Rysbaeva, Direktorin des Umweltverbands Aral Tenizi, dass das Land seine Meinung ändern wird: „<em>Es ist eine sehr wirksame Methode, die in den Emiraten Früchte getragen hat“, e</em>rklärt sie gegenüber Novastan. Sie setzt sich dafür ein, dass die vom IFAS erhaltenen Mittel für andere Projekte als die derzeit im Portfolio dominierenden verwendet werden: <em>„Seit fünf Jahren sind die vom IFAS finanzierten Umweltprojekte nicht optimal.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Insbesondere die Aufforstungsprojekte am ausgetrockneten Meeresbett sorgen für Enttäuschung. Durch die Anpflanzung von Saxaul, einem Wüstenbaum, der extremen klimatischen Bedingungen standhalten soll, hoffen die kasachstanischen und usbekischen Behörden, die Bodenerosion zu bremsen, den Salzgehalt zu reduzieren und Vegetation anzulocken. <em>„Kasachstan wird bis 2027 mehr als eine Million Hektar damit bepflanzen“,</em> sagt Marat Narbaev.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ergebnisse sind jedoch gemischt: Die jungen Pflanzen sind in den salzhaltigsten Gebieten wenig widerstandsfähig und nur auf wenigen Parzellen übersteigt die Überlebensrate der gepflanzten Bäume 50 Prozent, wie eine 2021 <a href="https://water-ca.org/article/state-of-saxaul-plantations#:~:text=The%20findings%20of%202020%20revealed,ha%20in%20the%20Aralkum%20village">veröffentlichte Studie</a> berichtet. <em>„Diese Projekte können eine Reform der Wassernutzung nicht ersetzen“,</em> warnt Aynur Rysbaeva. Auch wenn der Aralsee in Teilen zurückkehrt, bleibt seine Zukunft ungewiss und hängt von den Entscheidungen der Menschen ab.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Manon Madec für Novastan aus Aralsk und Aralkum (Kasachstan)</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Französischen von Margaret Bullich</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wie-der-kokaral-damm-in-kasachstan-den-aralsee-wiederbeleben-will/">Wie der Kokaral-Damm in Kasachstan den Aralsee wiederbeleben will</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://novastan.org/de/kasachstan/wie-der-kokaral-damm-in-kasachstan-den-aralsee-wiederbeleben-will/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
