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	<title>Atomkraft Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Wed, 27 Aug 2025 16:25:07 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Atomkraft Archives</title>
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	<item>
		<title>Klimaneutral bis 2060? Kasachstans große Energie-Vision auf dem Prüfstand</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Wilhelmi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Aug 2025 16:25:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als Kasachstan mit dem Bau eines neues Atomkraftwerks offiziell beginnt, herrscht &#xFC;ber der Region eine extreme Hitze. Die Erderw&#xE4;rmung ist im kontinentalen Klima umso mehr sp&#xFC;rbar: In einem Land, in dem die Sommerhitze schon 49 Grad Celsius erreichen kann, ist jede Erh&#xF6;hung bedrohlich. Doch die Bem&#xFC;hungen, klimaneutral zu werden, sind mit gro&#xDF;en Schwierigkeiten verbunden. Eine [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Als Kasachstan mit dem Bau eines neues Atomkraftwerks <a href="https://orda.kz/zdes-budet-prekrasnyj-gorod-v-kazahstane-oficialno-nachali-stroit-pervuju-atomnuju-jelektrostanciju-405199/">offiziell beginnt</a>, herrscht über der Region eine extreme Hitze. Die Erderwärmung ist im kontinentalen Klima umso mehr spürbar: In einem Land, in dem die Sommerhitze schon 49 Grad Celsius erreichen kann, ist jede Erhöhung bedrohlich. Doch die Bemühungen, klimaneutral zu werden, sind mit großen Schwierigkeiten verbunden. Eine Entschlüsselung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Temperaturen in Kasachstan – wie auch überall – steigen. Der Winter 2024/25 wurde schon offiziell als <em>„</em>anomal<em>“</em> warm eingestuft, wobei die Temperaturen <a href="https://www.kazhydromet.kz/uploads/files_calendar/8210/file/68149f166eadbokonchatelnyy-prognoz-zpv-2025-god.pdf">die Norm um 2 bis 6 Grad überstiegen.</a> Auch Frühling und Sommer waren extrem heiß: Monatliche Meldungen nennen regionale Temperaturrekorde, die 2025 <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/temperaturnyiy-rekord-83-letney-davnosti-pobit-v-kazahstane-577947/">aufgestellt</a> wurden. In den letzten 75 Jahren hat sich die jährliche Durchschnittstemperatur um 6 Grad Celsius erhöht.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">In diesem Kontext sind die Bemühungen, dem Klimawandel entgegenzuwirken und diesen zumindest abzudämpfen, extrem relevant. Doch der jetzige Ausgangspunkt lässt eine <em>„</em>grüne Zukunft<em>“</em> in weite Ferne rücken.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Rohstoffabhängigkeit im Hintergrund</h2>



<p class="wp-block-paragraph">2023 hat Kasachstans Präsident Qasym-Jomart Toqaev die ambitionierte <a href="https://unfccc.int/sites/default/files/resource/Carbon_Neutrlaity_Strategy_Kazakhstan_Eng_Oct2024.pdf">Strategie zur Erreichung der CO2-Neutralität bis 2060</a> genehmigt. Doch für das zentralasiatische Land, dessen Wirtschaft stark von der Gewinnung, Verarbeitung und dem Export von Rohstoffen wie Öl und Gas geprägt ist, wird die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen nicht einfach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast während seiner gesamten unabhängigen Geschichte hat Kasachstan die Förderung von Brennstoffen vorangetrieben, indem es Investitionen dadurch angezogen hat, dass die Rechte für die Exploration und Förderung von Gas und Öl an Konzerne wie British Petroleum, Exxon und Shell vergeben werden. Öl macht aktuell <a href="https://kaztag.kz/ru/news/81-mlrd-prevysila-eksportnaya-vyruchka-kazakhstana-v-2024-godu-#:~:text=$81%20%D0%BC%D0%BB%D1%80%D0%B4%20%D0%BF%D1%80%D0%B5%D0%B2%D1%8B%D1%81%D0%B8%D0%BB%D0%B0%20%D1%8D%D0%BA%D1%81%D0%BF%D0%BE%D1%80%D1%82%D0%BD%D0%B0%D1%8F%20%D0%B2%D1%8B%D1%80%D1%83%D1%87%D0%BA%D0%B0%20%D0%9A%D0%B0%D0%B7%D0%B0%D1%85%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%B0%20%D0%B2%202024%20%D0%B3%D0%BE%D0%B4%D1%83,-6%20%D0%BC%D0%B0%D1%8F%202025&amp;text=%D0%9A%D1%80%D0%BE%D0%BC%D0%B5%20%D1%82%D0%BE%D0%B3%D0%BE,%20%D1%81%D1%82%D1%80%D0%B0%D0%BD%D0%B0%20%D0%B0%D0%BA%D1%82%D0%B8%D0%B2%D0%BD%D0%BE%20%D0%BF%D0%BE%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%B2%D0%BB%D1%8F%D0%BB%D0%B0,%D1%8F%D0%BD%D0%B2%D0%B0%D1%80%D0%B5%20%D0%BF%D1%80%D0%B5%D0%B2%D1%8B%D1%81%D0%B8%D0%BB%20$2,8%20%D0%BC%D0%BB%D1%80%D0%B4.">52,5 Prozent der Exporte</a> des Landes aus und bringt jährlich bis zu 40 Milliarden Euro ein. Während Russland wegen seines Angriffs auf die Ukraine mit Sanktionen belegt ist, suchen westliche Länder nach alternativen Lieferanten, weshalb Kasachstan neue Verträge erhält – vor allem <a href="https://kz.kursiv.media/2025-05-19/svan-exportoil-eu/">für den Ölexport nach Europa</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Geschäft ist also viel zu lukrativ, um darauf zu verzichten oder zumindest die Ölfördermenge zu drosseln. Trotzdem wird es geschehen. Wenn auch nicht aus ökologischen Gründen, dann aus Not. Laut Prognosen reichen die derzeitig bekannten Ölvorräte bei der aktuellen Fördermenge <a href="https://orda.kz/na-skolko-let-hvatit-nefti-v-kazahstane-390561/#:~:text=%D0%A0%D0%B0%D0%B7%D0%B2%D0%B5%D0%B4%D0%B0%D0%BD%D0%BD%D1%8B%D1%85%20%D0%B7%D0%B0%D0%BF%D0%B0%D1%81%D0%BE%D0%B2%20%D0%BD%D0%B5%D1%84%D1%82%D0%B8%20%D0%B2%20%D0%9A%D0%B0%D0%B7%D0%B0%D1%85%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%B5,%D0%A7%D0%B8%D1%82%D0%B0%D0%B9%D1%82%D0%B5%20%D1%82%D0%B0%D0%BA%D0%B6%D0%B5:">nur für 30 Jahre</a>. Das kann generell mit den Klimaziele einhergehen, dennoch erforscht der Staat weiterhin aktiv vielversprechende Gebiete für potenzielle neue Lagerstätten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Hauptproblem: Kohle</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Öl ist nur ein Teil des Problems. Der Energiesektor im Allgemeinen ist Kasachstans Quelle Nr. 1 für Treibhausgasemissionen. Obwohl der Energiebedarf der Industrie knapp über ein Fünftel des Endenergieverbrauchs ausmacht, wird mehr als ein Drittel für den Gebäudesektor aufgewendet. Hier kommt die Kohleverarbeitung ins Spiel.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Im Land gibt es reichlich Kohle und sie lässt sich sehr kostengünstig fördern. Kasachstans größte Kohlevorkommen liegen nicht tief und sehr dicht. 2023 konnte bei Bergwerken eine Tonne Kohle <a href="https://forbes.kz/news/newsid_307913">für ca. 9.000 Tenge erworben</a> werden – also nach damaligem Wechselkurs für ca. 18 Euro, weit unter den gängigen Preisen am Weltmarkt. Für Endkunden innerhalb des Landes kann sich der Preis aufgrund von Transportkosten verdoppeln, allerdings bleibt dieser Brennstoff immer noch die preiswerteste Quelle für die Energieerzeugung. Durch den Einsatz von Kohle <a href="https://unfccc.int/sites/default/files/resource/Carbon_Neutrlaity_Strategy_Kazakhstan_Eng_Oct2024.pdf">entsteht</a> mehr als die Hälfte der Treibhausgasemissionen in Kasachstan.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/entwicklung-erneuerbarer-energien-in-kasachstan-ein-interview-mit-ainur-sospanova/">Entwicklung erneuerbarer Energien in Kasachstan – ein Interview mit Ainur Sospanova</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan nutzt den Großteil der im Land geförderten Kohle für den Eigenbedarf: Dadurch werden vor allem die Wärmekraftwerke versorgt. Kohle ist für 99% der Wärmeerzeugung in Kasachstan verantwortlich; auch mehr als die Hälfte des Stroms wird damit erzeugt. Doch die Kraftwerke sind alt und teilweise marode: Die meisten wurden schon in der Sowjetunion gebaut und haben ihre vorgesehene Betriebsdauer längst überschritten. Die veralteten Technologien entsprechen keinen ökologischen Standards und führen zudem zu hohen Verlusten bei der Energieverteilung.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Bereitschaft, auf Kohle komplett zu verzichten, scheint bei der Regierung auch in der Theorie nicht ausgeprägt zu sein. „<em>Wir leben auf Reichtum. Die Kohleverstromung gilt als die günstigste. Außerdem erm</em><em>öglicht der Bau von Heizkraftwerken auch die Steuerung der Wärmeversorgung. Wie Sie wissen, werden alle unsere Städte durch Heizkraftwerke und eine zentrale Wärmeversorgung versorgt. Diesen Ansatz müssen wir weiterverfolgen</em><em>“,</em> zitiert <a href="https://www.zakon.kz/obshestvo/6475842-otkazhetsya-li-kazakhstan-ot-ugolnoy-generatsii-rasskazali-v-minenergo.html">zakon.kz. </a>Kasachstans Minister für Energie Erlan Aqkenjenov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Alternative schlägt der Minister vor, die Heizkraftwerke mit modernen Kesseln auszustatten, die es ermöglichen, Kohle <em>„rückstandsfrei</em><em>“</em> zu verbrennen. Bis 2035 solle „<em>jedes Heizkraftwerk schrittweise auf saubere Kohletechnologie</em><em>“</em> umgerüstet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstans-industriestaedte-leiden-unter-ausserordentlicher-luftverschmutzung/">Kasachstans Industriestädte leiden unter außerordentlicher Luftverschmutzung</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Republik mit ihren kalten Wintermonaten ist <a href="https://orda.kz/bolee-poloviny-semej-v-kazahstane-zhivut-bez-centralnogo-otoplenija-380508/">weniger als die Hälfte </a>der Haushalte an ein Nah- oder Fernwärmenetz angeschlossen. In Einfamilienhäusern ist Kohle oft der primäre Energieträger für die Heizung, was wiederum zu einer Verstärkung des ohnehin schon <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/50-shades-of-smog-luftverschmutzung-in-zentralasien/">erheblichen Smogs </a>führt, der von Heizkraftwerken in Großstädten wie Almaty verursacht wird. Ein erheblicher Teil der Energie geht außerdem ungenutzt verloren. Der Wohnungsbestand in Kasachstan ist alt, und seine energetische Modernisierung ist teurer als die Preise für Strom oder Heizung, die ins Leere gehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schleppende Dekarbonisierung im Straßenverkehr</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Verkehrswesen, dem zweitgrößten Energieverbraucher im Land, sieht die Situation ähnlich aus. Die Wirtschaftskommission für Europa hat in der Roadmap für SDG7 (Bezahlbare und saubere Energie) Kasachstan <a href="https://unece.org/sites/default/files/2025-04/SDG7%20Roadmap%20for%20Kazakhstan_FinalSigned.pdf">empfohlen</a>, 15% der PKWs bis 2050 zu dekarbonisieren. Stand jetzt sind in der Republik 6,17 Mio. Autos registriert, Elektroautos machen davon <a href="https://forbes.kz/articles/skolko-elektromobiley-zaregistrirovano-v-kazahstane-0edb66">nur 0,003%</a> aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Vierteljahrhundert ist eine lange Zeit – vor 25 Jahren gab es schließlich noch gar keine Elektroautos, so wie man sie heute kennt. Jedoch scheint diese Zeitspanne für Kasachstan optimistisch zu sein: Fast die Hälfte der PKW im Land <a href="https://kz.kursiv.media/2025-04-15/kmlz-starye-mashiny/?utm_source=in_materials">ist</a> älter als 20 Jahre, und ein erheblicher Teil davon besteht aus Autos, die im Ausland keinen TÜV mehr bekommen würden oder ökologischen Standards nicht entsprechen. Obwohl die Regierung Geldstrafen für die Autobesitzer <a href="https://inbusiness.kz/ru/news/pravitelstvo-rassmatrivaet-zapret-ispolzovaniya-vseh-poderzhannyh-avtomobilej-v-kazahstane">plant</a>, deren Fahrzeuge die Abgasnormen überschreiten, ist eine direkte zweckgebundene Finanzierung von Umweltinitiativen mit den Einnahmen nicht vorgesehen. Viele Fahrer wechseln ihre Autos erst dann, wenn die nicht mehr zu fahren sind, und auch dann kommen erstmal der Sekundär- und Tertiärmarkt für PKW infrage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Umsteigen auf ein Elektroauto ist in Kasachstan nicht leicht: Alle Ladestationen befinden sich innerhalb der drei größten Städte: Astana, Almaty und Shymkent und auch dort sind diese nur begrenzt verfügbar. Wegen Brandgefahr ist es zum Beispiel verboten, eine Ladestation auf einem Mehrfamilienhaus-Parkplatz zu installieren. Die Besitzer sind somit auf öffentliche Ladestationen in Parkhäusern und Einkaufszentren angewiesen – die im Übrigen häufig keinen Ökostrom liefern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut interner Recherche eines Autoproduzenten in der Region betrachten mehr als die Hälfte der Autobesitzer die E-Autos nicht als eine Kaufoption, wenn sie über ihren nächsten Autokauf nachdenken. Nach dem Boom im Jahr 2022/2023, als billige E-Autos aus China en masse importiert wurden, ist die Aufregung zurückgegangen. Die Marktlücke scheint gefüllt zu werden. Die städtische Bevölkerung mit überdurchschnittlichen Einkommen, die sich ein E-Auto leisten könnte und wollte, hat es schon erworben, für den Rest ist es viel zu teuer, viel zu unpraktisch, viel zu unbekannt. Die Autohändler <a href="https://kz.kursiv.media/2025-02-28/kmlz-gibridnyi-avtomobil-electromobili/amp/">konzentrieren sich</a> jetzt stattdessen auf Hybridmodelle, die als Übergangslösung dienen könnten – aber auch diese kommen beim jetzigem Stand der Infrastruktur für die Mehrheit nicht infrage.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Saubere Energie: nur ein Bruchteil</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist auch nicht so, dass Kasachstan gar keine saubere Energie produziert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die Wasserkraftwerke eher eine minderwertige Rolle bei der Energieerzeugung spielen, ist durchaus logisch. Diese stammen zum Großteil aus der gleichen Generation wie die Wärmekraftwerke. Außerdem sind die Wasservorräte am Schwinden, und ob es genug Wasser für die Energieerzeugung in den nächsten Jahren geben wird, ist fraglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/klimawandel-und-wasserressourcen-in-zentralasien-wachsende-unsicherheit/">Klimawandel und Wasserressourcen in Zentralasien: Wachsende Unsicherheit</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch unter Berücksichtigung der günstigen Lage der zentralasiatischen Republik wird Solar- und Windenergie erstaunlich wenig genutzt. Stand 2024 gab es in der Republik 59 Windkraftanlagen und 46 Solarparks, obwohl Kasachstans weite unbewohnte Steppen für diese Energieerzeugung fast ideal wären. In den südlichen Regionen gibt es <a href="https://www.gov.kz/memleket/entities/energo/press/news/details/712088?lang=ru">2200 bis 3000 Sonnenstunden im Jahr</a>, also zwei bis drei mal so viel wie in Deutschland. Auch für Windenergieerzeugung ist das Land eigentlich attraktiv: In der ganzen Republik ist die notwendige Windgeschwindigkeit von 5 &#8211; 6 m/s vorhanden, in erheblichen Teilen des Landes <a href="https://globalwindatlas.info/ru/area/Kazakhstan">erreicht</a> diese 8,27 m/s. Laut Expertenschätzungen beträgt das <a href="https://www.gov.kz/memleket/entities/energo/press/news/details/712088?lang=ru">Energiepotential</a> der Windenergie 920 Mrd. kWh pro Jahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem wird dieses Potenzial nicht ausreichend genutzt. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Für die nichtstaatlichen Investoren ist der Sektor der sauberen Energie auf dem aktuellen Preisniveau unattraktiv. Die sowieso schon teuren Anlagen müssen erst importiert werden, doch der Strom wird an die Endkunden – im Maximaltarif – für sieben Cent pro Kilowattstunde mit Mehrwertsteuer verkauft. Meistens liegen die Preise für die Bevölkerung bei der Hälfte davon. Das deckt kaum <a href="https://orda.kz/tri-ajes-dlja-kazahstana-jeto-mnogo-ili-malo-405118/">die Wartungskosten</a>. Der Anlagehorizont ist in dem Fall viel zu lang; bis die Rendite da ist, sind die Energieanlagen schon veraltet und brauchen neues Kapital für die Modernisierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die Energiepreise unvermeidbar steigen müssen, um die Modernisierungskosten im Sektor zu decken und die Umstellung auf grüne Energie voranzutreiben, war klar. Auch <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstan-stimmt-fuer-atomkraft/">das umstrittene neue Atomkraftwerk</a>, das potentiell auch <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/niemand-hat-die-absicht-ein-oder-zwei-oder-drei-kernkraftwerke-zu-bauen/">nicht das letzte wird</a>, soll sich erst rentieren. Die Experten schätzen, dass in den ersten 15 Jahren der Atomstrompreis bei 12,5 Cent Pro Kilowattstunde liegen wird. Doch die nachhaltige Energie muss zum Marktführer werden. In der idealen Energiebilanz sollen diese mindestens die Hälfte ausmachen, während über Kernkraftwerke mindestens ein Prozentsatz gedeckt werden muss, der sich am weltweiten Anteil an Kernenergie, der bis 2040 12% erreichen sollte, orientiert, so Sergei Agafonov, der Vorsitzender des Kasachischen Verbands der Energieversorgungsunternehmen. <em>„Ja, die erneuerbaren Energien werden in unserer Energiebilanz gegenüber allen anderen Erzeugungsarten dominieren müssen. Die Hauptsache ist, dass wir diesen Wandel sorgfältig vollziehen (…)</em><em>“</em>, sagte Agafonov <a href="https://orda.kz/tri-ajes-dlja-kazahstana-jeto-mnogo-ili-malo-405118/">in einem Interview</a> mit Orda.kz.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zweifel sind angebracht</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Strategie für 2060 enthält weder den Umsetzungsplan noch die Erfolgsindikatoren – und auch keine Sanktionen für das Nichterreichen der gesetzten Ziele. 2017 wurde auf der EXPO in Astana schon <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/was-bremst-die-entwicklung-der-grunen-energie-in-kasachstan/">angekündigt</a>, dass der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 auf 30% steigen soll. Stand jetzt liegt die Quote bei <a href="https://stat.gov.kz/ru/industries/business-statistics/stat-energy/">nur 6,2%</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist immer noch ein Zuwachs von 4% in den letzten 7 Jahren, doch die Wachstumseinschätzung war eindeutig viel zu optimistisch. Schon vier Jahre später hat sich der Zielwert in offiziellen Aussagen halbiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-herausforderungen-auf-dem-weg-hin-zu-mehr-erneuerbaren-energien/">Kirgistan: Herausforderungen auf dem Weg zu mehr erneuerbaren Energien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Szenario, das auch bei der Strategie-2060 die Ziele verfehlt werden, ist nicht auszuschließen. Auch Climate Action Tracker zeigt Zweifel an der Strategie und bewertet Kasachstans Klimaschutzmaßnahmen als <a href="https://climateactiontracker.org/countries/kazakhstan/">„unzureichend“</a><em>,</em> weil „<em>die Emissionen unter den derzeitigen politischen Rahmenbedingungen (mindestens) bis 2035 weiter steigen werden</em>“. Der politische Wille sowie der Spielraum, um bestehende Herausforderungen effektiv anzugehen, scheint unzureichend zu sein.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Anna Wilhelmi für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Frankreich in Kasachstans Atomprojekt: Chancen für die Multivektorpolitik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[sherzodbabakulov]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jan 2025 18:33:13 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Rosatom]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit dem Referendum vom 8. Oktober 2024 steht fest: Kasachstan bekommt ein Atomkraftwerk. Auch Frankreich rechnet sich Chancen aus, f&#xFC;hrender Partner beim Bau des ersten kasachstanischen Meilers zu werden. Kasachstan liefert zwar bis zu 43 Prozent des weltweiten Urans, k&#xE4;mpft jedoch permanent mit Energieengp&#xE4;ssen. Im Rahmen einer Strategie zur &#xDC;berwindung des Energiedefizits setzte die Regierung [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit dem Referendum vom 8. Oktober 2024 steht fest: Kasachstan bekommt ein Atomkraftwerk. Auch Frankreich rechnet sich Chancen aus, führender Partner beim Bau des ersten kasachstanischen Meilers zu werden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan liefert zwar bis zu 43 Prozent des weltweiten Urans, kämpft jedoch permanent mit Energieengpässen. Im Rahmen einer Strategie zur Überwindung des Energiedefizits setzte die Regierung für den 8. Oktober 2024 ein Referendum über den Bau eines Kernkraftwerks an. Die Mehrheit der Bevölkerung stimmte dabei <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstan-stimmt-fuer-atomkraft/">für den Bau eines ersten Kernkraftwerks</a> in der Nähe des im Osten des Landes gelegenen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash-Sees.</a> Bereits am 3. Januar 2025 <a href="https://www.zakon.kz/sobytiia/6462127-prezident-ne-isklyuchaet-vozmozhnosti-stroitelstva-vtoroy-aes-v-kazakhstane.html">sprach</a> Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> über den perspektivischen Bau von zwei weiteren Kernkraftwerken in Kasachstan.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um den Bau des Kernkraftwerks bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2025 umzusetzen, pocht die Regierung darauf, eine Interessengemeinschaft von Energieunternehmen aus insgesamt fünf Ländern zu bilden, so Energieminister <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Almasadam_S%C3%A4tqaliev">Almasadam Sätqaliev</a>. Die Unternehmen seien dazu aufgerufen, Kasachstan optimal zugeschnittene Zeit- und Kostenvoranschläge zu unterbreiten, <a href="https://vlast.kz/novosti/63197-kazahstan-opredelitsa-s-konsorciumom-po-stroitelstvu-aes-v-pervoj-polovine-2025-goda.html">sagte er</a>. Obwohl sich a priori mehrere Länder an dem Projekt beteiligen werden, wird sich eine der Parteien als Hauptverantwortlicher herausbilden. Dieser wird in den entscheidenden Etappen eine tragende Rolle einnehmen. Zu den potenziell führenden Ländern gehört Frankreich, das über hochinnovative Nukleartechnologie verfügt. Da fast 70 Prozent der Elektrizität des Landes durch Kernkraft erzeugt wird, bietet Frankreich gute Voraussetzungen, Kasachstan auf dem Weg zur Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu unterstützen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus könnte die französische Beteiligung Kasachstans multivektorielle Außenpolitik stärken und die Abhängigkeit von Russland und China ausbalancieren. Dies ist angesichts der heftigen Auseinandersetzungen zwischen westlichen und russischen Unternehmen von besonderer Bedeutung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Strategische Partnerschaft im Bereich der Kernenergie</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als Emmanuel Macron seinen kasachischen Amtskollegen im November 2024 in Paris empfing, bekannte er sich ausdrücklich dazu, die nuklearen Ambitionen Kasachstans zu unterstützen. Die beiden Präsidenten trafen darüber hinaus Vereinbarungen über die Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Nukleartechnologie sowie der Exploration <a href="https://www.euractiv.de/section/energie-und-umwelt/news/eu-soll-produktion-von-seltenen-erden-in-kasachstan-foerdern/">Seltener Erden</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während eines darauffolgenden offiziellen Besuchs in Frankreich vom 4. bis 6. Dezember 2024 <a href="https://www.zakon.kz/stati/6455305-vstrecha-prezidentov-kazakhstana-i-frantsii-ukrepit-partnerstvo-dvukh-stran--ekspert.html">führte</a> eine kasachstanische Delegation unter der Leitung des Energieministers Gespräche über eine strategische Nuklearpartnerschaft. Die Delegation traf sich mit wichtigen Akteuren der französischen Atomindustrie, darunter Électricité de France <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%89lectricit%C3%A9_de_France">(EDF),</a> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Framatome">Framatome</a> und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Arabelle_Solutions">Arabelle Solutions</a>. Frankreich, weltweit wichtigster Player im Bereich der Kernenergie, erklärte sich bereit, Kasachstan bei diesem Projekt technisch und strategisch zu unterstützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/gruene-transition-in-zentralasien-unterstuetzung-durch-europaeische-entwicklungszusammenarbeit/"><strong>Grüne Transition in Zentralasien – Unterstützung durch europäische Entwicklungszusammenarbeit</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Aussicht auf die französische Beteiligung öffnet strategische Möglichkeiten. Die EDF schaffte es bereits als potenzieller Technologielieferant <a href="https://www.akorda.kz/ru/glava-gosudarstva-prinyal-generalnogo-direktora-lectricit-de-france-edf-lyuka-remona-5102130">in die engere Wahl</a>. Doch Frankreich kokettiert nicht nur mit hochentwickelten Technologien, es würde auch zu einer Stärkung der bilateralen Beziehungen und der Energiesicherheit in Zentralasien <a href="https://www.gov.kz/memleket/entities/energo/press/news/details/897664?lang=ru">beitragen</a>. Letzteres ist vor dem Hintergrund der Energiemängel und der obsoleten Infrastruktur, die in den letzten Wintern zu <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wird-zentralasien-einen-winter-ohne-energie-erleben/">folgenreichen Stromausfällen</a> geführt hatten, das politische Thema der Stunde.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Geopolitische Streitigkeiten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entscheidung, in Kasachstan ein Konsortium internationaler Unternehmen zu gründen, ist nicht nur eine wirtschaftliche Initiative, sondern auch ein geopolitischer Balanceakt. Mehrerer Länder miteinzubeziehen, darunter Frankreich, Südkorea, China und Russland, ist Teil der kasachischen Strategie. Diese zielt darauf ab, die Partnerschaften zu diversifizieren und die Außenpolitik multisektoral zu gestalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Innen wird allerdings Kritik aufgrund des potenziellen Einflusses „polarisierender“ Länder laut. Einigen Aktivisten bereiten die westlichen Technologien Sorgen, anderen ist die Beteiligung russischer Unternehmen zuwider. An dieser Stelle könnte ein französisches Unternehmen Kasachstan einen Kompromiss darstellen: eine Entscheidung zwischen den Nachbarn Kasachstans würde vermieden und das geopolitische Gleichgewicht bewahrt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/darmarka-wie-umweltaktivistinnen-in-almaty-alte-dinge-recyclen/"><strong>„Darmarka“: Wie Umweltaktivist:innen in Almaty alte Dinge recyclen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">So könnte laut Mitgliedern der Bewegung „NPP kerek emes“ („Wir brauchen kein AKW“) die diplomatische Unabhängigkeit Kasachstans in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%B6derale_Agentur_f%C3%BCr_Atomenergie_Russlands">Föderale Agentur für Atomenergie Russlands</a> <em>Rosatom</em> den Hauptauftrag für den Bau erhält. In einer Diskussionsrunde auf dem beliebten Youtube-Analyse-Channel <a href="https://www.youtube.com/watch?v=otMpHksxNSY"><em>Hyperborey</em></a> äußerte der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_Wladimirowitsch_Sliwjak">russisch-deutsche Öko-Aktivist Wladimir Sliwjak</a> die Meinung, dass Russland den AKW-Bau in voller Absicht „fördert“. <em>„Der potenzielle Vertrag mit Rosatom ist gerade aus organisatorischer und wirtschaftlicher Sicht von Vorteil, weil wir nach Geldgebern noch nicht einmal suchen müssten. Wir müssten noch nicht einmal hingehen und um die Gelder bitten“</em>, sagte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wer Kernreaktoren bei einem anderen Land bestellt, macht sich von diesem für die nächsten 100 Jahre abhängig, wenn nicht sogar noch länger. Das wiederum birgt auch die Möglichkeit, andere politische Fragen zu lösen“,</em> fasste der Umweltschützer zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits ist die Wahrscheinlichkeit nach Ansicht russischer Politologen äußerst gering, dass Kasachstan die Zusammenarbeit mit Russland zugunsten französischer Atomprojekte ausschlägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/das-ewige-thema-ein-gespraech-mit-der-kasachischen-schriftstellerin-roza-muqanova/"><strong>„Das Ewige Thema“ – Ein Gespräch mit der kasachischen Schriftstellerin Roza Muqanova</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im November 2023 hatte <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Sergei_Markov">Sergej Markow</a>, Experte und Direktor des Instituts für politische Studien in Russland, gegenüber dem russischen Medium <a href="https://riamo.ru/news/ekonomika/politolog-markov-ob-yasnil-pochemu-frantsuzskie-aes-ne-poyavyatsya-v-kazahstane/">RIAMO</a> erklärt, dass der Bau französischer Kernkraftwerke in Kasachstan unwahrscheinlich sei. Die Beteiligung seitens <em>Rosatom</em> an Projekten solcher Art habe fast schon Tradition, begründete er. <em>„Die Verhandlungen mit den Franzosen dienen höchstwahrscheinlich dazu, die Zusammenarbeit mit Rosatom auf bessere Bedingungen zu hieven. Die tatsächlichen Aussichten für eine Hauptrolle Frankreichs sollten jedoch nicht überschätzt werden“</em>, sagte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Traut man den Einschätzungen des kasachstanischen Ökonomen Almas Tşukin, sind Russland und Frankreich zwar beide weltweit führend im Bereich der Kernenergie, doch ziehe Russland in der derzeitigen geopolitischen Lage den Kürzeren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Was den technischen Entwicklungsstand betrifft, spielen Frankreich und Russland beide in der ersten Liga. Frankreich ist das Land der Atomkraft schlechthin. Die Kernkraftwerke stemmen 70 Prozent des französischen Stroms. Ihre neuesten Entwicklungen sind Weltspitze. Russland steht zwar bei der Anzahl der AKWs an erster oder zweiter Stelle, hat aber die Sanktionen am Bein, die auch entscheidende importierte Komponenten und Geräte treffen. Darüber hinaus ist Rosatom selbst mit Sanktionen belegt, und eine Zusammenarbeit mit ihnen wirft große Fragen auf“,</em> so der Wirtschaftler in einem Interview mit <a href="https://orda.kz/kazahstan-prodolzhaet-vybirat-aes-ot-rossii-kitaya-franczii-ili-yuzhnoj-korei/">Orda.kz</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die öffentliche Meinung und die Ursachen des Energiedefizits</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz seines Status als führender Uranproduzent hat Kasachstan ernsthafte Herausforderungen in puncto Energiesicherheit aufgrund der bereits erwähnten <a href="https://www.inform.kz/ru/natsproekt-o-bolshoy-modernizatsii-v-energetike-i-tarifnoy-nagruzke-278029">infrastrukturellen Probleme</a>. Das kasachstanische Energiedefizit beträgt zu Spitzenzeiten 2 Gigawatt und könnte bis 2030 auf 7 Gigawatt ansteigen, <a href="https://vlast.kz/novosti/62167-deficit-elektroenergii-v-kazahstane-v-pikovye-casy-dostigaet-2-gvt-sklar.html#:~:text=%D0%94%D0%B5%D1%84%D0%B8%D1%86%D0%B8%D1%82%20%D1%8D%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%82%D1%80%D0%BE%D1%8D%D0%BD%D0%B5%D1%80%D0%B3%D0%B8%D0%B8%20%D0%B2%20%D0%9A%D0%B0%D0%B7%D0%B0%D1%85%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%B5%20%D0%B2%20%D0%BF%D0%B8%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D1%">sagte</a> der Stellvertretende Ministerpräsident Roman Sklıar bei einer Pressekonferenz im Oktober 2024.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl die Mehrheit der kasachstanischen Bevölkerung die Kernenergie befürwortet, bestehen weiterhin <a href="https://rus.azattyq.org/a/33124382.html">Bedenken</a> hinsichtlich des Umweltschutzes, der Katastrophenvorsorge und der Entsorgung der radioaktiven Abfälle. In Reaktion darauf <a href="https://www.gov.kz/situations/723/1481?lang=ru">bekannte sich</a> Kasachstans Regierung dazu, die internationalen Sicherheitsstandards einzuhalten und die Transparenz der Entscheidungsprozesse zu gewährleisten. Weiterhin ziehe sie auch Bildungsinitiativen in Betracht, um der Öffentlichkeit die Vorteile und Risiken der Kernenergie näher zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass <a href="https://laender-analysen.de/zentralasien-analysen/166/atomkraft-nuklearreferendum-kasachstan-2024/#:~:text=Nach%20dem%20Beitritt%20zum%20Atomwaffensperrvertrag,einem%20Eckpfeiler%20der%20Au%C3%9Fenpolitik%20gemacht.">Kasachstans jüngere Geschichte</a> auch ein maßgebliches „nukleares Erbe“ trägt: Über 450 zwischen 1949 und 1991 durchgeführte Atomtests haben die Umwelt und Gesundheit in der Region um die Stadt Semipalatinsk [heute <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Semei">Semeı</a>, Anm. d. Red.] nachhaltig geschädigt. In der Öffentlichkeit Kasachstans stellt dies nach wie vor ein sensibles Thema dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-auf-dem-atomwaffentestgelaende-semipalatinsk-wird-eine-sicherheitszone-eingerichtet/"><strong>Kasachstan: Auf dem Atomwaffentestgelände Semipalatinsk wird eine Sicherheitszone eingerichtet</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuletzt unterstreicht Kasachstan gleich in zweifacher Hinsicht seine friedliche und verantwortungsvolle Absicht: Zum einen ist es sich seiner Rolle als führender Uranproduzent bewusst, zum anderen hält es weiter an dem Atomwaffensperrvertrag über die Nichtverbreitung von Atomwaffen fest. Diesen hatte der Erste Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaev</a> 1993, zwei Jahre nach der Schließung des Testgeländes, unterzeichnet. Seit 1995 ist Kasachstan atomwaffenfrei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Experten hegen keinerlei Zweifel, dass Russland den Bauauftrag erhalten wird. Es sei jedoch daran erinnert, dass der Kasachstans Präsident Toqaev kürzlich in einem Interview mit dem Medium Apa Tili Pläne zum Bau weiterer zwei oder drei Kernkraftwerke angekündigt hat. Experten rechnen der <em>EDF</em> in diesen Projekten gute Chancen für eine Führungsrolle aus. Denn Frankreich imponiert nicht nur mit seiner Expertise im Bereich der Kernkraft, es punktet auch mit der positiven Resonanz vergangener Projekte in anderen Ländern.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Sherzod Babakulov für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
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		<title>Kasachstan: Ein Referendum über die Nutzung ziviler Atomkraft</title>
		<link>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstan-ein-referendum-ueber-die-nutzung-ziviler-atomkraft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Eléonore Darasse]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Oct 2024 14:51:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraft]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Balchaschsee]]></category>
		<category><![CDATA[Balqash]]></category>
		<category><![CDATA[Kernkraftwerk]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am kommenden Sonntag, den 6. Oktober, wird Kasachstan ein Referendum &#xFC;ber den Bau eines Atomkraftwerks abhalten. Der weltweit f&#xFC;hrende Uranproduzent versucht, seine Abh&#xE4;ngigkeit von Kohle zu verringern. Das Referendum &#xFC;ber den Bau eines Atomkraftwerks in Kasachstan findet am 6. Oktober statt. Dies gab Pr&#xE4;sident Qasym-Jomart Toqaev am 2. September w&#xE4;hrend seiner j&#xE4;hrlichen Rede zur Lage [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am kommenden Sonntag, den 6. Oktober, wird Kasachstan ein Referendum über den Bau eines Atomkraftwerks abhalten. Der weltweit führende Uranproduzent versucht, seine Abhängigkeit von Kohle zu verringern.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Referendum über den Bau eines Atomkraftwerks in Kasachstan findet am 6. Oktober statt. Dies gab Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> am 2. September während seiner jährlichen <a href="https://akorda.kz/ru/poslanie-glavy-gosudarstva-kasym-zhomarta-tokaeva-narodu-kazahstana-spravedlivyy-kazahstan-zakon-i-poryadok-ekonomicheskiy-rost-obshchestvennyy-optimizm-285014">Rede</a> zur Lage der Nation bekannt. Die Möglichkeit, Atome zur Stromerzeugung in Kasachstan zu nutzen, wurde von Toqaev im Juni 2019, wenige Tage nach seinem Amtsantritt als Präsident, erstmals ins Spiel gebracht. Bei dieser Gelegenheit sei auch die Möglichkeit eines Referendums zur Lösung der Frage erwähnt worden, berichtete damals das kasachstanische Nachrichtenportal <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/tokaev-ob-aes-esli-ponadobitsya-provedem-referendum-371061/">Tengrinews</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wirtschaftliche Entwicklung ist ohne eine stabile Energieversorgung nicht möglich. Deshalb habe ich darum gebeten, die Frage des Baus eines Kernkraftwerks zu untersuchen. Es gibt derzeit eine breite Debatte und es werden unterschiedliche Standpunkte geäußert“</em>, erklärte Toqaev im Juni dieses Jahres während einer <a href="https://akorda.kz/ru/vystuplenie-prezidenta-kasym-zhomarta-tokaeva-na-torzhestvennoy-ceremonii-po-sluchayu-nagrazhdeniya-rabotnikov-smi-275430">Rede</a> bei einer Preisverleihung für Medienschaffende. <em>„Das Land verfügt über große Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich der Kernenergie. Es ist wichtig, diese richtig und effizient zu nutzen. Die endgültige Entscheidung in dieser Frage wird vom Volk getroffen“</em>, fuhr er fort.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Sind Sie mit dem Bau eines Atomkraftwerks in Kasachstan einverstanden?“</em> Dies ist laut <a href="https://akorda.kz/ru/o-provedenii-6-oktyabrya-2024-goda-respublikanskogo-referenduma-282222">Präsidialerlass</a> vom 2. September die Frage, die der Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 3. September organisierte die Zentrale Referendumskommission Kasachstans (ORK) eine Pressekonferenz, um die Modalitäten für die Organisation der Abstimmung vorzustellen. Dies berichtete <a href="https://www.azattyq.org/a/33104102.html">Radio Azattyq</a>, der kasachstanische Dienst von Radio Free Europe. Mehr als 10.000 Wahllokale, davon 78 im Ausland, werden von 7 bis 20 Uhr geöffnet sein, um den mehr als 12 Millionen Wahlberechtigten gerecht zu werden. Die Organisation des Referendums werde umgerechnet 28 Millionen Euro kosten, teilte die ORK mit.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Hoher Strombedarf</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die Nutzung ziviler Kernenergie möchte Kasachstan seinen Energiemix diversifizieren und so die eigene Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, aber auch die Luftverschmutzung durch CO2-Emissionen verringern. Es geht auch darum, eine stabile Versorgung zu gewährleisten, da die Nachfrage nach Strom steigt. Dies ist Folge des Bevölkerungswachstum, einer dynamischen Wirtschaft, sowie des energieintensiven <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/aufraeumen-nach-ftx-kasachstan-strebt-regulierung-der-kryptobranche-an/">Krypto-Minings</a>, welches in Kasachstan floriert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während einer Regierungssitzung im August erinnerte Energieminister Almasadam Sätqaliev daran, dass die Stromproduktion in Kasachstan immer noch mit 66 Prozent größtenteils aus Kohlekraftwerken stammt. Und obwohl der Sektor der erneuerbaren Energien mit einem Anteil von rund 6 Prozent wächst, was insbesondere auf das Ziel der CO2-Neutralität bis 2060 zurückzuführen ist, gebe es <a href="https://primeminister.kz/ru/news/asatkaliev-na-sovremennom-etape-alternativy-aes-net-28990">laut Sätqaliev</a> <em>„derzeit keine Alternative zu Kernkraftwerken“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Internationale Finanzinstitutionen weigern sich, in den Bau von Kohlekraftwerken zu investieren. Unsere Gasressourcen sind begrenzt. Erneuerbare Energien können aufgrund ihrer Abhängigkeit von natürlichen und klimatischen Bedingungen keine zuverlässige Stromerzeugung gewährleisten“</em>, begründet der Minister den Spannungsbogen zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und Klimanotstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/entwicklung-erneuerbarer-energien-in-kasachstan-ein-interview-mit-ainur-sospanova/"><strong>Entwicklung erneuerbarer Energien in Kasachstan – ein Interview mit Ainur Sospanova</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Zentralasien, einer Region fernab aller Meere, herrscht kontinentales Klima. Der Sommer ist heiß und der Winter kalt und lang. Diese Bedingungen führen zu Spitzen im Stromverbrauch. Berechnungen zufolge wird die Stromproduktion in Kasachstan bis 2035 voraussichtlich auf weniger als 135 Milliarden Kilowattstunden sinken. Nach Prognosen des Ministeriums soll der Stromverbrauch im gleichen Zeitraum jedoch bis zu 152,4 Milliarden Kilowattstunden erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher ist schnelles Handeln geboten, zumal Kasachstan wie die gesamte Region bereits regelmäßig <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wird-zentralasien-einen-winter-ohne-energie-erleben/?noredirect=de-DE">mit Engpässen konfrontiert</a> ist. Falls es eine entsprechende Mehrheit im Referendum gibt, soll das Atomkraftwerk Berechnungen zufolge bis 2035 circa <a href="https://www.inform.kz/ru/planiruemaya-k-stroitel-stvu-aes-zakroet-do-12-energopotrebleniya-k-2035-godu_a4067119/">12 Prozent</a> des Verbrauchs decken.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nukleares Erbe</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Befürworter:innen argumentieren, dass Kasachstan alle günstigen Voraussetzungen für die Entwicklung der Kernenergie erfülle. Vor allem der Brennstoff Uran ist im Land reichlich vorhanden. Nach Angaben der <a href="https://world-nuclear.org/information-library/country-profiles/countries-g-n/kazakhstan#:~:text=In%202022%2C%20Kazakhstan%20produced%2043,fuel%20rather%20than%20just%20uranium.">World Nuclear Association</a> wurden im Jahr 2022 43 Prozent des weltweiten Urans in Kasachstan gefördert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Land wurde als Sitz der <a href="https://www.iaea.org/topics/iaea-low-enriched-uranium-bank">Bank für niedrig angereichertes Uran (LEU)</a> der <a href="https://www.iaea.org/">Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)</a> ausgewählt. Die Anlage befindet sich im metallurgischen Werk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ulba_(Unternehmen)">Ulba</a> in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Öskemen">Öskemen</a> und hat die Aufgabe, eine sichere und stabile Versorgung zu gewährleisten, indem den Mitgliedstaaten der IAEA bis zu 90 Tonnen schwach angereichertes Uran zur Verfügung gestellt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/politologin-togjan-qasenova-solange-es-atomwaffen-gibt-werden-wir-alle-deren-geiseln-sein/"><strong>Politologin Togjan Qasenova: „Solange es Atomwaffen gibt, werden wir alle deren Geiseln sein“</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hat Kasachstan auch ein schweres nukleares Erbe zu tragen: Auf dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffentestgelände_Semipalatinsk">Atomwaffentestgelände Semipalatinsk</a> im Nordosten der damaligen Kasachischen Sozialistischen Sowjetrepublik testete die Sowjetunion im August 1949 ihre erste Atombombe. Zwischen 1949 und 1989 wurden rund 476 Atomtests durchgeführt und somit mindestens 1,3 Millionen Menschen in den umliegenden Gebieten der Strahlung ausgesetzt, berichtet das kasachstanische Nachrichtenportal <a href="https://vlast.kz/novosti/45360-zonu-adernoj-bezopasnosti-sozdadut-na-semipalatinskom-poligone.html">Vlast</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach seiner Unabhängigkeit erbte Kasachstan das viertgrößte Atomwaffenarsenal der Welt, welches es im April 1995 an die Russische Föderation <a href="https://www.nti.org/analysis/articles/kazakhstan-nuclear-disarmament/">übertrug</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Besorgte öffentliche Meinung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüngsten Umfragen zeigen ein gewisses öffentliches Interesse. In einer am 22. August veröffentlichten Umfrage des <a href="https://kisi.kz/ru/glavnaya/">Kasachstanischen Instituts für Strategische Studien</a> (KISS), die vom 7. bis 18. August telefonisch unter 1.200 Personen ab 18 Jahren durchgeführt wurde, sprachen sich 53,1 Prozent der Befragten für den Bau eines Atomkraftwerks in Kasachstan aus. 42,6 Prozent der Befragten äußerten ihre Absicht, am Referendum teilzunehmen, und 51 Prozent hielten sich für ausreichend informiert, um ihre Wahl treffen zu können, berichtet die <a href="https://astanatimes.com/2024/08/slight-majority-favor-construction-of-nuclear-power-plant-in-kazakhstan-survey-finds/">Astana Times</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine am 20. September veröffentlichte Umfrage, die dieses Mal vom KISS unter 8.000 Menschen durchgeführt wurde, zeigt, dass 59,2 Prozent der Befragten den Wunsch äußern, am Referendum teilzunehmen, wie die <a href="https://astanatimes.com/2024/09/survey-reveals-strong-public-interest-in-nuclear-power-plant-referendum/">Astana Times</a> schreibt. Die Mehrheit der Befragten sprach sich für das Projekt aus, 38 Prozent der Befragten befürworteten dies uneingeschränkt, weitere 21,6 Prozent tendieren zu einer Befürwortung. 15,8 Prozent der Befragten gaben an, gegen die Anlage zu sein, und 9,1 Prozent erklärten, sie seien noch unentschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-herausforderungen-auf-dem-weg-hin-zu-mehr-erneuerbaren-energien/"><strong>Kirgistan: Herausforderungen auf dem Weg zu mehr erneuerbaren Energien</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Befragten gaben an, dass sie hauptsächlich (49,5 Prozent) wegen Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit besorgt seien. Umweltbedenken folgen dicht dahinter (42,9 Prozent) und 22,8 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich Sorgen über Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge machen. Darüber hinaus geben 18,6 Prozent der Befragten an, dass sie sich Gedanken über die Beseitigung radioaktiver Abfälle machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.azattyq.org/a/33085187.html">Radio Azattyq</a> berichtet seinerseits, dass Gegner:innen des Projekts mehrfach daran gehindert wurden, an öffentlichen Debatten teilzunehmen, welche in rund zwanzig Städten im ganzen Land organisiert wurden. <em>„Propaganda, keine Debatte“</em>, meinen Aktivist:innen. Sie prangern an, dass die Diskussionen nur die Vorteile des Atomkraftwerks hervorheben. In Almaty hatte ein Hotel, in dem im September ein Treffen von Gegner:innen des Projekts stattfinden sollte, die Veranstaltung einige Tage zuvor <a href="https://rus.azattyq.org/a/33118892.html">abgesagt</a>. Die offizielle Begründung: Das Hotel sei geschlossen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fragen ohne Antwort</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Falle einer Annahme des Referendums bestehen keine Zweifel über den Standort, an dem das Kraftwerk errichtet werden soll. Das Dorf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ülken">Ülken</a> am Ufer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqaş-Sees</a>, dem größten See des Landes, wurde von den kasachstanischen Behörden öffentlich ausgewiesen. Der Bau der Anlage, deren Kosten laut dem usbekischen Nachrichtenportal <a href="https://daryo.uz/en/lUrD0JxF">Daryo</a> auf 10 bis 12 Milliarden Dollar (zwischen 8 und 10 Milliarden Euro) geschätzt werden, könnte ein Jahrzehnt dauern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Partnerland, das Kasachstan beim Bau dieses Kraftwerks unterstützen soll, herrscht jedoch Unklarheit. Sofern es keine Überraschung gibt, wird es China, Südkorea, Frankreich oder Russland werden. Gerüchten zufolge dürfte das russische Unternehmen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Föderale_Agentur_für_Atomenergie_Russlands">Rosatom</a> den Zuschlag am wahrscheinlichsten erhalten. Dieser Punkt ist in Kasachstan nicht spannungsfrei, da die ehemalige Schutzmacht bereits das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmodrom_Baikonur">Kosmodrom Baikonur</a> betreibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-atomkraftwerk-im-wuestensand/"><strong>Ein Atomkraftwerk im Wüstensand?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aset Nauryzbaev, Wirtschaftswissenschaftler und ehemaliger Leiter von Kasachstans Stromnetzagentur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/KEGOC">KEGOC</a>, sieht in einem von Russland gebauter Reaktor ein Angriff auf Kasachstans Multi-Vektoren-Außenpolitik. Astana hat es sich zur Aufgabe gemacht, sicherzustellen, dass die diplomatischen Beziehungen mit den Nachbarn Russland und China ausgewogen sind, sodass keiner von beiden einen Einfluss ausübt, der seine politischen Entscheidungen beeinflussen könnte. <em>„Durch den Bau eines eigenen Atomkraftwerks hier kann Russland Kasachstan in seinem Einflussbereich halten. Sie werden sicherlich Druckmittel einsetzen, wenn es nötig ist“</em>, erklärte Nauryzbaev gegenüber <a href="https://eurasianet.org/kazakhstan-to-hold-referendum-on-building-nuclear-power-plant">Eurasianet</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Welches Unternehmen für den Bau der Anlage ausgewählt wurde, werde nach dem Referendum bekannt gegeben, erklärten die Behörden lediglich, ohne Einzelheiten zu nennen. Auch die Finanzierungsmodalitäten der Anlage (öffentliche Mittel, private Investitionen, internationale Kredite) wurden nicht besprochen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Eléonore Darasse für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/kazakhs-appeles-prononcer-recours-nucleaire-civil/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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