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	<title>Zentralasienstrategie Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Fri, 22 Dec 2023 20:25:31 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Zentralasienstrategie Archives</title>
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		<title>Neue Ansätze in Russlands Zentralasienpolitik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Oct 2020 12:38:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Zentralasienstrategie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Russland m&#xF6;chte die Zusammenarbeit mit Zentralasien intensivieren. Im Rahmen einer Videokonferenz am 15. Oktober verabschiedeten die Au&#xDF;enminister Russlands und der zentralasiatischen Staaten eine Erkl&#xE4;rung zur gemeinsamen Zusammenarbeit. Neu ist vor allem die Etablierung des gemeinsamen Dialogformats &#x201E;Zentralasien + Russland&#x201C;. Am 15. Oktober haben sich die Au&#xDF;enminister Kasachstans, Kirgistans, Usbekistans, Tadschikistans, Turkmenistans und der Russischen F&#xF6;deration [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Russland möchte die Zusammenarbeit mit Zentralasien intensivieren. Im Rahmen einer Videokonferenz am 15. Oktober verabschiedeten die Außenminister Russlands und der zentralasiatischen Staaten eine Erklärung zur gemeinsamen Zusammenarbeit. Neu ist vor allem die Etablierung des gemeinsamen Dialogformats „Zentralasien + Russland“. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 15. Oktober haben sich die Außenminister Kasachstans, Kirgistans, Usbekistans, Tadschikistans, Turkmenistans und der Russischen Föderation zu einer gemeinsamen Videokonferenz getroffen. Obwohl dies erst die dritte Zusammenkunft in dem Format „Zentralasien + Russland“ war, verabschiedeten die Außenminister die gemeinsame Erklärung <a href="https://www.mid.ru/ru/foreign_policy/news/-/asset_publisher/cKNonkJE02Bw/content/id/4390973">„Über die strategischen Richtungen der Zusammenarbeit“</a>, aus der unter anderem hervorgeht, dass dieses Dialogformat aufrechterhalten und intensiviert werden soll.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Russlands Zentralasienpolitik stellt dies eine echte Neuerung dar, denn während andere Akteure wie die USA oder die Europäische Union <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/s51-wie-steht-es-um-die-amerikanische-zentralasienpolitik/">schon länger ihre „C5+1“-Formate pflegen</a>, beschränkte sich Russland bisher im Wesentlichen auf bilaterale Zusammenarbeit oder auf Kooperation im Rahmen von internationalen Bündnissen. Zu nennen wäre hier zum einen die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eurasische_Wirtschaftsunion#Mitglieder">Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU)</a>, in der neben Russland, Belarus und Armenien auch Kasachstan und Kirgistan Mitglieder sind, während Usbekistan den <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-bald-beobachter-in-der-eurasischen-wirtschaftsunion/">Beobachterstatus</a> innehat, zum anderen die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_des_Vertrags_%C3%BCber_kollektive_Sicherheit">Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS)</a>. Letztere besteht aus den fünf Mitgliedern der EAWU und Tadschikistan.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kooperation in vielen Bereichen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus der <a href="https://www.mid.ru/ru/foreign_policy/news/-/asset_publisher/cKNonkJE02Bw/content/id/4390990">Pressemitteilung</a> des russischen Außenministeriums geht hervor, dass ein Schwerpunkt des Treffens auf aktuellen Fragen in Bezug auf die Zusammenarbeit im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie lag. Diese nimmt zwar auch in der gemeinsamen Erklärung der Außenminister ihren Platz ein, steht hier allerdings einer breiten Palette an Kooperationsfeldern gegenüber. Diese umfassen unter anderem Sicherheitspolitik, Wirtschaft, Transportwesen, Migration, Umwelt und den Energiesektor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die konkrete Ausgestaltung der Zusammenarbeit bleibt jedoch in vielen Bereichen vage. So heißt es zum Beispiel im Abschnitt zur Migration, dass es wichtig erscheine, <em>„konkrete Schritte zur Schaffung von möglichst günstigen Bedingungen für das Leben und die Arbeit von ArbeitsmigrantInnen aus einzelnen Ländern Zentralasiens zu unternehmen“</em>, ohne diese Schritte jedoch näher zu benennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-moskauer-traum/">Der Moskauer Traum</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Bezug auf die Umwelt werden einige Probleme wie Wasserverschmutzung und <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/klimawandel-kirgistans-gletscher-in-gefahr/">Gletscherschmelze</a> namentlich erwähnt. Inwieweit Russland, das zuletzt <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/sibirien-braende-in-der-arktis-verursachen-rekordemissionen-a-861bb713-98b8-44bb-b3f9-5afc80cb2498">Umweltkatastrophen auf eigenem Territorium</a> kaum Herr wurde, bei der Bewältigung dieser Probleme helfen mag, lässt das Dokument aber offen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Wirtschaft betrifft, so hebt das Dokument eine Reihe von bisherigen Erfolgen hervor. Tatsächlich ist Russland schon jetzt <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/russland-und-china-sind-die-top-investoren-in-usbekistan/">einer der wichtigsten Investoren</a> für die zentralasiatische Wirtschaft und auch die Handelsbilanz lässt sich mit einem Volumen von mehr als 30 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 &#8211; was in etwa der Handelsbilanz zwischen <a href="https://ec.europa.eu/trade/policy/countries-and-regions/regions/central-asia/">Zentralasien und der Europäischen Union</a> entspricht &#8211; sehen. Diese Zusammenarbeit beabsichtigen die Partner zu intensivieren. Auch im Energiesektor sollen gemeinsame Projekte entstehen, wissenschaftliche Erkenntnisse ausgetauscht und die Technologie verbessert werden. Darüber hinaus soll auch bei der Ausbildung von SpezialistInnen kooperiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/russland-engagiert-sich-fuer-eisenbahnkorridor-china-kirgistan-usbekistan/">Russland engagiert sich für Eisenbahnkorridor China – Kirgistan – Usbekistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von einem deutlichen gemeinsamen Interesse ist der Abschnitt zum Transportwesen geprägt, da sowohl Russland als auch den zentralasiatischen Staaten eine wichtige Rolle als Transitländer des Warenverkehrs zwischen Europa und Asien zukommt. <em>„Wir stellen fest, dass wir bereit sind, zusammenzuarbeiten, um die strukturellen und institutionellen Herausforderungen […] zu bewältigen, um die Transit- und Handelskosten zu senken, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und den Marktzugang anderer Länder zu verbessern“</em>, heißt es in der Erklärung. Dass Russland durchaus bereit ist in diesem Bereich zu kooperieren, zeigte sich zuletzt im September, als bekannt wurde, dass Moskau sich <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/russland-engagiert-sich-fuer-eisenbahnkorridor-china-kirgistan-usbekistan/">beim Bau des Eisenbahnkorridors China – Kirgistan – Usbekistan einbringen möchte</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von besonderem Interesse dürfte die Zusammenarbeit in Sachen Sicherheitspolitik sein. Wie die russische Tageszeitung <a href="https://www.kommersant.ru/doc/4531609?from=main_1">Kommersant</a> hervorhebt, versprechen die Länder, keine Schritte zu unternehmen, die die Interessen der Partner gefährden und Konfrontationen hervorrufen könnten. Ein solcher Interessenskonflikt könnte aber auftreten, wenn die zentralasiatischen Länder beispielweise ihren Luftraum für die militärischen Bedürfnisse anderer Mächte bereitstellen. Vor allem die USA hatten zuletzt mit Kasachstan und Usbekistan über die Möglichkeit von Transitflügen durch deren Luftraum <a href="https://www.kommersant.ru/doc/4244360">gesprochen</a>. Darüber hinaus bietet Russland Hilfe an, um den von afghanischen Staatsgebiet ausgehenden Bedrohungen wie Terrorismus, <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/highway-to-heroin-vom-drogenhandel-und-neuen-konsum-in-zentralasien/">Drogenhandel</a> und Waffenschmuggel zu begegnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Schlag gegen die USA?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie der <a href="https://www.kommersant.ru/doc/4531609?from=main_1">Kommersant</a> berichtete, sei die Erklärung zwar in Moskau erarbeitet, danach aber mit allen beteiligten Staaten abgesprochen und überarbeitet worden. <em>„Das Ergebnis ist ein Dokument, das den Interessen aller Beteiligten entspricht, nicht nur eines externen Spielers, was es von der amerikanischen oder europäischen Strategie unterscheidet“</em>, lobt die russische Tageszeitung unter Verweis darauf, dass das amerikanische Papier allein fünfmal „Demokratie“ und viermal „Menschenrechte“ erwähne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vereinigten Staaten hatten <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-amerikanische-zentralasienstrategie-echte-veraenderungen-oder-alter-wein-in-neuen-schlaeuchen/">im Februar</a> ihr diplomatisches Programm für Zentralasien in den Jahren 2019-2025 vorgestellt. Das Dokument mit dem Titel “<a href="https://www.state.gov/united-states-strategy-for-central-asia-2019-2025-advancing-sovereignty-and-economic-prosperity/">Advancing Sovereignity and Economic Prosperity</a>” (dt.: Förderung von Souveränität und wirtschaftlichem Wachstum) nennt die Prioritäten der US-Regierung in der Region, welche unter anderem die Unterstützung der Unabhängigkeit und Souveränität der Staaten der Region, die Achtung der Menschenrechte, den Kampf gegen den Terrorismus aber auch Investitionen der USA in die zentralasiatischen Volkswirtschaften umfassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-amerikanische-zentralasienstrategie-echte-veraenderungen-oder-alter-wein-in-neuen-schlaeuchen/">Die amerikanische Zentralasienstrategie – Echte Veränderungen oder alter Wein in neuen Schläuchen?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon damals kritisierte Russland die amerikanische Strategie scharf.&nbsp;<em>“Unsere amerikanischen Kollegen glauben leider, dass sie alles tun können, was sie wollen, und gleichzeitig ihre Gesprächspartner dazu bringen, sich von Russland und wahrscheinlich auch von China abzuwenden”</em>, erklärte Außenminister&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Wiktorowitsch_Lawrow">Sergej Lawrow</a>&nbsp;gegenüber der russischen Agentur <a href="https://tass.ru/politika/7706081">TASS</a>. Westliche KommentatorInnen kritisierten hingegen eher die mangelnde Innovativität der amerikanischen Strategie sowie die fehlenden Mittel für deren Umsetzung.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die neuen Ansätze in Russlands Zentralasienpolitik und die in der gemeinsamen Erklärung getroffenen Vereinbarungen könnten durchaus dazu beitragen, Russlands Rolle in Zentralasien zu festigen. Hierfür ist aber notwendig, auf die Erklärung auch konkrete Taten folgen zu lassen und sie somit mit Leben zu füllen. <em>„Es ist klar, dass die deklarative Strategie nur ein Dokument ist und die Realitäten viel komplizierter sind“</em>, schlussfolgert auch der Kommersant. Ob die neue Strategie also geeignet sein wird, andere weltpolitische Akteure aus der Region zurückzudrängen, bleibt mehr als fraglich – insbesondere da die zentralasiatischen Staaten sich in der Vergangenheit stets in verschiedene Richtungen orientierten und sich nicht nur an einen Partner banden. Abgesehen davon sind gewiss nicht die USA Russlands Hauptkonkurrent um die Hegemonie in Zentralasien, sondern vielmehr China.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth, Chefredakteur von Novastan</strong></p>


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			</item>
		<item>
		<title>Die amerikanische Zentralasienstrategie – Echte Veränderungen oder alter Wein in neuen Schläuchen?</title>
		<link>https://novastan.org/de/kirgistan/die-amerikanische-zentralasienstrategie-echte-veraenderungen-oder-alter-wein-in-neuen-schlaeuchen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Etienne Combier]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Feb 2020 13:04:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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		<category><![CDATA[Vereinigte Staaten]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasienstrategie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach monatelanger Wartezeit hat Washington seine Zentralasienstrategie f&#xFC;r die Jahre 2019-2025 ver&#xF6;ffentlicht. Der Text, der sechs Priorit&#xE4;ten auff&#xFC;hrt, wurde von Zentralasien-ExpertInnen schnell wegen seiner &#xC4;hnlichkeit mit der vorhergehenden Strategie aus dem Jahr 2015 kritisiert. Zwar ist das Dokument&#xA0; immer noch vom R&#xFC;ckzug aus dem Nachbarland Afghanistan gepr&#xE4;gt, der Grund f&#xFC;r Amerikas urspr&#xFC;ngliches Interesse an der [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Nach monatelanger Wartezeit hat Washington seine Zentralasienstrategie für die Jahre 2019-2025 veröffentlicht. Der Text, der sechs Prioritäten aufführt, wurde von Zentralasien-ExpertInnen schnell wegen seiner Ähnlichkeit mit der vorhergehenden Strategie aus dem Jahr 2015 kritisiert. </strong><strong>Zwar ist das Dokument  immer noch vom Rückzug aus dem Nachbarland Afghanistan geprägt, der Grund für Amerikas ursprüngliches Interesse an der Region. Dennoch kann man ein neues Interesse an Zentralasien zwischen den Zeilen erkennen. Weil sich das Verhältnis Amerikas zu China und Russland stetig verschlechtert, liegt Amerikas Interesse nun darin,</strong><strong> den Einfluss Chinas und Russlands im eurasischen Kontinent einzudämmen. </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Unsere KollegInnen von Novastan France haben in ihrer kostenpflichtigen Rubrik </strong><a href="https://novastan.org/fr/decryptage/la-strategie-americaine-en-asie-centrale-simple-redite-ou-veritable-changement/"><strong><em>décryptage</em></strong></a><strong> (dt.: Entschlüsselung) eine Analyse vorgenommen, die wir mit freundlicher Genehmigung übersetzen.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Der Text war lange erwartet worden. Am 5. Februar haben die Vereinigten Staaten ihr diplomatisches Programm für Zentralasien in den Jahren 2019-2025 vorgestellt. Das Dokument mit dem Titel &#8222;<a href="https://www.state.gov/united-states-strategy-for-central-asia-2019-2025-advancing-sovereignty-and-economic-prosperity/">Advancing Sovereignity and Economic Prosperity</a>&#8220; (dt.: Förderung von Souveränität und wirtschaftlichem Wachstum) nennt die Prioritäten der US-Regierung in der Region. Die sechs aufgeführten Prioritäten umfassen unter anderem die Unterstützung der Unabhängigkeit und Souveränität der Staaten der Region, die Achtung der Menschenrechte, den Kampf gegen den Terrorismus und Investitionen der Vereinigten Staaten in die zentralasiatischen Volkswirtschaften.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify;">Schnell wurde der Text von allen Seiten wegen seiner mangelnden Originalität kritisiert. Bereits <a href="https://2009-2017.state.gov/s/d/2015/240013.htm">im Jahr 2015</a> bekundeten die Vereinigten Staaten ihren Willen, Souveränität und Unabhängigkeit in einem <em>&#8222;sicheren und stabilen&#8220;</em> Zentralasien zu fördern. Aufgrund der geringen Veränderungen erscheint die neue Zentralasienstrategie dem chinesischen Staatsmedium <a href="https://news.cgtn.com/news/2020-02-07/Old-wine-in-an-old-bottle-U-S-new-strategy-for-Central-Asia-NTlYesaEyQ/index.html">CGTN</a> wie <em>&#8222;Essig in einer alten Flasche&#8220;</em> und dem usbekischen Nachrichtenportal <a href="https://podrobno.uz/cat/politic/ssha-poboryutsya-za-tsentralnuyu-aziyu-s-rossiey-i-kitaem/">Podrobno</a> als eine <em>&#8222;Broschüre&#8220;</em>. Aus der Sicht des amerikanischen Medienportals <a href="https://eurasianet.org/perspectives-us-strategy-for-central-asia-an-old-recipe-for-a-new-situation?utm_source=dlvr.it&amp;utm_medium=facebook&amp;fbclid=IwAR3v0z1_OEO5YK0-lojSOwetEwvuvcgFBg0xXNnbe27uRSSSMAfgbbFhxho">Eurasianet</a> lässt sie sich als <em>&#8222;ausweichend&#8220;</em> charakterisieren.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Scharfe Kritik aus Russland</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Auch Russland kritisierte die amerikanische Strategie scharf. <em>&#8222;Unsere amerikanischen Kollegen glauben leider, dass sie alles tun können, was sie wollen, und gleichzeitig ihre Gesprächspartner dazu bringen, sich von Russland und wahrscheinlich auch von China abzuwenden&#8220;</em>, sagte Außenminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Wiktorowitsch_Lawrow">Sergej Lawrow</a> in einem Interview mit der russischen Agentur TASS, das von <a href="https://podrobno.uz/cat/uzbekistan-i-rossiya-dialog-partnerov-/lavrov-zayavil-chto-ssha-nauskivayut-svoikh-sobesednikov-protiv-rossii-i-kitaya/">Podrobno</a> ausschnittsweise wiedergegeben wurde. <em>“Mit solchen Methoden erlangt man keine Autorität. Autorität erlangt man durch ein gutes Beispiel, durch Überzeugung und nicht durch grobe Erpressung und Sanktionen&#8220;</em>, fuhr Lawrow fort.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/russland-china-und-die-usa-in-zentralasien-wirtschaft-und-geopolitik/">Russland, China und die USA in Zentralasien: Wirtschaft und Geopolitik</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Auch die russischen Medien haben sich mit diesem Thema beschäftigt. <em>„Mike Pompeos Gespräche haben gezeigt: Nach der Ukraine versuchen die Vereinigten Staaten, jene ehemaligen Sowjetrepubliken von Russland zu lösen, mit denen es Integrationsbestrebungen gibt und die zur Zone seiner strategischen Interessen gehören. Instrumente für die Umsetzung des neuen Kurses sollten eine wesentliche Belebung der politischen und geschäftlichen Zusammenarbeit mit den GUS-Staaten, der Zustrom von US-Investitionen in die Region und die Schaffung alternativer Sicherheitsstrukturen in der Nähe der russischen Grenzen sein“</em>, schreibt die russische Tageszeitung <a href="https://www.kommersant.ru/doc/4241536">Kommersant</a>.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Eine Ansage an China und Russland?<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Tatsache, dass Russland so heftig auf einen Text reagiert, der wenig konkret ist, sollte zum Nachdenken bringen. Wie viele BeobachterInnen feststellen, liegt der deutlichste Punkt des amerikanischen Programms in der Souveränität und Unabhängigkeit der zentralasiatischen Staaten. Russland und China werden von Washington nicht namentlich genannt, aber ihr Schatten liegt auf dem Dokument. Seit der Unabhängigkeit der zentralasiatischen Länder im Jahre 1991 haben Moskau und Peking ihren Einfluss in der Region ständig verstärkt. Während dies in Bezug auf Russland vor allem Sicherheit und Kohlenwasserstoffe betrifft, sind es in Bezug auf China vor allem die Wirtschaft und die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/One_Belt,_One_Road">Neue Seidenstraße</a>.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wohin-fuehrt-die-neue-seidenstrasse-ueber-die-chancen-und-risiken-von-one-belt-one-road/">Wohin führt die Neue Seidenstraße? Über die Chancen und Risiken von „One Belt, One Road“</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Während der Präsentation der neuen Zentralasienstrategie wurde Lisa Curtis, im nationalen Sicherheitsrat der Vereinigten Staaten für Süd- und Zentralasien verantwortlich, ziemlich deutlich. <em>&#8222;Russland hatte in dieser Region schon immer einen enormen Einfluss. Wir erwarten nicht, dass sich das ändert, und wollen uns nicht mit ihm messen. […] Wir wollen jedoch in dieser Region vertreten sein, eine alternative zu diesen Ländern anbieten&#8220;</em>, sagte Curtis.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber wie Eurasianet feststellt, ist dieser Wettbewerb in erster Linie Fassade. Washington habe <em>&#8222;ehrgeizige Ziele, aber begrenzte Mittel&#8220;.</em> Im Text gehen die Vereinigten Staaten sogar so weit, die 50 Milliarden US-Dollar, die von der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in der Region seit der Unabhängigkeit an Darlehen vergeben wurden, sich selbst zuzuschreiben.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Einige Neuerungen</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wie <a href="https://podrobno.uz/cat/politic/ssha-poboryutsya-za-tsentralnuyu-aziyu-s-rossiey-i-kitaem/">Podrobno</a> feststellt, ist das Dokument zwar <em>„nicht revolutionär, hat aber wichtige Nuancen“</em>. Dazu gehört Afghanistan, das in drei der sechs Prioritäten der Vereinigten Staaten genannt wird. Tatsächlich verweisen neben dem „Kampf gegen den Terror“ die zwei Prioritäten „Stabilität in Afghanistan&#8220; und &#8222;Konnektivität zwischen Zentralasien und Afghanistan&#8220; sogar direkt auf den südlichen Nachbarn. Das Land, das in der Einleitung des Dokuments nicht einmal erwähnt wird, nimmt in der amerikanischen Strategie tatsächlich einen wichtigen Platz ein.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify;">Wie <a href="https://thediplomat.com/2020/02/a-new-us-strategy-for-central-asia-continuity-under-better-conditions/">The Diplomat</a> feststellte, ist das Einordnen Afghanistans als zentralasiatisches Land für die USA neu. Zuvor tendierten die amerikanischen GesetzgeberInnen eher dazu, Afghanistan von Zentralasien zu trennen, insbesondere weil der usbekische Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islom_Karimov">Islom Karimov</a> (1989-2016) <em>&#8222;überhaupt nicht bereit war, sich mit Afghanistan zu engagieren&#8220;</em>, wie Alice Wells, die stellvertretende Referatsleiterin für Süd- und Zentralasien, es formulierte.</p>
<p style="text-align: justify;">Trotzdem bleibt Afghanistan ein Sonderfall für die Vereinigten Staaten. <em>&#8222;Afghanistan wird zwar immer ein Faktor sein, solange der Konflikt anhält, aber es ist nicht der einzige, der unsere strategischen Interessen in Zentralasien bestimmt&#8220;</em>, sagte der US-Botschafter Daniel Rosenblum in Usbekistan laut dem usbekischen Nachrichtenportal <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2020/02/06/us-relations/?utm_source=push&amp;utm_medium=telegram">Gazeta.uz</a>.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/green-central-asia-die-zentralasiatischen-aussenminister-zu-gast-in-berlin/">„Green Central Asia“: Die zentralasiatischen Außenminister zu Gast in Berlin</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Vereinigten Staaten betrachten Zentralasien nun als eine wichtige Region, eine weitere Nuance des Dokuments im Vergleich zu 2015. Dennoch müssen den Worten Taten folgen. Ebenso wie die Europäische Union, die Ihre Zentralasienstrategie &#8222;erneuert&#8220; hat, indem sie fast genau die gleichen Vorschläge unterbreitet hat wie zuvor, müssen sich die Vereinigten Staaten energischer zeigen, wenn der Westen wirklich mit Moskau und Peking konkurrieren will. Die Frage ist nur, ob er das wirklich will.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Etienne Combier, Chefredakteur von Novastan France</strong></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Französischen von Robin Roth</strong></p>
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