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	<title>Judentum Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Judentum Archives</title>
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		<title>Tadschikistan: Tod von Dschura Abajew, dem letzten Juden in Chudschand</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Juan-Martin Mounier-Sales]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 May 2021 09:45:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Judentum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dschura Abajew, das letzte Mitglied der j&#xFC;dischen Gemeinde in Chudschand, ist im Alter von 93 Jahren verstorben. Die im Norden Tadschikistans gelegene Stadt Chudschand hatte einst eine aktive und lebendige j&#xFC;dische Gemeinde, die mit der in Buchara verbunden war. Mit dem Tod Abajews endet auch eine jahrhundertealten Geschichte. Dschura Abajew starb laut einem Bericht des [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dschura Abajew, das letzte Mitglied der jüdischen Gemeinde in Chudschand, ist im Alter von 93 Jahren verstorben. Die im Norden Tadschikistans gelegene Stadt Chudschand hatte einst eine aktive und lebendige jüdische Gemeinde, die mit der in Buchara verbunden war. Mit dem Tod Abajews endet auch eine jahrhundertealten Geschichte.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dschura Abajew starb laut einem Bericht des amerikanischen <a href="https://www.rferl.org/a/tajikistan-khujand-last-jew-buried/31061149.html?ltflags=mailer">Radio Free Europe</a> am 15. Januar im Alter von 93 Jahren in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a>. In der Geschichte der nordtadschikischen Stadt wird durch den Tod Abajews ein historischer Wendepunkt markiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Leben lang war Abajew Arbeiter in Chudschand, einer Industriestadt am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Syrdarja">Syrdarja</a>. Außerdem hatte er als geistlicher Leiter der Synagoge, die 1999 geschlossen wurde, eine wichtige Position im religiösen Leben seiner Stadt. Er hatte einen Ruf als angesehener und respektabler Bürger, der von seinen NachbarInnen <em>Dschura Ako </em>genannt wurde, was im lokalen Dialekt so viel wie „großer Bruder“ bedeutet. Dschura Abajew hinterlässt fünf Kinder, die aber alle nicht mehr in Chudschand wohnen, sondern in den 1990er Jahren nach Israel ausgewandert sind, wo sie sich dem größeren Teil der Familie Abajew angeschlossen haben.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl er zwischen 1990 und 2008 dreimal nach Israel emigriert ist, um bei seinen Familienmitgliedern leben zu können, hat sich Abajew jedes Mal für eine Rückkehr in seine Heimatstadt Chudschand entschieden, wie Radio Free Europe berichtet. Und dies trotz der hohen Alimente, die zu dieser Zeit von der israelischen Regierung angeboten wurden.<em> „Ich habe das Gefühl, dass ich in Israel niemand bin und dass ich dort sehr allein bin. Wenn ich in Chudschand auf die Straße gehe, lächeln mich die Menschen in meinem Viertel an und sagen: Dschura Ako kommt“</em>, erzählte er dem Journalisten Tilav Rasulzoda.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis zum Verschwinden der jüdischen Gemeinde in Chudschand hatte Dschura Abajew jahrzehntelang ähnliche Funktionen wie ein Rabbiner. Er wurde Hauptwärter der Synagoge, die in der Nähe seines Hauses lag. Im Jahr 2015, als Dschura Abajew bereits der einzige Jude der Stadt war, wurde dann die schon lange stillgelegte Synagoge abgerissen, um Platz für ein Einkaufszentrum zu schaffen. Eine Maßnahme, die den Niedergang der jüdischen Gemeinde in Chudschand auf eine traurige Art und Weise verdeutlicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Juden von Buchara, ein wichtiger Teil der Geschichte Tadschikistans.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dschura Abajew und seine Familie gehören zu den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bucharische_Juden">bucharischen Juden</a>, die eine lange Geschichte in Zentralasien haben. Die Gemeinde wird mit der Stadt Buchara in Verbindung gebracht, weil diese ein wichtiges kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Region bildete. Buchara liegt im heutigen Usbekistan und war ein Zuhause für viele Jüdinnen und Juden in Zentralasien. Es existierten jedoch auch außerhalb dieser Stadt größere Gemeinden, verstreut in verschiedenen zentralasiatischen Städten, wie zum Beispiel in Chudschand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die bucharischen Jüdinnen und Juden, auch als <a href="https://novastan.org/fr/ouzbekistan/les-juifs-de-boukhara-comment-sont-ils-arrives-en-asie-centrale/">Juden der Region</a> bezeichnet, sprachen ursprünglich Buchari, heutzutage aber Tadschikisch, Russisch, Usbekisch oder Hebräisch. Sie praktizieren ein stark von der persischen und türkischen Kultur geprägtes Judentum. Heute leben die meisten bucharischen Jüdinnen und Juden in Israel, den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union. Nur eine sehr kleine Minderheit ist in Zentralasien geblieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/choresm-und-buchara-die-zweigeteilte-geschichte-der-juedinnen-zentralasiens/">Choresm und Buchara: Die zweigeteilte Geschichte der JüdInnen Zentralasiens</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Tadschikistan ein mehrheitlich muslimisches Land ist, gab es dort schon immer eine große religiöse Vielfalt. Die Minderheiten in Tadschikistan, so wie auch in den anderen zentralasiatischen Ländern, sind zahlreich und haben eine lange eigene Geschichte, wie Olivier Roy in seinem Buch <em>La Nouvelle Asie centrale</em> feststellt. In <em>Le judaïsme </em>erklärt Quentin Ludwig, dass die jüdische Anwesenheit in Zentralasien aus der Zeit des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ach%C3%A4menidenreich">Altpersischen Reichs</a> zu stammen scheint, ungefähr aus dem ersten Jahrtausend vor Christus. Der Autor erklärt, dass die Mehrheit der befreiten Juden nach der Eroberung durch Kyros II. in das neue Judäa zog. Eine Minderheit zog es jedoch vor, sich anderswo niederzulassen, wie beispielsweise in Zentralasien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere sagen, die Anwesenheit von Jüdinnen und Juden in Buchara reiche bis in die Zeit des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sassanidenreich">Sassanidenreiches (224-651)</a> zurück.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="918" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/juden_tadschikistan.jpg" alt="" class="wp-image-26539" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/juden_tadschikistan.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/juden_tadschikistan-300x269.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/05/juden_tadschikistan-768x689.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption><br>Gemälde von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Michailowitsch_Prokudin-Gorski">Sergei Milkhailovich Prokudin-Gorskii</a>, Anfang des 20. Jahrhunderts, auf dem jüdische Kinder mit ihrem Lehrer in Samarkand zu sehen sind</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Errichtung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khanat_Buchara">Khanats von Buchara (1599-1920)</a> verlor die jüdische Gemeinde ihre Basis. Der Staat wurde dann von sunnitisch-usbekischen Stämmen regiert, die die Juden im politischen Leben diskriminierten, wie Jean-Paul Roux in seiner <em>Geschichte der Türken</em> erklärt. Mit dem Ziel, sie zum Islam zu bekehren wurden spezielle Abgaben und Steuern nur für Jüdinnen und Juden eingerichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfuhr die jüdische Gemeinde Bucharas dann ein bedeutendes wirtschaftliches und demografisches Wachstum. Trotz der diskriminierenden Maßnahmen erreichte sie im Laufe der Zeit einen gewissen Wohlstand und eine religiöse Toleranz. Die Gemeinde spielte mit Schlüsselpositionen in der Elite des Landes eine wichtige Rolle in der Gesellschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/vom-aussterben-bedroht-die-letzte-juedische-gemeinde-tadschikistans/">Vom Aussterben bedroht: Die letzte jüdische Gemeinde Tadschikistans</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die russische Eroberung Zentralasiens im 19. Jahrhundert verstärkte den Wohlstand der Jüdinnen und Juden von Buchara sogar. In der Tat bot das Russische Reich laut dem Buch <em>L’Empire d‘Eurasie</em> von Hélène Carrère d&#8217;Encausse eine gewisse religiöse, kulturelle und wirtschaftliche Freiheit im Namen des <em>Russischen Friedens</em>. Nach und nach wurden die antijüdischen Gesetze abgeschafft, die noch strenger als die kaiserlichen Gesetze waren. Außerdem wurde die Gemeinde durch die Ankunft russischer aschkenasischer Juden gestärkt, die an einer gewissen kulturellen „Modernisierung“ mitwirkten und die wirtschaftliche Dynamisierung stärkten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das russische Reich hielt den Belastungen des Ersten Weltkriegs jedoch nicht stand und die Sowjetzeit brachte dann eine religiöse Verfolgung der bucharischen Jüdinnen und Juden und eine starke Einschränkung ihrer Freiheiten mit sich. Tatsächlich wurden die Juden der UdSSR einer Säkularisierungskampagne mit dem Ziel der kompletten Assimilation unterzogen, wie <a href="https://www.persee.fr/doc/cmr_1252-6576_1995_num_36_3_2432">die Arbeiten Benjamin Pinkus</a> zeigen. Diese wurde durch Maßnahmen wie der Schließung von Synagogen und einer Einschränkung der religiösen Lehre und Praxis sichtbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine Gemeinschaft, die vom Exil in Israel angelockt und von einem instabilen Land bedroht wird</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Kontextbedingungen haben für die Entwicklung der Geschichte der Familie von Dschura Abajew eine große Rolle gespielt. Ende der 1980er Jahre, in der Zeit der Perestroika und der Glasnost, also der Umgestaltung und dem Prozess einer transparenteren Politik der Sowjetunion, gehörten die Jüdinnen und Juden zu den ersten, die von den neuen Freiheiten, wie der Reisefreiheit, profitierten. Im Jahr 1991, nach dem Zusammenbruch der UdSSR, entwickelte und beschleunigte sich dann die Exilbewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Jüdinnen und Juden der Sowjetunion wollten ihren Lebensstandard steigern und ihren Kindern eine bessere Zukunft bieten. Zudem waren sie über den ansteigenden Antisemitismus und die immer instabilere und konfliktreiche Situation in Eurasien besorgt. Ein weiterer Grund für die Emigration war, dass der israelische Staat den jüdischen Familien aus ehemaligen Sowjetstaaten viele Hilfsangebote machte. So wanderten zwischen 1989 und 2002 mehr als <a href="https://www.migrationpolicy.org/article/israel-balancing-demographics-jewish-state">900.000 Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft aus ehemaligen Sowjetstaaten nach Israel aus.</a></p>


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<p class="wp-block-paragraph">Die bucharischen Juden stellten keine Ausnahme dar, sondern emigrierten zu großen Teilen nach Israel. Zwischen 100.000 und 120.000 von ihnen leben heute in Israel, wie die die israelische Zeitung <a href="https://fr.timesofisrael.com/decouvrez-la-fabuleuse-histoire-des-juifs-boukhariens-dasie-centrale/">Times of Israel</a> berichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seiner Geschichte hat Tadschikistan eine doppelte Beschleunigung jüdischer Emigration erlebt. Das Land, in dem vor den 1990er Jahren mehr als 15.000 Jüdinnen und Juden lebten, erfuhr durch den Bürgerkrieg zwischen 1992 und 1997 eine zusätzliche Welle der Emigration. Der Konflikt kostete zwischen 50.000 und 100.000 Menschen das Leben und trieb mehr als eine Million Menschen ins Exil. Nach dem Bürgerkrieg hatte die jüdische Gemeinde Tadschikistans noch nicht einmal 2.000 Mitglieder mehr. Heute existiert im ganzen Land nur noch eine einzige Synagoge, die sich in der Hauptstadt Duschanbe befindet.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Juan-Martin Mounier-Sales<br>Redakteur für Novastan </strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/tadjikistan/tadjikistan-deces-de-joura-abaiev-le-dernier-juif-de-khoudjand/">Französischen </a>von Flavia Gerner</strong></p>


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		<title>Vom Aussterben bedroht: Die letzte jüdische Gemeinde Tadschikistans</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marie Schliesser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Apr 2020 13:16:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bucharische Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Duschanbe]]></category>
		<category><![CDATA[Juden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die einst mehrere tausende Mitglieder starke j&#xFC;dische Gemeinde Tadschikistans z&#xE4;hlt heute nur noch 50 Mitglieder. Ursache hierf&#xFC;r ist vor allem die massenweise Emigration von Juden seit Beginn der 1990er Jahre. Die einzige verbliebene Synagoge Tadschikistans befindet sich in Duschanbe. &#xDC;ber das Leben von Juden in Tadschikistan heutzutage berichtet der Korrespondent Tilaw Rassul-sade f&#xFC;r Fergana News. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Die einst mehrere tausende Mitglieder starke jüdische Gemeinde Tadschikistans zählt heute nur noch 50 Mitglieder. Ursache hierfür ist vor allem die massenweise Emigration von Juden seit Beginn der 1990er Jahre. Die einzige verbliebene Synagoge Tadschikistans befindet sich in Duschanbe. Über das Leben von Juden in Tadschikistan heutzutage berichtet der Korrespondent Tilaw Rassul-sade für </strong><a href="https://fergana.ru/articles/113338/"><strong>Fergana News</strong></a><strong>. Wir übersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Noch vor zehn Jahren befand sich die Synagoge direkt im Zentrum Duschanbes. Im Rahmen eines allumfassenden Stadtentwicklungsplanes wurde sie im Juni 2008 abgerissen. Für einige Monate blieb die jüdische Gemeinde ohne Gotteshaus. Anfang 2009 schenkte dann der Vorsitzende der Orionbank, Hasan Asadullosoda, der Diasporagemeinde ein neues geräumiges Haus in einem reichen Bezirk in der Nähe der Pädagogischen Universität. Grundsätzlich bietet das Gebäude Platz für viele Menschen, es kommen aber nur vereinzelte. Sogar am Sabbat, der von Freitagabend bis Samstagabend andauert, versammeln sich hier zum Gebet kaum mehr als 10 Personen. Für einen Gottesdienst oder religiöse Riten braucht es im Judentum aber mindestens 10 erwachsene Juden &#8211; eine Regel, die auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Minjan">Minjan</a> genannt wird.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Laut den Daten der Volkszählung von 1989 lebten zu dieser Zeit circa 15.000 Juden in Tadschikistan. Im Jahr 2000 waren weniger als 200 übrig und um 2010 lediglich 36. In der Synagoge geht man aktuell von 50 Gemeindemitgliedern aus.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-judische-minderheit-in-zentralasien-wie-lebt-sie-heute/"><strong>Die jüdische Minderheit in Zentralasien – Wie lebt sie heute?</strong></a></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Die Migration der Juden in die historische Heimat Israel sowie in die USA, nach Kanada und Europa begann schon in den 1970er Jahren, aber in den 1990ern beschleunigte sich dieser Prozess“</em>, erzählt Jakow Urijewitsch Matajew, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Tadschikistans. <em>„Geblieben sind vor allem alte Menschen. Der jüngste in unserer Diaspora war ich. Als mir vor vier Jahren vorgeschlagen wurde, Gemeindevorsitzender zu werden, habe ich zugestimmt. Jemand sollte doch die Verantwortung übernehmen…“</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Synagoge ohne Rabbiner</strong></p>
<p style="text-align: justify">Jakow Urijewitsch ist inzwischen 50 Jahre alt, kommt gebürtig aus Samarkand und zog mit seinen Eltern als Kind nach Duschanbe. Nach der Schule wurde er Schneider. Jetzt verwendet er all seine Zeit darauf, die Gemeinde zu erhalten und ihre Mitglieder zu unterstützen.</p>
<p><figure id="attachment_21092" aria-describedby="caption-attachment-21092" style="width: 496px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-21092" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/40d0da7a-41b4-4319-a5b4-4197063c87a6.jpeg" alt="Jakow Urijewitsch Matajew" width="496" height="372" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/40d0da7a-41b4-4319-a5b4-4197063c87a6.jpeg 496w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/40d0da7a-41b4-4319-a5b4-4197063c87a6-300x225.jpeg 300w" sizes="(max-width: 496px) 100vw, 496px" /><figcaption id="caption-attachment-21092" class="wp-caption-text">Jakow Urijewitsch Matajew</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Als ich zum Gemeindevorsitzenden gewählt wurde, bemühte ich mich darum, der Tätigkeit neues Leben einzuhauchen. Die alten Menschen, die hier zurückgeblieben sind, können nicht oft in die Synagoge kommen. Aber sofern es ihnen möglich ist, kommen sie, denn die Synagoge ist nicht nur ein Ort des Gebetes. Hier unterhalten sich die Gemeindemitglieder, reden über persönliche und gemeinschaftliche Probleme. In der Vergangenheit versammelte sich die Gemeinde in der Synagoge um Feste zu begehen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pessach">Pessach</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chanukka">Chanukka</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Purim">Purim</a>, aber inzwischen kommen nur noch vereinzelte an den Feiertagen. Für die alten Menschen ist es zu schwer aus den unterschiedlichen Ecken der Stadt hierher zu kommen. Jeden Monat lassen wir ihnen eine kleine materielle Hilfe im Umfang von 10 Dollar zukommen. Es gibt eine wohltätige Frau, die den alten Menschen jeden Monat Lebensmittel vorbeibringt: Zucker, Butter und Mehl“</em>, erzählt Matajew.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/choresm-und-buchara-die-zweigeteilte-geschichte-der-juedinnen-zentralasiens/?noredirect=de_DE">Choresm und Buchara: Die zweigeteilte Geschichte der JüdInnen Zentralasiens</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">In der Synagoge von Duschanbe hängen Fotos aller Rabbiner, die hier seit dem Bau des Gebäudes Gebete abgehalten haben. Doch schon seit einigen Jahren gibt es hier keinen Rabbiner mehr, weshalb keine regelmäßigen samstäglichen Gebete stattfinden. Diese kommen nur zustande, wenn Gäste aus Israel, Deutschland oder den USA die Gemeinde besuchen und in der Regel einen Rabbiner mitbringen.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Dann versammle ich meine Juden aus Duschanbe zum Gebet. Zusammen lesen wir die Torah, die heilige Schrift der Juden. Sie wird in der Synagoge an einem speziellen Platz aufbewahrt. Die Texte der Torah sind auf Hebräisch verfasst. Leider können unsere Gemeindemitglieder die Sprache nicht gut genug, um selbst in der Torah lesen zu können“</em>, erklärt Matajew.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der letzte Jude Chudschands</strong></p>
<p style="text-align: justify">Bis 2015 befand sich in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a> noch eine Synagoge. Tatsächlich war sie auch in den 20 Jahren davor nicht mehr in Gebrauch, da fast keine Gemeindemitglieder in der Stadt übrig geblieben waren. Dennoch gehörte sie der Gemeinde, obwohl ihre Türen dauerhaft verschlossen waren. Vor vier Jahren riss die Stadtverwaltung die Synagoge trotzdem ab und errichtete an ihrer Stelle ein Einkaufszentrum. Heute lebt in der Stadt der einzige Jude ganz Nordtadschikistans, Dschura Abajew. Er ist 82 Jahre alt und die letzten zwei Jahre bettlägerig. Vor mehr als 10 Jahren nahm er eine tadschikische Frau mit ihren fünf Kindern in seinem Haus auf, die nach der Scheidung von ihrem Mann obdachlos war. Sie wurden zu seiner Adoptivfamilie und kümmern sich nun um ihn.</p>
<p style="text-align: justify">Dschura Abajew hat selbst fünf Töchter, von denen zwei in Israel leben. Vor vielen Jahren hatte er beschlossen, zu ihnen zu ziehen. Alles schien gut zu laufen, er bekam ein Zimmer und eine ordentliche Rente. Allerdings fühlte er sich als Rentner einsam.</p>
<p><figure id="attachment_21091" aria-describedby="caption-attachment-21091" style="width: 496px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-21091" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/ef0a2ad1-25ee-441f-8a22-2f845386357f.jpeg" alt="Dschura Abajew" width="496" height="337" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/ef0a2ad1-25ee-441f-8a22-2f845386357f.jpeg 496w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/ef0a2ad1-25ee-441f-8a22-2f845386357f-300x204.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/04/ef0a2ad1-25ee-441f-8a22-2f845386357f-128x86.jpeg 128w" sizes="(max-width: 496px) 100vw, 496px" /><figcaption id="caption-attachment-21091" class="wp-caption-text">Dschura Abajew</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify"><em>„In Israel fand ich keine engen Vertrauten, mit denen man sich wenigstens an den freien Tagen hätte unterhalten können. Dort war ich ein Niemand, aber hier, in Chudschand, war ich ein angesehener Mensch. Jeden Tag ging ich auf den Markt und im Teehaus saß ich mit Freunden zusammen. Hier habe ich viele Freunde und ein eigenes Haus. Nach einem halben Jahr entschied ich, aus Israel nach Tadschikistan zurückzukehren. Es stimmt schon, jetzt kann ich mich aufgrund meiner Krankheit nur mit wenigen unterhalten. Meine Töchter rufen fast nie an, gelegentlich rufe ich sie an. Meine Rente beläuft sich auf 200 Somoni (20 US-Dollar). Andere Einkünfte habe ich nicht“</em>, teilt Abajew mit.</p>
<p style="text-align: justify">Er bedauert sehr, dass die Synagoge in Chudschand abgerissen wurde. Am Gemeindeleben in der Synagoge hatte er seit 1967 aktiv teilgenommen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Erinnerung an vergangene Zeiten</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Dort organisierten wir Anfang der 1990er Hebräisch- und Torahkurse. Damals gab es dort viele <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bucharische_Juden">bucharische Juden</a>. Aber bald zogen alle fort und die Synagoge leerte sich. Einige Zeit sah ich noch nach der Synagoge, aber dann war ich nicht mehr in der Verfassung, um das zu tun. Wenn jetzt Juden hierherreisen, können sie nur den einzigen jüdischen Friedhof besuchen, der sich am Stadtrand befindet. Dort sind mehr als 1000 Menschen beerdigt. Selbst war ich dort seit drei Jahren nicht mehr. Früher, als ich noch gesund war, kümmerte ich mich um die Gräber, aber jetzt geht das nicht mehr“</em>, klagt Dschura Abajew.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/die-bucharischen-juden-wie-kamen-sie-nach-zentralasien/"><strong>Die bucharischen Juden – wie kamen sie nach Zentralasien?</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">In Duschanbe gibt es zwei jüdische Friedhöfe, auf denen mehr als 3000 Menschen begraben liegen. Obwohl in Tadschikistan fast keine Juden verblieben sind, sind beide in einem guten Zustand. Es gibt Wächter, Gärtner und Putzkräfte. Der Weltkongress der Bucharischen Juden mit Sitz in New York teilt jährlich den Friedhöfen in Duschanbe und Chudschand Mittel zur Erhaltung und Renovierung zu. Und wenn Angehörige der hier beerdigten Menschen nach Tadschikistan reisen, besuchen sie in erster Linie die Grabstätten ihrer Angehörigen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Fokus auf die Gemeinsamkeiten</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Die Nachkommen bucharischer Juden, die inzwischen in Israel und anderen Ländern leben, kommen oft nach Tadschikistan, um hier die Gräber ihrer Väter und Großväter zu besuchen. Aber auch, um die Veränderungen zu sehen, die im Land nach ihrer Auswanderung stattgefunden haben. Alle erinnern sich mit Nostalgie an die Jahre zurück, die sie hier verbracht haben. Tadschiken und Juden lebten immer friedlich zusammen, es gab keine Konflikte zwischen ihnen. Wir haben mit den Muslimen viel gemein. Wie im Islam ist es auch im Judentum verboten, Schweinefleisch zu essen, das Schlachtritual ist dasselbe. Nur nennt man es bei den Muslimen „halal“ und bei den Juden „koscher“. Muslime begraben Verstorbene in einem weißen Kaftan, also einem Leichentuch, bei den Juden ist es genauso. Wir haben den Brauch, Jungen am achten Lebenstag zu beschneiden. Männer und Frauen beten in der Synagoge getrennt, so wie in der Moschee auch“</em>, erklärt Jakow Matajew.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-usbekistan-zu-zeiten-des-zweiten-weltkriegs-fur-juden-aus-der-udssr-zum-gelobten-land-wurde/"><strong>Wie Usbekistan zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs für Juden aus der UdSSR zum gelobten Land wurde</strong></a></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Die Juden in Tadschikistan konnten immer ein angenehmes Leben führen und sie sind nicht ausgewandert, weil man sie etwa unterdrückt hätte, sondern weil sich die Möglichkeit auftat, in die historische Heimat zurückzukehren. Außerdem brachen damals in Tadschikistan unruhige Zeiten an, der Krieg begann. Übrigens sprechen sogar die in anderen Ländern geborenen Nachkommen bucharischer Juden Tadschikisch. Als ich nach Tel Aviv reiste kam es mir vor, als sei ich wieder in Duschanbe gelandet. Überall sprechen bucharische Juden untereinander Tadschikisch. Sie haben dort ihre eigenen Restaurants, Festsäle für Hochzeiten, Theater und durchweg hört man Tadschikisch“</em>, erläutert der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Tadschikistans weiter.</p>
<p style="text-align: justify">Gegen Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts begannen die bucharischen Juden sich auf dem Gebiet des heutigen Tadschikistans anzusiedeln. Durch das Leben Seite an Seite mit den lokalen Völkern, darunter Tadschiken und Usbeken, übernahmen sie viele Traditionen und Bräuche aus dieser Kultur. Einige von ihnen konvertierten zum Islam – die meisten gewaltsam, andere aber auch freiwillig. In Zentralasien wurden die zum Islam konvertierten Juden „Tschala“ (Tadschikisch für „weder das eine noch das andere“) genannt und solche Juden versuchten ihre Herkunft zu verstecken.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Geschichte der Juden Tadschikistans</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Die ersten jüdischen Siedler gab es in Chudschand. Sie kamen aus Buchara, Samarkand, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shahrisabz">Shahrisabz</a>, Taschkent und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qo%CA%BBqon">Kokand</a> dorthin. Sie waren vor allem im Handel und Handwerk tätig“</em>, erzählt der Historiker und Journalist Kodir Muruwwat. <em>„Ab der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts siedelten sie sich auch im Zentrum Tadschikistans an, unter anderem auf dem Gebiet des heutigen Duschanbe. Aufgrund von Geflüchteten stieg die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder während und nach dem Zweiten Weltkriegstark  an. Unter ihnen waren viele Gelehrte, die einen großen Beitrag zur Entwicklung der nationalen Wissenschaft leisteten. […] Und heute bringen viele emigrierte bucharische Juden die tadschikische Kultur nach Israel und in andere westliche Länder. […] Das zeugt davon, dass sie, obwohl sie außerhalb Tadschikistans leben, die Liebe zu ihrem Volk im Herzen tragen“</em>, schließt Muruwwat.</p>
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<p style="text-align: justify">Auf die Frage, was wohl in zehn Jahren mit der jüdischen Gemeinde und der Synagoge in Tadschikistan sein wird, antwortet Jakow Urijewitsch Matajew: <em>„Das weiß ich nicht. Ich hoffe, die Synagoge bleibt nicht leer…“</em></p>
<p style="text-align: right"><strong>Tilaw Rassul-sade für </strong><a href="https://fergana.ru/articles/113338/"><strong>Fergana News</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Marie Schliesser</strong></p>
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		<title>Choresm und Buchara: Die zweigeteilte Geschichte der JüdInnen Zentralasiens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Jan 2020 17:42:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Buchara]]></category>
		<category><![CDATA[Bucharische Juden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schon seit der Antike ist j&#xFC;disches Leben in Zentralasien &#xFC;berliefert. Allerdings ist die Geschichte der zentralasiatischen J&#xFC;dInnen kein Kontinuum, sondern von einem circa ein Jahrhundert w&#xE4;hrenden Verschwinden j&#xFC;dischen Lebens in der Region unterbrochen. Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original auf Fergana News. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Wann erschienen in Zentralasien [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Schon seit der Antike ist jüdisches Leben in Zentralasien überliefert. Allerdings ist die Geschichte der zentralasiatischen JüdInnen kein Kontinuum, sondern von einem circa ein Jahrhundert währenden Verschwinden jüdischen Lebens in der Region unterbrochen. Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original auf <a href="https://fergana.news/articles/112987/">Fergana News</a>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wann erschienen in Zentralasien die ersten JüdInnen? Welche Rolle spielte das Khaganat der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chasaren">ChasarInnen</a> auf ihrer Wanderung? Warum verschwanden sie plötzlich im 16. Jahrhundert ohne Nachkommen zu hinterlassen? Wie kam es, dass die heutigen bucharischen JüdInnen erst seit kurzem in der Region leben und keine Verbindung zur Vorgeschichte haben? Auf diese Fragen antwortet der bekannte kanadische Historiker <a href="https://umanitoba.academia.edu/AlbertKaganovitch">Albert Kaganovitch</a> von der Universität Manitoba. Sein Artikel <a href="https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00210862.2019.1646116">The Jewish Communities of Central Asia in the Medieval and Early Modern Periods</a> erschien im wissenschaftlichen Journal Iranian Studies.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Aus Choresm ins Reich der ChasarInnen und zurück</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wahrscheinlich kamen die ersten JüdInnen zur Zeit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Achämenidenreich">AchämenidInnen</a> – in der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. – nach Zentralasien. Archäologische Funde aus dieser Zeit lassen auf ihren Aufenthalt in der Oase von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Merw">Merw</a> schließen. In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Choresmien">Choresm</a> lassen sich ihre Spuren ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. finden. So schreibt der arabische Historiker <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/At-Tabarī">at-Tabari</a>, dass die ChoresmerInnen (vor der muslimischen Eroberung) sich oft mit jüdischen Rabbinern berieten. Um das Jahr 730 herum konvertierte der chasarische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Großkhan">Khagan</a> Bulan unter dem Einfluss von lokalen JüdInnen oder MigrantInnen aus dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sassanidenreich">sassanidischen</a> Persien zum Judentum. Es ist bemerkenswert, dass gemäß den Schlüssen einiger HistorikerInnen die JüdInnen aus Persien über den Kaukasus und Choresm nach Europa (insbesondere in die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rus">Rus</a> und nach Deutschland) übersiedelten.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify;">In jener Zeit, schreibt Kaganovitch, war Choresm eine der Regionen Groß-<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">C<u>horasans</u></a> – einem Land am Schnittpunkt der heutigen Staaten Iran, Turkmenistan, Usbekistan und Afghanistan –, das voll blühender Städte war. Das chasarische Khaganat war, insbesondere nachdem der Khagan das Judentum angenommen hatte, ein Anziehungspunkt für die JüdInnen ganz Chorasans und besonders Choresms, welches grausam von den Arabern erobert wurde. Die Mehrheit der (wenn nicht alle) chasarischen JüdInnen sprachen und schrieben in judäo-persischer Sprache. Schon damals entwickelten sie einen aktiven transkontinentalen Handel: Ein judäo-persischer Brief zum Thema Handel, der in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hotan_(Stadt)">Hotan</a> gefunden wurde, wurde auf das 8. Jahrhundert datiert. Und im Jahr 878 betrieben JüdInnen bereits im südchinesischen Kanton (chinesisch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Guangzhou">Guangzhou</a>, Anm. d. Ü.) Handel. Als im 10. Jahrhundert das chasarische Khaganat seine militärische Vormacht einbüßte und von der Rus besiegt wurde, wurde Choresm wieder zum Stützpunkt der HändlerInnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die aktive Beteiligung der JüdInnen am Handel in Zentralasien entlang der Seidenstraße spiegelt sich in einer kirgisischen Legende wider, die Ende des 19. Jahrhunderts im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ferghanatal">Ferganatal</a> aufgezeichnet wurde. Einst ritt ein Jude auf seinem Kamel an dem Haus eines Muslims in der Steppe vorbei und bat ihn für die Nacht um Herberge. Doch der Muslim lehnte den Ungläubigen ab. Das erfuhr der Sufi <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ahmed_Yesevi">Achmed Yassawi</a>, der im Haus war. Er folgte dem Juden und flehte ihn an, zurückzukehren. Aber der stimmte nur unter der Bedingung zu, dass er zusammen mit dem Kamel auf den Schultern getragen wird – was der Sufi tat. Angesichts des Wunders konvertierte der Jude zum Islam. In historischen Chroniken und Reisenotizen wird über jüdische Gemeinden im Ferganatal, in Ostturkestan und sogar Ostchina berichtet. In letzterem sprach man auch Persisch. In den Chroniken der mongolischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yuan-Dynastie">Yuan</a>-Dynastie tragen sehr viele JüdInnen persische Namen.</p>
<p><figure id="attachment_19517" aria-describedby="caption-attachment-19517" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-19517" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/Khazar_coin_with_tag_Spillings_Hoard.jpg" alt="eine chasarische Silbermünze aus dem Museum Visby, Schweden" width="1024" height="827" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/Khazar_coin_with_tag_Spillings_Hoard.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/Khazar_coin_with_tag_Spillings_Hoard-300x242.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/Khazar_coin_with_tag_Spillings_Hoard-768x620.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-19517" class="wp-caption-text">Eine chasarische Silbermünze aus dem Museum Visby, Schweden</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify;">Aber der „Kern“, das Zentrum jüdischen Lebens in Zentralasien blieb vom 10. bis zum 13. Jahrhundert Choresm. Laut dem Reisenden <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Benjamin_von_Tudela">Benjamin von Tudela</a> lebten allein in Gorganch (heute <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Urganch">Urganch</a>) mehr als 8000 JüdInnen, wobei es heute Stimmen gibt, dass er wohl eigentlich das ebenfalls in Choresm gelegene <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xiva">Xiva</a> meinte. Selbst die Eroberung durch die Mongolen und die daraus folgenden Zerstörungen konnten die Stadt nicht auslöschen oder auch nur ihr Gedeihen verhindern. Es gibt allerdings keine zuverlässigen Belege, dass JüdInnen im 1. Jahrtausend außerhalb Choresms lebten. Nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro">Buchara</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand">Samarkand</a> könnten sie später gelangt sein, im Rahmen der Entwicklung der Handelsbeziehungen mit China. Außerdem galt im Gegensatz zu Europa der Handel in der muslimischen Welt als Ehrensache, weshalb die JüdInnen viele KonkurrentInnen hatten. Zusammen mit den hohen Steuern für Andersgläubige verhinderte dies die Entfaltung der Kaufleute, und ihr Haupteinflussbereich beschränkte sich nach Ansicht des Historikers auf Choresm.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Tod und Assimilierung</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Dennoch lebten am Vorabend der mongolischen Invasion in Buchara und Samarkand bereits viele JüdInnen. Aber was passierte dann? Die Mongolen haben die JüdInnen nicht gezielt getötet, zumindest berichten keine Quellen davon. Aber die Wirtschaftskrise und die demografische Katastrophe in Zentralasien veränderten die Handelsrouten, wodurch die JüdInnen näher an das Mittelmeer und Westeuropa umgesiedelt sein könnten. Aus Samarkand waren sie schon zur Mitte des 14. Jahrhunderts verschwunden: Der das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timuridenreich">Timuridenreich</a> besuchende spanische Ritter <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ruy_González_de_Clavijo">Ruy González de Clavijo</a> zählt die zahlreichen Gemeinden Samarkands auf und erwähnt TürkInnen, AraberInnen, MongolInnen, ArmenierInnen, GriechInnen – aber keine JüdInnen. In Buchara gab es im 15. Jahrhundert hingegen eine blühende jüdische Gemeinde: Zahlreiche Niederschriften der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mischna">Mischna</a> und anderer religiöser Texte, die in den Jahren 1496 bis 1498 in der Stadt erstellt wurden, sind bekannt. Ein gewisser Usiel Mosche Ben-David schrieb Gedichte auf Persisch und Hebräisch. Die Gemeinde wuchs sogar aufgrund von Zuwanderung aus dem von Timur 1388 zerstörten Gorganch.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber später, zur Zeit der Herrschaft des ersten Chans von Buchara aus der Dynastie der Scheibaniden – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed_Scheibani">Mohammed Scheibani</a> (1501-1510) –, verschwanden laut Kaganovitch die JüdInnen aus Zentralasien. Allem Anschein nach starben sie entweder während der vielen inneren Unruhen des 16. Jahrhunderts oder sie konvertierten zum Islam. Das gleiche Schicksal ereilte wahrscheinlich die JüdInnen Choresms. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten nach Angaben des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolai_Nikolajewitsch_Murawjow">Generals Murawjow</a> in Xiva ehemalige JüdInnen, die zum Islam konvertiert waren.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-judische-minderheit-in-zentralasien-wie-lebt-sie-heute/">Die jüdische Minderheit in Zentralasien – Wie lebt sie heute?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Einen weiteren Beleg für das Verschwinden der JüdInnen aus Zentralasien stellen die Aufzeichnungen des englischen Reisenden <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Antony_Jenkinson">Antony Jenkinson</a> dar, der nicht nur am Hof Iwans des Schrecklichen weilte, sondern auch in den 1550er Jahren Buchara besuchte. Jenkinson beschreibt detailliert den politischen Aufbau und die Wirtschaft der Stadt, erwähnt aber mit keinem Wort die JüdInnen. Das ist umso seltsamer, als er viel über dieses Thema nachdenkt und die in Europa populäre Idee über die Herkunft der MongolInnen aus den zehn verlorenen Stämmen Israels stark kritisiert. Es ist daher umso wahrscheinlicher, dass die JüdInnen Bucharas starben oder aus der Stadt flohen. Wenn sie konvertiert wären, dann hätten ihre Nachfahren in Buchara in den 1550er Jahren noch existiert und die lokalen GesprächspartnerInnen Jenkinsons hätten seine Aufmerksamkeit auf sie gelenkt.</p>
<p><figure id="attachment_19516" aria-describedby="caption-attachment-19516" style="width: 951px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-19516" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/Jewish_Children_with_their_Teacher_in_Samarkand_cropped.jpg" alt="Jüdische Kinder mit ihrem Lehrer (Samarkand, um 1910)" width="951" height="899" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/Jewish_Children_with_their_Teacher_in_Samarkand_cropped.jpg 951w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/Jewish_Children_with_their_Teacher_in_Samarkand_cropped-300x284.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/01/Jewish_Children_with_their_Teacher_in_Samarkand_cropped-768x726.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 951px) 100vw, 951px" /><figcaption id="caption-attachment-19516" class="wp-caption-text">Jüdische Kinder mit ihrem Lehrer (Samarkand, um 1910)</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify;">Es besteht die Möglichkeit, dass die Juden nicht gestorben sind, sondern aus Zentralasien nach China fliehen konnten, denn ihre Handelsbeziehungen mit dem Reich der Mitte blieben bestehen. Zwei judäo-persische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Haggada">Haggada</a>-Exemplare aus dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaifeng">Kaifeng</a> des 17. bis 18. Jahrhunderts unterstützen diese Hypothese. Wie jüngste Forschungen ergeben haben, war die Schriftsprache der JüdInnen von Kaifeng ein chorasanischer Dialekt der judäo-iranischen Sprachen, den man nur im Chorasan des 8. bis 13. Jahrhunderts sprach. Dass ein so alter Dialekt und das Ritual des Pessachfestes bis ins 19. Jahrhundert erhalten geblieben sind, spricht auch für die lange Isolation Chinas und Zentralasiens vom Nahen Osten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Wiedergeburt</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Nachdem die jüdischen Gemeinden für ungefähr ein Jahrhundert verschwunden waren, erfolgte ihre Wiedergeburt. Der genaue Zeitpunkt ist jedoch unbekannt. Nach dem persischen Einfluss in einigen literarischen Werken der bucharischen JüdInnen zu urteilen, geschah dies gegen Anfang des 17. Jahrhunderts. Wahrscheinlich wurden sie gewaltsam aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maschhad">Maschhad</a> – der wichtigsten Stadt im Chorasan der Neuzeit – vertrieben. Im 15. und 16. Jahrhundert war Maschhad für seine Seidenstoffe bekannt, die den Genueser Stoffen in nichts nachstanden, aber im 17. Jahrhundert wird die Stadt nur als Zentrum der Herstellung grober Textilien und Teppiche beschrieben. Wahrscheinlich wurden alle JüdInnen, die für die Produktion von Seide verantwortlich waren, aus Maschhad nach Buchara umgesiedelt. Verantwortlich dafür war <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Abdullah_II._(Buchara)">Khan Abdullah II.</a>, der auf diesem Weg nicht nur seinen Staat bereichern, sondern auch die Wirtschaft seines Feindes, des schiitischen Persiens, zerstören wollte. Der schiitische Schah <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Abbas_I._(Persien)">Abbas der Große</a> hat den Seidenexport nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transoxanien">Transoxanien</a> einfach unterbunden, und die Herrscher von Buchara wollten sich damit nicht abfinden. Die Umsiedlung der Juden aus den geplünderten Städten Chorasans war Khan Abdullahs Antwort auf diese Politik.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/die-bucharischen-juden-wie-kamen-sie-nach-zentralasien/">Die bucharischen Juden – wie kamen sie nach Zentralasien?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Umsiedlung aus Maschhad ist Bestandteil vieler Sagen und Legenden der bucharischen JüdInnen. Noch in den 1920er Jahren wurde erzählt, dass vor langer Zeit die Gemahlin des bucharischen Zaren keine Kinder hatte. Ihr Mann erfuhr, dass ein jüdischer Arzt aus Maschhad Unfruchtbarkeit heile. Aber dieser weigerte sich nach Buchara zu ziehen, da es dort keine Synagoge und keine jüdische Gemeinde gebe. Also stimmte der Monarch zu, noch weitere zehn Männer nach Buchara zu holen, damit der Arzt jemanden zum Beten habe. Im Jahr 1620 wurde die erste Synagoge gebaut. Ihren Lebensunterhalt verdienten die JüdInnen mit der Produktion von Seide, welche unter anderem nach Russland exportiert wurde. Über die Fähigkeiten der jüdischen Handwerksmeister in der Produktion von Seidenstoffen schrieben nicht nur russische Offiziere wie Efremow und Burnaschew, sondern auch indische Reisende des 18. und 19. Jahrhunderts.</p>
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<p style="text-align: justify;">Im Gegensatz zu den europäischen JüdInnen zeigten die JüdInnen von Buchara keine besondere Aktivität im Geldverleih und Handel – diese Nischen waren bereits von lokalen Muslimen (Handel) oder Hindus (Geldverleih) besetzt. Erst die Stärkung der Handelskontakte mit Russland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die Erschließung neuer Märkte erlaubte den JüdInnen, Positionen im Handel einzunehmen. Dennoch fertigte noch 1885 ein Drittel der bucharischen JüdInnen Seidenwaren. Besonders geschätzt wurden Schals und Turbane aus durchscheinender Seide. Das Erblühen der jüdischen Gemeinde in Buchara und die Toleranz der lokalen Bevölkerung machten die Region so anziehend, dass Hunderte JüdInnen aus Afghanistan, Persien und sogar Syrien dorthin zogen, welche sich schnell in die Gemeinde integrierten. Aber dies waren schon neue Leute, mit eigener Kultur, Sprache und Erinnerung an die Länder des jüngsten Exodus. Die jahrhundertealte Tradition des jüdischen Lebens im antiken und mittelalterlichen Zentralasien, die Rituale, Sprache und Literatur, die Geschichte von Chasarien und Choresm sind in Vergessenheit geraten, und ihre wenigen Spuren sind nur im fernen China erhalten geblieben.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Artjom Kosmarskij für <a href="https://fergana.news/articles/112987/">Fergana News</a></strong></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>
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		<title>Wie Usbekistan zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs für Juden aus der UdSSR zum gelobten Land wurde</title>
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		<dc:creator><![CDATA[vsnoj]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Sep 2018 14:40:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Holocaust]]></category>
		<category><![CDATA[Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Judentum]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den USA wurden die Dreharbeiten f&#xFC;r den Dokumentarfilm &#x201C;Der letzte Sommer der Kindheit&#x201D; beendet, in dem es um die Evakuierung von Juden nach Usbekistan w&#xE4;hrend des Zweiten Weltkriegs geht. Wjatscheslaw Schatochin sammelt das Material f&#xFC;r diesen Film schon sein ganzes Leben. Der folgende Artikel erschien im Original auf Center-1. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>In den USA wurden die Dreharbeiten für den Dokumentarfilm “Der letzte Sommer der Kindheit” beendet, in dem es um die Evakuierung von Juden nach Usbekistan während des Zweiten Weltkriegs geht. Wjatscheslaw Schatochin sammelt das Material für diesen Film schon sein ganzes Leben. Der folgende Artikel erschien im Original auf <a href="https://centre1.com/uzbekistan/kak-uzbekistan-stal-dlya-evreev-zemlej-obetovannoj/">Center-1</a>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Wjatscheslaw Schatochin stammt aus Taschkent: Seine Großmutter und Mutter verließen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Poltawa">Poltawa</a> unter deutschen Bombenangriffen. Schatochin und Filmregisseur Nabi Rasakow zeigen die Evakuierung von Juden nach Usbekistan in den Jahren 1941-1943 ohne zu beschönigen. Die Hauptdarsteller des Films sind Kinder, die vor Konzentrationslagern und dem unvermeidlichen Tod während der Besatzung gerettet wurden. Die Usbeken teilten das letzte Stück Brot mit den Flüchtlingen und kein einziges Kind wurde ins Waisenhaus geschickt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-judische-minderheit-in-zentralasien-wie-lebt-sie-heute/">Die jüdischen Minderheit in Zentralasien – Wie lebt sie heute?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Das Ziel des 56-jährigen Schatochin ist es, mit den Stimmen von Hunderten noch lebender Zeugen den Usbeken für das gerettete Leben seiner Mutter und Großmutter zu danken. Schatochin absolvierte die Rechtsschule in Taschkent und arbeitete bei der Staatsanwaltschaft. Jetzt ist er Polizist in New York. Außerdem schreibt er zusammen mit Leonid Teruschkin, dem Leiter des Archivs des Moskauer Holocaust-Zentrums Moskau, ein Buch über die Evakuierung seines Volkes während des Krieges.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was hat Sie dazu veranlasst, das Thema der Evakuierung von Juden nach Usbekistan anzugehen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Geschichte der Familie meiner Mutter,  Sofia Nasarowna Chotimljanska (geb. 1930), die noch als Kind nach Usbekistan gebracht wurde. Fünf Frauen und ein Mann, die Familie meiner Großmutter und ihre Schwestern, flohen aus Poltawa.</p>
<p style="text-align: justify">Es ist wichtig zu erwähnen, dass sie zuerst in die Stadt Kamyschlow im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblast_Swerdlowsk">Swerdlowsker Gebiet</a> evakuiert wurden. Einheimische bewarfen das Gebäude mit Pflastersteinen. Die Familie beschloss deswegen nach Usbekistan zu gehen. Sie kamen zuerst in Taschkent an, später wurden sie nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Farg%CA%BBona">Fergana</a> umverteilt. In Usbekistan war die Einstellung gegenüber Flüchtlingen völlig anders: Die Einwohner teilten das letzte, was sie hatten. Das Schicksal meiner Mutter veranlasste mich Augenzeugenberichte zu sammeln.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Aus den Erinnerungen von Wjatscheslaw’s Mutter:</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>“Meine Mutter, Marija Naumowna Chotimljanskaja, ist wegen der Bombadierungen aus Poltawa mit zwei Kindern geflohen. Alles war verlassen und zerstört. Sie nahm nur zwei Koffer und Handgepäck mit. Nach einem schwierigen Weg kamen sie in Taschkent an. Mein Vater ging zur Miliz und verteidigte Poltawa. Er wurde getötet und in einem Massengrab begraben. Darüber steht eine Denkmal-Stele. Meine Mutter erinnerte sich oft an ihren Heimatort. Sie wurde Witwe mit 41 Jahren und heiratete nie wieder. Sie blieb meinem Vater treu bis zum Ende ihrer Tage. Sie arbeitete hart. Sie brach nie. Sie schaffte es, ihre Töchter großzuziehen und ihnen eine bessere Ausbildung und mehr Chancen im Leben zu ermöglichen&#8220;</em></p>
<p><figure id="attachment_14933" aria-describedby="caption-attachment-14933" style="width: 960px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-14933" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/09/shatohin2.jpg" alt="" width="960" height="640" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/09/shatohin2.jpg 960w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/09/shatohin2-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/09/shatohin2-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/09/shatohin2-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption id="caption-attachment-14933" class="wp-caption-text">Schatochin und seine Mutter Sofia</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie viele Juden wurden insgesamt nach Usbekistan evakuiert? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Jahr 1941 lebten 4,5 Millionen Menschen in Usbekistan, und während der Kriegsjahre nahm die Republik anderthalb Millionen Evakuierte auf, von denen etwa 250.000 aschkenasische Juden aus der Ukraine, Belarus, Russland, Moldawien und Polen waren.</p>
<p style="text-align: justify">In der Familie des berühmten Schmieds Schaachmed Schamachmudow, der 14 Waisen adoptierte, wuchsen auch zwei jüdische Kinder auf. Die meisten Kinder wurden von großen usbekischen Familien angenommen und kein Adoptivkind wurde später ins Waisenhaus zurückgebracht. Der Grad der Gastfreundschaft zeigt sich auch daran, dass viele Menschen nach der Evakuierung in Usbekistan blieben, auch die Familie meiner Mutter.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie haben Sie Ihre Helden gefunden?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Menschen, die die Evakuierung überlebten, sind auf der ganzen Welt verstreut. Ich hatte es sehr eilig, ihre Zeugnisse noch zu Lebzeiten zu bekommen. Aber unser Film hat ein begrenztes Budget, da er aus persönlichen Ersparnissen finanziert wurde.</p>
<p style="text-align: justify">Ich gab dem russischen Fernsehen, den Medien in Israel, Deutschland, Österreich und sogar Australien viele Interwiews. Die Helden kamen selbst zu mir, riefen mich an, schickten Erinnerungen und am Ende sammelte ich ein einzigartiges Archiv.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Welche Rolle spielen die Bucharischen Juden bei der Aufnahme der Evakuierten?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bucharische_Juden">bucharischen Juden</a> halfen, wie sie konnten. Sie teilten den Patz auf allen ihren Friedhöfen, weil Juden nicht auf muslimischen oder christlichen Friedhöfen beerdigt werden durften.</p>
<p style="text-align: justify">Aber in der Region gibt es quantitativ viel weniger Juden als Usbeken, die letztendlich auch viel Großzügigkeit und Gnade bewiesen. Es waren genau die Usbeken, die mit den Andersgläubigen das letzte Stück Brot teilten, Räume in Häusern verteilten, versuchten, für sie Arbeit zu finden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/die-bucharischen-juden-wie-kamen-sie-nach-zentralasien/">Die bucharischen Juden – Wie kamen sie nach Zentralasien?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Schriftsteller <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kornei_Iwanowitsch_Tschukowski">Kornei Tschukowski</a>, der den Schrecken der Evakuierung genauso erlebte wie zweihundert andere Schriftsteller, Künstler und Regisseure, porträtierte diese Zeit mit Erstaunen. Er arbeitete in der Kommission für die Unterbringung evakuierter Kinder. Er sagte: <em>“Diese großen Taten der Menschheit , wie die Vertreter einer anderen Religion so einfach und ehrlich halfen, sind einzigartig in der Geschichte. Das ist ein Merkmal des usbekischen Volkes.” </em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Welche Geschichte ist Ihrer Meinung nach die erstaunlichste? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die von dem bucharischen Juden Sion Chudoidatow, der aus Samarkand stammt. Er kämpfte an den Fronten des Zweiten Weltkriegs, wo er mehrmals verwundet wurde. Nach einer Verletzung wurde Sion in einem Krankenhaus behandelt. Im Gang sah er eine weinende Krankenschwester, die traurig war, da ihre verwaisende Nichte nach Samarkand evakuiert wurde. Die Krankenschwester fragte Chudoidatow, ob er, vorausgesetzt, dass er überlebt, sie finden und ihr helfen könnte.</p>
<p style="text-align: justify">Er kehrte nach Hause zurück, wo er zusammen mit seinem Bruder das Mädchen fand. Die Nichte der Krankenschwester wurde von einer tadschikiischen Familie angenommen. Sion sah ein Mädchen mit 40 Zöpfen, das außer Russisch und Jiddisch frei Usbekisch und Tadschikisch sprach.</p>
<p style="text-align: justify">Er brachte das Mädchen zu ihrem Haus und erzog es in der jüdischen Tradition. Es bekam eine Ausbildung und heiratete, aber ihr ganzes Leben lang respektierte es ihre jüdische Eltern genauso wie die tadschikische.</p>
<p>Diese Geschichte ist für mich ein Signal aus dem 20. Jahrhundert für unsere Zeit.</p>
<p style="text-align: right"><strong><a href="https://centre1.com/uzbekistan/kak-uzbekistan-stal-dlya-evreev-zemlej-obetovannoj/">Center-1</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Veronica Snoj</strong></p>
<p style="text-align: right">Noch mehr Zentralasien findet Ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company-beta/5246815/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in Eurer Mailbox könnt ihr Euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</p>
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		<title>Die Synagoge von Buchara</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Feb 2018 08:08:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Buchara]]></category>
		<category><![CDATA[Judentum]]></category>
		<category><![CDATA[Synagoge]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Eingang der Synagoge von Buchara, Herkunftsort einer der &#xE4;ltesten j&#xFC;dischen Gemeinschaften der Welt. Heute ist eine Gro&#xDF;zahl davon in die Vereinigten Staaten oder nach Israel ausgewandert. Lest auch bei Novastan:&#xA0;Die j&#xFC;dische Minderheit in Zentralasien &#x2013; Wie lebt sie heute? Hier&#xA0;geht&#x2019;s zu mehr Bildern des Tages.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span data-sheets-value="{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Der Eingang der Synagoge von Buchara, Herkunftsort einer der ältesten jüdischen Gemeinschaften der Welt.Heute ist eine Großzahl davon in die Vereinigten Staaten oder nach Israel ausgewandert. &quot;}" data-sheets-userformat="{&quot;2&quot;:769,&quot;3&quot;:[null,0],&quot;11&quot;:4,&quot;12&quot;:0}">Der Eingang der Synagoge von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro">Buchara</a>, Herkunftsort einer der ältesten jüdischen Gemeinschaften der Welt. Heute ist eine Großzahl davon in die Vereinigten Staaten oder nach Israel ausgewandert.</span></p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-judische-minderheit-in-zentralasien-wie-lebt-sie-heute/">Die jüdische Minderheit in Zentralasien – Wie lebt sie heute?</a></strong></p>
<p><strong><a href="https://novastan.org/de/cat/bild-des-tages/">Hier</a> geht’s zu mehr Bildern des Tages.</strong></p>
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		<title>Die jüdische Minderheit in Zentralasien &#8211; Wie lebt sie heute?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[openasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Sep 2017 08:56:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Judentum]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Judentum ist in Zentralasien wenig verbreitet, seit dem Ende der Sowjetunion fallen die Gemeinschaften in der Region deutlich kleiner aus. Das Internetmagazin The Open Asia bietet einen &#xDC;berblick &#xFC;ber j&#xFC;dische Gemeinschaften in der Region, den wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion &#xFC;bersetzen. Das Judentum ist die &#xE4;lteste der heute existierenden Religionen, eine traditionelle monotheistische [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Das Judentum ist in Zentralasien wenig verbreitet, seit dem Ende der Sowjetunion fallen die Gemeinschaften in der Region deutlich kleiner aus. Das Internetmagazin The Open Asia <a href="http://theopenasia.net/articles/detail/malenkie-religii-tsa-kak-zhivut-iudei-v-regione/">bietet einen Überblick</a> über jüdische Gemeinschaften in der Region, den wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion übersetzen.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Judentum">Judentum</a> ist die älteste der heute existierenden Religionen, eine traditionelle monotheistische Glaubenslehre, die verschiedenen Schätzungen nach circa 13,5 Millionen Anhänger*innen in der ganzen Welt hat. Zahlenmäßig handelt es sich also keinesfalls um eine kleine Religion.</p>
<p style="text-align: justify">Allerdings sind Jüd*innen nicht nur eine religiöse, sondern auch eine ethnoreligiöse Gruppe. Jeder Mensch, der zum Judentum konvertiert, wird Teil des jüdischen Volkes, unabhängig davon, welcher Ethnie er von Geburt an angehört. Missionierung ist für das Judentum nicht nur unüblich, sondern verboten. Übertritte zum Judentum gibt es zwar, allerdings selten.</p>
<p style="text-align: justify">Aus diesen Gründen ist das Judentum in Zentralasien nicht weit verbreitet. Dennoch gibt es hier jüdische Gemeinden, wie ein Besuch in Kasachstan, Kirgistan und Tadschikistan zeigen.</p>
<h2 style="text-align: justify">Kasachstan</h2>
<p style="text-align: justify">Der 12. August 2017 war für die jüdische Gemeinde Kasachstans ein wichtiger Tag, denn an ihm feierte sie das 20-jährige Jubiläum der Zentralsynagoge Kasachstans. Und obwohl es sich um keinen religiösen Feiertag handelte, war es dennoch ein Tag von Bedeutung, denn diese Synagoge war die erste, die nach dem Zerfall der Sowjetunion in Zentralasien gebaut wurde. Bis dahin trafen sich die Gemeinden für gewöhnlich in umgebauten Wohnhäusern zum Gebet.</p>
<p><figure id="attachment_10717" aria-describedby="caption-attachment-10717" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-10717" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/27a8bf9b9c2ca47ace906b59d40fe490-1024x682.jpg" alt="Synagoge Kasachstan Almaty" width="1024" height="682" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/27a8bf9b9c2ca47ace906b59d40fe490.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/27a8bf9b9c2ca47ace906b59d40fe490-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/27a8bf9b9c2ca47ace906b59d40fe490-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/27a8bf9b9c2ca47ace906b59d40fe490-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-10717" class="wp-caption-text">Die Zentralsynagoge Kasachstans befindet sich in Almaty</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Die Synagoge ist ein besonderer, ein heiliger Ort für Jüd*innen. Abgesehen von der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tora">Thora</a> in Buchform, die das ganze Leben lang studiert wird, befindet sich in jeder Synagoge in einem speziellen heiligen Schrein eine Thorarolle aus Pergament. Sie wird dreimal die Woche sowie zu Feier- und Fastentagen herausgenommen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Rolle der Gemeinschaft</strong></p>
<p style="text-align: justify">Aber die Synagoge ist nicht nur ein Ort des Gebets. Hierher trägt man am achten Tag nach der Geburt die neugeborenen Jungen zur Beschneidung, hier erhalten die 13-Jährigen die <a href="http://religion.orf.at/lexikon/stories/2601607/">Bar Mitzwa</a>, es werden Hochzeiten gefeiert und Trauerfeiern abgehalten. Aber das ist nicht alles. Auch ganz gewöhnliche Probleme des täglichen Lebens werden hier gelöst.</p>
<p><figure id="attachment_10718" aria-describedby="caption-attachment-10718" style="width: 900px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-10718" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/613a762f38ffa1efafa9441c73c265e0.jpg" alt="Tora Synagoge Almaty" width="900" height="600" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/613a762f38ffa1efafa9441c73c265e0.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/613a762f38ffa1efafa9441c73c265e0-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/613a762f38ffa1efafa9441c73c265e0-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/613a762f38ffa1efafa9441c73c265e0-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption id="caption-attachment-10718" class="wp-caption-text">Ausgaben der Tora in der Synagoge in Almaty</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Der Oberrabbiner von Kasachstan Jeshaja Cohen erzählt uns die Legende, die erklärt, warum an einem heiligen Ort über Fragen des Alltags geredet wird: „E<em>in neuer Rabbiner kam in die Stadt und sah, dass die Leute in der Synagoge nach dem Gebet über den Alltag redeten. Der Rabbiner sagte: ‚</em>Das darf man nicht, das hier ist ein heiliger Ort. Hier muss man die Thora lesen oder beten.<em> ‘ Am Sabbat klopfte ein Gemeindemitglied an die Tür des Rabbiners: ‚</em>Heute Abend ist Sabbat – ich brauche Wein und Essen, aber ich habe kein Geld und jede Menge Schulden. <em>‘ Der Rabbi gab ihm Geld aus einer speziellen Gemeindekasse. Danach kam ein zweiter zu ihm, dann ein dritter, vierter und so weiter. Der Rabbi ließ den Ältesten kommen um darzulegen, was passiert sei, dass plötzlich alle arm geworden seien. Dieser antwortete dem Rabbiner, dass sich bis zu seiner Ankunft die Leute in der Synagoge trafen um Probleme zu lösen. Der Jurist half dem Doktor und der Doktor dem Schuster. Und er, der Rabbi, habe ihnen das verboten. Die Leute wissen nicht mehr, wie es den anderen geht und was für Probleme sie haben, jeder blieb allein und viele wurden arm.“</em></p>
<p><figure id="attachment_10719" aria-describedby="caption-attachment-10719" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-10719" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/6551c1db57300ff31c85a89b0fb4ce7b-1024x682.jpg" alt="ynagoge von Almaty Tora Hut" width="1024" height="682" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/6551c1db57300ff31c85a89b0fb4ce7b.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/6551c1db57300ff31c85a89b0fb4ce7b-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/6551c1db57300ff31c85a89b0fb4ce7b-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/6551c1db57300ff31c85a89b0fb4ce7b-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-10719" class="wp-caption-text">In der Synagoge von Almaty</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">In der Synagoge kann man nicht nur geistliche, sondern auch materielle Unterstützung erfahren. Den Bedürftigen bringt man warmes Essen und leistet medizinische Hilfe. So unterstützt die Gemeinde ihre Mitglieder. Jüd*innen beten dreimal täglich – morgens, mittags und abends. In den Gebeten gibt es 18 Segen und einer davon ist folgende Bitte: “<em>Segne uns, Vater, wenn wir alle beisammen sind.</em>” Denn: Individualismus und jede*r für sich – das würde dem Judentum widersprechen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Almaty und die Chabad-Bewegung</strong></p>
<p style="text-align: justify">Almaty ist eine besondere Stadt für Jüd*innen auf der ganzen Welt. Rabbiner Jeshaja Cohen wurde in Israel geboren und stammt aus einer Rabbinerfamilie. Er studierte in Amerika und bekennt, dass er bis zu seiner Ankunft 1994 keine Ahnung hatte, was Kasachstan für ein Land sei, aber von Alma-Ata (der Name Almatys zu Sowjetzeiten, Anm. d. Ü.) hatte er schon in der Kindheit gehört. Das liegt an einer Bewegung innerhalb des Judentums: dem  <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chabad">Chabad</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Die Chabad-Bewegung ist unter anderem im postsowjetischen Raum verbreitet. Sie entstand im 18. Jahrhundert unweit von Smolensk in der Ortschaft <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ljubawitschi">Ljubawitschi</a> (heute im Gebiet Smolensk nahe der belarussischen Grenze, Anm. d. Ü.). Ihr Gründer war Rabbi Schneur Salman. Chabad wurde die einzige Bewegung, die Jüd*innen auf der ganzen Welt geistliche und materielle Unterstützung leistet. Ihr geistliches Oberhaupt war der Rebbe (Rabbiner in chassidischen Gemeinden, Anm. d. Ü.) von Ljubawitschi, der siebte und letzte von ihnen, Rabbiner Menachem Mendel Schneerson (1902-1994), floh 1941 vor den Nazis nach New York.</p>
<p><figure id="attachment_10720" aria-describedby="caption-attachment-10720" style="width: 261px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-10720" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/Rebbi_Levi_Yitzchak_Schneerson.jpg" alt="Rebbi Levi Yitzchak Schneerson" width="261" height="372" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/Rebbi_Levi_Yitzchak_Schneerson.jpg 261w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/Rebbi_Levi_Yitzchak_Schneerson-210x300.jpg 210w" sizes="auto, (max-width: 261px) 100vw, 261px" /><figcaption id="caption-attachment-10720" class="wp-caption-text">Der Rebbi Levi Yitzchak Schneerson</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Der Vater eben jenes siebten Rebbe von Ljubawitschi war der Oberrabbiner von Dnepropetrowsk Levi Yitzhak Schneerson (1878-1944). Er wurde 1939 vom NKWD (damaliger sowjetischer Geheimdienst, Anm. d. Ü.) unter anderem wegen antisowjetischer Propaganda verhaftet und in das südkasachstanische  Dorf Schiali verbannt, wo er im Untergrund als Rabbi wirkte. 1944 erhielt er die Erlaubnis nach Alma-Ata überzusiedeln, wo er im selben Jahr starb. Sein Grab befindet sich auf dem Zentralfriedhof der Stadt. Levi Yitzhak Schneerson wurde 1989 rehabilitiert.</p>
<p style="text-align: justify">Seit über 70 Jahren ist Almaty in der jüdischen Gemeinschaft bekannt, da hier Rabbi Levi Yitzhak Schneerson begraben liegt. Sein Grab ist ein Wallfahrtsort, zu dem Menschen aus der ganzen Welt kommen um hier zu beten oder um etwas zu bitten. Und auch jene, die nach Almaty gekommen waren, um das 20-jährige Jubiläum der Synagoge zu begehen, besuchten das Grab.</p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Jeshaja Cohen, der Oberrabbiner Kasachstans</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Das Oberhaupt der jüdischen Gemeinde Kasachstans Jeshaja Cohen ist ein Gesandter des letzten Rebbe von Ljubawitschi. Er war damals 23 Jahre alt. Mit vier Jahren hatte er angefangen die Thora zu lernen und mit 15 wollte er nicht etwa Kosmonaut oder Polizist sondern Rabbiner werden, aber unbedingt dort, wo die Gemeinde Hilfe braucht. Und 1994, als Rabbi Menachem Mendel Schneerson schon schwer erkrankt war, erhielt er die Erlaubnis nach Almaty zu gehen, wo Schneerson Senior begraben ist und es acht Jahre lang überhaupt keinen Rabbiner gab.</p>
<p style="text-align: justify">Jeshaja Cohen erinnert sich, wie schwer es bei seiner Ankunft war. Er konnte weder kasachisch noch russisch. In der Stadt gab es eine kleine Synagoge und eine winzige Gemeinde. Viele Jüd*innen wussten nicht, wie man koschere Speisen zubereitet und hatten nie eine Thora in ihren Händen gehalten.</p>
<p style="text-align: justify">Rabbi Cohen begann bei den Kleinsten: Er organisierte ein Ferienlager für jüdische Kinder und führte die ersten Beschneidungen durch. Nach einiger Zeit bat er beim Akimat (der Stadtverwaltung, Anm. d Ü.) um ein Grundstück für den Bau einer Synagoge. „<em>Als ich den Brief an die Gemeinde einreichte, bat ich um 1000 Quadratmeter. Aber sie gaben mir nicht 1000</em>“, erzählt Jeshaja Cohen. „ <em>Sie gaben mir 3500 Quadratmeter</em>“.</p>
<p style="text-align: justify">Ein Rabbiner ist nicht nur einfach ein Geistlicher. Er erfüllt auch die Rolle eines „weltlichen“ Gerichts in der Gemeinde. Mit der Bitte zu richten kommen zu ihm Geschäftspartner*innen, die sich nicht einigen können, zerstrittene Eheleute und auch Eltern, um Rat in Erziehungsfragen zu erhalten. Die wichtigste Regel ist beide Seiten anzuhören und zu versuchen, sie zu versöhnen. Doch in seinem Rat und Urteil darf der Rabbiner sich nur auf die Thora und andere heilige Bücher berufen. Diese muss er sehr gut kennen.</p>
<p><figure id="attachment_10721" aria-describedby="caption-attachment-10721" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-10721" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/d8b0d8c31910a2aa64c6d084635cc963-1024x682.jpg" alt="Jeshaja Cohen Rabbiner Kasachstan" width="1024" height="682" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/d8b0d8c31910a2aa64c6d084635cc963.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/d8b0d8c31910a2aa64c6d084635cc963-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/d8b0d8c31910a2aa64c6d084635cc963-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/d8b0d8c31910a2aa64c6d084635cc963-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-10721" class="wp-caption-text">Jeshaja Cohen, der Oberrabbiner Kasachstans</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify"> „<em>Ich danke dem Allmächtigen dafür, dass ich genau hierher nach Kasachstan gekommen bin, denn dies ist ein Ort, den ich als beispielhaft für die ganze Welt betrachte. Und ich glaube, dass jeder Mensch, der nach Kasachstan kommt, dies so empfindet. Die Menschen hier scheinen mir so tolerant und freundlich wie kaum irgendwo anders</em>“, erklärt Rabbi Jeshaja Cohen</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Und die Staatsorgane – ich beobachte das seit 1994 – vom Akim, über die Regierung bis hin zum Präsidenten, vermitteln stets, dass man in Freundschaft miteinander leben muss. Und obwohl es hier sehr </em><a href="https://novastan.org/de/fact/in-kontinuitat-mit-der-sowjetunion-sieht-sich-kasachstan-als-ein-mehrvolkerstaat/"><em>viele unterschiedliche  Ethnien</em></a><em> gibt, leben alle friedlich miteinander. Wenn ich heute auf der Straße unterwegs bin und alle wissen und sehen, dass ich Jude bin, muss ich mich nicht vor irgendwelchen Angriffen in Acht nehmen. Gott sei Dank verstehen uns die Leute. Wir sind zahlenmäßig wenige, aber man behandelt uns wie Gleiche, mit Achtung. Ich bitte den Allmächtigen, dass das immer so bleiben möge.</em>“</p>
<p><figure id="attachment_10722" aria-describedby="caption-attachment-10722" style="width: 247px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10722 size-medium" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/cf69f6cdef7fa4268b08dc4a7832f86a-247x300.jpg" alt="Die Zentralsynagoge Kasachstans auf einer Briefmarke" width="247" height="300" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/cf69f6cdef7fa4268b08dc4a7832f86a-247x300.jpg 247w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/cf69f6cdef7fa4268b08dc4a7832f86a.jpg 648w" sizes="auto, (max-width: 247px) 100vw, 247px" /><figcaption id="caption-attachment-10722" class="wp-caption-text">Die Zentralsynagoge Kasachstans auf einer Briefmarke</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Seiner Schätzung nach leben in Kasachstan circa 40.000 Jüd*innen. In sechs Städten gibt es vollständig funktionierende Synagogen mit Kulturzentren unter der Leitung eines Rabbiners: in Almaty, Astana, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaraghandy">Karaganda</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qostanai">Kostanai</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pawlodar">Pawlodar</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Öskemen">Öskemen</a>.</p>
<h2 style="text-align: justify">Kirgistan</h2>
<p style="text-align: justify">Die Geschichte der Jüd*innen auf dem Territorium des heutigen Kirgistans ist nicht sehr alt. Natürlich ließen sich vereinzelte Vertreter*innen dieses Volkes schon vor langer Zeit hier nieder, denn auch hier verlief die <a href="https://novastan.org/de/uigurische-region/vom-mythos-seidenstrasse/">Seidenstraße</a> – auf der nicht nur Waren sondern auch neues Wissen sich seinen Weg bahnte. Eine richtige jüdische Gemeinschaft entstand allerdings erst Ende des 19. Jahrhunderts, als Kirgistan in das Russische Imperium eingegliedert wurde. Eine zweite Welle erreichte die Republik zur Zeit der Massenrepressionen unter Stalin und während des Zweiten Weltkriegs.</p>
<p><figure id="attachment_10723" aria-describedby="caption-attachment-10723" style="width: 1000px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-10723" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/5e0f87b00350f1648e440049b81919b5.jpg" alt="Rabbi Arie Reichman Judentum Kirgistan" width="1000" height="666" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/5e0f87b00350f1648e440049b81919b5.jpg 1000w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/5e0f87b00350f1648e440049b81919b5-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/5e0f87b00350f1648e440049b81919b5-768x511.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/5e0f87b00350f1648e440049b81919b5-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption id="caption-attachment-10723" class="wp-caption-text">Der Rabbi Arie Reichman</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Jüd*innen kamen aus verschiedenen Gründen hierher. Der Großteil der Familien wurde nach Kirgistan verbannt. Andere flohen vor möglicher Verfolgung ins eher ruhige Zentralasien. Außerdem wurden Menschen aus den vom Krieg betroffenen Gebieten in Belarus und der Ukraine hierher evakuiert</em>“, erzählt Rabbi Arie Reichman.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die frühe jüdische Gemeinschaft in Kirgistan</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ungefähr zu dieser Zeit entstand auch die erste Synagoge der Republik. Viele Jahre befand sie sich in einem einfachen Haus, das sich in nichts von den Nachbarhäusern unterschied.</p>
<p style="text-align: justify">Aleksandr Barschaj erinnert in seinen Notizen „Evrejskoje slowo i delo w Kirgisii“ („Jüdisches Wort und Tat in Kirgisien“) an die frühere jüdische Gemeinschaft.</p>
<p style="text-align: justify"> „<em>Als ich ein kleiner Junge war, führte mich mein Großvater Chaim in die alte Synagoge von Frunse (das heutige Bischkek, Anm. d. Ü.). Es war wohl am Sabbat und wir gingen sehr, sehr lange, fast bis an den Stadtrand. Dort in einem langen einstöckigen Holzhaus, das einer Baracke glich, waren alte mit Gebetsschals bedeckte Juden, die etwas flüsterten, leise auf Jiddisch sprachen und sogar versuchten zu singen.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Laut der Volkszählung von 1959 lebten in Kirgistan 26.000 Jüd*innen. „<em>Und das ist nur die offizielle Zahl. Es war recht gefährlich zu der Zeit Jüd*in zu sein, weswegen viele ihre Nationalität verbargen und sich als Russ*innen, Ukrainer*innen oder Belarus*innen registrierten</em>“, so Rabbiner Reichmam. Mit dem Zerfall der Sowjetunion begann die <a href="http://www.eurasianet.org/node/66826">Abwanderung der Jüd*innen</a>. Laut der Volkszählung von 1989 waren nur noch 7200 Jüd*innen in der Republik. Die Zahl sinkt bis heute.</p>
<p><figure id="attachment_10724" aria-describedby="caption-attachment-10724" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-10724" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/83ece44a3166b345df9c66aeeb3fe272-1024x682.jpg" alt="Synagoge Bischkek" width="1024" height="682" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/83ece44a3166b345df9c66aeeb3fe272.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/83ece44a3166b345df9c66aeeb3fe272-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/83ece44a3166b345df9c66aeeb3fe272-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/83ece44a3166b345df9c66aeeb3fe272-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-10724" class="wp-caption-text">In der bischkeker Synagoge</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">„<em>In unsere Synagoge – und es ist die einzige in Kirgistan – kommen noch ungefähr 1500 Personen</em>“, erzählt der Rabbiner. „<em>Nicht alle kommen zum Gebet hierher. Überhaupt bedeutet das Wort „Synagoge“, wenn man es aus dem Griechischen übersetzt „Versammlung“. Es ist also ein Ort der Gemeinde.</em>“ Lange war die Bischkeker Synagoge lediglich ein Ort für die Gemeinde und jüdische Vereine. Dies war die Folge davon, dass es in der Republik kaum noch Jüd*innen gab, die wussten, wie man betet oder Feiertage begeht.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der einzige Rabbiner des unabhängigen Kirgistans</strong></p>
<p style="text-align: justify">Reichman kam 1989 nach Kirgistan. Nach seiner Ausbildung zum Rabbiner wollte er eigentlich nach Taschkent, aber der dortige Rabbiner machte ihn darauf aufmerksam, dass es in Kirgistan niemanden gebe, der dort helfe die Gebete und Feiertage durchzuführen. Seitdem lebt er also dort.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Die Gemeinde hier ist klein, Helfer*innen habe ich wenige, weswegen  es mir zukommt alle Rituale, die mit dem religiösen Leben der Jüd*innen verbunden sind, durchzuführen. Ich wollte hier nicht für lange Zeit bleiben. Aber das Judentum in Kirgistan formiert sich erst. Hier brauch man jemanden, der Fragen beantwortet, zum Beispiel, wie man koscheres Essen kocht und Hochzeiten oder Begräbnisse durchführt.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">2010 erlebte die jüdische Gemeinde eine <a href="https://www.rferl.org/a/Bishkek_Police_Investigate_Attack_On_Synagogue/2154212.html">schwere Erschütterung</a>. Am 9. September gegen 17.20 Uhr warfen Unbekannte einen Sprengsatz in den Hof der Synagoge. Unter der Überdachung im Hof war bereits alles für das jüdische Neujahrsfest Rosch-ha-Schana vorbereitet. Nur durch einen glücklichen Zufall wurde niemand verletzt. Der Beginn der Feierlichkeiten war auf 17.30 Uhr angesetzt, wurde aber auf 18.00 Uhr verlegt. Das Verbrechen wurde von den Sicherheitsorganen als terroristischer Akt eingestuft.</p>
<p style="text-align: justify">Doch natürlich gab es auch glückliche Momente. So wurde eine jüdische Mittelschule eröffnet und im letzten Jahr zog die Synagoge in eines neues, hübsches und angenehmes Gebäude um, das dank Spenden von Jüd*innen aus der ganzen Welt gebaut wurde. Eindrücke davon bietet ein Video des kirgisischen Internetmediums Kaktus:</p>
<p>https://www.youtube.com/watch?time_continue=15&#038;v=6LTskgfMzQM</p>
<p style="text-align: justify">In der Synagoge gibt es kein einziges Bild. „<em>Weil es verboten ist. Sie haben gewiss von den 10 Geboten gehört. Um im 2. Gebot heißt es: Du sollst dir kein Bild noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben in Himmel, noch von dem was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich bin der Herr, dein Gott</em>“, zitiert der Rabbi.</p>
<p style="text-align: justify">Der Gebetsraum ist in zwei Hälften geteilt. Hinter einer Abschirmung befindet sich die Hälfte für die Frauen. „<em>Das macht man aus ganz gewöhnlichen Gründen des täglichen Lebens und hat nichts mit einer Diskriminierung von Frauen oder Männern zu tun</em>“, sagt Arie Reichman, „<em>Stellen Sie sich vor, dass eine schöne Frau in die Synagoge kommt. Die Männer können sich nicht mehr auf das Gebet konzentrieren und werden die ganze Zeit abgelenkt sein. Das ist normal.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der Lage des Redepults nach zu urteilen, drehen Sie sich während des Gebets den Rücken zu? </strong></p>
<p style="text-align: justify"> „<em>Die Frage ist wem. Wir wenden uns mit dem Gebet an Gott und ihm wenden wir uns zu.</em>“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Und kann man in jeder Sprache und Form beten oder gibt es spezielle Texte?</strong></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Ich denke, man muss in Gott mehr Vertrauen haben, als die Mehrheit der Menschen meint. Natürlich versteht er all Ihre Worte auf jeder Sprache. Sie können sich an ihn wenden, wie Sie wollen. Aber natürlich gibt es auch spezielle Texte. Da die Menschen verschieden sind, können nicht alle formulieren, was ihnen auf dem Herzen liegt. Deswegen haben sich vor tausenden Jahren die Weisen besondere Worte überlegt.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ich habe gehört, dass man als Jüd*in nur geboren wird und es nicht werden kann, im Unterschied zum Islam oder zum Christentum. Was ist der bedeutendste Unterschied zu diesen Religionen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Wollen Sie Jüdin werden? Nichts ist unmöglich. Es ist schwierig, aber möglich. Und was die Unterschiede betrifft, so wollen die anderen Religionen die Zahl ihrer Anhänger*innen erhöhen. Im Judentum ist das verboten. Der Mensch soll selbst seine Entscheidung treffen.</em>“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Und dürfen wir fragen worin das Auserwähltsein des jüdischen Volkes besteht</strong>?</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Wissen sie woher dieser Ausdruck kommt? Aus der Bibel. Aber das bedeutet nicht, dass wir von Gott besonders behandelt werden. Das ist wie eine große Familie. Eltern lieben alle ihre Kinder. Aber manche haben ihre Bestimmung. Das Auserwähltsein der Jüd*innen besteht genau darin, dass sie eine Bestimmung haben, eine bestimmte Auswahl an Pflichten. Wer meint, dass daraus irgendwelche Präferenzen resultieren, der möge auf die tausendjährige Geschichte unseres Volkes schauen.</em>“</p>
<h2 style="text-align: justify">Tadschikistan</h2>
<p style="text-align: justify">Einst lebten in Tadschikistan Tausende Anhänger*innen des Judentums. Die Volkszählung von 1989 nennt zum Beispiel eine Zahl von ungefähr 15.000. Ihnen standen in Duschanbe drei Synagogen offen, von denen aber zwei schon in den 80er Jahren geschlossen wurde, sodass nur noch eine übrigblieb. Ihr Gebäude war eines der ältesten im Zentrum der tadschikischen Hauptstadt. 2006 wurde sie abgerissen. Heute befindet sich an ihrer Stelle eine Grünanlage, die an den Palast der Nation angrenzt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/das-verschwindende-duschanbe/"><strong>Das verschwindende Duschanbe</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Der Abriss alter Gebäude ruft in Duschanbe immer den Zorn der Einheimischen hervor, aber im Fall der alten Synagoge entstand ein echter Skandal. Der Abriss begann im Februar 2006. Bulldozer zerstörten die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mikwe">Mikwe</a> (das rituelles Bad), ein Klassenzimmer sowie einen koscheren Schlachthof, doch schon bald waren die Stadtoberen genötigt mit der Zerstörung aufzuhören, da sich Vertreter*innen des Weltkongresses der Bucharischen  Jüd*innen dem Protest anschlossen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Rechtsstreit mit der Stadtverwaltung</strong></p>
<p style="text-align: justify">In der Folge schlug die Stadtverwaltung der jüdischen Gemeinde ein Grundstück am Stadtrand vor, um dort eine Synagoge zu bauen. Dies konnte aber die Gemeinde nicht zufrieden stellen, da es ihr an den finanziellen Mitteln für einen Neubau fehlte.</p>
<p style="text-align: justify">2008 klagte dann die Bezirksverwaltung gegen die Leitung der Synagoge, die sich weigerte der städtischen Anordnung nachzukommen und das Gebäude zu verlassen. Das Gericht gab dem Kläger Recht und die Synagoge wurde endgültig abgerissen.</p>
<p><figure id="attachment_10726" aria-describedby="caption-attachment-10726" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-10726" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/4a41750de96b409c0675bb871929775c-1024x682.jpg" alt="Synagoge Duschanbe" width="1024" height="682" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/4a41750de96b409c0675bb871929775c.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/4a41750de96b409c0675bb871929775c-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/4a41750de96b409c0675bb871929775c-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/4a41750de96b409c0675bb871929775c-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-10726" class="wp-caption-text">Eingang der Synagoge in Duschanbe</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Doch damit war die Sache noch nicht  vorbei:  Nach genau einem Jahr schenkte Hassan Asadullosoda, Vorstandsvorsitzender der „Orienbank“ <em>(eine der größten Banken des Landes, Anm.d.Red.)</em> und zukünftiger Schwiegersohn des Präsidenten, der Gemeinde ein <a href="https://www.rferl.org/a/New_Synagogue_Opens_In_Dushanbe/1621721.html">Haus im Zentrum Duschanbes</a>. „<em>Das Haus ist in gutem Zustand und es bedarf keiner Renovierung</em>“, ließen Vertreter der jüdischen Gemeinde damals die Presse wissen.</p>
<p style="text-align: justify">Heute befindet sich in diesem Haus die einzige Synagoge Tadschikistans. An ihr befindet sich kein einziger Davidsstern, nur das Tor ist in den Farben der israelischen Flagge gestrichen. In der neuen Synagoge ist es ruhig und leer, aber auch sauber und angenehm. Uns begrüßt ein Mann, der sich als Yakow Matajew vorstellt, er ist der Vorsitzende der kleinen jüdischen Gemeinde Tadschikistans.</p>
<p><figure id="attachment_10727" aria-describedby="caption-attachment-10727" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-10727" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/36716d57122b3990e69f072bd75de483-1024x682.jpg" alt="Innenhof der Synagoge in Duschanbe" width="1024" height="682" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/36716d57122b3990e69f072bd75de483.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/36716d57122b3990e69f072bd75de483-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/36716d57122b3990e69f072bd75de483-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/36716d57122b3990e69f072bd75de483-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-10727" class="wp-caption-text">Im Innenhof der Synagoge in Duschanbe</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Auf meiner Liste befinden sich 30 Personen, alle im sehr hohen Alter. Viele stehen gar nicht mehr auf und kommen selten hierher. Wenn man uns zum Feiertag Matze aus Israel oder der Ukraine schickt, verteile ich sie an die Häuser</em>“, erzählt er.</p>
<p style="text-align: justify">In der tadschikischen Synagoge gibt es nicht einmal einen Rabbiner, denn nach den Gesetzen des Judentums müssen zum Gebet nicht weniger als 10 Männer älter als 13 Jahre kommen &#8211; eine Anforderung, die die Gemeinde nicht mehr erfüllt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Eine verschwindend kleine Gemeinschaft</strong></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Die Emigration der Jüd*innen aus Tadschikistan begann schon in den  70ern und dauerte in den 80ern an und als 1992 der Bürgerkrieg begann, richtete man eine direkte Flugverbindung nach Israel ein und alle, die wollten, verließen das Land. Seitdem ist praktisch niemand mehr da</em>“, erzählt Matajew.</p>
<p><figure id="attachment_10728" aria-describedby="caption-attachment-10728" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-10728" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/e6b4e319bf93965597b8cf0fc32ecb60-1024x682.jpg" alt="Innen Synagoge Duschanbe" width="1024" height="682" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/e6b4e319bf93965597b8cf0fc32ecb60.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/e6b4e319bf93965597b8cf0fc32ecb60-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/e6b4e319bf93965597b8cf0fc32ecb60-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/e6b4e319bf93965597b8cf0fc32ecb60-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-10728" class="wp-caption-text">Die tadschikische Synagoge hat keinen Rabbiner</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Oft besuchen zugezogene Jüd*innen, die für internationale Organisationen in Tadschikistan arbeiten, die Synagoge. Und auch die ehemaligen Tadschikistaner*innen vergessen ihre Wurzeln nicht: Fast jährlich kommt jemand von ihnen nach Duschanbe, um die Synagoge und die Gräber der Verwandten auf dem Stadtfriedhof, die die Gemeinde mit finanzieller Unterstützung des Weltkongresses der Bucharischen Jüd*innen pflegt, zu besuchen.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Letztes Jahr kam eine große Delegation aus Amerika, manchmal besuchen uns Familien, die hier Halt machen</em>“, erzählt der Vorsitzende Matajew. Er führt uns durch ordentliche Zimmer, zeigt uns den Gebetsraum: für die Ordnung in der Synagoge sorgen drei Personen – er selbst und zwei seiner Helfer*innen. „<em>Und so ist es gekommen, dass in unsere Synagoge jetzt Vertreter aller Weltreligionen zusammenkommen: Ich bin Jude, Andrjuscha ist Christ und Gulya Muslima. Wir leben in Eintracht, achten auf die Ordnung und sind immer froh Gäste begrüßen zu dürfen.</em>“</p>
<p style="text-align: right"><strong>Marina Mikhtajewa<br />
</strong><a href="http://theopenasia.net/articles/detail/malenkie-religii-tsa-kak-zhivut-iudei-v-regione/"><strong>The Open Asia</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>
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		<title>Bucharer Juden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Feb 2017 14:17:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fact]]></category>
		<category><![CDATA[Buchara]]></category>
		<category><![CDATA[CAFacts3]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Judentum]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Buchara selbst sind nur ein paar hundert geblieben, dabei ist es eine der &#xE4;ltesten j&#xFC;dischen Gemeinschaften der Welt, die einen Dialekt zwischen Tadschikisch und Hebr&#xE4;isch sprechen. Quelle: National Geographic</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In Buchara selbst sind nur ein paar hundert geblieben, dabei ist es eine der ältesten jüdischen Gemeinschaften der Welt, die einen Dialekt zwischen Tadschikisch und Hebräisch sprechen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline"><strong>Quelle:</strong></span> <a href="http://news.nationalgeographic.com/2015/08/150804-jews-diaspora-bukhara-uzbekistan-asia-world/?utm_source=Facebook&amp;utm_medium=Social&amp;utm_content=link_fb20150804news-bukharajews&amp;utm_campaign=Content&amp;sf11685942=1">National Geographic</a></p>
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