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	<title>Ausländer Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Sun, 15 Sep 2024 08:11:20 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Ausländer Archives</title>
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	<item>
		<title>Usbekistan verabschiedet Gesetz über „unerwünschte Ausländer“</title>
		<link>https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/usbekistan-verabschiedet-gesetz-ueber-unerwuenschte-auslaender/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Eléonore Darasse]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Sep 2024 15:48:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländer]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[unerwünschte Ausländer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Unterhaus des usbekischen Parlaments hat auf die kontroversen &#xC4;u&#xDF;erungen russischer Nationalisten reagiert, indem es f&#xFC;r einen Gesetzentwurf stimmte, der die Ausweisung und das Aufenthaltsverbot f&#xFC;r &#x201E;unerw&#xFC;nschte Ausl&#xE4;nder&#x201C; erm&#xF6;glicht. Viele Medienschaffende bef&#xFC;rchten Missbrauch und Fehlinterpretationen. Am 25. Juni hat das Unterhaus des Oliy Majlis, des usbekischen Parlaments, in zweiter Lesung einen Gesetzentwurf zur &#xC4;nderung des [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Unterhaus des usbekischen Parlaments hat auf die kontroversen Äußerungen russischer Nationalisten reagiert, indem es für einen Gesetzentwurf stimmte, der die Ausweisung und das Aufenthaltsverbot für „unerwünschte Ausländer“ ermöglicht. Viele Medienschaffende befürchten Missbrauch und Fehlinterpretationen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 25. Juni hat das Unterhaus des Oliy Majlis<strong>,</strong> des usbekischen Parlaments, in zweiter Lesung einen <a href="https://lex.uz/docs/7022305">Gesetzentwurf</a> zur Änderung des Gesetzes <a href="https://lex.uz/docs/5443901">„Über den rechtlichen Status von ausländischen Bürgern und Staatenlosen in der Republik Usbekistan</a>“ angenommen. Der Pressedienst des Parlaments hatten den Entwurf einige Tage zuvor bereits <a href="https://parliament.gov.uz/ru/news/chet-el-fuqarolarining-va-fuqaroligi-bolmagan-shaxslarning-huquqiy-holati-togrisidagi-qonunga-ozgartirish-va-qoshimchalar-kiritildi">angekündigt</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Mitteilung war die Rede von „<em>der Notwendigkeit, neue Maßnahmen zum Schutz der Souveränität und territorialen Integrität Usbekistans unter den modernen Bedingungen der Globalisierung einzuführen.“</em> Der Gesetzentwurf orientiert sich an ähnlichen Gesetzen, die in Kasachstan, Aserbaidschan, Russland, Polen, Belarus oder auch China in Kraft sind.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Kriterien können einen ausländischen Staatsbürger als „unerwünscht“ einstufen: Wer Aussagen macht oder Handlungen begeht, die der staatlichen Souveränität, der territorialen Integrität und der Sicherheit Usbekistans widersprechen, zwischenstaatliche, soziale, nationale, rassische oder religiöse Feindschaft schüren oder die Ehre, Würde oder Geschichte des usbekischen Volkes erniedrigen, kann ausgewiesen werden und darf sich nicht in Usbekistan aufhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verlässt die Person das Land nicht selbst innerhalb von zehn Tagen nach der Benachrichtigung durch das Außenministerium, kommt es zur Zwangsausweisung der für unerwünscht erklärten Person. Fünf Jahre gilt das Einreiseverbot für das usbekische Hoheitsgebiet. Gleichfalls ist es verboten, ein Bankkonto zu eröffnen, Immobilien zu kaufen, sich an der Privatisierung von Staatseigentum zu beteiligen oder sich am wirtschaftlichen Geschehen des Landes zu beteiligen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Erst erwägt ein russischer Politiker die Annexion Usbekistans…</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Monate zuvor hatten Äußerungen mehrerer russischer Politiker und Kulturschaffender in Usbekistan für Aufruhr gesorgt. Der russische Duma-Abgeordnete Evgenij Fjodorow hatte im September 2023 erklärt, dass sich die 14 Republiken unrechtmäßig abgespalten hätten [beim Zerfall der Sowjetunion, Anm. d. Red.]. Ein Konflikt mit Russland sei folglich nur eine Frage der Zeit. Der Vizepräsident des Unterhauses des Parlaments in Taschkent, Odiljon Tajiyev, reagierte ironisch, indem er Fjodorows Aussage als <em>„sehr originell“</em> bezeichnete. Das berichtet das usbekische Medium <a href="https://kun.uz/news/2023/09/13/rossiyalik-deputat-possovet-davlatlarining-mustaqilligini-shubha-ostiga-oldi-ozbekiston-siyosatchilari-unga-javob-qaytardi">Kun.uz</a>. Auf einer Pressekonferenz in Moskau im Dezember letzten Jahres bezeichnete der nationalistische Politiker und Schriftsteller <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sachar_Prilepin">Sachar Prilepin</a> dann den Zerfall der Sowjetunion als „illegal“. Auch er sprach offen über die Annexion Usbekistans. <a href="https://kun.uz/news/2023/09/13/rossiyalik-deputat-possovet-davlatlarining-mustaqilligini-shubha-ostiga-oldi-ozbekiston-siyosatchilari-unga-javob-qaytardi">Kun.uz</a> berichtete, dass er die Annexion aller Länder, die Arbeitsmigranten nach Russland entsenden, befürworte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/situation-zentralasiatischer-migrierter-in-russland-verschlechtert-sich/"><strong>Situation zentralasiatischer Migrierter in Russland verschlechtert sich</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich plädiere dafür, dass diese Gebiete, aus denen die Arbeitsmigranten kommen, annektiert werden und die russische Sprache vor Ort gelehrt wird. Nicht hier, sondern dort, also beispielsweise in Usbekistan“</em>, sagte Prilepin<strong>,</strong> Vize-Vorsitzender der Partei ‚Patrioten für die Wahrheit und ein gerechtes Russland‘. <em>„Zwei Millionen Ihrer Bürger befinden sich auf unserem Territorium, wir haben einen Anspruch auf Ihre Gebiete. [&#8230;] Wer soll uns nach der Siegesparade (in Kyjiw) daran hindern, weiter auf das eurasische Territorium zu ziehen? Niemand“</em>, fügte er hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Taschkent bestellte daraufhin den russischen Botschafter in Usbekistan, Oleg Malginow, zur Erklärung ein. Das russische Außenministerium antwortete, dass Prilepin nur sich selbst und keinesfalls die offizielle Position der Russischen Föderation vertrete, so das usbekische Medium <a href="https://daryo.uz/en/2023/12/21/sovereignty-independence-and-territorial-integrity-of-uzbekistan-have-never-been-questioned-by-russian-leadership-russian-ambassador-to-uzbekistan">Daryo</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>&#8230; dann spricht ein russischer Historiker dem usbekischen Volk seine Geschichte ab</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Januar dieses Jahres erklärte der russische Historiker <a href="https://www.news.de/politik/857537911/wladimir-putin-koennte-bald-kasachstan-und-kirgisistan-besetzen-historiker-begruendet-neuen-kreml-krieg-mit-propaganda-show/1/">Michail Smolin</a> in einer Fernsehsendung anlässlich des 100. Todestages von Lenin, dass das usbekische Volk keine Geschichte habe. Dies berichtete <a href="https://daryo.uz/en/2024/01/25/alisher-qodirov-advocates-balanced-language-representation-amidst-controversial-russian-historians-claims">Daryo</a>. <em>„Vor der Revolution (1917) gab es keine Aserbaidschaner, Usbeken oder Kasachen. […] Die Entscheidungen, die die Bildung von Nationen beeinflussen, sind willkürlich. Die Usbeken zum Beispiel existierten vor der Revolution nicht. Nicht einmal der Name existierte. Sie nahmen Usbeken aus verschiedenen zentralasiatischen Nationen und daraus schufen sie eine Nation“</em>, so der Historiker.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hier reagierte das russische Außenministerium und betonte, dass Smolins Aussagen <em>„rein subjektiver Natur“</em> seien und nichts mit der historischen Realität zu tun hätten, berichtete <a href="https://www.uzdaily.uz/en/post/86454/">Uzdaily.uz</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alisher Qodyrov, ein weiterer Vizepräsident des Unterhauses, bezeichnete Smolin als <em>„geschichtsvergessenen Historiker“</em>, wie <a href="https://daryo.uz/en/2024/01/25/alisher-qodirov-advocates-balanced-language-representation-amidst-controversial-russian-historians-claims">Daryo</a> berichtete. <em>„Die Turkvölker existieren seit 3.000 Jahren, ihr usbekischer Zweig, der der </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karluken"><em>Karluken</em></a><em>, ist sogar einer ihrer mächtigsten. Ein durchschnittlich gebildeter Mensch weiß das oft nicht“</em>, betonte er. Bevor er grinsend hinzufügte: <em>„Aber wenn ein Historiker das nicht weiß, sollte man ihn getrost ignorieren.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein usbekischer Abgeordneter dreht den Spieß um</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Abgeordnete konterte, es sei dringlicher, über den Stellenwert und den Unterricht der russischen Sprache in Usbekistan nachzudenken. Seiner Meinung nach würde die russische Sprache dort „unverhältnismäßig viel“ verwendet, obwohl die Russen in dem Land kaum 3 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Bereits 2020 war der Gebrauch des Russischen in der usbekischen Verwaltung Gegenstand einer heftigen Debatte gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Dieses Ungleichgewicht muss korrigiert werden“,</em> betonte Alisher Qodyrov. <em>„Erstens müssen wir die Schulbildungsnorm in das Gesetz aufnehmen, und zweitens müssen wir damit beginnen, Fernsehkooperationen aufzubauen, und zwar mit unseren kasachischen, aserbaidschanischen, kirgisischen, turkmenischen, türkischen und tadschikischen Brüdern.“</em> Abschließend ging er noch auf die seiner Meinung nach bestehende Notwendigkeit ein, eine gemeinsame zentralasiatische Front zu bilden: „<em>Eine wichtige Konsequenz aus unserer Erfahrung als Staat ist, dass wir wieder zu Sklaven des Unterdrückers werden, wenn wir uns gegenseitig bekämpfen“.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/gipfeltreffen-in-astana-aufschwung-fuer-die-regionale-zusammenarbeit/"><strong>Gipfeltreffen in Astana: Aufschwung für die regionale Zusammenarbeit? </strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie vom Gesetzgeber vorgelegt, zielt der im Juni verabschiedete Gesetzentwurf „<em>darauf ab, die staatliche Souveränität, territoriale Integrität und Sicherheit Usbekistans zu stärken, die zwischenstaatliche, interethnische und interreligiöse Harmonie im Land zu schützen und die Achtung der Ehre, der Würde und der Geschichte des usbekischen Volkes zu gewährleisten“.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Bedenken über die Auslegung des Gesetzes</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt jedoch auch Stimmen, die befürchten, dass das Gesetz missbraucht wird, um gegen Journalisten und gesellschaftliche Aktivisten vorzugehen. Am 5. Juli prangerten rund 30 Organisationen in einer <a href="https://crd.org/2024/07/05/uzbekistan-international-human-rights-organizations-call-on-president-mirziyoyev-to-veto-undesirable-foreigners-law/">gemeinsamen Erklärung</a> <em>„eine eklatante Verletzung der internationalen Standards für Meinungsfreiheit“</em> sowie „<em>eine ernsthafte Gefahr der Isolierung des Landes“</em> an. Im gleichen Atemzug riefen sie den usbekischen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirsiyoyev</a> dazu auf, sein Veto einzulegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Mitteilung wurde darauf hingewiesen, dass in den letzten Jahren mehrere ausländische Forscher, Journalisten und Aktivisten, darunter einige usbekischer Herkunft, aus dem Land ausgewiesen worden waren. Einige von ihnen hatten jahrelang problemlos nach Usbekistan reisen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/es-ist-nicht-cool-warum-migranten-nicht-teil-der-russischen-welt-werden-wollen/"><strong>„Es ist nicht cool“ – Warum Migrierte nicht Teil der „Russischen Welt“ werden wollen</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis zum Tod des ehemaligen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islom_Karimov">Islom Karimov</a> im Jahr 2016 galt Usbekistan als eines der am stärksten abgeschotteten Länder der Welt. Während der 25 Jahre seiner Präsidentschaft hatte Usbekistan unter anderem das sowjetische System der internen und externen Migration beibehalten. Gleichzeitig sorgte er für große Umwälzungen, indem er die Zwangsarbeit bei der Baumwollernte schrittweise abschaffte und deren Produktion schließlich vollständig <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tiefgreifende-reformen-in-usbekistans-baumwollproduktion/">liberalisierte</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast acht Jahre nach seiner Machtübernahme macht sich im <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/karakalpakstan-nichts-neues-im-neuen-usbekistan/">„Neuen Usbekistan“</a> jedoch eine härtere Gangart bemerkbar. Oppositionelle Demonstrationen sind nach wie vor verboten, und als die Polizei 2022 <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/proteste-in-karakalpakstan-taschkent-schafft-ordnung-durch-gewalt/">die Demo in Karakalpakstan tödlich niederschlug</a>, klang es wie ein Echo des Massakers von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Unruhen_in_Usbekistan_2005">Andijon</a> im Jahr 2005. Auf der von <a href="https://rsf.org/en">Reporter ohne Grenzen</a> (ROG) jährlich erstellten Rangliste der Pressefreiheit 2024 fiel Usbekistan deutlich zurück, von Platz 137 auf Platz 148 von 180 Ländern.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Eleonore Darasse für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/ouzbekistan/ouzbekistan-loi-etrangers-indesirables/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kasachstan: Meldepflicht abgeschafft, neue Meldepflicht eingeführt</title>
		<link>https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-meldepflicht-abgeschafft-neue-meldepflicht-eingefuehrt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jan 2020 13:08:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländer]]></category>
		<category><![CDATA[Meldepflicht]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Visa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit dem 11. Januar gelten in Kasachstan neue Regeln f&#xFC;r den Aufenthalt von ausl&#xE4;ndischen Staatsb&#xFC;rgern. Die Meldepflicht wurde abgeschafft und durch eine Aufenthaltsbenachrichtigung ersetzt, auf Verantwortung der Gastgeber. Zuerst klang die geplante Reform noch wie eine Vereinfachung des Aufenthaltsrechts, als der kasachstanische Pr&#xE4;sident Kasym-Jomart Toqaev im Oktober ank&#xFC;ndigte, man m&#xFC;sse dringend den &#x201E;Anachronismus&#x201C; der Meldepflicht [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Seit dem 11. Januar gelten in Kasachstan neue Regeln für den Aufenthalt von ausländischen Staatsbürgern. Die Meldepflicht wurde abgeschafft und durch eine Aufenthaltsbenachrichtigung ersetzt, auf Verantwortung der Gastgeber.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Zuerst klang die geplante Reform noch wie eine Vereinfachung des Aufenthaltsrechts, als der kasachstanische Präsident Kasym-Jomart Toqaev im Oktober <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/registratsiyu-inostrantsev-poruchil-otmenit-tokaev-382772/">ankündigte</a>, man müsse dringend den „Anachronismus“ der Meldepflicht von Ausländern abschaffen. <em>„Zusätzlich zu den Unannehmlichkeiten für ausländische Gäste ist die Meldepflicht eine Quelle großer Korruption, mit negativen Auswirkungen auf das Ansehen des gesamten Landes und von Almaty“</em>, erklärte Toqaev bei einem Treffen in der Stadtverwaltung von Almaty.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Zuvor mussten sich ausländische Staatsbürger innerhalb von fünf Tagen nach der Einreise in Kasachstan bei den Migrationsbehörden melden. Viele Gäste waren jedoch davon ausgenommen. Insbesondere Staatsbürger, die von der <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-erweitert-visumfreiheit-auf-37-staaten/">Visapflicht ausgenommen</a> sind, wurde automatisch an der Grenze gemeldet. Demnach konnten sich insbesondere alle EU-Staatsbürger ohne weiteres für bis zu 30 Tage im Land aufhalten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Verantwortung bei den Gastgebern </strong></p>
<p style="text-align: justify">Das ist nun nicht mehr der Fall. Durch die durch die am 27. Dezember verabschiedeten und seit 11. Januar 2020 geltenden <a href="https://online.zakon.kz/Document/?doc_id=39975530">Gesetzesänderungen</a> wurden die Meldepflicht für Ausländer und auch die an der Grenze ausgehändigten Meldekarten zwar abgeschafft, aber <a href="https://informburo.kz/stati/registraciyu-inostrancev-v-kazahstane-otmenili-no-oteleram-dobavili-otvetstvennosti-razbiraem-popravki.html">durch eine Meldepflicht von Seiten der Gastgeber</a> ersetzt.</p>
<p style="text-align: justify">Institutionen, Gastwirtschaften oder Privatpersonen, die Ausländer aufnehmen, müssen von nun an innerhalb von drei Arbeitstagen deren Ankunft bei den Migrationsbehörden melden. Die Meldung kann Online über das <a href="https://vmp.gov.kz/ru/services">Migrationsportal</a> oder das <a href="https://egov.kz/cms/ru">e-government</a>-Portal erfolgen, oder über eine schriftliche Benachrichtigung des Gastgebers bei den Migrationsbehörden. Bei einem Selbstversuch der Redaktion von <a href="https://inbusiness.kz/ru/news/novye-pravila-registracii-inostrancev-kak-eto-budet-rabotat">inbusiness.kz</a> war eine Online Meldung aufgrund von technischen Fehlern jedoch erfolgslos.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-wird-die-registrierung-auslaendischer-staatsangehoeriger-abschaffen/">Usbekistan wird die Registrierung ausländischer Staatsangehöriger abschaffen</a><br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wenn der Meldepflicht nicht nachgekommen wird, riskieren sowohl der Gastgeber als auch der Gast Verwaltungsstrafen. Polizeiinspektoren sind damit beauftragt zu kontrollieren, ob Gastgeber Ausländer gesetzesmäßig melden. Wie genau die Kontrolle von statten gehen soll, ist jedoch ungewiss. So beklagt der Hostelbetreiber Shakir Islambakiev im Interview mit <a href="https://informburo.kz/stati/registraciyu-inostrancev-v-kazahstane-otmenili-no-oteleram-dobavili-otvetstvennosti-razbiraem-popravki.html">Informburo.kz</a>: „<em>Mit diesen Regeln kann man jeden Kasachstaner mit einer Geldstrafe belegen, denn wenn wir Gäste annehmen, wissen nur wenige Leute davon und nur wenige melden sie.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Schwarzarbeit aufdecken  </strong></p>
<p style="text-align: justify">Laut Angaben von <a href="https://inbusiness.kz/ru/news/novye-pravila-registracii-inostrancev-kak-eto-budet-rabotat">Inbusiness.kz</a>, möchten die Behörden durch die neuen Regelungen gegen den illegalen Wohnungsvermietungsmarkt vorgehen. Da Vermieter ihre Gäste melden müssen, kann die Meldung auch zum Anlass für Steuerkontrollen genommen werden.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify">Zusätzlich zu der neuen Meldepflicht wird auch die maximale Aufenthaltsdauer von Ausländern neu definieren. Bei einem visafreien Aufenthalt von über 30 Tagen muss eine vorübergehende oder fristlose Aufenthaltsgenehmigung beantragt werden. Außerdem können sich Ausländer ohne Aufenthaltsgenehmigung oder Visum maximal 90 Tage pro Halbjahr in Kasachstan aufhalten. Dadurch sollen vor allem Bürger aus Mitgliedstaaten der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eurasische_Wirtschaftsunion">Eurasischen Wirtschaftsunion</a>, die in Kasachstan arbeiten ohne dort Steuern zu zahlen, in die Legalität gezwungen werden.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Die Redaktion von Novastan.org</strong></p>
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		<title>„Guck mal, die Schlampe ist mit einem Ausländer zusammen!“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kloop]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Jan 2019 12:29:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländer]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frauen aus Kirgistan sehen sich einem enormen Druck ausgesetzt, wenn sie in einer Beziehung mit einem Mann leben, der einer anderen Ethnie angeh&#xF6;rt. Das Nachrichtenportal Kloop stellt einige solcher F&#xE4;lle vor. Wir &#xFC;bersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Der Gro&#xDF;teil von Geschichten &#xFC;ber Frauen, die diesem Druck ausgesetzt sind, schafft es nicht in [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Frauen aus Kirgistan sehen sich einem enormen Druck ausgesetzt, wenn sie in einer Beziehung mit einem Mann leben, der einer anderen Ethnie angehört. Das Nachrichtenportal </strong><a href="https://kloop.kg/blog/2018/10/04/smotri-shlyuha-s-inostrantsem-idet-kak-kyrgyzstanok-stydyat-za-otnosheniyami-s-muzhchinami-drugih-etnosov/"><strong>Kloop</strong></a><strong> stellt einige solcher Fälle vor. Wir übersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Großteil von Geschichten über Frauen, die diesem Druck ausgesetzt sind, schafft es nicht in die Medien. Die Aufmerksamkeit von JournalistInnen erregen nur die seltenen Fälle von Gewalt, die gegenüber jungen Frauen angewandt wird, die sich mit Ausländern treffen. Ein breit diskutiertes Beispiel ist die Gruppe „Patrioten“, die aus ethnischen Kirgisen besteht, die in Russland leben, und vor laufender Kamera Kirgisinnen verprügelten, weil sie sich mit Ausländern getroffen hatten. Die Mehrheit solcher Fälle bleibt aber unbekannt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Bloß nicht die Hand halten</strong></p>
<p style="text-align: justify">Samara geht mit ihrem Mann auf dem Erkindik-Boulevard (eine der Hauptstraßen in Bischkek, Anm. d. Ü.) spazieren. Das Paar wird neugierig von PassantInnen angestarrt. Sie ist Kirgisin und Ihr Mann Amerikaner. Samara und ihr Mann sind es schon gewöhnt, dass sie die Aufmerksamkeit ihres Umfelds auf sich ziehen.</p>
<p style="text-align: justify">Die beiden haben sich im Ausland kennengelernt und nach ihrer Hochzeit beschlossen, lediglich im Urlaub nach Kirgistan zu reisen. Doch gerade hier fühlt Samara die missbilligenden Blicke auf sich gerichtet.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ich-hatte-nur-ein-ziel-bei-ihm-zu-sein-kirgisische-zweitfrauen-erzahlen/"><strong>„Ich hatte nur ein Ziel – bei ihm zu sein“ – Kirgisische Zweitfrauen erzählen</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Samara erinnert sich an einen Fall, als sie mit ihrem Mann mit dem Taxi zum Osch-Basar (ein großer Markt in Bischkek, Anm. d.Ü.) fuhr. Der Fahrer scherzte, dass er ihre Beziehung billige, wenn ihr Mann ihm 100 Dollar gebe. Als sie auf dem Basar ankamen, hielten sie sich nicht an den Händen und zeigten keine Gefühle– darauf hatten sie sich zuvor geeinigt. So wurde Samara als Übersetzerin wahrgenommen und die örtlichen Männer interessierten sich für die Herkunft des Mannes. Trotz allem hat Samara mehr Glück als andere Frauen, die eine Beziehung mit einem ausländischen Mann führen.</p>
<p style="text-align: justify">2017 ereignete sich auf dem Osch-Basar ein Zwischenfall, als ein Kirgise eine Frau anfiel, die bei einem afghanischen Mann untergehakt war. Der Kirgise schlug ihr ins Gesicht und erklärte, dass <em>„kirgisische Frauen sich nicht mit Ausländern treffen sollten“</em>. Abgesehen davon drohte er der Frau, sie <em>„mit der Axt in Stücke zu hauen“</em>. Ihrem Begleiter riet er <em>„aus Kirgistan abzuhauen“</em>. Verkäuferinnen und PassantInnen versuchten den Angreifer ohne Erfolg zu beruhigen. Der regte sich weiter auf und schrie: <em>„Gibt es etwa keine kirgisischen Männer mehr?“</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Bei der Polizei fragte man, warum sie keinen Russen gefunden habe</strong></p>
<p style="text-align: justify">Alexandra lernte ihren zukünftigen Ehemann in Bischkek kennen. Sie ist eine ethnische Russin und er ethnischer Turkmene. Sowohl ihre als auch seine Verwandten nahmen ihre Entscheidung, zu heiraten, besorgt auf. Aber mit der Zeit wurde die Beziehung zwischen den Mitgliedern beider Familien besser.</p>
<p style="text-align: justify">Nach der Hochzeit lebten Alexandra und ihr Mann im Ausland. Laut ihren Erzählungen, schauen viele Menschen in Kirgistan, Russland oder Turkmenistan die beiden aufmerksam an und versuchen, ihre ethnische Herkunft zu erraten. Außerhalb der postsowjetischen Länder hat Alexandra solch ein Verhalten nicht bemerkt. <em>„Im fernen Ausland verhält man sich gegenüber gemischten Paaren lockerer. Und wir haben viele solcher Freunde“</em>, sagt sie.</p>
<p><figure id="attachment_14610" aria-describedby="caption-attachment-14610" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-14610 size-large" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/08/8-1024x768.jpg" alt="" width="1024" height="768" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/08/8-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/08/8-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/08/8-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/08/8-800x600.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/08/8-1300x975.jpg 1300w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-14610" class="wp-caption-text">Auf dem Osch-Basar in Bischkek wurde eine Kirgisin beschimpft, weil sie einen ausländischen Partner hatte</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Alexandra erinnert sich, dass sie einst in Bischkek ihren Ausweis verlor und sich einen neuen besorgen musste. Sie wandte sich an die Polizei, erzählte, dass sie den Ausweis verloren habe, und dass sie dabei mit ihrem Man unterwegs gewesen war. Als die Polizisten erfuhren, dass ihr Mann ethnischer Turkmene ist, begannen sie sich aktiver zu interessieren und fragten, wer er sei und wo er arbeite.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Und plötzlich fragte einer der Polizisten, ob ich denn keinen Russen hätte finden können. Diese Frage fand ich sehr demütigend und ich wusste nicht, was ich antworten soll“</em>, erinnert sich Alexandra.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Sie fühlten sich beleidigt, weil er den Kurdak „nicht richtig“ aß</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ayschan (Name geändert) studierte Englisch auf Lehramt und arbeitete in einem der Bischkeker Hotels, als sie sich eines Tages m Internet bei einer PartnerInnen-Börse registrierte. Sie erzählt, dass viele Männer ihre Bekanntschaft suchten, aber sie antwortete nur einem – einem Mann aus England, der ihr gefiel, da er keine negativen Angewohnheiten hatte und außerdem Tiere liebte.</p>
<p style="text-align: justify">Ayschan entschloss sich, mit ihm über WhatsApp zu kommunizieren – sie fühlte sich unwohl, weil sie den jungen Mann per Internet kennengelernt hatte. <em>„Ich habe sofort mein Profil auf der Seite gelöscht. Ich konnte es nicht mehr in Ruhe nutzen, weil die Leute es noch nicht gewöhnt sind zu hören, dass junge Leute ihren potentiellen Partner online kennenlernen“</em>, sagt die junge Frau.</p>
<p style="text-align: justify">Das Paar schrieb sich fast ein Jahr lang über Whatsapp, bevor David (Name geändert) aus England nach Bischkek kam. Erst nach den persönlichen Treffen begann Ayschan die Beziehung mit ihm. David machte ihr einen Heiratsantrag und sie stimmte zu. Damals fuhr Ayschan mit ihrem Bräutigam in den Süden des Landes zur Großmutter um ihn den Verwandten vorzustellen. Sie fuhren im Taxi zusammen mit anderen Leuten – im Wesentlichen ältere Herrschaften.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/16-frauenportraets-aus-osch-kirgistan/"><strong>16 Frauenporträts aus Osch, Kirgistan</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Unterwegs unterhielt sich Ayschan mit einem der Mitfahrer und erfuhr, dass er ein entfernter Verwandter mütterlicherseits war. Sie hielten an um in einem Café Mittag zu essen. David bestellte <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kuurdak">Kurdak</a> und Ayschan bat den Kellner, Messer und Gabel zu bringen.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Und als er anfing Kurdak mit Messer und Gabel zu essen, sagten mir alle Männer am Tisch, der Fahrer und der Verwandte, gereizt und mit kühlem Ton, dass ich ihm übersetzen möge, dass bei uns Männer Kurdak mit der Hand essen. Sie könnten so etwas nicht dulden“</em>, sagt Ayschan.</p>
<p style="text-align: justify">Sie fügt hinzu, dass alle Gäste des Cafés David anstarrten. Der Fahrer begann laut über ihn zu lachen und David rührte das Essen nicht mehr an und trank nur den Tee. Als sie wieder los fuhren, sagte der Verwandte zu Ayschan, dass ihr Kleid zu kurz, und dies ein Resultat des Einflusses ihres Bräutigams sei. Er fügte hinzu, dass Ayschan sich der Religion zuwenden und Arabisch lesen und schreiben lernen solle.</p>
<p style="text-align: justify">Die Großmutter nahm Ayschans Bräutigam sehr gut auf. Ayschan erzählt, dass die Großmutter ein sehr offener Mensch war. Sie verbrachten zwei Tage dort und fuhren dann zurück nach Bischkek. Im Nachhinein erzählte aber Ayschans Mutter, die Großmutter hätte angerufen, und darum gebeten, nicht mehr zusammen mit David zu kommen.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Oma erzählte, dass die Leute sie mit ihren Fragen überfielen: Warum ich mit einem Engländer zusammen sei und warum ich ohne jede Achtung vor der Religion gekleidet wäre“</em>, erzählt die junge Frau.</p>
<p style="text-align: justify">In Bischkek gab es auch Situationen, in denen Ayschan mit Fragen überhäuft wurde, weil sie mit ihrem Bräutigam unterwegs war. Zum Beispiel als sie ein Geschäft betrat und David die Tür aufhielt. Danach fragte der Sicherheitsmann, woher ihr Freund kommt. <em>„Als er die Antwort hörte, fragte er, ob es in England zu wenig Frauen gebe […] und er sich nicht eine in England aussuchen könne, die ihm die Tür aufhalte“</em>, sagt Ayschan.</p>
<p style="text-align: justify">Sie sagt, dass sich David mittlerweile an solche Fragen und die erhöhte Aufmerksamkeit ihm gegenüber gewöhnt habe und sogar versucht, darauf mit Humor zu reagieren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Sie nannten mich Schlampe, weil ich mit einem Ausländer ging</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ayperi (Name geändert) lernte ihren Freund in Bischkek kennen. Er kam aus Kanada nach Kirgistan. Ayperi erzählt, dass er sie zuvor schon ein paar Mal gesehen, sich aber nicht entschlossen hatte, sie näher kennenzulernen. Dann schrieb er ihr auf Instagram und Ayperi antwortete. Sie schrieben sich und sind nun schon fast zwei Jahre zusammen. Die junge Frau erzählt, dass sie ihren Freund ihrer Mutter vorgestellt hat, aber es nicht wagt, ihn dem Vater vorzustellen.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Meine Eltern sind geschieden. Mama ist ein Mensch mit offener Gesinnung, sie und mein Freund verstehen sich gut. Vater ist aber ein sehr religiöser Mensch. Er besteht immer darauf, dass mein Mann ein Moslem sein muss. Egal welche Nationalität, Hauptsache ein Moslem. Um Konflikte mit Vater zu vermeiden, sage ich ihm überhaupt nicht, dass ich einen Freund habe“</em>, erzählt Ayperi.</p>
<p><figure id="attachment_13780" aria-describedby="caption-attachment-13780" style="width: 960px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-13780 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/UdXTg0BpK38.jpg" alt="Brauch, Tradtition, Fest, Feier, Kirgistan, Tisch" width="960" height="720" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/UdXTg0BpK38.jpg 960w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/UdXTg0BpK38-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/UdXTg0BpK38-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/UdXTg0BpK38-800x600.jpg 800w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption id="caption-attachment-13780" class="wp-caption-text">Essen gehört zur kirgisischen Tradtion. Wenn der ausländische Partner nicht weiß, wie der Brauch funktioniert, kann das schnell als Beleidigung wahrgenommen werden</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Die junge Frau stößt oft auf missbilligende Reaktionen ihres Umfelds, wenn sie zusammen irgendwohin gehen<em>. „Sehr oft habe ich mir widerliche Worte anhören müssen, so wie ,Reichen unsere nicht?´ Einmal riefen mir ein paar Jugendliche auf Kirgisisch hinterher: ,Guck mal, die Schlampe ist mit einem Ausländer zusammen. Die entehrt uns´“</em>, erzählt sie.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/mit-15-verheiratet-und-schwanger-kinderbraute-aus-kirgistan-erzahlen-ihre-geschichten/"><strong>Mit 15 verheiratet und schwanger – Kinderbräute aus Kirgistan erzählen ihre Geschichten</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Selbst einige Freundinnen verhielten sich wegen ihrer Wahl missbilligend. <em>„Am meisten kränkt es, wenn Freundinnen anfangen dich zu meiden. Und dann erklären sie das damit, dass ,die Leute uns sehen und denken, dass ich so eine wie du wäre´“</em>, sagt Ayperi.</p>
<p style="text-align: justify">Einmal beschloss Ayperi, ihrem Freund einen der Bischkeker Märkte zu zeigen und sie gingen zum Orto-Saj. Sie gingen zu einem Verkäufer um Kartoffeln zu kaufen, aber der weigerte sich, sie zu verkaufen. <em>„Ich dachte erst, dass er vielleicht nicht gehört hat und fragte noch einmal. Dann sagte er mir, dass er solchen wie mir und meinem Freund keine Kartoffeln verkaufe“</em>, sagt Ayperi.</p>
<p style="text-align: justify">Ein anderer unangenehmer Zwischenfall ereignete sich im Taxi<em>. „Der Fahrer hielt mir eine Moralpredigt, dass man sich nur mit Kirgisen treffen solle, dass wir die Nation entehren würden und dass ausländische Männer unsere Mädchen nur benutzen würden. Er sagte, dass sich kirgisische Männer für uns schämen würden“</em>, erzählt sie.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Sie meinten, dass ich wegen Geld geheiratet habe – und um ins Ausland zu gehen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Venera (Name geändert) lernte ihren zukünftigen Mann – einen Amerikaner &#8211; auf der Arbeit kennen. Sie sagt, dass beide liberale Ansichten haben. Sie wurden ein Paar und heirateten später. Veneras Verwandte unterstützen anfangs nicht ihre Entscheidung, einen Ausländer zu heiraten. Sie warfen ihr vor, dass es „in Kirgistan echte Männer gebe“, aber Venera entschloss sich dennoch, eine Familie mit ihrem Mann zu gründen. Danach verhielten sich die Verwandten besser ihr gegenüber.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Sie hatten nie zuvor mit Menschen aus einer anderen Kultur gesprochen. Für sie war das sehr angsteinflößend. Aber das Unbekannte ist immer angsteinflößend. Nachdem sie sich kennengelernt hatten, hat sich ihre Meinung stark geändert“</em>, sagt Venera.</p>
<p style="text-align: justify">Ihre Bekannten hingegen hätten sie stärker verurteilten. Sie meinten, dass sie den Amerikaner nur des Geldes wegen geheiratet hätte, und weil sie aus Kirgistan wegziehen wolle. <em>„Ich musste sie immer wieder überzeugen, dass er überhaupt nicht reich ist. Er stammt aus einer gewöhnlichen Familie. Und ich möchte nirgendwohin gehen“</em>, sagt Venera.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wir-pfeifen-auf-die-blumen-interview-mit-der-wortfuhrerin-der-bischkeker-weltfrauentagsdemo/"><strong>„Wir pfeifen auf die Blumen“ – Interview mit der Wortführerin der Bischkeker Weltfrauentagsdemo</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Ihren Worten nach, reagieren Fremde nicht negativ auf das Paar, sondern man unterstützt sie und verhält sich freundlich. Einmal gab es aber wegen ihres Mannes einen Konflikt mit dem Umfeld<em>. „Wir waren in einem Café und gegenüber saßen zwei Kerle, die uns die ganze Zeit  anschauten und spotteten. Mein Mann merkte das auch“</em>, erzählt sie.</p>
<p style="text-align: justify">Dann machten die Männer einen unanständigen Spruch und Veneras Mann bat sie um eine Übersetzung. Ihr Mann ging zu den Typen und bat sie mit auf die Straße zu kommen, wo es zwischen den Männern zu einer Prügelei kam<em>. „Mein Mann ist ein sehr friedliebender Mensch, aber als sie mich persönlich beleidigten, musste er sich prügeln“</em>, sagt Venera. Laut Venera haben die beiden Kerle den Konflikt nicht weiter verschärft. <em>„Teilweise hat sicherlich geholfen, dass er Ausländer ist. Sie wussten, dass die Rechtsorgane ihn unterstützen würden“</em>, meint sie.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Sie nannten sie amerikanische Matratze und ihren afroamerikanischen Freund einen Affen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Saule (Name geändert) ist eine ethnische Kasachin. Vor acht Jahren lernte sie in einem Bischkeker Nachtklub ihren Freund kennen – einen Afroamerikaner, der auf einer amerikanischen Militärbasis arbeitete. Saule erzählt, dass sie dem jungen Mann lange nicht antwortete, aber er ließ nicht locker und gewann ihre Aufmerksamkeit. <em>„Wir begannen uns zu treffen und er zog mich wie ein Magnet an. Ich hatte vorher noch nie mit einem Ausländer geredet und schon gar nicht mit einem Schwarzen. Er war ein sehr guter Mensch“</em>, erinnert sich Saule.</p>
<p><figure id="attachment_11870" aria-describedby="caption-attachment-11870" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-11870 size-large" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/KgMarchaud9-1024x768.jpg" alt="Kirgistan Braüche Russenhocke" width="1024" height="768" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/KgMarchaud9-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/KgMarchaud9-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/KgMarchaud9-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/KgMarchaud9-800x600.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/KgMarchaud9-1300x975.jpg 1300w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-11870" class="wp-caption-text">&#8222;Gibt es in Kirgistan keine Männer mehr&#8220; oder &#8222;Hast du keinen Kirgisen gefunden&#8220;? &#8211; mit solchen Beleidigungen werden kirgisische Frauen mit ausländischem Partner in der Öffentlichkeit häufig konfrontiert</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Wenn die beiden in Nachklubs gingen, passierten einige Zwischenfälle. Örtliche Kerle, die Saule zusammen mit einem Schwarzen sahen, kamen auf sie zu und fragten, ob ihr die lokalen Männer nicht reichen würden. Einmal bemerkte sie beim Tanzen, dass sich ein unbekannter Kerl zu ihrem Freund und einem seiner Leute setzte. Saule war beunruhigt und wollte erfahren, was Sache sei. <em>„Ich fragte, was er wolle und er sagte: ,Hau ab, amerikanische Matratze!´ Ich wollte nicht streiten und bat ein paar mal, dass er weggehen solle und als Antwort beschimpfte er mich übel auf Kirgisisch“</em>, sagt Saule.</p>
<p style="text-align: justify">Ihr Freund bat um eine Übersetzung dessen, was sie mit dem Unbekannten gesprochen hatte. Danach konnte er sich nicht zurückhalten und schlug den Kerl. Zwischen ihnen begann eine Prügelei. <em>„Der Kerl schrie, dass er jemanden anrufen werde. Die Sicherheitsleute führten alle auf die Straße und wir fuhren von dort weg“</em>, sagt Saule. Nach diesem Zwischenfall sagte ihr Freund, dass er nicht weiter in Clubs gehen wird, wo es solche kirgisischen Kerle gebe. Danach verbrachten sie ihre Zeit in teuren Clubs mit einem anderen Publikum.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zere-asylbek-meine-geschichte-wurde-politisch/"><strong>Zere Asylbek: “Meine Geschichte wurde politisch”</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Die junge Frau erinnert sich, dass sie, als sie einmal mit ihrem Freund spazieren ging, in ihre Richtung die Beleidigung hörte: <em>„Guck mal, da geht ein Affe!“</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Als wir auf den Osch-Basar gingen schauten uns die Leute an, als würde ich mit einem Elefanten gehen. Alle zeigten mit dem Finger auf uns. Meinem Freund war das natürlich sehr unangenehm“</em>, sagt sie.</p>
<p style="text-align: justify">Saule sagt, dass ihre Familie ihre Entscheidung unterstütze. <em>„In unserer Familie gibt es viele verschiedene Ethnien und internationale Ehen“. </em>Das Paar war zwei Jahre zusammen, dann trennten sie sich. <em>„Wir trennten uns einvernehmlich, ohne Streit. Dass die Gesellschaft uns nicht annahm, spielte auch eine Rolle und er sagte oft, dass, wenn wir zusammen leben würden, dann nicht hier. Aber ich habe hier meine Verwandten und ich wollte nicht weggehen“</em>, sagt Saule.</p>
<p style="text-align: justify">Saule meint, dass sich heute die Einstellung gegenüber Frauen, die mit einem Ausländer gehen, nicht verbessert hat. Selbst wenn die Frau einen lokalen Mann trifft, der nicht Kirgise ist, wäre das schon ein Grund zur Kritik: „<em>Ich erinnere mich an einen Fall im letzten Jahr, als man eine junge Frau auf dem Osch-Basar schlug, weil sie mit einem Afghanen ging. Was ist das für ein Verhalten! Und dann denkst du doch daran, das Land zu verlassen, wenn solche Menschen mehr und mehr werden.“</em></p>
<p style="text-align: right"><strong>Tatjana Trik auf </strong><a href="https://kloop.kg/blog/2018/10/04/smotri-shlyuha-s-inostrantsem-idet-kak-kyrgyzstanok-stydyat-za-otnosheniyami-s-muzhchinami-drugih-etnosov/"><strong>Kloop.kg</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>
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