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	<title>Ölarbeiter Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Fri, 24 Apr 2026 06:40:41 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Ölarbeiter Archives</title>
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		<title>„Wir sind Ölarbeiter und schämen uns, über unser Gehalt zu sprechen“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vlast]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Apr 2026 06:40:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aqtöbe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den &#xD6;lfeldern des im Nordwesten Kasachstans gelegenen Gebiets Aqt&#xF6;be liegen reiche Vorkommen. Die Arbeiter der F&#xF6;rderanlagen m&#xFC;ssen dennoch f&#xFC;r eine faire Bezahlung k&#xE4;mpfen. Unser Partnermedium Vlast hat mit einigen von ihnen gesprochen. Das Gebiet Aqt&#xF6;be produziert zwar nur 5 Prozent des gesamten kasachstanischen &#xD6;ls, doch die Erd&#xF6;lf&#xF6;rderung ist nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftszweig. [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In den Ölfeldern des im Nordwesten Kasachstans gelegenen Gebiets Aqtöbe liegen reiche Vorkommen. Die Arbeiter der Förderanlagen müssen dennoch für eine faire Bezahlung kämpfen. Unser Partnermedium Vlast hat mit einigen von ihnen gesprochen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqt%C3%B6be_(Gebiet)">Gebiet Aqtöbe</a> produziert zwar nur 5 Prozent des gesamten kasachstanischen Öls, doch die Erdölförderung ist nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftszweig. Für viele Menschen, die in der Nähe von Erdöl- und Erdgasfeldern leben, ist die Arbeit in der Ölindustrie die einzige Möglichkeit, den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu sichern. Dies gilt auch für die Bewohner:innen des Bezirks Temir, wo die Erdöl- und Erdgasförderung rund um das Sand-Massiv Kökjide stattfindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch diese Branche ist nach wie vor stark abgeschottet, geprägt von häufigen Arbeitskämpfen und Gewerkschaften, die unter Druck stehen und sich nur schwer etablieren können.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Streiks</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das größte Ölunternehmen der Region ist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/CNPC-AktobeMunaiGas">CNPC-AktobeMunaiGas</a>, eine Tochtergesellschaft der China National Petroleum Corporation (CNPC). Es beschäftigt im Gebiet Aqtöbe 5.400 Mitarbeiter:innen, ohne die Angestellten von Dienstleistern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die häufigsten Streiks im Bezirk Temir gab es bisher jedoch bei KMK Munai, einem Unternehmen, das ebenfalls mehrheitlich im Besitz von CNPC ist. KMK Munai beschäftigt rund 275 Mitarbeiter:innen, ohne die Angestellten von Dienstlerstern. Die jährliche Ölproduktion beträgt 56.000 Tonnen auf den drei Feldern Qümsaı, Mortyq und Kökjide – das entspricht 0,05 Prozent der jährlichen Ölproduktion Kasachstans.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 2021 begann eine Streikwelle im Unternehmen, als sich Ölarbeiter nach ihrem regulären Schichtwechsel weigerten, nach Hause zu gehen. Sie versammelten sich an der Produktionsstätte und forderten eine Lohnerhöhung von 100 Prozent. Laut Quellen von <a href="https://www.azattyq.org/a/kazakhstan-aktobe-region-oil-workers-on-strike-to-demand-higher-pay/31069687.html">Radio Azattyq</a>, erhielt ein Arbeiter der vierten Gehaltsgruppe zu diesem Zeitpunkt 155.000 Tenge (damals umgerechnet etwa 370 US-Dollar).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeiter beklagten sich auch über die Arbeitsbedingungen. <em>„Wir haben Satellitenschüsseln und Fernseher für die Wohnwagen [in denen Schichtarbeiter untergebracht waren, die in den Schlafsälen keinen Platz mehr gefunden hatten] selbst gekauft; manche haben sich sogar ihre eigenen Waschmaschinen gekauft. Nur 100 bis 200 Meter von hier entfernt befinden sich Ölquellen. Selbst wenn es hier Fünf-Sterne-Hotels gäbe, wäre es unmöglich, hier zu leben. Wir ersticken fast im Geruch von Schwefel und Gas. Den Jungs fallen schon die Haare und Zähne aus“</em>, erklärte einer der Arbeiter unter der Bedingung der Anonymität gegenüber <a href="https://www.azattyq.org/a/31074210.html">Radio Azattyq</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterdessen traten 60 Arbeiter des Dienstleisters AMK Munai, der für die Firma Ada Oil auf dem Feld Bäşenköl tätig ist, <a href="https://www.azattyqasia.org/a/31075994.html">in den Streik</a>. Sie forderten ebenfalls eine Lohnerhöhung von 100 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/koekjide-oel-steppe-was-hat-das-erdoel-den-doerfern-in-der-region-aqtoebe-gebracht/"><strong>Kökjide. Öl-Steppe – Was hat das Erdöl den Dörfern in der Region Aqtöbe gebracht?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Maschinenführer unseres Unternehmens verdienen 67.000 Tenge, was nicht ausreicht, um eine Familie zu ernähren, die Nebenkosten zu bezahlen und Lebensmittel zu kaufen… Arbeit an Feiertagen und Nachtschichten wird nicht angemessen vergütet. Wir fordern eine Lohnerhöhung. Das ist unsere einzige Forderung“</em>, <a href="https://www.instagram.com/p/CKn43_zgwzj/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=embed_video_watch_again">wandte sich</a> einer der Streikenden an den Präsidenten. Später beendeten die Arbeiter den Streik und erklärten, sie hätten eine Einigung erzielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Derartige Streiks sind in Kasachstans Öl- und Gassektor typisch. Die Arbeiter beklagen sich häufig darüber, dass das Management Vereinbarungen nicht einhält und sie an der Gründung einer unabhängigen Gewerkschaft hindert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Am Tag, an dem der Gewerkschaftsvorsitzende gewählt werden sollte, brachte der Arbeitgeber 50 Leute aus dem Büro in </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqt%C3%B6be"><em>Aqtöbe</em></a><em> zum Ölfeld. Ihnen schlossen sich Ingenieure vom [Ölfeld] Kökjide an, sodass sie insgesamt über 100 waren. Wir traten in einen zweiten Streik, weil wir wussten, dass es keine faire Wahl geben würde“</em>, sagte einer der streikenden Arbeiter gegenüber <a href="https://www.centralasian.org/a/31170621.html">Radio Azattyq</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Arbeitern gelang es daraufhin, ihren eigenen Gewerkschaftspräsidenten zu wählen. Dieser behauptet jedoch später, er sei vom Unternehmen unter Druck gesetzt und aufgrund seiner Gewerkschaftstätigkeit entlassen worden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Gewerkschaft</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir treffen Erjan Elamanov, den ehemaligen Gewerkschaftsführer bei KMK Munai, in einem Park in Aqtöbe. Derzeit arbeitslos, sucht er verzweifelt nach Möglichkeiten, seine Familie zu ernähren. Zuvor arbeitete er als Anlagenführer bei dem Ölkonzern und setzte sich für Arbeitnehmerrechte ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich habe zehn Jahre lang als Maschinenführer bei KMK Munai gearbeitet und wurde zum Gewerkschaftsvorsitzenden gewählt, weil man mit der Arbeit des vorherigen Vorsitzenden unzufrieden war“</em>, sagt Elamanov. <em>„Wir waren 180 Leute. Einige Leute mit Verbindungen zur Firmenzentrale traten sofort aus der Gewerkschaft aus. Und dann habe ich meine Arbeit aufgenommen. Und ich muss sagen, die Geschäftsleitung war davon nicht begeistert.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Elamanovs wichtigste Kritikpunkte betrafen die Löhne. <em>„Als ich 2015 anfing, verdiente ich 70.000 Rubel. Das ist eine Schande. Ich war Ölarbeiter. Nach dem Streik haben sie mein Gehalt auf 220.000 bis 260.000 Rubel angehoben. Aber denken Sie mal darüber nach: Wir sind Ölarbeiter und schämen uns, über unser Gehalt zu sprechen“</em>, räumt er ein. <em>„Die Firma hat mich wegen Beleidigung ihrer Ehre und Würde verklagt. Weil ich in einem Brief an den Premierminister geschrieben hatte, dass wir unter den Ölarbeitern die niedrigsten Gehälter in der Region haben. Und ich habe es vor Gericht bewiesen.“</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/5e78388a75ccd933ec9226cc825d13f5_1440xauto-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-44538" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/5e78388a75ccd933ec9226cc825d13f5_1440xauto-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/5e78388a75ccd933ec9226cc825d13f5_1440xauto-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/5e78388a75ccd933ec9226cc825d13f5_1440xauto-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/5e78388a75ccd933ec9226cc825d13f5_1440xauto.jpg 1440w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Erjan Elamanov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Januar-Ereignissen, als die Ölarbeiter aus Solidarität mit den Einwohner:innen von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schanga%C3%B6sen">Janaözen</a> die Arbeit niederlegten [in Janaözen begannen die Januar-Proteste 2022, Anm. d. Ü.], ging er zusammen mit anderen Aktivisten aus den umliegenden Dörfern zum Akim [Verwaltungschef, Anm. d. Ü.] des Gebiets Aqtöbe. <em>„Am 7. Januar gingen wir zu [Ondasyn] Orazalin, jeder mit seinen eigenen Forderungen. Ich sagte, dass Fremde in unser Unternehmen kommen und dass sie uns durch Leute von Firmen wie „Asia Munai Service“ ersetzen. Die Geschäftsleitung hat ihnen gesagt, sie sollen nicht streiken, wenn wir es tun“</em>, so Elamanov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Asia Munai Service“ bietet Outsourcing-Dienstleistungen für Ölkonzerne an. Das von Ge Yuding gegründete Unternehmen wird derzeit von Shan Yuntao geleitet. Die Beauftragung solcher Firmen ist eine gängige Taktik großer Ölkonzerne, um Kosten zu sparen und Verantwortung abzuwälzen. Viele Branchenveterane aus den in der Nähe der Ölförderanlagen gelegenen Dörfern <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/koekjide-oel-steppe-was-hat-das-erdoel-den-doerfern-in-der-region-aqtoebe-gebracht/">Kenqiıaq und Şubarşi</a> beschweren sich ebenfalls über das Outsourcing zahlreicher Abteilungen. Sie berichteten außerdem, dass sich die Arbeitsbedingungen seit der Übernahme durch einen chinesischen Investor verschlechtert hätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/landproteste-janaoezen-qantar-die-geschichte-der-proteste-kasachstans/"><strong>Landproteste, Jañaözen, Qañtar – Die Geschichte der Proteste Kasachstans</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Wissen Sie, meine Gewerkschaftstätigkeit hatte auch Auswirkungen auf andere Unternehmen. Obwohl ich niemandem persönlich böse war, wollte ich einfach nur, dass alles gesetzeskonform abläuft“</em>, seufzt Elamanov. <em>„Letztendlich wurde ich entlassen. Innerhalb eines Tages erhielt ich eine Verwarnung, eine strenge Verwarnung und die Kündigung meines Arbeitsvertrags.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe lange gekämpft, aber danach befand ich mich in einer schwierigen finanziellen Lage. Ich habe Frau und Kinder. Ich habe eine Einigung mit ihnen erzielt, meinen Job gekündigt und sie haben mir die unfreiwillige Abwesenheit bezahlt“, fügt er hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus wurden fünf Strafverfahren gegen ihn eingeleitet. Er sagt, er habe alle gewonnen. <em>„Eines davon beispielsweise betraf Betrug [ein Vorgehen, das <a href="https://www.hrw.org/ru/news/2017/07/26/307171">häufig</a> gegen unabhängige Gewerkschaftsaktivisten angewendet wird, Anm. von Vlast]. Ich ging mit meinem Gewerkschaftsausweis hin und legte alle Unterlagen vor. Daraufhin wurde das Verfahren eingestellt“</em>, sagt er.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Positionierung der Unternehmen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den Streiks und Forderungen der Arbeiter erklärte Samat Berdenov, Erster Vizepräsident von KMK Munai, dass seine Ressourcen stark eingeschränkt seien. <em>„Andere Unternehmen, die große Öl- oder Gasfelder wie </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tengiz"><em>Tengiz</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaschagan"><em>Qaşağan</em></a><em> oder </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gasfeld_Karatschaganak"><em>Qaraşyğanaq</em></a><em> erschließen, haben Zugang zum </em><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Caspian_Pipeline_Consortium"><em>Caspian Pipeline Consortium (CPC) </em></a><em>und zum Weltmarkt. Wir im Gebiet Aqtöbe sind vertraglich gebunden – wir haben einen Festpreis für den Inlandsmarkt und einen Festpreis für den internationalen Markt. Selbst ein Preis von 150 Dollar pro Barrel hat keinen Einfluss auf die Finanzen unseres Unternehmens“</em>, betont er.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="900" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/a2f2c273ffa2d10ffd4af0912186f3ec_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-44537" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/a2f2c273ffa2d10ffd4af0912186f3ec_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/a2f2c273ffa2d10ffd4af0912186f3ec_900xauto-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/a2f2c273ffa2d10ffd4af0912186f3ec_900xauto-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Samat Berdenov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem merkt er an, dass sein Unternehmen <em>„hochviskoses Öl“</em> produziere, das <em>„enorme“</em> Mengen an Strom und Erdgas verbrauche<em>. „Die Erdgaspreise haben sich innerhalb von zwei Jahren verfünffacht, die Strompreise haben sich verdoppelt. Von den Steuern ganz zu schweigen. Da stellt sich die Frage: Womit soll ich denn noch die Gehälter erhöhen?“</em>, fragt Berdenov und fügt hinzu, dass das Unternehmen die Gehälter dennoch an die Inflation anpasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">CNPC – AktobeMunaiGas gibt an, die Gehälter regelmäßig zu erhöhen und dass die Mitarbeitenden einem Tarifvertrag unterliegen. Allerdings hat das Unternehmen weder die Gehaltshöhen noch die Einkommensunterschiede zwischen Arbeitern und Führungskräften offengelegt. Ada Oil beantwortete keine Fragen zu Arbeitsbedingungen und Gehältern, während Kazakhoil Aqtöbe und Urikhtau Operating, die ebenfalls in der Region tätig sind, die Anfrage von Vlast unbeantwortet ließen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Almas Kaysar, Paolo Sorbello (Text) und Daniyar Musirov (Fotos) für Vlast</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://vlast.kz/obsshestvo/68208-my-neftaniki-i-nam-stydno-govorit-o-svoej-zarplate.html">Russischen</a> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
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		<title>Pulverfass Jańaózen: Kasachstans Ölarbeiter protestieren erneut</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Emma Collet]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Apr 2023 17:45:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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		<category><![CDATA[Mangistau]]></category>
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		<category><![CDATA[Schanaösen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ja&#x144;a&#xF3;zen, eine Stadt im Westen Kasachstans, steht erneut im Mittelpunkt von Protesten, denen politische und wirtschaftliche Forderungen zugrunde liegen. Dutzende Besch&#xE4;ftigte einer &#xD6;lfirma forderten eine Wiedereinstellung nach ihrer Entlassung sowie bessere Arbeitsbedingungen. Die Proteste fanden auch in anderen St&#xE4;dten Kasachstans Anklang und k&#xF6;nnten sich im ganzen Land ausbreiten. Eine Nacht vor dem Energieministerium. In Astana [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jańaózen, eine Stadt im Westen Kasachstans, steht erneut im Mittelpunkt von Protesten, denen politische und wirtschaftliche Forderungen zugrunde liegen. Dutzende Beschäftigte einer Ölfirma forderten eine Wiedereinstellung nach ihrer Entlassung sowie bessere Arbeitsbedingungen. Die Proteste fanden auch in anderen Städten Kasachstans Anklang und könnten sich im ganzen Land ausbreiten.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Nacht vor dem Energieministerium. In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Astana">Astana</a> harrten vom 11. auf den 12. April rund 50 Arbeitende des Ölunternehmens <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/KazMunayGas">KazMunaıGaz</a> bei -1 Grad vor dem hohen Turm des Ministeriums aus. Sie waren in Arbeitskleidung direkt aus der Stadt <a></a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schanga%C3%B6sen">Jańaózen</a><a></a> im <a></a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mangghystau_(Gebiet)">Gebiet Mańǵystaý</a> gekommen, wie <a href="https://rus.azattyq.org/a/32357640.html">Radio Azattyq berichtet</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem 1. April sind diese ehemaligen Ölarbeitenden arbeitslos, da das private Unternehmen eine Ausschreibung verloren hat. Sie hatten zunächst einen Streikposten vor dem Büro von <a href="https://www.ozen.kz/rus/">ÓzenMunaıGaz</a> aufgestellt, einer in Jańaózen ansässigen Tochtergesellschaft von KazMuna<a>ı</a>Gaz, für die die Firma „Berali Region Mańǵystaý“ Unteraufträge ausgeführt hatte. Nachdem sie ihre Forderungen nicht durchsetzen konnten, machten sie sich auf den Weg in die Hauptstadt Astana, um ihren Stimmen dort Gehör zu verschaffen, <a href="https://vlast.kz/obsshestvo/54721-zanaozen-vnov-protestuet-glavnoe.html">so das kasachstanische Nachrichtenportal Vlast</a>.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Nachdem die im Moment Arbeitslosen mehrere Stunden vor dem Ministerium verbracht hatten, wurden sie am Abend des 11. April von vermummten Männern des Sicherheitsdienstes auf die Polizeistation gebracht. Etwa 20 Demonstrierende wurden festgenommen, wie ein Reporter von Radio Azattyq <a href="https://t.me/RadioAzattyq/12141">schreibt</a>. Die meisten von ihnen wurden anschließend nach Mańǵystaý zurückgeschickt, während eine Handvoll aufgefordert wurde, für noch andauernde Verhandlungen in Astana zu <a href="https://twitter.com/Vlastkz/status/1645995564071264258">bleiben</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verhandlungen laufen noch</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das staatliche Unternehmen KazMunaıGaz, dessen Tochtergesellschaft ÓzenMunaıGaz in Jańaózen tätig ist, erklärte laut Vlast, dass den Ölarbeitenden angeboten worden sei, zu anderen Unternehmen zu wechseln. Dieses Angebot hätten sie jedoch abgelehnt und erklärt, dass es sich wieder nur um eine befristete Beschäftigung handeln würde. Sie sprachen auch von sozialer Ungerechtigkeit und machten darauf aufmerksam, dass sie bei ÓzenMunaıGaz für eine ähnliche Arbeit besser bezahlt werden würden als bei den Subunternehmern, die auch kein Sozialpaket anbieten würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin wurde am 11. April in Astana eine Kommission zur Aufnahme des sozialen Dialogs <a href="https://twitter.com/Vlastkz/status/1645995564071264258">eingesetzt</a>. Sie setzt sich aus Vertretenden des Energieministeriums, des Ministeriums für Arbeit und Sozialschutz, des <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Samruk-Kazyna">Samuryq-Qazyna-Fonds</a> sowie des staatlichen Unternehmens KazMunaıGaz zusammen, um mit einer Gruppe entlassener Jańaózen-Beschäftigter zu verhandeln. Doch die Gespräche kommen für den Geschmack des Gewerkschaftsführers Jolmurat Ulyhpan zu langsam voran, <a href="https://vlast.kz/novosti/54756-progressa-v-peregovorah-mezdu-uvolennymi-rabocimi-iz-zanaozena-i-vlastami-poka-net.html">berichtet Vlast</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-die-unklare-bilanz-der-januar-unruhen/">Kasachstan: Die unklare Bilanz der Januar-Unruhen</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entschlossenheit der Arbeiter von Jańaózen führt dazu, dass der Konflikt zwischen den sozialen Körperschaften ernst werden könnte. Am 13. April <a href="https://twitter.com/tilkespekjoq/status/1646536512383721473">strahlte Radio Azattyq ein Video aus</a>, das die Arbeitenden in einer der Stationen auf dem Rückweg nach Mańǵystaý aufgenommen hatten und in dem sie erklärten, sie seien bereit, in die Hauptstadt zurückzukehren, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt würden und die Verhandlungen scheiterten. Am nächsten Tag erschien eine <a href="https://twitter.com/maqpal/status/1646759650983915520">weitere Videobotschaft</a> in den sozialen Netzwerken, in der Beschäftigte von Jańaózen versprachen, im Büro von ÓzenMunaıGaz zu verharren, bis eine Entscheidung über ihre Forderungen getroffen worden sei.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wut breitet sich im Westen Kasachstans aus</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr als 2000 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, in Jańaózen, stieg die Spannung, als ein Video von in Polizeiwagen verfrachteten Arbeitenden in den sozialen Netzwerken geteilt wurde. <a href="https://vlast.kz/novosti/54706-ziteli-zanaozena-vysli-k-akimatu-trebua-osvobodit-zaderzannyh-v-astane-neftanikov.html">Zwischen 1000 und 2000 Menschen versammelten sich</a> vor dem Rathaus, einige begannen zu marschieren und skandierten Forderungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/vom-aussenposten-zu-nur-sultan-die-hauptstadt-kasachstans-im-wandel-der-zeit/">Vom Außenposten zu Nur-Sultan: Die Hauptstadt Kasachstans im Wandel der Zeit</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wut über die Verhaftung der Arbeitenden breitete sich schnell auf andere Städte in der Region Mańǵystaý aus. Die Beschäftigten mehrerer Ölgesellschaften riefen Streiks aus; in der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqtau">Aqta</a>ý fanden spontane Märsche statt, <a href="https://eurasianet.org/kazakhstan-police-disperse-oil-worker-demo-while-officials-plead-for-calm">berichtet Eurasianet</a>, während einige Tage später ein <a href="https://twitter.com/Torokul/status/1645878118018871296">Unterstützungsvideo</a> aus der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oral_(Stadt)">Oral</a> ausgestrahlt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in anderen Wirtschaftszweigen wurden Lohnforderungen laut, wie im Kernkraftwerk Mańǵystaý, wo Angestellte in einem offenen Brief an Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> bessere Arbeitsbedingungen forderten, <a href="https://kaztag.kz/ru/news/rabochie-mangistauskogo-atomnogo-energeticheskogo-kombinata-obratilis-k-tokaevu-za-pomoshchyu">berichtete die Nachrichtenagentur KazTag</a>. Am Vortag hatten im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schambyl_(Gebiet)">Gebiet Jambyl</a> die Beschäftigten des Unternehmens Kazphosphate die Arbeit niedergelegt und veranstalteten eine <a href="https://twitter.com/tilkespekjoq/status/1646713772990513152">friedliche Kundgebung</a>.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Ab dem 12. April organisierte sich eine von der oppositionellen politischen Bewegung „Oyan, Qazaqstan!“ angeführte Unterstützungskampagne in sozialen Netzwerken, um die Arbeitenden in Jańaózen zu unterstützen, <a href="https://rus.azattyq.org/a/32361801.html">berichtet Radio Azattyq</a>. Dutzende öffentliche Persönlichkeiten sowie Anonyme posteten auf Instagram oder Twitter ein Foto mit #SupportZhanaozen (#ZhanaozendiQolda).</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Droht ein zukünftiger Flächenbrand im Land?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Aktivist:innen machen vor allem darauf aufmerksam, dass die Probleme der Bevölkerung dieser Industriestadt, die durch ihre Bodenschätze reich geworden ist, von Jahr zu Jahr größer werden. Die Entwicklung der Stadt ist schwach und sie ist nach wie vor stark verschmutzt. Die Ölarbeitenden, von denen die Stadt lebt, erhielten bisher keine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen, wie eine <a href="https://vlast.kz/regiony/51344-sum-v-tisine-zanaozena.html">Reportage von Vlast</a> zeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der Westen des Landes war schon immer in einer besonderen Position“</em>, erklärt der Politologe Dosym Sátbaev in einem <a href="https://rus.azattyq.org/a/kazakhstan-zhanaozen-oil-workers-protest-interview-dosym-satpayev/32361118.html">Interview mit Radio Azattyq</a>. <em>„Diese Region ist einer der größten Geldgeber für den Haushalt der Republik, aber andererseits hat sie traditionell, auch in Jańaózen, ernste Probleme mit der Lebensqualität, Arbeitslosigkeit und Wasserknappheit. Viele Jahre lang haben die Behörden diesen Problemen keine Aufmerksamkeit geschenkt.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auch Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zwei-busse-voll-leichen-zeuginnen-berichten-ueber-die-ereignisse-von-janaozen/">„Zwei Busse voll Leichen“ – Zeuginnen berichten über die Ereignisse von Jańaózen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Nacht des 11. April waren die Internet- und Telefonsignale in Jańaózen gestört, was ein Zeichen dafür ist, dass die Behörden befürchten, dass die Proteste eskalieren und sich ausweiten könnten. Ein mögliches Szenario, meint Sátbaev, für den <em>„die kasachstanischen Behörden seit 30 Jahren die Gewerkschaftsbewegungen zerstören.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits im Dezember 2011 waren ähnliche Demonstrationen in Jańaózen von den Behörden hart <a href="https://www.hrw.org/report/2012/09/10/striking-oil-striking-workers/violations-labor-rights-kazakhstans-oil-sector">niedergeschlagen worden</a>. Dabei starben 17 Menschen und NGOs wie Human Rights Watch hatten auf ein autoritäres Abdriften der kasachstanischen Machthabenden <a href="https://www.hrw.org/report/2012/09/10/striking-oil-striking-workers/violations-labor-rights-kazakhstans-oil-sector">hingewiesen</a>. Mehr als zehn Jahre später, während des <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-die-unklare-bilanz-der-januar-unruhen/">blutigen Januars im Jahr 2022</a>, hatten die spontanen Demonstrationen im ganzen Land ebenfalls in Jańaózen begonnen, nachdem die Benzinpreise gestiegen waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Emma Collet, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/les-ouvriers-petroliers-de-janaozen-manifestent-au-kazakhstan-les-revendications-setendent-dans-tout-le-pays/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>


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		<title>Das schwere Erbe von Schanaösen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Oct 2018 08:11:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Erdöl]]></category>
		<category><![CDATA[Massaker]]></category>
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		<category><![CDATA[Streik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Ereignisse von Schana&#xF6;sen, als im Dezember 2011 die Polizei auf demonstrierende &#xD6;larbeiter schoss, belasten Kasachstan bis heute. Nachdem Maksat Dosmagambetow, einer der Anf&#xFC;hrer des Streiks, k&#xFC;rzlich verstarb, hat sich die Zahl der Todesopfer auf nunmehr 17 erh&#xF6;ht. Das Online-Magazin Esquire setzt sich damit auseinander, wie in Kasachstan mit dem Massaker umgegangen wird. Wir &#xFC;bersetzen [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Die Ereignisse von </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schanga%C3%B6sen"><strong>Schanaösen</strong></a><strong>, als im Dezember 2011 die Polizei auf demonstrierende Ölarbeiter schoss, belasten Kasachstan bis heute. Nachdem Maksat Dosmagambetow, einer der Anführer des Streiks, kürzlich verstarb, hat sich die Zahl der Todesopfer auf nunmehr 17 erhöht. Das Online-Magazin </strong><a href="https://esquire.kz/eshte-odna-zhizny-i-smerty-zhanaozena/"><strong>Esquire</strong></a><strong> setzt sich damit auseinander, wie in Kasachstan mit dem Massaker umgegangen wird. Wir übersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Maksat Dosmagambetow war der erste, der vor Gericht erklärte, dass er während des Verhörs gefoltert worden sei. In Polizeigewahrsam hatte man ihm Rippen und Knochen im Gesicht gebrochen. Sechs Monate später bekam er im Gefängnis unerklärliche Kopfschmerzen, gegen die man ihm Aspirin gab. Weitere zwei Jahre später, als man seinen schweren Zustand nicht mehr ignorieren konnte, schickte man ihn zur medizinischen Untersuchung, deren Diagnose „bösartiges Geschwür im Gesichtsknochen“ lautete.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Ein siebzehntes Opfer</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Gehen wir die Chronologie noch einmal durch: 2011 zerschlägt man einem Menschen das Gesicht, sechs Monate später beginnen Schmerzen und weitere zwei Jahre später wird ein bösartiges Geschwür diagnostiziert, das 2018 zum Tode führt. Dosmagambetow starb zweifelsohne an den Folgen der Folter. Vor Gericht und später im einzigen Interview nach seiner Haftentlassung erzählte er bei Nennung der Namen der Ermittler gruselige Details darüber, was sich nach Auflösung des Streiks im Polizeirevier von Schanaösen ereignete. Die Polizei weist alle Vorwürfe von sich, aber das Opfer bezahlte mit seinem Leben.</p>
<p style="text-align: justify;">Heute wissen wir genau, dass alles so war, wie er es schilderte<em>: „In einem abgegrenzten Raum jagten sie mir nadeln unter die Nägel und ins Knie, schlugen mich mit der Pistole und dem Schlagstock, tackerten meine Ohren.“ </em>Und journalistische Floskeln wie „gemäß seinen Worten“ oder „Er setzt seine Erkrankung in Verbindung mit der Folter“, die den Reporter vom Objekt distanzieren sollen, klingen hier einfach überflüssig. Womit sonst soll man ein bösartiges Geschwür im Knochen, der einem zerschlagen wurde, verbinden? Diese Verbindung kann man nur bewusst ignorieren, was im Übrigen auch geschieht. Der Tod des Ölarbeiter, der den Streik maßgeblich beeinflusste, fand keinen Wiederhall in den kasachstanischen Medien, abgesehen von „Radio Azattyk“:</p>
<p style="text-align: justify;"><em>„Im Übrigen starb Maksat Dosmagambetow nicht einfach aufgrund der Folter – die letzten Jahre verbrachte er in Krankenhäusern, konnte nachts nicht schlafen. Man nahm ihm den Himmel und den unglückseligen Gesichtsknochen, den ein übereifriger Ermittler ihm zerschlug. Indem er durch die Hölle ging, starb er als Märtyrer.“</em></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Das künstlich geschaffene Schweigen</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Ereignisse von Schanaösen würden in Kasachstan viel zu viele am liebsten für immer vergessen und aus der Geschichte tilgen. Das künstlich geschaffene Schweigen wurde an der Wurzel getroffen. Ein französischer Journalist, der sich entschloss, einen Film über die Ereignisse von 2011 zu drehen, wurde während eines Interviews festgenommen. Der Ausländer kam mit einer Geldstrafe und dem Schrecken davon, aber wäre die Idee einem kasachstanischen Kollegen gekommen, hätte ihn ein härteres Los getroffen. Zum Beispiel eine Gefängnisstrafe wegen „Anstachelung zum Hass“. Im vergangenen Jahr wurde in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqtau">Aktau</a> der Hungerstreik von Ölarbeitern zur Unterstützung der Konföderation unabhängiger Gewerkschaften sofort beendet und die Organisatoren verhaftet. Die Entschiedenheit und Gewissenlosigkeit mit der gegen Ruhestörer vorgegangen wird, ist sicherlich Folge der Lektion, die aus Schanaösen gelernt wurde.</p>
<p><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-gericht-stoppt-streik-der-minenarbeiter-von-temirtau/"><strong>Gericht stoppt den Streik der Minenarbeiter von Temirtau</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Man möchte Schnaösen gern vergessen, aber es ist nicht möglich, da die Ereignisse immer wieder auf die eine oder andere Weise ins Gedächtnis gerufen werden. Das Datum verbindet die Auflösung des Ölarbeiter-Streiks vom 16. Dezember 2011 mit der gewaltsamen Auflösung der Studenten-Demonstrationen vom 16. Dezember 1986 (der sogenannten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Scheltoksan-Unruhen">Scheltoksan-Unruhen</a>, derer in Kasachstan feierlich gedacht wird, Anm. d. Ü.) und geben so jeder Festrede an diesem Tag eine Doppeldeutigkeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Eine recht neue humanistische Richtung der Psychotherapie verwendet den Begriff der „nicht versteckten Gestalt“. Die Menschen verstecken sich feige vor schweren Erschütterungen des Lebens und finden nicht die Kraft sie anzunehmen, sie bewusst umzudenken und zu durchleben. Als Resultat zerstört das Vergangene den Menschen, selbst wenn er äußerlich glücklich und stabil wirkt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Das Informationstabu und seine Folgen</strong></p>
<p style="text-align: justify;">In Bezug auf die Ereignisse von 2011 herrscht ein Informationstabu. Journalisten recherchieren nicht, um die Wahrheit herauszufinden, Politologen besprechen das Problem nicht auf Konferenzen, Wissenschaftler schreiben keine Dissertationen zu dem Fall, Schriftsteller schreiben keine Bücher und Dichter keine Balladen. Es passiert nichts, was der Gesellschaft helfen könnte zu verstehen, was und warum in Schanaösen geschehen ist. Und niemand bekennt sich selbst vor den Verwandten der unschuldigen zufälligen Opfer, die zum Tag der Unabhängigkeit zu den Feiern auf den Plätzen kommen, als schuldig.</p>
<p style="text-align: justify;">Fragen ohne Antwort, eine Tragödie ohne Bewältigung, ein Verbrechen ohne Strafe und viel Platz für Fantasie. Ich bin immer wieder überrascht, wie verbreitet die Meinung ist, dass es viel mehr Todesopfer gegeben habe, als die Staatsmacht zugibt. Dabei wirkt diese Vorstellung durch offensichtliche Diskrepanzen abwegig: Wo sind die Verwandten der Opfer &#8211; ihre Frauen, Kinder, Brüder und Schwestern? Es gibt keinen einzigen Menschen, der direkt nach den Ereignissen von Schanaösen verschwunden wäre.</p>
<p style="text-align: justify;">Dennoch werden aus Gerüchten Überzeugungen, die selbst in respektablen Kreisen weiterleben und es von Zeit zu Zeit sogar in die ausländische Presse schaffen. Scheinbar ist die öffentliche Meinung, dass sechszehn unbewaffnete unschuldige Menschen, die in Friedenszeiten durch Polizeikugeln starben, zu wenig sind. Die emotionale Schwelle fordert mehr. Doch diesmal muss man nichts hinzudichten: In Shanaösen sind nicht sechszehn Menschen umgekommen, sondern siebzehn. Ein ganzes Leben mehr.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Gulnara Baschkenowa für </strong><a href="https://esquire.kz/eshte-odna-zhizny-i-smerty-zhanaozena/"><strong>Esquire</strong></a></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>
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