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	<title>antong, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Mon, 02 Jun 2025 20:46:04 +0000</lastBuildDate>
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	<title>antong, Author at Novastan Deutsch</title>
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		<title>Und plötzlich geht das Licht aus – Suizide unter Jugendlichen und Kindern in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[antong]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Jun 2025 20:44:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachstan hat eine der h&#xF6;chsten Selbstmordraten unter Minderj&#xE4;hrigen und jungen Erwachsenen. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel ver&#xE4;ndert hat, spielen Stigmata und Vorurteile weiterhin eine gro&#xDF;e Rolle. Ein Gespr&#xE4;ch mit Rinat Musafarov, Abteilungsleiter im Zentrum f&#xFC;r Forschung und Praxis der psychischen Gesundheit in Almaty. Anfang April st&#xFC;rzt sich ein&#xA0;16-J&#xE4;hriger&#xA0;von einem Hochhaus in Almaty. [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan hat eine der höchsten Selbstmordraten unter Minderjährigen und jungen Erwachsenen. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel verändert hat, spielen Stigmata und Vorurteile weiterhin eine große Rolle. Ein Gespräch mit Rinat Musafarov, Abteilungsleiter im Zentrum für Forschung und Praxis der psychischen Gesundheit in Almaty.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang April stürzt sich ein&nbsp;<a href="https://ulysmedia.kz/news/49599-podrostok-razbilas-vypav-s-16-go-etazha-v-almaty/">16-Jähriger</a>&nbsp;von einem Hochhaus in Almaty. Einen Tag später erhängt sich ein&nbsp;<a href="https://orda.kz/telo-podrostka-nashli-v-sarae-chastnogo-doma-v-severo-kazahstanskoj-oblasti-400319/">14-Jähriger</a>&nbsp;in Nordkasachstan. Diese beiden Fälle sind lediglich diejenigen, die in den vergangenen Monaten öffentlich gemacht wurden. Die Dunkelziffer, auch was misslungene Selbstmordversuche betrifft, ist hoch; ein Problembewusstsein scheint bislang nicht in allen Regionen Kasachstans angekommen zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch sind es keine Einzelfälle: Weltweit gilt Selbstmord als&nbsp;<a href="https://www.unicef.org/kazakhstan/media/7216/file/%D0%A0%D0%95%D0%97%D0%AE%D0%9C%D0%95:%20%D0%9F%D0%BE%D0%BB%D0%BE%D0%B6%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D0%B5%20%D0%B4%D0%B5%D1%82%D0%B5%D0%B9%20%D0%B2%20%D0%BC%D0%B8%D1%80%D0%B5,%202021%20%D0%B3%D0%BE%D0%B4.pdf">dritt- bis vierthäufigste Todesursache</a>&nbsp;unter Jugendlichen und Kindern; jährlich nehmen sich 45.800 Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren das Leben. Das entspricht einem Todesfall alle 11 Minuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kasachstan zeichnet sich ein&nbsp;<a href="https://www.unicef.org/kazakhstan/sites/unicef.org.kazakhstan/files/2018-07/00000850_en.pdf">besonders düsteres Bild im internationalen Vergleich</a>, mit einer der höchsten Selbstmordraten unter Jugendlichen und Kindern.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Hier gilt die Altersgruppe zwischen 15 und 17 Jahren als besonders gefährdet. Etwa&nbsp;<a href="https://cisc.kz/ru/5-faktov-o-molodezhnom-suiczide-v-kazahstane-18413.html">60 Prozent aller Suizide</a>&nbsp;gehen auf diese Gruppe zurück. Ein erhöhtes Risiko besteht ebenfalls bei jungen Erwachsenen zwischen 25 und 29 Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am häufigsten werden Selbstmorde in Ostkasachstan, den Regionen Qostanai und Aqmola, begangen. Minderjährige in ländlichen Gebieten haben ein besonders hohes Gefahrenrisiko.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Psychische Probleme lassen sich jedoch nicht immer mit Suiziden gleichsetzen“, sagt Rinat Musafarov.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.unicef.org/media/90661/file/2020-Adolescent-Mental-Health-Programming-in-Kazakhstan-Case-Study.pdf">Untersuchungen in Kasachstan</a>&nbsp;ergaben eine Korrelation zwischen impulsivem, riskantem oder aggressivem Verhalten, Drogenmissbrauch, mentalen Vorerkrankungen in der Familie, zwischenmenschlichen Konflikten, geringer Belastbarkeit oder Kindheitstraumata und Suizid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedoch können auch andere Hintergründe auf suizidale Gedanken oder einen Selbstmordversuch deuten. So reagieren Menschen unterschiedlich auf ihre individuelle Situation.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Präventionsstrategien in Kasachstan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung der Republik Kasachstan hat sich der hohen Selbstmordrate 2010 angenommen und seither&nbsp;<a href="https://www.unicef.org/media/90661/file/2020-Adolescent-Mental-Health-Programming-in-Kazakhstan-Case-Study.pdf">in Zusammenarbeit mit UNICEF eine Präventionsstrategie</a>&nbsp;entwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das Kinderhilfswerk der UNICEF leistet in der Tat einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des psychischen Gesundheitssystems für Kinder und Jugendliche in Kasachstan“, bewertet Musafarov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2012 wurden Initiativen durchgeführt, an denen auch internationale Expertinnen und Experten maßgeblich beteiligt sind. Im Rahmen der Zusammenarbeit wurden großangelegte Studien zu Risiko- und Schutzfaktoren durchgeführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ergebnisse zeigen, dass sich in der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen die Zahl der Suizide seither mehr als halbiert hat, von 212 im Jahr 2013 auf 98 im Jahr 2017.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Isolation während der Pandemie</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während der COVID19-Pandemie war ein Rückgang der Kommunikationsfähigkeit und der emotionalen Intelligenz bei Jugendlichen und Kindern zu beobachten. Druck von den Eltern kann als ein Faktor aufgefasst werden, der negative Tendenzen verstärkt hat, insbesondere in der Anfangsphase der Pandemie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Umgewöhnung von Präsenzunterricht zu vermehrt online stattfindenden Lernangeboten sei nicht einfach gewesen, meint Musafarov. Zwar gewöhnen sich Kinder schnell an neue Situationen, doch stellte der Wegfall des unmittelbaren sozialen Umfelds in Präsenz einen weiteren Stresstest dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kasachstan kam es während der&nbsp;<a href="https://forbes.kz/articles/npo_suitsidyi_sredi_kazahstanskih_detey_snizilis_na_25">Corona-Zeit</a>&nbsp;zu einer interessanten Entwicklung. Die Selbstmordrate unter Jugendlichen sank, doch verschoben sich soziale Spannungen auf soziale Beziehungen zu Hause.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer, diesmal positiver, Effekt der COVID19-Pandemie waren die digitalen Entwicklungen, welche Hilfsprogramme in kleineren Ortschaften und Siedlungen ermöglichten. Kinder und Jugendliche, die Hilfe suchen, können sich nun über das Internet nach Beratungs- und Hilfsprogrammen erkundigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<a>Einerseits ist in den letzten Jahren die Anzahl der Überweisungen an Spezialisten für Anpassungs- und emotionale Störungen zurückgegangen. Gleichzeitig hat sich die Gesamtzahl der depressiven Störungen bei Jugendlichen nicht wesentlich verändert</a>“, stellt Rinat Musafarov fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz all der Fortschritte steht Kasachstan weiterhin vor strukturellen Herausforderungen. Hier sind mehrere Faktoren zu beachten: Zum einen haben die pandemiebedingte Isolation und der eingeschränkte soziale Austausch zu einem Rückgang emotionaler Kompetenzen bei Jugendlichen geführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum anderen erschwert die Struktur des kasachischen Gesundheitssystems eine verlässliche, allgemeingültige Einschätzung der Versorgungslage. Nicht zuletzt wirken gesellschaftliche Stigmata – auch unter unzureichend geschultem Fachpersonal – weiterhin hemmend auf den Zugang zu psychologischer Hilfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist die gesellschaftliche Haltung zu psychischer Gesundheit als Schlüsselfaktor bei der Suizidprävention nicht zu unterschätzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Stigmatisierung als gesellschaftliche Herausforderung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mentale Gesundheit ist in Kasachstan stets mit gesellschaftlichen Stigmata verbunden: „Viele Menschen glauben immer noch, dass es sich um Aufmerksamkeit oder Manipulation handelt, wenn jemand über Suizidalität spricht. In Wirklichkeit ist es meist ein Schrei nach Hilfe. Und leider erhalten Jugendliche nicht immer Unterstützung und Verständnis. Diese Haltung verstärkt das Gefühl der Einsamkeit und Isolation“, führt Musafarov weiter aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als eines der größten Hindernisse, so schreibt&nbsp;<a href="https://www.unicef.org/media/90661/file/2020-Adolescent-Mental-Health-Programming-in-Kazakhstan-Case-Study.pdf">UNICEF in seinem 2020 veröffentlichten Bericht</a>, sei einerseits die Kommunikation mit den Eltern und andererseits ein fehlendes Verständnis der Psychologen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen, suizidale Verhaltensmuster als Angelegenheit der allgemeinen Gesundheit anzuerkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Im Umfeld der Jugendlichen herrscht ein ziemlich starker Erfolgsdruck &#8211; die Einstellung, glücklich und erfolgreich zu sein. Probleme passen nicht in dieses Bild, und das Eingestehen von Verletzlichkeit wird zur Schande. Dies hindert die Betroffenen daran, mit ihren Angehörigen zu sprechen, geschweige denn mit Fachleuten“, warnt Rinat Musafarov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stigmatisierung von psychischen Störungen und insbesondere von suizidalem Verhalten ist eines der größten Hindernisse für die Prävention. Dies gilt sowohl für das Aufsuchen von Hilfe als auch für das offene Sprechen über Erfahrungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„In den letzten Jahren ist jedoch ein positiver Trend in Kasachstan zu beobachten: Junge Menschen sind immer offener dafür, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, vor allem, wenn dies vertraulich und ohne das Risiko, dass andere davon erfahren, geschehen kann.“</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Berichterstattung über Selbstmorde</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die&nbsp;<a href="https://www.paho.org/en/documents/preventing-suicide-resource-media-professionals-update-2023">WHO betont in ihren aktualisierten Leitlinien 2023</a>, dass Medien Leben retten können. „In der Tat können die Medien sowohl eine mächtige Ressource für die Prävention als auch ein Auslöser sein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Medienberichterstattung wird des Öfteren der „Werther-Effekt“ thematisiert. Dieser bezeichnet die Zunahme von Selbstmorden nach der Veröffentlichung eines Selbstmordberichts, vornehmlich, wenn es sich um Prominente oder um Geschichten handelt, die übermäßig detailliert und romantisch dargestellt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch lässt sich damit die Aussage nicht rechtfertigen, über das Thema Selbstmord zu schweigen bedeutet, ihn zu verhindern. Pauschal lässt sich das auch nicht auf die gesamte Medienberichterstattung übertragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rinat Musafarov verweist auf die Dringlichkeit von offenen Gesprächen. „Es gibt den gefährlichen Mythos, dass über Selbstmord zu sprechen bedeutet, ihn zu provozieren. Das Gegenteil ist der Fall: Ein offener, sanfter Dialog verringert das Risiko, vor allem, wenn der Person bewusst gemacht wird, dass ihre Gefühle wichtig sind und dass sie Hilfe bekommen kann.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem gegenüber steht der „Papageno-Effekt“. Er beschreibt eine Situation, in der Veröffentlichungen, die Auswege aus einer Krise aufzeigen, die Hoffnung erhöhen und das Risiko eines Selbstmordes verringern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Kasachstan gibt es inspirierende Geschichten von Menschen, die nach einer schweren Zeit neuen Lebensmut gefunden haben, wie das Beispiel von&nbsp;<a href="https://www.who.int/europe/de/news-room/feature-stories/item/i-knew-i-would-succeed---gulnar-s-story-of-mental-rehabilitation-and-recovery">Gulnar Sagieva</a>, die zehn Jahre in einer psychiatrischen Klinik verbrachte, oder von&nbsp;<a href="https://www.who.int/europe/de/news-room/feature-stories/item/don-t-give-up-on-people----dauren-s-story-of-mental-health-rehabilitation-in-kazakhstan">Dauren Muhamedjanov</a>, dem durch ein Rehabilitationsprogramm geholfen werden konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher kommt publizistische Arbeit eine Schlüsselrolle zu: Sie kann entweder zur Enttabuisierung beitragen oder durch Schweigen die Isolation verstärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies zeigt, dass das gänzliche Verschweigen der Problematik schädlich ist. Selbstverständlich nimmt die Anzahl der wahrgenommenen Fälle an Selbstmorden ab, sobald man aufhört, darüber zu schreiben. Wenn über das Thema jedoch nicht mehr gesprochen wird, entsteht auch kein Bewusstsein in der Gesellschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rolle des Journalismus liegt darin, die Gesellschaft zu überschauen und relevante Informationen an ein großes Publikum zu tragen. Geschieht dies nicht, kann kein Abbild der Geschehnisse entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Musafarov sieht die Rolle des Journalismus als zielführend. „Es geht nicht nur darum, die Fakten korrekt wiederzugeben, sondern auch darum, über Hilfe zu informieren, Geschichten über die Genesung zu erzählen und die Stigmatisierung zu verringern. Diesem Ansatz sollten Journalisten und Blogger den Vorzug geben.“</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Hilfestellung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich appelliere an alle, die schwierige Zeiten durchgemacht haben: Wenn Sie sich von dieser Krankheit erholen konnten, erzählen Sie bitte Ihre Geschichte. Sie könnte eine Chance für andere sein. Und ich appelliere an diejenigen, die sich in einer Krise befinden: Sie sind nicht allein. Es gibt Hilfe, sei es von den Fachleuten in Schulen, Kliniken, Jugendzentren oder Zentren für psychische Gesundheit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Psychische Gesundheit ist kein Nischenthema, sondern ein grundlegendes Menschenrecht, dem noch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Sie oder jemand in Ihrem Umfeld Hilfe brauchen: Sprechen Sie darüber. Unterstützung ist möglich – und der erste Schritt muss nicht allein gegangen werden. In Kasachstan erreichen Sie rund um die Uhr psychologische Unterstützung unter 150. In Deutschland bietet die Telefonseelsorge kostenfreie Hilfe unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Auch internationale Plattformen wie&nbsp;<a href="https://befrienders.org/">www.befrienders.org</a>&nbsp;helfen dabei, Unterstützung in der Nähe zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Um Hilfe zu bitten ist keine Schwäche, es ist Stärke.“, appelliert Rinat Musafarov.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Anton Genza für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Steigende Besucherzahlen nach Kasachstan – Herausforderung oder Gelegenheit?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[antong]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Mar 2025 10:10:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachstans Tourismussektor w&#xE4;chst. Gleichzeitig sieht das Land sich mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. Hinzu kommt, dass unkontrollierte Besucherstr&#xF6;me das &#xD6;kosystem von Nationalparks belasten. Dabei gibt es genug Regulierungsans&#xE4;tze. Ein Gespr&#xE4;ch mit der &#xD6;kologischen Gesellschaft &#x201E;Green Salvation&#x201C;. Kasachstan wird als Reiseziel stetig attraktiver. Dies zeigte sich zuletzt im Oktober 2024, als &#x201E;Lonely Planet&#x201C;, der weltweit [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kasachstans Tourismussektor wächst. Gleichzeitig sieht das Land sich mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. Hinzu kommt, dass unkontrollierte Besucherströme das Ökosystem von Nationalparks belasten. Dabei gibt es genug Regulierungsansätze. Ein Gespräch mit der Ökologischen Gesellschaft &#8222;Green Salvation&#8220;.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan wird als Reiseziel stetig attraktiver. Dies zeigte sich zuletzt im <a href="https://www.lonelyplanet.com/best-in-travel/countries#kazakhstan">Oktober 2024</a>, als &#8222;Lonely Planet&#8220;, der weltweit führende Reiseführerverlag, Kasachstan als eines der <a href="https://www.lonelyplanet.com/best-in-travel/countries#kazakhstan">Best in Travel 2025</a>-Reiseziele auserkor. Tourismus ist aber keine Einbahnstraße. Auch wenn Touristen zum wirtschaftlichen Wachstum eines Landes, einer Region oder eines Unternehmens beitragen, hinterlässt er Spuren. Durch den Transport ausgestoßene Abgase und liegengebliebener Müll belasten Mensch, Tier und Natur, was sich insbesondere auf fragile Natur negativ auswirkt. Die negativen Folgen von Tourismus können durch Gegenmaßnahmen gemildert werden, doch sind viele Naturreservate und -parke nicht auf eine etwaig große Anzahl von Besuchern eingestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;In einem vernünftigen Rahmen kommt der Tourismus allen zugute. Übermäßiger Tourismus ist jedoch ein ernstes Problem, das in vielen europäischen Ländern bereits zu öffentlichen Protesten und zur Besorgnis der Regierungen führt. Auch wir sehen uns zunehmend mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Übermäßiger Tourismus zerstört die Grundlagen der touristischen Aktivität&#8220;</em>, meint der Vorsitzende der Ökologischen Gesellschaft &#8222;Green Salvation&#8220; Sergeı Kuratov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Green Salvation&#8220; beobachtet seit vielen Jahren die Umweltsituation in den Nationalparks der Region Almaty. Als NGO wenden sie sich ständig an die zuständigen Stellen mit der Forderung, Gesetzesverstöße zu ahnden und Gesetzesänderungen vorzuschlagen. Ihre Arbeit trägt damit zum Umweltschutz in Kasachstan bei. Gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft ist es ihr u. A. bisher gelungen, das Projekt zum Bau einer Hochspannungsleitung durch die Nationalparks <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Scharyn">Şaryn</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Altyn-Emel-Nationalpark">Altynemel</a> zu ändern oder den Bau eines Skigebiets im <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kok_Zhailau">Kök-Jaılau</a>-Plateau zu verhindern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein steter Kampf</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der Hauptaufgaben von &#8222;Green Salvation&#8220; besteht in der Überwachung von Regierungsorganen und Korruptionsbekämpfung. Darüber hinaus stellt die offizielle Anerkennung von Nationalparks, wie <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ile-Alatau_National_Park">Ile-Alatau</a>, ein wichtiges Anliegen dar. &#8222;Green Salvation&#8220; wehrt sich regelmäßig juristisch gegen Vorhaben von Lokalregierungen, um die Umsetzung wirtschaftlicher Interessen in solchen Parks auszubremsen und Pufferzonen einzurichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einem <a href="http://esgrs.org/?p=32538">Rechtsstreit</a>, der 2016 losbrach, stieß die Organisation jedoch auf taube Ohren. Die Lokalregierung Almatys ging nicht auf Anschuldigungen seitens der Aktivisten ein; ein Verstoß gegen Artikel 10 Absatz 2 Unterabsatz 11 des Gesetzes der Republik Kasachstan &#8222;Über besonders geschützte Naturgebiete&#8220; wurde bemängelt. Erst im <a href="https://www.greengrants.org/2024/08/13/ile-alatau-park-kazakhstan/">Mai 2023</a> gab ein Richter am Obersten Gerichtshof den Aktivisten Recht mit der Begründung, das Gebiet sei von internationaler Bedeutung und sollte daher besonders geschützt werden. Das Urteil ist von zukunftsweisender Bedeutung, da es die Dimension der Korruption in Umweltschutzinitiativen offenlegt.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nationalparks mit ihren weiten Wäldern und ihrer Biodiversität leisten einen bedeutenden Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Sie sind maßgeblich für die Aufnahme von schädlichen Abgasen und der Erhöhung der Lebensqualität im Allgemeinen verantwortlich. Der Ausstoß von umweltschädlichen Abgasen in Kasachstan ist auf den ersten Blick leicht rückwirkend, wie die <a href="https://stat.gov.kz/en/industries/environment/stat-eco/publications/183070/">aktuelle Statistik von der unabhängigen Statistikagentur der Republik Kasachstan vom Juni 2024</a> bescheinigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2023 wurden in Kasachstan 2257 Tausend Tonnen umweltschädliche Abgase ausgestoßen, was im Vergleich zu 2019 eine Verringerung von knapp elf Prozent darstellt. Gleichzeitig lässt sich aber eine Diversifizierung von Energiequellen feststellen: Insbesondere der Ausstoß von Kohlenwasserstoffen, vornehmlich Methan, das in einem Zeitraum von zwanzig Jahren bis zu <a href="https://akzente.giz.de/de/methan-die-unterschaetzte-gefahr">86-mal klimaschädlicher als Kohlenstoffdioxid</a> ist, wird von der Regierung weiter gefördert; ein Anstieg von etwa 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wachsender Tourismussektor</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tourismus macht weltweit einen Anteil von über neun Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts aus; in Kasachstan <a href="http://chrome-extension://efaidnbmnnnibpcajpcglclefindmkaj/https://assets-global.website-files.com/6329bc97af73223b575983ac/647df24b7c4bf560880560f9_EIR2023-APEC.pdf">etwas über drei Prozent</a>. Kasachstan steht laut dem <a href="https://www.weforum.org/publications/travel-tourism-development-index-2024/">Travel &amp; Development Index (TTDI) Mai 2024</a> auf Platz 52, was einen Anstieg um sechs Plätze seit 2019 bedeutet. Der TTDI gibt Auskunft über einen Bündel von Faktoren, die sich positiv oder negativ auf die Entwicklung des Tourismussektors auswirken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die negativen Folgen des Tourismus für Nationalparks lässt sich schon anhand der vielen Bauvorhaben, insbesondere in den letzten Jahren, ablesen: Der Bau von Parkplätzen, Restaurants und Unterkünften stellen das Ökosystem der Nationalparks unter Druck. Im <a href="https://adilet.zan.kz/rus/docs/U2400000611#z643">&#8222;Nationalen Entwicklungsplan der Republik Kasachstan bis 2029</a>&#8220; wird auch auf die Notwendigkeit hingewiesen, <em>&#8222;die negativen Auswirkungen des Tourismus auf die Umwelt zu verringern&#8220;</em>. &#8222;<em>Es ist notwendig, verantwortungsbewusstes Verhalten zu fördern und die Kontrolle über den Tourismus zu verstärken, einschließlich der Kontrolle von Geschäften&#8220;</em>, heißt es im <a href="http://esgrs.org/wp-content/uploads/2025/01/2024-%D0%9C%D0%BE%D0%BD%D0%B8%D1%82%D0%BE%D1%80%D0%B8%D0%BD%D0%B3-ISBN-%D0%B4%D0%BB%D1%8F-%D0%B8%D0%BD%D1%82%D0%B5%D1%80%D0%BD%D0%B5%D1%82%D0%B0.pdf">Monitoring-Bericht von Green Salvation</a> vom Oktober 2024.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/was-laeuft-falsch-mit-der-oekologie-in-kasachstan/">Was läuft falsch mit der Ökologie in Kasachstan?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Es ist wichtig, den Tourismus in den Siedlungen zu entwickeln. Aber auch hier ist die Situation traurig. Das Beispiel der Siedlung Talğar, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, zeigt die Vernachlässigung der historischen und kulturellen Stätten. Um Touristen anzulocken, muss man ernsthaft arbeiten. Deshalb ist es am einfachsten, die Natur zu ‘entwickeln‘ und Gewinne aus ihr herauszuquetschen&#8220;</em>, sagt Kuratov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist tatsächlich möglich, hohe Touristenzahlen für den eigenen Vorteil zu nutzen. Dies zeigt das Beispiel des Nationalparks auf den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Galapagosinseln">Galapagos-Inseln</a>. Harte Kontrollen zielen darauf ab, die Natur sauber zu halten und den negativen Einfluss des Tourismus zu begrenzen. Viel mehr noch ist ein gewisses Naturbewusstsein in die Gesellschaft eingekehrt. Schon in den Schulen wird der Wert des Nationalparks und die Notwendigkeit, ihn zu erhalten, mitgegeben. Die Einnahmen aus dem Tourismus werden für die Erhaltung der Flora und Fauna sowie in Bildungs- und Artenerhaltungs-Projekte reinvestiert. Die Insel hat zudem eine maximale Besucherzahl festgesetzt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">&#8222;Taza Qazaqstan&#8220; – Umdenken in der Beziehung zur Umwelt?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht allein der Tourismus, aber vor allem Dinge des alltäglichen Lebens sind eine große Herausforderung für Länder wie Kasachstan mit vielen Nationalparks und reicher Natur. Dies hängt nicht zuletzt von der Mentalität der Besuchenden ab: Wie verhalte ich mich und was sollte ich nicht tun, damit die Reinheit der Natur beibehalten werden kann? Das Konzept des Ökotourismus hat in den vergangenen 10 Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist ein gewisses Umdenken im Reisen zu erkennen, das die Umgebung und die örtlichen Gegebenheiten der persönlichen Freifahrt vorzieht. Komfort und Selbstentfaltung sind keine konträren Konzepte; vielmehr vereinen Ansätze des Ökotourismus persönliches Wohlbefinden mit einem erhöhten Verantwortungsbewusstsein. Ökotourismus baut genau auf dieser Frage auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/buchara-bauprojekt-fuer-tourismuskomplex-beginnt-trotz-bedenken-der-unesco/">Buchara: Bauprojekt für Tourismuskomplex beginnt trotz Bedenken der UNESCO</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://www.unwto.org/">Weltorganisation für Tourismus (UNWTO)</a> verbindet in ihrer <a href="https://www.unwto.org/sustainable-development/ecotourism-and-protected-areas#:~:text=According%20to%20the%20UN%20Tourism's,cultures%20prevailing%20in%20natural%20areas.">Definition</a> des 2002 geprägten Begriffs Reisen zur Wertschätzung von Natur und Tradition in Naturgebieten mit einem Fokus auf den pädagogischen Wert. Zeitgleich soll dadurch die negative Auswirkung auf die Umgebung möglichst geringgehalten und die Instandhaltung der Naturgebiete zielorientiert getragen werden. Das schließe die wirtschaftliche Komponente mit ein und solle den lokalen Gemeinden zugutekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im April 2024 wurde die Initiative <a href="https://www.gov.kz/memleket/entities/kostanai-lisakovsk-kalasy-akimat/press/news/details/808366?lang=en">&#8222;Taza Kazakhstan&#8220;</a> durch den Präsidenten der Republik Kasachstan eingeführt. Die Kampagne verfolgt das Ziel, die Umweltsituation im Land durch Aufräumaktionen, Müllsammlungen, Begrünung der Gebiete und Bildung zu verbessern. Seit 2019 haben sich fast 6,2 Millionen Menschen beteiligt, 1,1 Millionen Tonnen Abfall gesammelt und etwa 1,6 Millionen Bäume gepflanzt. Obwohl die Kampagne in ihrer Grundidee förderlich ist, stoßen Aktivisten auf Schwierigkeiten in der Umsetzung. &#8222;<em>Im Allgemeinen ist die Initiative positiv zu bewerten. Aber wir erleben immer wieder Situationen, in denen lokale Behörden und Geschäftsleute die Gesetze missachten und damit gute Bemühungen zunichtemachen&#8220;</em>, bedauert Kuratov.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Anton Genza für Novastan</strong></p>
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		<title>Wollen denn alle schlauen Köpfe Kasachstan verlassen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[antong]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Feb 2025 19:10:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Ausland]]></category>
		<category><![CDATA[Auslandsstudium]]></category>
		<category><![CDATA[Auswanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Umfrage]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einer Umfrage zufolge spielt jeder f&#xFC;nfte Befragte in Kasachstan mit dem Gedanken, permanent oder vor&#xFC;bergehend ins Ausland zu gehen. Der Begriff &#x201E;Braindrain&#x201C; meint eine hohe Abwanderung von qualifizierten Fachkr&#xE4;ften und Verlust von Humankapital; doch erzeugt das Wortbild wom&#xF6;glich mehr Pathos, als er die Wirklichkeit widerspiegelt. Steht dem Land tats&#xE4;chlich eine Krise im Arbeitsmarkt bevor? In [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Einer Umfrage zufolge spielt jeder fünfte Befragte in Kasachstan mit dem Gedanken, permanent oder vorübergehend ins Ausland zu gehen. Der Begriff „Braindrain“ meint eine hohe Abwanderung von qualifizierten Fachkräften und Verlust von Humankapital; doch erzeugt das Wortbild womöglich mehr Pathos, als er die Wirklichkeit widerspiegelt. Steht dem Land tatsächlich eine Krise im Arbeitsmarkt bevor?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Journalismus-Netzwerk MediaNet und der Konrad-Adenauer-Stiftung untersucht eine <a href="https://demos.kz/poll-one-in-five-kazakh-citizens-considers-emigrating/?lang=en">Umfrage</a> die Einstellung der Befragten bezüglich möglicher Auswanderungspläne und -motive.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Ergebnissen zufolge würde jeder fünfte Befragte in Betracht ziehen ins Ausland zu gehen, wovon 6,9 Prozent es in den nächsten 2 bis 3 Jahren beabsichtigen, das Land zu verlassen und 5,6 Prozent es aus persönlichen Gründen nicht können. Darunter fallen auch einige wenige, die einen Umzug unter bestimmten Voraussetzungen erwägen würden. In der Gruppe der 30-jährigen Befragten ist der Wunsch nach einem Neuanfang im Ausland besonders groß: &nbsp;Sogar jeder Zehnte gibt an, eine Aussiedlung innerhalb von 2 bis 3 Jahren anzustreben.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Zahlen schließen auf den ersten Blick auf einen pauschal hohen Auswanderungswillen der Bevölkerung, wobei sich die Zahlen in den einzelnen Altersgruppen unterscheiden. Nicht überraschend tendieren eher jüngere Menschen dazu, ihr Glück im Ausland zu suchen, doch gibt die Umfrage nicht her, ob der Aufenthalt dauerhaft oder kurzweilig bezweckt ist. Eine allgemeingültige Quintessenz der Umfrage lässt sich unter diesen Voraussetzungen nicht finden. Viel eher ist eine auf die einzelnen Bedürfnisse differenziert betrachtete Perspektive angebracht.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mannigfaltige Motive</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den Hauptgründen äußerte ein Viertel der Befragten den Wunsch nach höheren Löhnen, fast gleich viel nennen mangelnde Perspektiven für sich und ihre Kinder im Land und den Wunsch nach einem besseren Arbeitsplatz (14 Prozent). Für junge Menschen seien Motive wie Ausbildungsmöglichkeiten und Selbstentfaltung ausschlaggebend, wohingegen in den mittleren und höheren Altersgruppen deutlich häufiger Unzufriedenheit im eigenen Land ausschlaggebend sind. Nur für 0,6 Prozent der Befragten ist der Wunsch nach der Rückkehr zur „historischen Heimat“ ein Beweggrund.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-der-krieg-in-der-ukraine-die-auswanderung-von-russinnen-aus-kasachstan-nach-russland-beeinflusst/"><strong>Wie der Krieg in der Ukraine die Auswanderung von Russ:innen aus Kasachstan beeinflusst</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kam es zu einer großen Auswanderungswelle aus Kasachstan. Eine 2020 veröffentlichte <a href="https://kazakhstan.unfpa.org/sites/default/files/pub-pdf/UNFPA_FullReport_Eng_Final_0.pdf">Statistik</a> verzeichnet allein zwischen 1999 und 2001 einen beachtlichen Bevölkerungsverlust aufgrund hoher Emigrationszahlen (ca. 100.000 Ausgewanderte pro Jahr) und einer vergleichsweise niedrigen natürlichen Bevölkerungsentwicklung (ca. 70.000 Geburten pro Jahr), also der Differenz zwischen der Geburten- und Sterberate. Allein zwischen 2004 und 2011 stieg die Anzahl der Einwanderer nach Kasachstan.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://stat.gov.kz/en/industries/social-statistics/demography/publications/157661/">Offizielle Zahlen der Agentur für Statistik der Republik Kasachstan</a> deuten sogar auf einen positiven Trend in den vergangenen Jahren hin; 2024 seien doppelt so viele Menschen nach Kasachstan migriert als es verließen. Der Grund dafür war der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, aufgrund dessen viele Menschen aus GUS-Staaten, wie Russland, der Ukraine und Belarus, <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-folgen-der-russischen-mobilmachung-fuer-zentralasien/">vor Krieg, Einberufung oder politischer Verfolgung flohen</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Sorgen und Träume der jungen Bevölkerung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist vor allem die jüngere Generation, die sich nach einem Leben im Ausland sehnt. Bildungsinstitutionen im Inland haben einerseits keinen allzu guten Ruf, aufgrund hoher Universitätsgebühren und vermeintlich schlechterer Qualität der Ausbildung. Gleichzeitig locken Universitäten im Ausland mit niedrigeren Kosten, höheren Stipendien und Möglichkeiten der beruflichen Spezialisierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage ist unter den jüngeren Altersgruppen berechtigt: Wie sehen ihre Zukunftspläne konkret aus? Schaut man auf die teilweise marode Infrastruktur Kasachstans und die drohenden Probleme unter anderem in der <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstans-bevoelkerung-leidet-unter-wassermangel/">Wassersicherheit</a> und beim <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/der-klimawandel-und-hochwasser-ist-kasachstan-gewappnet-fuer-neue-katastrophen/">Katastrophenschutz</a>, braucht Kasachstan qualifizierte Fachkräfte mehr denn je, um das Leben der im Durchschnitt sehr jungen Bevölkerung sicher und zukunftsorientiert zu machen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kausalität mit Vorsicht zu genießen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einen drohenden „Braindrain“ sah <a href="https://thediplomat.com/2024/08/causes-and-consequences-of-kazakhstans-brain-drain/">The Diplomat</a> &nbsp;vergangenen August mit Verweis auf Daten des Nationalen Statistikamts kritisch. Obwohl die absolute Zahl der Auswanderungen steigt, sei dies nicht gleichbedeutend mit dem permanenten Auswanderungswillen einzelner Individuen oder Gruppen im Land. Nimmt man nämlich Studierende und Familien ins Visier, bleibt unklar, ob sie tatsächlich vorhaben, im Ausland zu bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt jedoch eine größere Anzahl an Menschen im Land, die mit der aktuellen Situation unzufrieden ist. In Personenportraits und Leserkommentaren, wie sie vor einiger Zeit das Online-Medium <a href="https://www.the-village-kz.com/village/city/asking-question/31241-kuda-i-pochemu-uezzhayut-molodye-kazahstantsy">The Village</a> aufgeführt hat, wird auf ein korruptes Bildungssystem angespielt. Weiterhin wird sich die Situation auf dem Land und in kleineren Ortschaften aufgrund von Populationsschwund zuspitzen, wie auch in Großstädten wie Almaty oder Astana aufgrund von Überbevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-im-fluss-das-neue-themenheft-der-zeitschrift-osteuropa/"><strong>Zentralasien im Fluss: Das neue Themenheft der Zeitschrift „Osteuropa“</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ball liegt bei der Politik. Maßnahmen, um öffentliche Einrichtungen transparent und bevölkerungsorientiert auszurichten, müssen angegangen und das Vertrauen der jungen Menschen Kasachstans wiederhergestellt werden. Andernfalls könnte sich die Anzahl derjenigen, die das Land verlassen möchten oder tatsächlich verlassen, noch weiter zuspitzen. Auf unabsehbare Zeit wird der Ukraine-Krieg enden, sich die Situation in Belarus, der Ukraine und der Russischen Föderation bessern, und die nach Kasachstan eingewanderten Fachkräfte womöglich zurückgehen. Es ist ein Spiel mit der Zeit, das sich die Republik Kasachstan nicht leisten kann.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das weite Bild sehen: Einordnung und Zusammenfassung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist nicht einfach, eine Antwort nach dem Prinzip „One size fits all“ zu finden. Dementsprechend sind großflächige Gegenmaßnahmen durch die kasachstanische Regierung schwer vorstellbar: Unterschiedliche Gruppen, ob demografisch oder sozioökonomisch getrennt, haben unterschiedliche Bedürfnisse. Zum Beispiel würde eine Reform des Bildungswesens Schülern und Studenten zugutekommen, doch würden etwaige Steuerausgaben anderen Bevölkerungsschichten nur indirekt helfen und womöglich zusätzlich belasten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/immer-mehr-zentralasiatische-staatsangehoerige-machen-sich-auf-in-die-vereinigten-staaten/"><strong>Immer mehr zentralasiatische Staatsangehörige machen sich auf in die Vereinigten Staaten</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig macht man es sich womöglich zu einfach, wenn man einzelne Migrationsmotive isoliert voneinander betrachtet und auf ganze Gruppen anwendet. Push- und Pull-Faktoren sind in diesem Zusammenhang für das induktive Verständnis weniger hilfreich, da sie das komplexe Zusammenspiel von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Faktoren ausblenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ursache dafür, dass mehr Menschen das Land verlassen wollen, sind vielschichtig. Die Zahlen lassen sich nicht mit einem Zensus der (Un-)Zufriedenheit der Bevölkerung gleichsetzen. Globalisierungstendenzen und der Ausbau des Mittelstandes sind nur zwei Faktoren, die es Menschen einfacher macht, sich zu informieren und den tatsächlichen Schritt zu wagen, das Land zu verlassen oder vorher Erfahrungen im Ausland zu sammeln.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Anton Genza für Novastan</strong></p>
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		<title>„Ein fließender Datenaustausch bis 2027 ist sehr ambitioniert, aber realisierbar“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[antong]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jan 2025 19:26:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aqtau]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsch Kasachische Universität]]></category>
		<category><![CDATA[Jandos Kegenbekov]]></category>
		<category><![CDATA[Mittlerer Korridor]]></category>
		<category><![CDATA[Transkaspischer Korridor]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Entscheidungstr&#xE4;ger aus Politik und Wirtschaft stehen vor einem Mammutprojekt: dem Ausbau des Mittleren Korridors von China &#xFC;ber Zentralasien und den S&#xFC;dkaukasus bis nach Europa. Wie stehen die Chancen, die Transportroute in k&#xFC;rzester Zeit nachhaltig und wettbewerbsf&#xE4;hig zu machen? Dar&#xFC;ber sprachen wir mit Jandos Kegenbekov, Dekan der Fakult&#xE4;t f&#xFC;r Ingenieurwissenschaften und Informationstechnologie an der Deutsch-Kasachischen Universit&#xE4;t [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft stehen vor einem Mammutprojekt: dem Ausbau des Mittleren Korridors von China über Zentralasien und den Südkaukasus bis nach Europa. Wie stehen die Chancen, die Transportroute in kürzester Zeit nachhaltig und wettbewerbsfähig zu machen? Darüber sprachen wir mit Jandos Kegenbekov, Dekan der Fakultät für Ingenieurwissenschaften und Informationstechnologie an der Deutsch-Kasachischen Universität in Almaty.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 hat nicht nur die Wirtschaftspolitik vieler Nationen auf den Kopf gestellt, sondern auch den Transport- und Logistikbereich. Es liegt im beidseitigen Interesse Chinas und des Europäischen Wirtschaftsraumes, Waren aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt auch weiterhin nach Europa zu liefern. Jedoch haben der russische Angriff und die daraus resultierenden Sanktionen die Nutzung des Nördlichen Korridors, also über das Gebiet der Russischen Föderation, unattraktiv gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem 5. Dezember 2022 gilt das Embargo der EU für Rohölimporte aus Russland auf dem Seeweg. Kasachstan exportiert rund 80 Prozent seines Erdöls oder 53,1 Millionen Tonnen über die südrussische Hafenstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Noworossijsk">Noworossijsk</a>. Das ursprüngliche Ziel des <a href="https://middlecorridor.com/en/route">Mittleren oder auch Transkaspischen Korridors</a> bestand darin, die Transportzeit zwischen China und Europa auf bis zu zwölf Tage zu verkürzen und dadurch einen Konkurrenzvorteil gegenüber dem Nördlichen Korridor (19 Tage) oder der Seeroute (22 bis 39 Tage) zu schaffen. Das zurzeit wohl größte zugrundeliegende Problem ist die Infrastruktur im Eisenbahn- und Schifffahrtssektor. Dies betrifft nicht allein Kasachstan, sondern auch Georgien und Aserbaidschan.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zukunftsaussichten und Abwägungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mai 2023 wurde eine von der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Bank_f%C3%BCr_Wiederaufbau_und_Entwicklung">EBRD</a> (European Bank for Reconstruction and Development) durchgeführte und von der Europäischen Kommission geförderte <a href="https://www.ebrd.com/news/publications/special-reports/sustainable-transport-connections-between-europe-and-central-asia.html">Studie</a> zu nachhaltigen Transportwegen zwischen Europa und Zentralasien vorgestellt. Sie identifiziert kritische Bereiche bei der Entwicklung des Mittleren Korridors und gibt Handlungsempfehlungen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">In der Studie wurden bestehende und potenzielle neue Korridore bewertet, die die Verkehrsverbindungen zwischen den fünf zentralasiatischen Republiken und dem <a href="https://bmdv.bund.de/SharedDocs/DE/Artikel/G/transeuropaeische-verkehrsnetze.html">Transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN-V)</a> der EU gewährleisten würden. Das TEN-V verbindet die 27 EU-Mitgliedstaaten, umfasst aber auch die westlichen Balkanstaaten, die Länder der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96stliche_Partnerschaft">Östlichen Partnerschaft</a> (einschließlich des Kaukasus) und die Türkei. Darüber hinaus werden 33 Investitionen in die harte Infrastruktur in der gesamten Region (u.a. Modernisierung bestehender Schienen-/Straßenverbindungen, zusätzliche Schienen-/Straßenverbindungen, Erweiterung der Hafenkapazitäten) sowie 7 koordinierte Aktionen für weiche Konnektivitätsmaßnahmen wie Handelserleichterungen und Digitalisierung aufgelistet. Zu den vorrangigen Projekten gehören die Modernisierung der Containerumschlaganlagen und die Entwicklung eines Containerterminals im Hafen von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqtau">Aqtau</a>, die Doppelspurigkeit und Elektrifizierung des kasachstanischen Eisenbahnnetzes sowie der Ausbau und die Sanierung wichtiger Straßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allein 2022 erhöhte sich das Transportvolumen über den Mittleren Korridor um 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für diese steigende Menge an Transportgütern sei das Kaspische Meer aber nicht ausgelegt, was zu einer Überlastung der Route führen könnte. Die EBRD sieht vor, in den nächsten 2-3 Jahren bis zu 1,5 Milliarden Euro in die Infrastruktur des Transkaspischen Korridors zu investieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ausbau des Informationssektors und Digitalisierung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine große Baustelle ist das Problem des stockenden Informationsaustausches. Die Digitalisierung des multimodalen Daten- und Dokumentenaustauschs. Mithilfe der Rechtsinstrumente der Vereinten Nationen soll ein fließender Datenaustausch bis 2027 sichergestellt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das Ziel, einen fließenden Datenaustausch bis 2027 zu gewährleisten, ist sehr ambitioniert, aber realisierbar“</em>, sagt <a href="https://dku.kz/de/o-prepodavatele/kegenbekov-zhandos-kadyrhanovich">Jandos Kegenbekov</a>, Dekan der Fakultät für Ingenieurwissenschaften und Informationstechnologie an der Deutsch-Kasachischen Universität in Almaty. <em>„Nichtsdestotrotz sind Transparenz und Schnelligkeit von Nöten. Bislang wurden mehrere IT-Plattformen zur internationalen Koordination im Logistik- und Transportsektor eröffnet. Der Ausbau ist im Gange und alle Beteiligten arbeiten mit Hochdruck daran. Der Ausbau des Mittleren Korridors liegt nicht allein im Interesse der Republik Kasachstan. Auch Länder wie Aserbaidschan und verschiedene europäische Staaten räumen dem Korridor eine hohe Priorität ein.“</em> Nicht außer Acht zu lassen, ist ebenfalls Chinas <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Seidenstra%C3%9Fe">„One Belt – One Road“-Initiative</a>, die für die Zukunft des Mittleren Korridors von entscheidender Bedeutung sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wohin-fuehrt-die-neue-seidenstrasse-ueber-die-chancen-und-risiken-von-one-belt-one-road/"><strong>Wohin führt die Neue Seidenstraße? Über die Chancen und Risiken von „One Belt, One Road“</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Regierung Kasachstans liegt viel daran, den Mittleren Korridor schnellstmöglich auszubauen, um die Wettbewerbsfähigkeit Kasachstans zu stärken. <em>„Die Erfahrungen anderer Länder im Bereich der Digitalisierung sind für Kasachstan von Vorteil. Aber Kasachstan bietet ebenfalls einige Positivbeispiele, zum Beispiel die offizielle Dienstleistungsplattform </em><a href="https://egov.kz/cms/en"><em>eGov</em></a><em>. Es ist zu erwarten, dass sie Kasachstan entscheidend dabei helfen wird, den Datentransfer zu beschleunigen und den allgemeinen Güterverkehr effizienter und verlässlicher zu gestalten“</em>, so Kegenbekov weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Regierungsebene ist das Problem unlängst erkannt worden. <em>„Die weitere Integration der Transport- und Logistiksysteme Zentralasiens und Europas bleibt eine dringende Aufgabe“</em>, beteuerte Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> während des <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/migration-wirtschaft-z51-bundeskanzler-scholz-in-zentralasien/">Staatsbesuchs von Bundeskanzler Scholz in Astana</a> im September 2024. Kasachstan setzt große Hoffnungen in Deutschland als einen der wichtigsten internationalen Partner. Der <a href="https://lpi.worldbank.org/">LPI (Logistics Performance Index)</a> ist ein von der Weltbank entwickeltes Instrument, das Auskunft darüber gibt, wie effizient Güter in und innerhalb eines Landes transportiert werden können. Während Deutschland auf Platz 3 steht, rangiert Kasachstan auf Platz 79. Der Ausbau des Mittleren Korridors sei eng mit einer wirksamen Zusammenarbeit handelspolitischer und wirtschaftlicher Prozesse verbunden, so Kegenbekov.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Investitionen und Planungssicherheit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anbindung an das Trans-Europäische Transportnetz (TEN-T) und die <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/global-gateway-die-eu-investiert-in-den-transkaspischen-korridor/">„Global Gateway“-Strategie</a> würde dem Land große Investitionsmöglichkeiten für ausländische Unternehmen bieten. Davon würde auch die deutsche Industrie profitieren. Durch den Ausbau des Mittleren Korridors verkürze sich allein schon die Energielieferstrecke drastisch. Im Transport- und Logistiksektor haben die Deutsche Bank und die Eisenbahngesellschaft <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qasaqstan_Temir_Scholy"><em>Kazakhstan Temir Zholy</em> (KTZ)</a> Vereinbarungen mit anderen privaten Eisenbahngesellschaften Vereinbarungen zur Verbesserung des Güterverkehrs getroffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/global-gateway-die-eu-investiert-in-den-transkaspischen-korridor/"><strong>Global Gateway: Die EU investiert in den Transkaspischen Korridor</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wird ersichtlich, dass Planungssicherheit und Transparenz zwei wichtige Aspekte sind. Um die Lagerbestände besser verwalten und die Handelszyklen planen zu können, müssen Unternehmen wissen, wie lange ihr Container bis zum gewünschten Zielort braucht und wie viel der Transport kosten wird. Moderne Transportmittel und eine effiziente Logistik sind unabdingbar, um die Kosten zu senken, Transitzeiten zu verkürzen und letztlich die Binnenstaaten Zentralasiens in die Weltwirtschaft zu integrieren. Koordinationsplattformen für den Mittleren Korridor, wie die <a href="https://www.eeas.europa.eu/delegations/turkmenistan/european-union-and-turkmenistan-host-high-level-launch-coordination-platform-trans-caspian-transport_en?s=231">im Oktober 2024 in Turkmenistan</a> abgehaltene, geben allen auf der Route liegenden Nationen die Gelegenheit, sich über Missstände und mögliche <em>bottlenecks</em> (also Engpässe) auszutauschen. Nachhaltigkeit, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit sind Kriterien, an denen es sich mit bereits bestehenden Routen zu messen gilt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Konfliktpotenzial</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mittlere Korridor ist auch ein Katalysator für erneuerbare Energien. Von den rund 600.000 Kilometer Eisenbahnstrecke in Kasachstan sind lediglich etwa 6.000 elektrifiziert. Die Notwendigkeit, diese Strecken zu modernisieren und nachhaltig auszubauen, wurde unlängst erkannt. Auch die Seeschifffahrt über das Kaspische Meer soll durch neue Technologien nachhaltig und umweltschonend gestaltet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei dem ambitionierten Projekt des Ausbaus des Mittleren Korridors gehen die gemeinsamen Interessen über die Privatinteressen hinaus. Dazu zählen Fragen wie die, ob der Transport von fossilen Brennstoffen aus Kasachstan über den Südkaukasus nach Europa Einfluss auf den Gas- und Ölpreis in Aserbaidschan haben würde. <em>„Es muss eine Lösung auf politischer Ebene gefunden werden“</em>, bekräftigt Kegenbekov. Demnach seien verstärkt diplomatische Bemühungen notwendig, um alle Parteien zufriedenzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstans-landwirtschaft-im-kontext-der-global-gateway-strategie/"><strong>Kasachstans Landwirtschaft im Kontext der Global-Gateway-Strategie</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es ist auch wichtig, die Wettbewerbsfähigkeit des Mittleren Korridors auf lange Sicht zu gewährleisten“</em>, betont Kegenbekov. <em>„Aufgrund der Sanktionen gegen die Russische Föderation sind Handelswege über Russland zwar zurzeit nicht denkbar, doch werden sie in derzeit noch nicht absehbarer Zeit wieder genutzt werden. Das Ziel ist es nun, die Transportwege über Kasachstan so attraktiv zu machen, dass sie auch nach der Öffnung Russlands nicht an Bedeutung verlieren.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür müsse ein nachhaltiges Wachstum gewährleistet, Infrastruktur und Kapazitäten weiter verbessert sowie die Abläufe für alle Beteiligten transparent gemacht werden. Die infolge des Krieges in der Ukraine gestiegene Nachfrage nach dem Mittleren Korridor stellt Investoren und weitere Akteure in Kasachstan vor die entscheidende Frage: Bleibt die Nachfrage weiterhin hoch und investiert man in ein langfristig ausgelegtes Transportnetz, um dauerhaft auf den Mittleren Korridor zu setzen?</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Anton Genza für Novastan</strong></p>



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