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	<title>Flussgeschichten Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>Der Talas und seine Menschen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Rapp]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Apr 2021 16:15:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>FLUSSGESCHICHTEN. Drei Millionen Menschen in Kirgistan und Kasachstan sind von einem Fluss abh&#xE4;ngig, dessen Wasserstand immer weiter zur&#xFC;ckgeht. Die JournalistInnen Wlad Uschakow und Irina Bajramykowa sprechen mit einigen dieser Menschen dar&#xFC;ber, was die Wasserknappheit f&#xFC;r sie bedeutet. Es sind Geschichten von Dankbarkeit, Liebe, Erinnerungen, Ver&#xE4;nderungen und Angst. Die folgende Reportage erschien am 26. Januar 2021 [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>FLUSSGESCHICHTEN. Drei Millionen Menschen in Kirgistan und Kasachstan sind von einem Fluss abhängig, dessen Wasserstand immer weiter zurückgeht. Die JournalistInnen Wlad Uschakow und Irina Bajramykowa sprechen mit einigen dieser Menschen darüber, was die Wasserknappheit für sie bedeutet. Es sind Geschichten von Dankbarkeit, Liebe, Erinnerungen, Veränderungen und Angst. Die folgende Reportage erschien am 26. Januar 2021 auf </strong><a href="https://vlast.kz/story/43528-talas-i-ego-ludi.html"><strong>Vlast</strong></a><strong>. Wir übersetzen sie mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Talas_(Fluss)">Talas </a>ist ein grenzüberschreitender Fluss. Er fängt in den Bergen Kirgistans an und versiegt in der der kasachischen Wüste. Die drei Millionen Menschen aus den zwei Staaten, die im Einzugsgebiet des Flusses wohnen, sind auf den Fluss angewiesen. Sie betreiben hier nämlich Landwirtschaft. Es ist nicht zu übersehen, wie sich der Fluss in den vergangenen Jahren verändert hat: Der Pegel wird immer niedriger. Wie wird sich das Leben der Menschen verändern, wenn es noch heißer wird, während das Wasser zurückgeht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen des Projekts „Kleine Menschen – Großer Fluss“ reiste eine Gruppe von Journalisten und Ökologen Hunderte von Kilometern entlang des Talas, um diejenigen zu treffen, die sich als die „Menschen des Flusses“ bezeichnen. Sie sprechen mit ihnen darüber, wie sich ihr Leben verändert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Mann der Straße</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der 41-jährige Bajysbek Scheraliew stammt aus dem Dorf Konesawod in der Region Talas. Seine Arbeit dreht sich rund um die Instandhaltung von Straßen und vor allem um den Otmok-Pass der Talas-Suusamyr-Autobahn auf 3.330 Metern Höhe. Er räumt den Schnee und streut Enteisungsmittel auf den glatten Asphalt.</p>


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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Nach jedem starken Schneefall kommt es zu Stau auf dem Otmok-Pass. Doch früher, zu Beginn meiner Tätigkeit, waren die Schneedecken viel höher“</em>, sagt Bajysbek. Auch in den Flüssen, entlang derer die Straßen verlaufen, sei jedes Jahr weniger Wasser vorhanden. <em>„Das ist alles der Klimawandel“</em>, glaubt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Kirgistan ist in den letzten 100 Jahren um 1,6 Grad Celsius gestiegen, deutlich mehr als die globale Erderwärmung (um 0,6 Grad Celsius). Laut dem <a href="https://unfccc.int/files/national_reports/non-annex_i_natcom/application/pdf/nc3_kyrgyzstan_russian_24jan2017.pdf">dritten nationalen Klimabericht Kirgistans</a> wird bei einer unveränderten Anstiegsrate die Durchschnittstemperatur im Jahr 2100 im besten Fall um 4,7 Grad Celsius höher sein und im schlechtesten sogar um 6,1 Grad Celsius. Der Temperaturanstieg führt zum Schmelzen der Gletscher und dem Absinken des Pegels in den Flüssen. Doch Kirgistan braucht immer mehr Trink- und Bewässerungswasser. Schließlich wächst die Bevölkerung des Landes.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Mann der Erde</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Wassermangel trifft die Bauern am härtesten. Samat Osmonow ist ein <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Dehkan_farm">Dekhan</a> (Bezeichnung für einen zentralasiatischen Bauern, Anm. d. Red.). Der Lebensstandard seiner Familie hängt somit direkt von der Bewässerung ab. Auch er wuchs in der Nähe des Flusses Talas auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Solange ich mich erinnern kann, habe ich immer dieses Wasser getrunken, habe es zuhause zum Kochen verwendet. Mit diesem Wasser wird das Vieh getränkt und der Garten bewässert. Und jetzt helfen mir auch meine Kinder, das Wasser aus dem Fluss in Eimern nach Hause zu tragen oder es auf Eseln zu transportieren. Das Problem ist aber, dass es immer weniger und weniger Wasser im Fluss gibt! Mein Großvater sagte, dass zu seiner Zeit das Wasser so hoch stand, dass die Pferde den Fluss nicht überqueren konnten &#8211; und heutzutage können sie das problemlos“</em>, erzählt der 40-jähirge Osmonow, <em>„Und ich erinnere mich auch daran, dass in meiner Kindheit das Eis auf dem Fluss im Winter so dick war, dass Karren mit Lasten leicht darüber</em> <em>fahren konnten. Jetzt friert der Fluss zwar zu, aber das Eis ist so dünn, dass man nicht einmal darauf laufen kann!“</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="699" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Bild-1-1024x699.jpg" alt="Mann der Erde" class="wp-image-26501" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Bild-1-1024x699.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Bild-1-300x205.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Bild-1-768x524.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Bild-1-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Bild-1.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Mann der Erde</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Samat zitiert ein kirgisisches Sprichwort: <em>„Wann leidet der Mensch nicht? Wenn viel Wasser vorhanden ist. Wenn alle genug davon haben!“</em> Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Niederschlag in den Bergen in den kommenden Jahrzehnten zunehmen werde, doch in der Tiefland-Wüstenzone sei eine vermehrte Trockenheit möglich. Dies führe zu einer Wüstenausbreitung und belaste angeschlossene Ökosysteme.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Anziehungskraft des Flusses</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wladimir Maser lebt seit 1965 in der Stadt Talas. Er könne sich ein Leben ohne Natur nicht vorstellen, auch wenn alle seine Verwandten nach Deutschland ausgewandert sind. Maser bezeichnet sich selbst als <em>„quasi den letzten Deutschen“</em> in der Region Talas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Früher arbeitete er als Jäger. Heute ist er Vorsitzender der Gesellschaft der Jäger und Fischer von Talas. Maser trifft uns an der Quelle des Kara-Kojun Flusses, ein Zufluss des Urmaral-Flusses, der wiederum in den Talas mündet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das Wasser im Fluss ist knapp geworden: War es früher im Frühling und Frühsommer überhaupt nicht möglich, den Fluss zu überschreiten, so kann man ihn jetzt in manchen Jahren in Galoschen überqueren! Ich erinnere mich noch an den 22. November 2006, als der </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Uljanowski_Awtomobilny_Sawod#UAZ"><em>UAZ</em></a> (ein russisches Geländefahrzeug, Anm. d. Red.) <em>den Fluss wegen der Schneedecke nicht überqueren konnte. Und heute gibt es fast keinen Schnee, von den Fischen sind nur die kleinen übriggeblieben. Deswegen habe ich seit fast zwei Jahren nicht mehr geangelt: Es macht ja keinen Spaß, die winzigen Fische zu fangen“</em>, erzählt Wladimir.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-letzten-ihrer-zunft-ueber-schiffsmechaniker-und-flusskapitaene-auf-dem-ural/">Die Letzten ihrer Zunft – Über Schiffsmechaniker und Flusskapitäne auf dem Ural</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Klimawissenschaftler sagen voraus, dass der Klimawandel dazu führen könnte, dass die Flüsse <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tsch%C3%BCi_(Fluss)">Tschüi </a>und Talas in den kommenden 25 bis 50 Jahren 25 bis 45 Prozent ihrer Wassermenge verlieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres Beispiel für den Klimawandel, so Maser, ist der Rückgang der Wildtierpopulation. „<em>In dieser Schlucht begann 1988 mein ´Jägerleben´. Damals liefen Wildschweine über die Hänge, Rehe grasten ungehindert. Man konnte sogar das bedrohte </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Argali"><em>Argali</em></a> (ein Riesenwildschaf, Anm. d. Red.)<em> überall sehen. Ich habe selbst gesehen, wie sie keine Angst hatten, auf die Straße zu gehen. Heutzutage sind die Argali praktisch verschwunden! Und es gibt jetzt auch viel weniger Schneeleoparden</em>“, berichtet er.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Wladimir-Maser-1024x683.jpg" alt="Wladimir Maser" class="wp-image-26503" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Wladimir-Maser-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Wladimir-Maser-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Wladimir-Maser-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Wladimir-Maser-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Wladimir-Maser.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Wladimir Maser</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Früher lagen die Temperaturen im Winter bei durchschnittlich -22 bis -25 Grad Celsius. Und jetzt fällt kaum noch Schnee. Und wenn es keinen Schnee gibt, gibt es auch kein Futter. Ein Tier geht ja dorthin, wo es etwas zu fressen gibt</em>“, erklärt Wladimir, „<em>Und was die Rolle der Menschen angeht: Glaubt mir, die Bewohner der Region Talas würden lieber Schafe zum Essen schlachten, als dass sie Argali schießen würden! Wer das tut, ist ein Wilderer! Trotzdem kommt auch das vor. In diesem Jahr wurden zwei weiße Bären erschossen</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maser hält ein vollständiges Jagdverbot für eine Lösung. „<em>Wenn es nach mir ginge, würde ich die Schluchten gut schützen und das Jagen für mindestens 10 bis 15 Jahre komplett verbieten. So könnte sich die Wildtierpopulation erholen. Nur der Steinbock ist bislang noch erhalten. Manchmal kommt ein Bär, insbesondere im Herbst, wenn die Hagebutten reifen. Ist es nicht seltsam, von einem Berufsjäger etwas über ein Jagdverbot zu hören? Aber eigentlich ist es ganz logisch: Wenn wir die Tiere nicht schützen, wird es auch keine zum Jagen geben. Und außerdem jagen Berufsjäger niemals bedrohte Tierarten oder Jungtiere. Ein Mensch erlegt das, was leicht zu fangen ist. Und das sind in erster Linie alte Tiere, die sich nicht mehr fortpflanzen. Ein Jäger jagt nicht, um seinen Kühlschrank zu füllen, sondern aus beruflicher Leidenschaft</em>“, erklärt er.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Maser findet auch, dass es unabdingbar sei, die Anzahl der Weidetiere zu regulieren. „<em>Die Hirten werden das Vieh grasen lassen, weil es eine lebenswichtige Notwendigkeit ist. In den 1990er Jahren hat hier jedoch fast kein Vieh geweidet und jetzt leben die Menschen von Subsistenzwirtschaft. Mit jedem Jahr gibt es mehr und mehr Herden von kleinen und großen Rindern und Pferden in ein und derselben Schlucht! Hinzu kommt, dass jeder Hirte noch fünf bis sechs Hunde hat. Eine so große Anzahl von Tieren auf einer Fläche führt zu Überweidung und letztlich zu Bodendegradierung und dem Verlust der Artenvielfalt“</em>, stellt er fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Jäger erzählt von einem kürzlichen Fall, als er vier Fischer im Urmaral aufgehalten hat. Sie haben 103 Forellen gefangen. „<em>Die essen die Forellen ja nicht auf! Ganz offensichtlich sind das keine Fischer, sondern Händler. Die menschliche Gier stört die Natur</em>“, ist sich Maser sicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Fischunternehmer</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mysa Dschantschikulow ist 54 Jahre alt, die meiste Zeit davon hat er in der Stadt Talas gelebt. Seit seiner Kindheit fischt er am Fluss Urmaral, dem größten Zufluss des Talas. Jetzt ist Dschantschikulow seinem langjährigen Traum ein Stück nähergekommen: Er hat leere, seit 1974 verlassene Teiche für 10 Jahre gemietet, sie gereinigt und sie mit Fischen bestückt. Er träumt davon, die Wilderei einzudämmen, den Leuten Arbeit zu geben und ein Gebiet der Erholung, unter anderen für Hobbyangler, zu schaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Dies wird dazu beitragen, die Artenvielfalt in diesem Gebiet zu erhalten und die Umwelt zu schützen. Ich möchte, dass wir lernen, die Erde zu ehren, auf der wir geboren und aufgewachsen“</em>, sagt Mysa.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam mit einem Unternehmen aus dem Nachbardorf hat Mysa die Trinkwasserversorgung hier sichergestellt. Das Abwasser wird zudem aufbereitet und zur Bewässerung genutzt. Momentan ist der Unternehmer damit beschäftigt, das Gelände zu bereinigen. Dazu hat er Enten gekauft, die er in das Schilf gesetzt hat, welches rund um die Teiche wächst. Er baut Mais an, damit er seine Enten füttern kann.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="695" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Mysa-Dschantschikulow-1024x695.jpg" alt="Mysa Dschantschikulow" class="wp-image-26504" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Mysa-Dschantschikulow-1024x695.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Mysa-Dschantschikulow-300x204.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Mysa-Dschantschikulow-768x522.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Mysa-Dschantschikulow-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Mysa-Dschantschikulow.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Mysa Dschantschikulow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Mysa wünscht sich, dass mehr Kirgisen Fisch essen. Es müssten weniger Nutztiere zur Schlachtung gezüchtet werden, wodurch es eine größere Ernährungssicherheit gäbe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Fischer</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass das Wasser im Talas zurückgeht, bemerken nicht nur die Älteren, sondern auch die Jüngeren. Marat uulu Bajrak ging von klein auf mit seinem Vater, einem begeisterten Fischer, zum Fischen an den Talas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Es gab sehr viele Fische, auch sehr große. Es war nicht ungewöhnlich, dass mein Vater Fische mit einem Gewicht von 40 Kilogramm fing. Und nun sitze ich sehr lange am Ufer. Es gibt zwar Fische, aber nur wenige. Die paar, die es gibt, sind klein. Die Wilderer fischen mit Netzen alles Mögliche und geben den Fischen keine Chance, nachzuwachsen“</em>, erzählt Marat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute geht Marat zum Fischen zur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kirow-Talsperre">Kirow-Talsperre</a>. Sie befindet sich an der Grenze zu Kasachstan in der Tschon-Kapka-Schlucht. Sie dient hauptsächlich als Wasserspeicher für die Bewässerung von Äckern im Talas-Tal und in Kasachstan. Viele Menschen kommen jedoch zur Erholung oder zum Angeln her.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Unsere Nachbarn nutzen auch dieses Wasser</em>“, er zeigt auf die nahegelegenen Hänge, „<em>Schaut, man kann mit bloßen Augen sehen, wie der Wasserstand gesunken ist! Irgendwann war er nicht niedriger als diese Bäume, die auf den Hängen gewachsen sind. Es gibt einfach nicht genug Wasser und bald bekommen wird das zu spüren</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der heilende Fluss</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Saken Dschumakeewoj aus dem Dorf Boo-Terek ist 86 Jahre alt. Der Fluss habe ihr und ihrem Mann ein langes Leben und Gesundheit geschenkt. Sie beten regelmäßig zu Allah und danken ihm für die Vielzahl der natürlichen Quellen in ihrer Heimat Kirgistan. „<em>Wenn der Ursprung einer Quelle rein ist, ist auch ihre Mündung rein. Wenn unsere Gedanken rein sind, sind auch unsere Taten ehrenhaft</em>.<em>“</em> In Kirgistan gibt es Hunderte von Quellen, aus denen man trinken, Wasser schöpfen und es nach Hause bringen kann.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Saken-Dschumakeewoj-und-ihr-Mann-1024x683.jpg" alt="Saken Dschumakeewoj und ihr Mann" class="wp-image-26505" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Saken-Dschumakeewoj-und-ihr-Mann-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Saken-Dschumakeewoj-und-ihr-Mann-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Saken-Dschumakeewoj-und-ihr-Mann-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Saken-Dschumakeewoj-und-ihr-Mann-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Saken-Dschumakeewoj-und-ihr-Mann.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Saken Dschumakeewoj und ihr Mann</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Menschen wie Flüsse</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kirgisen verehren schon immer den Fluss Talas und seine zahlreichen heiligen Quellen. In der Nähe des Ufers bauten Menschen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mazar_(mausoleum)">Masare</a> (heilige Stätten, Anm. d. Redaktion). Die traditionelle Heilerin Erkinbubu Tschomoewa erzählt vom Masar Kanykej-Bulak, der sich in der Nähe des Kenkol-Flusses befindet, ein Nebenfluss des Talas.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/frueher-war-hier-mal-ein-fluss-wie-die-austrocknung-des-urals-das-leben-der-menschen-an-seinem-ufer-veraendert/">Früher war hier mal ein Fluss – Wie die Austrocknung des Urals das Leben der Menschen an seinem Ufer verändert</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>An einer Quelle sitzen und das Wasser nicht trinken – das geht nicht</em>“, sagt Tschomoewa und zählt eine lange Liste von Krankheiten auf, die das Wasser aus verschiedenen Quellen angeblich heilt. „<em>Früher war das Gebiet hier verlassen, aber dann kamen Aktivisten, die das Gelände verschönert haben. Die Natur und die Quellen muss man mit Freundlichkeit und Liebe behandeln. Man muss achtsam damit umgehen und sie schützen. Indem wir die Quellen retten, retten wir unser Land. Es lehrt uns, freundlich und entgegenkommend zu sein. Die Welt um sich herum zu lieben und für sie zu sorgen</em>“, sagt Erkinbubu.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Eltern und Kinder des Flusses</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Elnur Kajnasarowa stammt aus dem Dorf Kopuro-Basar. Die gelernte Ingenieurin ist heute Mutter von mehreren Kindern und Hausfrau. Man müsse seinen Kindern von klein auf beibringen, das Wasser zu schätzen, es nicht zu verschmutzen und sparsam zu verwenden. Genau das haben ihr ihre Eltern und Großeltern beigebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Die Liebe zum Wasser und der achtsame Umgang damit wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Ein mangelnder Respekt gegenüber dem Wasser birgt ein großes Potenzial für soziale Konflikte</em>“, stellt Elnur fest. Sie ist der Meinung, dass die Bergbauindustrie nur mit fortschrittlichen, umweltschonenden Technologien betrieben werden sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kopura-Basar gilt als ein wohlhabendes Dorf. Viele betreiben hier Viehzucht oder sind in der Landwirtschaft für den Export nach Kasachstan tätig. Wie viele andere ist dieses Dorf an Flüssen gelegen, die in den Talas münden, in dessen Nähe Gold abgebaut wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Der goldene Fluss“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ökologe Gamal Soronkulow nennt den Talas einen „goldenen Fluss“. Direkt an den Quellen des Flusses befinden sich primäre Goldlagerstätten: Dtscheruj am Tschu-Koschoj-Fluss, Andasch und Aktasch am rechten Ufer des Karakol-Flusses. Flussabwärts, quasi an den Mündungen jedes Nebenflusses des Talas, befinden sich noch mehr Erz- und Goldvorkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gamal, der aus der Region Talas stammt, kann viele interessante Dinge über den Fluss erzählen, an dem er aufgewachsen ist. „<em>In der Flussaue befindet sich ein wunderschöner Wald. Wie reich Kirgistan ist! Als wäre es erst gestern, kann ich mich daran erinnern, wie Schwärme von Möwen, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kormorane#Verbreitung_und_Lebensraum"><em>Kormoranen</em></a><em> und Reihern in der Nähe des Kirow-</em><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Zakaznik"><em>Sakasnik</em></a> (sowjetisches Naturschutzgebiet, Anm. d. Red.)<em> überwinterten</em>“, erzählt Soronkulow.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gespeist vom geschmolzenen Schnee der Gletscher fließt der Talas 661 Kilometer bis in die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mujunkum">Moıynkum -Wüste</a>, wo er schließlich versiegt. Im Flachland wird das Flusswasser zur Bewässerung genutzt und ist daher seit vielen Jahren für die benachbarten Staaten – Kirgistan und Kasachstan – von großem Interesse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Er ist ein Fluss der guten Nachbarschaft und es ist sehr wichtig, dass er nicht zum Fluss der Zwietracht um Wasser wird</em>!“, betont der Ökologe, „<em>Seit Jahrtausenden gibt der Talas den Menschen Wasser, das sie nährt und tränkt. Wir müssen das Wasser sauber halten und einen Wasserkonflikt mit dem brüderlichen Kasachstan verhindern</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;Gamal Soronkulow betrachtete es als Ehrensache und als seine persönliche Aufgabe, zu verhindern, dass die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Seife_(Geologie)">Seifenlagerstätten</a> am Fluss erschlossen werden. „<em>Das würde zu einer Zerstörung des gesamten Ökosystems des Flusses und des Talas-Tals führen. Sie würden das Flussbett verändern, die Weiden degradieren, die Flora und Fauna der Region ausrotten</em>“, sagt er, <em>„Und für welchen Zweck? Um eine geringe Menge an Gold abzubauen. Das ist inakzeptabel!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Experte erklärt es folgendermaßen: <em>„Schätzungen zufolge birgt die Uramal-Lagerstätte 11 Kilogramm Gold. Doch die Lagerstätte befindet sich auf einer 600 Hektar großen Fläche eines wunderschönen Auwaldes! Das bedeutet, dass ein Hektar sauberes Flussbett, Wälder und Weide mit einem Wert von 7.000 US-Dollar für weniger als 10 Dollar ´verkauft´ wird.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ökologe ist nicht prinzipiell gegen den Bergbau, aber Umwelt- und Gesundheitsauflagen müssten eingehalten werden. Zudem müssten die Gewinne gerecht verteilt werden. Niemand bestreite, dass die gottgegebene Natur ein großes Naturkapital ist. Doch nur unter einer Bedingung: Wenn es vernünftig genutzt und nicht barbarisch zerstört werde.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="674" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Gamal-Soronkulow.jpg" alt="Gamal Soronkulow" class="wp-image-26506" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Gamal-Soronkulow.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Gamal-Soronkulow-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Gamal-Soronkulow-768x575.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/Gamal-Soronkulow-800x600.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption>Gamal Soronkulow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Talas-Flussgebiet ist die Heimat von etwa drei Millionen Menschen in Kirgistan und Kasachstan. Im Jahr 2000 unterzeichneten die Länder ein bilaterales Abkommen über die Nutzung der Wasserversorgungswerke am Fluss Talas. Das Dokument verpflichtet Kasachstan, Kirgistan einen Teil der Kosten für die Instandhaltung und die Reparatur von Kanälen, Dämmen und Stauseen zu erstatten, die Eigentum der Kirgisischen Republik sind, aber beide Länder mit Wasser versorgen. Das Abkommen legt nicht fest, welcher Teil des Flusses welchem Staat angehört. Somit bleibt das Prinzip der gleichmäßigen Aufteilung von Ressourcen erhalten, das bereits zur Zeit der Sowjetunion galt. Kasachstan beschwert sich jedoch regelmäßig darüber, dass es nicht die vereinbarte Menge an Wasser erhält. Allerdings leidet Kirgistan selbst unter einer Wasserknappheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tschu-Talas-Wasserkommission ist dabei ein einzigartiges Beispiel für die Zusammenarbeit im Bereich der Wassernutzung: Es werden gemeinsam Wasserbauwerke betrieben, gemeinsame Lösungen für Probleme in der Wasseraufteilung gesucht und auch die Finanzierung erfolgt auf kooperativem Wege. Dabei richtet sich die Kostenbeteiligung proportional nach der Wassermenge, die das jeweilige Land erhält. Gleichzeitig ist es ein außergewöhnliches Beispiel für die internationale Zusammenarbeit in der Anpassung an den Klimawandel in grenzüberschreitenden Flusseinzugsgebieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nichtdestotrotz ist die Wasserknappheit in Angesicht des sich beschleunigenden Klimawandels und des Einflusses des Menschen ein ernstzunehmendes Problem für die Beziehung der Nachbarstaaten. Die Spannungen könnten proportional zu einem sinkenden Flusspegel steigen. Werden die Länder rechtzeitig etwas verändern können?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Weitere Fotos im Originalartikel auf&nbsp;</em><a href="https://vlast.kz/story/43528-talas-i-ego-ludi.html"><em>Vlast</em></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Wlad Uschakow und Irina Bajramykowa</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Jana Rapp</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Das Projekt „“Developing Journalism &#8211; Exposing Climate Change”“ zielt auf die Identifizierung und Lösung von Problemen des fortschreitenden Klimawandel durch die Entwicklung und Stärkung unabhängiger Medien in Zentralasien. ExpertInnen des </em></strong><a href="https://medialaw.kg/"><strong><em>Zentrums für Medien-Entwicklung</em></strong></a><strong><em> (Kirgistan) sowie der Redaktionen von </em></strong><a href="https://anhor.uz/"><strong><em>Anhor.uz</em></strong></a><strong><em> (Usbekistan), </em></strong><a href="https://asiaplustj.info/"><strong><em>Asia-Plus</em></strong></a><strong><em> (Tadschikistan) und </em></strong><a href="https://vlast.kz/"><strong><em>Vlast</em></strong></a><strong><em> (Kasachstan) leisten Unterstützung als MentorInnen. Das Projekt wurde von </em></strong><a href="https://www.n-ost.org/"><strong><em>n-ost</em></strong></a><strong><em> (Deutschland) und dem Internationalen Zentrum für Journalismus </em></strong><a href="https://medianet.kz/about-us/?lang=en"><strong><em>MediaNet</em></strong></a><strong><em> (Kasachstan) mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt.</em></strong></p>


<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Früher war hier mal ein Fluss – Wie die Austrocknung des Urals das Leben der Menschen an seinem Ufer verändert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Apr 2021 16:28:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Fähre]]></category>
		<category><![CDATA[Fluss]]></category>
		<category><![CDATA[Flussgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>FLUSSGESCHICHTEN. Dass der Ural immer seichter wird, ist bereits nicht mehr zu verbergen. Der drittl&#xE4;ngste Fluss Europas wird seit zehn Jahren immer flacher, was sich vor allem in den letzten drei Jahren besonders bemerkbar gemacht hat. Um zu verstehen, wie die Verflachung des Urals das Leben entlang des Flusses ver&#xE4;ndert, haben die Journalisten Lukpan Akhmed&#x131;arov [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>FLUSSGESCHICHTEN. Dass der Ural immer seichter wird, ist bereits nicht mehr zu verbergen. Der drittlängste Fluss Europas wird seit zehn Jahren immer flacher, was sich vor allem in den letzten drei Jahren besonders bemerkbar gemacht hat. Um zu verstehen, wie die Verflachung des Urals das Leben entlang des Flusses verändert, haben die Journalisten Lukpan Akhmedıarov und Raul Uporov Menschen getroffen, die an seinen Ufern leben und von diesem Fluss abhängig sind. Die folgende Reportage erschien am 27. Januar 2021 auf </strong><a href="https://vlast.kz/story/43543-ranse-byla-reka.html"><strong>Vlast</strong></a><strong>. Wir übersetzen sie mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem gesamten Abschnitt des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ural_%28Fluss%29">Urals</a>, die er durch das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Westkasachstan">Gebiet Westkasachstan</a> fließt, sind die Ufer des Flusses durch drei Brücken und vier Fähren verbunden. Zwar wirken Fähren wie aus der Zeit geschlagen, tatsächlich transportieren die vier Fährverbindungen in der Region jedoch jährlich bis zu einer halben Million Menschen während der gesamten Saison. Dank ihnen können die AnwohnerInnen Bekannte besuchen, Hochzeiten feiern, Lebensmittel und notwendige Informationen erhalten oder auch einfachen Handel betreiben. Manchmal müssen Fährleute sogar Trauerzüge von einem Ufer ans andere befördern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um uns die Arbeit der Fähren anzusehen, machen wir eine kleine Reise mit einer Länge von fast 500 Kilometern. Unser Weg beginnt am europäischen Ufer des Flusses und führt uns zum Dorf Baturino im Bezirk Aqjaýıq. Vom Rand des Dorfes verläuft eine unbefestigte Straße in Richtung Flussauen. Die von vielen Rädern ausgefahrene Landstraße ist kaum schlechter als der Asphalt, auf dem wir von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oral_(Stadt)">Oral</a> nach Baturino kamen. Wir fahren entlang der Auen in Richtung Wald, hinter dem der Fluss fließt. Unterwegs halten wir ein paar entgegenkommende Autos an, um nach dem Weg zur Fähre zu fragen.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Fahr auf der am stärksten ausgefahrenen Straße. Du wirst dich nicht verfahren“</em>, erklärt mir der Fahrer eines alten &#8222;Zehners&#8220; [ein Wagen des Modells <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/WAS-2110">Lada 2110</a>, Anm. d. Ü.]. In seinem Auto sitzen zwei Passagiere. Das Innere ist voll mit Decken. Eine Truhe auf dem Dach des Wagens ist am Kofferraum befestigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Meine Tochter hat einen Mann aus Taıpaq [ein Dorf im Gebiet Westkasachstan, Anm. d. A.] geheiratet. Die Großmütter haben Decken für ihr neues Haus genäht“</em>, erklärt mir der Fahrer. Ihm zufolge war es vor zehn Jahren noch möglich, sich hier zu verfahren. Vom Waldrand bis nach Baturino wuchs hohes Gras und es gab mehrere Seen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ural-fluss-verschwindet/"><strong>Der Ural – ein Fluss verschwindet</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Früher kamen nur Angler hierher oder Einheimische gingen in den Wald, um Beeren zu suchen. Und jetzt trocknet alles aus. Die Seen sind ausgetrocknet, das Gras ist nicht mehr das gleiche wie früher. Man kann schnell fahren, denn man kann weit sehen“</em>, sagt der Fahrer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Worte des Fahrers werden durch die Landschaft bestätigt &#8211; die seltenen Haine bestehen aus zerbrechlichen jungen Bäumen mit einer trockenen Spitze. Hier und da sind dicke Stämme von ausgetrockneten und umgestürzten Bäumen sichtbar. Da die Dörfer auf dieser Flussseite mit Gas versorgt werden, ist lange Zeit niemand mehr in den Wald gegangen, um Brennholz zu holen. Auf dem Weg zum Wald, kommen wir an drei oder vier ausgetrockneten Seen vorbei. Weiden und trockenes Schilf weisen darauf hin, dass es hier einmal Wasser gab.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Fähre</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich durchqueren wir den Wald und erreichen nach ein paar hundert Metern das Flussufer. Direkt am Ufer befinden sich zwei Holzbretter, ein altes Metallbett und ein tief in den Boden eingegrabenes Rohr, von dem aus ein Metallkabel zum gegenüberliegenden Ufer führt. Das Ufer, an dem wir stehen, ist sanft, das gegenüberliegende ist steil. Auf der anderen Seite liegt die Fähre am Ufer fest &#8211; zwei in Längsrichtung geschnittene Metallfässer, darauf das aus Brettern gefertigte Deck mit Geländern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Mann kommt aus dem Häuschen und fragt uns: <em>„Fähre?“</em> Wir bejahen. <em>„Sofort.“</em>&#8211; antwortet der Mann, während er sich in Richtung Häuschen dreht und scheinbar mit jemandem redet. Ein zweiter Mann kommt heraus, beide steigen zum Wasser hinab und beginnen, die Fähre entlang des Kabels zu unserem Ufer zu ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Fähre landet nach wenigen Minuten an. Da wir den gesamten Vorgang mit der Kamera filmen, fragen sie, wer wir sind und warum wir filmen. Wir erklären, dass wir Journalisten sind und Material über den Ural und die Menschen an seinen Ufern zusammenstellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ihr kamt zu spät auf die Idee, darüber zu berichten. Der Fluss ist nicht mehr da. Wenn er weiter so verflacht, wird in ein oder zwei Jahren keine Fähre mehr benötigt“</em>, antwortet einer der Fährleute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der zweite bildet aus den Holzbrettern eine Rampe zur Fähre und zeigt mir, wie ich das Auto auf die Fähre fahren soll. Jetzt stelle ich vorsichtige Fragen. Werden die Rampen dem Gewicht des Autos standhalten? Werden wir mitten im Fluss sinken? Und wie fährt man auf diese Konstruktion?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Keine Angst! In der Regel transportieren wir zwei Autos gleichzeitig. Noch hat sich niemand beschwert“</em>, lacht Qýandyq, einer der beiden Fährleute. Vorsichtig fahre ich die Rampe hinauf zum Deck der Fähre. Die Fährleute zeigen mir mit ihrer Hand, dass ich bis zum Ende der Fähre fahren muss. <em>„Langsam fahren, Motor abstellen“</em>, weist man mich an, während Holzkeile unter die Räder des Autos geschoben werden, damit es nicht wegrollt.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://vlast.kz/media/upload/longrid/1a8f07708afa1f805caf49bdbe425c76.png" alt=""/></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Männer nehmen Eisenstangen, klammern sich mit deren verbogenen Ende an das Kabel und beginnen, es zu sich zu ziehen. Obwohl die Konstruktion schwer wirkt, verlässt die Fähre das Ufer recht leicht und beginnt, entlang des Kabels zum gegenüberliegenden Ufer zu treiben. Qýandyq und Baýyrjan arbeiten als Angestellte auf der Fähre. Die Fähre selbst gehört einem Anwohner, der offiziell als Einzelunternehmer registriert ist und Steuern zahlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Solche Fähren gibt es noch flussaufwärts in Mergen und Esensaı und flussabwärts in Almaly. Sie alle sind selbstgebaut und wurden vor ungefähr 10-15 Jahren in Betrieb genommen, als der Ural flach wurde. Früher konnten solche Fähren nicht genutzt werden, da der Ural jedes Frühjahr zu Hochwasser führte und den Wald und die Auen überflutete. In den letzten 15 Jahren hat der Fluss seine Ufer nicht mehr verlassen. Personen unter 20 Jahren erinnern sich überhaupt nicht daran, dass das Wasser den Wald und die Wiesen überflutet hat. Wenn du ihnen davon erzählst, glauben sie es nicht“</em>, erklärt Baýyrjan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Fähren sind kostenpflichtig. Laut unseren Gesprächspartnern sind auch die Preise unterschiedlich. Unsere Fährverbindung ist die günstigste. Die Überfahrt kostet 700 Tenge [circa 1,30 Euro, Anm. d. Ü.] pro Auto und Richtung.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://vlast.kz/media/upload/longrid/cef05a3295366dd56273f10bf45b0d52.png" alt=""/></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Früher war die Arbeit schwieriger. Es gab mehr Wasser im Fluss und die Strömung war stärker. Bei Hochwasser im Frühjahr haben wir 10-15 Minuten für eine Überfahrt gebraucht. Und jetzt sind es 5-6 Minuten.“</em> Laut unseren Gesprächspartnern arbeitet die Fähre von 8 bis 20 Uhr. Mittagspause ist von eins bis zwei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir transportieren ungefähr 10-15 Autos pro Tag. An Wochenenden, wenn jemand eine Hochzeit, einen Qudalyq [ein kasachischer Brauch zur Vermittlung einer Ehe, Anm. d. Ü.] oder eine Beerdigung im Dorf hat, werden bis zu 30 Autos befördert. An Wochentagen ist morgens und abends Stoßzeit &#8211; wenn alle vom Dorf ins Bezirkszentrum oder in die Stadt reisen und abends nach Hause zurückkehren.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir fragen, ob die Verflachung des Urals einen starken Einfluss auf ihr Leben hat. <em>„Wie kann ich es sagen? Unmerklich. Ich befürchte bloß, dass der Fluss in den kommenden Jahren so flach wird, dass Furten darauf erscheinen und die Fähre dann von niemandem mehr benötigt wird.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Und in welchem Ausmaß ist der Fluss flacher geworden?“</em>, fragen wir. <em>„Siehst du die Baumstämme, die am anderen Ufer aus der Klippe herausragen?“</em> – Qýandyq zeigt mit seiner Hand auf die modernden Baumstämme, die auf einer Höhe von 2 bis 2,5 Metern über dem Wasser aus dem Ufer ragen. <em>„2010 war dort der Anleger. Jedes Jahr müssen wir ihn etwas tiefer legen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-letzten-ihrer-zunft-ueber-schiffsmechaniker-und-flusskapitaene-auf-dem-ural/"><strong>Die Letzten ihrer Zunft – Über Schiffsmechaniker und Flusskapitäne auf dem Ural</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir fragen, ob man hier Fische fangen könne. <em>„Fische – das ist sein Thema“</em>, lacht Baýyrjan und nickt in Richtung Qýandyq. <em>„Manchmal gehe ich angeln. Aber um ehrlich zu sein, es gibt natürlich nicht mehr solche Fische wie früher. In den 90er Jahren konnte man 3-4 Kilogramm schwere </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zander"><em>Zander</em></a><em> im Fluss fangen. Und in den letzten drei Jahren habe ich keinen einzigen Zander gefangen. Es gibt sie nicht mehr. </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rapfen"><em>Rapfen</em></a><em> kommen noch manchmal, sehr selten vor, und wenn, dann sind sie klein &#8211; ein halbes bis ganzes Kilogramm maximal. Früher habe ich solch kleine Fische wieder ins Wasser gelassen“</em>, sagt Qýandyq.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir legen an und die Fährleute helfen, das Auto an Land zu rollen. Zu diesem Zeitpunkt wartet bereits ein anderes Auto am gegenüberliegenden Ufer und meine Gesprächspartner machen sich auf den Weg, es überzusetzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Fluss als Grenze</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte der Orte kann anhand der Ortsnamen beiderseits des Urals zurückverfolgt werden. Wenn man auf die Karte schaut, sieht man am linken Ufer Namen wie Lbischensk, Kolovertnoe, Skvorkino, Yanaikino. Am gegenüberliegenden Ufer heißen die Dörfer Esensaı, Qyzyljar, Karasu, Aqjaýiq. Diese Teilung entlang der Ufer fand vor mehr als 300 Jahren statt, als die Behörden des Russischen Reiches <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kosaken">Kosaken</a> am linken Ufer ansiedelten. Die SteppenbewohnerInnen erhielten das rechte Ufer. Bis in die 1980er Jahre machte sich dies auch in der ethnischen Zusammensetzung der Dörfer bemerkbar. Am linken Ufer lebten hauptsächlich RussInnen und Kosaken, am linken Ufer KasachInnen. Von den späten 1980er bis 2000er Jahren führte die aktive Auswanderung russischsprachiger Menschen aus Kasachstan nach Russland dazu, dass die ehemaligen Kosakendörfer überwiegend kasachisch wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer heute nach Lbischensk oder ins Dorf Kalenoe kommt, wird kaum RussInnen oder Nachkommen der Kosaken finden. Daran, dass sie einst in diesen Dörfern lebten, erinnern nur die überwucherten orthodoxen Friedhöfe mit ihren Kreuzen oder aber &#8211; im Dorf Mergenevo &#8211; die Ruinen einer alten Kirche. Auch aus diesem Grund wurden die Fähren erst vor relativ kurzer Zeit eingerichtet. KasachInnen, die jetzt an beiden Ufern des Flusses leben, unterstützen aktiv die traditionellen sozialen Beziehungen. Sie fühlen sich einem Clan zugehörig oder besuchen regelmäßig die „qudalar“, die angeheirateten Verwandten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem wir die erste Fähre verlassen haben, fahren wir auf einer unasphaltierten Piste flussaufwärts in das Dorf Esensaı &#8211; 30 Kilometer von der Stelle entfernt, an der wir den Fluss überquert haben. Esensai ist einer der ältesten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aul">Aule</a> und wurde vor 200 Jahren gegründet. Unweit des Auls befindet sich ein Familienfriedhof, auf dem Menschen desselben Clans begraben sind: Qynyq. Die Trasse (wie hier die unaspaltierte Piste genannt wird) führt in Richtung Dorf. In einer Kurve steht ein Wegweiser mit dem Namen des Dorfes und ein selbstgemachter Wegweiser mit der lakonischen Inschrift &#8222;Fähre&#8220;. Die Straße von Esensaı zur Fähre führt auch durch einen Wald. Aber der Wald bei Esensaı besticht durch seine Schönheit &#8211; riesige jahrhundertealte Bäume, durchsetzt mit kleinen Seen und ohne verstreuten Müll in Form von Flaschen und allgegenwärtigen Plastiktüten. Die Fähre ist nicht schwer zu finden &#8211; es gibt nur eine Straße, die durch den Auenwald dorthin führt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/409dacc0d006794ecb6bab5670ab2778_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-26383" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/409dacc0d006794ecb6bab5670ab2778_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/409dacc0d006794ecb6bab5670ab2778_900xauto-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/409dacc0d006794ecb6bab5670ab2778_900xauto-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/409dacc0d006794ecb6bab5670ab2778_900xauto-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch diese Fähre wird von zwei Fährmännern betrieben &#8211; Azamat und Nurbol. Wir fragen sie, warum Fähren in diesem Abschnitt des Flusses so gefragt sind. <em>„Man kann die Stadt entweder über eine Piste ohne Asphalt erreichen oder aber man fährt mit der Fähre und ist sofort auf der Trasse Oral &#8211; </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau"><em>Atyraý</em></a><em>. Um zum Bezirkszentrum Chapaevo zu gelangen, muss man 200 Kilometer über eine Piste nach Oral fahren und von dort aus 120 Kilometer nach Chapaevo. Wenn man den Fluss mit der Fähre überquert, ist man bereits nach einer halben Stunde in Chapaevo“</em>, erklärt Azamat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Fähre unterscheidet sich praktisch nicht von der vorherigen &#8211; die gleichen geschweißten Metalltanks und ein &#8222;Deck&#8220; aus Brettern. Die Fähre wird durch die Kraft der Hände in Bewegung gesetzt, die am Kabel ziehen, welches von Ufer zu Ufer gespannt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Azamat beschwert sich darüber, dass der Fluss flach ist: <em>„Ich fürchte, wir werden bald den Fluss zu Fuß überqueren. Niemand wird mehr eine Fähre brauchen.“ </em>Er zeigt auf eine Sandbank, die mit jungem Schilf bewachsen ist. <em>„Diese Insel ist letztes Jahr erschienen. In diesem Jahr hat bereits das Schilf begonnen, darauf zu wachsen. Seit letztem Jahr ist sie größer geworden. Einerseits wird der Fluss flach und andererseits spült die Strömung ständig Sand an. Wenn diese Insel so schnell wächst, müssen wir leider die Fähre versetzen“</em>, sagt Azamat.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kosaken</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Fähre landet in der Nähe des Dorfes Mergenevo an, 80 Kilometer von Chapaevo entfernt. Das ehemalige Kosakendorf war in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Hochburg des Widerstands lokaler Kosaken gegen die Sowjetmacht. Die offizielle Geschichte besagt, dass der berühmte rote Kommandant <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wassili_Iwanowitsch_Tschapajew">Vasili Chapaev</a> irgendwo stromaufwärts im Ural ertrunken ist. Lokale Kosaken bestanden darauf, dass ihre Großväter Chapaev in der Nähe dieses Dorfes mit Säbeln töteten. Heute ist kein einziger Nachkomme dieser Kosaken mehr im Dorf. Einer der wenigen, die dieses Dorf Ende der 1980er Jahre verlassen haben, ist der 85-jährige Gennadi Elov. Er zog nicht weit weg von diesem Ort und lebt derzeit mit seiner Frau Valentina im Dorf Tóńkeris, 200 Kilometer flussaufwärts am Ural.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz des Wohnortwechsels hat Gennadi Elov hat das wichtigste nicht geändert: Er lebt immer noch am Ufer des Urals. Wie viele Generationen seiner Vorfahren lebt der ältere Herr in traditioneller Beziehung zum Fluss. Er angelt, sammelt Pilze und macht im Wald Brennholz. Als wir ihn in Tóńkeris besuchen, werden wir von seiner Enkelin Dascha empfangen. Sie sagt, ihr Großvater sei in den Wald gegangen, um Pilze zu suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/leben-mit-dem-fluss-der-naryn-in-kirgistan/"><strong>Leben mit dem Fluss: Der Naryn in Kirgistan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Haus der Elovs belegt, dass Fluss und Wald nah sind &#8211; auf dem Tisch stehen Gläser mit eingelegten Pilzen, ein Dutzend getrocknete Fische hängen an einer Schnur unter der Decke. Für diesen getrockneten Fisch ist Gennadi Elov unter den KneipenbesitzerInnen am Ural bekannt. Sie kommen regelmäßig zu ihm und kaufen seinen getrockneten Fisch, der eine besondere Konsistenz hat, die andere nicht hinbekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So stellt auch Tante Valya [Koseform von Valentina, Anm. d. Ü.] klar, dass Menschen aus Oral und Aqsaı zu ihnen kommen, um getrockneten Fisch zu kaufen. <em>„Es ist immer so &#8211; wir Frauen kochen und trocknen und die Männer bekommen den ganzen Ruhm. Er ist nicht derjenige, der den Fisch zubereitet. Glaubst du, er salzt und trocknet alles? Er bringt den Fisch, wirft ihn hin, und ich quäle mich. Ich kann mich nicht davor retten. Möge das Eis schneller kommen, damit ich mich etwas ausruhen kann“</em>, erzählt die ältere Frau und sortiert die frischen Fische &#8211; ein paar <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hecht">Hechte</a> und drei <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Brachse">Brassen</a>.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://vlast.kz/media/upload/longrid/261d501b1660ac7401bb577e72967a4f.png" alt=""/></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie den Grund für unseren Besuch erfährt, warnt sie: <em>„Es ist unwahrscheinlich, dass er dir hilft. Sein Charakter ist so. Ein kleiner Kosake. Stur. Er hat eine eigene Ecke im Wald am Ufer, wo er fischt. Die Einheimischen nennen diesen Ort „Elovs Winkel“. Er nimmt niemanden dorthin mit. Verschiedene Leute aus der Stadt sind gekommen und haben gefragt, ihm sogar Geld angeboten. Aber er lehnt allen ab.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einer Weile kommt Gennady Elov auf seinem knatternden Motorrad an. Nachdem er uns kaum zugehört hat, lehnt er sofort kategorisch ab: <em>„Ihr habt dort nichts verloren! Ich werde euch nicht dorthin bringen.“</em> Wir machen noch ein paar Versuche, ihn zu überzeugen, aber der alte Mann bleibt hartnäckig: <em>„Ich werde es euch nicht zeigen.&#8220;</em> Enkelin Dascha rettet die Situation: <em>„Opa, ich möchte in den Wald gehen. Kann ich mit dir mit?“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anscheinend ist die Macht des Mädchens über ihren Großvater grenzenlos. Er grunzt leise <em>&#8222;Du rennst einem immer zwischen den Beinen rum&#8220;</em>, stimmt aber zu, mit uns zum Fluss zu fahren. Es stellt sich heraus, dass „Elovs Winkel“ wirklich ein Winkel ist. An einer sanften Flussbiegung des Urals steigt das Ufer steil an. <em>„Warum ich keine Fremden hierherbringen will? Sobald Leute auftauchen, wird alles schlimmer. Feuer werden angezündet, Müll und Flaschen liegen herum. Ich selbst trinke nicht und mag keine betrunkenen Menschen.“</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/88d422b28115352d13307e1a0b75cfea_autox1120-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-26382" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/88d422b28115352d13307e1a0b75cfea_autox1120-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/88d422b28115352d13307e1a0b75cfea_autox1120-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/88d422b28115352d13307e1a0b75cfea_autox1120-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/88d422b28115352d13307e1a0b75cfea_autox1120-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/88d422b28115352d13307e1a0b75cfea_autox1120-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/88d422b28115352d13307e1a0b75cfea_autox1120-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/88d422b28115352d13307e1a0b75cfea_autox1120.jpg 1680w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Gennadi Elov zeigt auf einen Wald auf der anderen Seite des Flusses. <em>„Ein Seeadler-Paar hat dort genistet. Sie lieben Fisch. Wenn diese Vögel am Fluss nisten, gibt es Fische im Fluss. Und meine Adler sind seit drei Jahren nicht mehr gekommen. Denn es gibt im Fluss keine Fische mehr. Ich habe hier schon alle Arten von Fischen gefangen! Und jetzt gibt es nur noch miesen Fisch &#8211; </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rotfeder"><em>Rotfedern</em></a><em> und andere kleine Dinger. Vor zehn Jahren habe ich solche Fische zurück in den Fluss gesetzt. Und heute ist das schon Fisch“</em>, sagt Gennadi Elov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber noch mehr Sorgen macht er sich um den Zustand des Waldes. Er führt uns von einer Mulde zur nächsten und zeigt uns trockene, grasbewachsene Vertiefungen. <em>„Früher war alles mit Wasser gefüllt. Es gab Wasser. Im Frühjahr kamen </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karpfen"><em>Karpfen</em></a><em> im flachen Wasser hierher, um zu laichen. Und am Ende des Sommers oder im Herbst haben wir sie hier gefangen. Im Sommer fressen sie und werden prall wie Schweine. Im Moment ist das alles wie ein Märchen. Wenn du jemandem davon erzählst, glaubt er es nicht“</em>, sagt Gennadi Elov.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Dann führt er uns zu einer Waldlichtung, in deren Mitte er uns bittet, zum Waldrand zurückzublicken. <em>„Siehst du die vielen trockenen Wipfel? Kein einziger gesunder Baum. Alles trocknet aus. Es gibt kein Wasser. Früher bin ich zum Angeln oder in den Wald gegangen und habe kein Wasser mitgenommen. Man konnte graben und etwas Quellwasser trinken. Und jetzt gibt es kein Wasser. Wir im Dorf haben uns irgendwie entschlossen, die Brunnen zu graben. Man brachte Ausrüstung und Spezialisten. Wir sind 80 Meter tief gegangen, aber es gibt kein Wasser. Daher trocknet der Wald aus. Ich fürchte, ihre Kinder werden das hier nicht mehr sehen“</em>, sagt Gennadi und nickt in die Richtung von Enkelin Dascha.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gennadi Elov meint, dass der fallende Wasserspiegel im Fluss ein &#8222;Verdienst&#8220; des Menschen sei. Dämme, Kanäle und das unkontrollierte Fällen von Bäumen in den späten 90er Jahren hätten dazu geführt, dass es möglicherweise in Zukunft am Ural einen solchen Auenwald nicht mehr geben wird. Als er jung war, trat im Frühjahr der Ural derart über die Ufer, dass es passieren konnte, dass man die andere Seite nicht mehr sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Weitere Fotos im Originalartikel auf </em><a href="https://vlast.kz/story/43543-ranse-byla-reka.html"><em>Vlast</em></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lukpan Ahmedıarov und Raul Uporov</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Das Projekt „“Developing Journalism &#8211; Exposing Climate Change”“ zielt auf die Identifizierung und Lösung von Problemen des fortschreitenden Klimawandel durch die Entwicklung und Stärkung unabhängiger Medien in Zentralasien. ExpertInnen des </em></strong><a href="https://medialaw.kg/"><strong><em>Zentrums für Medien-Entwicklung</em></strong></a><strong><em> (Kirgistan) sowie der Redaktionen von </em></strong><a href="https://anhor.uz/"><strong><em>Anhor.uz</em></strong></a><strong><em> (Usbekistan), </em></strong><a href="https://asiaplustj.info/"><strong><em>Asia-Plus</em></strong></a><strong><em> (Tadschikistan) und </em></strong><a href="https://vlast.kz/"><strong><em>Vlast</em></strong></a><strong><em> (Kasachstan) leisten Unterstützung als MentorInnen. Das Projekt wurde von </em></strong><a href="https://www.n-ost.org/"><strong><em>n-ost</em></strong></a><strong><em> (Deutschland) und dem Internationalen Zentrum für Journalismus </em></strong><a href="https://medianet.kz/about-us/?lang=en"><strong><em>MediaNet</em></strong></a><strong><em> (Kasachstan) mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt.</em></strong></p>


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		<title>Die Letzten ihrer Zunft &#8211; Über Schiffsmechaniker und Flusskapitäne auf dem Ural</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Apr 2021 16:25:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Fluss]]></category>
		<category><![CDATA[Flussgeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>FLUSSGESCHICHTEN. In den letzten f&#xFC;nf Jahren ist der Ural so flach geworden, dass die Schifffahrt fast unm&#xF6;glich geworden ist. Schiffsmechaniker und Schiffsf&#xFC;hrer sind als Berufe fast ausgestorben &#x2013; ihre Arbeitsst&#xE4;tten verschwinden physisch. Im Rahmen des Projekts &#x201E;Kleine Leute &#x2013; Gro&#xDF;er Fluss&#x201C; haben Lukpan Ahmed&#x131;arov und Raul Uporov, Journalisten der Lokalzeitung Uralskaja Nedelja, Menschen getroffen, deren [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>FLUSSGESCHICHTEN. In den letzten fünf Jahren ist der Ural so flach geworden, dass die Schifffahrt fast unmöglich geworden ist. Schiffsmechaniker und Schiffsführer sind als Berufe fast ausgestorben – ihre Arbeitsstätten verschwinden physisch. Im Rahmen des Projekts &#8222;Kleine Leute – Großer Fluss&#8220; haben Lukpan Ahmedıarov und Raul Uporov, Journalisten der Lokalzeitung </strong><a href="https://www.uralskweek.kz/"><strong>Uralskaja Nedelja</strong></a><strong>, Menschen getroffen, deren Leben sich aufgrund des flachen Flusses verändert. Ihr Artikel erschien im russischsprachigen Original am 25. Januar 2021 auf </strong><a href="https://vlast.kz/story/43498-poslednie-iz-kapitanov.html"><strong>Vlast</strong></a><strong>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Chapaev-Becken ist ein perfekter Ort, um einen postapokalyptischen Film zu drehen. Am sanften Ufer liegen Boote und Lastkähne. Einige von ihnen rosten deutlich, und aus ihrem Äußeren lässt sich schließen, dass sie nie wieder zu Wasser gelassen werden. Alte unverständliche Mechanismen und stellenweise mit Grasloden überwachsene Schiffsstapel, über die die Flussschiffe einst ins Wasser gelassen wurden. Nur in der riesigen Werkstatt arbeiten noch mehrere Männer an alten Maschinen im Stil des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Steampunk">Steampunk</a>.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Vor 10 bis 15 Jahren war das Becken vollständig mit Wasser bedeckt. Schiffe mit großem Tiefgang konnten hierherkommen und repariert werden. Das ganze Becken war voll mit Schiffen und Lastkähnen. In den letzten Jahren ist der Wasserstand jedoch stetig gesunken. Und in den letzten fünf Jahren können wir nur Schlepper mit einem Tiefgang von nicht mehr als 70-80 Zentimetern herbringen. Aufgrund des fallenden Wasserspiegels im </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ural_(Fluss)"><em>Ural</em></a><em> hat sich auch die Fläche des Beckens stark verringert. Wir können nicht mehr so ​​viele Schiffe herbringen wie früher“</em>, sagt Vladimir Samsonov, Direktor der Ural-Werft.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine traditionsreiche Geschichte</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ural-Werft ist eines der ältesten Industrieunternehmen der Region. Die Anlage wurde in den frühen 30er Jahren des letzten Jahrhunderts am Chapaev-Becken gegründet. Alle Schiffe, die zwischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Orenburg">Orenburg</a> und dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspisches_Meer">Kaspischen Meer</a> auf dem Ural fuhren, wurden hier gebaut und repariert. Das Chapaev-Becken ist eine Bucht nahe der Fleischverarbeitungsanlage am Stadtrand von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oral_(Stadt)">Oral</a>. In den frühen 40er Jahren wurde die Werft zum vorübergehenden Unterschlupf für die aus Moskau und Leningrad evakuierten Maschinenbauwerke. Später, nach dem Zweiten Weltkrieg, wurden die evakuierten Werke in die Fabriken „Omega“ und „Zenit“ umgewandelt. Aber nur wenige EinwohnerInnen von Oral wissen, dass die evakuierten Maschinen während des Krieges in den Werkstätten der Ural-Werft liefen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gesamte Geschichte der Ural-Werft ist auf Fotografien festgehalten. Sie hängen an den Wänden des Verwaltungsgebäudes der Anlage. Der derzeitige Direktor Vladimir Samsonov zeigt uns die Fotos, von denen jedes seine eigene Geschichte hat. Eines zeigt zwei Dutzend Männer. Das Foto ist schwarz-weiß, sehr alt und nach der Kleidung zu beurteilen, wurde es lange vor dem Krieg aufgenommen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/0f34b4c1bea3045524fca75d9e57da66_autox1120-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-26253" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/0f34b4c1bea3045524fca75d9e57da66_autox1120-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/0f34b4c1bea3045524fca75d9e57da66_autox1120-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/0f34b4c1bea3045524fca75d9e57da66_autox1120-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/0f34b4c1bea3045524fca75d9e57da66_autox1120-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/0f34b4c1bea3045524fca75d9e57da66_autox1120-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/0f34b4c1bea3045524fca75d9e57da66_autox1120-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/0f34b4c1bea3045524fca75d9e57da66_autox1120.jpg 1680w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Mit diesen Leuten hat alles angefangen. Mitte der 1920er Jahre fuhren sie den Ural vom Kaspischen Meer bis nach Orenburg mit Booten ab. Sie erstellten eine Navigationskarte des Flusses und gaben allen Steilufern Namen. Das weiße Steilufer in Aqsýat [einem Vorort von Oral, Anm. d. Ü.], das Saurkin-Steilufer im Bereich der Roten Schule, das Gedrehte Steilufer &#8211; das sind Namen, die sie auf den Karten notiert haben und die bis heute erhalten sind“</em>, sagt Vladimir Samsonov.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/leben-mit-dem-fluss-der-naryn-in-kirgistan/"><strong>Leben mit dem Fluss: Der Naryn in Kirgistan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die alten Fotos zeigen Seiten der Unternehmensgeschichte, die heute unglaublich erscheinen. Auf einem der Bilder schleppt ein Raddampfer drei mit Holz beladene Lastkähne. Laut Samsonov sind solche Raddampfer noch vor relativ kurzer Zeit &#8211; bis Mitte der 70er Jahre &#8211; den Fluss entlanggefahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich selbst habe noch an einem solchen Schiff gearbeitet. Es kann sicherlich nicht mit den aktuellen Schleppern verglichen werden. Es bewegte sich langsam, hatte aber eine hohe Zugkraft und schleppte die Lastkähne hinter sich her. Später, in den späten 70er Jahren, tauchten die heutigen Schleppschiffe auf, die im Gegensatz dazu den Lastkahn auf einer starren Kupplung vor sich her drücken. Alle diese Schiffe wurden von uns repariert“</em>, sagt Samsonov.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/048f1a9a799c22566bc02ec87d6dcb01-1024x768.jpeg" alt="" class="wp-image-26255" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/048f1a9a799c22566bc02ec87d6dcb01-1024x768.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/048f1a9a799c22566bc02ec87d6dcb01-300x225.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/048f1a9a799c22566bc02ec87d6dcb01-768x576.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/048f1a9a799c22566bc02ec87d6dcb01-800x600.jpeg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/048f1a9a799c22566bc02ec87d6dcb01.jpeg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Samsonov zeigt uns ein weiteres Foto, das den Moment des Stapellaufs eines Hochsee-Lastkahns festhält. Die Tatsache, dass er viel größer als der Fluss ist, kann sogar auf dem Foto erkannt werden. Heutzutage ist es unwahrscheinlich, dass ein solcher Lastkahn in das Chapaev-Becken passt. Und es ist praktisch unmöglich, ihn durch den flachen Ural vom Kaspischen Meer bis nach Oral zu transportieren. Die Ural-Werft war ein Zentrum für die Reparatur von Schiffen im gesamten Unterlauf des Urals &#8211; vom Kaspischen Meer bis nach Orenburg.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Unsere Hauptarbeitszeit war der Winter. Am Ende der Schifffahrtssaison, etwa im November, kamen Schiffe zu geplanten Reparaturen zu uns. Sie wurden über diese Stapel an Land gehoben, auf speziellen Wagen durch das Gebiet des Werks transportiert und bis zum April, dem Beginn der nächsten Schifffahrtssaison, in Ordnung gebracht“</em>, sagt Vladimir Samsonov.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Ural trocknet aus</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stapel, auf denen die Schiffe das Wasser verließen und erreichten, sind bis heute erhalten. Am Ufer stehen etwa ein Dutzend leistungsstarke Elektromotoren in einer Reihe, an denen über Kabel Wagen befestigt sind. Diese stehen auf Schienen, welche das seichte Ufer hinunter ins Wasser führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Gesprächspartner erklärt, wie flach der Ural ist, und führt uns entlang zum Wasser. Dort zeigt er einen in den Boden getriebenen Eisenpfosten mit Markierungen. <em>„Ich habe einst angeordnet, den Pfahl einzurammen, damit der Wasserstand daran gemessen werden kann. Sie sehen, er ist komplett auf dem Trockenem. Aber im Frühjahr, wenn das Wasser bis zu dieser Marke steigt, bedeutet dies, dass wir die Schiffe ins Wasser lassen können“</em>, zeigt Samsonov auf eine der Marken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort, wo die Stapel enden, verlaufen sich rechtwinklig kreuzende Schienen über den Hof, als ob sie ihn in Zellen ziehen würden. Laut Samsonov wurden die an Land gebrachten Schiffe einst entlang dieser Schienen transportiert. Mit Hilfe von leistungsstarken Wagenhebern und Kränen wurden Boote und Schlepper angehoben und die Drehgestelle unter ihnen auf andere Schienen gestellt. So wurden die Schiffe zur Reparatur in verschiedene Teile der Anlage geleitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute stehen in der Werft zwei Flussschlepper und ein Hochseeboot zur Reparatur. Letzteres unterscheidet sich dadurch, dass es einen vollwertigen Propeller hat. <em>„Wir haben dieses Boot am Shalqar [einem See südlich von Oral, Anm. d. Ü.] gefunden. Es stand verlassen da und rostete langsam. Wir haben es in unsere Werft geholt und beschlossen, es zu reparieren. Das Deckshaus und die meisten Aufbauten sind gut erhalten, da sie aus Aluminiumblech gefertigt wurden. Aber am Rumpf haben wir noch zu kauen“</em>, sagt Vladimir Samsonov.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ural-fluss-verschwindet/"><strong>Der Ural – ein Fluss verschwindet</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Um das Boot zu reparieren, musste es praktisch neu gebaut werden. Zwei Jahre lang haben die Spezialisten der Werft den Rumpf komplett restauriert und den Antrieb ersetzt. Die Werft hofft darauf, das Boot zu verkaufen und so Geld zu verdienen. Die Zukunft des Bootes ist jedoch ungewiss. Wenn der Wasserstand im Ural weiter sinkt, kann man es nicht zu Wasser lassen und es aus eigener Kraft den Fluss runter schicken. Das Schiff hat keinen flachen Boden und im Gegensatz zu Flussschleppern einen großen Tiefgang.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Jetzt gibt es entlang der gesamten Länge des Urals bis zum Kaspischen Meer mehrere Dutzend Untiefen. Mit seinem Tiefgang kann es auf Grund laufen und den Propeller beschädigen. Wir hoffen, dass wir bis zum Frühjahr einen Käufer finden und das Schiff bei Hochwasser zum Kaspischen Meer schicken können“</em>, erklärt Samsonov.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/e4d064680de43ef9c3c246b6361e7ac5-1024x683.jpeg" alt="" class="wp-image-26252" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/e4d064680de43ef9c3c246b6361e7ac5-1024x683.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/e4d064680de43ef9c3c246b6361e7ac5-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/e4d064680de43ef9c3c246b6361e7ac5-768x512.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/e4d064680de43ef9c3c246b6361e7ac5-128x86.jpeg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/e4d064680de43ef9c3c246b6361e7ac5.jpeg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Und wenn man das Flussbett räumt und den Boden vertieft, hilft das nicht?“</em>, fragen wir.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich denke nicht. Haben Sie jemals ein Rinnsal erweitert, um Schmelzwasser abzulassen? Achten Sie darauf &#8211; wenn das Rinnsal an einer Stelle vertieft wird, bilden sich sofort Stromschnellen, da die Wassermenge unverändert bleibt. Das gleiche gilt für den Ural: Wir können das Flussbett um das Doppelte vertiefen, aber die Wassermenge bleibt gleich. Sie fließt nur schneller ins Meer. Je höher der Wasserstand ist, umso stärker sinkt er also aus diesem Grund. Der Fluss wird schneller und führt mehr Sand mit sich. Dieser Sand beginnt sich über den gesamten Lauf zu verteilen und es bilden sich neue Untiefen. Die Vertiefung des Flussbettes ist also nur ein weiteres Glücksspiel, aufgrund dessen wir den Fluss verlieren werden. Mit den zahlreichen Staudämmen in Russland muss etwas geschehen. Wenn nicht mehr Wasser in den Ural fließt, bringen auch Baggerarbeiten nichts“</em>, meint Samsonov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ural-Werft hat in den letzten Jahren schwere Zeiten durchgemacht. Aufgrund des sinkenden Wasserspiegels ist der Ural praktisch nicht mehr schiffbar. Die Anlage erfüllt Aufträge von lokalen Unternehmen, die Bagger zur Gewinnung von Flusssand betreiben. Heute stellt die Werft schwimmende Pumpenplattformen her, die für lokale Reservoire und Speichern zur Lagerung von Flüssigkeiten bestellt werden. Das Ausmaß ist natürlich nicht mehr so ​​groß wie früher, aber man kann damit Geld verdienen und das Unternehmen unterstützen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Kapitäne gehen an Land</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Beruf, der in Oral praktisch ausstirbt, ist der des Schiffführers &#8211; Menschen, die am Steuerrad von Flussschiffen stehen. Vor 20 Jahren gehörten mehr als 100 Schiffer zur Belegschaft der Flussschifffahrtsgesellschaft. Derzeit gibt es im gesamten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Westkasachstan">Gebiet Westkasachstan</a> gerade noch zehn Flussschiffer. Einer von ihnen ist Pjotr ​​Aleksandrovich Goncharov. Der Navigationstechniker betreibt einen Motorschlepper, der viermal pro Woche Datschniki [die BesitzerInnen von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datsche">Datschen</a>, Anm. d. Ü.] vom Pier in der Oraler Altstadt entlang des Urals bis zum Uchujny-Becken befördert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten 10 Jahren hat Pjotr Goncharov die Datschniki in jeder Schifffahrtssaison auf der üblichen Route befördert. <em>„Die Strecke ist etwas kurz, aber mit ihren eigenen Besonderheiten &#8211; der Lauf windet sich, es gibt viele Sandbänke. Sie müssen ständig in Alarmbereitschaft sein“</em>, sagt Pjotr ​​Alexandrovich.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/7ac8f798c4cf87a7ef5853a4711d3fc5-1024x683.jpeg" alt="" class="wp-image-26251" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/7ac8f798c4cf87a7ef5853a4711d3fc5-1024x683.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/7ac8f798c4cf87a7ef5853a4711d3fc5-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/7ac8f798c4cf87a7ef5853a4711d3fc5-768x512.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/7ac8f798c4cf87a7ef5853a4711d3fc5-128x86.jpeg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/7ac8f798c4cf87a7ef5853a4711d3fc5.jpeg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Pjotr Goncharov wird von einem Partner unterstützt, der sich als Pavel vorstellte. Pjotr ist 71 Jahre alt, Pavel 58. Deswegen nennt er ihn jung. <em>„Der Beruf stirbt. Pavel ist der jüngste von denen, die zur Flussflotte kamen. Früher waren 5-6 Personen an Bord. Jetzt schaffen es zwei von uns“</em>, sagt Pjotr ​​Aleksandrovich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir uns kennenlernen und reden, füllt sich der Kahn, den Pjotr Veranda nennt, mit Menschen. Alle von ihnen sind Datschniki, die die letzten schönen Oktobertage nutzen, um auf ihren Datschen die Ernte einzuholen. Zur vereinbarten Zeit machen wir uns vom Pier auf den Weg flussabwärts in Richtung des Uchujny-Beckens. Der Kahn hatte 36 Passagiere.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kann-sich-das-schicksal-des-aralsees-am-balqash-wiederholen/"><strong>Kann sich das Schicksal des Aralsees am Balqash wiederholen?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das ist natürlich wenig. Früher, als die Schifffahrt auf dem Fluss entwickelt war, haben wir fast eine halbe Million Menschen pro Saison transportiert. Es gab große Passagierschiffe wie die &#8222;Moskau&#8220; oder die &#8222;Zarnitsa&#8220;, Tragflügelboote. Es gab ungefähr zehn Routen. Aber ab Ende der 80er Jahre wurden sie reduziert und jetzt transportieren wir die Datschniki auf einer einzigen Route“</em>, sagt Pavel.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/e8bd277a7ab080faba7e2ef10c03a441-1024x683.jpeg" alt="" class="wp-image-26250" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/e8bd277a7ab080faba7e2ef10c03a441-1024x683.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/e8bd277a7ab080faba7e2ef10c03a441-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/e8bd277a7ab080faba7e2ef10c03a441-768x512.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/e8bd277a7ab080faba7e2ef10c03a441-128x86.jpeg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/e8bd277a7ab080faba7e2ef10c03a441.jpeg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wir fragen, wie sich der Fluss seitdem verändert hat und wie sichtbar diese Veränderungen sind. <em>„Ja, natürlich hat sich der Fluss verändert. An erster Stelle ist die Verflachung. Jetzt fahren wir nur noch auf Schiffen mit geringem Tiefgang den Fluss entlang &#8211; bis zu einem halben Meter. Trotzdem stoßen wir regelmäßig auf sandige Untiefen. Das gab es im Ural immer, aber damals konnten wir eine Fahrrinne bilden. Man stellte einen Zaun in einem Winkel zur Strömung auf und richtete das Wasser in die richtige Richtung. Dank solcher Zäune spülte die Strömung die Sandbank weg und wir bekamen das Fahrwasser mit einer erforderlichen Tiefe. Jetzt wird dieser Trick scheitern. Es gibt zu wenig Wasser und der Fluss selbst ist flach geworden“</em>, sagt Pjotr Aleksandrovich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pavel als Angler fügt seinen Kommentar hinzu. <em>„Früher, ich erinnere ich mich nicht an das letzte Mal, als ich so etwas gesehen habe, haben wir jeden Frühling Stör für die Maiferien nach Hause gebracht. Und wir haben nicht speziell auf sie geangelt. Es war gerade während der Maiferien, dass die Störe laichen gingen. Es gab so viele von ihnen, dass die gesamte Wasseroberfläche von ihren Rücken holprig war. Und wenn die Störe in einer so dichten Formation laichten, kam es oft vor, dass die Fische aus dem Wasser sprangen und auf den Kahn fielen. Dann wurde dies immer seltener, und in den letzten 30 Jahren habe ich das wahrscheinlich überhaupt nicht mehr gesehen. Der Stör erreicht uns nicht. Aber nicht nur der Stör… Ich habe vergessen, wann ich zum letzten Mal im Ural einen </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rapfen"><em>Rapfen</em></a><em> oder einen Karpfen gefangen habe. Früher hatte jeder Fisch eine Saison. Im Frühjahr, als der Fluss über die Ufer trat, drangen große Karpfen in die überfluteten Auenwiesen, um zu laichen. Sie brauchen seichtes, gut erwärmtes Wasser. Und der Rapfen tummelte sich jeden Herbst im Fluss. Jetzt gibt es weder Karpfen noch Rapfen“</em>, sagt Pavel.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Laut seinen Angaben war die Schifffahrt auf dem Fluss in der Vergangenheit eine ganze Branche. Zusätzlich zu den Besatzungen, die die Schiffe bedienten, gab es ein vielschichtiges Dienstsystem, das die Installation von Bojen überwachte, das Flussbett säuberte und so weiter. Hinzu kamen die Schiffsreparaturen. Es gab Abteilungen, die für den Güterverkehr zuständig waren, und einen separaten Personenbeförderungsdienst. So bot der Fluss im gesamten Gebiet Westkasachstan mehr als tausend Menschen Arbeitsplätze. In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau">Atyraý</a> war die Zahl der Menschen, die durch den Fluss beschäftigt waren, aufgrund von Fischereigesellschaften noch größer. Heute bieten in Oral die Überreste dieser Industrie kaum noch Arbeitsplätze für hundert Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das gesamte Material kann auf der Seite der </em><a href="http://ur-week.tilda.ws/page14473122.html"><em>Uralskaja Nedelja</em></a><em> eingesehen werden</em>.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lukpan Ahmedıarov und Raul Uporov für Uralskaja Nedelja / </strong><a href="https://vlast.kz/story/43498-poslednie-iz-kapitanov.html"><strong>Vlast</strong></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Das Projekt „Developing Journalism &#8211; Exposing Climate Change“ zielt auf die Identifizierung und Lösung von Problemen des fortschreitenden Klimawandel durch die Entwicklung und Stärkung unabhängiger Medien in Zentralasien. ExpertInnen des </em></strong><a href="https://medialaw.kg/"><strong><em>Zentrums für Medien-Entwicklung</em></strong></a><strong><em> (Kirgistan) sowie der Redaktionen von </em></strong><a href="https://anhor.uz/"><strong><em>Anhor.uz</em></strong></a><strong><em> (Usbekistan), </em></strong><a href="https://asiaplustj.info/"><strong><em>Asia-Plus</em></strong></a><strong><em> (Tadschikistan) und </em></strong><a href="https://vlast.kz/"><strong><em>Vlast</em></strong></a><strong><em> (Kasachstan) leisten Unterstützung als MentorInnen. Das Projekt wurde von </em></strong><a href="https://www.n-ost.org/"><strong><em>n-ost</em></strong></a><strong><em> (Deutschland) und dem Internationalen Zentrum für Journalismus </em></strong><a href="https://medianet.kz/about-us/?lang=en"><strong><em>MediaNet</em></strong></a><strong><em> (Kasachstan) mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt.</em></strong></p>


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		<title>Leben mit dem Fluss: Der Naryn in Kirgistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Apr 2021 12:40:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Flussgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Naryn]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>FLUSSGESCHICHTEN. Der Fluss Naryn in Kirgistan ist als Wasser- und Energiequelle einer der wichtigsten Wasserl&#xE4;ufe in Zentralasien. Doch vor allem weiter flussaufw&#xE4;rts zeichnen sich die Effekte des globalen Klimawandels klar ab, was schlimme Folgen f&#xFC;r die ganze Region haben k&#xF6;nnte. Im Rahmen einer Reportagereihe von Vlast.kz haben Journalisten an unterschiedlichen Orten Anwohner &#xFC;ber ihre Beziehung [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>FLUSSGESCHICHTEN. Der Fluss Naryn in Kirgistan ist als Wasser- und Energiequelle einer der wichtigsten Wasserläufe in Zentralasien. Doch vor allem weiter flussaufwärts zeichnen sich die Effekte des globalen Klimawandels klar ab, was schlimme Folgen für die ganze Region haben könnte. Im Rahmen einer Reportagereihe von <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a> haben Journalisten an unterschiedlichen Orten Anwohner über ihre Beziehung zum Fluss befragt. Wir übersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Naryn_(Fluss)">Naryn</a> hat hoch im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tian_Shan">Tienschan-Gebirge</a> in Kirgistan seine Quelle. Im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ferghanatal">Ferganatal</a>, im Südosten des Landes, fließt er mit dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qoradaryo">Karadarja-Fluss</a> zusammen: So entsteht der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Syrdarja">Syrdarja</a>, eine der Hauptwasserstraßen Zentralasiens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Becken des Syrdarja umfasst drei Regionen Kirgistans, eine Region Tadschikistans, sechs Regionen Usbekistans und zwei Kasachstans. Der Fluss verbindet die vier Länder Zentralasiens.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Ismail Dairow, dem Direktor des Regionalen Bergzentrums Zentralasiens in Kirgistan, könnte „<em>der Wasserfluss des Syrdarja und des </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja"><em>Amudarja</em></a><em> aus dem Tien Shan- und </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)"><em>Pamir-Gebirge</em></a><em> in 10-20 Jahren um 10-30 Prozent abnehmen.&#8220;</em> Wissenschaftler und Experten weisen darauf hin, dass die Bevölkerung in der Region zunimmt: Die Leute brauchen immer mehr Wasser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen des Projekts „Kleine Menschen – Großer Fluss“ reiste eine Gruppe von Journalisten und Umweltschützern Dutzende von Kilometern entlang des Naryn-Flusses. Sie fragten die Menschen, die in seiner Nähe leben, welche Veränderungen sie im Verhalten des Flusses oder des Wetters sehen und wie sich das auf ihr Leben auswirkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Besitzer ist der, der das Land pflegt!“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Region_Transbaikalien">Transbaikalien</a> in Russland stammende Sergej Solotujew kam vor 53 Jahren in diese Region und beschloss, dort zu bleiben. „<em>Es ist überall dort schön, wo wir gerade nicht sind</em>“, wiederholt er ein bekanntes Sprichwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Hier gibt es eine Heilquelle, und was braucht der Mensch sonst noch? Ich lebe umgeben von wunderschönen Bergen, schöner Vegetation und einem Gebirgsfluss, rein wie Eis. Jede Pflanze hier ist eine Heilpflanze. Es gibt keine Fabriken über uns, man möchte die Luft mit vollen Zügen einatmen“, </em>erzählt er<em>. „Die Natur gibt mir und meinen Freunden ein positives Gefühl. Mit 57 Jahren springe ich jeden Morgen über die Steine. Ich halte mein Gewicht, da gibt es kein einziges überflüssiges Gramm.</em>“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/87719bcd7e20fe55b9727619bdf4efc6_autox800-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-26179" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/87719bcd7e20fe55b9727619bdf4efc6_autox800-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/87719bcd7e20fe55b9727619bdf4efc6_autox800-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/87719bcd7e20fe55b9727619bdf4efc6_autox800-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/87719bcd7e20fe55b9727619bdf4efc6_autox800-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/87719bcd7e20fe55b9727619bdf4efc6_autox800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sergej Solotujew. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch bei anderen beobachtet Solotujew die wohltuenden Effekte der Natur. „W<em>enn Gäste aus der Stadt zu mir kommen und hier die unbelastete Luft einatmen, kehren sie buchstäblich wie neugeboren zurück. All ihre Negativität wird vom Wasser aufgenommen, und kaum kehren sie nach Hause zurück, lockt schon wieder die Natur. Deshalb verlieben sich auch Ausländer in unsere Natur</em>&#8222;, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er fügt hinzu, dass die Natur einen empfindlicher für die Umgebung macht: „<em>Hier bemerke ich jeden Grashalm, wie der Weißdorn blutrot wird, wie die Berberitze sich verdunkelt. Wie Ameisen, Elstern und Krähen leben. Und wie sich das Klima verändert und</em> <em>sich unser Ökosystem verschlechtert</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn das globale Klima auf lokaler Ebene schwer zu beeinflussen ist, könne man doch einiges vor Ort machen, meint Solotujew. „<em>Zum Beispiel liegt es in unserer Macht, die Wirtschaft zu entwickeln. Es gibt keine Bewässerung und kein Ackerland, die Kirgisen leben hauptsächlich von der Nutztierhaltung, die immer mehr zunimmt, aber sie betreiben keine Zucht. Die riesigen Rinderherden stören die empfindliche fruchtbare Bodenschicht. Das Gras ist jetzt niedrig, ganz im Unterschied zu früher! In den Sümpfen gibt es schon lange keine Brombeeren mehr, sie werden vom Vieh gefressen. Es bleiben nur noch armselige Büsche.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/spannungen-rund-um-die-weidewirtschaft-in-naryn/"><strong>Spannungen rund um die Weidewirtschaft in Naryn</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er beschwert sich auch über Fischer, die „<em>nicht für den Eigenbedarf, sondern für den Verkauf fangen</em>“: „<em>Sie lassen Haken im Wasser, die die Fische beim Vorbeischwimmen verletzen. Sie verwenden Elektrofischer-Ruten. Es gibt immer weniger Fische, heute habe ich nur eine Forelle gefangen! Und der Nerz ernährt sich von Fisch: Er ist ein Raubtier, er stiehlt unsere Fische. Aus irgendeinem Grund denkt niemand daran, ihre Anzahl zu regulieren</em>“, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Es liegt auch in der Macht des Menschen, keine Abfälle zu hinterlassen. Aber in jeder Schlucht gibt es Abfälle, wir sind nur noch von Müll umgeben. Er fließt ins Wasser und wird von der Strömung flussabwärts getragen. Am </em><a href="https://novastan.org/de/tag/yssykkoelsee/"><em>Yssykkölsee</em></a><em> ist absolut alles voller Müll. Aber ich beklage mich nicht &#8211; mein Beitrag zum Naturschutz ist es, den Müll aufzusammeln. Dazu möchte ich sagen: Der Besitzer ist nicht derjenige, der sein Territorium vermessen hat, sondern derjenige, der es pflegt! Der sein Land liebt und respektiert. Der auch an die denkt, die weiter unten leben. Ich wünsche mir klares Wasser für den Unterlauf, wie oben</em>&#8222;, schließt Solotujew seine Erzählung ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Fluss voller Müll</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Musa Borbijew, ein Forellenfischer aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Toktogul">Toktogul</a> im Zentrum Kirgistans, stimmt dem zu. Er fordert einen besseren Umweltschutz für den Fluss. „<em>Die Leute werfen Essensreste und Plastik in den Fluss und die Fische sterben durch den Müll! Forellen benötigen sauberes Flusswasser &#8211; und deshalb gibt es immer weniger von ihnen. Aber das Hauptproblem ist der unkontrollierte Fischfang. Unvorsichtige Fischer fangen 100-150 Stück auf einmal und stören dadurch das natürliche Gleichgewicht. Sie fangen die Fische offensichtlich nicht für den eigenen Gebrauch, sondern um sie zu verkaufen. Sie benutzen dazu Elektrofischerruten und Netze. Deshalb gibt es heute so wenige Fische. Der Fischbestand erholt sich davon nicht</em>“, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Borbijew ist 57 Jahre alt und hat sein ganzes Leben in dieser Gegend verbracht. Er hat beobachtet, wie sich das Klima zu seinen Lebzeiten stark verändert hat. „<em>Früher konnten die Menschen im Winter das bis zu 40 cm dicke Eis sicher überqueren. Heutzutage ist das nicht mehr möglich. Und es gibt keinen Schnee wie in meiner Kindheit. Der Wasserstand im Fluss sinkt</em>“, schildert er.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/9fbb510bd940e0d9bb6b262c05907fdf_autox800-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-26180" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/9fbb510bd940e0d9bb6b262c05907fdf_autox800-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/9fbb510bd940e0d9bb6b262c05907fdf_autox800-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/9fbb510bd940e0d9bb6b262c05907fdf_autox800-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/9fbb510bd940e0d9bb6b262c05907fdf_autox800-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/9fbb510bd940e0d9bb6b262c05907fdf_autox800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Musa Borbijew auf seiner Forellenzucht. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Vor ein paar Jahren begann er Forellen in künstlichen Teichen zu züchten. Besucher aus Osch und Dschalal-Abad sowie Einheimische kaufen den umweltfreundlichen Fisch von Musa. Der Forellenzüchter beklagt, dass es immer schwieriger wird, Futter zu kaufen; alles wird aus Europa importiert und der Preis für Futter steigt proportional zu den Schwankungen des Währungskurses. Manchmal kauft er sein Futter in Kasachstan. Das ist zwar viel billiger, aber die Qualität ist auch deutlich schlechter. Borbijew wollte selbst mit der Produktion von Fischfutter beginnen, aber viele der benötigten Zutaten sind in Kirgistan nicht erhältlich, wie etwa Fischöl und Fischknochenmehl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Walentina Lukina, eine Journalistin und Hochschullehrerin aus <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tashk%C3%B6m%C3%BCr">Tasch-Kömür</a>, etwas weiter flussabwärts gelegen, geht ebenfalls auf den sich verschlechternden ökologischen Zustand des Naryn-Flusses ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Hierhin fließen nicht nur verschmutzte Nebenflüsse; die Menschen verwandeln den Naryn selbst immer mehr in einen Abwasserfluss. Der Fluss Naryn fungiert de facto als Sammlung von menschlichen Abfällen. Sowohl das städtische Krankenhaus, das medizinische Abfälle im Wasser entsorgt, als auch das Abwasser von schlecht funktionierenden Kläranlagen verunreinigen das Wasser</em>“, erläutert Lukina.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="623" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/3bb443ef3942c3e800cf6801f1624762_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-26181" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/3bb443ef3942c3e800cf6801f1624762_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/3bb443ef3942c3e800cf6801f1624762_900xauto-300x208.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/3bb443ef3942c3e800cf6801f1624762_900xauto-768x532.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Walentina Lukina (links) auf der Brücke über den Naryn, bei Tasch-Kömür. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Auch vor kranken Tieren nicht sind wir nicht gefeit. Was würde passieren, wenn es plötzlich eine Infektion gibt? Alle würden so tun, als wäre nichts</em> <em>geschehen. Aber Menschen leben entlang des Flussbettes und nutzen dieses Wasser für ihre häuslichen Bedürfnisse. Das ist der Wasserkreislauf.</em>“ Laut offiziellen Daten wurden in den letzten 50 Jahren 40 Millionen Kubikmeter Abwasser in die Gewässer des Naryn geleitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lukina wurde in Taschkent geboren und lebt seit ihrem dritten Lebensjahr in Tasch-Kömür. Damals erhielten ihre Eltern eine Arbeit im örtlichen Wasserkraftwerk. Ihr zufolge zeigt sich der Klimawandel an der veränderten Intensität und Häufigkeit der Winde und einem Rückgang des Wasserspiegels, der dennoch weiterhin voll und mächtig sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Der Fluss ist eine Lebensquelle“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ulan Namatbekow ist Wildhüter. Er wurde in der <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Naryn">Stadt Naryn</a> geboren und hat dort sein ganzes Leben verbracht. Auch er ist der Meinung, dass Kirgistans größte Wasserstraße, der Naryn-Fluss, eine grenzüberschreitende Umweltkatastrophe verursachen könnte. Der Fluss wird seit langem durch Abfall von Unternehmen, Abwässern und Müll gespeist. Die Kläranlage von Naryn ist mehr als ein halbes Jahrhundert alt. Zur Zeit ihres Baus haben dort noch viel weniger Menschen gelebt, weshalb ihre Auslegungskapazität nicht den heutigen Bedürfnissen der Stadt entspricht. Außerdem gibt es keine biologische Klärung. Nach einer mechanischen Aufbereitung wird das Wasser in den Naryn geleitet und von den Einwohnern flussabwärts zum Waschen und zur Bewässerung genutzt. Sie haben keine andere Wahl.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/cd0861d023c32876f0fa6ef19f4d6e46_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-26182" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/cd0861d023c32876f0fa6ef19f4d6e46_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/cd0861d023c32876f0fa6ef19f4d6e46_900xauto-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/cd0861d023c32876f0fa6ef19f4d6e46_900xauto-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/cd0861d023c32876f0fa6ef19f4d6e46_900xauto-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ulan Namatbekow. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Namatbekow arbeitete lange Zeit als Forscher im Staatsreservat Naryn, das flussaufwärts liegt. Im westlichen Teil des Reservats befindet sich eine separate Futterstelle für Rothirsche. Als Ökoaktivist ist Namatbekow überzeugt, dass Kirgistan ökologische Bildung braucht. Er initiierte öffentliche Anhörungen in Naryn mit der lokalen Verwaltung und Öko-Aktivisten zu Problemen im Zusammenhang mit menschlichen Aktivitäten und dem Klimawandel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ökologe bemerkte die allmähliche Abnahme der Fläche der Gletscher, die an der Quelle des Flusses Naryn liegen: „<em>Es ist der längste Fluss Kirgistans und ein Zufluss des <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/der-aralsee-bricht-alle-rekorde-aber-er-lebt-weiter-geo-forscher-im-experten-interview/">Aralsees</a>. Einst haben die Länder um den Aralsee das Wasser missbraucht und der See ist ausgetrocknet. Wir wollen nicht, dass sich eine ähnliche Katastrophe wiederholt, wenn die Gletscher schmelzen</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/klimawandel-kirgistans-gletscher-in-gefahr/"><strong>Klimawandel – Kirgistans Gletscher in Gefahr</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Sulton Rakhimsoda, dem Vorsitzenden des Exekutivkomitees des <a href="http://ec-ifas.waterunites-ca.org/aral_basin/institutions/ifas/index.html">Internationalen Fonds zur Rettung des Aralsees</a>, ist die Fläche der Gletscher in Zentralasien im Vergleich zum Beginn des letzten Jahrhunderts um ein Drittel geschrumpft. Ein Temperaturanstieg von zwei Grad würde sie um 50 Prozent schrumpfen lassen, während sie durch einen Anstieg um vier Grad bis zu 80 Prozent verlieren würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Naryn ist eine Lebensquelle</em>“, so Oleg Nekrytow, Chefarzt im Zentralkrankenhaus der Siedlung Ming-Küsch. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nekrytow wurde 1963 in <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/min-kush-ville-oubliee/">Ming-Küsch</a> geboren und ist seitdem nicht weggezogen, auch nicht, als viele Uranbergbausiedlungen aus der Sowjetära geschlossen wurden. „<em>Wegziehen? Wozu? Hier leben auch Menschen, die krank werden und behandelt werden müssen</em>&#8222;, sagt er. „<em>Früher wurde das Uran auf Waggons herausgeholt und über die offene Straße nach </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karabalta"><em>Karabalta</em></a> (in der Nähe von Bischkek, Anm. d. Red.) <em>transportiert. Bis heute gibt es erhöhte Strahlungswerte in der Nähe von Grabstätten. An anderen Orten sind die Werte jetzt normal. Onkologische Erkrankungen können besser in frühen Stadien diagnostiziert werden. Vor fünf Jahren lag Ming-Küsch in Sachen Onkologie an vierter Stelle, heute liegt es an dritter Stelle, aber nicht wegen eines Anstiegs der Patientenzahlen, sondern wegen verbesserter Diagnosemöglichkeiten</em>“.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/a1b5fb84f4371602011d3e9413941f95_autox800-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-26183" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/a1b5fb84f4371602011d3e9413941f95_autox800-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/a1b5fb84f4371602011d3e9413941f95_autox800-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/a1b5fb84f4371602011d3e9413941f95_autox800-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/a1b5fb84f4371602011d3e9413941f95_autox800-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/a1b5fb84f4371602011d3e9413941f95_autox800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Oleg Nekrytow bei seinen Bienenstöcken. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Chefarzt erinnert sich an eine Zeit, als die Berghänge in der Siedlung und ihrer Umgebung schwarz waren und die Felsen keine Vegetation aufwiesen. Heute sind sie grün. „<em>Die Natur ist in der Lage, sich selbst zu heilen, aber man darf nicht in sie eingreifen. Doch der Mensch versucht immer wieder, alles zu verderben</em>“, meint er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nekrytov begann vor einiger Zeit mit einem Bienenstand. Sein Honig ist einer der besten im Gebiet Naryn, weil die Bienenstöcke von Bergwiesen mit reichhaltigen, gesunden Bergblumen, Kräutern und Sträuchern umgeben sind. Der Honig wird auch in der Türkei gekauft, er ist gesund und duftend. Die Besonderheit des Bienenstandes ist, dass er an einem Ort bleiben kann: Es gibt genug Artenvielfalt für die Bienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Immer weniger Eis</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Steinadler-Züchter Aman Ismailow nennt Naryn ein Touristenparadies. „<em>Wasser ist wertvoller als Gold. Wir sollten nicht den Boden anrühren, sondern den Tourismus entwickeln</em>“, sagt er. „<em>In meiner Kindheit sind wir immer auf dem Eis über den Fluss gelaufen und haben dort gespielt. Jetzt ist es unmöglich, das Eis zu betreten. Es gibt nur noch kleine Eisstücke. Früher haben wir Wasser aus dem Naryn getrunken, aber jetzt geht das nicht mehr, weil viel Müll in den Fluss geworfen wird. Mir ist auch aufgefallen, dass es in Naryn weniger Fisch gibt. Es gibt nur noch kleine </em><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Scaly_osman"><em>Osman-Fische</em></a><em>, 15-20 cm, und Forellen, die aber nur noch selten gefangen</em> <em>werden&#8220;</em>.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="747" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/320ed37313a81fce7c43a06f1db32f89-1024x747.jpg" alt="Adlerjäger und Steinadler" class="wp-image-26184" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/320ed37313a81fce7c43a06f1db32f89-1024x747.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/320ed37313a81fce7c43a06f1db32f89-300x219.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/320ed37313a81fce7c43a06f1db32f89-768x560.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/320ed37313a81fce7c43a06f1db32f89.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Aman Ismailow und sein Steinadler Elmok. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ismailow ist 40 Jahre alt und lebt im Dorf Alysch. Er beschäftigt sich mit dem Training von Steinadlern und zeigt Touristen den <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Salburun">Salburun </a>&#8211; die ökologische Jagd der Kirgisen zu Pferd, mit Pfeil und Bogen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taigan">Taigan</a> und Steinadler. Sein Steinadler, der den Spitznamen Elmok trägt, ist bereits zweimal Weltmeister geworden, und er ist der Asienmeister der Spiele 2018.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tierarzt Satybaldy Imankulow lebt seit zwei Jahrzehnten im Dorf Kara-Say im Bezirk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ak-Schyirak">Ak-Schyirak</a>, an der chinesischen Grenze, in den Bergen südlich vom Yssykkölsee. In dieser Zeit wurden in seiner Familie vier Kinder geboren und aufgezogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ich bemerke die allmähliche Flussverlandung und die Gletscherschmelze. Und es wird wärmer: Die Bewohner tragen nun einfache Stiefel statt Filzstiefeln und Jacken statt Pelzmänteln. Ja, im Winter frieren die Flüsse in dieser Gegend durch, das Eis ist bis zu vier Meter hoch, und es hält bis Ende Juni an. Gleichzeitig gibt es aber auch deutlich weniger Schneefall: Vor 20-30 Jahren wurde der Schnee regelmäßig geräumt und in die Autos geladen. Jetzt gibt es keinen solchen Schnee mehr. Natürlich fällt es uns Hochlandbewohnern leichter bei milderem Wetter zu leben, aber flussabwärts beschweren sich die Leute, dass sie im Sommer nicht genug Wasser haben, um ihre Gemüsegärten zu bewässern</em>“, sagt Imankulow.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/d3c5f8bd89b02bd1b3173198c8fafefe_autox800-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-26185" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/d3c5f8bd89b02bd1b3173198c8fafefe_autox800-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/d3c5f8bd89b02bd1b3173198c8fafefe_autox800-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/d3c5f8bd89b02bd1b3173198c8fafefe_autox800-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/d3c5f8bd89b02bd1b3173198c8fafefe_autox800-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/d3c5f8bd89b02bd1b3173198c8fafefe_autox800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Satybaldy Imankulow. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ich lebe an einem Ort, an dem mehrere Flüsse zusammenfließen und in den Naryn münden. Die Flüsse ändern alle 2-3 Jahre ihren Lauf. Die Anwohner müssen die Grenzbeamten um Hilfe bitten, um die Flussbetten zu richten</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Imankulov leben in dem Bezirk, der vier Dörfer umfasst, 29 Haushalte mit insgesamt 57 Personen. Schulkinder bleiben nicht das ganze Jahr dort, sie gehen für die Zeit ihres Studiums weiter runter. Nur Kinder im Vorschulalter sind das ganze Jahr über in den Dörfern. Erwachsene leben nur von Viehzucht, wie ihre Großväter und Urgroßväter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Die Anwohner sind von der Landwirtschaft als Haupteinnahmequelle abhängig. Dank des sauberen Wassers im oberen Naryn sowie des saftigen, ökologisch reinen Buntgrases erhalten Schafe, Ziegen, Kühe und Pferde hier keine Grundantibiotika, während bereits flussabwärts die Impfung von Rindern und Kühen vorgeschrieben ist. Fleisch- und Milchprodukte sind hier von höchster Qualität, in den Flüssen leben Osman-Fische, und deshalb genießen die Menschen hier eine ausgezeichnete Gesundheit</em>&#8222;, sagt Imankulow.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Kümmert euch um das Wasser!“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Edil Aschirow aus dem Dorf Kara-Saj züchtet Yaks und besucht oft den Oberlauf des Naryn-Flusses. „<em>Ich habe im Fernstudium Umweltwissenschaften studiert und bin schon immer in der Rinderzucht tätig gewesen und habe Bullen gezüchtet. In den letzten zwei Jahren züchte ich Yaks, ich habe zwei Herden von 200 und 300 Tieren, die auf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Syrt">Syrt-Hochebenen</a> leben. Das ist kein Dschailoo</em> (kirgisisch, nomadisches Sommerlager, Anm. d. Red.) <em>sondern viel höher, mit bis zu 40 Grad Frost im Winter. Yaks sind anspruchslos und vertragen solche Temperaturen gut, sie laufen und kämpfen von alleine</em>&#8222;, lacht Aschirow. „<em>Die Yakzucht ist umweltfreundlich, eine einzigartige Produktion und eine sehr profitable Branche. Nicht nur das Fleisch der Yaks ist wertvoll, sondern auch ihre Milch, Hörner, Felle und Wolle. Ich mag auch die hiesige Landschaft, sie ist wunderschön! Yaks bleiben nicht gerne an einem Ort. Man muss sie im Auge behalten, denn sie können weglaufen. Aber dafür muss man ihnen kein Heu zur Verfügung stellen. Außerdem habe ich einen starken nomadischen Geist.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/millionaerin-durch-yak-zucht-die-geschichte-einer-sehr-erfolgreichen-jungen-kirgisin/"><strong>Millionärin durch Yak-Zucht – Die Geschichte einer sehr erfolgreichen Kirgisisin</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laufe seiner jahrelangen Beobachtungen hat Aschirow festgestellt, dass das Klima trockener geworden ist: Es fällt weniger Schnee und Regen. An der Quelle des Kara-Sai-Flusses nimmt das Wasservolumen stetig ab.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="661" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/bbc290cb33eecb380f520e3191843b85_autox775-1024x661.jpg" alt="" class="wp-image-26186" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/bbc290cb33eecb380f520e3191843b85_autox775-1024x661.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/bbc290cb33eecb380f520e3191843b85_autox775-300x194.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/bbc290cb33eecb380f520e3191843b85_autox775-768x496.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/bbc290cb33eecb380f520e3191843b85_autox775.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Edil Aschirow bei der Yakzucht. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Die Leute da unten wissen das nicht. Sie denken, dass sie wegen irgendwelcher künstlichen Hindernisse nicht genug Wasser bekommen</em>&#8222;, meint Aschirow. „<em>Aber die Gründe sind ökologischer Natur: Die Flüsse werden von Eis und Schnee gespeist, und die Gletscher schrumpfen. Einheimische Hirten mit langer Erfahrung erzählen uns, dass früher mehr Wasser in den Flüssen war, Autos und Pferde gingen unter Wasser, es war nicht einfach, eine Überfahrt zu finden. Heute kann man zu Fuß durch die Flüsse waten!</em>&#8222;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute wissen nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder über den Klimawandel Bescheid. Der junge <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/phanomen-manastschi/">Manastschy</a> (Erzähler des kirgisischen <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/manas-kulturelles-erbe-zwischen-china-und-kirgistan/">Nationalepos Manas</a>, Anm. d. Red.) Danijar Koichubekow lebt seit seinem zweiten Lebensjahr am Ufer des Kara-Unkur-Flusses, dem größten Nebenfluss des Naryn-Flusses. Der 12-jährige Daniyar erinnert sich, dass er in jungen Jahren wegen der starken Strömung große Angst hatte, sich dem Wasser zu nähern. In den letzten Jahren sei der Fluss jedoch viel ruhiger geworden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/6bedece94123d0e569c43dc1b090a5d5_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-26187" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/6bedece94123d0e569c43dc1b090a5d5_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/6bedece94123d0e569c43dc1b090a5d5_900xauto-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/6bedece94123d0e569c43dc1b090a5d5_900xauto-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/6bedece94123d0e569c43dc1b090a5d5_900xauto-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Danijar Koichubekow. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Daniyar singt gerne über sein Lieblingsland &#8211; das Land des großen Helden Manas, welches die Vorfahren bewahrt haben. „<em>Ich appelliere an die heutige Generation: Kümmert euch um das Wasser &#8211; das wertvollste Geschenk für den Menschen &#8211; und haltet es sauber!</em>&#8222;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sonunbek Kadyrow hat eine direkte Verbindung zum Fluss Naryn: Er ist Fährmann. „<em>Der Naryn-Fluss ist, wie viele andere Flüsse in Kirgistan, wegen des großen Höhenunterschieds, des schwierigen Geländes seines Bettes und der schnellen Strömung nicht schiffbar. Aber er ist ‚fast schiffbar‘</em>“, sagt Kadyrow lachend. „<em>Das liegt daran, dass unsere Fähre darauf fährt und die ‚Insulaner&#8216; mit dem Rest der Welt verbindet!</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Jahre täglicher Fährenverkehr zwischen den Ufern des Naryn-Flusses sind eine lange Zeit. Kadyrow schließt mit den Einheimischen einen Vertrag für ein Jahr und fährt Menschen, Tiere und Fracht mit dem behelfsmäßigen Schiff von einem zum anderen Ufer. An seiner Seite hat er immer seinen Sohn &#8211; der Erstklässler Ariel, der alles von seinem Vater lernt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/fc767b1342e34c22afefcbae9e27638a_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-26188" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/fc767b1342e34c22afefcbae9e27638a_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/fc767b1342e34c22afefcbae9e27638a_900xauto-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/fc767b1342e34c22afefcbae9e27638a_900xauto-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/fc767b1342e34c22afefcbae9e27638a_900xauto-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sonunbek Kadyrow und sein Sohn Ariel auf ihrer Fähre über den Fluss Naryn. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Vater und Sohn geben zu: Die Arbeit ist gefährlich, es gibt viele Unterwasserströmungen, Tiefen, kaltes Wasser. Aber diese Arbeit hilft der Familie zu überleben. Sie hilft auch den Menschen um sie herum: Bevor es eine Fähre gab, waren sie gezwungen, eigenständig mit Booten überzusetzen. Sie mussten rudern, was äußerst schwierig war, besonders in einem beladenen Boot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt jetzt weniger Gefahren, sagt Kadyrow. Er hat ein starkes Absinken des Wasserpegels festgestellt. Die Winde sind häufiger geworden und es liegt weniger Schnee auf den Berghängen. In der Zeit der intensiven Schnee- und Eisschmelze gibt es jedoch Situationen, in denen die Passagiere das Wasser vom Boden schöpfen müssen, bis die Fähre direkt am Ufer anlegt. Und am Ufer wartet ein ‚Taxi‘ auf sie: ein Tiertransport mit Eseln und Pferden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kysyl Beyit – Durch den Fluss abgeschnitten von der Welt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei weitere Stunden mit dem Pferd und man ist im Dorf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kyzylbeyit">Kysyl Beyit</a> angekommen. Laut Kultschoro Ramanow, Dorfvorsteher von Kysyl Beyit, hat es hier zu Sowjetzeiten eine <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sowchos">Sowchose </a>gegeben. Zur Zeit der Perestroika wurde diese durch private Bauernhöfe ersetzt. Viele arbeitsfähige Dorfbewohner sind zum Arbeiten weggezogen, einige in andere Teile des Landes, andere ins Ausland. Viele Häuser wurden zugenagelt. Junge Leute kommen ihre Verwandten besuchen, aber immer seltener.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/25f97ca9e7fd9e61c0ff0c46e41dcbf8-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-26189" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/25f97ca9e7fd9e61c0ff0c46e41dcbf8-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/25f97ca9e7fd9e61c0ff0c46e41dcbf8-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/25f97ca9e7fd9e61c0ff0c46e41dcbf8-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/25f97ca9e7fd9e61c0ff0c46e41dcbf8-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/25f97ca9e7fd9e61c0ff0c46e41dcbf8.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kultschoro Ramanow, Dorfvorsteher von Kysyl Beyit. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Und die Älteren konnten nirgendwo hin und hatten auch keinen besonderen Grund wegzuziehen. „<em>Es sind etwa 300 Leute übrig geblieben. Sie beschäftigen sich hauptsächlich mit der Ziegenzucht, der Gewinnung von Ziegenmilch und der Herstellung von Ziegenkäse und saurer Sahne. Für den Winter müssen sie Brennholz und Heu für ihr Vieh machen. Außerdem ist es notwendig, sich mit Lebensmitteln von der anderen Seite des Flusses einzudecken und auf den Markt zu gehen. Es ist eine echte Subsistenzwirtschaft &#8211; ohne Schulen, Krankenhäuser und sogar ohne Strom</em>“, abgesehen von den erneuerbaren Energiequellen, die kürzlich von internationalen Organisationen installiert wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Es sind nur fünf Kilometer vom Dorf Kysyl Beyit bis zum Wasserkraftwerk, aber tatsächlich wirkt es kaum näher als der Mond! Der Mensch ist bereits dorthin geflogen, aber die Regierung hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, Strom in unser Dorf zu bringen! Über welche Art von Internet und Zivilisation können wir da reden? Unsere einzige Freude ist es, wenn der Postbote uns Briefe bringt</em>“, sagt Ramanow.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mairambu Aidaralijewa, eine Rentnerin aus dem Dorf Kysyl Beyit, lebt seit ihrer Geburt in der Nähe des Flusses Dschaka, eines Nebenflusses des Naryn.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/5a2c83ebaf8d5bfd8741a3959f50a7e7_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-26190" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/5a2c83ebaf8d5bfd8741a3959f50a7e7_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/5a2c83ebaf8d5bfd8741a3959f50a7e7_900xauto-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/5a2c83ebaf8d5bfd8741a3959f50a7e7_900xauto-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/5a2c83ebaf8d5bfd8741a3959f50a7e7_900xauto-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mairambu Aidaralijewa, Rentnerin aus Kysyl Beyit. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sagt, sie könne nirgendwo anders hinziehen: es sei schön hier, eine gute Umwelt, viele Heilkräuter, Quellen, und überhaupt ist die Erinnerung an ihre Vorfahren hier. Aidaralijewa sammelt Kräuter und trocknet Früchte und Beeren. „<em>Wir holen Forellen und </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schizothorax"><em>Marinkas</em></a><em> aus dem Fluss. Allah sei Dank haben wir genug Trinkwasser, und bald gibt es auch Strom. Wohin sollte ich ziehen?</em>“, erläutert sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die anderen Bewohner erzählt sie davon, wie sich das Klima verändert, und nennt als Beispiel den Wasserstand der Flüsse und das Wetter: „<em>Das Wetter hat sich sehr verändert, es ist unberechenbar geworden. Es ist im Winter sehr kalt geworden und der Wind hat zugenommen. Auf unserer Insel gibt es viel Schnee, obwohl man sich andernorts über Schneemangel beklagt. Der Fluss Naryn ist seicht geworden. Und das ist unser wichtigster Fluss!</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Aksakal (kirgisisch für Weißbart, Dorfältester, Anm. d. Red.) Emilbek Aitbajew aus Kysyl Beyit erinnert sich an eine Geschichte, die ihm von der älteren Generation überliefert wurde. „Kysyl Beyit“, das heißt übersetzt „Rotes Grab“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Vor langer Zeit kamen die Kirgisen nach blutigen Kämpfen, die viele junge Menschenleben forderten, hierher und ließen sich allmählich nieder. Als erstes brachten sie Trinkwasser, das war das Einfachste. Dann begannen sie Bäume zu pflanzen. Dies wurde uns von denen vermacht, die vor uns gelebt haben. Dieses Vermächtnis übergebe ich nun an meinen Enkel Nurbolot und diejenigen, die nach mir leben werden. Ich bin ein alter Mann, aber ich pflanze immer noch Bäume</em>&#8222;, erzählt Aitbajew.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/c10583c0981093ca5ada03e9a998e924_autox800-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-26191" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/c10583c0981093ca5ada03e9a998e924_autox800-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/c10583c0981093ca5ada03e9a998e924_autox800-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/c10583c0981093ca5ada03e9a998e924_autox800-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/c10583c0981093ca5ada03e9a998e924_autox800-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/c10583c0981093ca5ada03e9a998e924_autox800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Emilbek Aitbajew. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Wir einfachen Menschen leben im Einklang mit der Natur nach den Regeln von Manas. Und wir verlassen dieses Land nicht, weil wir in den Städten und Dörfern nichts zu erwarten haben. Wir wissen nur, dass Präsidenten und Abgeordnete gewählt werden, und sie versprechen uns viele gute Dinge &#8211; Strom, Straßen und ein anständiges Leben! Und was sehen wir? Wir leben so, wie wir können, und erwarten schon lange nichts mehr von ihnen. Das einzige Problem ist, dass es gefährlich ist, in die Nähe des Flusses zu gehen, wenn es schneit und friert. Dann sind wir vollständig von der Außenwelt isoliert. Ich wünschte, sie würden uns helfen, einen Steg zu bauen</em>“, sagt der Dorfälteste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einwohner von Kysyl Beyit leben am Fluss Naryn auf altmodische Art und Weise. Sie haben ihre Identität bewahrt und wissen auch ohne Strom auszukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Wir müssen an die Zukunft denken!“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Uyalkan Satarowa, Schichtführerin im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Toktogul-Talsperre">Wasserkraftwerk Toktogul</a>, nennt den Naryn-Fluss ihrerseits eine Lichtquelle. Sie wuchs in einer Familie von Energiespezialisten auf, ihr Mann ist ebenfalls ein Energiespezialist und ihr Sohn und ihre Tochter studieren in Bischkek, um Energieingenieure zu werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="668" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/95fd716b7b93a100e3cba3f51a79f5f8_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-26192" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/95fd716b7b93a100e3cba3f51a79f5f8_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/95fd716b7b93a100e3cba3f51a79f5f8_900xauto-300x223.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/95fd716b7b93a100e3cba3f51a79f5f8_900xauto-768x570.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Uyalkan Satarowa, Schichtführerin am Wasserkraftwerk Toktogul. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Der Fluss hat bedeutende Energieressourcen. An ihm sind große </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Kraftwerken_in_Kirgisistan"><em>Wasserkraftwerke</em></a><em> gelegen: Toktogul, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschk%C3%B6m%C3%BCr-Talsperre"><em>Tasch-Kömür</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Utschkorgon-Talsperre"><em>Ütschkurgan</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurpsai-Talsperre"><em>Kurpsay</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurpsai-Talsperre"><em>Schamaldysay</em></a><em>. Für die Zukunft ist der Bau von </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kambar-Ata-Talsperre"><em>Kambarata-2</em></a><em> und einer Kaskade vom höheren Naryn mit zugehörigen Reservoiren geplant. Die Stromerzeugung ist in Naryn direkt vom Wasser abhängig. Langfristig ist eine Reduzierung der verfügbaren Wassermenge unvermeidlich. Wenn der Pegel des Flusses sinkt, kann nur weniger Wasser durch den Damm fließen, was die Stromproduktion reduziert</em>“, so Satarowa. „<em>Das hat auch Folgen für die Nachbarländer und kann sogar einen Einfluss auf </em><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-funf-wichtigsten-wasserkonflikte-in-zentralasien/"><em>diplomatische Beziehungen</em></a><em> haben. Für Kirgistan selbst bedeutet eine reduzierte Wasserversorgung, dass es Strom oder Kohle von seinen Nachbarn kaufen muss. Aber erneuerbare Energiequellen könnten die Antwort sein.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sabirdschan Toktogulow, Direktor des Museums des Wasserkraftwerks Toktogul, kann eine lange Geschichte über Naryn erzählen: „<em>Er ist ruhig und gelassen in der Ebene. In den Bergen scheint er verrückt zu spielen und hat ein großes Energiepotential! Über seiner Länge hat der Fluss ein Gefälle von 1.715 m mit einem durchschnittlichen Gefälle von 3 Grad und ist in Bezug auf die Wasserenergiereserven fast gleichauf mit Europas größtem Fluss, der </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wolga"><em>Wolga</em></a><em>. Die Wolga hat 6,20 Millionen Kilowatt, der Naryn 5,94 Millionen Kilowatt.</em>“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="596" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/aef5668241d877810cb2471ba348498e_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-26193" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/aef5668241d877810cb2471ba348498e_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/aef5668241d877810cb2471ba348498e_900xauto-300x199.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/aef5668241d877810cb2471ba348498e_900xauto-768x509.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/aef5668241d877810cb2471ba348498e_900xauto-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sabyrdschan Toktogulow ist wie eine lebende Geschichte des Wasserbaus in Kirgistan. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der inzwischen pensionierte Toktogulow kam 1974 mit einer Komsomol-Reise nach Karakul und lebt seitdem hier. Er ist eine lebendige Geschichte des Wasserbaus in Kirgistan. „<em>Im April 1962 kamen die ersten Wasserbauingenieure zum Bau des Toktogul-Wasserkraftwerks mit einem Traum – zu erleben, wie mit ihrer Hilfe eine Glühbirne aufleuchtet und die Menschen mit Strom versorgt werden. Was sie geschaffen haben, ist heute noch lebendig</em>“, sagte er. „<em>Aber der Klimawandel ist bereits bewiesen. Das bedeutet, dass die Zukunft der kirgisischen Wasserkraft in Gefahr ist. Wir müssen an die Zukunft denken!</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wie-kirgistan-und-usbekistan-den-toktogul-stausee-teilen-die-geschichte-eines-sowjetischen-modernisierungsprojekts/"><strong>Wie Kirgistan und Usbekistan den Toktogul-Stausee teilen &#8211; die Geschichte eines sowjetischen Modernisierungsprojekts</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Toktogulow erzählt von dem, was er seit fast 40 Jahren beobachtet: „<em>Die Gletscher schmelzen, und wir müssen heute Wasser speichern. Hatte es unter der sowjetischen Planwirtschaft noch Ordnung und eine wissenschaftliche Herangehensweise gegeben, so hat jetzt die freie Wirtschaft zu Bodenerosion und der Degradierung der Weiden geführt. Das heißt, die Anzahl der Herden stimmt nicht mit der Kapazität der Weiden überein. All dies verschärft die Klimarisiken. Die Entscheidungsträger reden viel über die Ökologisierung der Wirtschaft, aber an der Durchführung mangelt es</em>.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="968" height="686" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/ff40fd136aeb7c096a06de6ba32070e7_autox687.jpg" alt="" class="wp-image-26194" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/ff40fd136aeb7c096a06de6ba32070e7_autox687.jpg 968w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/ff40fd136aeb7c096a06de6ba32070e7_autox687-300x213.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/04/ff40fd136aeb7c096a06de6ba32070e7_autox687-768x544.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 968px) 100vw, 968px" /><figcaption class="wp-element-caption">Plan der Talsperren am Naryn in Kirgistan. Quelle: <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a>/Vlad Uschakow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Wissenschaftler stimmen mit den Schlussfolgerungen von Toktogulow und anderen Anwohnern des Naryn-Flusses überein. Gab es in den 1960er Jahren in Kirgistan etwa 8.200 Gletscher, so sagen Klimaforscher voraus, dass im Jahr 2100 nur noch zwischen 142 bis 1.484 übrig sein werden. Ihr Volumen wird um das Zehnfache schrumpfen.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">„<em>Wir haben ernsthafte Klimaveränderungen in Kirgistan festgestellt. Es wurde bereits als eines der Länder in der Region anerkannt, die am empfindlichsten auf den Klimawandel reagieren. Das liegt daran, dass Kirgistan extrem abhängig vom Schmelzwasser der Gletscher ist</em>“, sagt <a href="https://www.youtube.com/watch?v=6ZVc_DZuxgY">Nicolas Muliniu</a>, UNICEF-Berater für den Klimawandel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Klimawandel lässt sich nicht mehr vollständig aufhalten, aber er kann verlangsamt werden. Das ist der einzig mögliche Weg sowohl für Kirgistan als auch für die anderen Länder der Region, die in Bezug auf Wasser voneinander abhängig sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Weitere Bilder gibt es im </em><a href="https://vlast.kz/story/43578-ural-territoria-isceznovenia.html"><em>Originalartikel</em></a><em> zu sehen.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Wlad Uschakow, Irina Bajramukowa und Gamal Soronkulow<br>Aus Kirgistan für <a href="https://vlast.kz/story/43626-sila-naryna.html">Vlast.kz</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Das Projekt „Developing Journalism &#8211; Exposing Climate Change“ zielt auf die Identifizierung und Lösung von Problemen des fortschreitenden Klimawandel durch die Entwicklung und Stärkung unabhängiger Medien in Zentralasien. ExpertInnen des </em></strong><a href="https://medialaw.kg/"><em><strong>Zentrums für Medien-Entwicklung</strong></em></a><strong><em> (Kirgistan) sowie der Redaktionen von </em></strong><a href="https://anhor.uz/"><em><strong>Anhor.uz</strong></em></a><strong><em> (Usbekistan), </em></strong><a href="https://asiaplustj.info/"><em><strong>Asia-Plus</strong></em></a><strong><em> (Tadschikistan) und </em></strong><a href="https://vlast.kz/"><em><strong>Vlast</strong></em></a><strong><em> (Kasachstan) leisten Unterstützung als MentorInnen. Das Projekt wurde von </em></strong><a href="https://www.n-ost.org/"><em><strong>n-ost</strong></em></a><strong><em> (Deutschland) und dem Internationalen Zentrum für Journalismus </em></strong><a href="https://medianet.kz/about-us/?lang=en"><em><strong>MediaNet</strong></em></a><strong><em> (Kasachstan) mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt.</em></strong></p>


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		<title>Der Ural – ein Fluss verschwindet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Feb 2021 11:27:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Fluss]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mehr als vier Millionen Menschen in Kasachstan und Russland leben im Becken des Urals und k&#xF6;nnen beobachten, wie der Fluss immer seichter wird. Als Hauptursache benennen WissenschaftlerInnen den Menschen. Ist das Schicksal des Urals noch zu retten?</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>FLUSSGESCHICHTEN. Mehr als vier Millionen Menschen in Kasachstan und Russland leben im Becken des Urals und können beobachten, wie der Fluss immer seichter wird. Als Hauptursache benennen WissenschaftlerInnen den Menschen. Ist das Schicksal des Urals noch zu retten? Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original auf </strong><a href="https://vlast.kz/story/43578-ural-territoria-isceznovenia.html"><strong>Vlast</strong></a><strong>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Alexander <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/Чибилёв,_Александр_Александрович">Tschibiljow (rus)</a> aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Orenburg">Orenburg</a> ist ein einer der anerkanntesten Wissenschaftler und weiß alles über die Ökologie des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ural_(Fluss)">Urals</a>. Oder fast alles. Seit den 80er Jahren erforscht er den Zustand des Flusses und ist Autor vieler dem Ural gewidmeter, wissenschaftlicher Arbeiten. Dennoch antwortet Tschibiljow auf solche Komplimente: <em>&#8222;Wenn ich gefragt werde, was zu tun ist, weiß ich eher, was nicht zu tun ist, da ich frühere Fehler analysieren kann.&#8220;</em></p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Und Fehler gab es laut dem Akademiker einige: Da wäre die Urbarmachung von ertragsarmen Böden, die jetzt das gesamte Becken des Urals schädigt. Da wäre der Iriklinsker Stausee, der rund 100 Kilometer nördlich der russisch-kasachstanischen Grenze für ein Wasserkraftwerk angelegt wurde. Und da war der Bau von Industriebetrieben, die sogar nach ihrer Schließung weiterhin die Gewässer vergiften.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Niemand hat die möglichen Schäden dieser Eingriffe berechnet. Die Schadstoffe, die in die Gewässer gelangt sind, haben sich in den Sedimenten angesammelt, und wir wissen nicht, wie viele es sind. Dieses Vermächtnis ist eine Zeitbombe. Jetzt ernten wir die Früchte des menschlichen Handelns im 20. Jahrhundert. Und der ökologische Schaden wird von Jahr zu Jahr größer“</em>, meint Alexander Tschibiljow.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="944" height="812" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/6765f14fedb5f903c4e83a8b3468ba22.png" alt="" class="wp-image-25504" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/6765f14fedb5f903c4e83a8b3468ba22.png 944w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/6765f14fedb5f903c4e83a8b3468ba22-300x258.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/6765f14fedb5f903c4e83a8b3468ba22-768x661.png 768w" sizes="auto, (max-width: 944px) 100vw, 944px" /><figcaption class="wp-element-caption">Alexander Tschibiljow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt nur vorläufige, sehr ungenaue Berechnungen über das Ausmaß der industriellen Verschmutzung am Ural. 2017 veröffentlichte eine Gruppe kasachstanischer und russischer Wissenschaftler &#8211; A. Keńshimonov und M. Shortanbaev sowie J. Nesterenko und S. Lewykin &#8211; um Herausgeber S. Achmetow  einen Sonderbericht mit vorläufigen Forschungsergebnissen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Bericht heißt es: <em>„Im Becken des Urals haben sich 20 Milliarden Tonnen (!) Industrieabfälle angesammelt. Die angegebene Menge umfasst auch Abfälle aus Anreicherungsanlagen und Gestein aus </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aufschluss_(Bergbau)"><em>Aufschlussarbeiten</em></a><em>.“</em></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/35cf783f6cb2fd545b8be71b47355b7d-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-25503" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/35cf783f6cb2fd545b8be71b47355b7d-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/35cf783f6cb2fd545b8be71b47355b7d-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/35cf783f6cb2fd545b8be71b47355b7d-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/35cf783f6cb2fd545b8be71b47355b7d-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/35cf783f6cb2fd545b8be71b47355b7d-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/35cf783f6cb2fd545b8be71b47355b7d-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/35cf783f6cb2fd545b8be71b47355b7d.jpg 1680w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Unter dem Becken des Urals ist dabei das gesamte Einzugsgebiets des Ural und seiner Nebenflüsse zu verstehen. Insgesamt münden in den Ural 58 Nebenflüsse, von denen die größten die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sakmara">Sakmara</a>, der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilek_(Fluss)">Ilek</a> und der Tschagan sind. Seit dem Bau des Iriklinsker Stausee am Oberlauf des Urals stammen 80 Prozent seines Wassers aus der Sakmara.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Staudämme sind nicht das einzige Problem</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im Allgemeinen dient der Betrieb von Wasserreservoirs nicht dem Ziel, das Ökosystem des Flusses zu erhalten. Viele Reservoirs, die im oberen und mittleren Teil des Beckens gebaut werden, werden ineffizient genutzt. Sie müssen überprüft werden“</em>, meint Alexander Tschibiljow.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch beeinflussen Dämme und Stauseen wirklich den Rückgang des Wasserspiegels im Fluss? Derzeit sind es vor allem Stauseen im Flussbett des Urals und seiner Nebenflüsse, die als einer der Gründe für die Austrocknung des Flusses ausgemacht werden. Nach Angaben Tschibiljows beobachtet man seit den 70er Jahren den sinkenden Ural-Pegel &#8211; genau seit jener Zeit, als mit dem Bau von Wasserkraftwerken und großen Stauseen im Oberlauf des Urals begonnen wurde. Heute gibt es neben dem Iriklinsker im Ural-Becken zwölf große Stauseen, von denen jeder ein Volumen von mindestens zehn Millionen Kubikmeter Wasser umfasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-funf-wichtigsten-wasserkonflikte-in-zentralasien/">Die fünf wichtigsten Wasserkonflikte in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die bilaterale Kommission für Probleme an grenzüberschreitenden Flüssen hat die Erhaltung des Flusses zum Ziel erklärt. Aber wie will man ihn erhalten, wenn wir in </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Baschkortostan"><em>Baschkirien</em></a><em> Stauseen bauen, wo sich die Abflussmenge generiert? Die </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wolga"><em>Wolga</em></a><em> existiert nicht mehr, stattdessen eine Kaskade von Stauseen. Der obere Abschnitt des Ural ist zu einem Drittel reguliert. Viele Jahre lang hatte der Ural gegenüber allen nach Süden fließenden Flüssen der europäischen Ebene (</em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Don_(Asowsches_Meer)"><em>Don</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dnepr"><em>Dnjepr</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dnister"><em>Dnjestr</em></a><em>, Wolga) den Vorteil, dass es im unteren und mittleren Lauf keine Stauseen und Dämme gab“</em>, erklärt Tschibiljow weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Vorschlag zur Rettung des Ural ist, Geld für die Vertiefung des Flussbettes zuzuweisen. WissenschaftlerInnen aber lehnen dies grundsätzlich ab, nennen die Flussbettvertiefung ein Abenteuer.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/b92bafdbe28a810e703e1ff62a4ccde0_900xauto.jpg" alt="" class="wp-image-25502" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/b92bafdbe28a810e703e1ff62a4ccde0_900xauto.jpg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/b92bafdbe28a810e703e1ff62a4ccde0_900xauto-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/b92bafdbe28a810e703e1ff62a4ccde0_900xauto-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/b92bafdbe28a810e703e1ff62a4ccde0_900xauto-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Davon, dass wir das Flussbett vertiefen, wird sich die Menge des Wassers nicht ändern. Zur gleichen Zeit gibt es ein Problem mit der Verschmutzung des Flussbetts – Baumstämme verursachen Stauungen von Algen und Schlamm. Aber in der Natur, in der natürlichen Umgebung, gibt es viele Mechanismen, die funktionieren. Ein natürliches Frühlingshochwasser spült zum Beispiel Stauungen durch umgestürzte Bäume weg und verwischt Sandinseln und Überläufe. Eine große Anzahl von Blaualgen, deren Auftreten wir Menschen negativ wahrnehmen, reinigt das Wasser tatsächlich gut von industriellen Verunreinigungen“</em>, sagt Serik Hairov, Leiter des wissenschaftlichen und technischen Labors für Wasserressourcen im Ural-Kaspischen Becken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Global denken, lokal handeln</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Galidolla Asidullin, Leiter der Ural-Kaspischen Wasserinspektion, ist ebenfalls skeptisch gegenüber der Idee, das Flussbett künstlich zu säubern. Seiner Meinung nach sei dies unglaublich teuer und sinnlos.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„In der Tat ist es notwendig, die Kanäle und Nebenflüsse, die in den Ural fließen, zu säubern. Wir haben den Ural-Kuschum-Kanal untersucht und das Gesehene ist sehr deprimierend, da zahlreiche Staudämme und Stauseen den Wasserfluss praktisch gestoppt haben. Infolgedessen wächst das Kanalbett mit Schilf und Algen zu. Es fließt kein Wasser ab. Das gleiche geschieht mit Betten kleinerer Flüsse im Ural-Becken – Barbastau, Derkul, Großer und Kleiner Usen. Das heißt, die Hälfte dieser kleinen Flüsse bringt ihr Wasser nicht mehr in den Ural. Kein Wunder, dass der Ural-Pegel fällt“</em>, erklärt Asidullin.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="943" height="652" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/6b152555babdf645e7c3e13786a44abb.png" alt="" class="wp-image-25501" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/6b152555babdf645e7c3e13786a44abb.png 943w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/6b152555babdf645e7c3e13786a44abb-300x207.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/6b152555babdf645e7c3e13786a44abb-768x531.png 768w" sizes="auto, (max-width: 943px) 100vw, 943px" /><figcaption class="wp-element-caption">Galidolla Asidullin</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Alexander Tschibiljow hält es für falsch, die Austrocknung des Ural ausschließlich mit den Wasserreservoirs zu verbinden. Langjährige Beobachtungen zeigten, dass es vor dem Bau des Stausees auch Jahre mit viel und wenig Wasser gab. Diese Perioden erfolgten in Zyklen und ständen in enger Beziehung zum Klimawandel, so der Forscher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Klimafaktor beeinflusst den Ural in einem globaleren Sinne: das Schmelzen der Polarkappen. Nach Ansicht mehrerer WissenschaftlerInnen kühlten Eisberge, die von Polargletschern abfallen, die warmen Meeresströmungen im Nordatlantik ab, die wiederum das Wetter bis nach Eurasien beeinflussen. Alexander Tschibiljow weist auch darauf hin, dass der globale Klimawandel alle Flüsse in der Mitte Eurasiens beeinflusst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kann-sich-das-schicksal-des-aralsees-am-balqash-wiederholen/">Kann sich das Schicksal des Aralsees am Balqash wiederholen?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es muss anerkannt werden, dass die wahren Ursachen und das Ausmaß des globalen Klimawandels trotz zahlreicher Daten und Prognosen schlecht untersucht sind. Eines ist sicher, dass diese Veränderungen in der mittleren Region Eurasiens, wo sich das Becken des Flusses Ural befindet, besonders empfindlich ist. Der Don, der </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kuban"><em>Kuban</em></a><em>, der </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Terek"><em>Terek</em></a><em>, die Wolga und der Ural leiden unter Niedrigwasser. Und im </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Altai"><em>Altai</em></a><em> und östlich davon, einschließlich dem </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amur"><em>Amur</em></a><em>-Becken, gibt es katastrophale Überschwemmungen. Die klimatischen Veränderungen sind nicht ausreichend untersucht, auch weil der Großteil der Oberfläche unseres Planeten vom Ozean mit seinen Strömungen eingenommen wird, welcher viel weniger erforscht ist als das besiedelte Land“</em>, meint Tschibiljow.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Ural wird leergetrunken</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entwicklung am Ural erregen auch deshalb Aufmerksamkeit, weil sie mit bloßem Auge sichtbar sind. Laut Statistik leben über die gesamte Länge des Urals – von den Ausläufern des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ural">Uralgebirges</a> in Baschkirien bis zu seiner Mündung ins Kaspische Meer &#8211; rund 4,2 Millionen Menschen. Sie sehen nicht nur, was mit dem Fluss passiert, sondern sind auch der Hauptgrund für die auftretenden Veränderungen. Sie nutzen den Fluss und verbrauchen Wasser. Offizielle Dokumente benennen Wasserverbrauch und Wassernutzung als stärksten Einfluss des Menschen auf den Ural.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hinsichtlich des industriellen Wasserverbrauchs aus dem Ural steht es nicht besser. Industrieanlagen, die Wasser aus dem Ural entnehmen, lassen verschmutztes Wasser zurück in den Fluss fließen. <em>„Deshalb müssen wir heute die Wassernutzung den kleinen Ressourcen anpassen, großen Wasserverbrauch vermeiden und uns in Zukunft auf Perioden mit äußerst wenig Wasser einstellen“</em>, meint Alexander Tschibiljow.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kaspisches-meer-niedrigster-wasserstand-seit-30-jahren-gemessen/">Kaspisches Meer: Niedrigster Wasserstand seit 30 Jahren gemessen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er weist auch darauf hin, dass solche extremen Niedrigwasserperioden sowohl in den 20er Jahren als auch 1954-55 beobachtet wurden. 1942 und 1957 verließ der Ural hingegen seine Ufer und zerstörte sogar mit seiner Strömung Eisenbahnbrücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das Einzige, wovon ich (trotz des allgemeinen Trends) überzeugt bin, ist, dass es auch noch Jahre mit viel Wasser geben und Uralsk </em>[die Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oral_(Stadt)">Oral</a> in Kasachstan &#8211; Anm. d. Red.] <em>wieder überflutet wird. Und es wird eine Abkühlung geben. Die Natur auf dem Planeten verändert sich ständig. Deshalb spreche ich immer wieder von notwendiger, wissenschaftlicher Begleitung, langen und regelmäßigen Forschungen über das Wiederaufleben des Flusses mit Hilfe der Grundlagenwissenschaft“</em>, fasst Alexander Tschibiljow zusammen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vorbild vom Rhein: &#8222;Stör 2050&#8220; am Ural?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ural wurde bis vor nicht allzu langer Zeit als weltweit wichtigster Lieferant von Stör und schwarzem Kaviar angesehen. In den 1970er Jahren machte der schwarze Kaviar aus dem Ural 40 Prozent der Gesamtmenge auf dem Weltmarkt aus. In den 90er Jahren meldeten WissenschaftlerInnen bereits, dass die Zahl der Störe im Fluss seit den 70ern um das 40-fache zurückgegangen sei. Oberhalb von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau">Atyraý</a> gebe es heute überhaupt keine Störe mehr. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Alexander Tschibiljow hatte in den 70er Jahren einen Atlas der Stör-Laichplätze im Ural erstellt. Heute räumt er ein, dass dieser Atlas hoffnungslos veraltet ist. Dennoch schlägt er vor, die Rückkehr des Störs als ein klares Kriterium für die Wiederherstellung des Ökosystems Ural zu betrachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Wiederherstellung der Stör-Population ist eher ein Orientierungspunkt, vielleicht sogar ein utopisches Ziel. Aber die Anwesenheit des Störs im Fluss ist ein Indikator für dessen ökologischen Zustand. Wenn es im Fluss eine beträchtliche Anzahl von Stören gibt, dann heißt das, dass der Fluss sich erholt. Wie zum Beispiel der Rhein, der in den 1960er Jahren der am meisten verschmutzte Fluss Europas war. Es wurde das Programm &#8218;Lachs-2000&#8216; gestartet und der Lachs kehrte zurück, wenn auch nicht in gewerblichem Ausmaß“</em>, meint Alexander Tschibiljow.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/3dcdfa9475484b290e212bfeaab7a412-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-25500" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/3dcdfa9475484b290e212bfeaab7a412-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/3dcdfa9475484b290e212bfeaab7a412-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/3dcdfa9475484b290e212bfeaab7a412-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/3dcdfa9475484b290e212bfeaab7a412-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/3dcdfa9475484b290e212bfeaab7a412-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/3dcdfa9475484b290e212bfeaab7a412-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/3dcdfa9475484b290e212bfeaab7a412.jpg 1680w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Wissenschaftler schlägt Behörden in Russland und Kasachstan  konkrete Schritte zur Rettung des Ural vor: <em>„Ja, beide Staaten geben riesige Summen für die Wiederherstellung des Ural aus. Aber es genügt ein kurzer Überblick über die Ausgaben, um zu verstehen, dass dieses Geld keine Wirkung haben. Wir haben viel Geld für Konferenzen, Runde Tische und Foren, aber sehr wenig für konkrete Handlungen ausgegeben. Meiner Meinung nach muss das Potenzial der Behörden darauf gerichtet werden, dem Ural einen besonderen Status zu verleihen“</em>, so Tschibiljow weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der Ural und seine Nebenflüsse tragen eine einzigartige biologische und landschaftlichen Vielfalt. Sie sind Wasser- und Freizeitressourcen und auf dem Abschnitt von Uralsk bis ans Kaspische Meer sind sie fast die einzige Quelle des Lebens. Wir brauchen den besonderen Status eines Naturschutzgebiets. Zumindest für einig Abschnitte der Flüsse: die Ursprünge des Oberlaufes mit einer Fülle von Quellen, die Schluchten mit ihren Bergflüssen und die Täler mit reichlich Auenwäldern und Seen &#8211; Lebensräume seltener Arten, Laichplätze wertvoller Fischarten und so weiter.&#8220;</em></p>


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<p class="wp-block-paragraph"><em>„In einigen Ländern gibt es die Kategorie besonders geschützter Flüsse. In der Sowjetzeit hatte der Abschnitt des Urals von der Mündung des Barbastau bis zum Kaspischen Meer den Status einer &#8218;Schutzzone&#8216;. In den 1980er Jahren hatten wir die Verlängerung dieser Schutzzone bis zur Mündung des Ilek geplant. An einem besonderen Status unseres Flusses muss auch die russisch-kasachstanische Kommission arbeiten, warum ist sie sonst geschaffen worden?“</em>, schließt Tschibiljow.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><em>Weitere Bilder gibt es im <a href="https://vlast.kz/story/43578-ural-territoria-isceznovenia.html">Originalartikel</a> zu sehen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Das Projekt „Developing Journalism &#8211; Exposing Climate Change“ zielt auf die Identifizierung und Lösung von Problemen des fortschreitenden Klimawandel durch die Entwicklung und Stärkung unabhängiger Medien in Zentralasien. ExpertInnen des </strong></em><a href="https://medialaw.kg/"><strong><em>Zentrums für Medien-Entwicklung</em></strong></a><em><strong> (Kirgistan) sowie der Redaktionen von </strong></em><a href="https://anhor.uz/"><strong><em>Anhor.uz</em></strong></a><em><strong> (Usbekistan), </strong></em><a href="https://asiaplustj.info/"><strong><em>Asia-Plus</em></strong></a><em><strong> (Tadschikistan) und </strong></em><a href="https://vlast.kz/"><strong><em>Vlast</em></strong></a><em><strong> (Kasachstan) leisten Unterstützung als MentorInnen. Das Projekt wurde von </strong></em><a href="https://www.n-ost.org/"><strong><em>n-ost</em></strong></a><em><strong> (Deutschland) und dem Internationalen Zentrum für Journalismus </strong></em><a href="https://medianet.kz/about-us/?lang=en"><strong><em>MediaNet</em></strong></a><em><strong> (Kasachstan) mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lukpan Ahmedıadov und Raul Uporov <a href="https://vlast.kz/story/43578-ural-territoria-isceznovenia.html">für Vlast</a></strong><a href="https://vlast.kz/story/43578-ural-territoria-isceznovenia.html"></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>


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